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Violent Crime and Poisson Regression

A Measure and a Method for Cultivation Analysis

Ausarbeitung 2012 9 Seiten

Psychologie - Medienpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Studie
2.1. Methode
2.2. Ergebnisse

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Grundlage dieser schriftlichen Ausarbeitung ist ein Referat zur Studie Violent Crime and Poisson Re- gression: A Measure and a Method for Cultivation Analysis von Diefenbach und West (2001). Dem Referat ging im Seminar Theorien der Kommunikations- und Medienpsychologie ein für das Verständ- nis der Studie von Diefenbach und West (2001) essentielles Referat zu den Grundlagen der Kultivie- rungsforschung und der Studie Living with television: The violence profile von Gerbner und Gross (1976) voraus, dessen Ausarbeitung den Rahmen dieser Arbeit allerdings überschreiten würde. Bei der Studie Violent Crime and Poisson Regression: A Measure and a Method for Cultivation Analysis (Die- fenbach und West, 2001) handelt es sich um eine Modifikation der zu Grunde liegenden Studie von Gerbner und Gross (1976), die belegt, dass Personen mit einem hohen Fernsehkonsum analog dazu auch an eine schlechtere und gefährlichere Welt glauben als Personen mit einem niedrigen Fernseh- konsum. Cultivation Research kombiniert die deskriptive Inhaltsanalyse des TV-Programms mit Zu- schauerfragebögen zur Erfassung von Sehgewohnheiten. Anhand dieser Informationen können dann Sehgewohnheiten der Versuchspersonen mit deren Glauben an die Welt verglichen werden. Diefen- bach und West (2001) interessieren sich in ihrer Studie dabei konkret für die Überschätzung realer Gewalt bei Vielsehern in Hinblick auf Gewaltverbrechen (Mord > Einbruch). Die Erwartung ist, dass sich die Einschätzung von realer Gewalt mit der Überrepräsentation im Fernsehen deckt.

Die Entwicklung von Forschungsmethoden in der Kultivierungsanalyse wird von Beginn an inten- siv und kontrovers diskutiert. Die Diskussion würde den Rahmen der schriftlichen Ausarbeitung aller- dings deutlich überschreiten. Es scheint jedoch einen Konsens darüber zu geben, dass ein Zusammen- hang zwischen der Wahrnehmung realer Gewalt und der dargestellten Gewalt im Fernsehen existiert.

2. Studie

Wie könnte nun diese Beziehung am besten untersucht werden? Die vorliegende Studie von Diefenbach und West (2001) macht einen Verbesserungsvorschlag hinsichtlich der Datenanalyse zur besseren Filterung relevanter Variablen.

Definition Gewalt

Um den Begriff „Gewaltverbrechen“ einzuengen, wird in dieser Studie die Definition des US- Justizministeriums herangezogen. Bedienten sich Gerbner und Gross (1976) noch einer weiten De- finition von Gewalt („the overt expression of physical force against self or other, compelling action against one’s will on pain of being hurt or killed, or actually hurting or killing“), halten sich Die- fenbach und West (2001) bei ihrer Operationalisierung ausschließlich an die durch das US- Justizministerium kategorisierten Taten: Mord, Vergewaltigung, Raub und Körperverletzung. Diese enge Definition deckt zwar weniger Gewalt im Fernsehen auf, kann aber das Argument der TV-Gewalt verstärken, während der erwartete Effekt gleich bleibt (vgl. Hypothese 1). Einerseits wird so Kritik einer ungenauen Definition vermieden, andererseits kann die eingegrenzte Operatio-nalisierung das Argument der Überrepräsentation von Gewalt im Fernsehen durchaus verstärken. Zuletzt ist durch die strenge Operationalisierung ein besserer Vergleich von TV-Gewalt und realer Gewalt möglich. Beispielsweise werden Naturkatastrophen und Kindersendungen, wie noch bei Gerbner und Gross (1976), nicht mehr mit erhoben. Dennoch handelt es sich an dieser Stelle nicht um eine endgültige Ersatzdefinition für alle zukünftigen Studien, sondern um eine spezielle Unter-gruppe für den Oberbegriff Gewalt.

Hypothesen

Die Studie basiert auf den folgenden beiden Hypothesen, welche von Gerbner und Gross (1976) übernommen wurden:

H1: Die Kriminalitätsrate für TV-Protagonisten und Antagonisten wird höher sein, als die Rate der Gewaltverbrechen in den USA.

Neu ist in diesem Zusammenhang die Frage, ob dies immer noch zutrifft, wenn Gewalt so eng defi- niert ist.

H2: Je mehr Fernsehen von Rezipienten konsumiert wird, desto höher ist deren Erwartung über die Gewaltverbrechensrate im eigenen Einzugsgebiet.

Neu ist in diesem Zusammenhang ebenfalls, dass mit der engeren Definition von Gewalt die Standard-Kultivationshypothese getestet wird.

2.1 Methode

Inhaltsanalyse (H1)

Um im Rahmen der Prüfung der ersten Hypothese eine repräsentative Inhaltsanalyse des Fernseh- programms im Hinblick auf den Gewaltgehalt anzufertigen, wurden die Messmethoden von Gerb- ner und Gross (1976) übernommen. Im Zeitraum von Ende Oktober bis Anfang November 1997 wurde dazu eine Woche das Prime Time -Programm (20 Uhr bis 23 Uhr) der Sender ABC, CBS, Fox und NBC in der Region Buncombe County, North Carolina aufgezeichnet. Insgesamt wurden Stunden Fernsehprogramm und 103 Sendungen von sechs Studierenden gesichtet. Eine siebte studierende Person wurde zum Zweck des Reliabilitätschecks eingesetzt.

Training

Um eine möglichst reliable Erfassung der dargestellten TV-Gewalt zu gewährleisten, gab es eine genaue Aufklärung der Sichter über die Definition von Gewaltverbrechen, TV-Genre, Charakterdemographie, Art der Präsentation und Art der Protokollierung. Zur Orientierung sollten die Sichter vorab ein einstün- diges Programm bewerten, gefolgt von einer Gruppendiskussion und der Klärung offener Fragen.

Bewertung

Die Sichter bewerteten daraufhin insgesamt sechs Stunden TV-Programm. Die Ergebnisse wurden anschließend im Hinblick auf ihre Konsistenz ausgewertet. Die Analyse enthielt in diesem Zusam- menhang das gesamte Kernprogramm der Sender. Ausgeschlossen wurden lediglich Werbung, öf- fentliche Ankündigungen und die Programmvorschau. Sportsendungen waren ebenfalls Teil der Analyse, obwohl hier in der Regel keine Gewalt verbrechen Teil des Inhalts sind. Es wurde erwartet, dass dieser Umstand die Prüfung der ersten Hypothese erschweren würde. Die Sichter schätzten die Populationsgröße der „speaking Characters“ (Diefenbach & West, 2001) anhand aller gezählter menschlicher Protagonisten und Antagonisten oder zeichnerisch dargestellter menschlicher Prota- gonisten und Antagonisten, die im Sendematerial mit gesprochenem Text vorkamen. Dies legte die Erwartung nahe, dass die pro-Kopf Kriminalität wesentlich geringer ausfallen würde, da beispiels- weise Passanten nicht in die Populationsschätzung einbezogen wurden. Diese besonders enge Defi- nition des Gewaltbegriffs sollte die geringstmögliche Gewaltrate im Fernsehen offenbaren, diese dafür jedoch explizit herausstellen. Trotz der sehr konservativen Definition wurde erwartet, dass die im Fernsehen dargestellte Gewalt signifikant höher ist als die real existierende Gewalt.

Fragebogen (H2)

Zur Prüfung der zweiten Hypothese befragten Diefenbach und West (2001) 410 Versuchspersonen in oben genanntem Zeitraum und Ort. Die Teilnehmer der Studie wurden gefragt wie viele Stunden sie am Tag Fernsehen konsumieren, wie viele Leute seit Jahresbeginn schätzungsweise in ihrer Ge- gend ermordet wurden und wie viele Einbrüche seit Jahresbeginn schätzungsweise in ihrer Gegend stattfanden.

2.2 Ergebnisse

Inhaltsanalyse (H1)

Tabelle 1 vergleicht die Kriminalitätsrate einer typischen Fernsehwoche mit der realen USKriminalitätsrate und der von Buncombe County, North Carolina. Die Werte beziehen sich auf „speaking characters“ (Diefenbach & West, 2001), wobei viele Antagonisten in Fernsehsendungen als bereits verstorbene Opfer von Gewaltverbrechen eingeführt werden.

Dennoch bestätigen die Ergebnisse die erste Hypothese: Die Kriminalitätsrate für Gewaltverbrechen im Fernsehen ist signifikant höher als die der USA, während die Kriminalitätsrate für Gewaltverbrechen in Buncombe County, North Carolina am niedrigsten ist und somit auch signifikant niedriger als im Fernsehen.

Tabelle 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Kriminalitätsraten für TV (Network Television), US und Buncombe County, North Carolina (Diefenbach & West, 2001, S. 438).

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Details

Seiten
9
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656305262
ISBN (Buch)
9783656306344
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v204309
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Psychologie
Note
1,3
Schlagworte
violent crime poisson regression measure method cultivation analysis

Autor

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Titel: Violent Crime and Poisson Regression