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Gottfried Kirch - Im Widerspruch zwischen Aufklärung und Pietismus

Hausarbeit 2012 18 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Forschungsstand

3. Kurzbiographie Gottfried Kirch

4. Der Astronom, Pietist und Frühaufklärer Gottfried Kirch
4.1 Wirkenszeit in Leipzig
4.2 Fortgang nach Guben

5. Zwei Seiten einer Medaille
5.1 Vertreter der Frühaufklärung
5.2 Vertreter des Pietismus

6. Schlussbetrachtungen

7. Verzeichnis der Literatur und gedruckten Quellen
7.1 Literatur
7.2 Gedruckte Quellen

1. Einleitung

Der Kalendermacher, Pietist und Privatgelehrter Gottfried Kirch galt europaweit als angesehener Astronom. Diesen Status hatte er schon, bevor er nach Leipzig zog. Doch die Zeit in Leipzig war für ihn wohl die produktivste, aufgrund der Tatsache, dass er in Leipzig auf Persönlichkeiten traf, die ihm bei seinen Beobachtungen unterstützten und seine publizierten Aufsätze kommentierten. Jedoch waren ihn nicht alle in Leipzig wohl gesonnen. Vor allem aufgrund seiner Religiosität. Von großer Bedeutung ist die Leipziger Zeit, weil Kirch dort ein Großteil seiner Lebenszeit verbrachte. Dies lässt sich am Besten durch die von ihm verfassten Briefe veranschaulichen.

Dafür kommen eigentlich nur die Briefe infrage, die er auch zu seiner Schaffenszeit in Leipzig verfasste. Dies betrifft die Briefe von 1676 – bis 1692. Die Briefe beginnend ab der Nr. 19 an Christoph Richter bis zum Brief Nr. 517 o. 519[1]. Jedoch ist keine genaue Abgrenzung möglich, da der Einfluss der Leipziger Zeit, insbesondere der Persönlichkeiten mit denen Kirch durch Briefe und Gespräche in Kontakt trat, durch seinen Fortgang nach Guben nur wenig gemindert wurde.

In dieser Hausarbeit soll aber weniger auf Kirchs astronomische Leistungen eingegangen werden als vielmehr auf seine inneren Konflikte, die besonders mit seinem Aufenthalt in Leipzig verbunden sind. Kirch gilt als Vertreter des Pietismus, nicht aber unbedingt des radikalen Pietismus. Erst im späteren Verlauf ist von dieser Form auszugehen.

Doch gilt seine Leidenschaft auch der Astronomie, mit der die Aufklärung eng verbunden ist. Sein gelebter Pietismus bringt ihm Anfeindungen seitens der Universität ein, hier insbesondere der theologischen Fakultät. Kirch selber gehört als Astronom der Philosophischen Fakultät an, die im 17. Jahrhundert alle Naturwissenschaften in sich vereinte.[2] Die Problematik, der sich als Bedrohung darstellende Feindseligkeit, wird in einigen Briefen, die er vor allem an seinen Sohn Gottlieb schickt, sehr deutlich. Zu Gottlieb unterhält Kirch ein sehr inniges Verhältnis, was auch an der Anzahl und Fülle der Briefe zu erkennen ist. Neben einigen Bittstellungen in Bezug auf astronomische Kalender und anderen Schriftgutes, welches der Sohn auf seinen Reisen unter anderen nach Rotterdam und Hamburg mitzubringen habe, klagt Kirch auch gelegentlich sein Leid.

Doch als was ist Gottfried Kirch zu betrachten, als aufgeklärter Astronom, als streng gläubiger Pietist oder gar eine Vermischung aus beiden? Des Weiteren ist zu fragen ob Kirch sich auch selber als Aufklärer oder Pietist sah.

2. Forschungsstand

Zu einer bedeutenden Quelle über Gottfried Kirchs Gelehrtentätigkeit gehört zweifelsohne seine Briefkorrespondenz gerichtet an ein breites Spektrum der Gesellschaft. Seine Briefpartner stammten aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten.

Seine Korrespondenz war gerichtet an international bekannte Astronomen wie zum Beispiel Johannes Hevelius mit denen er sich über neu beobachtete Phänomene wie etwa Sonnenfleckenaktivitäten, Planetenbahnen oder auch vorbeiziehende Himmelskörper sämtlicher Art austauschte. Aber auch unterhielt er regen Briefwechsel zu Persönlichkeiten aus anderen Gesellschaftsschichten, so auch zum Adelsstand mit Herzog Albrecht von Sachsen-Coburg und zum Bauernstand mit Christoph Arnold. Ingesamt sind 138 Briefpartner von Kirch bekannt.

Der einschlägigen und vorherrschenden Meinung, dass Gelehrte im 17. Jahrhundert ihre Briefe weitestgehend in lateinischer Sprache verfasst haben, ist im Falle Gottfried Kirchs eher entgegen zu sprechen. Lediglich 74 seiner Briefe und 32 Beilagen sind in Latein verfasst. Zu seinen lateinischen Briefpartnern gehörte unter anderen John Flamsteed und Lothar Zumbach von Koesfeld.

In dem dreibändigen Werk: „Die Korrespondenz des Astronomen und Kalendermachers Gottfried Kirch“ von Klaus-Dieter Herbst sind alle 895 bisher bekannten Briefe genannt, 607 bisher überlieferte Briefe transkribiert, ediert und auch die lateinischen Briefe beziehungsweise Beilagen übersetzt worden.[3] Die Differenz von 288 Briefen ist dem Zusatz nicht überliefert geschuldet.

Das Werk bietet neben einer umfangreichen Darstellung von Kirchs Leben, auch die Berichterstattung seiner astronomischen Beobachtungen an seine Briefpartner. Jedoch ist das Auffinden bestimmter Textstellen dadurch erschwert worden, da die jeweiligen Briefe eines Briefpartners nicht etwa mit der Seitenzahl, sondern mit der Briefnummer genannt sind. Somit ist der Leser gezwungen ganze Briefe durchzusehen, was sehr zeitaufwendig ist bei Briefen mit mehr als einer Seite Umfang. So genannte Nebensächlichkeiten sind gewollt von Klaus-Dieter Herbst ins Bewusstsein des Lesers gerückt worden.[4]

[...]


[1] Die Nummerierung der Briefe bezieht sich auf die Einteilung von: Herbst, Klaus-Dieter, Die Korrespondenz des Astronom und Kalendermachers Gottfried Kirch (1639 – 1710), 3 Bände, Jena 2006 (zit. Herbst, Korrespondenz). Dabei ist zu beachten, dass diese Briefsammlung nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Ein regelmäßiger Blick auf die extra eingerichtete Homepage von Klaus-Dieter Herbst gibt Aufschluss darüber, dass auch weitere Briefe von Kirch existieren die 2006 noch nicht ediert wurden. Siehe dazu exemplarisch: http://www. gottfried-kirch-edition.de/public/12/1.

[2] Davon zeugt die Matrikel von 1776 für das Sommersemester.

[3] Vgl. Herbst, Korrespondenz, Bd. 1, S. XX.

[4] Vgl. Herbst, Korrespondenz, Bd. 1, S. XII u. XIII.\

Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656308713
ISBN (Buch)
9783656309239
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v203966
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Historisches Seminar
Note
1,6
Schlagworte
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