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Chinas Währungspolitik im Wandel

Wechselkursregime, Geldpolitik und Finanzstabilität

Bachelorarbeit 2012 55 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Internationalisierung des chinesischen Renminbis
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Chinas Währungspolitik
2.1 Theoretische Grundlagen
2.2 Entwicklung der Währungspolitik in China
2.3 Ziele der chinesischen Währungspolitik
2.4 makroökonomische Auswirkungen

3 Auswirkungen der Währungspolitik auf das Finanzsystem
3.1 Struktur des Finanzsystems
3.2 Wirtschaftlichkeit des Finanzsystems
3.3 Stabilität des Finanzsystems

4 Auswirkungen der Währungspolitik auf die Finanzmärkte
4.1 Geldmarkt
4.2 Bondmarkt
4.3 Aktienmarkt
4.4 Immobilienmarkt

5 Zusammenfassung

6 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Matrix der Verwendung einer internationalen Währung

Abbildung 2: Mundell-Fleming-Modell

Abbildung 3: Wechselkurs CNY pro USD

Abbildung 4: Inflations-, Wirtschaftswachstum und Wechselkurs von 1980 bis 2011

Abbildung 5: Geldmenge und nominales Bruttoinlandsprodukt von 1990 bis 2007

Abbildung 6: Leistungsbilanz China und USA von 1980 bis 2010

Abbildung 7: Devisenmarkt und Wechselkursfixierung zwischen 1995 bis 2005

Abbildung 8: Expansive Geldpolitik in der kurzen Frist im AS-AD Modell

Abbildung 9: Expansive Geldpolitik in der mittleren Frist im AS-AD Modell

Abbildung 10: Inflationsrate und Geldmengenwachstum von China

Abbildung 11: Vergleich der Verbraucherpreisentwicklung in städtischen und ländlichen Gebieten

Abbildung 12: Devisenreserven

Abbildung 13: Einkommen und deren Wachstumsrate der ländlichen und städtischen Haushalte

Abbildung 14: Heutiges Finanzsystem

Abbildung 15: Aufteilung des chinesischen Bankenmarktes gemessen an Gesamtaktiven

Abbildung 16: Bankkredite und deren Anteil an der Gesamtfinanzierung

Abbildung 17: Brutto-Sparquote

Abbildung 18: Anlagediversifikation der chinesischen Haushalte

Abbildung 19: Erlösstruktur der chinesischen Banken in 2010

Abbildung 20: Prozentualer Anteil der notleidenden Kredite chinesischer Banken

Abbildung 21: Vergleich der Eigenkapitalrenditen der Banken

Abbildung 22: Wachstum der Erträge aus Versicherungsprämien

Abbildung 23: Geldaggregate

Abbildung 24: Geldmarkt

Abbildung 25: Laufzeitverteilung des chinesischen Anleihemarktes

Abbildung 26: Zinsstrukturkurve

1 Einleitung

1.1 Internationalisierung des chinesischen Renminbis

Während der letzten zwei Dekaden ist China zu einer (wirtschaftlichen) Großmacht herangewachsen. Hohe, langfristige Wachstumsraten, boomender internationaler Handel und ein andauernder Zufluss von Direktinvestitionen katalysieren den rapiden wirtschaftlichen Genesungsprozess und die Integration Chinas in die Weltwirtschaft. China hat im Jahr 2009 mit einer Exportsumme von 1.070 Milliarden US-Dollar [Die Zeit, 2010] den langjährigen Exportweltmeister Deutschland überholt und ist nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds im Jahr 2011 mit einem Bruttoinlandsprodukt von 6.988 Milliarden US-Dollar [IMF, 2011] zweitgrößte Wirtschaftsnation nach den Vereinigten Staaten, deren Bruttoinlandsprodukt 15.064 Milliarden US-Dollar beträgt.

Chinas Wachstumsraten werden größtenteils durch den Export ihrer Waren gestützt. Dabei ist der Außenhandel mit Ostasien von entscheidender Rolle, da China aus den ostasiatischen Nachbarstaaten, inklusive Japans, die benötigten Vorprodukte importiert, diese zu Endprodukten veredelt und anschließend meist an die Industriestaaten wie die Vereinigten Staaten oder die europäischen Länder exportiert. Die dabei entstehenden Handelsbilanzüberschüsse und die Devisenreserven, die vor der im April 2011 stattgefundenen Frühjahrestagung des Internationalen Währungsfonds in Höhe von mehr als 3000 Milliarden US-Dollar [FAZ, 2011] von der chinesischen Zentralbank mitgeteilt wurden, entfachen eine lebhafte, teils hitzige Diskussion über die Währungspolitik Chinas. Die grundsätzliche Unterstellung lautet, dass China den Wechselkurs ihres chinesischen Renminbis vorsätzlich manipuliere um ihre Waren auf Kosten der restlichen Welt zu exportieren [Krugman 2010].

Die chinesische Währung Renminbi ist durch Beschränkungen noch nicht kapitalkonvertibel, entspricht dennoch mit der formalen Handelskonvertibilität der chinesischen Währung Renminbi dem Artikel VIII , Abschnitt 2 „Vermeidung von Beschränkungen für laufende Zahlungen“, Abschnitt 3 „Vermeidung von diskriminierenden Währungspraktiken“ und Abschnitt 4 „Die Konvertibilität der im Ausland gehaltenen Guthaben“ des Internationalen Währungsfonds [IMF, 2011 und IMF, 1996].

1.2 Zielsetzung der Arbeit

Die chinesische Regierung hat sich mit dem Beitritt zur Welthandelsorganisation am 10. November 2001 verpflichtet, ihre Kapital- und Finanzmärkte für inländische und ausländische Investoren vollumfänglich zu öffnen und die bis dato bestehenden Beschränkungen vollständig aufzuheben [WTO, 2001]. In dieser Arbeit soll untersucht werden, wie die chinesische Regierung bei Veränderungen ihrer Wechselkurspolitik die Finanzstabilität des bestehenden Finanzsystems sicherstellen möchte. Ferner wird untersucht, welche Auswirkungen der Wandel der Wechselkurspolitik Chinas auf die Finanzpolitik, insbesondere vor dem Hintergrund der bestehenden Strukturen auf dem Geldmarkt, auf dem Bondmarkt, auf dem Aktienmarkt und dem Immobilienmarkt, hat.

1.3 Aufbau der Arbeit

Zu Beginn der Arbeit werden die Grundlagen der chinesischen Währungspolitik gelegt. Aus diesem Grund werden im ersten Teil des Kapitels die theoretischen Grundlagen erarbeitet. Anschließend werden die Entwicklung der Währungspolitik und die damit verbundenen Ziele der chinesischen Regierung dargestellt. Am Ende des Kapitels werden die makroökonomischen Auswirkungen der Währungspolitik umrissen.

Am Anfang des Kapitels drei wird die derzeitige Struktur des Bankensystems aufgezeigt. Um anschließend die Wirtschaftlichkeit und die damit verbundene Unabhängigkeit des chinesischen Bankensystems gegenüber der chinesischen Zentralbank zu beleuchten. Am Ende des Kapitels drei wird die Finanzstabilität des Bankensystems unter der Vorgabe einer weiteren Liberalisierung des Bankensystems einhergehend mit der Internationalisierung der chinesischen Währung analysiert um mögliche Lösungsvorschläge aufzuzeigen.

Die in Kapitel zwei angerissenen makroökonomischen Auswirkungen werden im Kapitel vier nun für den Kapitalmarkt, namentlich für den Geldmarkt, für den Bondmarkt und für den Aktienmarkt aufgezeigt. Dabei wird geprüft, ob die bisherigen Strukturen der drei Teilmärkte des Kapitalmarktes für eine weitere Internationalisierung des chinesischen Renminbis ausreichen, oder ob die Märkte noch Reformen bedürfen um die weitere Liberalisierung der Währung unter der Prämisse der Finanzstabilität gewährleisten zu können.

Im Anschluss findet eine Zusammenfassung statt.

2 Chinas Währungspolitik

2.1 Theoretische Grundlagen

In der Literatur basiert die internationale Rolle einer Währung auf den globalen Kapitalmärkten auf zwei zentralen Begriffen. Zunächst wird eine klare Unterscheidung zwischen "Inland" und "international" gemacht. Chinn und Frankel [2007, S. 283-321] und die europäische Zentralbank2007 legen bei der Internationalität einer Währung Wert auf die strikte Bemessung der Internationalität in Bezug auf den Währungsgebrauch. Dabei fokussiert man sich auf den Grad der Währungsverwendung außerhalb des Heimatlandes oder dessen Ausgabebereiches. Andere Autoren, wie Kannan oder Lim, definieren eine internationale Währung als eine Währung, die in internationalen Transaktionen verwendet wird oder genauer gesagt für stattfindende Transaktionen Gebietsfremder mit Inländern oder mit Drittländern außerhalb des Heimatlandes verwendet wird [Kannan, 2007 und Lim, 2006].

Der zweite Begriff ist die internationale Rolle der Währung auf dem internationalen Markt für Schuldscheine oder Schulden. Dieser Markt, der aufgrund seiner klaren Abgrenzungsmöglichkeit zwischen den internationalen Aktivitäten eines Landes und den inländischen Aktivitäten des Landes ausgewählt wird, wird als Emissionsmarkt von Gebietsfremden eines Währungsraumes definiert. Folglich gelten der Aktienmarkt und die Märkte für Staatsanleihen und nicht internationale Firmenschulden als inländische Märkte. Der Fokus auf den internationalen Schuldenmarkt spiegelt das Ziel wider, dass die internationale Funktion einer Währung eine Finanzierungs- und eine Investitionsfunktion ist.

Die anknüpfende Matrix veranschaulicht die Bedeutungen und die Einsetzbarkeit einer internationalen Währung.

In der Theorie besitzen internationale Währungen die gleichen Geldfunktionen, die jeder Währung zugeschrieben werden kann. Erstens dient das Geld oder die Währung als Tauschmittel. Es ist wesentlich einfacher, Transaktionen mittels Geld abzuschließen, da die negativen Eigenschaften eines Warentausches wie die Transportfähigkeit, Lagerfähigkeit und die Güte der Tauschware die Transaktion nicht behindern oder verlangsamen kann. Zweitens dient die Währung als Rechenmittel. Dies bedeutet, dass die Geschäfte durch die Einführung des Geldes respektive der Währung vergleichbar sind und die sonst zunehmenden Tauschrelationen nicht mehr notwendig sind. Dies erleichtert den Handel enorm, da die zuvor angewandten Tauschrelationen bei einer Vielzahl von Waren und Dienstleistungen exponential ansteigen würden. Die dritte Funktion der Währung ist die Wertaufbewahrungsfunktion. Die Wertaufbewahrungsfunktion ermöglicht durch das Substitut Währung die bisherigen Warentauschgeschäfte zu modifizieren, da das Substitut nicht direkt wieder eingesetzt werden muss, sondern gespart werden kann. Das generelle Sparen eines Wirtschaftssubjektes wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit einen besonderen Stellenwert einnehmen.

Gleichzeitig wird die Verwendung der Währung in der privaten Nutzung und in der offiziellen Nutzung unterschieden. Die Währung wird durch private Nutzer im theoretischen Teil der Matrix für drei Funktionen verwandt. Die Entwicklung einer Landeswährung zu einer Leitwährung findet dann statt, wenn eine Majorität von Ländern oder deren Bevölkerungen den Wechselkurs der eigenen Währung auf jene Richtwährung bezieht und Geldguthaben bevorzugt in ihr hält. Dabei wird die Geld- und Zinspolitik des Leitwährungslandes dominant [Molitor, 2006,!" #]. Zudem wird die internationale Währung zu einer Investitions- und Finanzierungswährung, da die privaten Haushalte Investitionen und Finanzierungen sowohl in ihrer Heimatwährung als auch in einer gebietsfremden Währung tätigen.

Die theoretische Verwendung einer internationalen Währung durch den Staat kann durch drei Funktionen geschehen. Erstens dient die internationale Währung als Interventionswährung. Eine Interventionswährung sollte die internationale Währung sein, gegen die die einheimische Währung am häufigsten gehandelt wird. Dies reduziert die Kosten und vereinfacht die Abwicklung mit Ländern, die unter einem flexiblen Wechselkursregime agieren. Zudem macht es das Intervenieren in die Währung durch die Zentralbank einfacher, da die geringeren Transaktionskosten, gemessen an den Bid-Offer-Spreads, die Kosten für die Intervention nicht zusätzlich anheben. Darüber hinaus sind Abrechnungssysteme in der Regel zuverlässiger. Für die meisten Entwicklungsländer ist die Interventionswährung der US-Dollar, da sich der bis dato stattfindende Devisenhandel auf den US-Dollar konzentriert ist. Der US-Dollar ist selbst in der Eurozone und in Ländern, die ihre Währung an einen Währungskorb gekoppelt haben, die Interventionswährung. Eine Zentralbank interveniert gegen eine Fremdwährung um das Risiko den auf dem im Devisenmarkt bestehenden enormen Über und Unterbewertungen der eigenen Währung gegen die Fremdwährung zu verringern. Dabei sollte die Zentralbank zu einem bestimmten Zeitpunkt nur gegen eine Währung intervenieren, da ansonsten durch die Cross-Rate-Wechselkurse Arbitrage-Möglichkeiten entstehen und die Spekulanten auf Kosten der Zentralbank risikolose Gewinne erwirtschaften können. Der Eingriff einer Zentralbank mittels einer Devisenintervention gegen eine Währung hat keinen Einfluss auf die am Devisenmarkt tätigen Kontrahenten. Eine Zentralbank sollte eine begrenzte Anzahl von Währungen bekannt geben, in welchen sie die Interventionen durchführen kann [$ % & ' " (( , S. 28f]. Zweitens füllt die internationale Währung die Funktion der Ankerwährung aus. Die Ankerwährung kann anhand der drei länderspezifischen Determinanten, die wie folgt heißen die externen Effekten des Handelsnetzwerkes, die gleichgerichteten Outputentwicklung und der Nennwert der Währungsverbindlichkeiten, ausgewählt werden [Meissner und Oomes, 2008, S.15]. Der öffentliche Gebrauch einer Ankerwährung ähnelt dem Leitwährungsgebrauch privater Haushalte. Drittens benutzt der Staat die internationale Währung um Währungsreserven zu bilden. Währungsreserven sind die von der Zentralbank in ausländischer Währung, Edelmetallen, Sonderziehungsrechten und Reservepositionen im Internationalen Währungsfonds gehaltenen Mittel auf der Aktivseite, um bei etwaigen Devisenmarktinterventionen und zur Finanzierung von Außenhandelsdefiziten eingesetzt zu werden. Die Währungsreserven werden in der Zahlungsbilanz unter den Konten Kapitalbilanz und Devisenbilanz erfasst. Die Währungsreserven liegen zu einem großen Teil in Form von liquiden Mitteln und kurzfristigen Einlagen vor. Grundsätzlich entstehen Währungsreserven durch erzielte Leistungsbilanzüberschüsse eines Wirtschaftsraumes [Görgens und Ruckriegel, 2007, S. 41ff].

Neben der theoretischen Verwendungsmöglichkeit für private Haushalte/Unternehmen und für den Staat wird die internationale Währung auf in der Praxis eingesetzt. In der Praxis verwenden die privaten Haushalte und die Unternehmen die internationalen Währungen auf den Finanzmärkten um Investitionen und Finanzierungen zu tätigen. Aus diesem Grund werden die internationalen Währungen auf allen Teilmärkten des Finanzmarktes verwendet. Zusätzlich dient die internationale Währung als internationale Handelsfaktura, um die Waren oder Dienstleistungstransaktionen mit geringen Transaktionskosten durchzuführen. Der Staat kann die internationale Währung als Ankerwährung benutzen, um die Stabilität der eigenen Währung zu gewährleisten. Der Staat nutzt seinen verlängerten Arm, die Zentralbank, um die Währungsreserven, die bei Leistungsbilanzüberschüssen entstehen anzulegen und zu verwalten.

Grundsätzlich entstehen einem Land und den gebietsangehörigen Wirtschaftssubjekten durch die Internationalisierung der heimischen Währung monetäre und nicht monetäre Vorteile. Die entstehenden, monetären Vorteile sind auszugsweise die Zunahme der Anzahl in- und ausländischer Investoren und Emittenten, sinkende Transaktions- und Kreditkosten, steigende Zentralbankerträge durch Seignorage und eine erhöhte Anzahl von Geschäftsmöglichkeiten für inländische Finanzinstitutionen. Gleichzeitig reduziert die Rechnungsstellung in der inländischen Währung das direkte Wechselkursrisiko und die Ertragsschwankungen der inländischen Wirtschaft aufgrund der Nichtauswirkungen von möglichen Wechselkursvolatilitäten. Die Internationalisierung einer Währung ermöglicht die nicht monetären Vorteile, die sich in Form von Einfluss und Prestigegewinnen äußern können [Thiman, 2010, S.3f].

Die Voraussetzungen für die Internationalisierung der einheimischen Währung sind größtenteils in der Binnenwirtschaft zu finden. Die entscheidenden Parameter ist der Zustand des Kapitalmarktes, die makroökonomische Wirtschaftspolitik des Landes und der relativen Größe des Währungsraumes gemessen an verschiedenen, wirtschaftlichen Indikatoren [Chen und Peng, 2010, S. 117f]. Die verschiedenen Ausprägungstiefen der jeweiligen Wirtschaftsparameter ermöglichen die Wahl des Wechselkursregimes und werden wiederum durch die Wahl des Wechselkursregimes gefördert. Entsprechend der Wahl können gemäß der „konkurrierenden Zielkonflikte“ [Frenkel und Menkhoff, 2000, S. 11] zwei von drei wichtigen Zielen erreicht werden, die die Mehrzahl von Wirtschaftsstaaten konzentrieren sich auf die Erreichung dieser Ziele. Die nachfolgende Abbildung, die das Mundell-Fleming-Modell visualisiert, zeigt die drei konkurrierenden Ziele in den Eckpunkten des Dreieckes.

Das Mundell-Fleming-Modell ermöglicht jeder Regierung ein Eckpunkt des Dreiecks zu wählen, um die Vorteile für den Staat, für die Unternehmen und für die privaten Haushalte ihrer Volkswirtschaft zu generieren. Die feste Wechselkursbindung an eine bestimmte Währung ermöglicht die Inflation einzudämmen und somit die Geldwertstabilität zu gewährleisten. So hat 1991 Argentinien die feste Wechselkursbindung des argentinischen Pesos an den US-Dollar mit einer Parität eingeführt. Dies führte zu einem deutlichen Rückgang der Inflation und ermöglichte einen wirtschaftlichen Aufschwung. Trotzdem kam es Ende 2001 zu einer Währungs- und Staatsschuldenkrise, da die argentinische Politik versäumt hatte, die Schwächen auf dem heimischen Arbeitsmarkt und in dem öffentlichen Finanzwesen zufriedenstellend zu lösen [Krugman und Obstfeld, 2009, S. 845ff]. Die stärkste Form eines Currency Boards, dem sogenannten Hard Peg, besteht darin, die eigene Währung durch die ausländische Währung zu ersetzen [Blanchard und Illing, 2009, S. 640].

Die Mitgliedsländer der Eurozone haben unter der Regie der Europäischen Zentralbank mit der Einführung des Euros den flexiblen Wechselkurs gewählt. Die europäische Zentralbank kann mit Zustimmung ihrer Organe makroökonomische Stabilisierungsmaßnahmen einsetzen, um die wirtschaftliche Lage des Währungsraumes unter Einhaltung der Preisniveaustabilität zu stimulieren [ECB, 2012]. Die gemeinsame Währung ermöglicht eine weitere Senkung der Transaktionskosten und entfernt Wechselkursrisiken bei Transaktionen zweier Kontrahenten des europäischen Währungsraumes. Indessen entstehen Wechselkursschwankungen bei Transaktionen mit Nicht-Euro-Ländern, die eine gewisse Planungsunsicherheit aufweisen können [Krugman und Wells, 2010, S. 1129 ff].

Die Volksrepublik China entschied sich in den neunziger Jahren für einen festen Wechselkurs mit der Verwendung des US-Dollars als Ankerwährung. Der negative Effekt ist, dass China gemäß der oben dargestellten Abbildung auf die freien Kapitalbewegungen verzichten muss. Die begleitende Auswirkung bei dem Verzicht auf die freien Kapitalbewegungen ist die Verpflichtung, den angestrebten Wechselkurs durch Deviseninterventionen und anderen geldpolitischen Instrumenten zu stärken. Die bis dato vorhandenen Kapitalimport- und Kapitalexportbeschränkungen sind Bestandteil der Unterstützung des anvisierten Wechselkursniveaus, da es sowohl Gebietsfremden erschwert wird im Inland zu investieren, als auch Gebietsangehörigen erschwert wird im Ausland zu investieren. Dies hat zur Folge, dass die Nachfrage- und Angebotsschwankungen der einheimischen Währung deutlich abgeschwächt werden. Ein weiterer Bestandteil der Unterstützung des anvisierten Wechselkursniveaus ist die Veränderung des Zinsniveaus.

Der Hauptunterschied zwischen der Verwendung eines festen und flexiblen Wechselkurses ist in der Tatsache begründet, dass der Wechselkurswert auf unterschiedliche Weise bestimmt wird. Der Wert des Wechselkurses innerhalb eines flexiblen Wechselkursregimes wird durch das Angebot und die Nachfrage auf dem Devisenmarkt ermittelt. Der Wert des Wechselkurses innerhalb eines festen Wechselkursregimes wird durch die inländische Regierung und dessen Zentralbank den Marktteilnehmer oktruiert.

Um der Vollständigkeit Rechnung zu tragen, ist festzuhalten, dass neben den dargestellten Eckpunkten des „unmöglichen Dreiecks“ eine Reihe von Abstufungen zwischen den absolut festen und absolut flexiblen Wechselkursbildung bestehen, die in dieser Arbeit allerdings nur bei Bedarf näher beschrieben werden[vertiefend hierzu vgl. Caspers, 2002, S. 142ff].

2.2 Die Entwicklung der Währungspolitik in China

Vereinfachend lässt sich die Entwicklung der Währungspolitik Chinas in drei Phasen einteilen. Die nachfolgende Abbildung soll diese aufzeigen: Die Nichtkonvertierbarkeit des chinesischen Renminbis bis 1994, den festen Wechselkurs von 1995 bis zum 21. Juli 2005 und die stetige Aufwertung der Währung seit 2005.

In der ersten Phase der Währungspolitik Chinas verfolgte die chinesische Regierung ein Wechselkursregime mit zwei Wechselkursen. Der offizielle Wechselkurs, der sogenannte „Crawling Peg“, wurde von der chinesischen Regierung in den achtziger Jahren mit einem Kurs von 1,50 Renminbi pro US-Dollar willkürlich festgelegt. Während der ersten Phase wurde dieser offizielle Wechselkurs in kleinen Schritten abgewertet und erreichte am Ende des Jahres 1993 einen Wechselkurs von 5,8 Renminbi pro US-Dollar. Der zweite Wechselkurs wurde auf dem Geldaufbewahrungsmarkt angewandt und wurde dort von Angebot und Nachfrage bestimmt. Die Transaktionen, die die Leistungs- und die Kapitalbilanz betrafen, wurden kontrolliert, um die spekulativen Kapitalströme zu verhindern. Gleichzeitig wurden die Exporte und Importe über staatliche Handelsgesellschaften abgewickelt. Diese Kontrollen beeinflussten weder Anreize für den Export und für den Import noch das inländische Preisniveau. Zu Beginn der zweiten Phase, im Jahr 1994, reformierte die chinesische Regierung sowohl die inländische Besteuerung als auch die Organisation des Außenhandels. Die Veränderung der Organisation des Außenhandels hatte zur Folge, dass die Devisenkontrollen für Transaktionen, die in der Leistungsbilanz abgebildet werden - also dem Im- und Export, Zinsen und Dividenden -, aufgehoben wurden und separate, vergünstigte Wechselkurse für gewerbliche Waren abgeschafft wurden. Gleichzeitig wurden die beiden Wechselkurse zu einem Wechselkurs vereinigt.

Dieser Schritt bedeutete für die einheimische Währung eine Abwertung um circa 50 Prozent, da der neue Wechselkurs auf 8,70 Renminbi pro US-Dollar im Jahr 1994 festgelegt wurde. Wie die folgende Abbildung zeigt, ist dieser Schritt, die Währung deutlich abzuwerten, durch die hohe Inflation im Zeitraum von 1993 bis 1995 begründet. Die Motivation den Wechselkurs auf ein im Jahr 1995 eingependeltem Kursniveau von 8,28 Renminbi pro US-Dollar zu halten ist in der Stabilisierung des inländischen Preisniveaus und der Wachstumsrate des Landes begründet.

Im Jahr 1996 hat China die formale Handelskonvertierbarkeit ihrer Währung nach Artikel VIII des Internationalen Währungsfonds erfüllt. Die chinesische Regierung unter Premierminister Zhu Rongji flexibilisierte während der Asienkrise 1997/98 trotz des von den Nachbarstaaten auferlegten deflationären Drucks nicht und führte stattdessen eine expansive Fiskalpolitik ein, deren Budget auf eine Milliarden US-Dollar festgelegt wurde. Die chinesische Währungs- und Fiskalpolitik reduzierte das Ausmaß der Asienkrise und ermöglichte eine schnellere, wirtschaftliche Erholung der Nachbarstaaten, da die Stabilität der chinesischen Währung mit einer festen Wechselkursbindung an den US-Dollar erreicht wurde. Der Wechselkurs wurde mit 8,28 Renminbi pro US-Dollar und einer Schwankungsbandbreite von +/- 3 Prozent um den Wechselkurs bestimmt und schaffte weitere Glaubwürdigkeit.

Die chinesische Zentralbank musste ständig ausländische Devisen kaufen, um die Währung weiterhin stabil zu halten. Dies erforderte eine Erhöhung der Geldbasis. Jedoch balancierte die Geldnachfrage aus dem hohen Wachstum des Bruttoinlandsproduktes, gepaart mit der Einkommenselastizität der Geldnachfrage größer als eins, die rapide Zunahme der Geldmenge aus.

Neben dem monetären Kontrollmechanismus, dem Wechselkurs, besitzt die Zentralbank noch weitere Instrumente um die Überhitzung der Wirtschaft zu vermeiden. Die Zentralbank kann unter anderem die direkte Kontrolle über Bankkredite, einschließlich der Mindestreserve, Kreditquoten und der restriktiven Kreditvergabe nach Sektoren ausüben um die Wirtschaft abzukühlen. Die rasche finanzielle Transformation und die hohe Sparquote waren und sind für die Geldaggregate viel zu unberechenbar, um als Zwischenziel nützlich zu sein. Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, definiert als Bruttoinlandsprodukt dividiert durch die Geldmenge, ist im Fall China noch schwieriger vorherzusagen, da das nominale Bruttoinlandsprodukt selbst starken Schwankungen unterliegt.

Die folgende Abbildung zeigt, dass seit 1990 die Geldmenge schneller steigt als das nominale Bruttoinlandsprodukt. Im Jahr 2008 nähert sich das Geldaggregat M2, welches sich aus dem Zentralbankgeldbestand der Kreditinstitute , den Sichteinlagen der Nichtbanken, dem gesamten Bargeldumlauf, den Einlagen mit vereinbarter Laufzeit bis zu zwei Jahren und Einlagen mit gesetzlicher Kündigungsfrist bis zu drei Monaten besteht, 200 Prozent des nominalen Bruttoinlandsproduktes [Bofinger, 2007, S. 447ff].

Das hohe Wachstum der Geldmenge M2 ist Folge der hohen Sparquote Chinas, da die klassischen Bankeinlagen den wichtigsten Vermögenswert der chinesischen Sparer darstellen. Die Folgen der hohen Sparquote und die damit verbundenen Risiken für das chinesische Bankensystem und für den chinesischen Kapitalmarkt werden in den Kapiteln 3 und 4 beschrieben und analysiert.

Der Übergang zur dritten Phase der chinesischen Wechselkurspolitik ist auf zwei Bestandteile zurückzuführen. Zum einen führte der unerwartet hohe Leistungsbilanzüberschuss, gepaart mit den hohen Einströmen von ausländischen Direktinvestitionen, zu hohen Zahlungsbilanz- Überschüssen. Die nachfolgende Abbildung zeigt die prozentuale Entwicklung der chinesischen Leistungsbilanz, gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Die Leistungsbilanzüberschüsse stiegen von 2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes im Jahr 2003 bis auf 10 Prozent im Jahr 2007 und verringerte sich aufgrund der im Jahr 2007 ausgebrochenen Finanzkrise auf 5,1 Prozent.

Dieser Anstieg des chinesischen Leistungsbilanzüberschusses ging mit dem Anstieg des amerikanischen Leistungsbilanzdefizits einher. Vereinfachend kann der chinesische Leistungsbilanzüberschuss und das amerikanischen Leistungsbilanzdefizit mit den Exporten chinesischer Güter an die Vereinigten Staaten begründet werden. Dies hat zur Folge, dass amerikanische Politiker den Verlust der einheimischen Arbeitsplätze fürchten. Zum anderen wurden die chinesischen Zahlungsbilanzüberschüsse von Ökonomen und Politikern als Wechselkursproblem interpretiert. Der Aufbau der chinesischen Währungsreserven wird meist als Indikator für die Manipulation des Wechselkurses durch die chinesische Regierung angeführt. Unterdessen erhöhten und erhöhen die Politiker, allen voran die US-Senatoren Charles Schumer aus New York und Leslie Graham aus North Carolina, den Druck auf die chinesische Regierung, den Wechselkurs aufwerten zu lassen, da ansonsten Importzölle auf chinesische Güter erhoben werden könnten [Abrams, 2011]. Am 21. Juli 2005 wertete China ihre Währung einmalig um 2,10 Prozent gegen den US-Dollar auf und ließ in den folgenden Jahren die chinesische Währung um 6 Prozent pro Jahr aufwerten.

In 2007/2008 führten die Erwartungen der weiteren Aufwertung des Renminbis und der Fall der US-Zinsen unter die chinesischen Zinsen, die damit verbundenen Kapitalzuflüsse ausländischer Investitionen und die Interventionen der chinesischen Zentralbank zu hohen Währungsreserven Chinas. Der zunehmende Umfang der Devisenkäufe erklärt den Verlust der Geldpolitik und begrenzt den Spielraum für die Sterilisation der monetären Auswirkungen. Zudem wird sich China von einer deflationären Kraft in der Weltwirtschaft zu einer inflationären Kraft entwickeln.

2.3 Ziele der chinesischen Währungspolitik

Im Jahr 1983 entschied die chinesische Regierung, dass die Peoples Bank of China die Funktion der offiziellen Zentralbank übernimmt. Dieser Status wurde vom 3. Plenum des 8. Volkskongresses am 18. Mai 1995 bestätigt. [People’ Bank of China, 2012] Die Aufgabe der Zentralbank besteht darin, mögliche Finanzrisiken zu verhindern oder zu lösen um die finanzielle Stabilität zu sichern. Dabei erfüllt sie folgende Funktionen. Die Zentralbank formuliert und setzt die Geldpolitik um, gibt Renminbi aus und verwaltet ihre Verbreitung, reguliert den Interbankenkreditmarkt und den Interbanken-Bondmarkt, verwaltet Devisen- und Goldreserven der Volksrepublik Chinas, überwacht den Finanzsektor, hält den Zahlverkehr aufrecht und übernimmt andere Funktionen, die ihr von der chinesischen Regierung auferlegt werden.[People’s Bank of China, 2012a]

Die Zentralbank definiert ihr Ziel darin, die Wertstabilität des Renminbis zu halten und somit das Wirtschaftswachstum zu fördern. Dies gleicht dem Ziel der europäischen Zentralbank, die Preisstabilität zu gewährleisten und entspricht der vorherrschenden ökonomischen Meinung, dass ein langfristiges Wirtschaftswachstum nur durch die Preisstabilität zu erreichen ist [Artikel 105 Absatz 1 des EG-Vertrages]. Daher ist die Preisstabilität auch das vorrangige Ziel, was es zu erreichen gilt. Somit stellt der Wechselkurs ein wichtiges Instrument dar, um die zuvor genannten Ziele zu erreichen. Aus der Theorie können vier Ziele der Wechselkurspolitik abgeleitet werden.

Erstens steigert China die Wettbewerbsfähigkeit der zu exportierenden Güter durch das Eingreifen der Zentralbank auf dem Devisenmarkt. Das auf dem Export der chinesischen Güter basierende Wirtschaftswachstum hat in den vergangenen zwei Dekaden die Arbeitslosigkeit stark gesenkt und Millionen von Arbeitslosen, meist aus der ländlichen Bevölkerung, in eine industrielle Beschäftigung gebracht.

Zweitens versucht der Staat die Zahlungsbilanz, die wertmäßig alle wirtschaftlichen Transaktionen zwischen Inländern und Ausländern innerhalb eines bestimmten Zeitraums erfasst, ausgeglichen zu halten. In einem System flexibler Wechselkurse, wie beispielweise in der Eurozone, wird das Zahlungsbilanzgleichgewicht über den Wechselkursmechanismus gewährleistet. China, das ein fixes Wechselkursregime benutzt, nimmt Zahlungsbilanzungleichgewichte in Kauf, um Wechselkursschwankungen ihrer Währung zu verhindern.

Die nachfolgende Abbildung zeigt die Maßnahmen, die von der chinesischen Zentralbank unternommen werden müssen, um das gewünschte Wechselkursniveau zu erreichen. Auf der Ordinate ist der Wechselkurs des Renminbis in Verhältnis zum US-Dollar abgetragen. Die Menge der von der chinesischen Zentralbank gehaltenen US-Dollar ist auf der Abszisse ausgedrückt. DD drückt die vom Wechselkurs abhängige Nachfrage an US-Dollar und DS gibt dementsprechend das von dem Wechselkurs abhängige Angebot an US-Dollar wieder. Die Devisennachfrage entsteht aus den Güterimporten und aus den Kapitalexporten. Die Güterexporte und Kapitalimporte bilden das Devisenangebot. Unter normalen Bedingungen sinken die chinesischen Güterimporte, wenn der Renminbi gegen den US-Dollar abwertet und daher der nominelle Wechselkurs von 8,28 Renminbi pro US-Dollar steigt. Die Devisennachfragekurve (DD) besitzt aus diesem Grund eine negative Steigung. Dem entgegengesetzt nehmen die Güterexporte im Rahmen einer Abwertung des Renminbi grundsätzlich zu, sodass die Devisenangebotskurve (DS) eine positive Steigung hat. Eine Rechtsverschiebung der Devisenangebotskurve (DS1) findet aufgrund der Erhöhung der Güterexporte oder der Erhöhung der Kapitalimporte statt. Bei einer freien Wechselkursbildung, also durch Angebot und Nachfrage, würde sich ein neues Wechselkursgleichgewicht einstellen, das zeitgleich auch das Zahlungsbilanzgleichgewicht darstellt. China besitzt jedoch ein festes Wechselkursregime. Aus diesem Grund ist es notwendig, dass die Zentralbank mit Devisenmarktinterventionen das Überschussangebot in Höhe der Strecke AB aufkauft. Die Zentralbank kauft aus diesem Grund die US-Dollar am Devisenmarkt an, um ihre Währung bei einem Wechselkurs von 8,28 Renminbi pro US-Dollar zu stabilisieren und legt die gekauften US-Dollar bevorzugt in US-Staatsanleihen an.

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Details

Seiten
55
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656349426
ISBN (Buch)
9783656350132
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v204410
Institution / Hochschule
Frankfurt School of Finance & Management
Note
3
Schlagworte
Chinas Währungspolitik China Chinas Geldmarkt Internationalisierung des Renminbi Renminbi chinesischer Yuan

Autor

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