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Ursachen für starke Verbreitung von HIV in Südafrika

Seminararbeit 2012 11 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Afrika

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Historie

3. Ursachen für HIV in Südafrika

4. Risikogruppen für HIV
4.1. Homosexuelle und HIV in Südafrika
4.2. männliche / weibliche Prostituierte und HIV in Südafrika
4.3. Mutter-Kind Übertragung

5. Fazit

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Geschichte von HIV in Südafrika ist wahrscheinlich die kontroverseste aller frühzeitig betroffenen Länder. Sie ist gezeichnet von Untätigkeit der Regierung, gesundheitsgefährdenden Eingriffen, Pseudowissenschaften und Konflikten zwischen Politikern, Hilfsorganisationen und Wissenschaftlern. Nach zwei Jahrzehnten ignoranter Politik zeigt sich Südafrika als das Land mit der höchsten HIV -Rate weltweit.

Der erste Teil dieser Hausarbeit wird einen Überblick über den Ausbruch von HIV speziell in Südafrika geben, gefolgt von aktuellen Statistiken und deren Einordnung. Danach werden die Ursachen für den rasanten Ausbruch der Immunschwäche aufgezeigt, gefolgt von den Risikogruppen in Südafrika. Im letzten Teil folgt die Einordnung Südafrikas beim Ausbruch der Krankheit. Dabei soll deutlich gemacht werden warum gerade Südafrika selbst für die Region der Subsahara mit hoher HIV-Rate eine Ausnahmestellung besitzt.

2. Historie von HIV/AIDS in Südafrika

Obwohl es natürlich Risikogruppen für HIV-Infektionen gibt, hat das Virus in Südafrika sich inzwischen so weit ausgebreitet, dass es auch die breite Bevölkerung trifft. Zum ersten Mal aufgetaucht ist es 1982 als bei zwei homosexuellen, weißen Männern HIV diagnostiziert wurde. Beide waren Flugbegleiter und hatten sich kurz vorher in den USA aufgehalten.[1] Von 250 genommenen Blutproben homosexueller Männer in Johannesburg, der größten Stadt Südafrikas wurden 32 (12,8%) positiv getestet.[2] Die falsche Schlussfolgerung daraus war, dass es sich um eine Krankheit ausschließlich für homosexuelle halten muss. Weite Teile der Bevölkerung ignorierten einfach das Risiko, sowie auch das damalige Apartheitsregime. Als auch wenig später Hämophile Patienten durch Bluttransfusionen vom Virus befallen wurden, wurden sie, im Gegensatz zu Homosexuellen, als unschuldige Opfer betrachtet. Der erste schwarze Südafrikaner mit der Diagnose AIDS wurde 1987 entdeckt. Er war ein Minenarbeiter aus Malawi, wo die damalige Verbreitung noch höher war als in Südafrika. Mit Beginn der 1990er breitete sich die Epidemie über die gesamte Subsahara aus und tauchte danach in Südafrika verstärkt an Zufahrtsstraßen nach Mosambik und Swasiland auf.[3] Im Juli 1991 hatten sich die bekannten Fälle etwa gleich auf homosexuelle und heterosexuelle aufgeteilt, wobei die zweite Gruppe danach deutlich stärker stieg.[4]

Schätzungsweise 5,6 Millionen Menschen (2010) leben in Südafrika mit HIV und AIDS. Die höchste Zahl weltweit. Jährlich sterben etwa 310.000 Menschen.[5] Somit hat Südafrika in den vergangenen drei Jahrzehnten etwa ein Drittel seiner Bevölkerung verloren. In der Altersgruppe der 15-49 Jährigen sind 17,8%[6] infiziert und insbesondere die Jüngsten unter Ihnen sind besonders betroffen. Etwa ein Drittel der 25-29 jährigen Frauen und etwa ein Viertel der Männer zwischen 30 und 34 Jahren.[7] Unter denjenigen die älter als zwei Jahre alt sind schwanken die Infektionsraten in den verschiedenen Regionen erheblich. Am unteren Ende der Skala befinden sich Western Cape (3,8%) und Northern Cape, bis hin zu Mpumulanga (15,4%) und KwaZulu-Natal (15,8%).[8]

3. Ursachen für HIV in Südafrika

Die Gründe der Neuinfizierungen in Südafrika sind Zahlreich und decken sich in einer Vielzahl auch mit denen vieler anderer Länder der Subsahara. Häufig wechselnde Partner, schlechte Sexualerziehung, falsche Aufklärung sowie natürlich auch große Armut sind Hauptfaktoren.

Zudem ist Gewalt gegenüber Frauen stark verbreitet. Einer Studie des South African MEDICAL RESEARCH COUNCIL zufolge haben 40%[9] aller südafrikanischen Männer bereits Gewalt in einer intimen Beziehung ausgeübt. Dieser Wert ergibt sich über alle Einkommensschichten und unterschiedlichen Ethnien, wobei damit sowohl häusliche Gewalt unter Ehepartnern gemeint sein kann, also auch Vergewaltigung. Außerdem fällt es vielen Frauen schwer sich bei der Diskussion um Safer Sex gegen die Männer durchzusetzen. Schätzungsweise ein-siebtel aller Frauen die sich mit HIV infiziert haben waren Opfer von

Gewalt.[10] Dies unterstreicht nochmals deutlich, dass Gesundheitsversorgung und Frauenrechte nicht voneinander getrennt werden können wenn es um die Bekämpfung von HIV geht. Das Refentse-model ist ein erfolgreiches Vorbild wenn es um die Nachsorge von Vergewaltigungsopfern auf dem Land geht. Es beinhaltet eine Beratung der Frauen in Fragen der Gewalt, umfangreiche HIV Tests und Postexpositionsprophylaxe. Außerdem die Behandlung von Traumata, sofortige Empfängnisverhütung, sowieso die Möglichkeit einer Einweisung in ein Krankenhaus.[11]

Darüber hinaus spielt mangelnde Bildung eine große Rolle, die Analphabetenquote liegt bei 13,6%.[12] Es gibt häufige Unwissenheit über Infektionswege, oder wie man sich vor HIV schützen kann. So verwenden weiterhin nur sehr wenige Männer, besonders in ländlichen Regionen, Kondome. Auch besteht noch der gefährliche Aberglaube vieler Männer, dass man durch Sex mit einer Jungfrau vom Virus befreit werden könne.[13]

Ein weiterer Grund ist, dass Kinderreichtum einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert besitzt und Ausdruck von Wohlbefinden und Glück ist. Zudem sind sie auch Teil der Altersvorsorge wenn die Eltern nicht mehr arbeiten können.[14] Kinderlosigkeit wird oft noch stigmatisiert. Deswegen zeugen auch weiterhin einige HIV infizierte Paare weiterhin Kinder obwohl sie wissen, dass sie die Immunschwäche auf ihr Ungeborenes übertragen könnten.

Hinzu kommt, dass es meist wenige Krankenhäuser in Regionen mit besonders hoher HIV- Rate gibt. Die Medikamente sind für die Bewohner dort kaum erschwinglich und die medizinische Betreuung schlecht. Außerdem sind Lebensbedingungen und Hygiene in der privaten Versorgung meist mangelhaft.[15]

Ein sehr entscheidender Faktor für Südafrika war aber sicherlich der Zeitpunkt an dem sich das Virus international verbreitete. Die vorherrschende politische Situation vor und nach der Apartheid war chaotisch und die Verantwortlichen waren eher darauf bedacht, das System zu stabilisieren und Unruhen entgegenzuwirken, als sich um das neu auftretende Virus zu kümmern.

[...]


[1] Ras GJ et al (1983, 23rd July), 'Acquired Immunodeficiency Syndrome: A report of two South African cases', South African Medical Journal 64.

[2] Sher R (1989, 7th October), 'HIV infection in South Africa, 1982 - 1988 - review', South African Medical Journal 76.

[3] Iliffe J (2006), 'The African AIDS epidemic: A history', James Currey.

[4] Whiteside A and Sunter C (2000), 'AIDS: The Challenge for South Africa', Human & Rousseau Tafelberg Publishers.

[5] Global Report - UNAIDS Report on the global AIDS, zit. nach: http://www.unaids.org/documents/20101123_globalreport_em.pdf, S.30, 30.7.2012.

[6] Global Report - UNAIDS Report on the global AIDS, zit. nach: http://www.unaids.org/documents/20101123_globalreport_em.pdf, S.187, 30.7.2012.

[7] South African National HIV Prevalence, Incidence, Behaviour and Communication, Survey, 2008 - A Turning Tide Among Teenagers? S.17.

[8] South African National HIV Prevalence, Incidence, Behaviour and Communication, Survey, 2008 - A Turning Tide Among Teenagers? S.16.

[9] Jewkes R (2009, June), 'Understanding men's health and use of violence: Interface of rape and HIV in South Africa', South African Medical Research Council, S.23.

[10] Nearly 50% of people who are eligible for antiretroviral therapy now have access to lifesaving treatment, zit. nach: http://www.unaids.org/en/resources/presscentre/pressreleaseandstatementarchive/

2011/november/20111121wad2011report/, 1.8.2012.

[11] The Population Council (2009) ‘The Refentse Model for Post-Rape Care: Strengthening Sexual Assault Care and HIV Post-Exposure Prophylaxis in a District Hospital in Rural South Africa, zit. nach: http://www.popcouncil.org/projects/125_PostRapePEPSouthAfrica.asp#/jQueryUITabs1-1, 1.7.2012.

[12] Alles über Afrika, zit. nach: http://www.50-afrika.s-cool.org/?action=ctr, 1.8.2012.

[13] The Body, Men, Culture and HIV/AIDS, zit. nach: http://www.thebody.com/content/art715.html, 1.8.2012.

[14] Die Welt, Warum in Afrika die Bevölkerungszahlen explodieren,

http://www.welt.de/dieweltbewegen/article108315594/Warum-in-Afrika-die-Bevoelkerungszahlen- explodieren.html, 1.8.2012.

[15] Health care in South Africa, zit. nach: http://www.southafrica.info/about/health/health.htm, 1.8.2012.

Details

Seiten
11
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656299974
ISBN (Buch)
9783656299578
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v203743
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,3
Schlagworte
ursachen verbreitung südafrika

Autor

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