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Von "Ballkünstlern" und "Zweikämpfen"

Zum Gebrauch sprachlicher Bilder in Printmedientexten der Fußballberichterstattung

Masterarbeit 2012 327 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sprachliche Bilder
2.1 Metaphern nach Lakoff/Johnson
2.1.1 Die Kognitive Linguistik als Rahmen der Metapherntheorie
2.1.2 Das Wesen der Metapher
2.1.3 Arten von Metaphern
2.1.3.1 Konventionalisierte Metaphern
2.1.3.2 Unkonventionelle Metaphern
2.1.3.2.1 Kreative Metaphern
2.1.3.2.2 Innovative Metaphern
2.1.4 Erkennen und Verstehen von Metaphern
2.2 Vergleiche
2.2.1 Das Wesen der Vergleiche
2.2.2 Arten von Vergleichen nach Ortony
2.2.2.1 Vergleiche im engeren Sinne
2.2.2.2 Similes
2.3 Leistungen und Funktionen von sprachlichen Bildern
2.3.1 Textextern
2.3.2 Textintern
2.4 Abgrenzung zu ähnlichen sprachlichen Mitteln

3. Die Schema-Theorie
3.1 Definition
3.2 Arten
3.2.1 Objektschemata
3.2.2 Ereignisschemata

4. Fußballberichterstattung
4.1 Stellung der Sportsprache im Gesamtsystem der Sprache
4.1.1 Kategorien der Sportsprache
4.1.1.1 Fachterminologie
4.1.1.2 Fachjargon
4.1.1.3 Reportsprache
4.2 Medienarten der Sportberichterstattung
4.2.1 Printmedien
4.2.1.1 Arten
4.2.1.1.1 Tageszeitungen
4.2.1.1.2 Fachzeitschriften
4.2.1.2 Textsorten
4.2.2 Fernsehen
4.2.3 Hörfunk
4.2.4 Internet
4.3 Sprachliche Besonderheiten der Fußballsprache

5. Empirische Untersuchung
5.1 Leitfragen und Textkorpus
5.2 Methodisches Vorgehen
5.3 Untersuchungsergebnisse
5.3.1 Kriegswesen/Kampf
5.3.2 Glaube
5.3.3 Kunst
5.3.4 Medizin
5.3.5 Wirtschaft
5.3.6 Technik
5.3.7 Handwerk
5.3.8 Staatswesen
5.3.9 Rechtswesen
5.3.10 Reise
5.3.11 Natur
5.3.12 SPORT und SPIEL
5.3.13 Alltag
5.3.14 Geistestätigkeit
5.3.15 Emotion
5.3.16 Materielles
5.4 Diachrone Auswertung der Ergebnisse
5.4.1 Quantitative Verteilung
5.4.2 Kreativer Umgang

6. Fazit und Ausblick 108

Anhang
Tabellen
Quantitative Verteilung der Untersuchungsergebnisse
Kreativität der Untersuchungsergebnisse

Literaturverzeichnis
Primärliteratur
Sekundärliteratur

1. Einleitung

Keine Sportart besitzt in Deutschland eine derart hohe Popularität und dementsprechend auch mediale Präsenz wie der Fußball. Diese Sportart hat eine lange Tradition. Der erste Vorläufer ist bereits aus dem zweiten bzw. dritten Jahrhundert vor Christus in China belegt: Bei dem sogenannten Ballspiel „Tsu’ Chu“ mussten die Spieler einen Lederball durch eine kleine Öffnung in ein schmales Netz befördern, das an zwei Bambusstangen befestigt war. Der Einsatz der Hände war schon damals untersagt (vgl. http://de.fifa.com/classicfootball/history/game/historygame1.html). Neben diesem ältesten bekannten Vorläufer existierten weitere Ballspiele aus Rom, Griechenland, dem angelsächsischen und asiatischen Raum, die dem heutigen Fußball ähneln. In ihrer modernen Form entwickelte sich diese Sportart aber erst 1863 in England, „als der Fußball sich vom Rugbysport löste und der englische Fußballverband (FA) gegründet wurde“ (ebd.). Bereits acht Jahre später zählten schon 50 Vereine zur FA, 1872 wurde der erste Fußballwettbewerb der Welt unter ihnen ausgetragen und 1888 die erste Meisterschaftssaison gespielt (vgl. http://de.fifa.com/classicfootball/history/game/historygame4.html). Auch international setzte sich diese Sportart schnell durch. So gründete Schottland bereits 1873 seinen eigenen Fußballverband, kurz darauf auch Wales und Irland. Außerhalb von Großbritannien entstanden zunächst 1889 der niederländische und der dänische Fußballverband. In Deutschland kam es erst 1900 zur Gründung des Deutschen Fußball-Bundes (vgl. ebd.). Bereits 1930 wurde die erste Fußballweltmeisterschaft in Uruguay ausgetragen, aus der die gastgebende Mannschaft siegreich hervorging (vgl. http://de.fifa.com/classicfootball/history/worldcup/index.html). Schnell entwickelten sich Fußballspiele im Allgemeinen und die Weltmeisterschaftsturniere im Speziellen zu einem Ereignis großen gesellschaftlichen Interesses, dessen Bedeutung auch innerhalb der medialen Umsetzung augenscheinlich wird. So gibt es Live-Übertragungen und Zusammenfassungen von Fußballspielen im Fernsehen und Rundfunk, Zeitungen und Zeitschriften berichten darüber und auch vor dem Internet macht die Sportart nicht halt.

Für eine optimale Verständigung über alles auf und um den Fußballplatz entwickelte der Fußball seine eigenen sprachlichen Besonderheiten aus, die sich mehr oder weniger stark von der Allgemeinsprache unterscheiden. So besitzt die Fußballsprache beispielsweise syntaktische, morphologische und lexikalische Eigenarten, weshalb sie auch für Sprachwissenschaftler von Interesse ist. In dieser Arbeit lege ich meinen Fokus auf die Lexik, speziell auf den Gebrauch sprachlicher Bilder, innerhalb der Fußballberichterstattung.

Der Begriff des sprachlichen Bildes wird innerhalb der Forschung unterschiedlich genutzt. Ich fasse darunter die Metaphern und die Similes, d. h. eine bestimmte Art von Vergleichen. Aussagen, wie „‚Wer hinten so offen ist, kann nicht ganz dicht sein’ (Werner Hansch)“ oder „‚Da kam dann das Elfmeterschießen. Wir hatten alle die Hosen voll, nur bei mir lief’s ganz flüssig’ (Paul Breitner)“ (Sick 2006, 86), arbeiten mit bestimmten Metaphern, die in diesem Fall durch ihre zweideutigen Lesarten zur – wahrscheinlich unbeabsichtigten – Belustigung des Rezipienten beitragen. Metaphern bzw. sprachliche Bilder können aber weitaus mehr leisten, als nur zu unterhalten. Vielmehr geben sie einen Einblick darin, wie wir uns bestimmte Bereiche, wie zum Beispiel den Fußball, kognitiv verfügbar machen. So verstehen wir diesen nicht nur als einen bestimmten Mannschaftssport, sondern wir sehen ihn vielmehr im Licht anderer, meist alltäglicher(er) Bereiche. Welches diese Bereiche sind und wie häufig sie im Einzelnen in Printmedientexten der Sportberichterstattung genutzt werden, um beim Leser ein bestimmtes Bild vom Fußball zu erzeugen, ist die Hauptfragestellung meiner Arbeit. Dafür untersuche ich Zeitungsartikel der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und der „Süddeutschen Zeitung“, die von Fußballspielen der deutschen Nationalmannschaft berichten. Da sich aber die Fußballsprache, wie die Sprache im Allgemeinen auch, ständig weiterentwickelt, will ich nicht nur den aktuellen Gebrauch sprachlicher Bilder nachzeichnen, sondern diachrone Tendenzen innerhalb der vergangenen knapp 60 Jahre feststellen. Dafür untersuche ich vergleichend die Weltmeisterschaften 1954, 1974, 1990 und 2010, die sich durch ihre relativ gleichmäßigen zeitlichen Abstände und die sehr erfolgreichen Teilnahmen der deutschen Nationalmannschaft m. E. bezüglich der äußeren Rahmenbedingungen als vergleichbar erweisen.

Für diese Untersuchung ist es aber notwendig, zunächst jene theoretischen Ausführungen zu erläutern, die für meine empirische Analyse relevant sind. So erfordert die oben beschriebene Betrachtung von sprachlichen Bildern eine Erläuterung der Phänomene Metapher und Vergleich. Ersteres fasse ich den Ansätzen der Kognitiven Metapherntheorie von George Lakoff und Mark Johnson (vgl. Lakoff/Johnson 2008), Letzteres den Ausführungen von Andrew Ortony (vgl. Ortony 1979) folgend auf. Zudem gehe ich auf die jeweiligen Arten beider sowie auf das Erkennen und Verstehen dieser ein. Anschließend beantworte ich die Frage, warum sprachliche Bilder überhaupt verwendet werden, welche Leistungen und Funktionen sie also besitzen.

Daran schließt sich eine kurze Erläuterung der Schema-Theorie an, eine bestimmte Ansicht innerhalb der Kognitionspsychologie darüber, wie die internen kognitiven Strukturen eines Menschen organisiert sind. Ich beschreibe dabei, was Schemata sind und welche Arten dieser existieren, da dies für mein methodisches Vorgehen innerhalb der Analyse relevant ist.

Im letzten theoretischen Kapitel dieser Arbeit befasse ich mich mit der Fußballberichterstattung. Zunächst wird die Sportsprache in das Gesamtsystem der Sprache eingeordnet und gezeigt, wie sich die Sportsprache weiterhin gliedern lässt, um die in der Untersuchung interessierende Sprache innerhalb der Printmedien verorten zu können. Zudem wird auf die einzelnen Medienarten eingegangen, um deutlich zu machen, dass die Printmedien nicht die einzige Medienform sind, in der über den Fußball berichtet wird. Schließlich wird ein Überblick über die Darstellung der sprachlichen Besonderheiten innerhalb der Fußballsprache in den Medien, auch Reportsprache genannt, in der Forschungsliteratur gegeben. In Hinblick auf die Untersuchung der sprachlichen Bilder liegt dabei mein Augenmerk auf der Lexik.

Der Hauptteil dieser Arbeit widmet sich meiner empirischen Untersuchung, in der auf Grundlage der beiden deutschen Tageszeitungen „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und „Süddeutsche Zeitung“ unterschiedliche Artikel in Hinblick auf die Verwendung sprachlicher Bilder analysiert werden. Durch den gewählten Untersuchungszeitraum von 1954 bis 2010 soll dabei eine diachrone Entwicklung der sprachlichen Bilder, sowohl in Bezug auf die quantitative Verteilung als auch die Kreativität innerhalb der Verwendung, ersichtlich werden.

Abschließend wird ein Fazit über den Gebrauch sprachlicher Bilder in Printmedientexten der Fußballberichterstattung und dessen Entwicklungen gezogen und ein Ausblick hinsichtlich möglicher, anschließender Untersuchungen gegeben.

2. Sprachliche Bilder

Der Begriff der sprachlichen Bilder evoziert einen Komplex von sprachlichen Phänomenen, die über die Sprache hinausführen. Sie aktivieren eine Imagination (vgl. Kohl 2007, 11 f.). Dieser Terminus impliziert also, dass bei der Produktion und der Verarbeitung von bildlicher Sprache ein visuelles Denken involviert ist (vgl. ebd., 13). In der deutschsprachigen Metapherntheorie des 20. Jahrhunderts wird dieser Begriff unterschiedlich verwendet, entweder als Synonym für die Metapher oder aber als Oberbegriff für Metaphern, Vergleiche, Gleichnisse, Allegorien, Personifikationen, Embleme und Symbole, die oft auch unter dem Begriff Tropen subsumiert werden (vgl. ebd., 12).

In dieser Arbeit werden unter den sprachlichen Bildern Metaphern und Vergleiche verstanden[1]. Der enge Zusammenhang beider sprachlichen Mittel wurde bereits in der Antike gelehrt: So bezeichnet Aristoteles den Vergleich als Bild und nähert diesem der Metapher an, indem er ihn als Unterform der Metapher auffasst (vgl. ebd., 73; Skirl/Schwarz-Friesel 2007, 11). Auch Quintilian und Cicero stellen eine enge Verbindung beider fest, indem sie die Metapher als einen verkürzten Vergleich definieren (vgl. ebd.; Ludwig 2005, 187). Empirisch ist ebenfalls eine enge Beziehung zwischen Metapher und Vergleich feststellbar: Sprachliche Daten zeigen, dass beide häufig abwechselnd oder in Kombination miteinander auftreten, eine Trennung beider erscheint daher nicht sinnvoll (vgl. Kohl 2007, 75; Skirl/Schwarz-Friesel 2007, 12). Vergleiche werden dabei von den Sprachteilnehmern in der Regel „als weniger ungewöhnlich und ausdrucksstark empfunden und daher von Autoren [oder Sprechern – Anm. A. H.] als gut geeignet angesehen […], um auf Metaphern vorzubereiten“ (ebd., 13).[2]

Nachdem nun expliziert wurde, was in dieser Arbeit unter sprachlichen Bildern verstanden wird, ist es sinnvoll zu klären, was eigentlich Metaphern und Vergleiche sind und warum sie genutzt werden. An diese Ausführungen anschließend werde ich beide von ähnlichen sprachlichen Mitteln abgrenzen.

2.1 Metaphern nach Lakoff/Johnson

In der linguistischen Forschung existieren unterschiedliche Metapherntheorien.[3] Die kognitive Metapherntheorie von Lakoff/Johnson „markiert [dabei] den wohl bedeutendsten Paradigmenwechsel in der Metaphernforschung“ (Kohl 2007, 119). Während zuvor Metaphern als ungrammatisch, Ausdruck von abweichendem Sprachgebrauch, semantische Anomalie, rhetorischer Kunstgriff oder schmückender Zierrat verstanden wurden, die jederzeit mit wörtlicher Rede zu paraphrasieren seien und nur persuasiven Zwecken dienen, stellen Lakoff/Johnson die Allgegenwart der Metapher heraus (vgl. Deimel 1999, 8; Jäkel 2003, 21). Ihr Werk mit dem Titel „Metaphors we live by“ löste eine regelrechte Flut von Publikationen über diese Theorie bzw. die Metapher im Allgemeinen aus, die bis heute andauert (vgl. Moser 2000, 34; Settekorn 2001, 93; Samii 2006, 34).

Bevor genauer darauf eingegangen wird, wie Metaphern im Sinne von Lakoff/Johnson zu verstehen sind, wird zunächst kurz der übergeordnete Rahmen dieser Theorie, nämlich die Kognitive Linguistik, betrachtet, um zu zeigen, vor welchem Hintergrund diese Metapherntheorie entstand.

2.1.1 Die Kognitive Linguistik als Rahmen der Metapherntheorie

Die Kognitive Linguistik ist eine spezialisierte Kognitionswissenschaft (vgl. Habel/Kanngießer/Rickheit 1996, 15), die Ende der Fünfzigerjahre in den USA entstand und bis heute als sehr einflussreicher Zweig der Linguistik gilt (vgl. Samii 2006, 34). „[I]n der Kognitiven Linguistik geht es sowohl um die Erklärung und Beschreibung als auch um die Simulation derjenigen kognitiven Systeme und Prozesse, die für die Beherrschung einer natürlichen Sprache konstitutiv sind.“ (Habel/Kanngießer/Rickheit 1996, 16) Es werden also mentale Sprachstrukturen und –prozesse beschrieben und erklärt. Christopher Habel/Siegfried Kanngießer/Gert Rickheit bezeichnen die Kognitive Linguistik als „Sprachwissenschaft plus Sprecher/Hörer-Wissenschaft“ (vgl. ebd., 17), da die kognitiven Prozesse der Sprachverarbeitung, also die Bedingungen und Eigenschaften dieser, im Vordergrund stehen.

Die Kognitive Linguistik versteht sich als empirische Wissenschaft, denn sie interessiert sich für den tatsächlichen Sprachgebrauch, weshalb die Alltagssprache als Untersuchungsgegenstand genutzt wird (vgl. Moser 2000, 35; Jäkel 2003, 19 f.; Samii 2006, 35). Das Methodenspektrum reicht dabei über die empirisch-experimentelle Forschung und mathematische, logische Modelle bis hin zu Computerrealisierungen (vgl. Habel/Kanngießer/Rickheit 1996, 19).

Es lassen sich zwei Hauptforschungsrichtungen voneinander unterscheiden: der Modularismus und der Holismus. Ersterer geht davon aus, dass die menschliche Kognition aus isolierten Modulen besteht, die unabhängig voneinander agieren. Demgegenüber sind Vertreter der holistischen Richtung der Meinung, dass die menschliche Kognition ein ganzheitliches Modell darstellt. Sprache wird hier nicht als autonomes System begriffen, sondern vielmehr als Epiphänomen der Kognition (vgl. Deimel 1999, 13; Samii 2006, 35). Diesem Forschungszweig ist auch die kognitive Metapherntheorie zuzuordnen. So sehen Lakoff/Johnson „Sprache als ein Medium [an], das uns Material an die Hand gibt, mit dem wir zu allgemeinen Prinzipien des Verstehens gelangen“ (Lakoff/Johnson 2008, 136).

2.1.2 Das Wesen der Metapher

Lakoff/Johnson stellen heraus, dass die Metaphern nicht nur in Gedichten oder Dramentexten zu finden sind, sondern vielmehr omnipräsent sind und daher als Bestandteil unserer Alltagssprache angesehen werden müssen (vgl. Lakoff/Johnson 2008, 11). Aus diesem Grund werden die Metaphern oft nicht als solche wahrgenommen und unbewusst produziert.

Lakoff/Johnson definieren die Metapher folgendermaßen:

Das Wesen der Metapher besteht darin, dass wir durch sie eine Sache oder einen Vorgang in Begriffen einer anderen Sache bzw. eines anderen Vorgangs verstehen und erfahren können. (ebd., 13)

Aber nicht nur die Sprache ist grundlegend metaphorisch strukturiert, sondern auch das gesamte Denken und Handeln des Menschen (vgl. Moser 2000, 34). Das Hauptaugenmerk von Lakoff/Johnson liegt also auf der Ebene der kognitiven Prozesse; die Sprache dient lediglich als Werkzeug, um diese Prozesse verständlich zu machen.[4] Die metaphorischen Ausdrücke auf sprachlicher Ebene sind systematisch mit metaphorischen Konzepten auf kognitiver Ebene verbunden (vgl. Lakoff/Johnson 2008, 15). Die Sprache ist metaphorisch, weil unser Denken und Handeln metaphorisch ist, nicht umgekehrt. Das Kernstück der Theorie bilden also die konzeptuellen Metaphern, die Abstraktionen der konkreten sprachlichen Realisierungen darstellen.[5] Ein häufiges und systematisches Auftreten ähnlicher Metaphern auf sprachlicher Ebene spricht für das Vorliegen von metaphorischen Konzepten, die hinter den sprachlichen Ausdrücken stehen (vgl. Samii 2006, 36 f.). Dabei werden zwei unterschiedliche Domänen miteinander verbunden, indem eine konzeptuelle Domäne durch den Rückgriff auf eine andere kognitiv verfügbar gemacht wird, was dann mittels entsprechender sprachlicher Ausdrücke realisiert wird (vgl. Jäkel 2003, 23). Solche konzeptuellen Metaphern können also aus dem empirisch erfassbaren Sprachmaterial rekonstruiert werden.

Die miteinander verbundenen konzeptuellen Domänen werden als Ursprungs- und Zielbereich bezeichnet. Für den Ursprungsbereich stellen Lakoff/Johnson folgendes fest:

Diese Konzepte für natürliche Arten von Erfahrung und für Objekte sind klar genug strukturiert und besitzen eine geeignete innere Struktur, um andere Konzepte hinreichend definieren zu können. Das bedeutet, daß sie die richtige Art von Struktur haben, mit der sie uns einen Zugang zu jenen natürlichen Arten von Erfahrungen geben, die an sich weniger konkret bzw. weniger klar umrissen sind. (Lakoff/Johnson 2008, 138)

Demgegenüber zeichnen sich die Zielbereiche dadurch aus, dass sie

nach metaphorischer Definition [verlangen], weil sie selbst nicht klar genug umrissen sind, um den Zielen unseres alltäglichen Denkens und Handelns gerecht zu werden. (ebd.)

Während der Ursprungsbereich in der Regel also konkret und sinnlich erfahrbar ist, ist der Zielbereich abstrakt, häufig sehr komplex und somit schwerer verständlich.[6] Indem aber einzelne Merkmale des Ursprungsbereiches auf den Zielbereich projiziert werden, wird der Zugang zum abstrakten Zielbereich erleichtert, er wird metaphorisch erschlossen (vgl. Samii 2006, 38).[7] So wird beispielsweise der Zielbereich ARGUMENTIEREN[8] mittels des Ursprungsbereichs KRIEG erfahrbar gemacht. Die konzeptuelle Metapher lautet dementsprechend ARGUMENTIEREN IST KRIEG und schlägt sich innerhalb unserer Alltagssprache in unterschiedlichen Ausdrücken nieder, wie Ihre Behauptungen sind unhaltbar./ Er griff jeden Schwachpunkt in meiner Argumentation an./ Seine Kritik traf ins Schwarze. (vgl. Lakoff/Johnson 2008, 12).

Die Richtung der Projektion erfolgt unumkehrbar vom Ursprungs- zum Zielbereich.[9] Die wahrgenommenen Ähnlichkeiten zwischen beiden Domänen liegen nicht von Natur aus vor. „Mit welchen Metaphern welche Sachverhalte und Vorstellungen konzeptualisiert werden, ist [vielmehr] historisch und kulturell bedingt.“ (Settekorn 2001, 93) Die Vorstellungen sind also nicht statisch, sondern können sich im Laufe der Zeit verändern.[10] Die Metaphern weisen eine enorme Systematisierungsleistung auf, indem sie komplexe Strukturzusammenhänge bilden (vgl. Jäkel 2003, 25; Samii 2006, 44).

Beim Übertrag des Ursprungs- auf den Zielbereich rücken immer nur bestimmte Aspekte des Zielbereichs in den Vordergrund – je nachdem, welche Analogien zwischen Ursprungs- und Zielbereich vorliegen –, andere bleiben verborgen.[11] Es findet also nur eine partielle Übertragung statt, denn der Ursprungsbereich geht niemals vollständig im Zielbereich auf, es liegt ein Fokussierungseffekt vor. Um andere Merkmale des Zielbereichs hervorzuheben, müssen auch andere Ursprungsbereiche ausgewählt werden (vgl. Samii 2006, 39; Lakoff/Johnson 2008, 109). Ebenso kann ein Ursprungsbereich für mehrere Zielbereiche genutzt werden (vgl. Samii 2006, 39). Konzeptualisierungen haben auch Auswirkungen auf unser Handeln, da je nach Auswahl des Ursprungbereichs der Zielbereich anders verstanden wird (vgl. Lakoff/Johnson 2008, 14).

Es wird ersichtlich, dass Sprache und Kultur auf das engste miteinander verbunden sind. Vor diesem Hintergrund unterscheiden Lakoff/Johnson auch zwischen drei verschiedenen Ebenen: Es existieren Metaphernkonzepte einer gesamten Sprachgemeinschaft, bestimmter sozialer Gruppen bzw. Subkulturen sowie einzelner Personen, wobei sich diese Ebenen überlagern können (vgl. Moser 2000, 44-46; Samii 2006, 53 f.).

2.1.3 Arten von Metaphern

In der Regel werden Metaphern hinsichtlich ihrer Usualität, d. h. Gebräuchlichkeit, unterschieden (vgl. vgl. Moser 2000, 46; Kohl 2007, 20; Skirl/Schwarz-Friesel 2007, 29). Diese Unterteilung hat eine lange Tradition, die bis in die Antike zurückreicht, in der kognitiven Metapherntheorie ist der Konventionalitätsgrad allerdings eher von peripherem Interesse (vgl. Kohl 2007, 55/ 58).[12] Dennoch nutze ich in dieser Arbeit die „klassische“ Einteilung. Hinsichtlich dieser sind zwei Hauptarten von Metaphern feststellbar, konventionalisierte und unkonventionelle. Beide sind jedoch nicht scharf voneinander abgrenzbar, es besteht ein Übergangsbereich. Die einzelnen Metaphern lassen sich also vielmehr innerhalb eines Kontinuums zwischen „tot“ und „innovativ“ verorten, was durch folgende Abbildung verdeutlicht werden soll:

konventionalisiert unkonventionell

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

tot lexikalisiert[13] kreativ innovativ

Was unter den einzelnen Begriffen „tot“, „lexikalisiert“, „kreativ“ und „innovativ“ zu verstehen ist, soll im Folgenden geklärt werden.[14]

2.1.3.1 Konventionalisierte Metaphern

Die konventionalisierten Metaphern, auch als konventionell, lexikalisiert oder fest bezeichnet, sind fester Bestandteil einer Sprache und im mentalen Lexikon gespeichert. Sie sind in der Regel auch in Wörterbüchern verzeichnet und werden als feste Vokabeln bzw. Wendungen gelernt. Von den meisten Sprachbenutzern werden sie nicht mehr als Metaphern wahrgenommen, ihre wörtliche Bedeutung[15] existiert aber noch. Die metaphorische Bedeutung ist jedoch oft gleichrangig mit der wörtlichen. Beispielsweise ist es in der Alltagssprache geläufig, bei Theorien ebenso wie bei Gebäuden von einem Fundament zu sprechen; die dahinter stehende konzeptuelle Metapher ist also THEORIEN SIND GEBÄUDE (vgl. Lakoff/Johnson 2008, 66). Noch geläufiger erscheinen mir die bereits in Kapitel 2.1.2 erwähnten Beispiele, wie Ihre Behauptungen sind unhaltbar.

Durch die sogenannte Remetaphorisierung[16] kann die wörtliche Bedeutung wieder in das Bewusstsein der Sprachteilnehmer gelangen (vgl. Moser 2000, 47; Skirl/Schwarz-Friesel 2007, 28 f.). Metaphern dieses Typs sind innerhalb der kognitiven Metapherntheorie von zentralem Interesse, da sie der Alltagssprache angehören (vgl. Kohl 2007, 56 f.). Lakoff/Johnson äußern sich zu ihnen wie folgt:

[D]abei handelt es sich um Metaphern, die das gängige Konzeptsystem unserer Kultur strukturieren, das sich seinerseits in unserer Alltagssprache niederschlägt. (Lakoff/Johnson 2008, 161)

Eine Untergruppe der konventionalisierten Metaphern stellen die toten Metaphern dar. Sie sind „isolierte Metaphern älterer Sprachstufen […], deren Bildhaftigkeit nur etymologisch nachweisbar ist und die nicht systembildend sind.“ (Baldauf 1997, 86) Sie können von Sprachteilnehmern also nicht mehr als Metaphern erkannt werden, da ihre ursprüngliche Bedeutung nicht mehr verwendet wird (vgl. Jäkel 2003, 50 f.; Skirl/ Schwarz-Friesel 2007, 28). Somit ist auch keine Remetaphorisierung mehr möglich. Baldauf gibt als Beispiel für eine tote Metapher den Kopf an. Dieser ist von lat. cuppa abgeleitet, was Becher, Trinkschale heißt. Diese Bildhaftigkeit ist aber heute nicht mehr erhalten, die Metapher ist tot (vgl. Baldauf 1997, 86).

Es ist augenscheinlich, dass durch Sprachwandelprozesse auch lexikalisierte, noch remetaphorisierbare Metaphern zu toten Metaphern werden können, die Übergänge sind also auch hier fließend.

2.1.3.2 Unkonventionelle Metaphern

Die unkonventionellen Metaphern, auch neue, okkasionelle bzw. ad hoc-Metaphern genannt, werden speziell für einen bestimmten Zweck gebildet oder entstehen spontan aus einer Situation heraus. Sie entspringen „der individuellen Phantasie und Kreativität“ (Lakoff/Johnson 2008, 161) und lassen auf diese Weise ein neues Verständnis von Erfahrungen zu. Unkonventionelle Metaphern werden vom Rezipienten bewusst als Metaphern wahrgenommen. Insgesamt betrachtet ist die Neuschöpfung von Metaphern aber ein sehr seltenes Phänomen. Es wird oft von außen ausgelöst, aufgrund von technischen Innovationen oder veränderten Umweltbedingungen, kann aber auch dem Ausdruck von Kreativität dienen und somit in der Literatur, den Medien oder der Politik vorkommen. Das Schaffen neuer Metaphern ist z. B. typisch für soziale Bewegungen, die mittels Sprachkritik Gesellschaftskritik ausüben und durch eine innovative Sprache die Gruppenidentität festigen wollen. Durch die Übernahme in den Wortschatz der Sprachgemeinschaft können unkonventionelle Metaphern auch zu konventionalisierten werden, die Übergänge sind dabei ebenso fließend (vgl. Moser 2000, 47 f.; Skirl/Schwarz-Friesel 2007, 28-30).

Die ad hoc-Metaphern lassen sich weiterhin in kreative und innovative Metaphern unterteilen.

2.1.3.2.1 Kreative Metaphern

Kreative Metaphern verweisen auf bekannte konzeptuelle Metaphern, sie sind daher leichter zu verstehen als innovative (vgl. Skirl/Schwarz-Friesel 2007, 30). Lakoff/Johnson unterscheiden hier zusätzlich zwischen zwei Innovationsgraden: Die metaphorischen Ausdrücke können aus einem benutzten Teil einer konzeptuellen Metapher gebildet werden und sind dann leichter verständlich, da der benutzte Teil lediglich erweitert wird, sie können aber auch aus einem unbenutzten Teil kommen. Wie bereits im vorherigen Beispiel erwähnt, lässt sich hinsichtlich der konzeptuellen Metapher THEORIEN SIND GEBÄUDE feststellen, dass das Fundament eines Gebäudes auf die Theorien konventionell übertragen wird. Diesen benutzten Teil kann man erweitern, indem man auch die benutzten Materialien kreativ verwendet, so bei Diese Daten sind der Beton meiner Theorie. Man kann aber auch einen völlig unbenutzten Teil der konzeptuellen Metaphern verwenden, wenn beispielsweise die Zimmer eines Gebäudes auf eine Theorie projiziert werden: Seine Theorie hat tausend Kämmerchen (vgl. Lakoff/Johnson 2008, 66 f.). Der Rezipient ist beim zweiten Beispiel bereits daran gewöhnt, den Zielbereich durch den jeweiligen Ursprungsbereich zu verstehen, das Verständnis ist aber dennoch schwieriger als beim ersten Typ, da dieser Teil des Ursprungsbereichs noch nicht auf den Zielbereich projiziert wurde (vgl. ebd., 67).

2.1.3.2.2 Innovative Metaphern

Die innovativen Metaphern weisen den höchsten Innovationsgrad auf. Sie lassen sich nicht auf bekannte konzeptuelle Metaphern zurückführen, da ein völlig neuer Ursprungsbereich an einen Zielbereich gekoppelt wird. Ihre Deutung ist daher erheblich schwieriger als die kreativer Metaphern (vgl. Skirl/Schwarz-Friesel 2007, 30; Lakoff/Johnson 2008, 67).[17] Dies ist z. B. der Fall bei Klassische Theorien sind wie Patriarchen, die viele Kinder erzeugen, von denen sich die meisten unablässig streiten. (Lakoff/Johnson 2008, 67).

2.1.4 Erkennen und Verstehen von Metaphern

Um konzeptuelle Metaphern aus dem Sprachmaterial rekonstruieren zu können, ist es zunächst notwendig, metaphorische Ausdrücke zu erkennen und zu verstehen.

Das Erkennen von konventionalisierten Metaphern kann sich schwierig gestalten. Da sie im mentalen Lexikon als Eintrag gespeichert sind, wird ihr metaphorischer Gehalt von vielen Sprachteilnehmern nicht mehr bewusst wahrgenommen und sie werden dementsprechend oft nicht als Metaphern erkannt.[18] Durch Remetaphorisierungen kann allerdings ihr metaphorischer Gehalt auch dem „normalen“ Sprachteilnehmer wieder bewusst gemacht werden. Das Verstehen der lexikalisierten Metaphern ist jedoch relativ unproblematisch: Ihre Bedeutung muss nicht neu erschlossen, sondern kann einfach aus dem mentalen Lexikon abgerufen werden (vgl. Baldauf 1997, 90).

Bei okkasionellen Metaphern verhält es sich anders. Dem Verstehensprozess liegt hier ein übergeordnetes Prinzip zugrunde: das Kooperationsprinzip nach Paul Grice. Dieses beinhaltet, dass der Hörer bzw. Leser davon ausgeht, dass der Sprecher bzw. Schreiber verstanden werden will, seine Mitteilung also einen Sinn hat. Der Empfänger wird daher versuchen zu verstehen, was der Sender kommunizieren will (vgl. de Knop 1987, 21; Baldauf 1997, 88 f.). Bei der Verwendung von ad hoc-Metaphern verhält es sich oft so, dass ein wörtliches Verständnis dieser keinen Sinn ergeben würde und der Hörer bzw. Leser daher gewillt ist, die Ausdrücke als metaphorisch zu verstehen.[19]

Vor dem Hintergrund des Kooperationsprinzips geht Sabine de Knop in ihrer Monographie Metaphorische Komposita in Zeitungsüberschriften (vgl. de Knop 1987) von drei Verständnisschritten in Bezug auf unkonventionelle Metaphern aus: Rekognition, Rekonstruktion und Interpretation. Diese Verständnisschritte haben sich mittlerweile in der Forschungsliteratur etabliert und werden daher auch in dieser Arbeit übernommen.

Die Rekognition meint das eigentliche Erkennen von Metaphern, sie ist also der erste Schritt des Verständnisprozesses. Laut de Knop erfolgt sie durch die bedeutungsmäßige Unvereinbarkeit der gebrauchten Sprachzeichen oder des kontextuellen bzw. situativen Rahmens (vgl. ebd., 22). In der Forschungsliteratur wird jedoch oft nur darauf hingewiesen, dass Metaphern daran zu erkennen sind, dass sie gegen die Selektionsbeschränkungen verstoßen. Darunter ist die „Kombinierbarkeit von sprachlichen Ausdrücken zu semantisch widerspruchsfreien Phrasen und Sätzen“ (Skirl/Schwarz-Friesel 2007, 52) zu verstehen, die eine wörtliche Lesart der Metapher ausschließt. Dies gilt aber nicht für alle Metaphern. So weist neben de Knop auch Helge Skirl darauf hin, dass die Verletzung von semantischen Selektionsbeschränkungen auf Satzebene keine hinreichende und notwendige Bedingung für das Auslösen von metaphorischen Lesarten ist. Solche Verletzungen können auch lediglich als eine falsche Aussage bzw. ein Kategorienfehler oder aber als Bestandteil einer anderen Welt-Semantik gedeutet werden (vgl. Skirl 2008, 18 f.).[20] Oft liegt auch gar keine Verletzung der Selektionsbeschränkungen vor, obwohl eine metaphorische Lesart gemeint ist (vgl. ebd., 20). Daher sollte nicht nur die Satzebene, sondern der gesamte Kontext bzw. die Situation betrachtet werden (vgl. de Knop 1987, 26-30) oder wie Skirl es formuliert: „Das Erkennen und Interpretieren von Metaphern ist pragmatisch motiviert“ (Skirl 2008, 20). Letztendlich gibt es kein absolutes und zweifelsfreies Kriterium, wann eine Metapher vorliegt. Oft entscheidet darüber der soziokulturelle Kontext und das individuelle Empfinden der Sender und Empfänger (vgl. Moser 2000, 36).[21]

Nachdem die Rekognition abgeschlossen ist, folgt als nächste Phase die Rekonstruktion. Dabei versucht der Empfänger, die Metapher zu rekonstruieren, indem er den Ursprungs- und den Zielbereich bestimmt (vgl. de Knop 1987, 23 f.).[22] Selten sind diese Elemente syntaktisch realisiert. So kann der Zielbereich explizit erwähnt werden, über den Kontext erschließbar sein oder auch gar nicht vorkommen[23] (vgl. Moser 2000, 36).

Ist dies jedoch gelungen, folgt laut de Knop die Phase der Interpretation. Dabei versucht der Leser bzw. Hörer zu entschlüsseln, welche Merkmale von dem Ursprungsbereich auf den Zielbereich übertragen werden. Nur selten werden diese Merkmale explizit erwähnt. Häufiger müssen dafür Ursprungs- und Zielbereich aufgerufen werden, um Ähnlichkeiten zwischen ihnen festzustellen. Dabei werden vorwiegend die prototypischen Eigenschaften auf Analogien untersucht. Je nach Situation und Kontext wird dann vom Empfänger eine Interpretation ausgewählt (vgl. de Knop 1987, 26). Die okkasionelle Metapher wird nun verstanden.

Dass es sich bei der Rekognition und Interpretation allerdings um zwei voneinander unabhängige Phasen handelt, erscheint mir als sehr unplausibel. Sehr viel wahrscheinlicher ist es m. E., dass sich beide Phasen überlappen: Sobald ein Rezipient über die Ursprungs- und Zielbereiche einer Metapher nachdenkt, wird er auch nach deren Ähnlichkeiten fragen. Dieses Drei-Phasen-Modell mag somit auf theoretischer Ebene den Vorgang des Verstehens einer ad hoc-Metapher verdeutlichen, betrachtet man es allerdings praxisorientiert, liegen wohl eher zwei Phasen vor. Nach der Rekognition schließt sich eine umfangreichere Phase an, die vielleicht als „Interpretation im weiteren Sinne“ bezeichnet werden kann. Denn geht man davon aus, dass der Zielbereich häufig nicht explizit erwähnt wird, muss auch dieser unter Umständen unter Bezugnahme auf den Kontext und die Situation interpretiert werden. Dies mag eine solche Bezeichnung rechtfertigen.

2.2 Vergleiche

Während sich für die Metapher unterschiedliche Theorien etabliert haben, existiert m. E. für den Vergleich nichts Derartiges. Häufig wird er in linguistischen Studien als ein rhetorisches Mittel aufgefasst, das lediglich Erwähnung findet, um ihn von Metaphern abzugrenzen (vgl. Skirl/Schwarz-Friesel 2007, 11-14). Befassen sich Autoren explizit mit dem Vergleich, so wird er meist formal betrachtet.[24] Dass aber auch dieses sprachliche Mittel eine Imagination evozieren kann, findet, bis auf wenige Ausnahmen[25], nur am Rande Erwähnung und wird dann auch nicht weiter expliziert. Auch Suzan Hahnemann stellt fest, dass, obwohl der Vorgang des Vergleichens prinzipiell eine kognitiv-semantische Handlung darstellt, er in der neueren psycholinguistischen Literatur praktisch nicht vorkommt (vgl. Hahnemann 1999, 1).

Im Folgenden wird dargestellt, wie man den Vergleich als ein sprachliches Bild verstehen kann und welche Formen von Vergleichen existieren.

2.2.1 Das Wesen der Vergleiche

Katrin Kohl definiert den Vergleich als

eine explizite Verbindung von zwei Vorstellungen oder Begriffen, die nicht identisch sind, aber (angeblich) in einem oder mehreren Aspekten eine Ähnlichkeit aufweisen: „A ist wie B“. (Kohl 2007, 73)

Anders als bei der Metapher wird bei dem Vergleich kein Konflikt mit der bekannten Wirklichkeit hervorgerufen, da keine Gleichsetzung stattfindet, sondern nur eine Ähnlichkeitsbeziehung behauptet wird. Die imaginative Leistung des Vergleichs ist daher geringer als bei der Metapher (vgl. Bergerová 1997, 40; Kohl 2007, 74).

Während die Metapher also nach der Form „A ist B“ funktioniert, müssen für den Vergleich sprachliche Indikatoren vorhanden sein. De Knop nennt dafür folgende Beispiele: A ist wie B, A ist in der Art von B, A ist B- artig (vgl. de Knop 1987, 40). Sprachliche Signale, die auf einen Vergleich hindeuten, sind also Vergleichspartikel[26], bestimmte Verben, wie gleichen, ähneln, erinnern an, wirken wie etc., und eine Reihe von Wortbildungsmitteln, wie die Derivationssuffixe –haft, -artig, -ig, -lich. Auch Konjunktionen, wie als ob, als wenn etc., zeigen einen Vergleich an.

Durch sie können Vergleiche erkannt werden, ihre Bedeutung erhalten sie in der Regel aus dem Kontext (vgl. Kohl 2007, 74).

2.2.2 Arten von Vergleichen nach Ortony

Wie bereits erwähnt, befassen sich die meisten linguistischen Untersuchungen mit dem Vergleich unter formalen Gesichtspunkten.[27] Hana Bergerová versucht zwar sowohl eine syntaktische als auch eine semantische Beschreibung von Vergleichssätzen. Die semantische Unterteilung in Vergleichssätze der realen Gleichheit (vgl. Bergerová 1997, 58-62), der realen Ungleichheit (vgl. ebd., 80-86) und in hypothetische Vergleichssätze (vgl. ebd., 113-118) ist aber hinsichtlich der Vorstellung von Vergleichen als sprachlichen Bildern unbrauchbar und wird daher nicht weiter expliziert. In dieser Arbeit wird die Ansicht von Ortony übernommen, dass sich Vergleiche hinsichtlich ihrer Wörtlichkeit in eigentliche Vergleiche und Similes unterteilen lassen.[28] Als Grundlage nutzt er die Ausführungen Amos Tverskys, der bereits eine Unterscheidung in „similes“ und „similarity statements“ vornahm (vgl. Ortony 1979, 161-164; Eggs 2006, 70), und erweitert sie. Was genau unter diesen Begriffen zu verstehen ist und was dies für diese Arbeit bedeutet, wird im Folgenden geklärt.

2.2.2.1 Vergleiche im engeren Sinne

Die eigentlichen Vergleiche werden von Ortony als wörtliche Vergleiche bezeichnet. Er definiert sie folgendermaßen: “[I]f two things share some characteristics that are important to both, then those things will be perceived as literally similar.” (Ortony 1979, 164). In diesem Falle findet also nur eine bloße Ähnlichkeitsfeststellung zwischen zwei Dingen statt, die die gleichen Merkmale aufweisen (vgl. Forceville 1996, 142 f.), beispielsweise Der Sohn ähnelt seinem Vater. Es liegt „keine ontologisch kategoriale Überschreitung“ (Kallan 2009, 62) wie beim Simile vor.[29] Die Aussage ist wörtlich wahr (vgl. de Knop 1987, 40) und evoziert somit keine Imagination. Aus diesem Grund können die Vergleiche im engeren Sinne nicht zu den sprachlichen Bildern gezählt werden und sind dementsprechend auch nicht Gegenstand der empirischen Untersuchung.

2.2.2.2 Similes

Die Similes hingegen rufen eine Imagination hervor, sie sind daher sehr eng mit den Metaphern verbunden. So stellt auch Ortony fest, dass der einzige Unterschied zwischen dem Simile und der Metapher das Vorhandensein des sprachlichen Vergleichssignals bei ersterem ist (vgl. ebd., 40). Ortony bezeichnet sie auch als nicht-wörtliche Vergleiche, da bei ihnen eine Ähnlichkeit zwischen zwei Dingen bezüglich eines oder mehrerer Merkmale ausgedrückt wird, das nur für eines der beiden salient[30] ist (vgl. Ortony 1979, 164). Mit anderen Worten gehören Verglichenes und Vergleichendes unterschiedlichen Kategorien bzw. Schemata an (vgl. de Knop 1987, 40), bei denen ein (oder mehrere) Merkmal(e) projiziert werden, wie dies z. B. bei Achill ist wie ein Löwe der Fall ist. Hier findet also eine kategoriale Grenzüberschreitung statt (vgl. Kallan 2009, 62). Somit funktionieren Similes auf ganz ähnliche Weise wie Metaphern. Auch hier kann man einen Ursprungs- und einen Zielbereich feststellen (vgl. Dankert 2007, 60)[31] ; beide konzeptuellen Domänen verschmelzen bei dieser Vergleichsart allerdings nicht, sondern bleiben durch die sprachlichen Signale separat. Da Vergleiche jedoch häufig genutzt werden, um Metaphern einzuführen (vgl. Skirl/Schwarz-Friesel 2007, 13), die sprachlichen Bilder im Text also oft eine Einheit bilden, ist es ratsam, nicht mehr nur von konzeptuellen Metaphern, sondern von konzeptuellen sprachlichen Bildern zu sprechen, die beides umfassen. Auch wenn Ziel- und Ursprungsbereich beim Simile nicht miteinander verschmelzen, so erfahren beide Domänen doch eine gewisse Verbindung, die dann durch das Hinzutreten metaphorischer Ausdrücke noch verstärkt werden kann. Ausgehend von Lakoff/Johnson ließe sich somit unter Hinzunahme von Ortonys Ausführungen die kognitive Metapherntheorie zu einer kognitiven Theorie sprachlicher Bilder erweitern. Dies stellt nur eine konsequente Umsetzung der Ausführungen von de Knop und Kohl dar, die beide der Ansicht sind, dass eine Trennung von Vergleichen, genauer Similes, und Metaphern nicht sinnvoll sei (vgl. de Knop 1987, 41; Kohl 2007, 75). Somit ist also auch eine Revision der Ausführungen zu den sprachlichen Bildern zu machen: Unter ihnen werden folglich nicht mehr Metaphern und (alle) Vergleiche, sondern Metaphern und Similes subsumiert.

Susan Dankert schlägt m. E. ganz folgerichtig vor, die Similes ebenfalls in lexikalisierte und okkasionelle zu unterteilen (vgl. Dankert 2007, 60)[32]. Die Merkmale dieser Metapherntypen lassen sich also auch auf die Similes übertragen, weshalb sie auf die sprachlichen Bilder im Allgemeinen angewendet werden können.[33]

2.3 Leistungen und Funktionen von sprachlichen Bildern

Es existieren unterschiedliche linguistische Untersuchungen, die u. a. die Funktionen von Metaphern thematisieren (vgl. Jäkel 2003, 31-35; Samii 2006, 18 f.; Kohl 2007, 64-72 u. a.). Eine der differenziertesten ist m. E. nach die von Marie-Cecilé Bertau (1996). Sie führt zunächst die Leistungen der Metapher auf Sprecher-, Hörer- und auf Seiten der Sprachgemeinschaft[34] an, um sie dann unter thematischen Gesichtspunkten den Funktionen innerhalb einer kommunikativen Handlung zuzuordnen. Aufgrund ihrer Leistungen können Metaphern bestimmte Funktionen in der Kommunikation erfüllen und so Intentionen der Kommunizierenden realisieren (vgl. Dankert 2007, 35). Die Ausführungen Bertaus müssen allerdings etwas modifiziert werden, da in dieser Arbeit nicht nur die Metaphern, sondern auch die Similes betrachtet werden. Des Weiteren betrachtet Bertau nur die textexternen Leistungen und Funktionen, zu einer vollständigen Erfassung dieser sollten aber auch die textinternen hinzugezogen werden. Dabei stütze ich mich in erster Linie auf die Ausführungen von Inge Pohl (2002).

2.3.1 Textextern

Um die Leistungen von Metaphern herauszustellen, betrachtet Bertau Interaktionen zwischen Sprechern und Hörern, die sich in einer Sprachgemeinschaft befinden (vgl. Bertau 1996, 216 f.). So gelangt sie zu der Unterscheidung zwischen Leistungen auf Sprecher-, Hörer- und auf Seite der Sprachgemeinschaft.

Auf Sprecherseite lässt sich die Notwendigkeit der Metapher zur Behebung eines Mangels, nämlich dem Mangel an ausreichenden Bezeichnungsmöglichkeiten, feststellen. Auf diese Weise findet eine Erweiterung des Wortschatzes statt, die vor allem bei schwer fassbaren oder unbekannten Denotaten erfolgt (vgl. ebd., 217 f.). Diese Leistung ist m. E. auch zugleich die einzige, die nicht durch Similes erfolgen kann. Da bei Vergleichen in der Regel der Zielbereich mit genannt wird, können sie keine Bezeichnungsmöglichkeit für etwas sein, das noch nicht bezeichnet wurde. Des Weiteren drücken Vergleiche keine Gleichsetzung, sondern nur eine Ähnlichkeit aus und können dementsprechend keine Bezeichnung eines Denotats leisten.

Sprachliche Bilder insgesamt können das Verständlichmachen von schwer fassbaren Inhalten leisten, indem sie das Gemeinte verdeutlichen bzw. illustrieren (vgl. ebd., 219).

Eine weitere Leistung ist die der Argumentation. Darunter versteht Bertau

eine unrechtmäßige Zuordnung [eines ursprünglich illustrativen sprachlichen Bildes], welche durch die Umgangsweise der Sprecher zustande kommt, in ihren [sprachlichen Bildern] reale Dinge und nicht Bilder zu sehen, sie also zu objektivieren oder zu reifizieren. Diese zugedachte argumentative Leistung birgt daher ein besonderes Konfliktpotenzial. (ebd., 220)

Außerdem lenken sprachliche Bilder die Aufmerksamkeit auf bestimmte Erfahrungen. Durch sie können wichtige Aspekte nicht geteilter Erfahrungen mitgeteilt oder bestimmte gemeinsam geteilte Erfahrungen hervorgehoben werden (vgl. ebd., 222).

Zudem kann durch den Gebrauch von sprachlichen Bildern eine Intimität zwischen Sprecher und Hörer hergestellt werden. Durch die Wahl eines Bildes wird vom Sprecher eine Einladung ausgesprochen. Der Sprecher setzt dann eine besondere Anstrengung ein, um dieses Bild zu deuten, die Einladung also anzunehmen. Dies führt sodann zu der Anerkennung einer Gemeinschaft bzw. Gemeinsamkeit, die zwar bei jeder Kommunikation vorhanden ist, aber bei den sprachlichen Bildern besonders deutlich wird. Dieser kooperative Verstehensakt resultiert meist aus dem Wunsch heraus, etwas Besonderes zu sagen. Da aber nicht jeder die Einladung annehmen kann, kann dies nicht nur zur Intimität, sondern auch zur Ausgrenzung führen (vgl. ebd., 220 f.).

Ähnlich dieser Leistung ist die der Selbsterklärung, die sich aber nur auf eine einzelne Person bezieht und nicht auf die Herstellung einer besonderen Beziehung zwischen zwei oder mehreren. So kann sich eine Person „private“ sprachliche Bilder ausdenken, um die eigene Individualität zu verdeutlichen oder aber um sich die äußere oder innere Welt zu erklären (vgl. ebd., 221). Dies wiederum scheint dann eng mit dem Verständlichmachen von schwer fassbaren Inhalten verbunden zu sein.

Eng mit der Herstellung einer Intimität ist ebenfalls die Leistung der Darstellung der eigenen Person verbunden. Durch sprachliche Bilder kann der Sprecher andere nämlich indirekt über seine Einstellung zu bestimmten Themen informieren (vgl. ebd., 222).

Außerdem können mithilfe sprachlicher Bilder peinliche, unhöfliche und tabuisierte Inhalte auf höfliche Weise vermittelt werden, der Hörer wird dadurch geschont und die Verantwortung für das Gesagte wird vermindert (vgl. ebd., 223).

Zuletzt können sprachliche Bilder auf Sprecherseite auch zur Spielfreude beitragen. Vor allem unkonventionelle Kopplungen von Herkunfts- und Zielbereichen führen zur Loslösung von traditionellen Denk- und Sprachmustern. Gleichzeitig trägt es auch zur Darstellung der eigenen Person bei. Außerdem kann der Gebrauch sprachlicher Bilder zur Statuserhöhung innerhalb einer sozialen Gruppe oder zur Konfliktvermeidung führen (vgl. ebd.).

Betrachtet man nun die Hörerseite, kann man nicht einfach alle Leistungen auf Sprecherseite durch einfache Passivierung oder Parallelisierung übertragen. Denn wie bereits in Kapitel 2.1.4 deutlich wurde, ist beim Verstehen von Metaphern bzw. sprachlichen Bildern ein aktiver Empfänger notwendig (vgl. ebd., 226). Aus der kooperativen Zusammenarbeit ergeben sich folgende Leistungen für den Hörer:

Natürlich ist die Leistung der Herstellung einer Intimität auch auf den Hörer übertragbar. Zur Entschlüsselung der Metapher wird von ihm eine gewisse Anstrengung gefordert, was zu einer engeren Verbindung mit dem Sprecher führt (vgl. ebd., 223 f.).

Außerdem kann der Hörer durch sprachliche Bilder Neues oder schwer Fassbares leichter verstehen, was einerseits zu einer Erweiterung seines Wissens führt, indem etwas Bekanntes auf etwas Unbekanntes projiziert wird. Andererseits können Aussagen, die in Form von sprachlichen Bildern getroffen werden, vom Hörer auch besser behalten werden. Sind die Aussagen aber nicht an den Wissensstand des Hörers angepasst, wird also nur etwas vermeintlich Bekanntes übertragen, kann dies auch zu Unverständnis und zum falschen Gebrauch des sprachlichen Bildes führen. Sind dem Hörer die Aussagen nicht verständlich, handelt er oft mit dem Sprecher aus, was genau gemeint ist. Somit kann ein besseres Verständnis des vom Sprecher Gemeinten erzeugt werden (vgl. ebd., 224 f.).

Überträgt man diese Leistungen auf die Ebene der Sprachgemeinschaft, lassen sich schließlich folgende Leistungen feststellen:

Sprachliche Bilder, die im öffentlichen Umlauf sind, prägen eine Gesellschaft in ihren Vorstellungen und konstituieren sie als solche, sie erzeugen also eine Gemeinschaft (vgl. ebd., 227). Diese Leistung entspricht der Herstellung einer Intimität auf Individualebene.

Ausgehend von der Leistung der Höflichkeit auf Sprecherseite kann für die Sprachgemeinschaft festgestellt werden, dass sprachliche Bilder zur Tabuisierung bzw. Euphemisierung beitragen. Indem nur bestimmte Merkmale des Ursprungsbereichs auf den Zielbereich übertragen werden, können andere Eigenschaften des Zielbereichs verschleiert werden (vgl. ebd., 228).

Des Weiteren können sprachliche Bilder nicht nur gemeinsame Vorstellungen erzeugen, sondern auch die Gemeinschaft unterlaufen. Sie tragen also zur Subversivität bei (vgl. ebd., 229).[35]

Wie bereits erwähnt, lenken sprachliche Bilder auf Sprecherseite die Aufmerksamkeit auf bestimmte Erfahrungen. Gehen die sprachlichen Bilder in die Sprach- und Erfahrungswelt der Gemeinschaft ein, können sie deren Erfahrungsraum erweitern, differenzieren oder verändern. Auf diese Weise kommt es zur „Konstruktion einer Realität“ (ebd.).

Ebenso kann durch die Verwendung bestimmter sprachlicher Bilder die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe angezeigt werden. So unterscheiden sich die einzelnen Gruppen innerhalb einer Gesellschaft u. a. durch ihre Sprache (vgl. ebd., 230).[36]

Führt man die argumentative Leistung der sprachlichen Bilder weiter aus, so lässt sich feststellen, dass gesellschaftliche oder politische Gruppen sprachliche Bilder nutzen, „um Andersdenkende, ethnische oder religiöse Gruppen auszugrenzen, zu ächten und politische Sanktionen herbeizuführen“ (ebd.). Sie können also zur aggressiven Durchsetzung von Interessen oder Ideologien genutzt werden.

Zuletzt sei noch auf eine Leistung verwiesen, die bereits in der antiken Rhetorik herausgestellt wurde, nämlich die Persuasion. Diese Überzeugungsleistung wird vor allem in der Politik und der Werbung genutzt (ebd.), kann meiner Meinung nach aber auch auf die Sprecherseite angewendet werden.

Diese Leistungen lassen sich zu folgenden Funktionen zusammenfassen:

Als erstes nennt Bertau die phatische Funktion. Dies meint „eine Art der Rede, bei der durch den bloßen Austausch von Wörtern Bande der Gemeinsamkeit geschaffen werden“ (ebd., 231). Sprachliche Bilder können also Gemeinsamkeiten und Kontakte zwischen Sprachbenutzern erzeugen, dies führt zu einer bestimmten Intimität (vgl. ebd., 232).[37]

Die katachretische Funktion kann nicht auf die sprachlichen Bilder insgesamt übertragen werden, sondern gilt nur für die Metapher. Unter Katachrese ist die metaphorische Benennung von Denotaten zu verstehen, für die es keine wörtliche Bezeichnung gibt (vgl. ebd.; Skirl/ Schwarz-Friesel 2007, 34).[38]

Im Rahmen der kognitiven Metapherntheorie wird der epistemischen Funktion die größte Bedeutung zugesprochen, die ebenso für Similes nachweisbar ist. Bertau begreift diese Funktion als „Erfassen, Verstehen und Erkennen der Umwelt, der Anderen und des Selbst.“ (ebd., 233) Lakoff/Johnson formulieren es wie folgt: „Die primäre Funktion der Metapher ist die, uns zu ermöglichen, dass wir eine Art der Erfahrung von einer anderen Art der Erfahrung her partiell verstehen können.“ (Lakoff/Johnson 2008, 177).[39]

Die illustrative Funktion meint die Verdeutlichung des vom Sprecher Gemeinten durch den Gebrauch sprachlicher Bilder. Dabei werden bestimmte Aspekte des Zielbereichs, d. h. des zu Verdeutlichenden, hervorgehoben (vgl. Bertau 1996, 233 f.).[40]

Durch sprachliche Bilder kann eine Ansicht aufgezeigt und gestützt werden, ebenso können durch sie andere Ansichten ausgegrenzt werden. Dies fasst Bertau unter der argumentativen Funktion zusammen (vgl. ebd., 234).[41]

Zuletzt erwähnt Bertau noch die sozial-regulative Funktion. Diese meint, dass sprachliche Bilder den sozialen Aspekt der Kommunikation strukturieren und regulieren. Sie grenzen ab, gestalten Beziehungen, definieren soziale Rollen, bestimmen den sozialen Status einer Person, konstituieren Grenzen des Sagbaren, erlauben gleichzeitig aber auch das Sagen des Unsagbaren und geben dem Zusammenleben einer Gemeinschaft unter den ihr spezifischen Vorstellungen einen festen Ablauf (vgl. ebd.).[42]

Ergänzend zu Bertaus Ausführungen ist noch die Unterhaltungsfunktion zu erwähnen. Darunter sind „komische, ironisierende und satirische Effekte“ (Samii 2006, 19) der sprachlichen Bilder zu verstehen, die zu überraschenden, witzigen und originellen Texten führen und somit einen Leseanreiz schaffen. Diese Funktion ist auch in ähnlicher Weise bei Kohl zu finden (vgl. Kohl 2007, 69 f.).[43]

Alle Funktionen sind innerhalb einer Textanalyse nicht klar voneinander abgrenzbar, vielmehr gibt es fließende Übergänge (vgl. Samii 2006, 19). Je nach Kontext und kommunikativer Situation kommt es zu einer unterschiedlich proportionierten Gewichtung der Funktionen (vgl. Dankert 2007, 35).

Zusammenfassend lässt sich zu den textexternen Funktionen sagen, dass besonders die kognitive Metapherntheorie verdeutlicht hat,

dass der Metapher hinsichtlich ihrer Funktionen keine Grenzen gesetzt sind. Kognitiv dient sie der Strukturierung unserer internen und externen Welt; sprachlich wirkt sie potenziell an jeder Form der Erschließung neuer Wissensgebiete und Konzeptualisierung psychologischer Vorgänge über die Kommunikation von Gedanken und Gefühlen bis hin zur Strukturierung der Bedingungen unseres Gesellschaftslebens [mit]. (Kohl 2007, 64)

2.3.2 Textintern

Viele linguistische Untersuchungen belassen es bei den oben erwähnten (oder ähnlichen) textexternen Funktionen. Sprachliche Bilder können aber durchaus auch textintern von Bedeutung sein, sie können nämlich Textkohärenz stiften. Unter Textkohärenz ist nach Wolfgang Heinemann/Dieter Viehweger

die Kontinuität des Inhalts im Sinne einer ‚Sinnkonfiguration’ [zu verstehen]; sie ist ‚nicht bloß ein Merkmal von Texten, sondern vielmehr das Ergebnis kognitiver Prozesse der Textverwender’. Kohärenz entsteht daher erst durch die Verknüpfung von im Text aufbereitetem Wissen (der ‚Textwelt’) mit gespeichertem ‚Weltwissen’ der Kommunikationspartner. (Heinemann/ Viehweger 1991, 76)[44]

Pohl veranschaulicht dies am Beispiel eines Metaphorisierungstextes. Darunter versteht sie die Produktion eines relativ abgeschlossenen Textes unter der Ausnutzung zahlreicher Ausdrücke eines Schemas[45] aus einem Ursprungsbereich auf einen Zielbereich.

Metaphorisierungstexte finden sich bei jenen Textsorten, die dem Textproduzenten weitestgehende Freiheiten einräumen, wie den publizistischen Textsorten Kommentar, Glosse, Feuilleton, Partneranzeige u. Ä. Nach meiner Sichtung unterschiedlichster Kommunikationsbereiche fällt auf, dass sich vermehrt Metaphorisierungstexte im politischen Sprachgebrauch […], im poetischen Sprachgebrauch und im Sprachgebrauch der Werbung […] finden. (Pohl 2002, 105 f.)

Da innerhalb eines Textes aber nicht nur Metaphern, sondern diese vielmehr häufig in Verbindung mit Similes bzw. Vergleichen allgemein auftreten, halte ich den Begriff „Metaphorisierungstext“ für unangebracht, da die Similes damit nicht einbezogen werden, obwohl sie ganz ähnlich wie Metaphern durch eine Konzeptkopplung aus Ursprungs- und Zielbereich funktionieren. Da ich die Metaphern und Similes bereits unter dem Begriff der sprachlichen Bilder zusammengefasst habe, bietet sich m. E. für diese Textsorte vielmehr die Bezeichnung „Verbildlichungstext“ an, die auch im Folgenden gebraucht wird.

Innerhalb eines solchen Textes existieren an der Textoberfläche also zahlreiche Ausdrücke, die dem gleichen Ursprungsbereich zuzuordnen sind. Da alle auf einen Zielbereich projiziert werden, also ein konzeptuelles sprachliches Bild vorliegt, wird ein Textzusammenhalt geschaffen. Je mehr Ähnlichkeiten dabei zwischen beiden Domänen vorliegen, je mehr Merkmale also übertragen werden können, desto besser eignet sich diese Konzeptkopplung für das Entwickeln eines Verbildlichungstextes, die Textkohärenz erhöht sich also (vgl. ebd., 117 f.) und der Text erscheint als eine in sich abgeschlossene Einheit (vgl. Feng 2003, 185).

Ausgehend von dieser Leistung bezeichnet Dankert die zugehörige Funktion als Organisationsfunktion der sprachlichen Bilder, da sie den Text als zusammenhängendes Ganzes organisieren können (vgl. Dankert 2007, 44).[46]

Auf eine weitere Erläuterung dieser Funktion wird im Folgenden verzichtet, da das für die Untersuchung gewählte Textkorpus keinen Verbildlichungstext beinhaltet.

2.4 Abgrenzung zu ähnlichen sprachlichen Mitteln

Bisher wurde u. a. erläutert, was unter Metaphern und Similes zu verstehen ist. Allerdings existieren auch andere Formen nicht-wörtlichen Sprachgebrauchs, die Metapher und Simile ähnlich sind. Um die sprachlichen Bilder bei der Textanalyse eindeutig erkennen zu können, ist es meiner Meinung nach sinnvoll, sie von ähnlichen sprachlichen Mitteln abzugrenzen und so innerhalb der empirischen Untersuchung auch wirklich nur die sprachlichen Bilder zu berücksichtigen.

Aufgrund der großen Ähnlichkeit ist vor allem die Metonymie zu nennen. Während die sprachlichen Bilder ihre Vorstellungen bzw. Begriffe aus unterschiedlichen konzeptuellen Bereichen beziehen, gehören diese bei der Metonymie nur einem einzigen konzeptuellen Bereich an, es liegt also ein realer Bezug vor (vgl. Ottmers 1996, 174; Ludwig 2005, 202; Röckel 2006, 244; Kohl 2007, 77; Skirl/Schwarz-Friesel 2007, 14 f.; Lakoff/Johnson 2008, 51). Wie die sprachlichen Bilder sind auch die Metonymien Bestandteil des normalen, alltäglichen Denkens, Handelns und Sprechens, auch ihnen ist die epistemische Funktion zuzuschreiben (vgl. Lakoff/Johnson 2008, 48). Ebenso sind sie nicht zufällig oder willkürlich, sondern weisen eine innere Systematik auf und sind kulturabhängig. Lakoff/Johnson nennen folgende Metonymien, die für unseren Kulturkreis typisch sind: DER ERZEUGER STEHT FÜR DAS PRODUKT, DAS OBJEKT STEHT FÜR DEN BENUTZER, DER VERANTWORTLICHE STEHT FÜR DAS RESULTAT, DIE INSTITUTION STEHT FÜR DEN ENTSCHEIDUNGSTRÄGER, DER ORT STEHT FÜR DIE INSTITUTION, DER ORT STEHT FÜR DAS EREIGNIS (vgl. ebd., 49 f.).[47]

Als ein Sonderfall der Metonymie kann die Synekdoche, auch bezeichnet als pars pro toto, angesehen werden.[48] Hier steht DER TEIL FÜR DAS GANZE (vgl. ebd., 47). Daneben steht beim totum pro parte DAS GANZE FÜR EINEN TEIL (vgl. Skirl/Schwarz-Friesel 2007, 16).

Ebenfalls zum nicht-wörtlichen Sprachgebrauch ist die Ironie zu zählen.[49] Auch hier äußert der Sender nicht das, was er meint. In der Regel wird genau das Gegenteilige gesagt bzw. geschrieben (vgl. ebd., 17). Anders als bei den sprachlichen Bildern soll dadurch das eigentlich Gemeinte aber nicht besser verstanden werden, sondern es soll zum Spott bzw. Lächerlichmachen beitragen (vgl. Röckel 2006, 244). Der Widerspruch zwischen dem intendierten und dem sprachlich ausgedrückten Sachverhalt beruht also auf einem Spannungs- bzw. Gegensatzverhältnis, während er bei den sprachlichen Bildern und auch der Metonymie auf einem Ähnlichkeitsverhältnis beruht (vgl. Ottmers 1996, 177). Im Unterschied zur Lüge muss dem Hörer bzw. Leser diese Form der Verstellung allerdings durchsichtig sein, um sie entschlüsseln zu können. Dies kann in gesprochener Sprache über die Mimik oder den Tonfall erfolgen, im Geschriebenen durch das Setzen in Anführungszeichen o. Ä.[50] Auch der Kontext kann Aufschluss über das Vorliegen von Ironie geben (vgl. ebd., 178; Skirl/Schwarz-Friesel 2007, 17).[51]

3. Die Schema-Theorie

Es existiert eine Reihe von unterschiedlichen Bezeichnungen für die internen kognitiven Strukturen. Das Begriffsspektrum reicht dabei von Sets, Hypothesen und Theorie über Scripts, Frames, Kategorien, Prototypen und Einstellungen bis hin zu den Schemata (vgl. Winterhoff-Spurk/Mangold 1985, 2; Moser 2000, 12).[52] Alle diese Konzepte besitzen eine Reihe von wichtigen Gemeinsamkeiten: So benennen sie interne kognitive Strukturen bzw. die Organisation zusammenhängender kognitiver Strukturen, die Objekte, Situationen oder Ereignisse bzw. eine Abfolge von Ereignissen oder Handlungen repräsentieren. Die Inhalte dieser Strukturen entstehen aus Erfahrungen. Sie führen zur Reduktion der aus der Umwelt zu entnehmenden Informationen und erlauben somit die Entwicklung eines kohärenten und konsistenten Weltbildes, da sie helfen, Situationen wiederzuerkennen und Handlungsabläufe entsprechend zu organisieren (vgl. Moser 2000, 12).

Die Bezeichnung Schema ist am längsten in Benutzung (vgl. Karstedt 2003, 301)[53] und erfreut sich bis heute einer großen Verbreitung und Beliebtheit in allen Bereichen kognitiv orientierter Forschung (vgl. Moser 2000, 14). Hierzu gibt es unterschiedliche Aussagen (vgl. Karstedt 2003, 299), auf diese wird allerdings in dieser Arbeit nicht weiter eingegangen. Vielmehr wird im Folgenden eine allgemeine Definition des Schemas gegeben sowie dessen Arten vorgestellt, die in der Forschungsliteratur generelle Zustimmung finden. Da das Schema-Konzept hier lediglich als „Werkzeug“ dient, um innerhalb der empirischen Untersuchung die Ergebnisse zu reduzieren (vgl. Kap. 5.2), wird auf eine umfassendere Darstellung dieser Thematik verzichtet.

3.1 Definition

Die Schematheorie trägt der Tatsache Rechnung, dass der Mensch nur einen Bruchteil der auf ihn einströmenden Informationen aufnehmen und verarbeiten kann. Um wichtiges und nützliches Wissen zu selektieren, sind Selektionskriterien und Verarbeitungsrichtlinien notwendig. Die Wahrnehmung ist nämlich hypothesengeleitet durch bestimmte Erwartungen und Vorstellungen. Diese Erwartungen und Vorstellungen kann man als Schemata bezeichnen (vgl. Brosius 1991, 286). Schemata sind also Strukturen allgemeinen Wissens, die typische Zusammenhänge eines Realitätsbereichs enthalten. Sie sind aber von direkten Erinnerungen an konkrete Gegenstände oder Ereignisse abzugrenzen, da sie Abstraktionen bzw. Generalisierungen von konkreten Erfahrungen darstellen (vgl. Schützwohl 1993, 10; Dutke 1994, 24).

Vereinfacht ausgedrückt ist menschliches Wissen gemäß der Schema-Theorie ähnlich wie in einem Schubladensystem organisiert: Prinzipiell gibt es unendlich viele Schubladen, da es für jede Situation, jedes Objekt etc. ein Schema gibt. Im Prozess der Informationsverarbeitung wird entweder eine Schublade geöffnet – was wiederum zum Öffnen von verknüpften Schubladen führen kann – oder alle Schubladen bleiben geschlossen, d. h. die Information wird nicht verstanden. In diesem Fall können auch neue Schubladen gebildet werden. (Matthes 2004, 546 f.)

Schemata klassifizieren die Wahrnehmung von Personen, Objekten und Ereignissen, was sich aber der bewussten Kontrolle des Wahrnehmenden entzieht. Ihre Ausbildung und Benutzung erfolgt durch die grundlegende Fähigkeit des Menschen, gemeinsame Attribute bei Personen, Objekten und Ereignissen zu entdecken und daraus verallgemeinerte Konzepte zu formen (vgl. Brosius 1991, 286). Das Wissen über diese Konzepte ist in den Schemata repräsentiert. Ein Schema enthält dementsprechend Leerstellen, auch bezeichnet als Slots, die mit den einzelnen Attributen aufgefüllt werden (vgl. Anderson 1989, 121). Je nach dem, welche Informationen auf den Menschen einwirken, d. h. welche Attribute wahrgenommen werden, wird ein bestimmtes Schema aktiviert, d. h. die Schublade geöffnet, und die einzelnen Leerstellen des Schemas aufgefüllt. Dieser Vorgang wird auch als Instaniierung bezeichnet (vgl. Dutke 1994, 26). Einige Attribute sind dabei grundlegend für eine Kategorie, andere spielen hingegen kaum eine Rolle. Um zu entscheiden, ob das vorliegende Objekt oder Ereignis zum Schema gehört, werden nur die grundlegenden Attribute beachtet. Dabei gibt es besonders typische und weniger typische Vertreter eines Schemas, es muss also nicht jeder Slot besetzt sein, um ein Phänomen als zugehörig zu einer Kategorie zu erkennen. Es ist eine Abstufung ersichtlich, je nach dem, wie gut die Merkmale des Vertreters zu den durch das Schema auferlegten Beschränkungen passen. Experimente ergaben, dass typische Vertreter schneller erkannt werden und Menschen eher an ein typisches Mitglied einer Kategorie denken als an ein peripheres (vgl. Anderson 1989, 122 f.). Insgesamt sind nur wenige Attribute notwendig, um ein Schema zu aktivieren (vgl. Brosius 1991, 286 f.). Schemata repräsentieren also das, was in der Regel zu einer Kategorie gehört, unabhängig davon, wo sich der Vertreter befindet und wie er aussieht (vgl. Moser 2000, 13). Nur die wenigsten Merkmale stellen absolute Grenzwerte dar, die dann als Ausschlusskriterien fungieren. Dies ermöglicht den leichten Umgang mit Ausnahmefällen, für die nicht gleich ein völlig neues Schema erschaffen werden muss (vgl. Anderson 1989, 121; Moser 2000, 13).[54] Daher werden Schemata in der Forschungsliteratur auch häufig als „fuzzy objects“ bezeichnet, da sie keine scharfen Grenzen haben, sondern vielmehr „ausgefranzt“ sind. Dadurch sind sie sehr flexibel und leistungsfähig (vgl. Moser 2000, 14).

Aktivierte Schemata strukturieren neue Informationen, sie organisieren und interpretieren, erleichtern das Enkodieren, Speichern und Abrufen von relevanten Informationen, begünstigen die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung und tragen zu schneller Problemlösung bei (vgl. Schützwohl 1993, 10). Jörg Matthes fasst diese Vorgänge unter der Entlastungs- und Strukturierungsfunktion zusammen. Daneben ist bei ihm noch die Ergänzungsfunktion zu finden, die besagt, dass schema-konstituierende Elemente oft ergänzt werden, wenn sie beim Abgleich von Schema und Stimulus nicht im Stimulus vorhanden sind. Dies führt zu einer sinnvollen Kontextualisierung von Inhalten (vgl. Matthes 2004, 547). Schemata erlauben also schlussfolgerndes Denken. Sind genügend Hinweise vorhanden, um eine Aussage darüber treffen zu können, um welches Schema es sich handelt, kann man in der Regel weitere konstitutive Merkmale des jeweiligen Schematyps auf den Vertreter anwenden (vgl. Moser 2000, 13).

Schemata werden auf unterschiedlichen Abstraktionsebenen gebildet, sie sind „hierarchisch verschachtelt“ (Dutke 1994, 26), da sie Teil-Ganzes-Beziehungen aufweisen. Jedes Merkmal einer Kategorie ist also wiederum als Schema organisiert. Des Weiteren existieren Generalisierungshierarchien, jede Eigenschaft einer übergeordneten Kategorie gilt also auch für die untergeordneten Kategorien (vgl. Moser 2000, 56). Daher lassen sich ganze semantische Netzwerke von Schemata rekonstruieren (vgl. ebd., 13). Die Veränderung allgemeiner Schemata gestaltet sich dabei diffiziler als die der spezifischen, weil sie Auswirkungen auf alle untergeordneten Schemata hätte und somit eine drastische Umorganisation von Wissensstrukturen die Folge wäre. Eine Änderung eines hierarchisch niedrigeren Schemas hingegen bewirkt nicht zwangsläufig eine Umstrukturierung der übergeordneten Schemata (vgl. Dutke 1994, 26).

3.2 Arten

Schemata lassen sich sowohl auf Objekte als auch auf Ereignisse anwenden (vgl. Dutke 1994, 24; Moser 2000, 14). Dementsprechend lassen sich allgemein zwei Schemaarten voneinander unterscheiden: die Objekt- und die Ereignisschemata. Die zuvor vorgestellten Merkmale von Schemata lassen sich auf beide Arten gleichermaßen übertragen und werden daher nicht nochmals aufgeführt.

3.2.1 Objektschemata

Objektschemata beziehen sich auf Objekte. Zur Verdeutlichung soll an dieser Stelle ein Beispiel vorgestellt werden: das Objektschema „Fußball“, wobei hier der Ball, nicht das Spiel insgesamt gemeint ist. Dieses besitzt die Slots „Oberbegriff“, „Teile“, „Material“, „Funktion“, „Form“ und „Größe“, die dann beispielsweise mit folgenden Ausprägungen belegt werden können: „Spielgerät“, „fünf- bzw. sechseckige Waben“, „Leder“, „wird zum Fußballspielen genutzt“, „rund“, „70 cm Umfang“.[55] Der Oberbegriff „Spielgerät“ bildet wiederum ein eigenes Schema, ebenso wie die einzelnen Merkmale „fünf- bzw. sechseckige Waben“, „Leder“ etc.

M. E. können unter diese Schemaart auch Personen subsumiert werden, wobei hier Slots wie „Material“ aber wenig sinnvoll erscheinen. Für das Schema „Torwart“ sind aber dennoch Slots wie „Oberbegriff“, „Teile“ und „Funktion“ denkbar[56], die dann mit Merkmalen wie „Fußballspieler“, „Torwarthandschuhe“ und „Verhindern von Toren“ aufgefüllt werden können.

3.2.2 Ereignisschemata

Ereignisschemata werden häufig auch als Skripte bezeichnet (vgl. Anderson 1989, 126; Karstedt 2003, 299). Dieser Begriff geht auf Roger C. Schank/Robert P. Abelson zurück (vgl. Schank/ Abelson 1977, 36-68). Ein Skript [Hervorh. im Original – Anm. A. H.] ist eine stereotype, gewissermaßen durchschnittliche Beschreibung eines öfter wiederkehrenden Ereignisses.“ (Wender 1988, 69) Es umfasst also größere Gedächtniseinheiten, in denen der typische Ablauf eines Ereignisses beschrieben wird. Dabei ist das Wissen nach den einzelnen Bestandteilen des Ereignisses kodiert und kann somit als Grundlage für die Vorhersage von fehlenden Informationen und für die Berichtigung von Informationen dienen (vgl. Anderson 1989, 126-128). Die im Skript enthaltenen Teilinformationen sind Personen als Erwartungen gegenwärtig. Sie dienen als eine Art Schablone, anhand derer eingehende Informationen interpretiert werden (vgl. Karstedt 2003, 299). Die Existenz dieser stereotypen Abfolgen konnte in verschiedenen Experimenten nachgewiesen werden (vgl. Anderson 1989, 126 f.).

Besonders häufig wird das Restaurantskript als Beispiel angeführt, das auf Schank/Abelson zurückgeht (vgl. Schank/Abelson 1977, 43 f.). Zur Verdeutlichung soll hier aber, in Anlehnung an die empirische Untersuchung, ein anderes Ereignisschema exemplarisch vorgestellt werden, nämlich das des Fußballspiels. So besteht dieses laut Dankert aus folgenden Teilhandlungen: Die beiden Mannschaften laufen auf dem Platz ein, die Mannschaftskapitäne tauschen die Vereinswappen aus, der Schiedsrichter pfeift das Spiel an, es wird 45 Minuten gespielt, darauf folgt die Halbzeitpause, dann wird wieder 45 Minuten gespielt, es findet eine Verlängerung statt[57], anschließend pfeift der Schiedsrichter das Spiel ab, die Mannschaften verabschieden sich von den Fans und kehren schließlich wieder in die Kabine zurück (vgl. Dankert 2007, 45).[58]

Steht für eine Situationsinterpretation und -bewältigung kein geeignetes Skript zur Verfügung, greifen die Akteure auf ihr allgemeines Weltwissen zurück und bewerten so die Vor- und Nachteile der einzelnen Handlungsalternativen (vgl. Winterhoff-Spurk/Mangold 1985, 5).

4. Fußballberichterstattung

Sport ist inzwischen eines der wichtigsten massenmedialen Kommunikationsthemen. So sind „Massenmedien ohne Sport […] kaum noch denkbar, Sportereignisse ohne Medienpräsenz tendieren zum Nicht-Ereignis oder zumindest zur Provinzialität.“ (Fischer 2004, 58) Der Bedeutungszuwachs und die Beliebtheit von einigen Sportarten sind ohne den Einfluss von Medien kaum denkbar. So spricht Jürgen Schwier nicht zu Unrecht von einer Symbiose aus Sport und Medien (vgl. Schwier 2000, 90).

In dieser Hinsicht lässt sich der Sport grob in Medien- und Freizeitsport unterteilen. Ersteres umfasst nur ausgewählte Sportarten, bei denen eine zunehmende Dichte von Sportveranstaltungen festgestellt werden kann (vgl. Lamprecht/Stamm 2002, 159). Die Sportler üben diesen Sport als Beruf aus. In der Regel stehen, anders als beim Freizeitsport, nicht die körperliche Bewegung, sondern „Spannung, Spektakel und Unterhaltung“ (ebd., 133) im Vordergrund. Der Mediensport kann also als Teil der Unterhaltungsindustrie angesehen werden. Der Fußball lässt sich demnach in Deutschland eindeutig dem Mediensport zuordnen, wobei er natürlich auch unprofessionell betrieben wird.

Die dazugehörige Berichterstattung ist auf Gewinnmaximierung ausgelegt. Entsprechend den Bedürfnissen des Publikums steht daher die Dramatik des Sports bei der Berichterstattung im Vordergrund (vgl. ebd., 146). Einen ebenfalls hohen Unterhaltungswert verspricht der immer bedeutender werdende „human-touch-Journalismus“, der auf Emotionen und Personen ausgerichtet ist. So finden sich immer mehr Geschichten rund um den Sport, über die Sportler, Klubpräsidenten, Schiedsrichter etc., die jenseits der eigentlichen Spielberichterstattung persönlich vorgestellt werden. Dies schafft Nähe und Identifikationsmöglichkeiten für das Publikum (vgl. ebd., 155).

Bevor im Folgenden auf die einzelnen Arten der Sportberichterstattung eingegangen wird, soll zunächst versucht werden, die sogenannte Sportsprache im Gesamtsystem der Sprache zu verorten. Anschließend sollen, in Hinblick auf die empirische Untersuchung, die sprachlichen Besonderheiten der Fußballberichterstattung expliziert werden.

4.1 Stellung der Sportsprache im Gesamtsystem der Sprache

Allgemein formuliert ist die Sportsprache diejenige Sprache, die von der Sportgemeinde verwendet wird (vgl. Křenková 2002, 48). Zu der Sportgemeinde können alle Sportler, Trainer, Schiedsrichter, Sportberichterstatter und auch das Publikum gezählt werden.

Dagmar Křenková stellt ganz folgerichtig fest, dass es bezüglich der Stellung der Sportsprache im Gesamtsystem der Sprache innerhalb der Forschungsliteratur keine einheitliche Meinung gibt (vgl. ebd., 49). So wird die Sportsprache als Fachsprache, Sondersprache, Standessprache, Gruppensprache oder Jargon aufgefasst.[59] In dieser Arbeit wird die Auffassung vertreten, dass die Sportsprache den Fachsprachen zuzuordnen ist, sie jedoch eher ein peripherer Vertreter dieser ist.[60] Dazu wird der Fachsprachenbegriff nach Wilhelm Schmidt (1969) genutzt, der im Folgenden kurz vorgestellt wird.

Fachsprachen dienen der „differenzierten, exakteren Bezeichnung der Gegenstände und Erscheinungen der Wirklichkeit und somit der tatsächlichen Vertiefung und Erweiterung der Ausdrucksmöglichkeiten“ (Schmidt 1969, 10). Sie werden von Fachleuten genutzt, um sich optimal über ein bestimmtes Sachgebiet verständigen zu können. Es existieren viele Fachwörter und spezifische Verwendungen von standardsprachlichen Ausdrücken (vgl. ebd., 11). Schmidt gibt folgende Merkmale bzw. Tendenzen der Fachsprachen an: die Fachbezogenheit[61], die Begrifflichkeit[62], die Exaktheit[63], die Eindeutigkeit[64], die Eineindeutigkeit[65], die Selbstdeutigkeit[66], die Systematik[67], die Knappheit[68], die ästhetische Neutralität[69] und die expressive Neutralität[70] (vgl. ebd., 12-15).

Gliedern lassen sich die Fachsprachen nach Schmidt zum einen horizontal, also nach dem jeweiligen Fachgebiet, zum anderen auch vertikal in Termini, Halbtermini und Fachjargonismen (vgl. ebd., 18-20). Bei den Termini ist der Inhalt durch eine Definition festgelegt, bei den Halbtermini nicht. Dementsprechend gibt er als Beispiel für einen Terminus den Umlaut mit der Definition „die seit der ahd. Zeit durch i, j, ī der unbetonten Folgesilbe bewirkte Palatalisierung von Stammsilbenvokalen“ (ebd., 19) an. Zu den Halbtermini zählen hingegen Bandsäge, Titelblatt und Klebefix (vgl. ebd., 20). Ihr Inhalt ist zwar nicht durch eine Festsetzungsdefinition bestimmt, sie bezeichnen dennoch die Denotate mit einer ausreichenden Genauigkeit bzw. Eindeutigkeit. Die Ausdrücke kommen zwar auch in der Standardsprache vor, besitzen innerhalb der Fachsprache aber eine spezialisierte Bedeutung. Die Fachjargonismen hingegen erheben keinen Anspruch auf Genauigkeit oder Eindeutigkeit des Ausdrucks, wie dies bei Klettermaxe für einen kleinen Spezialkran für Turmbauten oder Schießbude für das Schlagzeug der Jazzkapelle der Fall ist (vgl. ebd., 20). Sie stellen keine Vertiefung der fachsprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten dar, sondern werden häufig neben oder anstatt von Termini bzw. Halbtermini gebraucht. Verwendung finden sie im alltäglichen, vertrauten Umgang zwischen Fachleuten und sind daher in der Regel auf einen engeren Kreis von Personen beschränkt. Häufig besitzen sie bildhaften Charakter und emotionale Bedeutungskomponenten (vgl. ebd., 20).

Bezieht man diese Ausführungen nun auf die Sportsprache, wird deutlich, dass sich der Benutzerkreis nicht auf die Fachleute beschränkt. So kann man die komplette Sportgemeinde sicher nicht als Fachleute im eigentlichen Sinne verstehen. Dennoch ist die Funktion der Sportsprache mit der der Fachsprachen im Allgemeinen gleichzusetzen, denn beide streben eine optimale Verständigung über ein bestimmtes Gebiet an. Betrachtet man Schmidts Gliederung der Fachsprachen, so ist für die Sportsprache festzustellen, dass sie horizontal nicht nur als eine Fachsprache betrachtet werden kann, sondern dass sie vielmehr zusätzlich nach den einzelnen Sportdisziplinen unterteilt werden muss. Immerhin ist der Sport kein einheitliches Phänomen, was sich auch auf sprachlicher Ebene feststellen lässt (vgl. Bausinger 1988, 27). Die vertikale Gliederung lässt sich gut auf die Kategorien der Sportsprache übertragen, die im folgenden Kapitel vorgestellt werden.

4.1.1 Kategorien der Sportsprache

Wie bereits erwähnt ist die Sprache des Sports kein einheitliches Phänomen. Dies lässt sich nicht nur hinsichtlich der einzelnen Sportarten feststellen, auch in Bezug auf die funktionalen und kommunikativen Kriterien[71] lässt sich die Sportsprache unterteilen (vgl. Křenková 2002, 60). Dabei hat sich in neuerer Zeit eine Dreiteilung in Fachterminologie, Fachjargon und Reportsprache etabliert (vgl. Bausinger 1988, 25-27; Křenková 2002, 60; Burkhardt 2006 a, 55).[72] Die Kategorien gehen fließend ineinander über (vgl. ebd.). Bevor genauer auf die einzelnen Kategorien eingegangen wird, sei zunächst zur Veranschaulichung eine Grafik zur Sportsprache gegeben, die dann in den folgenden Kapiteln genauer erklärt wird:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Fingerhut 1991, 61)

4.1.1.1 Fachterminologie

Unter der Fachterminologie wird der „Fachwortschatz der einzelnen Sportarten, der offiziellen Regeln und der Organisation“ (Křenková 2002, 60) verstanden. Hier finden sich also stilistisch neutrale, eindeutige Bezeichnungen für den Spielverlauf, die Regeln, die Methoden und Techniken des Spiels, die Ausführenden sowie für das Spiel relevante Gegenstände und Örtlichkeiten (vgl. Vollmert-Spiesky 1996, 4). Diese werden vor allem in Regelwerken, der Fachliteratur und in Fachgesprächen angewendet (vgl. ebd.). Unter Einbeziehung von Schmidts vertikaler Gliederung der Fachsprachen liegen hier also die Termini und die Halbtermini vor. Für die Sportart Fußball gehören beispielsweise die Begriffe das passive Abseits, der Libero und die Viererkette zur Fachterminologie.

4.1.1.2 Fachjargon

Der Fachjargon wird auch als Sportler-, Trainer- und Zuschauersprache bezeichnet (vgl. Křenková 2002, 60).[73] Hier finden sich die alltäglichen, sportsprachlichen Ausdrücke (vgl. Burkhardt 2006 a, 55). Diese sind nicht in Regelwerken festgehalten, sondern vielmehr „neue, manchmal saloppe und mit emotionalen Konnotationen befrachtete Varianten“ (Küster 2009, 64). Häufig werden neutrale Termini oder Halbtermini durch prägnantere, assoziativ-bildhafte Ausdrücke ersetzt, was zur Präzision oder Emotionalisierung der Aussage beiträgt (vgl. Fingerhut 1991, 58). Diese erheben dann keinen Anspruch mehr auf Genauigkeit oder Eindeutigkeit und sind oft nur im aktuellen Kontext und für Eingeweihte verständlich. Es muss also ein vertrautes Verhältnis der Fachjargonnutzer vorausgesetzt werden. Häufig werden dabei Trends der Umgangssprache aufgegriffen oder regionale Varianten genutzt (vgl. Vollmert-Spiesky 1996, 4). Es werden auch Begriffe und Wendungen aus anderen Fachsprachen „entlehnt“ und dann metaphorisch verwendet (vgl. Fingerhut 1991, 59). Dies entspricht Schmidts Fachjargonismen.

Fraglich ist allerdings, warum Fingerhut in der oben übernommenen Grafik nicht auch den Fachjargon nach den einzelnen Sportarten unterteilt. So verweist sie doch bei der Übernahme aus anderen Fachsprachen eindeutig auf andere Sportarten. Dies muss also nicht nur für die Fachterminologie, sondern auch für den Fachjargon – und auch die Reportsprache – angenommen werden.

Als Fachjargonausdrücke für die Sportart Fußball können beispielsweise der Kasten für das Tor, die Pille für den Ball und die Blutgrätsche für ein hartes Foul genannt werden (vgl. Burkhardt 2006 a, 55).

4.1.1.3 Reportsprache

Die Reportsprache ist die „Sprache in der öffentlichen Sportkommunikation“ (Bausinger 1988, 26). Hier findet eine Vermischung von Fachterminologie und Fachjargon statt. Es finden sich also sowohl Termini und Halbtermini als auch Fachjargonismen. Letztere werden von den Sportreportern genutzt, um „ihre Kennerschaft und Zugehörigkeit zu der Gruppe der Fußball-Fachleute zu unterstreichen und ihren Berichten die nötige Lebendigkeit und atmosphärische Dichte zu verleihen“ (Vollmert-Spiesky 1996, 4 f.). Ihre Verwendung dient also dem Abbau von Distanz zwischen Journalist und Rezipient (vgl. Samii 2006, 15). Beispiele für die Reportsprache sind Abstiegskandidat, Tabellenkeller und Zitterpartie (vgl. Burkhard 2006, 55).

Armin Burkhardt schlägt vor, die Reportsprache des Fußballs weiter in Tabellen-, Positions- und Spielsprache zu unterteilen (vgl. ebd., 65-67). Die Tabelle ist seit der Gründung der Fußballbundesliga 1963 die zentrale Form der Ergebnisdokumentation und daher im allgemeinen Bewusstsein der Sportinteressierten präsent. Sie erfordert daher eine entsprechende sprachliche Darstellung. Die Positionssprache meint die Bezeichnungen für die virtuellen Mannschaftsaufstellungen, Spielpositionen und Veränderungen dieser Positionen. Die Spielsprache schließlich umfasst die Beschreibung der Teilhandlungen des eigentlichen Sportereignisses. Diese Unterscheidung wird hier nicht weiter ausgeführt, da sie für die empirische Untersuchung nicht von Bedeutung ist. Sie liefert aber interessante Aspekte für die sprachliche Ausgestaltung, weshalb sie in Kapitel 4.3 erneut kurz aufgegriffen wird.

Davon abgesehen lässt sich die Reportsprache auch nach den einzelnen Medien, in denen sie verwendet wird, genauer differenzieren (vgl. Fingerhut 1991, 61; Křenková 2002, 60). Aus diesem Grund erfolgt im nächsten Kapitel eine Betrachtung der einzelnen Medienarten, in denen Sportberichterstattung vorkommt.

4.2 Medienarten der Sportberichterstattung

Christoph Fischer stellt fest, dass sich „[k]aum eine andere Programmsparte […] so gut wie der Sport zur multimedialen Verwertung“ eignet (Fischer 2004, 58). Daher wird auch in allen Medien über die gleichen sportlichen Ereignisse berichtet. Allgemein lässt sich bei allen Medienarten feststellen, dass die Unterhaltungs- gegenüber der Vermittlungsfunktion zunimmt (vgl. Hackforth 2004, 35-38). Welche Medien genau an der Sportberichterstattung beteiligt sind und welche Besonderheiten diese aufweisen, soll im Folgenden geklärt werden. In Hinblick auf die empirische Untersuchung werden dabei die Printmedien detaillierter betrachtet.

4.2.1 Printmedien

Die zunehmende Relevanz der Sportberichterstattung ist auch in den Printmedien ersichtlich, was sich schon aus der Tatsache ergibt, dass der Sportteil immer umfangreicher wird (vgl. Jürgens 1998, 104). Durch die anderen Medien, die mittlerweile auch umfangreich über Sportereignisse berichten, haben sich allerdings die Leserbedürfnisse verändert. Da die Printmedien weniger aktuell durch den größeren zeitlichen Abstand als Fernsehen, Rundfunk und Internet sind, nimmt die Wiedergabe des Spielverlaufs heute eine eher untergeordnete Rolle ein. Vielmehr wird auf eine weiterführende Kommentierung des Geschehens durch Interviews u. Ä. sowie Hintergrund- und Detailinformationen und Ausblicke Wert gelegt (vgl. Vollmert-Spiesky 1996, 5; Koßmann 2004, 187; Schwier/Schauerte 2007, 204 f.).

4.2.1.1 Arten

Die Printmedien lassen sich weiterhin in Tages- und Wochenzeitungen sowie Fachzeitschriften unterteilen. Erstere lassen sich zudem noch in regionale und überregionale Zeitungen unterteilen. Im Folgenden werde ich auf (regionale und überregionale) Tageszeitungen und Fachzeitschriften eingehen. M. E. sind die meisten Merkmale der Tageszeitungen in Hinblick auf die dortige Sportberichterstattung auch auf die Wochenzeitungen übertragbar. Diese finden allerdings in der Forschungsliteratur keine Beachtung.

4.2.1.1.1 Tageszeitungen

Die Sportberichterstattung der Tageszeitungen weitet sich ständig aus, dem Sportteil wird heute erheblich mehr Platz eingeräumt als früher (vgl. Fischer 2004, 57; Samii 2006, 7; Zubayr 2007, 56). Dies gilt als wichtig für die Lesergewinnung und auch –bindung. So macht der Sport in nahezu allen Ländern „durchschnittlich zwischen 15 und 20 Prozent des redaktionellen Umfangs in den Tageszeitungen“ (Burk/Schauerte 2007, 70) aus. Die Tageszeitung gilt nach dem Fernsehen als das zweitbeliebteste Sportmedium (vgl. Schwier/Schauerte 2007, 204). Eher als in den anderen Medien wird hier auch auf das lokale und regionale Sportgeschehen eingegangen (vgl. ebd.).

Dabei ist der Sportteil „sehr stark auf die Sportart Fußball zugeschnitten“ (Samii 2006, 7), andere Sportarten werden hingegen vernachlässigt oder gar nicht beachtet.

Der Stil der verwendeten Sportsprache ist abhängig von der jeweiligen Tageszeitung (vgl. Fingerhut 1991, 59). Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (kurz: FAZ) und die „Süddeutsche Zeitung“ (kurz: SZ) werden dabei am besten bewertet. Dies ergab die sogenannte „Kölner Studie“ von 1993, in der über 1700 Sportjournalisten u. a. die Sportberichterstattung von unterschiedlichen Tages- und Sonntagszeitungen verglichen und bewertet haben (vgl. Hackforth 2004, 24).

4.2.1.1.2 Fachzeitschriften

Neben den Zeitungen existieren auch Sportzeitschriften, die wöchentlich, zweiwöchentlich oder monatlich erscheinen. Führend auf dem deutschen Markt sind die „Sport Bild“ und der „Kicker“ (vgl. Schwier/Schauerte 2007, 205). Während die „Sport Bild“ verschiedene Sportarten thematisiert, befasst sich der „Kicker“ nur mit dem Fußball. Insgesamt ist ein Trend zur Spezialisierung auf bestimmte Sportarten feststellbar; so entstehen immer mehr Nischenmagazine, die über Sportarten berichten, welche in der Tagespresse vernachlässigt werden (vgl. ebd.).

4.2.1.2 Textsorten

Nach Křenková lassen sich die Textsorten innerhalb der printmedialen Sportberichterstattung grob in informations-, meinungs- und unterhaltungsbetonte Formen unterteilen.

Zu den informationsbetonten Formen zählen die Meldung und der (Nach)bericht. Unter der Meldung sind die Kurznachrichten zu verstehen. Sie werden häufig auch als „Einspalter“ bezeichnet, da sie meist nur 25 einspaltige Druckzeilen umfassen. Sie enthalten nur die spielrelevanten Fakten, wobei die wichtigsten Informationen zu Beginn vermerkt sind (vgl. Křenková 2002, 34). Die (Nach)berichte, auch „Zweispalter“ oder „Mehrspalter“ genannt, enthalten hingegen mehr Informationen als die Meldung. In der Regel findet eine sachliche Darstellung mit dem typischen Aufbau aus Schlagzeile, Untertitel, einer kurzen Zusammenfassung des Inhalts und schließlich der Darstellung ausgewählter Einzelheiten statt (vgl. ebd.). Diese Textsorte soll präzise über den Verlauf und die wichtigsten Szenen des Spiels nachbetrachtend informieren (vgl. Jürgens 1998, 101). In den 50er Jahren waren die Nachberichte noch sehr breit angelegt, die Beschreibung des Spielgeschehens war ausführlich, emotional und erlebnisbetont. Heute sind sie wesentlich komprimierter (vgl. ebd.) oder aber mit meinungs- oder unterhaltungsbetonten Darstellungen vermischt (Křenková 2002, 33 f.). So verdrängen oft stichpunktartig zusammengestellte statistische Daten, die alle wichtigen Informationen zum Spiel enthalten, den eigentlichen Bericht. Die Schilderung der zeitlichen Abfolge der wichtigsten Szenen rückt dadurch in den Hintergrund oder kann auch völlig aufgehoben sein (vgl. Jürgens 1998, 102 f.). Der Bericht selbst wird so häufig mit anderen Textsortenformen, wie Kommentaren oder Interviews, vermischt (vgl. Stellmacher 2001, 342), da der Textproduzent davon ausgeht, dass sich der interessierte Leser bereits mittels der anderen, „schnelleren“ Medien über das bloße Spielgeschehen informiert hat (vgl. Jürgens 1998, 103). Eine solche Tendenz ist seit den 70er bzw. 80er Jahren feststellbar (vgl. Křenková 2002, 34). Prototypische Spielberichte zur Sportart Fußball sind heute noch teilweise im „Kicker“, in Sonntagszeitungen, die unmittelbar nach am Samstag stattgefundenen Spielen erscheinen, in Tageszeitungen, die über international bedeutende Spiele mit deutscher Beteiligung berichten, und in der regionalen Tagespresse, die über regional interessierende, auch unterklassige Mannschaften berichtet, zu finden (vgl. Jürgens 1998, 103). Insgesamt sind die informationsbetonten Formen, auch wenn sie zum Teil mit den anderen Formen vermischt sind, immer noch die bevorzugten Textsorten in der Sportberichterstattung (vgl. Samii 2006, 12).

Zu den meinungsbildenden Texten zählt Křenková die Glosse und den Kommentar. Der Kommentar ist „eine sachbezogene Meinungsstilform“ (Křenková 2002, 35), die zwar informiert, aber auch argumentiert und an den Leser appelliert, indem Tatsachen in ihre Zusammenhänge gestellt und unterschiedliche Meinungen dazu diskutiert werden. Im Allgemeinen wird dies mit der Präsentierung des Standpunktes des Journalisten verbunden, oft werden aber auch nur verschiedene Perspektiven gegenübergestellt, ohne dass der Berichterstatter seinen Standpunkt deutlich macht (vgl. ebd.). Eine Sonderform des Kommentars ist der Leitartikel. Den einzigen Unterschied zum Kommentar stellt die Platzierung des Leitartikels dar, denn dieser befindet sich häufig auf der Titelseite oder er wird eindeutig als Leitartikel bezeichnet (vgl. ebd.). Die Glosse kann als Spezialform des Kommentars angesehen werden, sie ist wesentlich gefühlsbetonter und subjektiver und arbeitet mit besonderen Stilmitteln wie der Ironie. Häufig ist die Argumentation zugespitzt und es findet eine Fokussierung auf einen bestimmten Aspekt statt (vgl. ebd.).

Zu den unterhaltenden Darstellungsformen zählen die Reportage, das Feature und das Interview. Allen ist gemeinsam, dass sie die näheren Umstände und Hintergründe beschreiben (vgl. ebd., 35 f.). Die Reportage hatte vor allem in den 90er Jahren eine größere Bedeutung. Sie kann auch als Erlebnisbericht bezeichnet werden, da sie sich auf Ereignisse bezieht und diese als Erlebnisse vermittelt. Sie gilt als tatsachenbezogen und persönlich gefärbt. In der Regel ist sie in der Ich-Form geschrieben (vgl. ebd., 36). Das Feature verdeutlicht Charakteristisches von Personen oder Ereignissen, die Informationen werden dabei durch bestimmte sprachliche Mittel unterhaltend aufbereitet. Der bereits erwähnte „human-touch-Journalismus“ steht hier im Vordergrund (vgl. ebd.). Das Interview stellt eine Person und/oder die Meinung einer Person zu einem bestimmten Thema dar. In den Printmedientexten sind die Interviews geformt, d. h. der Journalist gibt die unmittelbaren Eindrücke durch Beschreibungen dieser wider (vgl. ebd.).

Insgesamt ist festzuhalten, dass sich die hier beschriebenen Textsorten in der tatsächlichen Berichterstattung vermischen, sie stellen mit den hier erläuterten Merkmalen eher prototypische Phänomene dar, die in den Printmedien so nur selten anzutreffen sind (vgl. Samii 2006, 12).

4.2.2 Fernsehen

Jürgen Schwier/Thorsten Schauerte stellen fest, dass „[d]as Fernsehen […] bevölkerungsübergreifend das Sportmedium Nummer eins [ist]“ (Schwier/Schauerte 2007, 202). Im Jahr 2004 wurden im deutschen Fernsehen täglich rund 37 Stunden Sport gezeigt, der Umfang der Sportberichterstattung ist allerdings seit einigen Jahren rückläufig (vgl. Zubayr 2007, 57 f.). Auch hier wird die Unterhaltungs- gegenüber der Informationsfunktion immer dominanter, es findet eine Entwicklung hin zum Boulevardjournalismus statt (vgl. Jürgens 1998, 100). Neben live gesendeten, vollständigen Direktreportagen, in denen in der Regel ein oder zwei Kommentatoren das Spielgeschehen begleiten, werden auch zeitversetzte Nachberichte, die die Höhepunkte des Sportereignisses zusammenfassen, gesendet. Diese sind meist in übergreifende Sportsendungen eingebettet. Daneben existieren verschiedene Formen der Berichterstattung vor, nach oder während der Sportveranstaltung, wie Expertengespräche, Interviews u. Ä. (vgl. ebd., 99-101). Über die Sportart Fußball wird am meisten berichtet (vgl. Zubayr 2007, 60).

4.2.3 Hörfunk

Neben dem Fernsehen ermöglicht auch der Hörfunk sportliche Live-Erlebnisse. Dem Sport kommt hier aber eine eher untergeordnete Rolle zu. So sind durchschnittlich nur rund fünf Prozent des Gesamtprogramms mit Sportthemen gefüllt (vgl. Schwier/Schauerte 2007, 206). Hörfunkreportagen gehören zu den informierenden Texten, da sich der Hörer mittels der sprachlichen Wiedergabe des Sportereignisses durch den Reporter ein möglichst genaues Bild vom Geschehen machen soll (vgl. Jürgens 1998, 97). Anders als im Fernsehen ist der Berichterstatter im Radio also die einzige Informationsquelle, da kein Bild gezeigt wird. Daher wird bei den Reportagen[74] das aktuelle Geschehen mit direkten, verlaufsbezogenen Beschreibungen versehen, um dem Zuhörer das Sportereignis verbal sichtbar zu machen (vgl. Vollmert-Spiesky 1996, 5). Daneben existieren die Nachberichte, die nach dem Sportereignis ausgestrahlt werden und auch heute noch sehr gebräuchlich sind (vgl. Jürgens 1998, 94).

4.2.4 Internet

Auch das Internet hat sich inzwischen als Sportmedium etabliert. Allerdings verschafft sich durchschnittlich nur jeder vierte User zielgerichtet Sportinformationen über das Internet und nur 15 % tun dies regelmäßig (vgl. Schwier/Schauerte 2007, 207). Neben Live-Tickern und Internetfanradios, die live von Sportereignissen berichten, sind auch die Internetauftritte von Sportlern, Vereinen, Verbänden etc. sehr beliebt (vgl. ebd., 209). Für Sportfans und Fangruppierungen bietet das Internet die Möglichkeit, sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, für eigene Anliegen zu werben, den Informationsaustausch und die Mobilisierung in der Szene zu stimulieren und einen Anspruch auf die Teilhabe am Sportsystem zu artikulieren (vgl. ebd.). Insgesamt wird das Internet m. E. in wissenschaftlichen Untersuchungen aber wenig bis gar nicht betrachtet.

4.3 Sprachliche Besonderheiten der Fußballsprache

Wie jede Fachsprache hat auch die Sportsprache ihre Besonderheiten. Da sich die Sprachen der einzelnen Sportarten stark unterscheiden, werden im Folgenden nur die Besonderheiten der Fußballsprache thematisiert. Zudem scheint es in Anbetracht der empirischen Analyse sinnvoll, in dieser Arbeit den Fokus auf die Reportsprache der Printmedien zu legen.[75] Sportjournalisten wollen „eine möglichst lebendige, anschauliche und fesselnde Darbietung des Stoffes“ (Křenková 2002, 39) erreichen, um den Leser zu informieren, zu unterhalten, zu beeinflussen und um zur Meinungsbildung beizutragen. Der Aufbau von Dynamik und Spannung steht dabei im Vordergrund (vgl. Samii 2006, 15). Dies wird durch den Einsatz bestimmter sprachlicher Mittel versucht zu realisieren. Da in dieser Arbeit sprachliche Bilder untersucht werden sollen, werden hier die syntaktischen und morphologischen Besonderheiten außer Acht gelassen.[76] Vielmehr interessiert die besondere Lexik der Fußballreportsprache. Linguistische Arbeiten, die präzise alle lexikalischen Besonderheiten erfassen, liegen m. E. (noch) nicht vor. Häufig werden nur bestimmte Merkmale ausgewählt und untersucht.[77] Dementsprechend wirken die theoretischen Überblicksdarstellungen in der Regel unvollständig oder es überschneiden sich die gewählten Merkmale so stark, dass eine derartige Einteilung wenig sinnvoll erscheint. So nennt Burkhardt als besonders wichtige semantische Prinzipien die Metonymie, die Metapher und die simplifizierende Abstraktion[78] und verbindet diese mit seiner Unterteilung der Reportsprache in Tabellen-, Positions- und Spielsprache (vgl. Burkhardt 2006 a, 60-69). So ist die Tabellensprache überwiegend metaphorisch, da die Tabelle selbst schon etwas Abstraktes ist. Hier finden sich vor allem die Oben-Unten-Metaphorik, wie Gipfeltreffen, Talfahrt und auf die unteren Tabellenplätze abstürzen, die Vorne-Hinten-Metaphorik, wie Aufstiegsrennen, im Titelkampf zurückfallen und Tabellenführer, und die Gebäudemetaphorik, wie Tabellenkeller, Kellerkind und Fahrstuhlmannschaft (vgl. ebd., 65 f.). Die Positionssprache weist neben Metaphern, wie Sturm, Verteidigung, Angriff, auch simplifizierende Abstraktionen auf, wie hinten reinstellen und als neuer Verteidiger in die Viererkette rücken (vgl. ebd., 67). Die Spielsprache besteht vorwiegend aus Metaphern, wie einen Schuss abfeuern, Abstaubertor und im Kasten klingeln, und Metonymien, wie in der eigenen Hälfte stehen, einen Elfer bekommen und die Latte treffen (vgl. ebd., 69).

Dass die Fußballreportsprache aber beispielsweise auch eine Vielzahl von Fremdwörtern beinhaltet (vgl. Fingerhut 1991, 98-101), bleibt außer Acht. So weist vor allem die Fachterminologie, die ja auch in der Reportsprache vorkommt, Fremdwörter auf, wie Dribbling, Foul und fair. Dies liegt zum einen an der Internationalisierung, die auch den Sport betrifft, zum anderen an der Herkunft des Fußballs aus Großbritannien (vgl. ebd, 98; Křenková 2002, 61). Es werden auch Ausdrücke fremden Ursprungs aus anderen Fachsprachen in der Reportsprache genutzt, wie Präzision, effektiv und organisieren aus den Bereichen Wirtschaft und Technik, genauso wie Fremdwörter aus anderen Sportarten, wie Konter vom Boxen, parieren vom Fechten und Powerplay aus dem Eishockey (vgl. Fingerhut 1991, 98 f.). Es scheint also, dass neben Metaphern, Metonymien und simplifizierenden Abstraktionen auch den Fremdwörtern eine bedeutende Stellung innerhalb der Lexik der Fußballreportsprache zukommt, wobei einige Fremdwörter auch als Metaphern aufgefasst werden müssen. Auch Eigennamen bzw. die Antonomasie, d. h. die Ersetzung von Eigennamen durch Umschreibungen, treten häufig innerhalb der Fußballreportsprache auf, sie sind „fast schon eine Manie“ (Burkhardt 2008, 233). So ist beispielsweise Oliver Kahn der Torwart-Titan, der FC Bayern München der Rekordmeister oder der 1. FC Nürnberg einfach nur der Club (vgl. ebd., 232).

Křenková schlägt eine andere Einteilung hinsichtlich der typischen Stilmerkmale der Reportsprache vor: So unterscheidet sie zwischen der Emotionalisierung der Aussage, dem gesteigerten Ausdruck, umgangssprachlichen Elementen und rhetorischen Mitteln (vgl. Křenková 2002, 39-41). Diese Einteilung überzeugt allerdings kaum, da sie eine Vielzahl von Überschneidungen beinhaltet. So können beispielsweise Aussagen durch gesteigerte Ausdrücke, Umgangssprache und auch rhetorische Mittel emotionalisiert werden. Weshalb dieses Merkmal dann aber extra aufgeführt wird, ist fraglich. Auch die Ausdruckssteigerung und die Umgangssprache können mittels rhetorischer Mittel realisiert werden. Ohnehin ist der Begriff des rhetorischen Mittels, worunter Křenková vor allem die Metaphern und Vergleiche fasst (vgl. ebd., 41), irreführend, da, wie bereits gezeigt wurde, die sprachlichen Bilder weit mehr als ein rhetorisches Mittel sind, sondern vielmehr eine Reihe von weiteren Leistungen und Funktionen übernehmen können (vgl. Kap. 2.3). Dementsprechend kann eine solche Einteilung verworfen werden.

Andere Untersuchungen betrachten die dominierenden Wortfelder innerhalb der Reportsprache (vgl. Fingerhut 1991, 64-88; Deeken 2011, 23-28), die somit auch unmittelbar auf die konzeptuellen sprachlichen Bilder Bezug nehmen. So nennt Fingerhut die Emotionalität, Kampf und Gewalt, (Schau)spiel und Profit sowie Leistung und Technik als häufig auftretende Wortfelder.[79] Die Emotionalität dient dem Wecken von Interesse beim Leser, indem sie die Aufmerksamkeit auf den jeweiligen Artikel zieht. Außerdem bringt der Charakter des Sports selbst schon eine gewisse Dramatik mit sich, die durch emotionale Ausdrücke sprachlich umgesetzt wird (vgl. Fingerhut 1991, 64). Der Fußball ist ein auf Kampf eingestelltes Spiel, weshalb häufig das Wortfeld Kampf und Gewalt gebraucht wird. Dies hängt laut Fingerhut mit den Anfängen dieser Sportart zusammen, in denen das Militär einen großen Einfluss hatte. Das Wortfeld spiegelt somit „die geistigen und politischen Strömungen einer Zeit“ (ebd., 71) wider. Daneben hat der Fußball auch etwas Spielerisches an sich, weshalb sich viele Wendungen aus dem Karten-, Würfel- und Schachspiel finden lassen. Dies resultiert aus der Analogie des Spielaufbaus, in der sich zwei Parteien auf einer begrenzten Spielfläche gegenüberstehen. Des Weiteren treten auch Begriffe aus dem Bereich Musik bzw. Theater auf. Dies stellt eine sprachliche Aufwertung des Fußballs dar, indem die sportliche Leistung als künstlerische Darbietung verstanden wird, die nicht nur körperliches Training, sondern auch geistige Fähigkeiten erfordert (vgl. ebd., 76-78). Das Wortfeld Leistung und Technik resultiert aus der Zuspitzung des Leistungssports auf wirtschaftlichen Profit. Dies ist auch an der Lexik zu sehen. Zudem werden die Leistungen der Sportler oft mit dem Ablauf eines technischen Prozesses gleichgesetzt. Zum einen liegt dies daran, dass die Technik der bestimmende Faktor menschlichen Denkens, Handelns und Kommunizierens ist, zum anderen vermutet Fingerhut aber auch, dass durch den Beginn der Fußballbewegung zur Zeit der Industrialisierung viele Begriffe und Wendungen aus der Fachsprache der Technik in die Fußballsprache übergegangen sind (vgl. ebd., 82-88). Diese Liste von Wortfeldern ist sicherlich nicht erschöpfend, da „[j]ede typische Spielhandlung, -funktion beziehungsweise -situation oder Spielereigenschaft […] bei Spielern, Reportern und Fans ihre eigenen Metaphern“ (Burkhardt 2008, 230) bzw. sprachlichen Bilder evoziert. Sie vermittelt jedoch einen kleinen Eindruck davon, auf welche unterschiedlichen Ursprungsbereiche Journalisten in der Fußballberichterstattung zurückgreifen und bietet eine Begründung dafür.

Alle Besonderheiten der Lexik der Fußballreportsprache vermag auch diese Arbeit nicht zu klären. Dieses Kapitel sollte vielmehr einen Hinweis darauf geben, dass diese Fachsprache unterschiedliche linguistische Untersuchungen ermöglicht, die der sprachlichen Bilder stellt nur einen Teil des Analysespektrums dar.

5. Empirische Untersuchung

Nach diesen in Kapitel 2 bis 4 vorgestellten, theoretischen Betrachtungen folgt nun die empirische Untersuchung. Nachdem zunächst beschrieben wird, was die Analyse ergeben soll und welches Textkorpus dafür genutzt wird, werde ich erläutern, wie ich innerhalb der Untersuchungsarbeit methodisch vorgehe, welche Ergebnisse aus der Textkorpusanalyse gewonnen werden können und wie diese zu verstehen sind.

5.1 Leitfragen und Textkorpus

Allgemein soll die Frage beantwortet werden, welche sprachlichen Bilder in der printmedialen Fußballreportsprache genutzt werden. Dabei soll die konzeptuelle Ebene untersucht werden, um zu zeigen, wie der Fußball kognitiv verfügbar gemacht wird. Zum einen sollen Aussagen darüber getroffen werden, inwieweit sich die Ursprungsbereiche der sprachlichen Bilder im Laufe der Zeit veränderten. Geht man davon aus, dass die Kopplung von bestimmten Ursprungsbereichen an Zielbereiche gesellschaftlich geprägt ist, sollten gesellschaftliche Veränderungen auch Umgestaltungen der Bereichskopplungen nach sich ziehen. Zum anderen wird dann hinsichtlich des Konventionalitätsgrades in konventionelle und unkonventionelle sprachliche Bilder unterschieden, um Rückschlüsse darauf ziehen zu können, welche sprachlichen Bilder zur festen Terminologie der Fußballsprache gehören und welche aufgrund der Kreativität des Journalisten benutzt wurden. Der Vorwurf, dass die Fußballreportsprache häufig stereotype Formulierungen verwendet, legt nämlich die Vermutung nahe, dass kaum unkonventionelle Bilder erzeugt werden. Dies soll ebenfalls hinsichtlich der Untersuchungszeiträume miteinander verglichen werden.

Demnach lassen sich für diese Untersuchung folgende Leitfragen zusammenfassen:

Welche konzeptuellen sprachlichen Bilder werden in Printmedientexten der Fußballberichterstattung genutzt?

Lassen sich für unterschiedliche Zeiten unterschiedliche sprachliche Bilder als typisch herausstellen?

Stellen diese zumeist feste, terminologisierte Wendungen dar oder weist die Fußballberichterstattung auch eine gewisse Kreativität im Umgang mit Sprache auf? Wurden früher mehr unkonventionelle sprachliche Bilder verwendet als heute?

Diese Fragen sollen mittels folgendem Textkorpus beantwortet werden: Da Printmedientexte untersucht werden, fiel die Wahl auf die beiden Tageszeitungen FAZ und SZ, weil die Sportredaktionen dieser beiden innerhalb einer Studie am besten bewertet wurden (vgl. Kap. 4.2.1.1.1). Die Untersuchung zweier Tageszeitungen soll zu einer höheren Objektivität der Ergebnisse beitragen. So wird eine bestimmte Sportart häufig von einem Journalisten der jeweiligen Sportredaktion betreut.[80] Dessen subjektive Vorlieben in der sprachlichen Ausgestaltung sollen in der Analyse aber nicht derart präsent sein, dass diese im diachronen Vergleich stellvertretend für einen gesamten Zeitabschnitt stehen.

Auf die Untersuchung von Sportzeitschriften wurde verzichtet.[81]

Die Berichterstattung zur Sportart Fußball ist in Deutschland sehr umfangreich. Für diese Untersuchung wurde das Textkorpus daher auf die Fußballweltmeisterschaften begrenzt. Da eine Untersuchung aller Weltmeisterschaften aber zu umfangreich wäre, fiel die Auswahl auf jene von 1954, 1974, 1990 und 2010. Da deutsche Zeitungen betrachtet werden und dort die deutsche Nationalmannschaft die meiste Beachtung fand und auch heute noch findet, lag der Entschluss nahe, nur Berichte zu Spielen mit deutscher Beteiligung zu untersuchen. Um innerhalb der diachronen Betrachtung eine vergleichbare Ausgangssituation zu gewährleisten, sofern diese möglich ist, wurden jene Weltmeisterschaften ausgesucht, in denen die deutsche Nationalelf Weltmeister geworden ist, also 1954, 1974 und 1990. Um einen aktuellen Bezug herstellen zu können, wurde die zuletzt ausgetragene Weltmeisterschaft von 2010 hinzugenommen. In dieser ist die deutsche Mannschaft zwar nicht Weltmeister geworden, schied aber erst im Halbfinale aus. Mit dem daran anschließenden Spiel um Platz drei ist also auch hier die Anzahl der Spiele mit deutscher Beteiligung mit den anderen Meisterschaften vergleichbar und durch den langen Verbleib der Elf im Turnier sind auch die außersprachlichen Rahmenbedingungen ähnlich.

Für jedes Spiel der deutschen Nationalmannschaft wurde jeweils ein Artikel aus der FAZ und der SZ ausgewählt, nämlich die (Nach)berichte.[82] Das Textkorpus umfasst somit insgesamt 54 Artikel.[83]

5.2 Methodisches Vorgehen

Das beschriebene Textkorpus wird hinsichtlich des Vorkommens von konzeptuellen sprachlichen Bildern untersucht. Wie die einzelnen Metaphern innerhalb der Printmedientexte zu erkennen sind, wurde bereits ausführlich in Kapitel 2.1.4 erläutert. Die bedeutungsmäßige Unvereinbarkeit der metaphorisch gebrauchten Ausdrücke in ihrer wörtlichen Bedeutung mit dem kontextuellen bzw. situativen Rahmen während der Rekognition kann auch auf die Similes übertragen werden, wobei bei diesen allerdings zusätzlich sprachliche Signale, die einen Vergleich anzeigen, auftreten (vgl. Kap. 2.2.1). Weil in dieser Arbeit aber keine Unterscheidung zwischen Metaphern und Similes erfolgt, da angenommen wird, dass beide auf die gleichen Konzeptkopplungen zurückgreifen, bedürfen die sprachlichen Signale keiner weiteren Beachtung.

Bei der Analyse werden die Überschriften der einzelnen Artikel mit betrachtet, nicht aber die Bildunterschriften.

Um von diesem sprachlichen Material auf die konzeptuellen sprachlichen Bilder schließen zu können, bedarf es weiterhin einer Art Rekonstruktion (vgl. Jäkel 2003, 23), bei welcher ausgehend vom Sprachmaterial eine Abstraktion stattfindet, um auf konzeptueller Ebene auf die zugrundeliegenden Ursprungsbereiche schließen zu können. Wie aber bereits Baldauf feststellt, ist dieses methodische Vorgehen äußerst problematisch, denn Lakoff/Johnson beschreiben in keiner Weise die Zuordnungen des Herkunfts- zum Zielbereich (vgl. Baldauf 1997, 246). Die Abstraktionshöhe der Metaphernkonzepte ist somit nicht eindeutig, sondern vielmehr abhängig vom Ermessen der Person, die die Untersuchung durchführt, und vom Umfang des Textkorpus (vgl. ebd.).[84] Um die tatsächlich zugrundeliegenden konzeptuellen Domänen festzustellen, wurde für diese Arbeit ein relativ großes Textkorpus gewählt. Um subjektive Aspekte bei der Festlegung der Bereiche zu reduzieren, werden die vermuteten konzeptuellen sprachlichen Bilder mit denen von Samii (2006) verglichen. Sie untersuchte über 200 Zeitungsausgaben acht verschiedener Tageszeitungen hinsichtlich konzeptueller Metaphern in der Sportberichterstattung (vgl. Samii 2006, 67 f.). Dass dabei keine Similes beachtet wurden, ist m. E. unerheblich für die Festlegung der konzeptuellen Domänen, da davon ausgegangen wird, dass Metaphern und Similes auf die gleichen Konzeptkopplungen zurückgreifen.

Neben der Festlegung der Ursprungsbereiche hinsichtlich des Abstraktionsgrades erweist sich bei einigen sprachlichen Bildern auch die Zuordnung zu diesen als schwierig. Dies liegt zum einen an der „Polysemie von Lexemen“, zum anderen lassen „sich die einzelnen Begriffsdomänen gelegentlich definitorisch nicht präzise voneinander abgrenzen“; es bestehen vielmehr Übergangszonen, „die eine eindeutige Begriffszuordnung erschweren und teilweise sogar unmöglich machen.“ (ebd., 71) In diesen Fällen ist der sprachliche und thematische Kontext sowie, sollte dieser nicht ausreichen, meine eigene Sprachkompetenz von Bedeutung. An Stellen, wo es hilfreich erscheint, wird auch ein etymologisches Wörterbuch genutzt (vgl. Kluge 2002) Die Zuordnung dieser Grenzfälle wird in Kapitel 5.3 diskutiert, da, anders als bei Samii, diese nicht unter mehrere Begriffsdomänen subsumiert werden (vgl. Samii 2006, 71), um die quantitative Analyse in Kapitel 5.4.1 nicht zu verfälschen.

Auf Abweichungen von Samiis Einteilung selbst und von der Zuordnung einzelner Lexeme innerhalb dieser Untersuchung wird in Kapitel 5.3 eingegangen und begründet.

Um die Untersuchungsergebnisse zu reduzieren und wirklich nur die sprachlichen Bilder zu erfassen, die zur Konzeptualisierung der Sportart Fußball beitragen, werden nur jene als Untersuchungsergebnis aufgenommen, deren Zielbereich Bestandteil des Fußballskripts sind (vgl. Kap. 3.2.2). In Hinblick auf die bereits angesprochenen Generalisierungshierarchien ist davon auszugehen, dass viele Konzeptkopplungen nicht nur für den Fußball gelten, sondern vielmehr auch andere Mannschaftssportarten bzw. Sportarten im Allgemeinen betreffen. Dies ist bereits daran ersichtlich, dass Samii neben der Fußballberichterstattung ihr Hauptaugenmerk auch auf die Tennisberichterstattung und die Berichterstattung über die Formel 1 legt (vgl. Samii 2006, 68), dabei aber keine gravierenden Unterschiede zwischen den einzelnen Sportarten in Hinblick auf die konzeptuellen Metaphern ersichtlich sind. Sehr allgemeine Konzeptkopplungen, die über den Sport hinausgehen, wie das sprachliche Bild die Überlegenheit (einer Mannschaft) auf Lexemebene, das dem Konzept BESSER IST OBEN zugeordnet werden kann, fließen nicht in die Untersuchungsergebnisse mit ein.

Daran anschließend wird untersucht, welche Veränderungen diachron ersichtlich sind. Dabei werden die vorgefundenen konzeptuellen sprachlichen Bilder hinsichtlich ihrer Tokenfrequenzen[85] auf Lexemebene innerhalb der einzelnen Untersuchungszeiträume von 1954, 1974, 1990 und 2010 gegenübergestellt. Komposita, bei denen beide bzw. mehrere Glieder sprachlichen Bildern zuzuordnen sind, werden dementsprechend auch doppelt bzw. mehrfach in die quantitative Analyse mit aufgenommen.[86]

Um die Frage nach dem Innovationsgrad der sprachlichen Bilder beantworten zu können, werden unterschiedliche Bedeutungswörterbücher herangezogen. Ist das einzelne sprachliche Bild als Lemma mit einer entsprechenden Bedeutungsangabe aus dem Bereich Fußball bzw. Sport allgemein verzeichnet oder aber ist eine Bedeutung des Lemmas aufgeführt, die der des sprachlichen Bildes entspricht, wird dieses als fest angesehen, sonst gilt es in dieser Arbeit als innovativ.[87] Sprachliche Bilder, die nicht in den Wörterbüchern als Lemmata verzeichnet sind, fallen aus der Untersuchung heraus. Komposita werden hinsichtlich ihrer bildlichen Glieder untersucht.[88]

Da sich der Innovationsgrad im Laufe der Zeit ändern kann (vgl. Kap. 2.1.3), ist es ratsam, Bedeutungswörterbücher aus ähnlichen Zeiträumen wie das Verfassungsdatum der einzelnen Printmedientexte heranzuziehen. So kann ein heute festes Lemma 1954 durchaus noch einen unkonventionalisierten Status innerhalb der Fußballreportsprache gehabt haben, genauso können umgekehrt feste sprachliche Bilder aus früherer Zeit durch ihren geringen Gebrauch heute als unkonventionell empfunden werden und nicht im Wörterbuch mit genau dieser Bedeutung verzeichnet sein. Aus diesem Grund wurde für die Beurteilung des Innovationsgrades der sprachlichen Bilder von der Weltmeisterschaft 2010 Dudenredaktion (2011), von der Weltmeisterschaft 1990 Dudenredaktion (1985) und von der Weltmeisterschaft 1974 Dudenredaktion (1970) herangezogen. Da das zuletzt genannte Bedeutungswörterbuch die erste Auflage darstellt, musste für die Weltmeisterschaft 1954 ein Wörterbuch einer anderen Herausgeberschaft gefunden werden. Hier bietet sich m. E. Alfred Götze/Walther Mitzka/Karl J. Trübner (1939-1957) an. Durch die unterschiedlichen Herausgeber, vor allem in Hinblick auf den Untersuchungsabschnitt 1954 im Vergleich zu den anderen, und daraus resultierende unterschiedliche lexikographische Arbeitsweisen stellt dies keine ideale Arbeitsmethode dar. Auch wenn innerhalb der Vorworte nicht genau erklärt ist, nach welchen Methoden die Lemmata ausgewählt wurden, ist es naheliegend, dass hier unterschiedlich stark fachsprachliche Lexik, wie die der Fußballsprache, berücksichtigt worden ist. Demnach muss ein in dieser Arbeit ermittelter höherer bzw. niedrigerer Innovationsgrad nicht zwangsläufig die wirkliche Verwendung widerspiegeln, sondern sollte unter Beachtung des methodischen Vorgehens bewertet werden. Daher stellen die hier ermittelten Ergebnisse eher Tendenzen dar.

[...]


[1] In Kapitel 2.2.2.2 wird das Verständnis von sprachlichen Bildern spezifiziert.

[2] Vergleiche lassen sich aber nicht auf diese Funktion reduzieren (vgl. Kap. 2.3).

[3] Auf einen Überblick über die einzelnen Theorien wird hier verzichtet.

[4] Daran erkennt man die Zugehörigkeit der kognitiven Metapherntheorie zu dem holistischen Forschungszweig der Kognitiven Linguistik.

[5] Lakoff/Johnson unterscheiden drei Projektionsebenen: Auf der Lexemebene sind die einzelnen sprachlichen Ausdrücke anzusiedeln. Dieser übergeordnet ist die konzeptuelle Ebene. Bei der Bereichsmetapher wird schließlich ein ganzer Erfahrungs- und Wissensbereich auf einen zweiten komplexen Bereich übertragen; unter ihr können mehrere Konzeptmetaphern subsumiert werden. Nach Wolf-Andreas Liebert kann die konzeptuelle Ebene jedoch auch weggelassen werden (vgl. Liebert 1992, 8), was in der aktuellen Metaphernforschung mittlerweile auch Usus ist. Daher werden in dieser Arbeit nur die einzelnen sprachlichen Ausdrücke auf Lexemebene und die konzeptuellen Metaphern auf kognitiver Ebene betrachtet. Auf die Probleme bezüglich der Festlegung der konzeptuellen Metaphern wird in Kapitel 5.2 eingegangen.

[6] In Ausnahmefällen ist auch die Übertragung von etwas Abstraktem auf etwas Konkretes möglich (vgl. Jäkel 2003, 60-62).

[7] Lakoff/Johnson gehen davon aus, dass die Merkmale unverändert übertragen werden. Die Vagheit dieser sogenannten Invarianz-Hypothese wird später aber auch von Lakoff selbst beklagt (vgl. Jäkel 2003, 30). Da die These aber keine weitere Bedeutung für diese Arbeit hat, wird hier auf eine weitere Diskussion dieser verzichtet.

[8] Die Großschreibung gibt an, dass es sich hier um Belege auf der konzeptuellen Ebene handelt. Handelt es sich um Belege auf sprachlicher Ebene, wird – wie in der Linguistik üblich – die Kursivschreibung verwendet.

[9] Damit grenzen sich Lakoff/Johnson entschieden von den Vertretern der Interaktionstheorie ab, die von einer beidseitigen Projektion ausgehen, also vom Ursprungs- zum Zielbereich und umgekehrt (vgl. Kohl 2007, 116 f.). Dies wird von Karin S. Moser auch als die Asymmetrie der Metapher bezeichnet: Werden beide Begriffsdomänen vertauscht, liegt eine völlig veränderte bzw. gar keine Metapher mehr vor (vgl. Moser 2000, 37).

[10] Olaf Jäkel verweist ohnehin darauf, dass eine rein synchrone Metaphernanalyse nicht möglich ist. Immerhin ist die wörtliche Bedeutung mit der zeitlich früheren Verwendung des Ursprungbereichs gleichzusetzen. Ohne Einbeziehung der Diachronie würde ein Ursprungsbereich mit zwei Sememen vorliegen, bei denen nicht klar ist, welches die wörtliche und welches die metaphorische Bedeutung ist (vgl. Jäkel 2003, 53).

[11] Diese Vorgänge werden in der Forschungsliteratur auch häufig als „highligting“ und „hiding“ bezeichnet (vgl. Settekorn 2001, 101).

[12] Lakoff/Johnson schlagen eine andere Unterteilung in Struktur-, Orientierungs- und ontologische Metaphern vor (ausführlich dazu Lakoff/Johnson 2008, 22-45/75-83, sowie Samii 2006, 41-43). Diese Unterscheidung wurde in der Forschungsliteratur allerdings mehrfach kritisch bewertet, weil die Einordnung „nicht ganz befriedigend [ist] und […] eher vorläufigen Charakter [hat], da sie keinen erkennbaren, einheitlichen Klassifikationskriterien folgt.“ (Baldauf 1997, 82) Sie wurde später sogar von Lakoff selbst überarbeitet (vgl. Samii 2006, 44). Daher nutze ich in dieser Arbeit die Unterteilung hinsichtlich der Usualität, die zudem auch innerhalb meiner empirischen Untersuchung von Bedeutung ist, in der unter anderem die Kreativität von sprachlichen Bildern in Printmedientexten der Fußballberichterstattung bewertet wird (vgl. Kap. 5.4.2).

[13] Hierbei ist anzumerken, dass die toten Metaphern eine spezielle Form der lexikalisierten Metaphern darstellen (vgl. Kap. 2.1.3.1). Innerhalb der Abbildung müsste daher eigentlich von lexikalisierten, nicht-toten Metaphern die Rede sein.

[14] Neben diesen vier Arten von Metaphern existieren in der Forschungsliteratur auch noch die Bezeichnungen solitäre und absolute Metapher. Der Vollständigkeit halber sollen diese auch kurz definiert werden.

Solitäre Metaphern sind „isolierte Momente metaphorischer Konzepte, bei denen es nur einen Aspekt (oder vielleicht auch zwei oder drei Aspekte) eines benutzten Teils gibt“ (Lakoff/Johnson 2008, 68). Sie hängen also nicht mit anderen Metaphern systematisch zusammen, obwohl sie lexikalisiert sind. Innerhalb der empirischen Untersuchung ist es aber fraglich, ob tatsächlich eine solitäre Metapher vorliegt, wenn nur ein sprachlicher Beleg für eine konzeptuelle Metapher gefunden werden kann, da das Textkorpus nicht alle vorhandenen Metaphern abbilden kann. Daher wird diese Metaphernart nicht weiter berücksichtigt.

Bei absoluten Metaphern ist die Verbindung zwischen Ursprungs- und Zielbereich aufgehoben, die Metapher ist somit nicht deutbar (vgl. Skirl/Schwarz-Friesel 2007, 199). Ob es solche Metaphern überhaupt gibt, ist m. E. höchst fraglich, ebenso welche Funktion ihnen zugesprochen werden könnte, wenn vor dem Hintergrund der kognitiven Metapherntheorie mittels Metaphern abstrakte Domänen mental verfügbar gemacht werden sollen. Aus diesem Grund wird auch diese Metaphernart nicht in die weiteren Überlegungen miteinbezogen.

[15] Christa Baldauf gibt an, dass früher wörtliche Sprache oft mit „normaler“ Sprache gleichgesetzt wurde (vgl. Baldauf 1997, 84 f.). Dies würde aber bedeuten, dass jene lexikalisierten Metaphern, deren metaphorischer Gehalt den Sprachteilnehmern nicht mehr bewusst ist und die somit als „normal“ angesehen werden, nicht mehr zu den Metaphern zählen. Daher wird unter wörtlicher Sprache eine „Sprache mit unmittelbarer Bedeutung, die keine Art der Bedeutungsübertragung beinhaltet“ (ebd., 85), verstanden. Jäkel weist zudem darauf hin, dass Lakoff/Johnson lexikalisierte Metaphern auch als wörtliche Metaphern bezeichnen. Dies sollte keinesfalls übernommen werden, da die Unterscheidung zwischen wörtlich und metaphorisch für jede Metaphernanalyse notwendig ist (vgl. Jäkel 2003, 42-44).

[16] Unter Remetaphorisierung wird die Verwendung einer lexikalisierten Metapher innerhalb ihres wörtlichen Kontextes verstanden.

[17] Skirl/Schwarz-Friesel weisen darauf hin, dass die Unterscheidung zwischen kreativen und innovativen Metaphern in der Realität problematisch ist. So kann ein einzelner Sprachteilnehmer eine Metapher nie vor dem Hintergrund aller existierenden konzeptuellen Metaphern beurteilen. Es ist also durchaus möglich, dass einige unkonventionelle Metaphern von einem Sprachteilnehmer als innovativ angesehen werden, obwohl sie „nur“ kreativ sind (vgl. Skirl/Schwarz-Friesel 2007, 32).

[18] Selbst für Linguisten bedarf es m. E. einer konzentrierten Textanalyse, um alle festen Metaphern zu erkennen.

[19] Auch bei den festen Metaphern ist das Kooperationsprinzip von Bedeutung: Da der Sender verstanden werden will, wird der Empfänger eine für den Kontext sinnvolle Lesart – wörtlich oder metaphorisch – aus dem mentalen Lexikon auswählen.

[20] Letzteres meint, dass in fiktionalen Texten, wie Märchen oder Science-Fiction-Romanen, durchaus ein wörtliches Verständnis der Lexeme gemeint sein kann, da diese Welten einer anderen Wirklichkeit folgen als der unseren (vgl. de Knop 1987, 23; Skirl 2008, 19). Da in dieser Arbeit die Fußballberichterstattung, also keine fiktionalen Texte, untersucht wird, kann innerhalb des Textkorpus nicht von einer solchen wörtlichen Lesart ausgegangen werden. Daher wird auch nicht weiter auf diese Phänomene eingegangen.

[21] Skirl/Schwarz-Friesel geben an, dass einige Produzenten explizite Hinweise liefern, um dem Rezipienten das Erkennen von Metaphern zu erleichtern. So gibt es sprachliche Hinweise, wie bildlich gesprochen, um eine Metapher zu verwenden, im übertragenen Sinn, und Zusätze, wie so eine Art, sozusagen, gewissermaßen. Außerdem können auch graphische Mittel genutzt werden, wie die Kursivschrift oder das Setzen der Metapher in Anführungszeichen (vgl. Skirl/Schwarz-Friesel 2007, 54 f.). Die Suche nach solchen Hinweisen ist aber kaum geeignet, um Aussagen darüber zu treffen, ob eine Metapher vorliegt oder nicht. Zum einen werden solche oder ähnliche Hinweise nicht von allen Produzenten genutzt – die graphischen Mittel können ohnehin nur auf geschriebene Sprache angewendet werden –, zum anderen werden auch ähnliche sprachliche Mittel, wie die Ironie (vgl. Kap. 2.4), teilweise in Anführungszeichen o. Ä. gesetzt.

[22] De Knop verwendet die Bezeichnungen Metaphorisiertes und Metaphorisierendes statt Herkunfts- und Zielbereich. In Anlehnung an die Kognitive Metapherntheorie wurden die Begriffe allerdings angepasst.

[23] Wenn der Zielbereich nicht über den Kontext erschließbar ist, stellt sich die Frage, ob die Metapher dann überhaupt gedeutet werden kann, womit wiederum das Problem der absoluten Metaphern aufgegriffen wird, deren Existenz bereits zuvor als äußerst strittig angesehen wurde.

[24] Siehe dazu Kapitel 2.2.2.

[25] Dazu gehören Darstellungen wie die von Ortony 1979 (vgl. Kap. 2.2.2).

[26] Viele linguistische Untersuchungen beziehen sich in erster Linie nur auf die Vergleichspartikel und machen die anderen sprachlichen Signale nicht explizit (vgl. Müller 1984, 11; Hahnemann 1999, 8; Skirl/ Schwarz-Friesel 2007, 14), dies ist aber eindeutig zu kurz gefasst.

[27] Als Beispiel hierfür ist Stassen (1985) zu nennen. Da eine solche Einteilung der Vergleiche für diese Arbeit aber keinen Nutzen darstellt, wird auf eine genauere Beschreibung dieser bzw. ähnlicher Versuche verzichtet. Einen kurzen Überblick über die wohl einschlägigsten Beiträge gibt Hahnemann 1999, 4-6.

[28] Während diese beiden Arten sinnstiftend sind, macht Ortony noch eine dritte Gruppe auf. So schreibt er: „It is preferable to think in terms of three components of similarity statements: the literal, the nonliteral (or metaphorical), and the anomalous” (Ortony 1979, 164). Diese anomalen Vergleiche erfüllen keine kommunikativen Funktionen und verletzen das Kooperationsprinzip nach Grice (vgl. ebd., 165). Somit erinnern sie stark an die absoluten Metaphern und werden daher innerhalb dieser Arbeit ausgeklammert.

[29] Mittels der Schema-Theorie (ausführlich dazu Kap. 3) könnte man auch feststellen, dass beide Dinge dem gleichen Schema angehören.

[30] Salienz kann nach Ortony definiert werden “in terms of subjects' estimates of the prominence of a particular attribute with respect to a concept to which it does or could apply, although other (presumably highly correlated) measures, such as frequency or order of mention in an elicitation task, might do just as well.” (Ortony 1979, 162)

[31] Anders als bei vielen Metaphern wird bei den Similes der Zielbereich bzw. der sprachliche Ausdruck, der dem Zielbereich zuzuordnen ist, in der Regel direkt erwähnt (vgl. Kohl 2007, 74), was die Rekognition und somit auch die Interpretation vereinfacht.

[32] So existieren auch Similes, die in phraseologischen Wörterbüchern u. Ä. verzeichnet sind, also als lexikalisiert gelten können, wie reden wie ein Wasserfall, lügen wie gedruckt, ein Gesicht haben wie drei/ sieben/ vierzehn Tage Regenwetter.

[33] Einschränkend zu den in diesem Kapitel getroffenen Neuerungen ist zu sagen, dass es sich um theoretische Annahmen handelt, die erst anhand von empirischen Untersuchungen bestätigt werden müssen. Die in dieser Arbeit noch vorzustellende Analyse der Printmedientexte soll dazu ein erster Schritt sein. Wird dabei also festgestellt, dass konzeptuelle sprachliche Bilder vorliegen, die sowohl durch Metaphern als auch durch Similes auf sprachlicher Ebene belegt werden können, kann diese These höchstwahrscheinlich als bestätigt gelten. Selbst wenn dies in dieser Untersuchung nicht vorliegt, muss die Annahme nicht verworfen werden, da das Textkorpus nur einen Teil aller sprachlichen Bilder abdeckt.

[34] Dankert weist darauf hin, dass der kommunikative Rahmen von Bertaus Ausführungen auch erweitert und auf Texte im Allgemeinen angewendet werden kann. Lediglich die im Folgenden noch beschriebene phatische und sozial-regulative Funktion ist vorrangig dem Mündlichen zuzuordnen (vgl. Dankert 2007, 35). Es sei daher angemerkt, dass hier zwar Bertaus Bezeichnungen „Hörer“ und „Sprecher“ übernommen werden, diese aber eher allgemeiner als „Sender“ bzw. „Empfänger“ zu verstehen sind.

[35] Bertau nennt als Beispiel hierfür die Flüsterwitze im Dritten Reich (vgl. ebd.).

[36] Auf die Merkmale und Besonderheiten der Gruppensprachen wird hier nicht eingegangen.

[37] Bertau leitet diese Funktion von folgenden Leistungen ab: Schaffen von Intimität, Spielfreude, Erzeugen eines tieferen Verständnisses des vom Sprecher Gemeinten, Schaffen einer Gemeinschaft (vgl. ebd.).

[38] Die dazu gehörigen Leistungen sind die Behebung eines Mangels und die Beschreibung sowie das Verstehen schwer fassbarer oder unbekannter Dinge (vgl. Bertau 1996, 233).

[39] Diese Funktion resultiert aus der Selbsterklärung, dem Beschreiben und Verstehen schwer fassbarer oder unbekannter Inhalte, der erhöhten Merkfähigkeit sprachlicher Bilder, der Lenkung der Aufmerksamkeit auf bestimmte Erfahrungen und der Konstruktion einer Realität (vgl. Bertau 1996, 233).

[40] Diese Funktion begründet Bertau mit der Leistung des Verständlichmachens schwer verständlicher Inhalte (vgl. ebd.).

[41] Die dazugehörigen Leistungen sind die der Argumentation, der aggressiven Durchsetzung von Interessen oder Ideologien und die der Persuasion (vgl. ebd.).

[42] Die sozial-regulative Funktion ergibt sich aus folgenden Leistungen: Selbsterklärung, Erzeugen eines tieferen Verständnisses des vom Sprecher Gemeinten, Spielfreude, Darstellung der eigenen Person, Ausdruck der sozialen Zugehörigkeit, Höflichkeit, Tabuisierung und Euphemisierung, Konstruktion einer Realität sowie Subversität (vgl. ebd., 234 f.).

[43] Auch diese Funktion lässt sich aus den von Bertau verzeichneten Leistungen erschließen, weshalb es umso mehr verwundert, dass sie diese nicht mit aufnimmt. In erster Linie ergibt sie sich aus der Spielfreude, aber auch aus der Lenkung der Aufmerksamkeit, der Selbsterklärung, der Darstellung der eigenen Person, dem Ausdruck der sozialen Zugehörigkeit und der Persuasion.

Die Unterhaltungsfunktion trägt aufgrund ihrer Effekte sicher auch zur Konstitution des Textstils bei, daher kann sie ebenso auch zu den textinternen Funktionen gezählt werden (vgl. Dankert 2007, 35 f.). Da hier das Augenmerk allerdings auf die eigentliche Unterhaltung und nicht, wie bei Dankert, auf den ästhetischen Reiz gelegt wird, wird diese Funktion den textexternen zugeordnet.

[44] Auf eine Diskussion der unterschiedlichen Kohärenzbegriffe in der linguistischen Forschung wird verzichtet, da dies zu umfangreich und für diese Arbeit wenig sinnvoll wäre. Einen Überblick über die verschiedenen Bestimmungen des Kohärenzbegriffes gibt Rickheit (vgl. Rickheit 1991, 7-21).

[45] Zum Schemabegriff siehe Kapitel 3.

[46] Auch Dankert bezieht sich nur auf die Metaphern, nicht aber auf die Similes.

[47] Die Liste der hier aufgeführten Metonymien ist nicht erschöpfend, die konzeptuellen Bereiche können auch anders benannt werden (vgl. Ottmers 1996, 174 f.; Ludwig 2005, 203). Dies ist ein Problem, dass auch bei der Rekonstruktion der konzeptuellen sprachlichen Bilder aus dem Sprachmaterial auftritt (ausführlicher dazu Kap. 5.2).

[48] Einige betrachten die Synekdoche als eigenständiges sprachliches Mittel (vgl. Ottmers 1996, 175). „In der neueren, besonders der angelsächsischen Literatur besteht [jedoch] die Tendenz, den Unterschied zwischen Metonymie und Synekdoche zu vernachlässigen und beide unter dem Terminus Metonymie zu fassen.“ (Ludwig 2005, 203)

[49] Die Verwendung von Ironie in der Sportberichterstattung erscheint mir eher ungewöhnlich. Daher wird dieses sprachliche Mittel auch nur kurz erläutert.

[50] Solche Hinweise scheinen aber wenig geeignet, um die sprachlichen Mittel eindeutig voneinander zu unterscheiden. So wurde bereits kritisch geäußert, dass Skirl/Schwarz-Friesel darauf verweisen, dass auch Metaphern durch das Setzen in Anführungszeichen erkannt werden können (vgl. Skirl/Schwarz-Friesel 2007, 54 f.).

[51] Es existieren noch weitere sprachliche Mittel, die Gemeinsamkeiten mit den sprachlichen Bildern aufweisen (vgl. Kohl 2007, 73-105 u. a.). Allerdings werden diese nicht innerhalb der Sportberichterstattung vermutet und daher auch nicht in dieser Arbeit aufgeführt.

[52] Lars von Karstedt bezeichnet dies als konzeptuellen Partikularismus, da häufig die Begriffsbegründer die einzigen sind, die diese Bezeichnung auch nutzen (vgl. Karstedt 2003, 301).

[53] Erstmals ist der Schemabegriff bei Otto Selz (1913) zu finden (vgl. Dutke 1994, 23). Fälschlicherweise wird er oft Henry Head (1920) oder auch Frederic C. Bartlett (1932) zugeschrieben (vgl. ebd., 24; Moser 2000, 12; Matthes 2004, 546).

[54] Einige Personen, Objekte oder Ereignisse widersetzen sich dennoch der Zuordnung zu Schemata. Entweder kommt es dann zur Bildung eines neuen Schemas (ausführlicher zu den einzelnen Arten der Entstehung von Schemata: Matthes 2004, 548), was als top-down-Verarbeitung bezeichnet wird, oder die Information wird als Einzelfall gespeichert, da keine gemeinsamen Attribute zu anderen Personen, Objekten oder Ereignissen festgestellt werden konnten. Dies wird als bottom-up-Verarbeitung bezeichnet (vgl. Brosius 1991, 287).

[55] Bei einigen Slots sind unterschiedliche Werte möglich, so wäre beim „Material“ auch „Kautschuk“ denkbar, da daraus die Gummiblase des Balls besteht. Peter Winterhoff-Spurk/Roland Mangold verweisen darauf, dass verschiedenen Menschen unterschiedliche Werte nennen, diese subjektiven Wahrscheinlichkeiten aber bislang in der Forschung noch nicht berücksichtigt wurden (vgl. Winterhoff-Spurk/Mangold 1985, 5 f.).

[56] Die Liste dieser Slots ist nicht vollständig, sie soll nur einen exemplarischen Eindruck vermitteln.

[57] Es ist nicht ganz klar, ob Dankert unter Verlängerung die bloße Nachspielzeit oder eine tatsächliche Verlängerung versteht. Letztere erfolgt nur bei sogenannten K.-o.-Spielen, wenn nach der regulären Spielzeit ein Unentschieden vorliegt, nicht aber in Gruppenphasenspielen oder der Bundesliga. Dann müsste die Verlängerung aber auch das Elfmeterschießen mit einbeziehen, sofern innerhalb dieser kein Sieger gekürt werden konnte.

[58] Zu diesem Skript gehören natürlich auch verschiedene Objektschemata, wie der Fußball, die einzelnen Akteure auf dem Feld, das Stadion etc. Dies scheint m. E. aber auf alle Ereignisschemata zuzutreffen, so gehören zum häufig genannten Restaurantskript auch Kellner, eine Speisekarte, Lebensmittel etc.

[59] Křenková gibt einen kurzen Überblick über die unterschiedliche Behandlung der Sportsprache in der Literatur (vgl. ebd., 50-53). Die Sportsprache als Standessprache aufzufassen, erscheint mir wenig sinnvoll, da die Betreffenden allen Schichten und Berufen angehören. Ebenso verhält es sich mit der Gruppensprache, da keine sozial definierte Gruppe die jeweilige Sportsprache verwendet (vgl. Vollmert-Spiesky 1996, 3; Křenková 2002, 53). Die Zuordnung zum Jargon würde zu kurz fassen, wie noch in Kapitel 4.1.1 zu zeigen sein wird.

[60] Auffassungen, wie die von Sabine Vollmert-Spiesky und Monika Fingerhut, dass die Sportsprache der Sondersprache zuzuordnen ist, da sie sowohl Merkmale von Fach- als auch Gruppensprachen aufweist (vgl. Fingerhut 1991, 63; Vollmert-Spiesky 1996, 3), erscheint mir auch plausibel, wird hier aber nicht weiter verfolgt.

[61] Darunter ist die Verständigung zwischen Fachleuten über ein bestimmtes Fachgebiet gemeint.

[62] Schmidt bezieht damit auf die hohe Anzahl von Nomina in fachsprachlichen Texten.

[63] Es werden eindeutig definierte Fachwörter verwendet, die keine Mehrdeutigkeiten zulassen.

[64] Innerhalb einer Fachsprache sind die Termini eindeutig definiert, außerhalb dieser büßen sie in der Regel ihre Genauigkeit ein.

[65] Die Zuordnung von Signifikat und Signifikant ist umkehrbar eindeutig, es existieren also weder Homonymie noch Synonymie.

[66] Die Benennung soll möglichst durch sich selbst schon die Definition ausdrücken. Schmidt räumt aber ein, dass dies schwierig ist, da es zu unbrauchbaren Benennungen führt.

[67] Es existieren Begriffsnetze. Diese sollten nach Möglichkeit auch in den Benennungen zum Ausdruck kommen.

[68] Die Ausdrücke sollen möglichst knapp, d. h. ökonomisch, sein.

[69] Fachsprachen weisen in der Regel eine schlichte und klare Darstellung auf.

[70] Fachsprachen sind größtenteils wertneutral. Diese Tendenz trifft allerdings nicht auf alle Fachsprachen zu, Ausnahmen bilden beispielsweise die der Kunst, der Politik oder der Philosophie.

[71] In der Forschungsliteratur sind auch Unterteilungen nach semantischen Kriterien zu finden. So unterscheidet Schneider nach Fachvokabular, Substitution, Umdeutung, Fremdwortkombination und Metaphern (vgl. Schneider 1979 nach Křenková 2002, 63 f.). Eine solche Einteilung ist in mehrerer Hinsicht problematisch: So ist nicht ersichtlich, welche Unterschiede zwischen der Substitution und der Metapher bestehen. Des Weiteren ist nicht klar, warum zwischen Fachvokabular und Fremdwortkombination unterschieden wird, da ein großer Teil des Fachvokabulars auf Fremdwörtern basiert. Auch die Umdeutung, d. h. die Übernahme von Fachbegriffen aus einer Sportart in eine andere, kann Fremdwörter ebenso wie Metaphern enthalten. Diese fünf Kategorien weisen also derart viele Überschneidungen auf, dass eine solche Unterteilung stark in Frage gestellt werden muss. Ähnliche Probleme werden noch in Kapitel 4.3 dargestellt.

[72] In älteren Arbeiten wird oft noch von einer Zweiteilung der Sportsprache in Fachsprache und Jargon ausgegangen (vgl. Dankert 1969, 21-32).

[73] Rainer Küster grenzt die Sprache der Fans als eigene Kategorie ab (vgl. Küster 2009, 65). Dies erscheint mir allerdings wenig nachvollziehbar, da die Zuschauer in der Regel über das gleiche Vokabular wie die übrige Sportgemeinschaft verfügen.

[74] Bei den Reportagen kann man zwischen Ganzreportagen, in denen der Reporter das gesamte Sportereignis begleitet, und Ausschnittsreportagen unterteilen (vgl. Jürgens 1998, 94 f.). Erstere kommen heute kaum noch vor. Bei Letzteren ist vor allem die deutschlandweite, samstägliche Konferenzschaltung der Spiele der 1. Fußballbundesliga auf den öffentlich-rechtlichen Sendern bekannt (vgl. Schwier/Schauerte 2007, 206; Zubayr 2007, 56). Seit den 90er Jahren ist dies der Haupttyp der Hörfunkreportagen (vgl. Jürgens 1998, 95).

[75] Da die Reportsprache eine Vermischung aus Fachterminologie und Fachjargon darstellt (vgl. Burkhardt 2006 a, 63), gelten viele Besonderheiten auch für diese Kategorien der Sportsprache. Inwieweit diese aber genau übertragen werden können, ist nicht Gegenstand dieser Arbeit.

[76] Hans Dieter Kroppach (1970), Werner R. Riek (1978) und Jürgen Schäfer (1989) beschäftigen sich ausführlich mit den syntaktischen Besonderheiten der Sportpresse, zur Morphologie ist u. a. Heinz-Helmut Lüger (1995) zu erwähnen.

[77] Dankert (2007) betrachtet beispielsweise nur Okkasionalismen, Křenková (2002) die Phraseologismen, Küster (2009) und Kasra Samii (2006) nur die Metaphern.

[78] Darunter versteht Burkhardt die Verwendung von basalen Verben und Substantiven mit einer abstrakten Bedeutung, obwohl semantisch konkrete, eindeutige Wörter vorliegen, wie Ding für Ball, kommen für verstärkt angreifen und reinmachen für ein Tor schießen (vgl. Burkhard 2006, 62 f.).

[79] Innerhalb der empirischen Untersuchung sollten diese Wortfelder dann auch bestätigt werden können. Demnach sind konzeptuelle sprachliche Bilder wie FUßBALL IST EMOTION, FUßBALL IST KAMPF/GEWALT, FUßBALL IST (SCHAU)SPIEL/PROFIT, FUßBAL IST LEISTUNG/TECHNIK denkbar.

[80] Diese Erkenntnis ziehe ich zum einen aus den Verfassernamen der ausgewählten Artikel, zum anderen aus persönlichen Erfahrungen, die ich bei Praktika in Sportredaktionen sammeln konnte.

[81] Bislang fehlen m. E. Untersuchungen dazu, ob überhaupt Unterschiede in der sprachlichen Gestaltung zwischen Zeitungen und Zeitschriften vorliegen.

[82] Wie bereits in Kapitel 4.2.1.2 gezeigt wurde, finden sich vor allem in neuerer Zeit kaum noch prototypische (Nach)berichte, sondern eher Vermischungen mit Interviews, Kommentaren etc. Hier wurde dann jener Artikel ausgewählt, der am ehesten den Merkmalen eines (Nach)berichts entspricht. Da sich aber vor allem zur Weltmeisterschaft 1954 in der Regel nur Nachberichte in beiden Zeitungen finden lassen, kam eine andere Textsorte für die Untersuchung nicht in Frage.

[83] Für die Weltmeisterschaft 1954 liegen 12 Artikel vor, nämlich jene zu den drei Gruppenspielen, zum Viertel-, Halb- und dem Finale (vgl. http://www.weltfussball.de/alle_spiele/wm-1954-in-der-schweiz/). Für die Weltmeisterschaft 1974 ergeben sich 14 Artikel, nämlich jene zu den drei Gruppenspielen in der ersten Finalrunde, zu den drei Gruppenspielen in der zweiten Finalrunde und zum Finale (vgl. http://www.weltfussball.de/alle_spiele/wm-1974-in-deutschland/). Ebenfalls 14 Artikel werden für die Weltmeisterschaft 1990 untersucht. Der Spielmodus hier entspricht dem von 1954, allerdings wurden 1990 auch Achtelfinalspiele ausgetragen (vgl. http://www.weltfussball.de/alle_spiele/wm-1990-in-italien/). Für die Weltmeisterschaft 2010 liegen schließlich auch 14 Artikel vor. Der Spielmodus ist mit dem von 1990 identisch (vgl. http://www.weltfussball.de/alle_spiele/wm-2010-in-suedafrika/).

[84] Baldauf schlägt daher vor, nach abstrakten Subkonzepten zu suchen. Diese charakterisieren verschiedene, größere Erfahrungsbereiche (vgl. ebd., 253). Auf eine genauere Erklärung dieser Subkonzepte wird in dieser Arbeit verzichtet. Eine Einbeziehung dieser könnte unter Umständen nämlich dazu führen, dass nicht mehr die Frage beantwortet wird, wie der Fußball konzeptualisiert wird, sondern wie diesem übergeordnete Bereiche mental verfügbar gemacht werden. Dies ist aber nicht das Ziel meiner Untersuchung.

[85] Die Tokenfrequenz, auch Gebrauchsfrequenz genannt, bezeichnet das konkrete Vorkommen sprachlicher Einheiten. Demgegenüber meint die Type- bzw. kategorielle Frequenz die Anzahl der verschiedenen Lexeme.

[86] So ist beispielweise das Kompositum Defensiv-Zweikämpfe als doppelter Beleg für den Bildbereich KAMPF/KRIEGSWESEN zu zählen, da sowohl die Defensive als auch der Zweikampf diesem zuzuordnen sind. Es existieren auch Zusammensetzungen, die unterschiedlichen Ursprungsbereichen angehören, wie der Strafstoß, bei dem die Strafe dem RECHTSWESEN, der Stoß dem KAMPF/KRIEGSWESEN angehört.

[87] Häufig wird z. B. ein Tor als Lohn für die Bemühungen eines Spielers verstanden. Das Lexem Lohn besitzt u. a. die Bedeutung „etw., womit man für eine Leistung, Mühe o. Ä. entschädigt wird“ (Dudenredaktion 2011, 1132). Somit ist dieses sprachliche Bild zwar nicht eindeutig der Fachsprache des Fußballs oder Sports zugeordnet, die Bedeutungen stimmen aber überein, weshalb es als fest angenommen wird.

[88] Z. B. ist der Bunte-Liga-Treffer nicht in Dudenredaktion 2011 verzeichnet, dafür aber der Treffer, weshalb dieses Kompositum in die Untersuchung mit eingeht.

Details

Seiten
327
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656305095
ISBN (Buch)
9783656306238
Dateigröße
26.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v203399
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Institut für Germanistik
Note
1,0
Schlagworte
Sprachliche Bilder Metapher Vergleich Sportberichterstattung Printmedien Fußball Lakoff/Johnson Ortony diachron

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Titel: Von "Ballkünstlern" und "Zweikämpfen"