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Das “Fractional-Reserve Banking System” – Auslöser der Krise

Ursache der Finanzkrise

Hausarbeit 2012 27 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. PROBLEMSTELLUNG UND HERLEITUNG

2. DAS „FRACTIONAL-RESERVE BANKING SYSTEM“ - AUSLÖSER DER KRISE
2.1 DAS FRACTIONAL-RESERVE BANKING SYSTEM
2.2 AUSWEITUNG DER GELDMENGE - KRITIK UND KONSEQUENZEN
2.3 ENTSTEHUNG VON BOOMPHASEN UND KRISEN
2.4 HYPOTHESEN - ENTSTEHUNG DER FINANZKRISE DURCH DAS MODERNE GELDSYSTEM

3. DIE FINANZKRISE - URSACHEN, SCHLUSSFOLGERUNG, ALTERNATIVE UND AUSBLICK
3.1 UNTERSUCHUNG
3.2 SCHLUSSFOLGERUNG, ALTERNATIVE UND AUSBLICK

LITERATURVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

ABBILDUNG 1: LEITZINS FED (GLOBAL RATES 2012)

ABBILDUNG 2: GOLDPREIS IN US DOLLAR (GOLD.DE 2012)

ABBILDUNG 3: VERSCHULDUNG DER PRIVATPERSONEN IN DEN USA (FEDERAL RESERVE 2010)

ABBILDUNG 4: STAATSSCHULDEN DER USA (USGOVERNMENTSPENDING.COM 2011)

Tabellenverzeichnis

TABELLE 1: BILANZ NACH BEWILLIGUNG DES KREDITES (EIGENE DARSTELLUNG IN ANLEHNUNG AN HUERTA DE SOTO 2009, 195)

TABELLE 2: BILANZ NACH VERWENDUNG DES KREDITES VON KUNDE B (EIGENE DARSTELLUNG IN ANLEHNUNG AN HUERTA DE SOTO 2009, 198)

TABELLE 3: SPARQUOTE DER HAUSHALTE IN DEN USA (ELWELL 2010, 7)

1. Problemstellung und Herleitung

Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise kann als das einschneidenste Ereignis der letzten Jahrzehnte bezeichnet werden und hat erhebliche Kosten und Leid verursacht. Als Grund für die Finanzkrise sind vor allem die zu niedrigen Zinsen nach 2001 in den USA zu nennen und eine unzureichende Bonitätsprüfung der Kreditnehmer, dadurch entstand in der Folge eine Immobilienblase. Desweiteren verbreiteten sich durch die Weitergabe der Forderungen aus den Hypothekendarlehen, die weiterveräußerten Wert- oder Schuldpapiere über die ganze Welt. Die Zinserträge wirkten für ausländische Banken, Fonds, Versicherungen, private und öffentliche Käufer sehr vielversprechend durch die angebotenen höheren Zinserträge. Außerdem wurden die Papiere von den renommierten Ratingagenturen Standard & Poors´s und Moody´s zu hoch bewertet. Als zwischen 2004 und 2006 die Zinsen anstiegen, konnten die Schuldner ihre Kredite nicht mehr bedienen, Pfändungen und Zwangsversteigerungen folgten. Die Preise auf dem Immobilienmarkt sanken in das Bodenlose, die Wertpapiere verloren massiv an Wert und die Besitzer mussten abschreiben. Die Regierungen der jeweiligen Länder sprangen ein und retteten die Banken, bis auf IndyMac und Lehman Brothers. Es entstand eine totale Vertrauenskrise und durch staatliche Garantien konnte der sogenannte bank-run verhindert werden. Es folgte eine Kreditklemme und der Markt konnte nicht mehr mit ausreichend Liquidität versorgt werden. Ein weltweit wirtschaftlicher Einbruch folgte, die Zentralbanken in den USA und Europa reagierten mit einer Senkung des Leitzinses, um der Kreditklemme zu begegnen. Im Allgemeinen werden vor allem folgende Punkte kritisiert: die starke Beanspruchung der Eigenkapitalbasis von Finanzinstituten, die zunehmende Itransparenz und die nicht abschätzbaren Risiken von Finanzgeschäften, die Auslagerung von Krediten, falsche Anreize der Manager, durch die zu hohe Gehälter ohne Haftung und eine fehlende Abgrenzung zwischen Investment und Geschäftsbank (Neubäumer 2008; Dombred 2012). Die Krise wird sogar als Krise des Kapitalismus bezeichnet (Altvater 2010). Es wird jedoch in dieser Arbeit angenommen, dass die Konsequenzen aus der Krise und die vordergründigen Ursachen den Kern der Krise nicht treffen. In dieser Arbeit wird die These zugrunde gelegt, dass das Teilreservesystem (fractional banking system), die Giralgeldschöpfung und vor allem das Eingreifen durch die Geldpoltik, die Finanz- und Wirtschaftskrise verursacht haben. Die Finanzkrise stellt daher eine logische Konsequenz dar. Im Wesentlichen stehen sich die Theorie von Keynes und die Theorie der österreichischen Schule, von bekannten Vertretern wie Mises und von Hayek, konfliktär gegenüber. Die These, dass die Finanzkrise eine systematische Krise unseres derzeitigen Geldsystems darstellt und keine Krise des Kapitalismus, wird vor allem anhand der Lehre der österreichsischen Schule untersucht und belegt werden. Dazu wird im Folgenden die Entstehung und Schöpfung von Giralgeld kritisch beleuchtet. Desweiteren wird untersucht, welche Folgen die Ausweitung der Geldmenge hat, welche Gründe es dafür gibt und diese werden kritisch beleuchtet. Der Abschnitt 2.3 greift diesen Gedanken auf und erläutert die Konjunkturtheorie der Wiener Schule, dass das ein Eingreifen in den Zins zwangsläufig zu Krisen führt. Im Anschluss werden alle Punkte zu einem theoretischen Konstrukt zusammengefasst und Hypothesen aufgestellt wieso die Finanzkrise entstanden ist. Das letzte Kapitel untersucht die aufgestellten Hypothesen anhand der Finanzkrise, zeigt Schlussfolgerungen auf, stellt eine mögliche Alternative vor und legt einen Ausblick zugrunde.

2. Das „Fractional-Reserve Banking System“ - Auslöser der Krise

2.1 Das Fractional-Reserve Banking System

In diesem Abschnitt wird untersucht, was Geld im eigentlichen Sinne ist und wie Geld durch das Teilreservesystem geschöpft wird. Baader (2004, 27) nennt dazu sieben Eigenschaften die Geld aufzuweisen hat. Es wird von der Bevölkerung freiwillig akzeptiert und von den meisten geschätzt. Geld ist in beliebige Teile zerlegbar, leicht zu transportieren, der Wert ist exakt bestimmbar und kann genau abgewogen werden. Außerdem ist Geld kaum fälschbar und ein knappes Gut, das nicht beliebig vermehrbar ist. Da dies auf Gold und Silber zutrifft, waren diese das in der Geschichte meist verwendetste Zahlungsmittel. Das Papiergeld, welches heute verwendet wird ist nur aufgrund dessen akzeptiert worden, da die Menschen das Papier gegen eine festgelegte Menge Gold oder Silber eintauschen konnten. Baader (2004, 27 ff.) kommt daher zu dem Entschluss, dass goldgedecktes Geld nur ein Substitut ist, das den Tauschhandel vereinfacht. Das heutige nicht einlösbare Papiergeld ist kein Geld, sondern nur ein gesetzliches, staatlich festgelegtes Zahlungsmittel. Der nicht mehr goldgedeckte US Dolllar verstößt sogar gegen die amerikanische Verfassung (Artikel 1, Abschnitt 10) in der es heißt „Kein Einzelstaat darf einem Vertrag, Bündnis oder einer Konföderation beitreten, Kaperbriefe ausstellen. Münzen prägen, Banknoten ausgeben, etwas anderes als Gold- oder Silbermünzen zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklären...“. Im Jahre 1933 wurde die Einlösegarantie des Dollars von Roosevelt abgeschafft, der Goldbesitz für illegal erklärt und die Einlösepflicht galt nur noch gegenüber ausländischen Zentralbanken. Dies galt bis Präsident Nixon im Jahre 1971 die Kopplung des Dollars an den Goldstandard völlig löste und seit dem kann/wird der Dollar mit dem englischen Begriff fiat money bezeichnet (werden) (Baader 2004, 45). Der Begriff Fiat Money kann zu Deutsch als Giralgeld oder Buchgeld übersetzt werden. Die deutsche Bundesbank erklärt die Giralgeldschöpfung wie folgt: „In der Regel gibt die Geschäftsbank einem Kunden einen Kredit und schreibt ihm den entsprechenden Betrag auf dessen Girokonto gut. Wird dem Kunden ein Kredit über 1000 Euro gewährt (z. B. Laufzeit 5 Jahre, 5 %), erhöht sich die Sichteinlage des Kunden auf seinem Girokonto um 1.000 Euro. Es ist Giralgeld entstanden bzw. wurden 1000 Euro Giralgeld geschöpft (...) Die Giralgeldschöpfung ist also ein Buchungsvorgang.“. Desweiteren ist hinzuzufügen, dass eine sogenannte Mindestreservepflicht, welche 2 % im Eurosystem und die Geschäftsbanken dazu veranlasst einen gewissen prozentualen Anteil bei der Zentralbank als Sichteinlage zu hinterlegen (Deutsche Bundesbank 2011, 70 f.). Das bedeutet, dass die Geschäftsbank verpflichtet ist nur einen Teil des gutgeschriebenen Geldes als Reserve zu halten und der restliche Betrag ist praktisch verleihbar. Da der Bankkunde nur einen Teil des Geldes in Bar benötigt und der Großteil des Geldes gar nicht genutzt wird, kann die Bank die Strategie verfolgen, den restlichen Betrag des verwahrten Geldes gegen Zinsen weiter zu verleihen (Mankiw/Taylor 2008, 718). Der derzeitige Status quo entspricht dem gerade beschriebenen Teilreservesystem (fractional-reserve banking). Im Weiteren wird die Kreditvergabe untersucht, in einem 100 %- igen Reservesystem und in einem Teilreservesystem, um die Unterschiede zu veranschaulichen. Huerta de Soto (2009, 223 ff.) verdeutlicht die Unterschiede zwischen einer Bank die ohne Teilreserven arbeitet (100 %-tige Reserve) und einer Bank mit einem 10 % -igem Teilreservesystem. Erfolgt bei ersterem eine Kreditvergabe, so leiht sich die Bank für einen vereinbarten Zeitraum, zu einem vereinbarten Zinssatz, Geld von einem Geschäftspartner. Der Zins dient dabei als Lohn für den Verzicht des Vertragspartners auf das gegenwärtige Geld, das auch in der Leihperiode zum Konsum genutzt werden könnte. Die Bank kann den geliehenen Betrag anschließend weiterverleihen, z.B. an einen Unternehmer, der das geliehene Geld reinvestiert, um Produkte herzustellen die am Markt abgesetzt werden. Dabei liegt der Bank eine unternehmerische Tätigkeit zugrunde für die eine entsprechende Entschädigung bzw. eine Zinsmarge verlangt wird. Daher wird der geliehene Betrag zu einem höheren Zins weiterverliehen und die Zinsmarge ist der Verdienst der Bank. In diesem Falle fungiert die Bank als Intermediär zwischen Angebot und Nachfrage. Erwähnenswert ist, dass das Geldangebot in diesem Fall gleich bleibt. Wenn die Investition des Unternehmers schief geht und die Produkte nicht am Markt abgesetzt werden können, ist die Bank nicht in der Lage den eigenen Kredit zu begleichen. Als Konsequenz wird die Bank in die Insolvenz gehen müssen, jedoch gehört dieses Risiko zu jeder unternehmerischen Tätigkeit. Desweiteren kann die Bank für eine entsprechende Gebühr das Geld eines Kunden verwahren. Der Kunde kann sich dafür sicher sein, dass dieser zu jederzeit über den vollen Geldbetrag verfügen kann. Außerdem muss der Kunde nicht den vollen Geldbetrag mit sich tragen, sondern dieser kann beispielsweise einen Scheck erstellen, der bei der Bank eingelöst werden kann. In diesem Fall geht die Bank einen Vertrag ein, dass diese für einen bestimmten Zeitraum gegen Zinsen oder in Form von Gebühren das Geld des Kunden aufbewahrt, dafür kann dieser jederzeit über die volle Summe verfügen (Huerta de Soto 2009, 178 ff.).

Zur Erläuterung des Teilreservesystems wird folgendes Beispiel angenommen: ein Kunde A eröffnet bei einer Bank ein Konto und zahlt 1000 € ein. Der Kunde ist der Meinung, dass dieser über die volle Summe verfügt und kann auch dementsprechend wirtschaftlich handeln. Wie bereits erwähnt weiss die Bank, dass der Kunde A nur einen Teil des Geldes nutzen wird. Daher wird die Bank bei einer angenommenen 10%-igem Reserve bis zu 900 € weiterverleihen. In diesem Beispiel verleiht die Bank 900 € an Kunde B. Nach der Bewilligung des Kredites entsteht folgender Bilanzeintrag (Tabelle 1):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Bilanz nach Bewilligung des Kredites (Eigene Darstellung in Anlehnung an Huerta de Soto 2009, 195)

In diesem Beispiel wird deutlich, dass durch die Kreditvergabe die Bilanzsumme verlängert wurde. Dieser Vorgang beschreibt den Buchungsvorgang wodurch das Giralgeld, bzw. fiat money entsteht. Das bedeutet, aus den vorher real ersparten 1000 € wurden weitere 900 € aus dem nichts erschaffen. Wenn Kunde B den bewilligeten Kredit abhebt, um mit diesem Geld zu wirtschaften, entsteht folgender Buchungssatz (Tabelle 2):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Bilanz nach Verwendung des Kredites von Kunde B (Eigene Darstellung in Anlehnung an Huerta de Soto 2009, 198)

Durch die Abbuchung wird deutlich, dass sich die Bilanzsumme verkürzt hat und die Einlagen des Kunden B nicht mehr bestehen. Als Konsequenz sind 100 € als Reserve übrig geblieben die von dem Kunden A abgehoben werden können, den restlichen Betrag kann die Bank nicht bedienen. Insgesamt bilden die Geschäftsbanken, durch das Teilreservesystem eine geldschöpfende Quelle und erhöhen so die Geldmenge (Huerta de Soto 2009, 195 ff.). Desweiteren wird deutlich, dass die Geschäftsbanken viel höhere Gewinne durch ein Teilreservesystem erzielen können, indem ein höherer Betrag gegen Zinsen verliehen wird. Im Falle einer 100 %-igen Reserve arbeitet die Geschäftsbank als Finanzintermediär und verdient durch die Zinsmarge. Bei einem Teilreservesystem ist die Geschäftsbank in der Lage den Zins als alleinigen Gewinn zu verbuchen. Demgegenüber stehen nur die Kosten für die Bereitstellung des Kontos (Huerta de Soto 2009, 190 ff.). Selbst im Falle eines fest angelegten Darlehens ist anzunehmen, dass die Geschäftsbank in der Lage ist, durch das beschriebene Teilreservesystem die Geldmenge auszuweiten. Bevor jedoch die Folgen der Expansion der Geldmenge erläutert werden, wird zunächst eruiert, inwieweit die bestehende Geldmenge erweitert werden kann. Taylor/Mankiw (2008, 718 ff.) zeigen, dass die Ausweitung der Geldmenge vom Geldschöpfungsmultiplikator abhängig ist. Das geliehene bzw. geschöpfte Geld wird nach dem Kauf von Waren auf einer anderen Bank verbucht. Die Bank erhält dadurch einen Zuschuss an Barreserven und der Prozess beginnt von vorne. In dem gewählten Beispiel kann Bank 2 von den eingezahlten 900 €, 810 € weiterverleihen und 90 € als Reserve halten (10 %-ige Reserve). Dieser Prozess setzt sich weiter fort, in dem gewählten Beispiel können aus 1000 €, die real zur Verfügung stehen, 9000 € zusätzlich geschöpft werden. Der Geldschöpfungsmultiplikator ist abhängig von dem festgelegten Reservesatz. Je geringer der Reservesatz ist, desto höher wird der Geldschöpfungsmultiplikator und die Höhe der Geldexpansion. Der Geldschöpfungsmultiplikator wird berechnet aus dem Reziproken des Reservesatzes (1/R). Bei einer 10% Reserve beträgt der Geldschöpfungsmultiplikator 10. Jeder zusätzliche Euro an Reserven, würde in diesem Beispiel zu einer Geldmenge von 10 € führen. Huerta de Soto (2009, 218 ff.) kommt insgesamt zu dem gleichen Ergebnis, dass die Geldschöpfungsmenge von dem Reservesatz abhängig ist. Desweiteren untersucht er den Faktor k, der Prozentsatz, der vom verliehenen Geld wieder an die Bank zurückgeführt wird. Desto höher k ist, umso höher ist die Monopolstellung der Bank und desto mehr Geld kann eine einzelne Bank schöpfen. Der Faktor k ist daher wettbewerbsentscheidend für eine Bank. Huerta de Soto (2009, 229 f.) kommt zu dem Entschluss, dass die Expansion der Geldmenge insgesamt gleich ist, egal ob eine Bank mit monopolistischer Stellung Geld verleiht oder viele, kleine Banken Geld verleihen. Allerdings fügt er hinzu, dass die Ausweitung der Geldmenge durch die gehaltene Bargeldmenge begrenzt wird, die dem Bankensystem entzogen wird. Desweiteren ist es möglich, dass Banken vorsichtiger agieren aufgrund einer ökonomisch schlechteren Situation z.B. bei der Finanzkrise und daher Überschussreserven anlegen (Mankiw/Taylor 2008, 724 f.). Deutlich wird, dass das heutige Geld keinerlei Sicherheit bietet und fast beliebig vermehrbar ist. Dadurch verstößt das Giral- oder Papiergeld gegen ein wichtiges Prinzip, und zwar nicht beliebig vermehrbar. Desweiteren kann der Wert des Geldes nicht genau gemessen werden, sondern dieser verändert sich durch die Ausweitung der Geldmenge. Der wahrgenommene Wert des Geldes ist dann abhängig von Vergangenheitswerten, an denen sich die Menschen orientieren. Dies scheint die Erklärung zu sein, wieso nach der Währungsreform immer noch 72 % der Bundesbürger, laut einer Umfrage der Bild am Sonntag von D-Mark in Euro umrechnen (Augsburger Allgemeine 2011). Desweiteren geht hervor, dass die Banken wesentliche Profiteure des Teilreservesystems sind und den eigenen Gewinn steigern können. Zusammenfassend ist anzunehmen, dass das Teilreservesystem vor allem von dem Vertrauen der Bürger abhängig ist. Ohne das Vertrauen der Menschen wäre es unmöglich neues Geld aus dem nichts zu schöpfen und damit zu wirtschaften.

2.2 Ausweitung der Geldmenge - Kritik und Konsequenzen

Der Folgende Abschnitt untersucht kritische Aspekte des Teilreservesystems, anschließend wird speziell auf die Auswirkung eines zu niedrigen Zinses auf das Wirtschaftssystem eingegangen. Aufgrund des vorhergehenden Abschnitts ist deutlich geworden, dass die Geldmenge durch das Teilreservesystem ausgeweitet wird, wodurch das Geldangebot steigt. Die Frage besteht darin, welches Geldangebot das richtige sei. Rothbart (2000, 29 ff.) geht dieser Frage auf den Grund und kommt zu dem Ergebnis, dass jede beliebige Menge an Geld beziehungsweise Gold ausreichend ist. Der Geldpreis hängt wie bei jedem anderen Gut auch von dem Angebot und der Nachfrage ab. Das Geldangebot bildet die Menge an Geld, die dem Verbraucher zur Verfügung steht und die Geldnachfrage bildet die verschiedenen Güter, die gegen Geld angeboten werden. Bei einer Steigerung des Geldangebotes und gleicher Geldnachfrage, sinkt die Kaufkraft des Geldes. Im umgekehrten Fall steigt die Kaufkraft, wenn das Geldangebot sinkt. Desweiteren wäre niemand doppelt so reich, wenn sich über Nacht die Geldmenge jedes Bürgers verdoppeln würde. Den Bürger würde es nur bereichern wenn das Angebot an Gütern steigt, da dieses durch die volkswirtschaftlichen Ressourcen wie Arbeit, Boden und Kapital begrenzt ist. Eine Verdopplung der Geldmenge würde nur zur Verdopplung der Preise führen, da die Gütermenge durch die beschriebenen Faktoren begrenzt ist. Die Öffentlichkeit wird daher nicht durch einen Anstieg der Geldmenge bereichert, sondern die Kaufkraft des Geldes verwässert sich. Wohingegen ein Schrumpfen der Geldmenge die Kaufkraft erhöht. Geld ist daher lediglich ein Tauschmedium dessen Wert sich anpasst (Rothbart 2000, 29 ff.). Dagegen kommt Baader zum gleichen Ergebnis. Nach Ludwig von Mises führt eine Erhöhung des Geldangebotes nicht zu einer Vermehrung, sondern zu einer Verminderung des Lebensstandards, entgegengesetzt zu einem Konsumgut. Der Tauschwert des Geldes verringert sich und damit der allgemeine Wohlstand. Die Profiteure von dem neu geschaffenen Geld sind diejenigen, die das Geld zuerst empfangen und noch keine inflationären Preise empfangen. Verlierer sind die Bezieher fester Einkommen, deren Wohlstand sich verringert (Baader 2004, 54 ff.). Zusammenfassend kann angenommen werden, dass nur eine erhöhte Gütermenge oder ein besseres Güterangebot den Wohlstand der Bevölkerung steigert und dies ist wiederum durch den technischen Fortschritt möglich.

Ein weiteres Argument, das für die Ausweitung der Geldmenge spricht, ist das Problem des Hortens. Es wird argumentiert, dass ungenutztes Kapital, totes Kapital ist, welches dem Wirtschaftskreislauf entzogen wird. Allerdings ist bei der Betrachtung von Geldangebot und Geldnachfrage dies nicht der Fall. Es ist lediglich weniger Geld auf dem Gütermarkt aktiv und die Kaufkraft des Geldes steigt durch das sinkende Angebot. Der Nutzen des Hortens besteht darin, die zukünftigen Unsicherheiten zu reduzieren (Rothbart 2000, 34 f.).

Es ist anzunehmen, dass Geld, welches gegen Zinsen verliehen wird, immer einer Investition oder einem Geschäft gegenüber steht. Da es keine Sicherheiten gibt, das heißt in einer freien Marktwirtschaft ist kein risikoloses Geschäft möglich, daher ist das Zusammenhalten des Geldes ein wesentlicher Bestandteil. Nur so kann ein Bürger für schwierige Zeiten gerüstet sein, um in der Gegenwart oder Zukunft einen Tauschhandel zu vollziehen. Außerdem werden Menschen ihr Geld zurückhalten, wenn sinkende Preise in naher Zukunft erwartet werden und ihr Geld ausgeben, wenn sie erwarten, dass der Wert des Geldes, und zwar die Kaufkraft in Zukunft sinken wird. Der Wunsch nach Bargeld steigt und fällt daher aus nachvollziehbaren Gründen. Desweiteren würde kein Geldsystem ohne das Horten funktionieren, jeder würde versuchen all sein Geld mit vollen Händen auszugeben und die Preise würden grenzenlos steigen (Rothbart 2000, 36 f.). Ein weiterer kritischer Aspekt der Expansion der Geldmenge und der damit einhergehenden Inflation, die in diesem Werk als Preissteigerung durch einen Anstieg des Geldangebotes verstanden wird ist, dass der natürliche Zins künstlich gedrückt wird und Unternehmer zu günstige Kredite erhalten. Viele Unternehmer wagen Investitionen, für die am Ende nicht genügend Produktionsmittel vorhanden sind um alle Investitionen zu realisieren. Dadurch wird aus einem ökonomischen Boom, eine ökonomische Krise wie Abschnitt 2.3 zeigt (Huerta de Soto 2009, 347 ff.). Desweiteren wird es durch die niedrigen Zinsen und den Verlust des Geldwertes attraktiver Kreditnehmer, anstatt Kredtigeber zu werden. Das bedeutet, dass das Sparen an Anreizen verliert, da das Geld zum jetzigen Zeitpunkt mehr Wert ist als in Zukunft (Laer 2010, 57 ff.). Dies scheint zu einer sinkenden Sparquote zu führen, zu einer bereitwilligen Kreditaufnahme und dadurch auch zu einer allgemeinen Verschuldung. Das Gegenteil von Inflation bildet die Deflation (fallende Preise), jedoch muss bei der Deflation unterschieden werden in zwei wesentlichen Arten. Einmal Deflation als natürlicher Prozess und Deflation ausgelöst durch eine Erweiterung der Geldmenge bzw. durch die Geldschöpfung des Teilreservesystems. Zum Erstegenannten gehört, dass Deflation gesehen werden kann als gesunder Wachstumsprozess in einem Wirtschaftssystem, indem durch den technischen Fortschritt Produktionsmittel besser genutzt und Produkte oder Dienstleistungen billiger werden. Desweiteren entsteht eine natürliche Deflation durch die Anhäufung von Sparguthaben, wie bereits erläutert wurde. Diese Arten von Deflation beschreiben einen wirtschaftlichen Prozess, der als natürliche Gegebenheit gesehen werden kann und aus der bisherigen Untersuchung ging hervor, dass die Deflation für die Gesellschaft keine negativen Folgen, durch das horten von Geld hat oder sogar positive Konsequenzen, durch den technischen Fortschritt (Huerta de Soto 2009, 444 ff.). Eine völlig andere Art von Deflation entsteht durch die Ausweitung der Geldmenge und die Vergabe von Krediten mit einer lediglichen Teilreserve. Zur Veranschaulichung der Begriffe unterscheidet Hochreiter (2010, 90 f.) grundsätzlich zwischen Inflation - Deflation und Teuerung - Vergünstigung. Das Erstgenannte beschreibt lediglich ein monetäres Phänomen, den Anstieg und Rückgang der ungedeckten Geldmenge. Teuerung und Vergünstigung sind nichts weiter als ein Rückgang oder Anstieg des allgemeinen Preisniveaus. Bisher ist ermittelt worden, dass die Geldmenge rasant ausgeweitet werden kann, jedoch ist auch der umgekehrte Fall möglich und die Geldmenge kann stark schrumpfen. In dem vorherigen Abschnitt wurde verdeutlicht, dass die Geldmenge von 1000 € bis auf 10000 € (10 % Reserve) durch Kreditvergabe erweitert werden kann. Bei einer Rückzahlung der Kredite schrumpft jedoch die Geldmenge auf das ursprüngliche Niveau. Allerdings werden die Banken unter normalen Umständen ausgelaufene Kredite gegen neue Kredite ersetzen, so dass diese Situation verhindert wird. Kritisch ist jedoch, wenn die Investitionen sich als falsch erweisen und Kredite nicht zurückgezahlt werden können, wodurch eine völlige Überschuldung resultiert. Zur Veranschaulichung ist zu erwähen, dass ursprünglich 1000 € real in dem gewählten Beispiel vorhanden waren und 9000 € konnten aus dem nichts geschöpft werden. Wenn alle Investitionen scheitern, wären die Banken mit 9000 € überschuldet, obwohl real nur 1000 € insgesamt als Reserve vorhanden waren. Um dieses Szenario zu vermeiden werden Banken strengere Kriterien für die Kreditvergabe auflegen und die Geldmenge schrumpft, denn weniger Kredite werden vergeben (Huerta de Soto 2009, 259 ff.). Nimmt die Geldmenge durch Zurückzahlung der Kredite ab und werden aufgrund eines schlechteren wirtschaftlichen Umfeldes weniger Kredite ausgegeben, sinkt folglich die Geldmenge. Nach Mankiw/Taylor (2006, 839 ff.) gibt es drei wesentliche Theorien wieso Unternehmen und die Gesellschaft eher von Inflation profitiert anstelle von Deflation. Die Keyene´sche Theorie starrer Löhne besagt, wenn das Preisniveau über dem erwarteten Preisniveau liegt, bietet es Unternehmen den Anreiz die Produktion auszudehnen und Personal einzustellen, da die Kosten gleichbleiben. Die Lohnkosten sind viel starrer und verändern sich nur langsam, erst später werden Lohnanpassungen vorgenommen. Eine weitere Theorie ist die Neukeynsianische Theorie der starren Preise, wenn das Preisniveau allgemein sinkt und Unternehmen die Preise zu zögerlich senken, führt dies zu sinkenden Absätzen. Dadurch werden Einschnitte in der Produktion und Beschäftigung stattfinden müssen. Allerdings werden Unternehmen, die Ihre Preise zu niedrig angesetzt haben, neue Kunden anziehen, die Produktion und Beschäftigung ausdehnen. Dieser Prozess vollzieht sich bis das Preisniveau und Produktionsniveau sich angepasst haben. Die dritte Theorie ist die neuklassische Theorie der Wahrnehmungsstörung, diese besagt, dass allgemeine Veränderungen des Preisniveaus zunächst gar nicht wahrgenommen werden und irreführend für Unternehmen sind. Bei einer Erhöhung des Preisniveaus reagieren die Anbieter kurzfristig mit Preissteigerungen. Während bei einer Senkung des allgemeinen Preisniveaus dieser zunächst gar nicht wahrgenommen wird. Die Anbieter reagieren auf das niedrigere allgemeine Preisniveau, irrtümlicherweise zunächst mit einem Einschnitt der Angebotsmenge. Diese drei wesentlichen Theorien beschreiben die kurzfristigen Auswirkungen auf die Angebotskurve. Langfristig passen sich jedoch auch hierbei das gesamte Angebot an Gütern und die Gesamtnachfrage wieder an. Allerdings führt die Deflation wie bereits erläutert, zu einer Senkung der Angebotsmenge und zu einer vorübergehenden Arbeitslosigkeit. Aus diesem Grund sieht sich die europäische Notenbank bzw. Zentralbank dazu veranlasst eine jährliche Inflationsrate von unter 2% anzustreben. Denn die Geldwertstabilität soll durch eine geringe Inflation gegeben sein und ein Rückgang von Output und Beschäftigung dadurch vermieden werden (Mankiw/Taylor 2006, 714). Dahingegen ist laut Hochreiter (2010, 93 ff.) und Huerta de Soto (2009, 450 ff.) die Deflation ein Gesundungsprozess der den inflationären Geldüberschuss bereinigt. Huerta de Soto zeigt hierbei drei wesentliche Gründe auf, wieso ein Gesundungsprozess eintritt. Da nach der Inflation die Deflation folgt zeigt sich, dass während der Geldexpansions- und Investitionsphasen Fehlentscheidungen getroffen worden sind und der ökonomische Nutzen nicht gewährleistet werden konnte (siehe Abschnitt 2.3.). Ein weiterer Grund für diese Annahme ist, dass durch die Deflation das Geld wieder an Kaufkraft gewinnt, welches dem Geld entzogen worden ist. Die Bezieher fester Einkommen und Bürger mit Sparguthaben profitieren von der erhöhten Kaufkraft. Die Banken und Investoren, die in der Boomphase investiert haben, sind in der Folge der Krise und Deflation benachteiligt, da diese die erhofften Gelder verlieren und eine Kreditklemme entsteht. Desweiteren sind Unternehmer dazu angehalten mehr zu sparen und weniger Dividende auszuschütten, da die Gewinne einbrechen werden. Denn die Gewinnkalkulation erfolgte mit vergangenen höheren Preisen, aber weniger Kaufkraft des Geldes und jetzt mit niedrigeren Preisen, jedoch dafür mit einer höheren Kaufkraft. Desweiteren ist das Sinken der Preise der Konsumgüter im Verhältnis zu den sinkenden Löhnen geringer. Dies führt wiederum zu einer Erhöhung der Ersparnis, die das Wachstum von Kapitalgütern stimuliert (Huerta de Soto 2009, 259 ff.). Nach der Konjunkturtheorie der Wiener Schule führen Investitionen ohne reale Ersparnis zwangsläufig zu Krisen, da diese die Produktionsstruktur fälschlicherweise verändern und ein natürliches Wachstum verhindert wird (Hochreiter 2004, 135 ff.). Desweiteren argumentiert Hochreiter (2004, 135 ff.) gegen eine Ausweitung der Geldmenge damit, dass die relativen Preisunterschiede zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis von Bedeutung sind und nicht das absolute Preisniveau. Der Unternehmer wird gezwungen sein die Kostenstruktur anzupassen, wenn der produktspezifische Verkaufspreis fällt. Dies kann der Fall sein, wenn sich die Nachfrage vermindert, die Geldhaltung zunimmt oder ein zusätzlicher Anbieter in den Markt eintritt. Das ein immer niedriger werdender Preis keinesfalls einen wirtschaftlichen Abschwung bedeutet, verdeutlicht die Computerindustrie, welche mit ständig sinkenden Preisen konfrontiert ist und trotzdem ein stetiges Wachstum nachweisen kann (Laer 2010, 93 f.)

Zusammenfassend wird folgendes deutlich, dass eine Expansion der Geldmenge wieder zu einer Verringerung der Geldmenge führt. Desweiteren geht aus der bisherigen Erkenntnis hervor, dass die Erweiterung der Geldmenge, sowohl durch den Kaufkraftverlust, als auch durch Fehlinvestitionen negative Konsequenzen für die Gesellschaft hervorrufen. Außerdem resultieren aus einer Verringerung der Geldmenge positive und auch negative Konsequenzen. Positiv ist, dass ein ursprünglicher Zustand der wirtschaftlichen Ordnung wieder hergestellt wird. Bürger mit Sparguthaben und festen Einkommen erhalten wieder mehr Kaufkraft, die natürliche Ersparnis steigt. Allerdings kann auch festgestellt werden, dass durch Deflation Arbeitslosigkeit entsteht, wobei dies eine Folge der künstlichen Ausweitung der Geldmenge zu sein scheint. Denn die Computerindustrie zeigt, dass stetig sinkende Preise nicht hinderlich für das Wachstum einer Branche sind.

2.3 Entstehung von Boomphasen und Krisen

Nach der Theorie der österreichischen Schule entstehen Wirtschaftskrisen nicht durch ein anderes wirtschaftliches Verhalten der Marktteilnehmer oder durch einen generellen Preisanstieg (Mankiw/Taylor 2006, 845 ff.), sondern sie werden als zwangsläufiges Ergebnis jeder Boomphase verstanden, die durch einen zu niedrigen Zins verursacht werden. Fragwürdig sind zwei Phänomene jeder Krise und das ständige auf und ab der Konjunktur. Das erste Phänomen ist, dass sich so viele Unternehmen gleichzeitig geirrt haben und scheitern. Ein weiteres Phänomen besteht darin, dass Wirtschaftskrisen ständig wiederkehren und es dem Anschein nach keine Lerneffekte gibt (Hochreiter 2010, 212 ff.). In den Werken der österreichischen Schulen ist oftmals ein Beispiel von Robinson Crusoe zu finden, um die Sparprobelmatik zu verdeutlichen (Huerta de Soto 2009, 274 ff.; Hochreiter 2010, 127 ff.). Robinson Crusoe ist auf einer Insel jeden Tag damit beschäftigt Beeren zu pflücken, um nicht zu verhungern. Er sieht jedoch, dass an den oberen Sträuchern viel mehr Beeren hängen und mit einer Leiter könnte dieser die oberen Beeren erreichen. Dadurch würde er in kürzerer Zeit viel mehr pflücken können und seine Produktivität steigern. Jedoch benötigt Crusoe mehrere Tage, um Holz zu finden und eine Leiter zu bauen. Daher isst dieser jeden Tag ein paar Beeren weniger und spart sich diese auf, um den Leiterbau durchführen zu können. Nachdem dieser genug Beeren gespart hat, setzt Crusoe sein Vorhaben um und benötigt jetzt nur noch ein Zehntel der Zeit, die er zuvor Beeren gesammelt hat. Die neu dazugewonnene Zeit könnte dieser jetzt für andere Tätigkeiten nutzen (Huerta de Soto 2009, 274 ff.). Dieses Beispiel veranschaulicht den Ausgangspunkt für die Konjunkturtheorie der Wiener Schule. Hierbei wird grundsätzlich zwischen Konsumgüter bzw. Güter erster Ordnung und Industriegüter bzw. Güter zweiter Ordnung differenziert. Die Güter zweiter Ordnung müssen vorhanden sein, um Güter der ersten Ordnung produzieren zu können. Das bedeutet wiederum, die Güter der zweiten Ordnung steigern die Qualität oder die Quantität der Konsumgüter. Hayek entwickelte das hayeksche Dreieck mit den beispielhaften Produktionsstufen Bergbau, Transport, Produktion, Vertrieb und Handel (Hochreiter 2010, 133 f.). An dem Beispiel von Robinson Crusoe wird deutlich, dass der vorübergehende Verzicht auf derzeitigen Konsum, es ihm ermöglichte ein Gut zweiter Ordnung die Leiter herzustellen, wodurch sich die Quantität der Güter erster Ordnung, und zwar die Quantität der gesammelten Beeren gesteigert werden konnte. Wären diese Ersparnisse nicht vorhanden gewesen, dann hätte er dieses Vorhaben abbrechen müssen. Zusammenfassend bedeutet dies, dass mit einem vorübergehenden Konsumverzicht und der natürlichen Ersparnis Güter zweiter Ordnung hergestellt werden können, die das Konsumniveau quanatitativer und/oder qaulitativer Art nachhaltig steigern. Inwieweit eine ganze Gesellschaft bereit ist vermehrt Güter der zweiten Ordnung herzustellen bzw. die Produktionsstruktur zu vertiefen oder zu verlängern, hängt von dem Zins ab. Die Höhe des Zinses hängt wiederum von der Zeitpräferenz der Bürger ab. Eine hohe Zeitpräferenz bedeutet, dass Menschen nicht auf die sofortige Bedürfnisbefriedigung verzichten möchten und konsumieren. Dies hat einen niedrigen Kapitalstock zur Folge und einen hohen Zinssatz. Bei einer niedrigen Zeitpräferenz sind die Menschen stärker zukunftsorientiert und verzichten auf den sofortigen Konsum, um letztendlich ein höherwertiges Konsumniveau zu erreichen. Dadurch steigt das Angebot an Ersparnissen, der Zinssatz sinkt und der Kapitalstock steigt. Eine sinkende Zeitpräferenz setzt nach der Konjunkturtheorie der Wiener Schule eine Veränderung der Kapitalstruktur in Gang. Durch den Konsumverzicht werden in den konsumnahen Branchen Konkurse verzeichnet und Arbeitskräfte freigesetzt. Die niedrigen Zinsen locken jedoch Unternehmen in konsumfernere Branchen, die kapitalintensiver sind. Die erhöhte Sparneigung führt zu einer Vertiefung und Verlängerung der Produktionsstruktur, da genügend Produktionsmittel freigesetzt worden sind. Beispielsweise könnte der Wertschöpfungsprozess vorgelagert werden und ein Forschungsprozess schließt sich an, dadurch wird die Produktionsstruktur verlängert. Nachdem dieser Prozess abgeschlossen wurde verändert sich die Produktionsstruktur auf das ursprüngliche Niveau, schließlich war dieser Prozess nur temporär, um mehr oder bessere Konsumgüter zu erhalten. Dieser Prozess beschreibt eine Veränderung der Akkumulation von Ressourcen, durch eine Präferenzänderung der Menschen (Hochreiter 2010, 125 ff.).

Im Gegensatz dazu soll untersucht werden, wodurch eine Veränderung des Zinssatzes entsteht und wie sich diese Veränderung des Zinssatzes auf den Markt auswirkt. Nach Mankiw/Taylor (2006, 721) wird die Geldmenge durch die Zentralbank auf folgender Weise erhöht: „Wenn die Zentralbank das Geldangebot erhöhen möchte, dann kann sie Geld drucken und dieses dafür verwenden, festverzinsliche Wertpapiere am Anleihenmarkt zu kaufen. Danach befindet sich das zusätzliche Geld im Umlauf.“. Dieser Prozess wird als Offenmarktgeschäft bezeichnet. Laut Hochreiter (2010, 140 ff.) sendet das viel zu niedrige Zinsniveau völlig falsche Signale an den Markt. Die Konsumenten denken sie müssten konsumieren statt sparen, da sich das Sparen durch den niedrigen Zins nicht lohnt. Unternehmen denken, dass der Kapitalstock groß genug wäre und investieren. Theoretisch müsste durch diesen Eingriff die Nachfrage nach Krediten das Angebot übersteigen. Jedoch ist bereits im vorherigen Abschnitt verdeutlicht worden, dass Banken neues Geld schöpfen und so die Geldmenge immer stärker ausgedehnt wird. Dadurch wird die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage erstmal gedeckt. Nach Huerta de Soto (2010) gibt es sechs mikroökonomische Auswirkungen, die eine Krise nach dem augenscheinlichen Boom einleiten. Zuallererst werden keine Produktionsmittel in der Konsumgüterindustrie freigesetzt, da die Ersparnis nicht zugenommen hat und mehr Unternehmen stehen jetzt, um die ursprünglichen Produktionsmittel im Wettbewerb. Außerdem steigen die Konsumgüterpreise schneller als die Produktionsmittelkosten, daher profitieren die konsumnahen Unternhemen. Die Konsumenten fragen Konsumgüter stärker nach, während Unternehmen versuchen vermehrt Investitionsgüter herzustellen. Daraus folgt, dass die Gewinne der Unternehmen steigen, die nahe am Endkonsumenten sind und die Gewinne der Investiotionsgüterindustrie fangen an zu stagnieren und die Kosten steigen immer stärker an. Eine weitere Auswirkung stellt der Ricardo Effekt dar, die Preise der Konsumgüterindustrie steigen stärker an als die Lohnkosten, dadurch lohnt es sich mehr Arbeitskräfte einzustellen und die Nachfrage nach Maschinen sinkt. Dies schmälert ebenfalls die Gewinne der Konsum entfernten Industrien z.B. im Maschinenbau. Durch die Kreditexpansion nimmt als Konsequenz die Geldmengenausweitung maßgeblich zu. Früher oder später nimmt die Rate der Kreditexpansion ab, die Kaufkraft des Geldes steigt wieder und der Zinssatz nimmt durch eine höhere Risikoprämie stark zu. Die Unternehmen stehen im Wettbewerb, um die knapper werdenden Kredite, die benötigt werden, um die getätigten Projekte bzw. die Fehlinvestitionen doch noch abzuschließen. Zu guter Letzt entdecken Unternehmen die weit vom Konsum entfernt sind, dass diese massive Verluste verzeichnet haben, im Vergleich zur Konsumgüterindustrie. Die angestoßenen Projekte in der Boomphase müssen unterbrochen oder liquidiert werden (Huerta de Soto 2010, 6 f.). Die Investitionen sind wegen eines viel zu niedrig angesetzten Zinssatzes durchgeführt worden, der real gesehen gar nicht möglich war. Die Produktionsstruktur ist nach Hochreiter (2010, 161. f.) durch das Eingreifen in den Zins verzerrt worden. Die kapitalintensiven, vorgelagerten Branchen haben während der Boomphase noch hohe Wachstumsraten verzeichnen können und gehen dann in der Krise reihenweise in Konkurs. Die künstlich ausgeweitete Produktionsstruktur passt sich wieder der real nachgefragten Produktionsstruktur an. Jedoch erleidet die Gesellschaft einen Verlust, da diese Umstrukturierungen Zeit, Arbeitskraft und Kapital ohne nachhaltigen Nutzen verschlungen haben (Hochreiter 2010, 161. f.). Laut Huerta de Soto (2010, 7 f.) entdeckt der Markt nach der Boomphase, dass den künstlich aufgeblasenen Bilanzen der Banken nicht mehr zu vertrauen ist. Denn die Aktiva der Bankbilanzen sind viel zu hoch bewertet, während die Passiva den gleichen Wert beibehalten. Der Markt verliert das Vertrauen und die Banken geraten ins Schwanken. Dadurch muss die Zentralbank als „lender of last resort“ (Kreditgeber als letzte Zuflucht) eingreifen, oder in der jüngsten Finanzkrise sogar der Staat. Baader (2006, 123 f.) bezeichnet die Krise als einen bereinigenden Prozess, der nur hinausgeschoben werden kann, indem die Politik und Zentralbank die Zinsen fortlaufend senken und die Geld und Kreditmenge immer weiter erhöht werden. Doch irgendwann folgt der Umbruch und die künstliche, wirtschaftliche Aufblähung versiebt.

Zusammenfassend kann daher angenommen werden, dass die Veränderung des Zinssatzes und die Schaffung von zusätzlichem Geld der Geschäftsbanken zu Fehlallokationen führen, da ein falsches Signal an den Markt entsteht.

Letzendlich entstehen dadurch negative Konsequenzen für die allgemeine Wohlfahrt. Die entstandene Krise, das heißt, die Rückanpassung des Produktionsprozesses an reale Gegebenheiten und eine entstehende Deflation sind demzufolge ein Gesundungsprozess zur natürlichen Ordnung und treten daher immer wieder durch das Eingreifen in dem Markt auf.

2.4 Hypothesen - Entstehung der Finanzkrise durch das moderne Geldsystem

Bisher ist verdeutlicht worden wie Geld geschöpft wird, welche Unterschiede zwischen Inflation und Teuerung bestehen, was natürliche Deflation ist und Deflation durch die Ausweitung der Geldmenge. Desweiteren ist anhand der Konjunkturtheorie der Wiener Schule die Ursache von Wirtschaftskrisen dargelegt worden. In dem folgenden Abschnitt werden die bisher untersuchten Punkte zusammengefasst und ein theoretisches Konstrukt gebildet, um zu erklären, wieso die aktuelle Wirtschaftskrise und auch andere Krisen entstanden sind. Die Ausweitung der Geldmenge wird sichtbar an denen sich ständig aufblähenden Bankbilanzen, die bis zu der Krise steigen und dann brechen diese plötzlich ein. Die Fehlinvestitionen werden sichtbar und Banken müssen abschreiben. Hypothese 1: Die Ausweitung der Geldmenge und ansteigende Bilanzsummen setzen sich bis zu einer Krise fort, dann nehmen die Bilanzsummen ab. Desweiteren wird angenommen, dass das Vertrauen in Geldwerte sinkt. Die zunehmende Inflation und die Unsicherheit auf den volatilen Märkten führen zu einer Flucht in Edelmetalle wie Gold und Silber. Hypothese 2: Der Verlust des Kaufkraftniveaus und der volatile Markt führen zu einem ansteigenden Bedarf an Edelmetallen. Ein zu niedriger Zins führt dazu, dass die Sparquote abnimmt, da das Sparen sich nicht mehr lohnt. Hypothese 3: Die Ausweitung der Geldmenge und ein zu niedriger Zins führen dazu, dass die Sparquote abnimmt. Desweiteren zeigt ein Wachstum der kapitalintensiven Branchen bei einem gleichzeitigen Rückgang der Sparquote und erhöhten Konsum, dass eine inflationäre Blase erzeugt worden ist. Hypothese 4: Ein Wachstum der kapitalintensiven Branchen verbunden mit einem Rückgang der Sparquote ist ein Symptom einer folgenden Krise. Da durch einen zu niedrigen Zinssatz die Fehlallokation ausgelöst wird und Unternehmen falsch investieren, führt eine Zinssenkung zu einem Boom und eine Zinserhöhung zu einer Rezession, da Fehlinvestitionen aufgedeckt werden. Hypothese 5: Eine Zinssenkung durch die Zentralbank führt erst zu einem Boom und bei einer Zinserhöhung zu einer Krise. Die aufgestellten Hypothesen beschreiben Ursachen und Auswirkungen einer Krise. Die aufgestellten Hypothesen werden im nächsten Abschnitt anhand der jüngsten Finanz- und Weltwirtschaftskrise untersucht werden.

3. Die Finanzkrise - Ursachen, Schlussfolgerung, Alternative und Ausblick

3.1 Untersuchung

In diesem Abschnitt werden die einzelnen Hypothesen untersucht, anhand von frei zugänglichen Daten. Stark betroffen von der Finanzkrise waren die Investmentbanken Lehmann Brothers, die auch am 15. September Konkurs anmeldete und Goldman Sachs. Ab dem Jahr 2001 begann die Geldexpansion durch die Zinssenkung der FED (Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Leitzins FED (Global Rates 2012)

Der Leitzins wurde von 2001 bis 2002 von 6,5 % auf ca. 2 % erheblich gesenkt. Bei der Betrachtung des Zeitraums von 2001 bis zur Finanzkrise wird deutlich, dass die Vermögenswerte, sogenannte Assets der Bank Lehmann Brothers von $ 241.816 (in Millionen) (Lehmann Brothers 2001, 62) bis zum 29. Februar 2008 auf $ 786.035 (in Millionen) angestiegen sind. Dann ist einen Monat später am 31. Mai der Vermögenswert, bzw. die Bilanzsumme auf $ 639.432 (in Millionen) runtergebrochen (Lehmann Brothers 2008, 82). Bei der Betrachtung der Bilanz von Goldman Sachs kann ebenfalls ein starker Anstieg und eine Abnahme der Vermögenswerte festgestellt werden. Im November 2001 betrug der Vermögenswert der Bank $ 312.218 (in Millionen) (Goldman Sachs 2002, 62). Der Vermögenswert von Goldman Sachs kletterte rasant rauf bis 2007 auf einen Höchststand von $1.119.796 (in Millionen). Im November 2008 sank der Vermögenswert von Goldman Sachs auf $ 884.547 (in Millionen) (Goldman Sachs 2008, 134). Bei Betrachtung der Geldmenge M3 ist auffällig, dass schon seit 1996 die Geldmenge proportional anwächst. Die Geldmenge M3 stieg von ca. 4.500 Milliarden Dollar im Jahre 1996 auf ca. $ 10500 Milliarden Dollar des Jahres 2007 an (federal reserve economic data 2011). Desweiteren ist in Abbildung 1 ersichtlich, dass die FED den Leitzins von 2001 bis 2004 auf 1 % senkte und vor der Krise 2007/08 wurde dieser wieder angehoben. Aus den vorhergehenden Punkten wird deutlich, dass die Banken Lehmann Brothers und Goldman Sachs vor der Krise die Vermögenswerte durch die Vergabe von Krediten deutlich steigerten. Inwieweit sich diese Banken direkt durch Häuserkredite oder durch den Kauf von Wertpapieren am Häuserboom beteiligten wird aufgrund des Umfangs dieser Arbeit nicht analysiert. Es stellt sich aber klar heraus, dass die Vermögenswerte dieser Banken in der Krise geschrumpft sind und Lehmann Brothers musste sogar Konkurs anmelden. Wie bereits erwähnt wurde, schien die Aktiva der Bilanz nicht einmal mehr Bruchteile des ursprünglichen Wertes zu haben. Desweiteren begann der Häuserboom in den USA mit der Zinssenkung und als der Leitzins erhöht wurde, brach der Häuserboom ein, die Finanz- und Wirtschaftskrise folgte. Die Hypothese 1 und Hypothese 5 können daher nicht falsifiziert werden. Außerdem ist die Baubranche sehr kapitalintensiv und die Frage besteht darin, ob der Aufschwungphase eine natürliche Ersparnis zugrunde lag und ob der Konsum eingschränkt worden ist. Die Tabelle 3 zeigt, dass die Sparquote seit 1998 sinkt und 2005 sogar den Tiefststand erreicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Sparquote der Haushalte in den USA (Elwell 2010, 7)

Es ist nicht davon auszugehen, dass der Konsum vorübergehend eingeschränkt worden ist. Außerdem zeigt eine historische Analyse der Sparquote, dass diese seit 1984 in den USA kontinuierlich abnimmt und vor der Krise den Tiefpunkt erreichte (Guidolin/Elizabeth 2007, 492 f.). Es ist daher anzunehmen, dass durch das Geldmengenwachstum und die expansive Geldpolitik der FED die Sparquote abnimmt, da sich das Sparen nicht mehr lohnt. Weiterhin hat zu Zeiten des Häuserbooms der Konsum zugenommen, da die Sparquote gesunken ist. Die Sparquote befindet sich ohnehin in den USA auf einem sehr niedrigen Niveau verglichen mit Deutschland (Elwell 2010, 7). Die Hypothese 4 kann nicht falsifiziert werden, da die Sparqoute in der Boomphase gesunken ist und der Konsum nicht eingeschränkt wurde. Die Hypothese 3 kann ebenfalls nicht verworfen werden, allerdings stieg die Sparquote nach 2001 leicht an und erreichte 2007 dann sogar den Tiefststand, obwohl der Leitzins angehoben wurde. Nach der Krise 2009 erreichte die Sparquote den Höchststand der letzten 10 Jahre in den USA (Tabelle 3). Bei Betrachtung der historischen Sparquote ist auffällig, dass diese dem Trend nach kontinuierlich abgenommen hat (Guidolin/Elizabeth 2007, 492 f.). Die Korrelation zwischen Sparquote und Leitzins scheint nicht genau überein zu stimmen, jedoch ist ein klarer Trend bei Betrachtung eines größeren Intervalls erkennbar. Das nach Entstehung einer Krise die Sparquote wieder zunimmt wurde bereits verdeutlicht. Desweiteren kann angenommen werden, dass Hypothese 2 nicht falsifiziert werden kann, dies zeigt Abbildung 2.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Goldpreis in US Dollar (Gold.de 2012)

Die Abbildung 2 zeigt den Verlauf des Goldpreises in US Dollar von 2004 bis 2012. Die Analyse des Goldpreises verdeutlicht, dass vor der Krise der Goldpreis leicht gestiegen ist und nach der Krise ist dieser rasant angestiegen. Dies lässt vermuten, dass die Menschen das Vertrauen in die Währung verlieren und in die Märkte. Gold war wie bereits erläutert wurde, das ursprüngliche Geld und schließlich stieg die Goldnachfrage nach der Finanzkrise. Dies trifft auch auf Silber zu. An dieser Stelle ist noch zu erwähnen, dass ansteigende Börsenkurse während des Aufschwungs den Scheingewinn einer inflationierten Boomphase widerspiegeln und nach dem sich die Gewinnerwartungen der Realität nähern, platzen die Börsenblasen (Hochreiter 2010, 161). Aus diesem Grunde mussten die Börsenkurse ebenfalls massive Verluste zur Finanz- und Wirtschaftskrise hinnehmen. Keine der aufgestellten Hypothesen konnte falsifiziert werden und scheinen für die Finanzkrise zutreffend zu sein. Hochreiter (2010,160) zeigt, dass den Krisen von 1929, 1987 ein Wachstum der Geldmenge vorausging. Nach der analyse von Schmidt (2011, 44 f.) entstand auch die Dot.com-Blase durch ein starkes Wachstum der Geldmenge.

3.2 Schlussfolgerung, Alternative und Ausblick

Aus der durchgefüherten Analyse geht hervor, dass durch fehlende Ersparnisse und zu billigem Geld für die Unternehmen, massive Schäden für die Wirtschaft und damit für die gesellschaftliche Wohlfahrt entstehen. Desweiteren verschlimmern zwei wesentliche Annahmen diesen Prozess, dass durch niedrige Zinsen und erhöhten Staatsausgaben einer entstandenen Krise entgegenwirkt werden kann. Es herrscht der Irrglaube einer Krise entgegenzusteuern mit mehr Geld für Unternehmen und neuen Konsumanreizen für Nachfrager (Laer 2010, 45 f.). Baader (2004, 123 ff.) bezeichnet die Idee, dass der Staat die Nachfragelücke nach einer Krise schließt als Voodoo-Ökonomie. Wenn es möglich wäre durch Mehrausgaben einen höheren Nutzen zu erzielen und eine höhere Wohlfahrt zu erzeugen, dann müsste jede Regierung nur mit Geld um sich werfen und alle wären reich. Jedoch weiß jeder Bürger, dass er verarmt, wenn er mehr ausgibt als ihm zur Verfügung steht. Wozu führt also die immer stärkere Ausdehnung der Geldmenge aus dem Nichts, die Fehlinvestitionen und der fehlende Anreiz Geld zu sparen? Die Konsequenz lautet, dass eine völlige Überschuldung der Staaten, sogar eine Überschuldung der ganzen Gesellschaft entsteht. Abbildung 3 zeigt die private Verschuldung, die orangene Linie stellt dabei die Gesamtverschuldung dar, die bis zur Finanzkrise exorbitant angestiegen ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Verschuldung der Privatpersonen in den USA (Federal Reserve 2010)

Die Abbildung 4 zeigt wie sich die Schulden des amerikanischen Staates entwickelt haben und gigantische Ausmaße annehmen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Staatsschulden der USA (usgovernmentspending.com 2011)

Ein zu niedriger von der Zentralbank beeinflusster Zins und die Geldschöpfung aus dem Nichts, führen insgesamt zur Verwässerung der Kaufkraft, zu wirtschaftlichen Krisen verbunden mit einem Wohlfahrtsverlust und zur Verschuldung einer ganzen Gesellschaft. Wenn diese Krise, als Krise des Kapitalismus bezeichnet wird, obwohl das Geldangebot reguliert und künstlich ausgeweitet werden kann, dann stellt sich die Frage inwieweit das Wort Kapitalismus überhaupt zutrifft. Baader (2005, 226 ff.) bezeichnet das gesetzliche Zahlungsmittel oder das staatliche Geldmonopol sogar als sozialistisches Geld. Man müsse dem Staat laut Baader das Geldmonopol entziehen, ansonsten wird so lange inflationiert bis das Geld keinen Wert mehr hat und alle Ersparnisse auch keinen Wert mehr besitzen. Abgesehen von der bisherigen Kritik, reicht ein einfaches Argument aus, warum der Zinseingriff und die Steuerung der Geldmenge dem marktwirtschaftlichen Verständnis widersprechen. Denn niemand kann die richtige Geldmenge kennen (Laer 2010, 86 f.). Was ist also eine Alternative? Laer (2010, 87 ff.) stellt als mögliche Lösung das sogenannte Free Banking vor. Die Ausgabe des Geldes wird dem freien Markt überlassen, die Banken können Währungen emittieren und konkurrieren miteinander. Dabei ist anzunehmen, dass das ungedeckte Geld wie das heutige nicht vom Markt akzeptiert werden würde, denn mit Gold und/oder Silber würde der Wert des Geldes hinterlegt werden müssen. Bei einem Währungsvergleich könnte schnell festgestellt werden, welche Bank das ausgegebene Geld inflationiert und welche nicht. Eine inflationierende Bank würde schnell das Vertrauen der Kunden verlieren und vom Markt ausscheiden, während emittierende Banken die ihre Wertstabilität einhalten bzw. dessen Kaufkraft sich erhöht erfolgreich wären. Ein Gegenargument könnten die Transaktionskosten sein, es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass sich unzählige Währungen ergeben. Die Menschen würden sich auf wenige Währungen konzentrieren, die sich durchsetzen würden. Desweiteren ist es ebenfalls möglich mit Kreditkarten zu bezahlen und in die Wechselkurse umzurechnen, exakt wie es heute der Fall ist. Leider gab es das Free Banking System laut Laer (2010,87 ff.) noch nie in der Geschichte. Bisher haben Staaten das Geldmonopol immer für sich beansprucht.

In dieser Arbeit wurde das Geldsystem auf einer sehr kritischen Weise betrachtet und vor allem aus Sicht der österreichischen Schule. Bei der aktuellen Schuldenkrise in Europa und die dargestellte Verschuldung in den USA lassen an den bisherigen politischen Handlungsweisen zweifeln. Desweiteren zeigt ein Leitzins nahezu 0 % in den USA, dass alle politischen Maßnahmen ausgeschöpft sind. Die USA und Europa sind stark verschuldet und der Leitzins auf einem historischen Tiefstand. Das Gelddrucken soll die Wirtschaft abermals heilen. Diese Arbeit hat ausführlich verdeutlicht, dass dieser Geldsegen irgendwann zum Fluch wird und die Gesellschaft verarmen lässt. Die bisher gesichteten Autoren der österreichischen Schule warnen daher vor einem Zusammenbruch des Papiergeldsystems, dieser Annahme schließt sich der Autor dieser Arbeit an.

Literaturverzeichnis

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Details

Seiten
27
Jahr
2012
ISBN (Buch)
9783656295310
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v203060
Institution / Hochschule
Hochschule Ludwigshafen am Rhein
Note
1,3
Schlagworte
Finanzkrise österreichische Schule

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Titel: Das “Fractional-Reserve Banking System” – Auslöser der Krise