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Politische Sozialisation in der Familie

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 16 Seiten

Politik - Didaktik, politische Bildung

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Politische Sozialisation
1.1. Sozialisationsinstanzen
1.1.1. Schule
1.1.2 Familie

2. Politische Sozialisationsprozesse in der Familie
2.1. Politische Sozialisation als Kristallisationsprozess in der Jugendphase
2.2. Politische Sozialisation als Lernprozess

3. Politische Sozialisation durch die Familie im Realsozialismus am Beispiel der DDR

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

Einleitung

Kinder und Jugendliche wachsen heute in einer Zeit eines rasch voranschreitenden gesellschaftlichen Entwicklungsprozesses auf, der als eine neue Phase der Modernisierung angesehen werden kann und alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens prägt. Politische Bindungen und Orientierungen, die früher von Generation zu Generation übertragen wurden, lösen sich auf; die Funktionen der traditionellen Sozialisationsinstanzen gehen immer mehr verloren bzw. werden von anderen Instanzen, insbesondere von Medien übernommen.

Aufgrund der verlängerten Schulzeit bleiben Jugendliche in ökonomischer Abhängigkeit vom Elternhaus und erlangen erst spät die Möglichkeit, autonom zu handeln. In der Familie werden Jugendliche sowohl durch die politische Einstellung der Eltern als auch durch herrschende familiäre Wertorientierungen, Erziehungsstile und Kommunikationsstrukturen in ihrer politischen Grundhaltung beeinflusst. Der Einfluss der Familie darauf ist jedoch geringer geworden.

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit dem Politischen Sozialisationsprozess in der Familie. Am Anfang soll der Begriff „Politische Sozialisation“ definiert werden. Es soll gezeigt werden, welche Sozialisationsinstanzen einen Menschen im Laufe seines Lebens beeinflussen. Dabei nimmt die Familie eine Schlüsselrolle in der politischen Sozialisation ein. In der Hausarbeit werden Forschungsergebnisse zur politischen Sozialisation in der Familie skizziert. Da die Sozialisationsforschung ein heterogenes und umstrittenes Gebiet, gibt die Arbeit einen Überblick über zentrale und entscheidende Erkenntnisse zur politischen Sozialisation in der Familie. Der dritte und letzte Punkt der Arbeit beschäftigt sich mit der politischen Sozialisation durch die Familie in der ehemaligen DDR. In der DDR wurde versucht die Sozialisationskraft der Familie zu schwächen, doch dadurch wurde genau das Gegenteil bewirkt und die Familie genoss große Wertschätzung.

Nach der 14.Shell Jugendstudie (2002) leben rund drei Viertel der Jugendlichen zwischen 12 und 25 Jahren noch bei ihren Eltern. Fast 90 Prozent der Jugendlichen geben an, dass sie mit ihren Eltern gut klar kommen. Knapp 70 Prozent - und damit deutlich mehr, als in früheren Shell Jugendstudien - würden oder wollen ihre Kinder genauso oder wenigstens ungefähr so erziehen, wie sie selber von ihren Eltern erzogen worden sind. Alles in allem zeigt sich demnach zwischen den familiären Generationen ein hohes Maß an Akzeptanz und Übereinstimmung.

1.Politische Sozialisation

Im Laufe seines Heranwachsens lernt ein Kind eine Reihe von sozialen Vorstellungen, Einstellungen und Verhaltensweisen. Diese werden dem Heranwachsenden weniger durch Belehrungen sondern vielmehr durch Erfahrungen, die dem Kind an ihm zugänglichen sozialen Orten wie Familie, Kindergarten, Gleichaltrige, Massenmedien in Interaktion vermittelt. Die Summe der gesammelten Erfahrungen wird als politische Sozialisation beschrieben.1 Politischer Sozialisation ist somit die Gesamtheit der bewusst und unbewusst ablaufenden Prozesse, durch die Kenntnisse, Überzeugungen, Gefühlshaltungen, Werte, Normen und Symbole, die das politische Handeln regeln, dem Individuum vermittelt und von diesem internalisiert bzw. verinnerlicht werden. Politische Sozialisation bezieht sich auf die politischen Einstellungen und Orientierungen, die längerfristig und tiefergehend verinnerlichte Bestandteile der Persönlichkeit werden. Politische Sozialisation ist nach Bernhard Claußen „ein nie abgeschlossener lebenslanger Lernprozess des Erwerbs und der Modifikation von Kognitiven, affektiven und handlungsbezogenen Fähigkeiten“2, der die politischen Denk- und Handelungsmöglichkeiten der Individuen konstituiert. Je nach Alter und Reife kann das Kind aufgrund seiner erlernten Erfahrungen prinzipielle Dimensionen des politischen wie Macht und Ohnmacht, Recht und Unrecht oder Interesse und Gegen-Interesse relativ früh verstehen. Bereits im Grundschulalter kann das Kind die Funktionen eines Polizisten oder eines Bürgermeisters begreifen. Für das Kind ist der Polizist der Ordnungshüter, der dazu da ist Menschen zu helfen. Für das Grundschulkind ist die andere Funktion des Polizisten, die der Sanktion noch nicht interessant, da selbst wenn das Kind etwas Böses tut, der Polizist es nur zu seinen Eltern bringen wird. Der soziale Vorstellungshorizont ist im Wesentlichen auf die Familie begrenzt.3

1.1. Sozialisationsinstanzen

In der politischen Sozialisation werden drei Sozialisationsinstanzen unterschiede:

- primäre Sozialisationsinstanz (Familie oder Freundschaftsgruppen, „peer-group“)
- sekundäre Sozialisationsinstanz (Schule, Vorschule, Jugendarbeit, Jugendverbände) und
-tertiäre Sozialisationsinstanz (politische u. gesellschaftliche Institutionen: Parteien, Verbände und Kirchen). Der primären Instanz wird nach wie vor eine prägende Funktion zugeschrieben.

Die Forschung zu politischer Sozialisation greift sehr häufig auf das Konzept der so genannten Sozialisationsagenten bzw. Sozialisationsinstanzen zurück, wobei Bernhard Claußen verschiedene für die Politisierung relevante Instanzenbereiche unterscheidet. Die zentralen Instanzen der politischen Sozialisation sind die primären Sozialisationsinstanzen. Damit sind diejenigen Lebensräume und deren sozialisatorische Bedeutung gemeint, mit denen Menschen unausweichlich zu Beginn ihres Lebens oder über einen längeren Zeitraum zu tun haben. Zu diesen zählen hauptsächlich Familie, Schule, Gleichaltrige und Massenmedien.

Neben diesen primären Sozialisationsinstanzen gibt es Instanzen mit pädagogischer Relevanz, die als direkte oder indirekte Ergänzungen der politischen Sozialisation fungieren. Diese sind meist zeitlich begrenzt, betreffen nicht alle Menschen und haben eine erzieherische Aufgabe. Zu diesen Sozialisationsinstanzen zählen beispielsweise Jugendfreizeitstätten, außerschulische Jugendbildung, die Bundeswehr als Einrichtungen zur Ableistung des Wehrdienstes, Hochschulen oder Volkshochschulen. Zu der dritten Gruppe, den tertiäre Sozialisationsinstanzen werden politische und gesellschaftliche Institutionen wie Parteien, Verbände und Kirchen gezählt.4 Der primären Sozialisationsinstanz wird nach wie vor immer noch eine prägende und somit bedeutendste Funktion zugeschrieben. Wenn man dies psychoanalytisch betrachtet geht die Kristallisationsthese davon aus, dass die frühkindlichen im familiären Kontext erworbene allgemeine Orientierung dauerhaft wirksam bleiben und die späteren Orientierungen politischen Meinens und Handelns prägen. Alles das was das Kind in der sozialen Welt lernt, wird es später mit politischen Objekten verbinden.

Auch der Einfluss der Medien auf die politische Sozialisation sollte nicht unterschätz werden.

Medien sind allgegenwärtig, der Alltag ist durchwirkt mit medienvermittelten Informations- und Kommunikationsprozessen. Gerade im Hinblick auf Kinder und Jugendliche werden Medien daher auch als wesentliche Sozialisationsinstanz betrachtet, deren Einfluss gegenüber dem anderer Instanzen, etwa Schule und Eltern, in den letzten Jahren zugenommen hat.

[...]


1 Giesecke, Hermann: Politische Bildung. Didaktik und Methodik für Schule und Jugendarbeit, 1993, S.40.

2 George, Siegfried / Prote, Ingrid: Handbuch zur Politischen Bildung in der Grundschule, 1996, S.6.

3 Giesecke, Hermann, (Anm.1), S.41.

4 Ingrisch, Michaela: Politisches Wissen, politisches Interesse und Politische Handlungsbereitschaft bei ugendlichen aus den alten und neuen Bundesländern, 1997, S.18.

Details

Seiten
16
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638242721
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v20386
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Note
2,5
Schlagworte
Politische Sozialisation Familie Einführung Didaktik Politischen Bildung

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Titel: Politische Sozialisation in der Familie