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Das Verständnis des Heiligen Geistes und die Geisttaufe

Exegese Lk 3,21f

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 27 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

A Inhaltsverzeichnis

B Einleitung

C Hauptteil
1. Der Fragebogen
1.1. Auswahl und Begründung
1.2. Aufbau und Durchführung
1.3. Darstellung der Ergebnisse
2. Exegese von Lukas 3,21-22
2.1. Der Text
2.2. Textanalyse
2.3. Formgeschichte
2.4. Traditions-/Motivgeschichte
2.5. Redaktionsgeschichte
2.6. Auswertung und Zusammenfassung

D Schluss

E Literaturverzeichnis

B Einleitung

Die vorliegende Seminararbeit befasst sich mit dem Thema des Verständnis des Heiligen Geistes aus Sicht eines Studenten der evangelischen Theologie und der dazugehörenden Exegese der Perikope[1] Lukas 3, Vers 21-22. Am Anfang dieser Arbeit wird die Frage aufgegriffen, welche Bedeutung der Heilige Geist für die Probanden besitzt, in welchen Formen und auf welche Art ihnen der Heilige Geist begegnen kann. Dabei wird versucht aus den einzelnen Antworten auf ein stimmiges und zusammen- gefasstes Ergebnis zu kommen, um eine eventuelle Basis der persönlichen Geisterfahrung zu finden.

Des Weiteren wird versucht eine korrespondierende Bibelstelle aller Probanden zu finden, um diese im zweiten Teil der Arbeit zu exegesieren. Die dabei ausgewählte Bibelstelle Lukas 3,21-22 handelt von der Taufe Jesu durch Johannes den Täufer und die Herabkunft des Heiligen Geistes auf Jesus. Bei der Exegese wird sowohl das Ergebnis des wissenschaftlichen Textbefundes beachtet, als auch Bezug zu den Antworten der Probanden genommen, um so ein abrundendes Bild zwischen dem wissenschaftlich exegetischen und den praktischen, persönlichen Teil zu schaffen.

Als Textgrundlage für die Exegese dient das Novum Testamentum Graece von K. und B. Aland, da sich diese am ehesten in Wortwahl und Satzbau dem anzunehmenden Original nähert. Die Exegese folgt dem üblichen Aufbau von der Textanalyse über der Traditions- und Motivgeschichte hinzu der Redaktionsgeschichte. Zum Schluss werden die Ergebnisse der Exegese mit den Ergebnissen des Fragebogens verglichen, um auftretende Besonderheiten hervorzuheben und um das Bild des Heiligen Geistes zu konkretisieren.

C Hauptteil

1. Der Fragebogen

1.1. Auswahl und Begründung

Die Entscheidung zu Gunsten eines Fragebogens[2] fiel, weil man Mittels dieser wissenschaftlichen Erhebung in kurzer Zeit viele Probanden befragen kann. Da der Fragebogen per Email an fünf Probanden versendet wurde, fällt der Gesichtspunkt der Anonymität weg. Jedoch wurde den Probanden bei der Beantwortung der Fragen die Entscheidungsmöglichkeit zur Enthaltung gelassen. Ein großer Vorteil des Fragebogens ist, dass man sich mit den Antworten Zeit lassen kann und diese noch einmal gut überdenken kann. Durch das Mittel der Email und der Computerbearbeitung war ihnen somit auch die Möglichkeit gegeben ihre Antworten genauer zu formulieren und eventuelle Fehler zu revidieren. Außerdem hat der Fragebogen den weiteren Vorteil der leichten Handhabung und der schnellen Auswertung. Diese Vorzüge ließen sich bei Interviews nicht finden. Auch wäre in dieser kurzen Zeit die Erhebung an Hand von Interviews nicht durchführbar gewesen und hätte somit den Zeitplan und den Kostenaufwand gesprengt.

Da es sich bei dieser Arbeit um eine wissenschaftliche Erhebung handelt, müssen gewisse Güte-kriterien erfüllt sein. Diese dienen als Qualitätsmaßstäbe für ein bestimmtes Testverfahren und werden in Objektivität, Reliabilität und Validität unterteilt[3]. Unter Objektivität versteht man Messungen, deren „Ergebnisse unabhängig von denen sind, die die Messung durchführen“.[4] Im Allgemeinen wurden die Objektivitätsmaßstäbe durch die Standardisierung des Fragebogens, durch einheitliche Durchführungsbedingungen, der sog. Durchführungsobjektivität, und durch ein stand-ardisiertes Auswertungsverfahren erreicht. Somit sind die Testergebnisse von der auswertenden Person unabhängig. Das zweite Hauptgütekriterium ist die Reliabilität, welches sich als „Zuverlässig-keit einer Messung, d. h. die Angabe, ob ein Messergebnis bei einem erneuten Versuch bzw. einer erneuten Befragung unter den gleichen Umständen stabil ist“[5] definieren lässt. Bei diesem Gütekriterium ist man auf die ehrliche Antwort und Verfassung des Probanden angewiesen, denn hat dieser keine Zeit und Lust für die Beantwortung der Fragen, kann bei einer eventuellen Wieder-holung ein anderes Ergebnis erscheinen als bei der ersten Testdurchführung. Diesem wurde entgegengewirkt, indem man den Probanden genügend Zeit zur ausführlichen und überlegten Beantwortung der Fragen gegeben hat. Die Validität ist das dritte Hauptgütekriterium und wird definiert als der „Grad, in dem der Test genau das misst, was er zu messen vorgibt“.[6] Somit entspricht die Validität der Gültigkeit einer Messung bezüglich des Sachverhalts, der gemessen werden soll, und dieser ist durch die konkrete Fragestellung über das Verständnis von dem Heiligen Geist gegeben. Des Weiteren trifft die Validität auch auf die Frage nach der korrespondierenden Bibelstelle zu, da diese im Bezug zu der Geistvorstellung steht.

1.2. Aufbau und Durchführung

Am Anfang des Fragebogens steht ein Informationsteil, der einerseits Aufschluss darüber gibt, zu welchen Zweck der Fragebogen dient und andererseits, dass die Anonymität der Probanden gewährleistet ist. Daraufhin folgt der erste Teil des Fragbogens, der das persönliche Verständnis der Probanden vom Heiligen Geist hinterfragt. Dabei steht das eigene Empfinden vom Heiligen Geist und dessen Wirkungsmöglichkeiten im Vordergrund. Die Fragen sind hierbei mit Absicht unpräzise gestellt, da sie nur als Anregung für die Beantwortung dienen und den Probanden freien Raum für die eigene Interpretation lassen sollen. Der zweite, viel kürzere Teil des Fragebogens zielt auf die Frage der Korrespondenz zu Bibelstellen, die der Proband mit seiner persönlichen Geisterfahrung, bzw. Geistvorstellung verbindet. Die daraus resultierende Antwort ist wiederum sehr wichtig für den weiteren Aufbau der Arbeit, da die am häufigsten erwähnte Bibelstelle somit auch den exegetischen Part der Arbeit übernimmt.

Da es sich nur um eine Stichprobe handelt, um den Rahmen einer Seminararbeit nicht zu sprengen, wurden maximal fünf Probanden für die wissenschaftliche Erhebung ausgewählt. Des Weiteren wurden diese auch auf den Status „Studierende der evangelischen Theologie“ beschränkt, um den Grad der Antwortstreuung so minimal wie möglich zu halten.

Die wissenschaftliche Erhebung wurde via Internet durchgeführt, da es die schnellste und einfachste Form der Datenübertragung ist. Des Weiteren konnte der Fragebogen, auf Grund der vorlesungs-freien Zeit nicht persönlich ausgetragen werden und musste deshalb verschickt werden. Den Probanden wurden zwei Wochen Bearbeitungszeit gegeben, wodurch ihnen die Möglichkeit zur genauen Beantwortung ohne Zeitdruck und eventuelle Reflexionen gewährt wurden. Alle Fragebogen wurden nach zwei Wochen beantwortet zurück geschickt und anschließend ausgewertet.

1.3. Darstellung der Ergebnisse

Im folgenden Abschnitt werden die Ergebnisse des Fragebogens genauer dargestellt, wobei ein besonderes Augenmerk auf den Gemeinsamkeiten in den Antworten liegt.

1.3.1. Ergebnisse des ersten Teils

Dadurch, dass den Probanden mittels der unpräzisen Fragestellung ein weiter Raum für Antwortmög-lichkeiten gegeben wurde, fallen diese auch dementsprechend unterschiedlich aus. Hierfür hat jeder Proband für sich beschrieben, was er unter dem Heiligen Geist versteht und dies auch zum Teil mit Symbolen in Verbindung gebracht. So wurde einmal der Wind und die Atemluft erwähnt und zweimal das Pfingstfeuer und die Feuersäule. Für einen Probanden war die Luft, in ihren vielen Formen und in ihrer wichtigen Funktion das Bild schlechthin für den Heiligen Geist. Er ist für ihn in dieser Hinsicht sowohl Spender neuer Impulse und Eingebungen, als auch die Möglichkeit neu aufzuatmen. Bezogen auf das Symbol, konnte jedoch die größte Übereinstimmung bei der, meist weißen Taube festgestellt werden, die von drei Probanden aufgeführt wurde. Eine Probandin hat sogar versucht den Heiligen Geist zu präzisieren, indem sie dessen Grundbedeutung vom hebräischen ruach abgeleitet hat und mit ihrer eigenen Vorstellung in Verbindung gesetzt hat. So wurde aus dem einfachen Wind und Atem, eine Lebensnotwendigkeit von dem auch die eigene Seele abhängt. Für die Probandin verbindet gerade das griechische Wort pneuma Seele und Leben, die sich beide auf Gott zurück-führen lassen. Auf der anderen Seite, wurde der Heilige Geist auch mit einem Gefühl gleichgesetzt, ähnlich der Liebe, der uns in vielen Lebenssituationen eine Entscheidungshilfe ist. Dies haben übereinstimmend drei Probanden genannt, wobei einer sehr ausführlich diese Darstellung mit Galater 3,1-9 und 5,16-26 definiert hat. Dabei stellt der Heilige Geist für ihn eine Art innere Stimme dar, die einem intuitiv sagt, was richtig ist. Des Weiteren wurde zweimal erklärt, dass der Heilige Geist für die Probanden schwer erfassbar oder kaum erklärbar sei. Es sei für sie leichter sich Jesus oder Gott vorzustellen, da diese einfacher mit dem Bild des Menschen in Verbindung gebracht werden können. Von allen übereinstimmend wurde jedoch gesagt, dass der Heilige Geist eine handelnde Kraft sei, die von Gott ausgehe und auch in Gestalt eines Boten gesetzt werden könne. Für den einen ist er dabei die unsichtbare Präsenz Gottes auf Erden, die nach dem Tod Jesu den Menschen an die Seite gegeben worden ist. Und für den anderen ein Mittler zwischen Himmel und Erde, da Gott im Himmel ist und einen Boten braucht, der auf der Erde wirken kann. Auch lässt dieser Bote, bei einer Probandin, den Menschen zum Werkzeug Gottes werden, wie in der Richtererzählung von Simson. Ein weiterer sieht nicht nur einen Boten im Heiligen Geist, sondern den Willen Gottes, der auf einen Menschen gelegt wird. Gerade in Momenten der Berufung wirkt der Geist Gottes in einen Menschen. Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass der Heilige Geist für alle Probanden eine Kraft, gleichzusetzen mit einem Gefühl ist und als Bote Gottes auf Erden wirkt. Dabei kann er dem Menschen sowohl als Entscheidungshilfe dienen oder jenen auch als Werkzeug Gottes verwenden, um im Sinne Gottes zu handeln.

1.3.2. Ergebnisse des zweiten Teils

Bei der Frage nach der korrespondierenden Bibelstelle wurden folgenden Angaben gemacht. Es gab nur einen Probanden der mit Galater 3,1-9 und 5,16-26 eine konkrete Bibelstelle genannt hat, alle anderen Bibelstellen wurden entweder als Perikope oder als direkte Handlung in einer Erzählung näher beschrieben. So wurden jeweils einmal, bezogen auf das Alte Testament, in Exodus die Feuersäule und der brennende Dornbusch, sowie der Turmbau zu Babel und die Richterzählung von Simson erwähnt. Im Blick auf das Neue Testament gab es wiederum mehrere Übereinstimmungen bei den Aussagen. Folgendermaßen wurden zweimal das Pfingstgeschehen mit den Symbolen des Windbrausens und des Feuers aufgezählt und sogar dreimal die Taufe Christi. Da es sich bei beiden Angaben um Erzählungen von Lukas handelt, wird somit die Perikope der Taufe Jesu in Lukas 3,21-22 als zu bearbeitende Perikope für die Exegese ausgewählt.

[...]


[1] Im weiteren Verlauf der Arbeit ist mit Perikope, sofern nichts anderes benannt ist, immer die Perikope Lk 3,21-22 gemeint.

[2] Der Fragebogen ist als 1 beigefügt.

[3] Schmidt, Desinteresse, S.12.

[4] ebd.

[5] ebd.

[6] Schmidt, Desinteresse, S.12

Details

Seiten
27
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656303619
ISBN (Buch)
9783656305217
Dateigröße
718 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v204197
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Evangelische Theologie
Note
2,6
Schlagworte
Lukas Exegese Geisttaufe Jesu Heiliger Geist Neues Testament

Autor

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Titel: Das Verständnis des Heiligen Geistes und die Geisttaufe