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Reflexe der römischen Gesellschaft in Ovids "Ars amatoria."

Das männliche und weibliche Schönheitsideal und seine Funktion

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 17 Seiten

Latein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung Seite

2.) Das äußere Erscheinungsbild
2.1) Kleidung
2.2) Frisuren

3.) Schönheitspflege und Schönheitsideal
3.1) Kosmetik
3.2) weibliches Schönheitsideal
3.3) männliches Schönheitsideal

4.) Fazit

5.) Literaturverzeichnis

1.) Einleitung

Si quis in hoc artem populo non novit amandi, hoc legat et lecto carmine doctus amet.

So beginnt das erste Buch von Ovids Ars amatoria, ein Werk, das unter der Herrschaft des Augustus entstand und in dem sich Ovid als praeceptor amoris versteht, der dem Volk die „Kunst der Liebe“ näherbringen möchte.

Die ersten beiden Bücher der Ars sind den Männern gewidmet. Ovid gibt seinen Lesern Tipps, wo Frauen zu finden sind und wie man ihre Gunst gewinnen kann. Im dritten Buch wendet sich Ovid an die Frauen, wo er ihnen die richtigen Verhaltensweisen ans Herz legt, um auf Männer attraktiv zu wirken. Um Attraktivität zu erreichen, ist Schönheitspflege nötig, der sich Ovid vor allem für seine Leserinnen ausführlich widmet. Doch auch für das männliche Geschlecht hat Ovid Ratschläge, in welcher Weise sie auf ihr Äußeres achten sollten. Neben der Schönheitspflege wird von Ovid auch das Ideal sowohl der weiblichen als auch der männlichen Schönheit dargestellt. Schönheitspflege und Schönheitsideal bilden somit ein wichtiges Thema in der Ars, da diese beiden Komponenten die Grundlage für die Attraktivität bilden und in der Geschlechterannäherung eine wichtige Rolle spielen. Daher soll in dieser Arbeit das männliche und weibliche Schönheitsideal in Ovid Ars thematisiert und desweiteren auch auf dessen Funktion eingegangen werden.

Zunächst wird das Thema der Kleidung näher behandelt: die kulturelle und gesellschaftliche Funktion von Kleidung und wie Ovid dieses Thema in seiner Ars verarbeitet hat.

Anschließend wird auf die Frisuren der augusteischen Zeit eingegangen und welche Funktion diese in Ovids Werk haben.

Ein weiteres wichtiges Thema, das man nicht außer Acht lassen sollte, ist die Kosmetik, die bei der Schönheitspflege ebenfalls eine wichtige Rolle spielt und der in dieser Arbeit auch ein Kapitel gewidmet wird.

Zuletzt wird sowohl das männliche als auch das weibliche Schönheitsideal thematisiert und auf die jeweiligen Unterschiede näher eingegangen. Obwohl dieses sehr stark durch Thema und Zweck der Ars amatoria geprägt ist, lässt es dennoch Rückschlüsse auf die augusteische Gesellschaft zu.

Neben dem Primärtext Ovid- Ars amatoria wurde als Sekundärliteratur vor allem die Monographie von Andrea Scheithauer, Verfeinerte Lebensweise und gesteigertes Lebensgefühl im augusteischen Rom, Frankfurt 2007, verwendet.

2.) Das äußere Erscheinungsbild

2.1) Kleidung

Kleidung hatte in der Antike einen wichtigen gesellschaftlichen und kulturellen Stand, weshalb an dieser Stelle näher auf sie eingegangen wird.

Hergestellt wurde Kleidung von Frauen in häuslicher Webarbeit. Die Stoffe, die hierfür benutzt wurden, waren sehr vielfältig: zum einen wurden Wolle und Häute von Schafen und Ziegen verwendet, zum anderen nahm man auch Leinen und Flachs. Im 2. Jahrhundert vor Christus kam desweiteren auch noch Baumwolle hinzu. Seide hingegen gelangte erst zur Zeit des Augustus nach Italien.[1]

Auch Farben gab es schon, die vor allem Abwechslung in die Frauenkleidung brachten. Ovid zählt diese in Ars III 173-192 auf: zu Beginn seiner Aufzählung geht er auf verschiedene Nuancen von Blautönen ein, die er mit dem Himmel und den Meereswellen vergleicht. Für die übrigen Farben wählt er Vergleichspunkte aus dem Pflanzen- und Tierreich.

Er kritisiert das tyrische Purpur, das als Farbe besonders beliebt, aber auch sehr teuer war (Ars III 169-170). Es handelte sich hierbei um eine Amethystfarbe, die auf den ersten Blick schwärzlich, gegen das Licht gehalten aber rötlich schimmerte. Dieser Farbstoff wurde hauptsächlich aus Schneckentieren der Gattung murex gewonnen. Er wurde von den Phöniziern entdeckt und zuerst im östlichen Mittelmeerraum, in Tyros, hergestellt und kommerziell genutzt. Da mittlerweile kostengünstigere Farben aufgekommen waren, hält der Dichter es für einen Wahnsinn, sein ganzes Vermögen am Körper zu tragen:

cum tot prodierint pretio leviore colores,

quis furor est census corpore ferre suos?[2]

Er kritisiert an dieser Stelle den Luxuswahn der Frauen, der in augusteischer Zeit aufgekommen war. Wichtiger als teure Stoffe ist für ihn, dass eine Frau durch die Kleidung ihren Hauttyp unterstützt. Hellhäutige Frauen sollten vor allem dunkle Farben tragen, wohingegen Dunkelhäutigen die Farbe weiß besonders gut stehe:

pulla decent niveas: Briseïda pulla decebant;

cum rapta est, pulla tum quoque veste fuit.

alba decent fuscas: albis, Cepheï, placebas;

sic tibi vestitae pressa Seriphos erat.[3]

Durch diese mythologischen Beispiele versucht Ovid seine Leserinnen für die richtige Farbauswahl der Kleidung zu sensibilisieren. Sie sollten darauf achten, dass zwischen ihrem Teint und ihrer Kleiderfarbe ein Kontrast entstehe.

Obwohl Ovid die Farbtöne von Kleiderstoffen eingehend behandelt, geht er auf die Gewänder selbst nicht ein. Ein Grund für diese Zurückhaltung dürfte sein, dass er die modischen Veränderungen in augusteischer Zeit aus gattungsspezifischen Gründen nicht beschreiben konnte. Sein Ziel war es, ein Werk zu schreiben, das nicht veralten sollte. Infolgedessen war er kaum an der Wiedergabe von Einzelheiten interessiert, die dem Zeitgeschmack unterworfen waren.[4]

Kleidung hatte in der Antike desweiteren eine wichtige gesellschaftliche und kulturelle Funktion, denn sie zählte wie Schmuck und Haushaltsgeräte zu der Aussteuer einer Braut. Auch wurde Kleidung Verstorbenen als Totengabe mit ins Grab gegeben.[5]

Der gesellschaftliche Stand bzw. die gesellschaftliche Zugehörigkeit einer Person ließ sich ebenfalls anhand der Kleidung feststellen: die Toga, das offizielle Obergewand eines römischen Bürgers, war für Nicht-Römer verboten. Die Toga eines einfachen Bürgers war weiß, wohingegen die toga praetexta mit einem purpurfarbenen Randstreifen versehen war und von kurulischen Beamten getragen wurde wie auch von Knaben, die sie als Zeichen der Mannwerdung gegen die toga virilis eintauschten.[6] In der Frühzeit gehörte die Toga zur Kleidung beider Geschlechter, bei den Frauen wurde sie in republikanischer Zeit jedoch durch die stola ersetzt. Die Toga bei Frauen wurde fortan zur Tracht von Ehebrecherinnen und Prostituierten degradiert.[7]

[...]


[1] Vgl. Rolf Hurschmann: Art. „Kleidung“, in: DNP 6 (1999), 505. [im Folgenden zitiert als Hurschmann, Kleidung].

[2] Ov. ars III 171-172.

[3] Ov. ars III 189-192.

[4] Andrea Scheithauer: Verfeinerte Lebensweise und gesteigertes Lebensgefühl im augusteischen Rom, Frankfurt a. M./Berlin/Bern u.a., 2007, 152 [im Folgenden zitiert als Scheithauer, Verfeinerte Lebensweise].

[5] Vgl. Hurschmann, Kleidung, 505.

[6] Vgl. Rolf Hurschmann: Art. „Toga“, in: DNP 12/1 (2002), 654.

[7] Vgl. Dacre Balsdon: Die Frau in der römischen Antike, München 1979, 279 [im Folgenden zitiert als Balsdon, Frau].

Details

Seiten
17
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656305842
ISBN (Buch)
9783656306061
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v203784
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,7
Schlagworte
reflexe gesellschaft ovids schönheitsideal funktion

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Titel: Reflexe der römischen Gesellschaft in Ovids "Ars amatoria."