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Geschlechterstereotypisierung im naturwissenschaftlichen Unterricht

Hausarbeit 2012 16 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was bedeutet Stereotyp?

3. Geschlechterdiffernz als Schwerpunkt der Gender Forschung

4. Aktuelle Studien als Ausgangspunkt

5. Erklärungsversuch für Differenzen
5.1 Ursache Interessen
5.2 Geschlechtspezifische Unterschiede in Bezug auf das Selbstkonzept
5.3 Soziale Zwänge oder Angst vor Ausgrenzung

6. Was ist zu tun?
6.1 Der Gedanke des monoedukativen Unterrichts
6.2 Reattributionstraining

7. Schlussbemerkung: Handlungsmöglichkeit der Lehrkraft

1. Einleitung

Die vorzubereitende Thematik für meinen Seminararbeit war ein psychologischer Text über Attribution, welchen ich nun in der Form dieser Hausarbeit unter anderem als Teil für Erklärungsversuche und Verbesserungspotenziale für ein normatives Bemühen um Gerechtigkeit in Hinblick auf Geschlechterdifferenzen und Stereotypisierungen im naturwissenschaftlichen Unterricht aufgreifen werde. Dazu nutze ich eine Expertise „Mädchen und Naturwissenschaften in der Schule“ des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg, verfasst von Prof. Dr. Hannelore Faulstich-Wieland im Jahre 2004 als aktuelle Quelle, um einen Orientierungspunkt für die psychischen Bedingungen und Prozesse innerhalb dieser Thematik zu fixieren, da ich die wissenschaftlichen Ausführungen der Autorin schlüssig und aussagekräftig empfinde. Zunächst möchte ich ein paar allgemeine, einleitende Worte zu Begriff Stereotyp und speziell Geschlechterdifferenz verlieren, um mich im weitern Verlauf auf andere theoretische Erkenntnisse aus der psychologischen Erziehungswissenschaft zu fokussieren.

Da ich als Student der Sozialwissenschaften im Hauptfach Soziologie belegt habe, werde ich mich mit der Thematik Geschlechterdifferenz auch unter soziologisch Gesichtspunkten auseinander setzen, dabei aber den Hauptaugenmerk auf psychologische Theorien richten, um den Anforderungen des Seminars gerecht zu werden. Ein übergeordnetes Anliegen meiner Arbeit soll der Beitrag zu einer Verbesserung der Chancengleichheit von Mädchen und Jungen in der Schule sein. Latente und zumeist nicht bewusst gewollte Erziehungsprozesse, die in der Fachsprache auch als „heimlicher Lehrplan“ geschlechtertdifferenter Sozialisation gelten, sollen ins Bewusstsein gerufen werden um somit Veränderung zu fördern. Erst dann kann aus dem formalen Prinzip der Koedukation eine „reflexive“ (Faulstich-Wieland 1991: 63) Koedukation werden (Hilgers 1994: 13 ff.). Diese These der Erziehung der Koedukation von Frau Professor Faulstich-Wieland setzte ich den aktuellen Ausführungen von Frau Hannover und Frau Kessels gegenüber, welche in ihren Veröffentlichung für einen monoedukativen Unterricht plädieren speziell im Physik- und Sportunterricht, damit eine gerechtere Entwicklung der schulischen Kompetenzen durch diese Unterrichtsform gefördert wird.

2. Was bedeute Stereotyp?

Was sind die manifestierten, immer wiederkehrenden Stereotype zwischen Männern und Frauen in naturwissenschaftlichen Kompetenzen bzw. Fähigkeiten die in der öffentlichen Meinung präsent sind:

Oft gelten Frauen als fleißige Naturwissenschaftler, die allerdings nur durch übermäßiges Lernen und vor allem das Auswendiglernen, ihre Defizite ausgleichen können um gute Leistungen in Form von Noten zu erreichen. Jungen gelten vorurteilbeladen eher als faul, erreichen ihre Leistung nicht durch Lernen, sondern durch ihre naturgegebene Intelligenz und Stärken im Bereich des logischen Denkens, was oft auf evolutionäre Gegebenheiten zurück geführt wird. Viele Stereotype des Alltags finden ihren Weg in den Schulunterricht, was weibliche Stereotyp, das Eigenschaften von Passivität, Emotionalität und Soziabilität enthält, ebenso wie das männliche Stereotyp, für das Dimension der Stärke und der Aktivität eine größere Rolle spielt. Die Tatsache das Stärke und Aktivität in allen Kulturen wertvoller eingeschätzt werden als Schwäche und Passivität, steht vielerorts geschrieben. Diese Betrachtung ist weit von der wissenschaftlichen Realität entfernt, ist aber Teil der fesselnden Geschichte vom Wesen der Geschlechter, die immer wieder neu aufgelegt und fortgeschrieben wird, auch im Schulunterricht; aber um Klarheit in die Thematik zu bringen, beginne ich ganz von vorne und wende mich zunächst der rein begrifflichen Definition von Stereotyp und Geschlechterdiffernz zu, um einen detaillierten Einblick in die Gegebenheiten zu erlangen:

Der Stereotyp ist ein interdisziplinär verwendeter Begriff verschiedener Fachrichtungen (Psychologie, Pädagogik, Soziologie). In der Wissenschaft werden die Definitionen um das Wortfeld Stereotyp − Prototyp − Vorurteil − Klischee − Schema − Frame und so viele mehr kontrovers diskutiert; es existiert keine grundsätzliche, allgemein akzeptierte Definition für den Begriff Stereotyp.

Am geläufigsten ist die Verwendung des Begriffes in einem sozialwissenschaftlichen Kontext. Hier beruhen Stereotype auf Abgrenzung und der Bildung von Kategorien um Personengruppen, denen Komplexe von Eigenschaften oder Verhaltensweisen zugeschrieben werden. Stereotype sind des Weiteren vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sie oft besonders abgegrenzte und offensichtliche Eigenschaften karikierend ervorheben und z.T. falsch und inhaltlich nicht begründet verallgemeinern. Eine dermaßen vereinfachte Repräsentation anderer Personengruppen erleichtert die alltäglichen Interaktionen mit unbekannten Personen (→ Schubladendenken). Durch äußere Merkmale (z.B. Alter, Kleidung, Auftreten, Geschlecht) ausgelöste Stereotype dienen als Hinweisstrukturen für erwartete und zu erwartende Verhaltensweisen (→ negativ/positive Nachahmung des Verhaltens als selbsterfüllende Prophezeiung).

Die dadurch gewährleistete Vereinfachung hat jedoch auch Nachteile und kann z.T. soziale Ungerechtigkeiten manifestieren. Sobald Merkmale wie das Geschlecht oder die Hautfarbe mit negativen Bewertungen besetzt sind, welche die Interaktionsmöglichkeiten von Personen in vielen Lebensbereichen deutlich begrenzen, spricht man von Vorurteilen.

In der Psychologie bezeichnet man Verhaltensweisen oder Bewegungen als Stereotype, die unabhängig von der konkreten Umweltsituation häufig und meist scheinbar sinnlos wiederholt werden.

3. Geschlechterdiffernz als Schwerpunkt der Gender Forschung

Wie bereits oben beschrieben steht als Eintrag im Fremdwörterbuch von Wilhelm Dultz, dass Stereotypien Äusserungen aller Art sind, die oft während langer Zeiten immer wiederholt werden, aber meist leer und ohne geistigen Inhalt versehen sind. Dies möchte ich als Überleitung zum Begriff der Geschlechterdiffernez aus der Gender Forschung nutzen, da die Konstruktion der männlichen wie weiblichen Rolle ähnlich dem Begriff des Stereotyp zu verstehen ist, da auch diese gesellschaftliche Konstruktion von Geschlecht unreflektiert über einen langen Zeitraum reproduziert wird. Diese Ähnlichkeit möchte ich im folgenden Abschnitt versuchen zu verdeutlichen:

Eine Richtung der Gender Studies beschäftigt sich mit den Unterschieden zwischen den sozial und kulturell konstruierten Geschlechtern. Eine andere und weiter verbreitete Richtung beschäftigt sich mit Prozessen der Unterscheidung von solchen Geschlechtern, die dazu führen, dass uns sozial meistens zwei Geschlechtsausprägungen gegenübertreten. Sie ist immer interdisziplinär. Vor allem in den Sozialwissenschaften werden in den Gender Studies die Beziehungen der Geschlechter untereinander untersucht. Geschlecht wird in diesem Zusammenhang als soziokulturelle Konstruktion verstanden (gender), die auch die Dimension Sexualität (sex) berücksichtigen muss. Gender meint also weniger das biologische, als eher das soziale Geschlecht. Wichtige Themen für meine Hauarbeit sind:

- soziale Ungleichheit zwischen den Geschlechtern (systematische Benachteiligung im Beruf und in der Bildung. wegen des Geschlechts)
- vergeschlechtlichte Arbeitsteilung als Gesellschaftsstruktur (etwa durch die kapitalistische Unterscheidung von Produktion und Reproduktion)
- Praxen der Erzeugung der Geschlechterdifferenz („doing gender“)
- Mediale Präsentationen und Repräsentationen von Geschlecht, z. B. in Film, Literatur, Kunst, Werbung usw.
- Geschlechterpädagogik

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Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656302261
ISBN (Buch)
9783656303725
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v203906
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Institut für Erziehungswissenschaften
Note
1
Schlagworte
geschlechterstereotypisierung unterricht

Autor

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Titel: Geschlechterstereotypisierung im naturwissenschaftlichen Unterricht