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Die Entstehung Roms: Punktuelles Ereignis oder langwieriger Prozess?

Hausarbeit 2011 13 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1. Der Gründungsmythos Roms

2. Die historische Entwicklung Roms

Schluss

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einführung

Wie ist Rom entstanden? Diese Frage beschäftigt auch heute noch viele Forscher, die sich mit der Frühzeit dieser Stadt befassen. Nicht immer kann man sichere Schlüsse ziehen und oft sind es nur Vermutungen. Ein wesentlicher Aspekt wird dabei in dieser Hausarbeit behandelt: Ist Rom punktuell entstanden, oder führte ein langwieriger Prozess zur Entstehung der Stadt? Wie wird es in den antiken Quellen dargestellt? Welche Erkenntnisse liefern die archäologischen Zeugnisse?

Auf diese Fragen will ich im Laufe meiner Arbeit näher eingehen. Im ersten Kapitel befasse ich mich mit dem Gründungsmythos. Als antike Quelle werde ich hauptsächlich, aber nicht ausschließlich, Livius und seine Römische Geschichte benutzen. Sein Werk ist, neben der Geschichte Roms von Dionysius von Halikarnassos, der wichtigste Bericht über die Gründung Roms aus der Antike.[1]

Im zweiten Kapitel wende ich mich der historischen Entwicklung zu. Mein Augenmerk richte ich hier unter anderem auf die archäologischen Funde, die man im heutigen Stadtgebiet Roms gefunden hat. Teilweise werde ich sie mit der antiken Überlieferung vergleichen. Zudem werde ich auch die kulturellen Rahmenbedingungen zur Zeit der vermeintlichen Gründung Roms erläutern. Können einige Details der Gründungsgeschichte bestätigt werden? War die Gründung Roms ein punktuelles Ereignis oder gab es doch einen langwierigen Prozess? Was wird unter dem Begriff Gründung eigentlich verstanden?

Wenn es mir zum Schluss gelingt, eine zufriedenstellende Antwort auf diese Fragen zu finden, habe ich mein Ziel mit dieser Arbeit erreicht.

1. Der Gründungsmythos Roms

Folgt man dem Bericht von Livius, so sollen Remus und Romulus die Stelle ausgesucht haben, an der die Gründung erfolgt sein soll.[2] Laut Dionysios von Halikarnassos soll es Numitor gewesen sein, der zur Gründung einer Stadt drängte.[3] Plutarch spricht von einer ersten Gründung Roms durch die Zwillinge, die zweite war durch Romulus selbst erfolgt. Weder Dionysios noch Livius machen diesen Unterschied, da sich beide lediglich der Gründung durch Romulus bewusst sind.[4]

Zwischen den Brüdern herrschte ein enges Verhältnis, doch erste Zeichen der Anspannung traten auf, als sie entscheiden mussten, wer die Stadt gründen soll und ihr seinen Namen gibt. Für Livius ist der Grund dafür die „Herrschersucht“ (regni cupido).[5] Laut Dionysios von Halikarnassos aber liegt die Ursache in der Aufteilung der Bevölkerung in zwei Gruppen, die jeweils von einem der beiden Zwillinge angeführt wurde.[6] Remus bevorzugte den Hügel Aventin, Romulus den Hügel Palatin. Sie einigten sich darauf, die Götter durch den Vogelflug entscheiden zu lassen. Remus soll als erster sechs Vögel gesehen haben. Als dies Romulus berichtet wurde, behauptete Letzterer er habe zwölf Vögel gesichtet.[7] Es entbrannte ein Streit zwischen den Brüdern, da sie sich nicht einigen konnten, wer der Gründer der Stadt sein soll: derjenige, welcher mehr Vögel sichtete oder jener, der sie zuerst sah? Angeblich soll Remus in diesem Streit getötet worden sein. In einer anderen Version, welche laut Livius auch verbreiteter ist, soll Remus die Mauer seines Bruders verspottet und sie übersprungen haben. Erzürnt brachte Romulus ihn um und sicherte sich so die Alleinherrschaft.[8] Ein antiker Autor namens Egnatius behauptet im Werk Origo gentis Romanae sogar, Remus sei überhaupt nicht getötet worden.[9]

Der Tod von Remus stellte für die römische Geschichtsschreiber und Dichter ein wichtiges Ereignis dar, welches die Geschichte Roms erheblich beeinflusste, insbesondere die Bürgerkriege am Ende der Republik. Durch die Ermordung seines Bruders lud Romulus Schuld auf sich und diese Schuld übertrug er an seine Nachfahren. Für moderne Historiker handelt es sich um ein echtes Gründungsritus: Remus war das erste Opfer, und sein Blut weihte die Stadt. Fraschetti folgt einen anderen Pfad. Für ihn scheint Remus alle ‚wilden’ Eigenschaften zu vereinen, was ihn auch von seinem Bruder unterscheidet. Remus konnte so nicht die geordnete Welt der Stadt betreten und wurde mit Gewalt aus ihr vertrieben. Er konnte auch nicht die einweihende Bedeutung der Mauer verstehen.[10] Für welche Interpretation man sich entscheidet, ist letztendlich Geschmackssache, da jede auf ihre Art plausibel erscheint.

Die Gründung Roms soll, laut Plutarch, nach „etruskischem Ritus“ erfolgt sein, indem Romulus durch eine Furche die Mauerlinie bestimmte.[11] Allerdings kann Plutarch nicht Recht haben, da es zur Zeit der vermeintlichen Gründung Roms noch keine Städte in Etrurien (und im Latium) gab. Ein solcher Gründungsritus ist bisher in Etrurien nicht nachgewiesen worden.[12] Nachdem Romulus die Alleinherrschaft erlangte, fuhr er mit der Gründung der Stadt fort. Dionysios beschreibt dies im Detail.[13] Livius selbst erzählt nur wenig von den Charakterzügen der Stadt, erwähnt lediglich dass Romulus den Palatin befestigte.[14] Die Furche markierte den Bereich der roma quadrata. Die Römer verbanden diesen Ritus mit dem Parilia-Fest, der jedes Jahr am 21. April gefeiert wurde.[15] Die von Romulus gezeichnete Grenze wird als pomerium bezeichnet, es trennt die Stadt (urbs) vom Land (ager), die innere Zone (domi) von der äußeren (militae).[16]

Die Gründung Roms auf dem Palatin war wohl die wichtigste Tat von Romulus. Während seiner 37-jährigen Herrschaft soll er aber auch noch ein Asyl für Flüchtlinge eröffnet, Eroberungen gemacht und den Raub der Sabinerinnen (wegen Mangel an Frauen in der römischen Bevölkerung) organisiert haben. Ihm wird auch die Einführung verschiedener Institutionen, darunter der Senat, zugeschrieben.[17]

Es gab auch Untersuchungen, ob Romulus tatsächlich existiert haben könnte. Sein Name entspricht wahrscheinlich dem etruskischen Personennamen Rumele. Dieser wiederum lässt sich von einem Familiennamen ableiten, der erstmals im 6. oder 5. Jh. v. Chr. bezeugt ist (rumelnas). Rumelnas war in Etrurien der Name einer Familie mittleren Standes, in Rom ist eine Familie der Romilii um die Mitte des 5. Jh. v. Chr. belegt.[18] Eine Person namens Romulus kann es durchaus gegeben haben, dass sie allerdings Rom gegründet haben soll, ist nicht möglich. Die griechischen Geschichtsschreiber haben wohl eher die Ähnlichkeit zwischen Romilii und Rom benutzt, um einen Stadtgründer namens Romulus und dessen Genealogie zu erfinden.[19]

[...]


[1] Aigner-Foresti, Luciana, Die Etrusker und das frühe Rom. Darmstadt 2003, S. 6; siehe auch: Forsythe, Gary, A Critical History of Early Rome. From Prehistory to the First Punic War. Berkeley / Los Angeles / London 2005, S. 67.

[2] Livius, Römische Geschichte (Übers. Robert Feger). I,6,3.

[3] Fraschetti, Augusto, The Foundation of Rome. Edinburgh 2005, S. 29.

[4] Livius I,6,3; Dionysios von Halikarnassos, Geschichte Roms, I,85,4-6; Plutarch, Die großen Griechen und Römer I, Romulus 9,4.

[5] Livius (Anm. 2), I,6,4.

[6] Dionysios von Halikarnassos (Anm. 4), I,85,4-6.

[7] Livius (Anm. 2), I,7,1.

[8] Livius (Anm. 2), I,7,2-3.

[9] Cornell, T.J., The Beginnings of Rome. Italy and Rome from the Bronze Age to the Punic Wars (c. 1000-264 BC). London / New York 1995, S. 58.

[10] Fraschetti, The Foundation of Rome (Anm. 3), S. 32.

[11] Aigner-Foresti, Die Etrusker und das frühe Rom (Anm. 1), S. 53; siehe auch: Plutarch (Anm. 4), Romulus 11

[12] Aigner-Foresti, Die Etrusker und das frühe Rom (Anm. 1), S. 54.

[13] Fraschetti, The Foundation of Rome (Anm. 3), S. 35; siehe auch: Dionysios von Halikarnassos (Anm. 4), I,88.

[14] Livius (Anm. 2), I,7,3.

[15] Grandazzi, Alexandre, Les origines de Rome. Paris 2003, S. 11f.

[16] Fraschetti, The Foundation of Rome (Anm. 3), S. 36f.

[17] Grandazzi, Les origines de Rome (Anm. 15), S. 12f.

[18] Aigner-Foresti, Die Etrusker und das frühe Rom (Anm. 1), S. 53.

[19] Aigner-Foresti, Die Etrusker und das frühe Rom (Anm. 1), S. 53.

Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656302544
ISBN (Buch)
9783656302711
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v203916
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,7
Schlagworte
Rom Antike Gründung Roms

Autor

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