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Schätzen einer Produktionsfunktion für Profimannschaften am Beispiel der 1. Fußballbundesliga

Hausarbeit 2003 22 Seiten

VWL - Makroökonomie, allgemein

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Daten
2.1. Die endogenen Variablen
2.2. Die exogenen Variablen

3. Produktionstechnologie

4. Ergebnisse
4.1. Wirtschaftlicher Erfolg
4.2. Sportlicher Erfolg

5. Zusammenfassung und Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

"Fußball ist die schönste Nebensache der Welt", so heißt es weit verbreitet. Doch neben all dem Fanatismus, der Leidenschaft und der Begeisterung für das Spiel entwickelte sich in den letzten Jahren der professionelle Fußballsport in Europa zu einem eigenen Wirtschaftszweig. Angetrieben durch Fernsehanstalten, die Milliarden für Übertragungsrechte investieren, verzeichneten die Vereine der fünf nationalen Topligen, d.h. Premier League in England, die Serie A in Italien, die Premier Division in Frankreich, die Primera Division in Spanien und die 1. Bundesliga in Deutschland, in den Spielzeiten 95/96 bis 00/01 durchschnittliche Wachstumsraten zwischen 16 und 27% p.a.. In der Saison 00/01 durchbrach Manchester United als erster Fußballklub die 200 Mill. EUR Umsatzgrenze (213,4 Mill. EUR). Als bester deutscher Verein folgte im gleichem Jahr auf Platz drei die Bayern München AG mit 172,9 Mill. EUR.[1]

Die Fußballklubs erreichen mittlerweile durch die Anzahl ihrer Mitarbeiter und die Höhe ihrer finanziellen Transaktionen die Größe mittlerer Unternehmen. Diese Entwicklung führt zu strukturellen Veränderungen im professionellen Fußball, z. B. in Form von Umwandlung von Vereinen in Aktiengesellschaften oder der Neugestaltung beim Verkauf von Übertragungsrechten. Die Vereine sind nun nicht mehr allein ihren Fans gegenüber verpflichtet, sondern auch ihren Aktionären, die hohe Renditen erwarten. Und durch die an den sportlichen Erfolg gekoppelten Fernsehgelder kommt es zusehends zu einer viel zitierten „Schere zwischen Arm und Reich“.[2]

Es stellt sich nun die Frage, ob Mannschaften mit einem kleineren Budget und daher wohl schlechteren Spielern und Trainern über ihren an sich begrenzten Möglichkeiten spielen oder auch inwieweit Spitzenmannschaften ihre viel bessere Ausgangsbasis nicht entsprechend nutzen können. Um solche Fragen der Effizienz überhaupt beantworten zu können, bedarf es zunächst der Klärung eines anderen zentralen ökonomischen Prinzips, das die Transformation von Inputfaktoren in Output beschreibt – die Produktionsfunktion.

In der vorliegenden Arbeit wird versucht, anhand der Daten zweier Saisons der deutschen Fußballbundesliga eine geeignete Produktionstechnologie für den „Profi-Fußball“ zu ermitteln. Dazu wird auf Basis von Input- und Outputdaten der in der jeweiligen Saison spielenden Mannschaften mittels OLS Verfahren eine Produktionsfunktion für den sportlichen und eine für den wirtschaftlichen Erfolg geschätzt.

Um die Frage nach der angewandten Produktionstechnologie beantworten zu können, ist die Arbeit wie folgt gegliedert: Zunächst wird nach der Einleitung im Abschnitt 2 die Datenbasis dargestellt, gefolgt von der Beschreibung einer geeigneten Funktionsform in Abschnitt 3. In Abschnitt 4 werden die Ergebnisse präsentiert. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung und einem Ausblick in Abschnitt 5.

2. Daten

Die sportlichen Daten für die Bundesliga wurden aus den Sonderheften „Bundesliga“ und „Finale“ des Kicker Sportmagazin ermittelt. Die monetären Daten stammen aus den Arbeiten von Haas (2001/2002).[3]

2.1. Die endogenen Variablen

Geschätzt werden soll das Modell auf zweierlei Weise: Zum einen auf Basis von Umsatzzahlen (UMS), zum anderen auf Basis des sportlichen Erfolges (PKT).

Die erste Outputvariable, der Umsatz, beinhaltet alle Einnahmen der Vereine in der abgelaufenen Spielzeit, beispielsweise Sponsoring, TV Gelder, Merchandising und Ticketverkäufe.[4] Diese Umsätze bilden den ökonomischen Output eines Klubs vollständig ab.

Die zweite Schätzung erfolgt auf Grundlage des sportlichen Erfolges. Diese Variable soll den sportlichen Output über eine Saison hinweg darstellen. Dafür wurde gemäß eines eigens entwickelten Punktesystems der Erfolg in der Meisterschaft, in Pokal- und in den internationalen Wettbewerben zu einer Variable verdichtet. Hierbei ist der Championsleaguesieg (10 Punkte) in seiner Wertschätzung am höchsten einzuordnen vor der Meisterschaft (9), dem UEFA-Cup (8) und dem Gewinn des DFB-Pokals (7). Um den Gewinn einer Meisterschaft besonders hervorzuheben, erhält jeder Titelgewinner zwei Punkte mehr als der jeweilige Vizemeister (8,7,6,5).[5]

Zur Entwicklung einer geeigneten Produktionsfunktion für Fußballmannschaften scheint es sinnvoll, nicht nur nationale Outputs zu berücksichtigen, sondern auch internationale Aktivitäten aufzunehmen. Bundesliga-Teams, die im internationalen Geschäft eine bedeutende Rolle spielen wollen, werden ex ante einen größeren und teureren Spielerkader vorweisen als diejenigen, die „nur“ um die deutsche Meisterschaft spielen können. So bezahlen in der Saison 99/00 die Vereine, die sich im Vorjahr für den internationalen Wettbewerb qualifizieren konnten, ihren Spielern im Durchschnitt 18,7 Mio EUR (20,8 00/01), während es bei den restlichen Vereinen nur 9,9 Mio EUR. (12,9) sind. Diese internationale Betrachtungsweise wird jeweils durch die beiden endogenen Variablen implementiert.

2.2. Die exogenen Variablen

Schwieriger als die Definition der Outputvariablen ist die der Inputvariablen, da die klassischen Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital erst einmal auf den Fußballsport übertragen werden müssen.

Ein möglicher Ansatz für die Bestimmung der Inputfaktoren stellt sicherlich das Humankapital eines Vereins dar, das durch die Spieler und Trainer beschrieben wird. Aber wie lassen sich die Qualität und das Potenzial des Spielerkaders und die Fähigkeiten der Trainer als zählbare Größe abbilden?

Die Spielerstärke und damit die Qualität einer Mannschaft soll durch die Spielerlohnsumme (WJPL), in der sämtliche von einem Verein bezahlten Spielerlöhne erfasst werden, approximiert werden. Dabei wird implizit unterstellt, dass ein größerer und teurer Kader leistungsfähiger ist als ein billiger Kader. Dies erscheint sinnvoll, da mit einer größeren Anzahl von guten, teuren Spielern die Belastungen und vor allem auch Verletzungsausfälle während einer Saison leichter zu bewältigen sind.

Die Trainer werden gemäß der Arbeit von Dawson et al. (2000) gesondert berücksichtigt, da sie in dem Prozess der Leistungserstellung eine eigenständige Rolle einnehmen. Ihre Arbeit besteht dabei aus kurzfristigen Aufgaben, wie z.B. Aufstellung, Taktik und Motivation, und langfristigen in Form von Transaktionen am Transfermarkt und der Weiterentwicklung von Anlagen bereits vorhandener Spieler. Die Abbildung der Qualität und Erfahrung der Trainer erfolgt wie schon bei den Spielern über deren Jahresgehälter (WJCO).

Der Ansatz, die Qualität einer Mannschaft über die jeweils gezahlten Löhne für Spieler und Trainer zu bestimmen, geht auf Szymanski und Smith (1997) zurück und ist deshalb notwendig, da es kaum andere passende Indikatoren zur Ermittlung des Humankapitals gibt. Der Vorteil dieses Verfahren ist, dass ex ante festgelegte Gehälter verwendet werden und dadurch sichergestellt ist, dass Outputaspekte, wie erfolgsabhängige Prämien, nicht auf Seite der Inputfaktoren mit einfließen.

Damit wurden bis jetzt zwei exogene Variablen bestimmt, die sicherlich einen Einfluss auf den jeweiligen Output ausüben. Nun ist zu ermitteln, ob neben dem Humankapital weitere Faktoren bestehen, die in die Produktionsfunktion mit aufzunehmen sind.

Eine mögliche Variable könnte dabei die Messung des Potenzials sein, das ein Klub aufgrund seiner Fanbasis hat. Hierfür müssen diejenigen Menschen bestimmt werden, die bereit sind, tatsächlich einmal Geld für den Verein auszugeben, sei es für Tickets, Pay-TV oder Merchandising Artikel. Zur Ermittlung einer geeigneten Kennzahl könnte man die Anzahl der Mitglieder, der Fanklubs oder der in Fanklubs organisierten Mitglieder heranziehen. Das Problem hierbei ist allerdings, dass die Unterschiede zwischen den großen Vereinen und den kleineren sehr groß sind und es dadurch zu Verzerrungen kommt. Z.B hat der FC Bayern München fast 100.000 Mitglieder, während es bei der SpVgg Unterhaching nur knapp 1.000 sind.[6] Einen besseren Ansatz stellt die Ufa-Studie aus dem Jahr 2000 da. Diese misst die Bekanntheit und Sympathie der Vereine bei der gesamten fußballinteressierten Bevölkerung.[7] Gemäß den Ergebnissen dieser Studie soll eine Dummy Variable für die beliebtesten zehn Bundesligamannschaften eingeführt werden (UFASD).

[...]


[1] Vgl. Kern (2002) S. 694

[2] Vgl. Kern (2002) S. 695

[3] Siehe Anhang 1

[4] Hier sind natürlich auch Mehreinnahmen für international erfolgreich spielende Mannschaften, z.B. durch höhere Fernsehgelder, zusätzliche Ticketverkäufe oder auch Prämien in den Sponsoringverträgen berücksichtigt.

[5] Siehe Anhang 2

[6] Quelle: www.fcbayern.t-online.de und www.spvggunterhaching.de

[7] Vgl. Ufa Studie 2000, S. 10-16, 58f.

Details

Seiten
22
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638242516
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v20359
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,3
Schlagworte
Schätzen Produktionsfunktion Profimannschaften Beispiel Fußballbundesliga

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