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Das Subjekt in Thierschs Alltagstheorie und Lebensweltorientierung und Böhnischs Lebensbewältigung

Subjekt und Subjektorientierung. Theoretischer Diskurs in der Sozialen Arbeit

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 16 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lebensweltorientierung bei Thiersch
2.1 Lebensweltorientierte Soziale Arbeit
2.2 Kritik

3. Lebensbewältigung bei Böhnisch

4. Vergleich beider Konzepte

5. Alltag im Subjekt, Subjekt im Alltag

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Dieser schriftlichen Ausarbeitung liegt das Referat „Das Subjekt in Thierschs Alltagstheorie und Lebensweltorientierung“ im Seminar „Subjekte zwischen Anerkennung und Adressierung. Sozialpädagogische Theoriediskurse“ bei Prof. Dr. Andreas Walther in Zusammenarbeit mit Sarah Friedrich vom dritten März 2012 zugrunde, weswegen sich die Struktur dieser Ausarbeitung grob am Aufbau des Referats orientiert.

Dazu soll im zweiten Kapitel in die Lebensweltorientierte Soziale Arbeit nach Hans Thiersch eingeführt und kritisiert werden, worauf dies ebenso im dritten Kapitel auf das Konzept der Lebensbewältigung nach Lothar Böhnisch folgt. Darauf aufbauend sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser beiden Konzepte im viertel Kapitel aufgearbeitet werden. Abschließend folgt die Frage nach dem Subjekt, in dem die eigene Meinung mit den Ansätzen von Thiersch und Böhnisch verbunden werden sollen.

Hans Thiersch (geb. 1935) war von 1970 bis 2002 Professor für Erziehungswissenschaft und Sozialpädagogik an der Universität Tübingen und wurde 2002 emeritiert, veröffentlicht dennoch weiterhin Aufsätze und Essays. Er ist Ehrendoktor der Technischen Universität Dresden und der Universität Lüneburg und hat 2010 den Ernst-Christian-Trapp-Preis der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) verliehen bekommen. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Theorie der Sozialpädagogik und der Sozialen Arbeit, Sozialethik, Alltags- und Lebensweltorientierte Soziale Arbeit, und Fragen der Handlungskompetenz und der Institutionalisierung in Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit.[1]

Lothar Böhnisch (geb. 1944) promovierte 1977 und habilitierte 1982 an der Universität Tübingen und wurde 2009 emeritiert. Seit 1985 war als (Gast-)Professor an den Universitäten Tübingen, Zürich, Fribourg, Bologna, Bozen und (TU) Dresden tätig.[2] Ein Auszug seiner Arbeitsschwerpunkte sind die Jugendpolitik, Lebensbewältigung, Männliche Sozialisation und Männlichkeit im Wandel, Sozialpolitik und Sozialpädagogik und die Sozialräumliche Jugendarbeit.[3]

2. Lebensweltorientierung bei Thiersch

Das Konzept der Lebensweltorientierung entstand Ende der Siebziger Jahre „als Antwort auf politische und fachliche Entfremdung“[4] zur theoretischen Begründung Sozialer Arbeit. Sie zielt auf den Alltag der Adressaten und ihre Lebenswelt ab, da „jeder seinen Alltag hat und darin ein Recht auf Verständnis und Hilfe im Zeichen gerechter Verhältnisse.“[5] Jedem, der Hilfe benötigt, soll also mit „rechtlich gesicherter, fachlich verantwortbarer Arbeit“[6] Hilfe bekommen. Das Konzept konnte sich soweit durchsetzen, dass es in dem Achten Jugendbericht erwähnt wurde, erntete jedoch aufgrund der Probleme in der praktischen Realisierung viel Kritik,[7] welche aber gleichzeitig die Begründung und Befürwortung des Konzepts ist: Soll der Alltag der Adressaten und ihre Lebenswelt verstanden, Vertrauen zwischen ihnen und dem Sozialarbeiter aufgebaut und deren Lebensverhältnisse reorganisiert werden, braucht es viel Zeit, Personal und somit auch Kosten. Als chronisch unterfinanzierte Sparte eines Sozialstaates, fällt die praktische Realisierung der Forderung der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit, jedem zu helfen, der Hilfe benötigt, dementsprechend schwer. Man könnte natürlich verlangen, dass mehr ehrenamtliche Tätigkeit geleistet wird, doch ist dies keine langfristige Lösung, wie Thiersch selbst schreibt: „Ehrenamtlichkeit ist auch die geheimnisvolle Verwandlung professioneller Arbeit in unbezahlte Arbeit.“[8]

2.1 Lebensweltorientierte Soziale Arbeit

Dabei besitzt die lebensweltorientierte Soziale Arbeit durchaus ansprechende Struktur- und Handlungsmaximen.[9]Prävention dient den Adressaten zum Schutz vor anstehenden Lebenskrisen, sodass sie selber die notwendigen Gegenmaßnahmen einleiten oder besser mit dieser Krise zurechtkommen, was dadurch erreicht werden kann, dass die allgemeinen Kompetenzen des Adressaten stabilisiert werden.

Mit Alltagsnähe beschreibt Thiersch die Niedrigschwelligkeit und das Vorhandensein von Angeboten, ohne, dass die Adressaten sich scheuen oder große Umstände auf sich nehmen müssen diese auch aufzusuchen. Um die Hemmungsschwelle, Hilfe in Anspruch zu nehmen, zu senken, dürfen also das Auf- und Besuchen von Hilfestellung gebenden Institution „weder stigmatisierend noch entmündigend wirken, sondern müssen in den eigenen Lebensstil beziehungsweise die eigene Lebensbewältigung integriert werden können.“[10]

Integration fordert eine Lebenswelt ohne Ausgrenzung, Unterdrückung und Gleichgültigkeit. Dabei soll Unterschiedlichkeit nicht einfach ignoriert, sondern anerkannt und ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass Unterschiedlichkeiten existieren und als gleichwertig anerkannt werden, beispielsweise durch gemeinsame Schulformen mit behinderten und nicht-behinderten Schülern.

Partizipation fordert, so wie die Integration, Gleichheit unter allen Personen, jedoch auf der Ebene der Beteiligungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten unter denen, die Hilfe leisten, und denen, die Hilfe in Anspruch nehmen. Dies kann ein Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer, Erwachsener und Heranwachsender oder auch zwischen Adressat und Sozialarbeiter sein.

Die Idee der Alltagsnähe ist verknüpft mit der Strukturmaxime der Dezentralisierung. Hilfen sollen vor Ort geschaffen, jedoch auch regional angepasst werden. Jedes Milieu, und der dadurch beeinflusste gemeinsame Alltag eines Milieus einer Region, erfordert eigene und keine institutionell allgemeingültig definierte Ansätze zur Hilfe der Adressaten, abhängig von einem hohen oder niedrigeren Migrantenanteil, einem ländlicheren oder städtischem Gebiet, hoher oder niedriger Arbeitslosigkeit oder weiteren beeinflussenden Anteilen.

Aus der Sicht einer lebensweltorientierten Perspektive soll in der Sozialen Arbeit individuelle Lösungshilfen für die Adressaten gesucht werden, die sich dabei an ihrer eigenen Lebenswelt und die ihnen verfügbaren Ressourcen orientieren. In diesem Prozess spricht Thiersch von der Diagnose; sieht jedoch das Problem darin, dass unterschiedliche Institutionen individuelle Arbeits- und Sichtweisen und Bedingungen für ihre eigenen Diagnosen haben, bevor sie überhaupt selber Hilfestellung geben wollen und können. Was für die Institution trivial erscheinen mag, kann für den Adressaten in seiner Situation mit seinen gegebenen Lebensverhältnissen gewaltig erscheinen. Es müssen also mithilfe durch Planung Räume zum Aushandeln zur Verfügung stehen, in denen alle Betroffenen beteiligt sind und die Position der Akteure verhandlungsfähig gemacht wird.

Darauf aufbauend verlangt Thiersch, dass durch die Typisierung von Problemlagen und Hilfsangeboten die konkrete Situation und Konstellation befragt werden muss, sodass die Integration und Flexibilisierung von Hilfen möglich wird. Die gegebenen Angebote sollen also immer wieder an die gegebene Situation ohne Probleme angepasst werden können, und dabei keine sich gegenseitig ausschließende Hilfsangebote den Adressaten in seiner gegebenen Situation behindern und blockieren.

[...]


[1] vgl. http://www.hans-thiersch.de/

[2] vgl. http://www.lothar-böhnisch.de/

[3] vgl. http://www.lothar-böhnisch.de/

[4] Thiersch/Grunwald/Köngeter 2010, S. 165

[5] ebd.

[6] ebd.

[7] vgl. ebd.

[8] Thiersch 1986, S. 32

[9] Thiersch/Grunwald/Köngeter 2010, S. 173ff

[10] Stauber/Walther 1995, S. 28

Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656299981
ISBN (Buch)
9783656301059
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v203700
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Institut für Sozialpädagogik
Note
Schlagworte
Pädagogik Sozialpädagogik Subjekt Subjektorientierung Hans Thiersch Lothar Böhnisch Thiersch Böhnisch Lebenswelt Lebensweltorientierung Lebensbewältigung Soziale Arbeit

Autor

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Titel: Das Subjekt in Thierschs Alltagstheorie und Lebensweltorientierung und Böhnischs Lebensbewältigung