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Der Nachhaltigkeitsbegriff und die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Energieversorgern

Eine ökonomische Analyse

Masterarbeit 2012 104 Seiten

VWL - Umweltökonomie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung und Problemstellung

2 Gebrauchskategorien des Nachhaltigkeitsbegriffes
2.1 Entwicklung des Nachhaltigkeitsbegriffes bis heute
2.2 Gebrauchskategorien nach Perman
2.3 Starke und schwache Nachhaltigkeit
2.4 Drei-Säulen-Modell
2.5 Nationale Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung
2.6 Zusammenfassung der verschiedenen Gebrauchskategorien
2.7 Matrix der definierten Gebrauchskategorien

3 Der Nachhaltigkeitsbegriff in den Nachhaltigkeitsberichten der Energieversorger
3.1 Gegenstand der Untersuchung
3.2 Theorie der Nachhaltigkeitsberichterstattung
3.2.1 Zielgruppen der Energieversorger
3.2.2 Motive zur Nachhaltigkeitsberichterstattung
3.2.3 Der Leitfaden der Global Reporting Initiative
3.3 Gebrauchskategorien in den Nachhaltigkeitsberichten
3.3.1 E.ON
3.3.2 RWE
3.3.3 EnBW
3.3.4 Vattenfall
3.3.5 Zusammenfassung der Ergebnisse

4 Fazit und Ausblick

5 Anhang

6 Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Handlungsfelder und Indikatoren der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie (eigene Darstellung)

Abbildung 2: Ausgangsmatrix der definierten Gebrauchskategorien (eigene Darstellung, nach Hensel 2010, S. 301)

Abbildung 3: Verhältnis der Nachhaltigkeitsberichterstattung zur nachhaltigen Entwicklung (Quelle: Loew 2006, S. 10 ff., eigene Darstellung)

Abbildung 4: Energiemix in Deutschland 2009 (Quelle: BMWi 2010, S. 21, eigene Darstellung)

Abbildung 5: Motive zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (eigene Darstellung)

Abbildung 6: Kongruenzanalyse des Nachhaltigkeitsbegriffs bei E.ON

Abbildung 7: Häufigkeit der verwendeten Gebrauchskategorien bei E.ON (in Prozent)

Abbildung 8: Kongruenzanalyse des Nachhaltigkeitsbegriffs bei RWE

Abbildung 9: Häufigkeit der verwendeten Gebrauchskategorien bei RWE (in Prozent)

Abbildung 10: Kongruenzanalyse des Nachhaltigkeitsbegriffs bei EnBW

Abbildung 11: Häufigkeit der verwendeten Gebrauchskategorien bei EnBW (in Prozent)

Abbildung 12: Kongruenzanalyse des Nachhaltigkeitsbegriffs bei Vattenfall

Abbildung 13: Häufigkeit der verwendeten Gebrauchskategorien bei Vattenfall (in Prozent) 57 Abbildung 14: Häufigkeit der verwendeten Gebrauchskategorien insgesamt (in Prozent)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Auszug aus den Indikatoren und Zielen der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie (Quelle: Die Bundesregierung 2012, S. 34, eigene Darstellung)

1 Einleitung und Problemstellung

Seit den 1980er Jahren beschäftigt sich die Ökonomie, im genaueren der Forschungszweig der ökologischen Ökonomie, mit der Frage, wie Nachhaltigkeit definiert ist und was der Begriff umfassen sollte. Im Allgemeinen ist es das Ziel dieses Forschungszweiges knappe Ressourcen effizient zu nutzen (vgl. Döring 2004, S. 2). Ökonomen sind sich hingegen uneinig, wie diese knappen Ressourcen effizient genutzt werden können und ob Substitutionen zwischen mensch-gemachtem und natürlichem Kapital zulässig sind (vgl. Solow 1974a, Perman 2003).

Nachhaltigkeit wird auch in der Wirtschaft immer wichtiger, da die zunehmende Verknappung von Ressourcen sowie steigende Umweltregulierungen dazu führen, dass Unternehmen immer effizienter und kostenorientierter wirtschaften müssen. Im Besonderen stehen Energieversorger unter dem ständigen Druck, die Versorgung mit Energie gleichzeitig umweltverträglich und preiswert sicherzustellen, aber dabei zunehmend auf traditionelle Energieträger, wie Kohle und Gas, zu verzichten (vgl. Gebauer 2010, S. 90). Besonders wichtig sind die Aspekte der Stromproduktion, da sowohl Treibhausgas- als auch Schadstoffemissionen gesenkt werden sollen, die vor allem durch die Verbrennung von Kohle entstehen. Emissionen aus dieser Energiequelle machen mittlerweile ca. 50 Prozent des CO2 - Ausstoßes in Deutschland aus (vgl. Gebauer 2010, S. 91).

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung hat sich in den Unternehmen in den letzten Jahren immer weiter durchgesetzt und gilt heute als ein wirksames Mittel, um über deren Nachhaltigkeitsziele und -strategien zu berichten. Immer mehr Unternehmen stellen fest, dass sich auch wirtschaftliche Vorteile aus der Nachhaltigkeitsberichterstattung und der Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit realisieren lassen, wodurch die Bereitschaft steigt, Zeit und Ressourcen in die Berichterstattung zu investieren (vgl. KPMG 2011b, S. 25). Die Vorteile die entstehen sind vielfältig. Einerseits können die Unternehmen ihre Reputation erhöhen und dadurch möglicherweise neue Kunden gewinnen. Andererseits entstehen dadurch auch direkte monetäre Vorteile, da Kunden, die sogenannten „Ökostrom“ oder „grünen Strom“ beziehen wollen, eine höhere Zahlungsbereitschaft aufweisen. Dementsprechend können Unternehmen durch das Anbieten dieser Produkte mehr Umsatz erwirtschaften. Für die Umwelt entstehen ebenso Vorteile, da natürliche Ressourcen geschont werden (vgl. BMU 2008, S. 3).

Inwieweit sich die Energieversorger bisher mit den Konsequenzen ihres Wirtschaftens und den daraus resultierenden Auswirkungen auf die Umwelt auseinandergesetzt haben und wie sie den Begriff der Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmen definieren, wird in dieser Arbeit untersucht. Die folgende Forschungsfrage wird hierbei beantwortet:

Welche Anwendung findet der Nachhaltigkeitsbegriff in den Nachhaltigkeitsberichten von Energieversorgern?

Zur Beantwortung dieser Frage werden zunächst die zu verwendenden Definitionen des Nachhaltigkeitsbegriffes, die im Folgenden Gebrauchskategorien genannt werden, im 2. Kapitel erläutert. Es wird auf die Gebrauchskategorien von PERMAN (vgl. Perman 2003), auf starke und schwache Nachhaltigkeit sowie auf das Drei-Säulen-Modell eingegangen. Zusätzlich werden die Gebrauchskategorien behandelt, die in der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung zu finden sind. Für eine bessere begriffliche Abgrenzung der Gebrauchskategorien werden diese anhand ihrer begrifflichen Reichweite und Bestimmtheit kategorisiert und in einer Matrix dargestellt.

Im 3. Kapitel werden zunächst Grundlagen der Nachhaltigkeitsberichterstattung erläutert. Dazu gehört die Betrachtung der Motivation der Unternehmen, Nachhaltigkeitsberichte zu veröffentlichen sowie die relevanten Stakeholder, die ein Interesse an der Veröffentlichung der Berichte haben. Des Weiteren erfolgt die Erläuterung des Leitfadens der „Global Reporting Initiative“ (GRI), der einen de facto Standard für die Nachhaltigkeits- berichterstattung darstellt (vgl. BMU 2009, S. 10) und von allen in dieser Arbeit betrachteten Energieversorgern angewendet wird. In Abschnitt 3.2 wird der Untersuchungsgegenstand genauer abgegrenzt. Die Analyse des Nachhaltigkeitsbegriffes im Abschnitt 3.3 umfasst die Nachhaltigkeitsberichte aus den Jahren 2005 bis 2010 der vier großen Energieversorger E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall. Hierbei werden die Nachhaltigkeitsberichte der Energieversorger auf die Gebrauchskategorien untersucht, die in den Abschnitten 2.2 - 2.5 definiert wurden. Die daraus resultierenden Ergebnisse werden anschließend für jedes Unternehmen separat in die im Abschnitt 2.7 entwickelte Matrix der Gebrauchskategorien abgetragen. Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst, bevor im 4. Kapitel ein Fazit gezogen und ein Ausblick gegeben wird.

2 Gebrauchskategorien des Nachhaltigkeitsbegriffes

„ So I see little point in expanding the collection of fifty sustainability definitions which I made in 1989, to the five thousand definitions that one could find readily today [...]. ”

(Pezzey 1997, S. 448)

Dieses Zitat von PEZZEY verdeutlicht, das bis heute sehr viele verschiedene Definitionen der Nachhaltigkeit bestehen. In den ersten Veröffentlichungen und Diskussionen zu diesem Thema stand lange Zeit vor allem die ökologische Komponente, der Erhalt und die effiziente Nutzung rarer Ressourcen, im Mittelpunkt der Betrachtung. Im Laufe der Zeit wurden immer mehr Gebrauchskategorien definiert und der Begriff erweitert bzw. an die individuellen Bedürfnisse angepasst (vgl. Renn 2007, S. 27). Die Gefahr, durch eine fehlende Spezifikation des Begriffes der Nachhaltigkeit eine belanglose bzw. schwer abzugrenzende Definition zu erhalten, die im schlimmsten Fall keine inhaltliche Bewandtnis mehr hat, stieg durch die zunehmenden Veröffentlichungen zu diesem Thema (vgl. Renn 2007, S. 27).

In diesem Kapitel wird zunächst dargestellt, wie sich der Nachhaltigkeitsbegriff im Laufe der Zeit entwickelt hat, bevor die gängigsten Gebrauchskategorien erläutert werden. Einen Überblick über die verschiedenen Gebrauchskategorien in der Literatur gibt dabei die Einteilung nach PERMAN im Abschnitt 2.2. In den Abschnitten 2.3 bis 2.5 werden dann die am häufigsten verwendeten Gebrauchskategorien erläutert, die im Abschnitt 2.6 noch einmal zusammengefasst werden. Im Abschnitt 2.7 werden die verwendeten Gebrauchskategorien dann zueinander abgegrenzt.

2.1 Entwicklung des Nachhaltigkeitsbegriffes bis heute

Bis weit in das 21. Jahrhundert hinein waren die Menschen der Überzeugung, dass natürliche Ressourcen unbegrenzt verfügbar sind (vgl. Lear 2002, S. 78). Die Natur, dies zeigte sich insbesondere an den Wäldern in Europa, war hingegen schon im 16. Jahrhundert durch eine übermäßige Nutzung bedroht. So entstand der Begriff der Nachhaltigkeit erstmals 1719 im Forstwesen durch Hans Carl von Carlowitz und seiner Schrift „Sylvicultura Oeconomica“ (vgl. Laer 2002, S. 78). Seine Forderung war, dass den Wäldern nur so viel Holz entnommen werden sollte, wie auch im Laufe der Zeit wieder nachwachsen kann (vgl. Schröder 2002, S. 22).

In der Zeit zwischen 1719 und der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde relativ wenig über Nachhaltigkeit geschrieben und berichtet. Seit den 1970er Jahren wurde der Begriff der Nachhaltigkeit wieder aufgegriffen und neu definiert (vgl. Hauff 2009, S. 4). Mit der „Konferenz für menschliche Umwelt“ der United Nations Organization (UNO) in Stockholm im Jahr 1972 wurde die Forderung formuliert, dass der Schutz natürlicher Bestände einen höheren Stellenwert einnehmen muss, damit sich der Mensch in Zukunft nicht der eigenen Lebensgrundlage beraubt (vgl. Rogall 2008, S. 40). Diese Forderung wurde mit der ebenfalls 1972 erschienenen Studie „The Limits to Growth“ von MEADOWS aufgegriffen. Mit Hilfe von Computerberechnungen wurde gezeigt, dass der Ressourcenverbrauch der Menschen innerhalb der nächsten 100 Jahre an die Grenzen stoßen werde und in deren Folge das ökonomische System im 21. Jahrhundert kollabieren würde (vgl. Perman 2003, S. 44). Allerdings wurden ökonomische Faktoren wie die Lernfähigkeit der Menschen oder Substitutionsmöglichkeiten in dem Modell nicht bedacht. Ebenso wurde von einem exponentiellen Wachstum der Weltbevölkerung, des Kapitals und der Umweltverschmutzung ausgegangen, was in der Folge stark kritisiert wurde. Dennoch wurde dadurch erstmals in der breiten Öffentlichkeit über die Höhe des derzeitigen Konsums, die Umweltfolgen und die Auswirkungen dessen auf zukünftige Generationen diskutiert (vgl. Breuel 1999, S. 8 f.).

Die heute bekannteste Definition der Nachhaltigkeit entstand durch die „World Commission on Environment and Development (WCED)“, der sogenannten Brundtland-Kommission1 im Jahr 1987:

“ Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs. ”

(World Commission on Environment and Development 1987, S. 54)

In dieser Aussage der Kommission werden keine genauen Ziele beschrieben, sondern nur angemahnt, dass die Regierungen ökologische und ökonomische Aspekte in ihre Entscheidungen einbeziehen sollen (vgl. Perman 2003, S. 49).

Die Empfehlungen der WCED wurden in der Konferenz in Rio de Janeiro im Jahr 1992 wieder aufgegriffen. Anders als 1987 wurden aber bindende Vereinbarungen getroffen, u. a. die Einführung der Agenda 21. Sie bildet seither das Leitbild für eine nachhaltige Entwicklung in den Ländern (vgl. Breuel 1999, S. 10). Die Agenda 21 beschreibt in 40

Kapiteln Ziele, Maßnahmen und Instrumente, die darauf ausgerichtet sind eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Die beteiligten Regierungen haben sich dazu bereit erklärt, eine nachhaltige Entwicklung in ihren Staaten einzuleiten und zu unterstützen. Es wurde aber keine allgemeingültige Definition für Nachhaltigkeit formuliert, sodass bis heute Kontroversen über die inhaltliche Ausgestaltung nachhaltiger Entwicklung bestehen (vgl. Burschel 2004, S. 22 f.).2

Wie anhand der geschichtlichen Entwicklung zu sehen ist, ist der Begriff der Nachhaltigkeit sowohl in seiner Reichweite als auch in seiner inhaltlichen Ausgestaltung vielfältig. Neben den nachfolgend beschriebenen Gebrauchskategorien, wird das Adjektiv „nachhaltig“ auch durch den Duden als: „ sich auf l ä ngere Zeit stark auswirkend “ (Duden 2011) beschrieben. Während sich die ökologische Definition der Nachhaltigkeit im Duden eng an der Erhaltung natürlicher Ressourcen orientiert3, ist der Begriff „nachhaltig“ sehr allgemein gefasst. Andere, gängige Gebrauchskategorien sollen in den nächsten Abschnitten beschrieben werden.

2.2 Gebrauchskategorien nach Perman

PERMAN (vgl. Perman 2003) gibt in seinen Veröffentlichungen einen Überblick über die Ausgestaltung des Nachhaltigkeitsbegriffes in der Literatur. Die ersten beiden Gebrauchskategorien die bei PERMAN definiert werden, nehmen einen ökonomischen, die darauffolgenden drei eher einen ökologischen Blickwinkel auf Nachhaltigkeit ein. Die letzte definierte Gebrauchskategorie in diesem Abschnitt zeigt einen politischen Ansatz (vgl. Perman 2003, S. 97).

Nachhaltigkeit als konstanter Nutzen oder Konsum

In dieser Gebrauchskategorie werden zwei Konzepte unterschieden. Das Ziel des ersten Konzeptes ist die Erhaltung eines konstanten Nutzens, im zweiten Konzept soll ein konstanter Konsum erreicht werden. Diese beiden Konzeptionen bilden eine gemeinsame Gebrauchs- kategorie, da sie im Ergebnis sehr ähnlich sind (vgl. Perman 2003, S. 53). Das folgende Zitat zeigt die Kernaussage dieser Gebrauchskategorie:

“ The sustainability criterion suggests that, at a minimum, future generations should be left no worse off than current generations. ” (Tietenberg 1984, S. 33)

Während Autoren wie PEZZEY und SOLOW (vgl. Solow 1992) davon ausgehen, dass der Nutzen über die Zeit konstant bleiben muss, gehen andere Autoren, wie HARTWICK, von einem konstanten Konsum aus (vgl. Hartwick 1977, S. 970 ff.).

HARTWICK untersuchte, welche Bedingungen erfüllt sein müssen um einen konstanten Konsum zu erreichen. Dies wurde in der sogenannten Hartwick-Regel formuliert. Um einen gleichbleibenden Konsum zu bewahren, muss nach dieser Regel eine konstante Rate an Ersparnissen oder Investitionen eingehalten werden (vgl. Hartwick 1977, S. 972). Nach HARTWICK entsteht Nachhaltigkeit dann, wenn alle Erlöse und Renten aus nicht- erneuerbaren Ressourcen in reproduzierbares Kapital investiert werden. Nur dann kann ein konstanter Konsum über eine längere Periode erreicht werden (vgl. Hartwick 1977, S. 972).

Ein Vertreter dieser Gebrauchskategorie, der hingegen von einem konstanten Nutzen ausgeht, ist SOLOW. In seiner Arbeit von 1974 bezieht er sich auf die maximin-Regel von RAWLS. In der von RAWLS 1971 erschienenen „Theory of Justice“ (vgl. Rawls 1999) ist die soziale Wohlfahrt dann maximal, wenn der Nutzen der Ärmsten maximiert wird. Die Gesellschaft muss dabei eine Entscheidung treffen, welcher Nutzenpfad in der Zukunft erreicht werden soll. Wenn die Entscheidung nach der maximin-Regel erfolgt, kann nach diesem Konzept ein konstanter Nutzen erreicht werden (vgl. Solow 1974a, S. 29).4

Bei dem Ansatz der „Nachhaltigkeit als konstanter Nutzen oder Konsum“ ist die Höhe des Ausgangslevels des Konsums bzw. des Nutzens wichtig. Wenn die Konsummöglichkeiten von Beginn an unter einer bestimmten, „lebenswerten“ Grenze liegen (z. B. nur so wenige Ressourcen vorhanden sind um gerade das Überleben zu sichern) sollten eher steigende Konsummöglichkeiten angestrebt werden (vgl. Perman 2003, S. 84). Dieses Konzept ist eher ein ökonomisches. So wird beispielsweise nicht darauf eingegangen, welche Rolle der Erhalt des natürlichen Kapitals in der Produktionsfunktion spielt oder ob eine Substitutions- möglichkeit zwischen verschiedenen Faktoren besteht (vgl. Perman 2003, S. 82 ff.).

Nachhaltigkeit als Aufrechterhaltung von Produktionsmöglichkeiten

Der Ansatz der „Nachhaltigkeit als Aufrechterhaltung von Produktionsmöglichkeiten“ wurde durch SOLOW in seinen späteren Arbeiten entwickelt. So schrieb SOLOW:

“ If sustainability means anything more than a vague emotional commitment, it must require that something be conserved for the very long run. It is very important to understand what that something is: I think it has to be a generalized capacity to produce economic well- being. ” (Solow 1992, S. 167f)

Zwischen den Generationen besteht das sogenanntes „cake-eating-problem“. Dieser Begriff wurde vor allem durch GALE geprägt und bedeutet, dass nur ein fixer Bestand an nicht- erneuerbaren Ressourcen verfügbar ist, der eine natürliche Grenze für die Produktion und den Konsum setzt und gerecht zwischen den Generationen aufgeteilt werden muss (vgl. Gale 1967, S. 6). Eine Substitutionsmöglichkeit zwischen Kapital und anderen Produktionsfaktoren (in diesem Fall den natürlichen Ressourcen) ist nicht möglich. Wenn die natürlichen Ressourcen aufgebraucht sind, sinkt die Produktion und in Folge dessen auch der Konsum auf null. Das Ziel ist es daher, von diesem Ausgangsbestand an nicht-erneuerbaren Ressourcen einen bestimmten Anteil für die kommenden Generationen zu bewahren (vgl. Perman 2003, S. 88).

SOLOW sieht hingegen keine Notwendigkeit die Ressourcen zu bewahren. Seiner Meinung nach besteht eine Substitutionsmöglichkeit zwischen Kapital und anderen Produktionsfaktoren (vgl. Solow 1992, S. 168). Zukünftigen Generationen sollten nach diesem Ansatz keine bestimmten Arten von Ressourcen, sondern produktive Fähigkeiten hinterlassen werden. Sein Argument ist, dass heutige Generationen nicht entscheiden oder wissen können, welche Ressourcen zukünftige Generationen benötigen (vgl. Perman 2003, S. 87). Nachhaltigkeit kann in dem Fall auch dann erreicht werden, wenn das gesamte natürliche Kapital durch mensch-gemachtes Kapital ersetzt wurde.

Problematisch an dieser Art des Wirtschaftens ist, dass Ressourcen ineffizient genutzt werden, da keine Priorität auf einzelne Ressourcen und deren Erhalt gelegt wird (vgl. Eriksson 2010, S. 63). Das Substitutionsproblem zwischen natürlichem und mensch-gemachtem Kapital wird auch durch die folgende Gebrauchskategorie deutlich.

Nachhaltigkeit als Bewahrung des natürlichen Kapitals

Diese Gebrauchskategorie gibt natürlichem Kapital einen anderen Stellenwert als mensch- gemachtem Kapital. Aus natürlichem Kapital kann zwar mensch-gemachtes Kapital hergestellt werden, andersherum ist dies jedoch nicht möglich. Es besteht also keine perfekte Substitutionsmöglichkeit zwischen den Faktoren. Nachhaltigkeit ist in diesem Fall eine Einschränkung, da eine Erhaltung des natürlichen Kapitalstocks eine notwendige Bedingung ist, um die Produktionsfähigkeit aufrechterhalten zu können (vgl. Perman 2003, S. 57).5

MARKANDYA, ein Vertreter dieser Ansicht, sagte:

“ Few attempts have been made to analyze the concept rigorously but the basic idea is that economic development requires a strong policy of protecting the natural resource base — in other words, that the resource base should be maintained intact in some sense, or even enhanced. ” (Markandya 1991, S. 149)

Der Nachteil dieses Konzeptes besteht darin, dass der Bestand an natürlichem Kapital schwer messbar und demnach nicht fehlerfrei zu bestimmen ist. Durch den fehlenden Referenzpunkt ist es schwer einen Ausgangspunkt der Erhaltung zu definieren (vgl. Perman 2003, S. 92).

Diese Gebrauchskategorie ist eine Gegenbewegung zu den Definitionen von SOLOW (vgl. Solow 1974a), die besagen, dass trotz steigendem Wachstum, rare Ressourcen aufgrund von Substitutionsmöglichkeiten keinen limitierenden Faktor darstellen (vgl. Döring 2004, S. 6).

Nachhaltigkeit als Erhaltung eines Ertrages von Ressourcen

In den vorhergehenden Gebrauchskategorien wurde die Erhaltung des Konsums, der Produktionsmöglichkeiten und des natürlichen Kapitals fokussiert. Ziel dieser Gebrauchskategorie ist es, den Ertrag der Ressourcen zu sichern. Wenn mehr aus der Natur entnommen wird als nachwachsen kann, wird der Kapitalstock abnehmen und in Folge dessen der Ertrag aus den Ressourcen sinken (vgl. Perman 2003, S. 92). Der konstante Nutzen ist also nur zu erreichen, wenn nicht mehr aus der Natur entnommen wird, als nachwachsen kann. Diese Erkenntnis wird von TELLER wie folgt formuliert:

„ Die Menschheit sollte von den Zinsen leben, die unsere Erde abwirft, und nicht den unersetzbaren (Natur-)Kapitalstock in wenigen Generationen aufbrauchen. Die Zinsen aber sollte sie gerecht verteilen. “ (Teller 2005, S. 8)

Ein Problem entsteht, wenn nicht-erneuerbare Ressourcen genutzt werden. Diese Ressourcen können sich nicht regenerieren, sodass keine Rate des Ertrags gegeben ist. Um dieses Problem zu umgehen, wird von PERMAN vorgeschlagen, die Gewinne aus dem Abbau dieser Ressourcen zu nutzen, um diese in Substitute zu investieren. So sollten beispielsweise die Erträge, die aus der Nutzung von Ölquellen gewonnen werden, in die Erforschung erneuerbarer Energien, wie Solaranlagen, investiert werden (vgl. Perman 2003, S. 93).

Nachhaltigkeit als Erhaltung eines Minimums an Stabilität und Belastbarkeit des Öko- systems Diese Gebrauchskategorie wird vor allem von Ökologen verwendet. Hierbei geht es um die Beziehung zwischen den verschiedenen Subsystemen des Ökosystems, zudem unter anderem das Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur zählt (vgl. Perman S. 93). Es wird eine ökozentrische Sichtweise eingenommen, d. h. Nachhaltigkeit existiert dann, wenn die vorherrschenden Strukturen des Ökosystems erhalten werden können und der Mensch nicht mehr Rechte (beispielsweise darf er keine Wälder roden, in denen andere Arten beheimatet sind) an der Natur hat, als andere Arten (vgl. Perman 2003, S. 93). Die Ökonomie ist hier auf die Stabilität und den Erhalt des Ökosystems angewiesen. MEADOWS formuliert dieses Konzept wie folgt:

„ Eine nachhaltige Gesellschaft kann ü ber alle Generationen hinweg bestehen; sie ist weitsichtig genug, flexibel genug und weise genug, dass sie ihre eigenen materiellen oder sozialen Existenzgrundlagen nicht untergr ä bt. “ (Meadows 2006, S. 264 f.)

Zurzeit ist es nicht möglich mit Sicherheit zu sagen, ob sich ein Ökosystem nach einem Schock wieder vollständig erholen kann. Viele Autoren, darunter SCHAEFFER, haben versucht Indikatoren zu identifizieren, die Aufschluss darüber geben sollen, ob sich ein Ökosystem nach einem Schock wieder regenerieren könnte. Darunter zählt die Änderungsrate der heimischen Spezies oder auch die Änderungsrate in den Mineralvorkommen (vgl. Schaeffer 1988, S. 448 ff.). Diese Indikatoren bieten aber keine Sicherheit. Laut dieser Gebrauchs- kategorie ist die Menschenheit dazu verpflichtet, die Ökosysteme vor Schocks, beispielsweise ausgelöst durch übermäßige Rodung von Wäldern, zu bewahren (vgl. Eriksson 2010, S. 67).

Nachhaltigkeit als Kompetenz- und Konsensbildung

Diese Gebrauchskategorie ist eine eher politische bzw. institutionelle Betrachtungsweise auf Nachhaltigkeit. Der Blickwinkel konzentriert sich eher auf die Prozesse, um eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen, als auf die Ergebnisse, die aus den Bemühungen um eine nachhaltige Entwicklung entstehen. Vor allem DE GRAAF ist ein Vertreter dieser Ansicht. Seiner Meinung nach kann Nachhaltigkeit nur erreicht werden, wenn man Umweltfaktoren nicht von den anderen politischen und soziokulturellen Faktoren wie der Verminderung von Armut trennt (vgl. de Graaf 1996, S. 214). So schreibt DE GRAAF, dass enge ökologische Standards, die zu Armut und Arbeitslosigkeit führen, eine nachhaltige Entwicklung verhindern werden (vgl. de Graaf 1996, S. 209). Nach WEEKS sind folgende Punkte bei diesem Ansatz besonders relevant:

“ Sustainable development as a means to ensure human well-being, equitably shared by all people today and in the future, requires that the interrelationships between population, resource, the environment and development should be fully recognized, properly managed and brought into harmonious, dynamic balance. ” (Weeks 2012, S. 499) Es muss also ein Konsens gefunden werden, der alle wichtigen Akteure berücksichtigt, da es sonst nicht möglich ist, Nachhaltigkeit zu erreichen (vgl. Eriksson 2010, S. 68). Nach DE GRAAF ist es weder förderlich die Grenzen der Tragfähigkeit der Erde aufzuzeigen, um dann gesetzliche Rahmenbedingungen zu definieren (institutioneller Ansatz), noch ist es zielführend die externen Kosten zu internalisieren (ökonomischer Ansatz). Der institutionelle Ansatz hat die Schwäche, dass die Menschen selbst erkennen müssen, dass die Tragfähigkeit der Erde begrenzt ist. Gesetze können in dem Fall nur einen Anreiz geben. Der ökonomische Ansatz unterliegt der Schwäche, dass der Preismechanismus überschätzt wird, da der Wert der Natur nicht so einfach in monetären Einheiten ausgedrückt werden kann, ist er hier meist nicht wirksam (vgl. de Graaf 1996, S. 208). Laut DE GRAAF sollte das Ziel daher sein, einen Konsens zwischen allen Beteiligten durch Verhandlungen und Aufklärung zu finden.

Die verschiedenen Gebrauchskategorien, die in diesem Kapitel beschrieben wurden, weisen viele Gemeinsamkeiten auf. Darunter fällt die Forderung nach einer intra- und 10 intergenerativen Gerechtigkeit bei der Ressourcenverteilung und damit einer Erhaltung der Ressourcen (vgl. Burschel 2004, S. 17). Unterschiede bestehen aber in der Art der Erhaltung dieser Ressourcen. Einige Autoren sehen den Erhalt des natürlichen Kapitalstocks als notwendig an, um Nachhaltigkeit zu erreichen (darunter DALY (vgl. Daly 2010, S. 14 f.), PEZZEY (vgl. Pezzy 1997, S. 448) und PEARCE (vgl. Pearce 1990, S. 44)), andere hingegen wollen eher eine Aufrechterhaltung der Produktionsmöglichkeiten erreichen (darunter SOLOW (vgl. Solow 1974b, S. 11) und STIGLITZ (vgl. Stiglitz 1974, S. 123)).

Die in den nächsten Abschnitten definierten Gebrauchskategorien stellen weitere Ausprägungen des Nachhaltigkeitsbegriffes dar und werden ebenfalls eine Verwendung in der Matrix der Gebrauchskategorien finden.

2.3 Starke und schwache Nachhaltigkeit

Ein häufig verwendetes Konzept um Nachhaltigkeit zu definieren, ist die Abgrenzung zwischen schwacher und starker Nachhaltigkeit. Ausgangspunkt dieses Modells ist der Kapitalstock, der sich aus natürlichem, mensch-gemachtem und Sachkapital zusammensetzt (vgl. Döring 2004, S. 4). Der Unterschied zwischen diesen Konzepten besteht im Erhalt des Kapitalstocks. Während Vertreter der schwachen Nachhaltigkeit den Erhalt eines grundsätzlich konstanten Kapitalstocks anstreben (egal welche Faktoren sich verändern), wollen Vertreter der starken Nachhaltigkeit den Erhalt bzw. die Konstanz des Kapitalstocks durch die Konstanz der einzelnen Kapitalarten erreichen. Eine Substitution zwischen den Faktoren ist in diesem Fall nicht möglich (vgl. Döring 2004, S. 4). Zwischen den beiden Extremen kann man vielfältige Varianten der Konzepte finden, die im Weiteren, aus Platzgründen, aber nicht näher erläutert werden. Die beiden Konzepte sind eng mit den Definitionen der „Nachhaltigkeit als Aufrechterhaltung von Produktionsmöglichkeiten“ (schwache Nachhaltigkeit) und mit dem Konzept der „Nachhaltigkeit als Bewahrung des natürlichen Kapitals“ (starke Nachhaltigkeit) verbunden (vgl. Abschnitt 2.2). In diesem Abschnitt wird auf die Besonderheiten der Konzepte eingegangen, in der Analyse der Gebrauchskategorien werden sie aber gemeinsam (unter dem Titel schwache und starke Nachhaltigkeit) betrachtet.

Schwache Nachhaltigkeit

Die Theorie schwacher Nachhaltigkeit ist stark vom neo-klassischen Ansatz der Ökonomie geprägt. Der Mensch und die Maximierung seines Nutzens stehen in dieser anthropozentrischen Sichtweise im Mittelpunkt der Betrachtung (vgl. Hauff 2009, S. 24). Dabei gelten die Vertreter dieses Ansatzes als scharfe Kritiker der „Limits of Growth“- Veröffentlichung von MEADOWS (vgl. Meadows 1974). Nach STIGLITZ (vgl. Stiglitz 1974, S. 123) gibt es drei Faktoren, die in der Veröffentlichung „Limits to Growth“ nicht erwähnt worden sind, aber zu einem konstanten Pro-Kopf-Konsum über die Zeit führen können und damit auch die Endlichkeit der natürlichen Ressourcen verhindern. Dies sind der technische Fortschritt, die Möglichkeit natürliches Kapital durch Sachkapital zu substituieren und Skalenerträge. Wobei Skalenerträge eine Änderungsrate des Outputs angeben, wenn die Inputfaktoren Arbeit und Kapital in der Gleichung variiert werden (vgl. Hauff 2009, S. 26).

Zur Analyse des Zusammenhanges wird die Cobb-Douglas-Produktionsfunktion verwendet. In der „Standardvariante“ der Cobb-Douglas-Produktionsfunktion wird ökonomisches Wachstum durch Kapital (K), Arbeit (L), technischen Fortschritt (A) und Einkommen (Y) ausgedrückt (vgl. Mankiw 2003, S. 87):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten5

Das ökonomische Wachstum ist also abhängig vom Kapital, der Arbeit und dem technischen Fortschritt. Ökologische Aspekte werden in dieser Gleichung hingegen nicht berücksichtigt. Ziel des Konzeptes der schwachen Nachhaltigkeit ist es, den Durchschnittsnutzen dauerhaft für die Menschen zu erhalten („non declining utility rule“). Theoretisch ist hierbei auch eine Welt vorstellbar, in der keine Natur vorhanden ist, sofern zuvor in Sachkapital investiert wurde (vgl. Döring 2004, S. 5). Bei dieser Betrachtung wird nicht zwischen verschiedenen Nutzenarten unterschieden. So wird der materielle Nutzen berücksichtigt, aber der immaterielle Nutzen, also der individuelle Wert der aus der Interaktion mit der Natur entsteht, wird außer Acht gelassen. Ein Grund dafür ist, dass dieser Nutzen nicht verlässlich messbar ist (vgl. Hauff 2009, S. 27).

Mensch- gemachtes und natürliches Kapital werden in diesem Ansatz als perfekte Substitute betrachtet. Die Konsequenz ist, dass in diesem Modell natürliches Kapital prinzipiell durch mensch-gemachtes Kapital ersetzt werden kann (vgl. Eriksson 2010, S. 17). Die Schwäche für die Substitutionselastizität zwischen den Faktoren steht.ן6 Wobei dieses Konzeptes ist, dass zukünftige Generationen ebenfalls zwischen natürlichem und mensch-gemachtem Kapital indifferent sein müssen (vgl. Hauff 2009, S. 29).

Ein wichtiger Punkt im Prinzip der schwachen Nachhaltigkeit ist die schon erwähnte Hartwick-Regel (vgl. Abschnitt 2.2). HARTWICK stellte erstmals fest, dass bei einer Substitutionselastiziät (von eins), also einer perfekten Substitution zwischen zwei Inputfaktoren, die natürlichen Ressourcen durch mensch-gemachte substituiert werden können. Um später einen konstanten Konsum bzw. einen konstanten Kapitalstock aufrechterhalten zu können, sollte die gesamte Ressourcenrente aus der Nutzung nicht- erneuerbarer Ressourcen in Substitute investiert werden7 (vgl. Döring 2004, S. 12). Ein Vertreter dieser Gebrauchskategorie von Nachhaltigkeit ist SOLOW. Er sieht die Grenzen des Wachstums, wie sie MAEDOWS (vgl. Meadows 1974) beschreibt, nicht (vgl. Solow 1974b, S. 11). Vielmehr würden durch den technische Fortschritt und die Substitutionsmöglichkeiten der Faktoren langfristig keine Probleme auftreten und der Konsum dadurch konstant bleiben (vgl. Döring 2004, S. 3). So sagt SOLOW:

„ If it is very easy to substitute other factors for natural resources, then there is, in principle, no problem. The world can, in effect, get along without natural resources, so exhaustion is just an event, not a catastrophe ” (Solow 1974b, S. 11)

Das Ziel ist es demnach, den Nutzen zu maximieren, unabhängig davon, welche Ressourcen dafür verwendet werden (vgl. Döring 2004, S. 5). Die Produktionsfähigkeit insgesamt soll aufrechterhalten werden, nicht unbedingt die einzelnen Produktionsfaktoren (vgl. Walz 1999, S. 5). Im Konzept der schwachen Nachhaltigkeit wird daher davon ausgegangen, dass die Regulierungsmechanismen des Marktes funktionieren und Korrekturen nur beim Vorliegen negativer externer Effekte8, oder anderer Hindernisse, wie natürliche Monopole, die den effizienten Abbau von Ressourcen verhindern, notwendig werden (vgl. Hauff 2009, S. 30).

Starke Nachhaltigkeit

Abweichend vom Konzept des neo-klassischen Ansatzes der schwachen Nachhaltigkeit geht man in der Gebrauchskategorie der starken Nachhaltigkeit von einer ökozentrischen Perspektive aus, welche die ökologischen Systeme in den Mittelpunkt stellt (vgl. Hauff 2009, S. 30). Natürliches Kapital kann hierbei nicht durch Sachkapital substituiert werden. Es besteht eine sogenannte „constant natural capital rule“ (vgl. Döring 2002, S. 4). Ziel ist es, die natürlichen Ressourcen nur soweit zu nutzen, wie sie sich wieder regenerieren können (vgl. Eriksson 2010, S. 17). Bei der starken Nachhaltigkeit wird nicht vollständig auf die Nutzung der natürlichen Güter verzichtet, sie sollen, wie schon im Konzept der „Nachhaltigkeit als Aufrechterhaltung des natürlichen Kapitals“, nur im Rahmen ihrer Reproduktionsmöglichkeiten verwendet werden (vgl. Döring 2004, S. 18).

Ein Vertreter dieser Position ist DALY. Nach DALY (vgl. Daly 1990, S. 5) wurde die Grenze der Reproduzierbarkeit des natürlichen Kapitals bereits überschritten, wodurch das Ökosystem an die Grenzen der Belastbarkeit stößt (vgl. Döring 2004, S. 6). Da nach dem ökonomischen Grundprinzip in den limitierenden Faktor der Produktion investiert werden soll, sollten Investitionen verstärkt in natürliches Kapital fließen (vgl. Döring 2004, S. 6). Zwischen dem Sach- und natürlichen Kapital besteht also eine komplementäre Beziehung. Das bedeutet, dass zur Herstellung eines Gutes verschiedene Inputgüter in einem bestimmten Verhältnis bereitgestellt werden müssen (vgl. Döring 2004, S. 17).

Die Schwächen dieses Konzeptes zeigen sich in der Prämisse, dass jeder natürliche Faktor unbedingt erhalten werden soll. Da aber beispielsweise die verschiedenen Spezies auch einer inneren Dynamik unterliegen (z. B. durch natürliche Fressfeinde sterben können), ist eine Konservierung dieser meist sehr schwer bzw. unmöglich (vgl. Döring 2004, S. 18). Ein weiteres Problem besteht in der Messbarkeit des natürlichen Kapitalstocks. Im Vergleich zur schwachen Nachhaltigkeit, bei der die Kosten-Nutzen-Analyse zur Messung einer Veränderung im Bestand verwendet werdem kann, besteht kein überzeugendes Messinstrument für die starke Nachhaltigkeit. Dadurch ist es schwer abzuschätzen, welchen Einfluss die Entnahme von natürlichem Kapital auf die Umwelt hat. Konzepte wie die des ökologischen Fußabdruckes finden zwar eine Anwendung, können aber nur ein vages Abbild der Wirklichkeit geben (vgl. Döring 2004, S. 20).9 Insbesondere ist in der Gebrauchskategorie der starken Nachhaltigkeit die Internalisierung externer Kosten besonders wichtig, da sonst niemand die Verantwortung für den Verbrauch der natürlichen Ressourcen übernimmt (vgl. Hauff 2009, S. 30).

Insgesamt bestehen zwischen den beiden entgegengesetzten Ansichten, enorme Unterschiede. Einerseits müssen die Vertreter der starken Nachhaltigkeit erkennen, dass auch natürliches Kapital im Rahmen des Wirtschaftens verwendet werden muss, während Vertreter schwacher Nachhaltigkeit ebenso einen immateriellen Nutzen, der aus der Interaktion mit der Natur entsteht, in ihrer Argumentation berücksichtigen „müssen“ (vgl. Hauff 2009, S. 33).

Viele Autoren sind daher eher für eine Art „Mittelweg“, der Komponenten aus beiden Extremen beinhaltet. Das Problem, dass aus einem Kompromiss beider Konzepte entstehen kann ist, dass sich die Politik nicht an dem sinnvollen Maß an Schutz, sondern an dem aus ihrer Sicht „Machbaren“ orientiert und somit unter Umständen den Schutz der Natur den ökonomischen Zielen unterordnet (vgl. Rogall 2008, S. 116).

2.4 Drei-Säulen-Modell

In diesem Konzept steht das Zusammenspiel zwischen sozialen, ökonomischen und ökologischen Aspekten der Nachhaltigkeit im Vordergrund. Die drei Pfeiler dieser Definition wurden im Aktionsprogramm der Agenda 21, die auf der Konferenz von Rio de Janeiro verabschiedet wurde, erstmals politisch beschrieben (vgl. Burschel 2004, S. 23). Der deutsche Rat für Nachhaltige Entwicklung sieht das Drei-Säulen-Modell als eine ausgewogene Möglichkeit, um Nachhaltigkeit zu erreichen. Dieser definiert Nachhaltigkeit wie folgt:

„ Nachhaltige Entwicklung hei ß t, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu ber ü cksichtigen. Zukunftsf ä hig wirtschaften bedeutet also: Wir m ü ssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ö kologisches, soziales und ö konomisches Gef ü ge hinterlassen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben.“ (Rat für Nachhaltige Entwicklung 2011) Die ö kologische Dimension steht für den Erhalt der ökologischen Systeme als Lebensgrundlage. Sie soll die Emissionen der Menschen aufnehmen und einen direkten und indirekten Nutzen stiften (vgl. Burschel 2004, S. 23). Dabei steht diese Kapitalart für alle erneuerbaren und nicht-erneuerbaren Ressourcen, Nahrung sowie das Klima und bildet die Lebensgrundlage aller menschlichen Aktivitäten (vgl. Kleine 2009, S. 10).

Die ö konomische Dimension steht für den Erhalt des ökonomischen Kapitalstocks. Die Menschen sollen demnach nur so viel konsumieren, dass die zukünftigen Generationen 15 mindestens einen ebenso hohen Konsum erreichen können (vgl. Burschel 2004, S 23). Hierzu zählt jedes wirtschaftliche Produktionskapital, wie Wissens-, Human- und Sachkapital sowie Patente und Anlagen (vgl. Kleine 2009, S. 10).

Die soziale Dimension steht für den Erhalt des sogenannten sozialen Kapitals (vgl. Burschel 2004, S 23). Darunter fällt unter anderem die institutionelle Struktur wie beispielsweise Organisationen, Institutionen und bestehende Rechtsformen (vgl. Kleine 2009, S. 10), aber auch das soziale Netzwerk, die Chancengleichheit zwischen Menschen sowie Werte und Normen, die in einer Gesellschaft bestehen (vgl. Hauff 2009, S. 21 f.). Eine Übertragung dieses Sozialkapitals auf die zukünftige Generation stellt sich allerdings weitestgehend als schwierig heraus, da es zwar möglich ist, Institutionen und Werte weiter zu vermitteln, soziale Netzwerke aber meist auf die jeweiligen Generationen beschränkt sind (vgl. Hauff 2009, S. 21 ff.).

Das Ziel dieses Ansatzes ist eine gleichmäßige Aufrechterhaltung des sozialen, ökonomischen und ökologischen Kapitalstocks (vgl. Kleine 2009, S. 10). Die einzelnen Faktoren sollen dabei Hand-in-Hand gehen und müssen integriert betrachtet werden, da eine isolierte Betrachtung einer oder zweier Faktoren zu einem Ungleichgewicht der Dimensionen führen und so beispielsweise die ökologische Komponente vernachlässigt wird (vgl. Ott 2008, S. 38).

Oft wird bei der Verwendung des Drei-Säulen-Modells durch die Unternehmen zwar gesagt, dass alle Bereiche gleichberechtigt betrachtet werden, meistens liegt aber keine genaue Definition der einzelnen Bereiche vor. Durch eine fehlende Zielformulierung entsteht demzufolge häufig nur eine Forderung, aber keine Strategie um dieses Ziel zu erreichen (vgl. Hauff 2009, S. 115). Dieses Problem wird sich auch in der späteren Analyse wiederfinden.

2.5 Nationale Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung

Die nationale Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung wird in dieser Arbeit betrachtet, da sie für die deutsche Regierung die Grundlage nachhaltigen Wirtschaftens darstellt. In dieser Strategie sind sowohl Indikatoren als auch Ziele formuliert, die in Deutschland zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen sollen (vgl. Renn 2007, S. 74).

Die seit 2002 bestehende Strategie der Bundesregierung basiert auf dem Drei-Säulen-Modell und wurde in Folge der Agenda 21 formuliert (vgl. Kleine 2009, S. 9; Renn 2007, S. 74). Der 16

Bundestag sieht die integrierte Betrachtung des Drei-Säulen-Modells als wichtig an, da sich alle Faktoren gegenseitig bedingen und aufeinander aufbauen (vgl. Bundestag 1998, S. 19).

Der aktuelle Fortschrittsbericht, aus dem Jahr 2012, bildet die Grundlage dieser Arbeit und ist die aktuellste Version der Umsetzungsbemühungen der Bundesregierung (vgl. Die Bundes- regierung 2012). Die Strategie wird in der Regel einmal pro Legislaturperiode überarbeitet und erweitert, um auch aktuelle Entwicklungen betrachten zu können. Das statistische Bundesamt gibt des Weiteren alle zwei Jahre einen Indikatorenbericht heraus, auf dessen Grundlage die Fortschritte in der Zielerreichung der einzelnen Faktoren gemessen werden sollen (vgl. Hauff 2009, S. 176).

Die nationale Nachhaltigkeitsstrategie baut auf den vier Handlungsfeldern Generationengerechtigkeit, Lebensqualität, sozialer Zusammenhalt und internationale Verantwortung sowie deren 21 untergeordneten Indikatoren auf (vgl. Die Bundesregierung 2012, S. 29 ff.). Welche Indikatoren zu welchen Handlungsfeldern gehören ist in Abbildung 1 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Handlungsfelder und Indikatoren der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie (eigene Darstellung)

Im Handlungsfeld Generationengerechtigkeit sollen die drei Faktoren Soziales, Ökonomie und Ökologie als Ressource für zukünftige Generationen erhalten werden. Die Indikatoren zu diesem Handlungsbereich sind in ihrer Ausgestaltung vielfältig, darunter zählt u. a. die Erhaltung der Artenvielfalt, erneuerbare Energien, die Verbesserung des Bildungswesens sowie, seit diesem Fortschrittsbericht, eine nachhaltige Fiskalpolitik (vgl. Die Bundesregierung 2012, S. 12 ff.).

Die Ziele der Indikatoren des Handlungsfeldes Lebensqualit ä t sollen dazu beitragen, Wohlstand sowie die Befriedigung gesellschaftlicher Bedürfnisse aufrechtzuerhalten. Dazu zählt u. a. der Ausbau des wirtschaftlichen Wohlstandes für alle Bevölkerungsgruppen oder die Verbesserung der Luftqualität (vgl. Die Bundesregierung 2012, S. 29).

Das Handlungsfeld sozialer Zusammenhalt soll dazu beitragen soziale Ungleichheiten zu minimieren. Zu diesem Handlungsfeld zählen die Förderung der Gleichberechtigung, die Integration sowie die Erhöhung der Beschäftigungsquote (vgl. Die Bundesregierung 2012, S. 30).

Die internationale Verantwortung als Handlungsfeld wurde am meisten durch die Agenda 21 beeinflusst (vgl. Die Bundesregierung 2011). Zum Ausbau der internationale Verantwortung, soll unter anderem die Entwicklungszusammenarbeit zwischen Deutschland und anderen Ländern gefördert werden (vgl. Die Bundesregierung 2012, S. 31).

Zur Verbesserung des Nachhaltigkeitsmanagement der Bundesregierung wurde ein „Managementkonzept der Nachhaltigkeit“ aufgestellt (vgl. Die Bundesregierung 2012, S. 11). Dies umfasst Managementregeln, Indikatoren und Ziele sowie das Monitoring des Fortschritts (vgl. Die Bundesregierung 2012, S. 11).10

Die Managementregeln fassen das Leitbild und die Anforderungen an eine nachhaltige Entwicklung zusammen. Sie bilden die Leitlinie, um theoretische Konzepte praktisch umzusetzen (vgl. Die Bundesregierung 2012, S. 11). Die Hauptregel lautet:

Jede Generation muss ihre Aufgaben selber l ö sen und darf sie nicht den kommenden Generationen aufb ü rden. Zugleich muss sie Vorsorge f ü r absehbare zuk ü nftige Belastungen treffen. “ (Die Bundesregierung 2012, S. 33)

Ein Beispiel für eine Regel aus den einzelnen Handlungsbereichen lautet:

Die Freisetzung von Stoffen darf auf Dauer nicht gr öß er sein als die Anpassungsf ä higkeit der nat ü rlichen Systeme - z.B. des Klimas, der W ä lder und der Ozeane. “ (Die Bundesregierung 2012, S. 33)

Den zweiten Bestandteil des Managementkonzeptes bilden die Indikatoren und Ziele. Die Indikatoren werden, wie in Abbildung 1 dargestellt, in 21 Bereiche aufgeteilt. Seit dem letzten Fortschrittsbericht aus dem Jahr 2008 wurde die Anzahl der Indikatoren von 35 auf 38 erhöht. Diese sollen einen Überblick über die Vielfalt der politischer Aufgaben geben, aber bewusst nicht allumfassend sein, da sie so besser bestimmte Themenbereiche fokussieren können (vgl. Die Bundesregierung 2012, S. 75 f.). Ein Auszug der weiteren Untergliederung der Indikatoren in ihre Ziele aus dem Handlungsfeld Generationengerechtigkeit ist in Tabelle 1 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Auszug aus den Indikatoren und Zielen der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie (Quelle: Die Bundesregierung 2012, S. 34, eigene Darstellung)

Im Indikatorenbereich 1a: „Ressourcenschonung“ findet man den Indikator Energie- produktivität und das Ziel der Verdopplung der Energieproduktivität im Zeitraum von 1990 auf 2020. Ein anderes Beispiel bildet der Indikatorenbereich 3b: „Erneuerbare Energien“. Das Ziel ist eine Steigerung des Anteils des Stroms aus erneuerbarer Energien am Stromverbrauch auf mindestens 35 Prozent bis zum Jahr 2020 (vgl. Die Bundesregierung 2012, S. 34).11

Die dritte Komponente des Managementkonzeptes bildet das Monitoring. Durch die alle zwei Jahre erscheinenden Berichte des statistischen Bundesamtes und die Fortschrittsberichte der Bundesregierung, welche alle vier Jahre veröffentlicht werden, soll der Prozess hin zu einer nachhaltigen Entwicklung in Deutschland transparent und nachvollziehbar werden (vgl. Die Bundesregierung 2012, S. 11). Die Fortschrittsberichte bewerten den Stand der Umsetzung der Ziele und sollen die Strategie der Bundesregierung in den einzelnen Bereichen lenken (vgl. Die Bundesregierung 2012, S. 11).

Einen der Schwerpunkte des aktuellen Fortschrittsberichtes bildet das Thema Klima und Energie. Im Fokus steht dort vor allem die Reduktion des Ausstoßes von Treibhausgasen und damit verbunden die Reduktion des Anstieges der Erderwärmung (vgl. Die Bundesregierung 2012, S. 9). Wie bereits in Tabelle 1 dargestellt, zählen dazu der Ausbau der erneuerbaren Energien und die gleichzeitige Reduktion der Nutzung fossiler Brennstoffe. Damit einher geht auch die Verantwortung der Wirtschaftspolitik, die entsprechenden Rahmenbedingungen für ein wirtschaftlich nachhaltiges Handeln der Unternehmen zu schaffen (vgl. Die Bundesregierung 2012, S. 203 ff.).

Die nationale Nachhaltigkeitsstrategie hat auch Schwächen. So sehen es die Autoren des 2009 erschienenen Peer-Reviews12 kritisch, dass die Ziele nicht langfristig, sondern nur mittelfristig, bis 2020, formuliert wurden (vgl. Rat für nachhaltige Entwicklung 2009, S. 59). Ebenso sehen die Autoren des Reviews die Notwendigkeit, eine Strategie für einzelne Wirtschaftsbereiche zu erarbeiten, um eine gezielte nachhaltige Entwicklung zu fördern. Dies soll im besten Fall dazu führen, langfristig neue und verbesserte Technologien zu entwickeln (vgl. Rat für nachhaltige Entwicklung 2009, S. 79). Fraglich ist allerdings, welche Anreize die einzelnen Unternehmen haben, in Forschung und Entwicklung zu investieren, wenn sie dafür lediglich ideelle Anreize erhalten. Reicht also die Reputation „grüner“ Unternehmen aus, um genügend finanzielle Mittel zu akquirieren, um dadurch eine Weiterentwicklung der Technologien finanzieren zu können? Wie durch den Rat für nachhaltige Entwicklung beschrieben, müssen vor allem (positive oder negative) Anreize des Staates und ein Umfeld geschaffen werden, in dem Innovationen entstehen können (vgl. Rat für nachhaltige Entwicklung 2009, S. 79).

DIEFENBACHER (vgl. Diefenbacher 2009, S. 687 ff.) sieht die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung nicht als eine einheitliche Strategie, die einen definierten Nachhaltig- keitsbegriff verfolgt, sondern eher als eine Ansammlung von Gebrauchskategorien, die sich von der Definition der Brundtland-Kommission und den Verhandlungsergebnissen der „United Nations Conference of Environment and Development“ so weit entfernt, dass die Ökologie nur noch ein Teilziel und keine eigenständige Dimension mehr darstellt. Des Weiteren werden, seiner Meinung nach, einige Themenfelder relativ stark abgedeckt, wohingegen andere gar nicht betrachtet werden. Beispielsweise wird der Bereich Ökonomie sehr stark vom BIP beeinflusst, wohingegen andere Faktoren (wie die umweltökonomische Gesamtrechnung13 ) vernachlässigt werden (vgl. Diefenbacher 2009, S. 687 f.). Allerdings muss man angemerken, dass die Messung des Fortschritts bzw. der Entwicklung der Ökonomie durch das BIP eine einfache Vergleichbarkeit zwischen mehreren Ländern zulässt, auch wenn ökologischen Faktoren nicht mit einberechnet werden. Nach DIEFENBACHER muss daher eine Methode gefunden werden, um auch negative externe Effekte der sozialen und ökologischen Perspektive gemeinsam betrachten zu können (vgl. Diefenbacher 2009, S. 688).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung einen Nachhaltigkeitsbegriff verwendet, der in verschiedenen Ziele und Indikatoren aufgegliedert ist, die zur Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung in Deutschland beitragen sollen (vgl. Hensel 2010, S. 296).

2.6 Zusammenfassung der verschiedenen Gebrauchskategorien

In den vorhergehenden Abschnitten wurde deutlich, dass Nachhaltigkeit sehr verschieden ausgelegt werden kann. So existieren politische, ökologische, ökonomische und soziale Sichtweisen auf den Nachhaltigkeitsbegriff. Genauigkeit und der Umfang der jeweiligen Begriffe variieren dabei enorm. Während die Konzepte von PERMAN (vgl. Perman 2003), jeweils einen bestimmten Bereich fokussieren, sind andere Konzepte umfassender ausgelegt. Durch die Vielfalt der Gebrauchskategorien können die Unternehmen eine eigene Definition wählen, die zu ihren jeweiligen Bedürfnissen passt. Problematisch wird es, wenn die Unternehmen nur die Definition verwenden, die den eigenen Nachhaltigkeitsbemühungen im Moment entsprechen, aber zu keiner Entwicklung einer besseren, sparsameren Verwendung von Ressourcen führen.

Ein Mittelweg zwischen den beiden Extremen der starken und schwachen Nachhaltigkeit könnte helfen, um Nachhaltigkeit zu erreichen. Dieser muss aber vollständig definiert und beschrieben werden, um keine individuellen Abweichungen von der Gebrauchskategorie durch die Unternehmen zuzulassen. Eine Sonderstellung sollten in diesem Modell nicht erneuerbare Ressourcen einnehmen. Diese sollten wie im Konzept der „Nachhaltigkeit als Erhalt eines Ertrages von Ressourcen“ nur dann abgebaut werden, wenn der Gewinn aus der Nutzung vollständig in die Forschung und Entwicklung von Substituten investiert wird (vgl. Perman 2003, S. 92).

Ein weiterer umfassender Ansatz ist das Drei-Säulen-Modell. Hierbei werden alle wichtigen Komponenten (Ökologie, Ökonomie und Soziales) aufgegriffen und können je nach Betrachtungsweise, ausgerichtet werden. Auch hier ist eine genaue Formulierung der Inhalte wichtig, um eine gezielte Entwicklung zur Nachhaltigkeit zu fördern.

Letztendlich haben alle Gebrauchskategorien ihre Bewandtnis und unterstützen eine nachhaltige Entwicklung in den Unternehmen. Ein ausgewogener Mittelweg zwischen den Gebrauchskategorien kann helfen die Ziele der verschiedenen Interessengruppen zu vereinigen und verbindlich vorzugeben. Der Vorteil ist, dass durch diese Definition alle wichtigen Elemente betrachtet werden können. Die Gefahr besteht hingegen, dass durch eine zu allgemeine Formulierung das Ableiten bestimmter Ziele nicht mehr möglich ist. Daher sollten die einzelnen Unternehmen einer allgemeinen Formulierung von Nachhaltigkeit eigene, individuelle Ziele hinterlegen, die sie in den Folgejahren erreichen wollen. Beispielhaft wären die Indikatoren und Ziele der Bundesregierung zu nennen, die - für jedes Unternehmen abgewandelt - einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung in den Unternehmen leisten können. Interessengruppen können sich, durch die bereitgestellten Informationen, ebenfalls ein besseres Bild vom Unternehmen machen.

2.7 Matrix der definierten Gebrauchskategorien

In diesem Abschnitt werden nun die definierten Gebrauchskategorien relativ zueinander abgegrenzt. Dies erfolgt anhand der beiden Kategorien der begrifflichen Bestimmtheit und begrifflichen Reichweite. Die begriffliche Bestimmtheit zeigt den Grad, in welchem Maße der Nachhaltigkeitsbegriff inhaltlich ausdifferenziert ist und gibt an, inwieweit ein Zeithorizont in den Gebrauchskategorien zu finden ist, bzw. wie weit der Zeithorizont gefasst ist. Die begriffliche Reichweite gibt hingegen an, wie umfassend der Nachhaltigkeitsbegriff verwendet wird, bzw. ob er auf ein bestimmtes Themengebiet beschränkt ist, oder eine umfassendere Position einnimmt (vgl. Hensel 2010, S. 300).

Für diese Abgrenzung werden die Gebrauchskategorien in einer Matrix abgetragen. Da die Abgrenzung der Gebrauchskategorien relativ zueinander erfolgt, ist es je nach Betrachtungs- weise möglich, die Definitionen anderen Feldern in der Matrix zuzuordnen. Die hier definierten Gebrauchskategorien erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da in der Literatur möglicherweise auch andere Kategorien und Definitionen zu finden sind, die den Nachhaltigkeitsbegriff noch allgemeiner oder noch spezifischer definieren. In Abbildung 2 ist die Matrix der definierten Gebrauchskategorien dargestellt. Anhand einiger Beispiele wird im Folgenden die Abgrenzung deutlich gemacht. Die definierte Matrix wird in den Abschnitten 3.3.1 - 3.3.4 verwendet, um die durch die Energieversorger verwendeten Gebrauchskategorien abgrenzen zu können.

[...]


1 Der Name stammt von der Vorsitzenden der Kommission und damaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland (vgl. Burschel 2004, S. 20).

2 Seit 1992 gab es weitere Folgekonferenzen, die hier nicht näher betrachtet werden sollen. Einen guten Überblick über diese Konferenzen bietet UNO 2011a.

3 „Ökologie: Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann.“ (Duden 2012).

4 Die Herleitung der Ergebnisse wird in Solow 1974a, S. 29 ff. beschrieben.

5 Dieser Ansatz ist dem der starken Nachhaltigkeit ähnlich, der in Abschnitt 2.2 näher erläutert wird.

6 Wobei [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] für die Substitutionselastizität zwischen den Faktoren steht.

7 Siehe dazu auch die Erläuterungen der Definition „Nachhaltigkeit als Aufrechterhaltung eines konstanten Konsums“.

8 Negative externe Effekte entstehen dann, wenn nicht der Verursacher einer Umweltverschmutzung, sondern alle dafür zahlen müssen (vgl. Schumann 1999, S. 494).

9 Das Konzept soll hier nicht näher betrachtet werden, wird aber sehr gut in WACKERNAGEL 1996 erläutert.

10 Eine Übersicht des Inhaltes des Nachhaltigkeitsmanagements und der Indikatoren sowie Ziele befinden sich im Anhang dieser Arbeit ab Seite 64.

11 Die beiden hier erwähnten Bespiele stammen aus dem Prinzip der Generationengerechtigkeit. Des Weiteren existieren auch für alle anderen Prinzipien konkrete Ziele, die im Anhang ab Seite 66 dargestellt sind.

12 Der Peer-Review wurde durch internationale Experten entworfen und soll Fortschritte, zukünftigen Herausforderungen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten der Nachhaltigkeitsbemühungen aufzeigen.

13 Diese Berechnung soll den Einfluss der Wirtschaft auf die Umwelt und dementsprechend auf die Ressourcenknappheit ermöglichen. Näheres dazu vgl. EU 2012.

Details

Seiten
104
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656298847
ISBN (Buch)
9783656298953
Dateigröße
822 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v203256
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Professur für Wirtschaftspolitik und Mittelstandsforschung
Note
1,3
Schlagworte
Nachhaltigkeit Nachhaltigkeitsberichterstattung Energieversorger 3 Säulen Modell

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Titel: Der Nachhaltigkeitsbegriff und die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Energieversorgern