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Der Kampf der Orthodoxie gegen den Deismus

Aufklärung im geistigen Leben des 18. Jahrhunderts und bei König Friedrich Wilhelm II.

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 19 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Einleitung

2.0 Aufklärung und Gegenbewegung im geistigen Leben des 18. Jahrhunderts
2.1 Entwicklung der Aufklärung
2.2 Die Neologie
2.3 Die Theologie von Gotthold Ephraim Lessing

3.0 Die Religionspolitik unter Friedrich Wilhelm II.
3.1 Der König und die Religion
3.2 Die orthodoxe Religionspolitik von 1788 bis

4.0 Fazit

5.0 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In meiner Arbeit beschäftige ich mich zunächst mit der Aufklärung im 18. Jahrhundert, vornehmlich mit der zweiten Hälfte. Dabei soll es vor allem darum gehen, eine knappe Übersicht der Entwicklungen auf dem geistigen Gebiet der Aufklärung zu skizzieren, um so allgemein die Tendenzen der Zeit verstehen zu können. Nach einer Begriffserklärung der Aufklärung folgt eine oberflächliche Einführung in die neologische Phase der Aufklärung, die in den Rationalismus mündete. Gotthold Ephraim Lessing hat in meiner Arbeit ein eigenes Kapitel bekommen, da er sich über die Orthodoxie über die Neologie bis zum Rationalismus entwickelte und eine wichtige Gestalt in der Aufklärungsbewegung war. Hinzu kommt seine zentrale Rolle in dem berühmten Streit mit dem Hamburger Pastor Goeze.

Desweiteren geht es um König Friedrich Wilhelm II., den Neffen von Friedrich II., der in Politik und vor allem Religion einen völlig anderen Kurs als Friedrich der Große einschlug. Im Staate des aufgeklärten Herrschers war die Tendenz pro Aufklärer. Unter Friedrich Wilhelm hingegen erhielt die Aufklärung einen empfindlichen Gegenschlag, auch gerade durch die rosenkreuzerischen Minister Woellner und Bischoffwerder. Auf die orthodoxe Repressionspolitik soll hier der Hauptaugenmerk gelegt werden.

Hauptsächlich gestützt habe ich mich einerseits auf das Werk von Karl Aner, der eine sehr ausführliche Darstellung über die Aufklärungsströmungen, vor allem zur Neologie und Lessing, geschrieben hat. Wegweisend für den zweiten Teil meiner Arbeit war die Arbeit von Paul Schwartz zum ersten Kulturkampf in Preußen. Er geht sehr ausführlich auf die Arbeit von Minister Woellner ein und gibt einen guten Einblick in diesen Zeitraum der preußischen Geschichte.

2. Aufklärung und Gegenbewegung im geistigen Leben des 18. Jahrhunderts

2.1 Entwicklung der Aufklärung

Der Begriff Aufklärung stammt ursprünglich aus der Meteorologie und kommt vom französischen ecláirer, zu deutsch aufklären oder aufhellen. Zunächst war es ein Synonym für eine allgemeine Erkenntniszunahme, nicht nur für eine Epoche. Der Epochenbegriff wird Ende des 17. Jahrhunderts geprägt. Dabei ist zu beachten, dass von Aufklärung schon seit der Antike gesprochen wird[1], es also in dem Sinne kein neues Phänomen ist. In Preußen wird mit dem Tode Friedrichs II. und der antiaufklärerischen Wollner-Ära 1786 das Ende der Aufklärung datiert, doch generell klingt sie erst Mitte des 19. Jahrhunderts aus.[2] In Preußen gingen Aufklärung und Pietismus zusammen gegen die erstarrte, theologische Orthodoxie vor, erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich die deistische Tendenz der Aufklärung und der Pietismus wechselte die Seite zur Orthodoxie.[3] Der Pietismus entwickelte sich seit dem 18. Jahrhundert in Deutschland als Frömmigkeitsbewegung.[4]

Die theologischen Antiaufklärer waren von Anbeginn an die lutherischen und katholischen Orthodoxen, allen voran Johann Melchior Goeze (1717-1786), auf den ich später im Zusammenhang mit Lessing noch einmal eingehen werde. Weiterhin nennenswert sind Johann Georg Zimmermann (1728-1795) und Johann August Stark (1741 - 1816), ein Geistlicher, Gelehrter und Geheimbündler. Auch der „Emkendorfer Kreis“ unter Juliane Friederike Reventlow gehörte zur antiaufklärerischen Runde. Unter anderen der Schriftsteller Matthias Claudius war Mitglied in dieser Gesellschaft.[5] Auch Herder entwickelte sich zu einem leidenschaftlichen Gegner der Aufklärung, er pries Glauben, Empfindsamkeit, Natur und Gefühl und verachtete den Rationalismus.[6]

Hatte die Aufklärung zunächst vor allem religiös begründeten Widerstand seitens der Orthodoxen erfahren[7], kam es in den 1780er Jahren zu einem Übergang zur politischen Gegenaufklärung, in Preußen durch die Regierung Friedrich Wilhelms II. und in Frankreich durch die Revolution.[8] Darauf gehe ich im zweiten Teil meiner Arbeit ein.

Deismus bezeichnet den Glauben, dass die Welt zwar von Gott geschaffen wurde, er sich aber nach der Vollendung der Schöpfung aus der Verantwortlichkeit für diese zurückgezogen hat. Hinzu kommt die Loslösung vom Offenbarungsgedanken, was den Deisten den Verdacht der Ketzerei und Freigeisterei einbrachte. Einer der wenigen Intellektuellen, der der deistischen Lehre nahestand, war der Hamburger Hebräist Hermann Samuel Reimarus (1694-1768)[9], auf den im folgenden Kapitel noch einzugehen ist.

2.2 Die Neologie

Die Neologie war ein Abschnitt des großen Befreiungsprozesses vom kirchlichen Dogma auf religiöser Ebene. Im Wolffschen Stadium ging es darum, generell das Prinzip der Vernunft zu sichern. In der neologischen Phase richtete man sich gegen die Lehren der Kirche, im darauffolgenden Rationalismus ging es um die bloße Vernunftkritik. In der Neologie wird ganz spezifisch der neologische Offenbarungsbestand angegriffen.[10] Doch wird er keineswegs verworfen sondern mit rationalistischer Vernunftkritik verbunden.

Im historischen Rückblick scheint diese Phase der Aufklärung als Übergangsströmung, die noch einmal die Offenbarungslehre gegen den drängenden Rationalismus verteidigte, allerdings auf Dauer keinen Erfolg hatte.[11] Unter englischer Anregung, von der sich auch Lessing beeinflussen ließ, setzte bald eine Hochflut apologischer Schriften in Deutschland ein, vor allem in der Zeit von 1760 bis 1780.

Im Folgenden werden einige führende Neologen kurz angesprochen, um einen Überblick zu geben.

Einer der frühen Neologen war August Friedrich Wilhelm Sack (1703-1786), der entschieden forderte, die Offenbarungslehre kritisch zu durchdenken, um den Glauben in ein helleres Licht zu setzen.[12] Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem (1709-1789) hat die Aufklärung in den ersten beiden Phasen der Aufklärung entscheidend mitgefördert. Er hat einen Wandel von der Orthodoxie über den Wolffianismus bis zu Neologie durchlebt, wobei er sich nur zaghaft von den orthodoxen Traditionen löste, wandte sich dann aber früher der Neologie zu als andere.[13] Ab 1742 war der aus einem orthodoxen Pfarrershaus stammende Hofprediger beim Braunschweigischen Herzog Karl von Wolfenbüttel.[14]

[...]


[1] Alt, Peter Andre: Aufklärung, Stuttgart/ Weimar 1996, S.4, (im folgenden zitiert als: Alt: Aufklärung, S.).

[2] Borgstedt, Angela: Das Zeitalter der Aufklärung, Darmstadt 2004, S. 6ff. (im folgenden zitiert als: Borgstedt: Aufklärung, S.).

[3] Borgstedt: Aufklärung, S.12.

[4] Alt: Aufklärung, S. 41.

[5] Borgstedt: Aufklärung, S. 95.

[6] Feuchtwanger, Edgar Joseph: Preußen. Mythos und Realität, München 1970, S.97.

[7] Borgstedt: Aufklärung, S. 16.

[8] Borgstedt: Aufklärung, S. 96.

9 Alt: Aufklärung, S. 36ff.

[10] Aner, Karl: Die Theologie der Lessingzeit, Hildesheim 1964, S.4 (im folgenden zitiert als: Aner: Lessingzeit, S.).

[11] Alt: Aufklärung, S. 40.

[12] Aner: Lessingzeit, S.63.

[13] Aner: Lessingzeit, S.297.

[14] Aner: Lessingzeit, S.64ff.

Details

Seiten
19
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656304791
ISBN (Buch)
9783656447979
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v204481
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Historisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
kampf orthodoxie deismus aufklärung leben jahrhunderts könig friedrich wilhelm

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Titel: Der Kampf der Orthodoxie gegen den Deismus