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Korruption als Problem der Unternehmensethik

Seminararbeit 2012 19 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Begriffliche Einführung
B.I. Unternehmensethik
B.II. Korruption
B.II.1. Definition
B.II.2. Erscheinungsformen

C. Das Verhältnis zwischen Unternehmensethik und Korruption
C.I. Makroökonomische Wirkungen
C.II. Gesellschaftliche Wirkungen
C.III. Auswirkungen aus Unternehmensperspektive
C.IV. Zwischenfazit

D. Korruptionsbekämpfung
D.I. Ursachen von Korruption und abgeleitete Antikorruptionsmaßnahmen
D.II. Compliance- und Integrity-Management

E. Fazit

Literaturverzeichnis

A. Einleitung

Vor dem Hintergrund viel diskutierter aktueller Vorgänge, wie beispielsweise die mit Verschmutzung einhergehenden globalen Veränderungen der Umwelt oder Wirtschaftskrisen, entwickelt das Thema Unternehmensethik eine besondere gesellschaftliche Relevanz1. Darüber hinaus unterstreicht es im Zusammenhang mit dem zunehmend wahrgenommenen2 und wachsenden3 Phänomen der Korruption seine Wichtigkeit.

Die vorliegende Arbeit stellt das Abweichen von ethisch korrektem Handeln von Organisationen durch Korruption heraus. Hierbei soll das Verhältnis von Unternehmensethik zu Korruption erläutert und geeignete Umgangsformen ergründet werden. Die Ausarbeitung wird vornehmlich eine nationale Perspektive auf Korruption einnehmen, um die Vielschichtigkeit und den Umfang des Themas einzuschränken4.

Zunächst legt Teil zwei einführende Begrifflichkeiten der Ethik und Korruption allgemein und für den Rahmen dieser Arbeit dar.

Anschließend werden im dritten Teil ausgewählte Aspekte des Verhältnisses zwischen Unternehmensethik und Korruption vorgestellt. Unter Berücksichtigung volkswirtschaftlicher, gesellschaftlicher und unternehmensinterner Auswirkungen wird, neben einzelnen Ausnahmen, in diesem Teil eine Vereinbarkeit von Korruption mit einer Unternehmensethik ausgeschlossen. Teil 4 wird sich dann mit den Ursachen und anschließen mit möglichen Lösungsansätzen befassen, welche versuchen, Korruption in ein einvernehmliches Verhältnis mit der Unternehmensethik zu bringen. Hierzu werden aktuelle wissenschaftliche Konzeptionen des Compliance- und Integrity-Managements herangezogen.

Das letzte Kapitel fasst die Kernpunkte dieser Arbeit zusammen. Abschließend wird unter Berücksichtigung der Unternehmenspraxis und einer kritischen Theoriebetrachtung ein Ausblick für die Thematik der Unternehmensethik gegeben.

B. Begriffliche Einführung

B.I. Unternehmensethik

Die Unternehmensethik, als Bestandteil der Wirtschaftsethik, zielt mit gerechtfertigten Verhaltenskodizes/ idealen Normen auf eine selbstverpflichtende Unternehmensführung durch Manager ab, welche zum Ausgleich organisatorischer und gesellschaftlicher Interessen in Konfliktsituationen führt5. Mit Bedacht stellt die Unternehmensethik „eine Ergänzung der Koordinationsfunktion des Preissystems [sowie des geltenden Rechtssystems[6]] im Hinblick auf den sozialen Frieden“7 dar.

Unternehmensethik bildet ein Korrektiv, der von ihr abgegrenzten Moral, den faktischen vorherrschenden sozialen Normen in einem Kulturkreis8. Ethische Normen beinhalten Maßstäbe der Vernünftigkeit, welche sich aus einer kommunikativen Rationalität begründen9. Dem Profil der Unternehmensethik ist mit dem Ziel des gesellschaftlichen Friedens, also der fairen Berücksichtigung aller Anspruchsgruppen, der dienenden Managementrolle und ihrer dialogischen Entwicklung der Stakeholder-Ansatz inhärent10.

Die Erforderlichkeit von Unternehmensethik tritt insbesondere in organisatorischen Wahlsituationen auf, in denen, im gesetzlich legitimen Rahmen, eine Entscheidung basierend auf dem Gewinnprinzip nicht mit einem Konsens des Kollektivs einhergeht11. Eine gravierende Notwendigkeit ergibt sich besonders für internationale Geschäfte, weil hier die Lücke zwischen zu berücksichtigenden Interessen und rechtlichen Rahmenbedingungen tendenziell größer und komplex ist12.

In solchen Situationen lehnt die Idee der Unternehmensethik die Anwendung des Ertragsprinzips ab und fordert die Anwendung von verständigungsorientiertem Handeln ein. Ethisch korrektes Management besteht in der Nutzung unternehmerischer Freiheit unter Wahrung des sozialen Friedens13. Demnach ist jedes Verhalten nicht ethisch, welches sozialen Normen und der fairen Berücksichtigung aller Betroffenen zuwider läuft. Unethisches Handeln wird durch bestimmte systembedingte, organisationale und persönliche Faktoren begünstigt14.

Praktisch begründet sich eine Unternehmensethik aus materiellen oder prozessualen15 Normen, welche dialogisch mit relevanten Betroffenengruppen erarbeitet und selbstverpflichtend angewendet werden. Ethische Unternehmensführung berücksichtigt durch einen zweckdienlichen Einbezug von Betroffenengruppen (bspw. durch Interessenvertreter oder Kommissionen), gerechtfertigte Verhaltensvorschriften, welche als inhaltliche Normen ständige oder situative Verwendung finden16.

B.II. Korruption

B.II.1. Definition

Die Bedeutung des Korruptionsbegriffs ist in den wissenschaftlichen Disziplinen inhaltlich sowie im Umfang uneinheitlich und einem stetigen Wandel unterworfen17.

Im thematischen Bezug dieser Arbeit ist korruptes Handeln der Empfang und die Abgabe18 einer normenwidrigen19, organisatorisch nicht erwartungskonformen20 Leistung.

Typischerweise verstößt hierbei ein Funktionsträger (häufig als

„Korrumpierter“ oder „Agent“ bezeichnet), der sich in einer Prinzipal-Agenten- Beziehung in einer Organisation befindet21, ungezwungen, zum eigenen Vorteil, im Tausch mit einer Gegenleistung, gegen eine organisatorische Norm. Aus dem Normverstoß profitiert ein Dritter (oft als „Korrumpeur“ oder „Klient“ bezeichnet), welcher durch die Überschreitung einer Gruppennorm und Abgabe eines Tauschgutes, ein Korruptionsgut (Normverstoß) vom Funktionsträger erhält.

Durch das Fehlen einer expliziten strafgesetzlichen Definition22 ist der Begriff nicht auf gesetzliche Strafnormen beschränkt, sondern schließt auch nichtkodifizierte gesellschaftliche Normen ein. Demnach ist nicht alles, was unter die Definition fällt, illegal23. Strafbare Formen korrupten Handelns finden sich national im Strafgesetzbuch24, Korruptionsbekämpfungsgesetz, dem EUBestG und dem IntBestG.

Im Alltag findet Korruption in Begrifflichkeiten wie Amtsmissbrauch, Schmiergeldzahlungen, Filzen und Bestechung eine synonyme umgangssprachliche Verwendung.

B.II.2. Erscheinungsformen

In der Regel findet Korruption in der Interaktion zwischen Vertretern der Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltung sowie in gleichem Maße unter Vertretern der Wirtschaft statt - das Korruptionsaufkommen im Bereich der Straf- und Justizbehörden sowie in der Politik ist vergleichsweise marginal25. Anschließend an die Lokalisierung korrupter Handlungen werden einige grundlegende Erscheinungsformen bzw. inhaltliche Konstellationen erläutert. Bei der Gewinnmaximierungskorruption wird der Agent bei einer Verhandlung dazu veranlasst, ein Gut von einem Klienten zu unwirtschaftlichen Konditionen zu beziehen26. Bei der Verdrängungskorruption bevorzugt der Agent einen von vielen konkurrierenden Klienten bei einer Ausschreibung, undzwar aufgrund einer erhaltenen Leistung. Im Fall der Genehmigungskorruption, ähnlich der Auflagenkorruption oder Kontrollkorruption, ist der Agent dazu bewirkt, bestimmten kritischen Vorhaben des Klienten betreffende Prüfkriterien mildtätig auszulegen27.

Des Weiteren wird der Begriff temporär differenziert betrachtet. Der situativen Korruption liegt eine spontane Willensbildung zugrunde und unterliegt somit keiner strategischen Planung oder längerfristigen Beziehung im Vorfeld der Tatbegehung, wie es für die strukturelle Korruption prägend ist. Darüber hinaus kann noch zwischen vielen weiteren Ausprägungen unterschieden werden28. In der Praxis ist häufig bei Lobbyismus, Sponsoring oder Geschenken an potentielle Agenten unklar, ob es sich hierbei um Objekte einer Korruptionstransaktion oder lediglich um Mittel zur Schaffung einer angenehmen Geschäftsatmosphäre handelt. Diese Vorgänge sind laut Gesetz zumeist keine Korruption, jedoch sicherlich höchst korruptionsbelastet, da ein Ressourcenabfluss eines Gebers eine gewisse Erwartungshaltung rechtfertigt oder als eine Art Kostprobe ein Korruptionsangebot darstellen kann29.

C. Das Verhältnis zwischen Unternehmensethik und Korruption

Welche Auswirkungen Korruption hervorruft, wird folgend unter volkswirtschaftlichen, gesellschaftlichen und unternehmerischen Gesichtspunkten diskutiert. Zusammenfassend wird das Verhältnis zwischen Unternehmensethik und Korruption, unter Beachtung der zuvor erarbeiteten Ergebnisse, skizziert und auf spezielle Ausnahmen verwiesen.

C.I. Makroökonomische Wirkungen

Um zu einem gesellschaftlichen Frieden beitragen zu können, stellt sich zu aller erst die fundamentale Frage, ob der gesamtwirtschaftliche Nettonutzen korrupten Verhaltens positiv ist.

Für gewöhnlich geht Korruption mit materiellen und oder immateriellen Schäden einher30. Die messbaren Schäden, die durch Korruption entstehen, sind nur schwer abschätzbar, da nur äußerst wenige Fälle beobachtet, angezeigt, ermittelt und aufgedeckt werden31 (ebendies ist der Grund dafür, weswegen spezifische Statistiken und daraus folgende Schlüsse nur gering aussagekräftig sind und in der weiteren Ausführung mit Bedacht zitiert werden). Als klassischer Korruptionsschaden zählt beispielsweise eine Qualitätseinbuße bei der Erbringung einer Dienstleistung, welche in Folge einer korrumpierten Auftragsvergabe, dem Auftraggeber entsteht32.

[...]


1 Vgl. auch Schreyögg, G. 2009 S. 758; Trevino, L./ Weaver, L./ Reynolds, S. 2006, S. 951

2 Vgl. Claussen, J. 2011, S. 20; Darge, E. 2009, S.11

3 Vgl. Vgl. BKA 2011, S. 7

4 Siehe auch Beets, S. 2005 zu Aspekten internationaler Korruption

5 Vgl. Steinmann, H./ Löhr, A. 1994, Kap. 1 und S.95-96

6 Vgl. Steinmann, H./ Löhr, A. 1994, S. 102 f.

7 Steinmann, H./ Schreyögg, G. 2000, S. 105

8 Vgl. Steinmann, H./ Löhr, A. 1994, Kapitel 1; Siehe auch Schreyögg, G. 2009, S.785

9 Vgl. Steinmann, H./ Schreyögg, G. 2000, S. 107-108

10 Vgl. auch Steinmann, H./ Schreyögg, G. 2000, S. 75 f.

11 Vgl. Steinmann, H./ Schreyögg, G. 2000, S. 106; Steinmann, H./ Löhr, A. (1994), S. 96f.

12 Vgl. Arnim, H.-H./ et al. 2009 S. 21; Vgl. Bardhan, P. 1997, S.1330; Beets, S. 2005 S. 65 ff.

13 Vgl. Steinmann, H./ Schreyögg, G. 2000, S. 109

14 Vgl. Steinmann, H./ Löhr, A. 1994, Kap. 4; Siehe auch Kapitel D.I.

15 Vgl. Steinmann, H./ Löhr, A. 1994, S. 96

16 Vgl. auch Steinmann, H./ Schreyögg, G. 2000, S. 107 f.

17 Vgl. Stierle, J. 2008, S. 18-20; Gebhardt, C./Müller-Seitz, G. 2011, S. 47; Dolata, U./ Kreitel, R. 2007, S.6; Dolota, U./ Kreitel, R. 2007, S. 17; Bardhan, P. 1997, S. 1320 f.

18 Vgl. auch Argandona 2005, S. 252; Arnim, H.-H. 2009, S. 27

19 Vgl. Enderle, G. u.a. 1993, S. 571

20 Vgl. Gebhardt, C./Müller-Seitz, G. 2011, S. 47

21 Vgl. Stierle, J. 2008, S 125-166

22 Vgl. Stierle, J. 2008, S. 19

23 Vgl. Argandona 2005 S. 251 f.; Bardhan, P. 1997, S. 1321

24 Siehe hierzu insbesondere: §§ 331-335; 298-300; 108b,e StGB

25 Vgl. BKA 2011, S. 21; Claussen, J. 2011, S. 20

26 Vgl. Ricks, S. 1995, S. 226 f.; Stierle, J. 2008, S.54

27 Vgl. Stierle J. 2008, S. 55 f.

28 Siehe auch Argandona, A. 2005, S.253

29 Vgl. Darge, E. 2009, S. 37; Arnim, H.-H./ et al. 2009, S 12 ff.

30 Vgl. auch Stierle, J. 2008, S. 20; Dolota, U./ Kreitel, R. 2007, S.30 ff.; Beets, S. 2005 S. 65 ff.

31 Vgl. Dolota, U./ Kreitel, R. 2007, Vorwort, S. I-XIII, 23 f., 30

32 Vgl. Claussen, J. 2011, S. 59

Details

Seiten
19
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656302247
ISBN (Buch)
9783656302384
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v203944
Note
Schlagworte
Unternehmensethik Koruption Dialogethik Verantwortungsethik

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