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Der bessere Kaiser? Plutarch und Sueton über Galba und Otho

Essay 2010 4 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Der bessere Kaiser? Plutarch und Sueton über Galba und Otho

„Opus agredior opimum casibus, atrox proeliis, discors seditionibus, ipsa etiam pace saevum. quattuor principes ferro interempti: trina bella civilian, plura externa ac plerumque permixta […].”1

So fasst Tacitus das für Rom verheerende Jahr 69 n. Chr. zusammen. In diesem so genannten Vierkaiserjahr herrschten, nachdem diese ihren jeweiligen Vorgänger beseitigen ließen, nacheinander Galba, Otho, Vitellius und schließlich Vespasian als Kaiser über Rom. Genaue Kenntnisse über dieses Jahr verdanken wir neben Tacitus den Biographen Sueton und Plutarch. Von beiden sind Viten des Galba und des Otho erhalten. Entscheidend bei der Betrachtung dieser Werke ist die Tatsache, dass beide nicht so sehr die Darstellung der historischen Ereignisse fixierten als vielmehr ein Bild der Kaiserpersönlichkeiten zu zeichnen beabsichtigten.

Beide Autoren hatten bei der Komposition der Viten jeweils ein dezidiertes Ziel vor Augen, das sich allerdings unterscheidet. Diesem Ziel folgend wählten beide auch unterschiedliche Herangehensweisen an die Biographie. Während Sueton darum bemüht ist, das Phänomen des Prinzipats in der jeweiligen Ausgestaltung durch die einzelnen Kaiser zu fassen und dabei von seiner Modellvorstellung des römischen Verhaltens und der concordia ordinum ausgeht, verfolgt Plutarch bei den Charakterzeichnungen bedeutender Männer eine moralisch- pädagogische Intention.2 Sueton geht bei seinen Biographien nach einem mehr oder weniger festen Schema vor, indem er die Themen Abstammung, Jugend, Karriere, private Lebensführung, Tod nacheinander abhandelt und dabei die virtutes und vitia der Personen ausführt. Für Plutarch manifestiert sich der Charakter in den Handlungen einer Person. Daher finden sich bei ihm detailliertere Beschreibungen von Taten und Abläufen als bei Sueton. Diese Form der Biographie scheint seiner Intention auch eher zu entsprechen, will er doch Hilfestellung für das konkrete Leben seiner Leser geben. Eine solche scheint besser durch Handlungsanweisungen als durch bloße Charakterbeschreibungen realisiert werden zu können.

Nun stellt sich die Frage, ob denn die unterschiedliche Konzeption der Biographien auch zu unterschiedlichen Urteilen der Autoren bezüglich der Kaiserpersönlichkeiten führt. Um dieser Frage nachgehen zu können, werden zunächst einige Gemeinsamkeiten und Widersprüchen bezüglich der Persönlichkeit Galbas exemplarisch herausgegriffen. Dieser Schritt wird für die Biographien des Otho wiederholt, um eine zusammenfassende Betrachtung über die allgemeine Bewertung dieser beiden Kaiser durch Plutarch und Sueton anzuschließen. Während Plutarch den Wandel der Person Galba nachzeichnet, der mit der Machtergreifung im Zusammenhang zu stehen scheint, erfährt der Galba Suetons im Prinzipat eine Steigerung seiner Charaktereigenschaften. Plutarch attestiert Galba vor Regierungsantritt „maßhaltende Sparsamkeit“, „Mitgefühl und Teilnahme“ und zeigt ihn als einen von den Menschen geliebten Statthalter, nach der Machtergreifung wirft er ihm bei den Maßnahmen gegen die neronische Verschwendungssucht vor, „nicht das gebührende Maß einzuhalten“.3 Weiterhin ist bei Plutarch zu lesen, wie sich die beliebte Person Galba zu einem „Furcht und Entsetzen“ auslösenden Herrscher entwickelt.4 Plutarch begnügt sich jedoch nicht mit einer einfachen Benennung dieser Transformation, sondern weist darauf hin, dass die negativen Bewertungen zum Teil der öffentlichen Meinung entnommen sind. Des Weiteren führt Plutarch auch Gründe für den Wandel an. Zum einen stand Galba unter dem Einfluss schlechter Berater, wie dem des Titus Vinius, zum anderen wird Galbas hohes Alter als Grundvoraussetzung für seine Beeinflussbarkeit und mangelnde Urteilsfähigkeit aufgefasst.

Suetons Galba vor der Machtergreifung ist ein ganz anderer. Er zeichnet sich durch besonderen Ehrgeiz und ausgenommene Strenge aus. Sein Zug zur Maßlosigkeit beim Bestrafen zeigt sich bei Sueton schon in der Zeit als Feldherr und Statthalter. Daraus lässt sich auch erklären, dass das bei Plutarch an mehreren Stellen zu findende anfängliche Wohlwollen des Volks und Heers Galba gegenüber bei Sueton nicht auftaucht. Vielmehr gibt Sueton an, dass die Ankunft des Kaisers in Rom aufgrund des ihm vorauseilenden Rufs als habgieriger und grausamer Herrscher nicht besonders erwünscht war.

Der vornehmend negativen Darstellung des Kaisers Galba stellt Plutarch aber auch positive Aspekte entgegen. Bei ihm lesen wir, dass der Kaiser bei der Adoption den Piso dem Otho vorzog, da ihm am Gemeinwohl gelegen war und er deswegen nach dem besten Nachfolger suchte, statt seinen persönlichen Sympathien zu folgen. Sueton beschreibt die Fakten zur Adoption, ohne eine positive Bewertung des Galba einfließen zu lassen. Am deutlichsten wird die Diskrepanz zwischen Plutarchs und Suetons Einschätzung Galbas in den jeweiligen Schlussparagraphen.

[...]


1 „Ich beginne ein Werk reich an Schicksalsschlägen, grässlich durch Kämpfe, zwieträchtig durch Meutereien, schrecklich auch selbst in der Friedenszeit. Vier Regenten durch das Schwert aus dem Weg geräumt, drei Bürgerkriege, viele äußere und meistens verworrene [Kriege] […].“ (eigene Übersetzung), Tacitus, Cornelius: Historiarum Libri (recog. C. D. Fisher), Oxford 1911, I 2.

2 Vgl. Sallmann, Klaus: Suetonius Tranquillus, C.; in: DNP 11 (2001), 1085. Till, Rudolf: Einleitung; in: Sueton: Cäsarenleben (übertragen und erläutert von Max Heinemann), 8. überarb. Aufl., Stuttgart 2001, XXV-XXVI.

3 Plutarch: Große Griechen und Römer (übers. und mit Anm. versehen von Konrat Ziegler und Walter Wuhrmann), 3., rev. Aufl., Mannheim 2010, 3; Plutarch 4; Plutarch 16.

4 Plutarch 15.

Details

Seiten
4
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656288343
Dateigröße
340 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202964
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,0
Schlagworte
Galba Otho Vierkaiserjahr Plutarch Sueton Biographie Rom Kaiser

Autor

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