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Form und Funktion des Apostrophs in der deutschen Gegenwartssprache

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 15 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Formale Aspekte
2.1 Wortherkunft
2.2 Einordnung des Apostrophs in das Interpunktionssystem
2.3 Form

3. Formen des Apostrophgebrauchs in der Gegenwartssprache des Deutschen
3.1 Der Elisionsapostroph
3.2 Der Stammform-Apostroph

4. Schlussbetrachtungen

5. Literatur

1. Einleitung

Die Interpunktion scheint im Allgemeinen kein spannendes Thema für das öffentliche Interes­se zu sein. Viel mehr wird sie als ein leidiges und randständiges Thema behandelt, das es sei­nen Nutzern oftmals nicht sehr einfach macht. Die Kommaregeln werden stellenweise als zu diffizil beschrieben, die - mittlerweile gar nicht mehr so neue - Rechtschreibung als unnötig oder schlecht umgesetzt kritisiert. Wie Baudusch (1997:489) bereits treffend feststellt, wird die Zeichensetzung im gesellschaftlichen Sprachbewusstsein insgesamt nicht sonderlich wert­geschätzt. Der Apostroph scheint demnach eine Ausnahme darzustellen, da ihm wie keinem anderen Wort- oder Satzzeichen öffentliche Beschäftigung widerfährt. Es gibt zahlreiche Zei­tungsartikel zu ihm, darunter sowohl Nachrichtenmagazine wie Der Spiegel oder Satiremaga­zine wie die Titanic. Allen gemein scheint der gleiche Grundtenor: Kritik am fluktuierenden Apostrophgebrauch. Im Internet gibt es selbst mehrere Webseiten, die sich ausschließlich die­ser Thematik annehmen. Deren Namen, wie Apostroph-Gruselgalerie oder Apostrophitis le­gen nahe, dass auf ihnen nicht minder Kritik geübt wird. Es ist sowohl in den Zeitschriften als auch auf den Webseiten die Rede vom sogenannten Deppen-Apostroph, der in den meisten Fällen auf den Genitiv-Apostroph abzielt, aber auch auf alle anderen wider der Norm gesetz­ten Apostrophe. Die Süddeutsche titelt: Sieg des Deppenapostrophs - da zumindest der Geni­tiv-Apostroph in bestimmten, im Folgenden noch weiter zu erläuternden, Fällen mittlerweile wenn auch nicht als normiert, dann zumindest als toleriert gilt.

Der zunehmende bzw. sich auf weitere Bereiche als die Auslassung ausdehnende Ge­brauch des Apostrophs wird zu großen Teilen und im Bereich nicht-linguistischer Beschäfti­gung fast ausnahmslos als Sprachverfall gedeutet (vgl. Polenz 2000:4). Obwohl die heute wie­der vermehrt auftretenden Gebrauchsweisen außerhalb der Markierung von Elisionen keine Neuerscheinung sind, sondern schon vor mehreren Jahrhunderten teilweise Usus waren.

Im Folgenden soll sich zum großen Teil auf die Verwendung des Apostrophs in der Gegenwartssprache des Deutschen bezogen und die verschiedenen Gebrauchsweisen heraus­gearbeitet werden. Dafür soll zuerst ein grundlegender Überblick über die formalen Aspekte des Apostrophs gegeben werden, bevor auf die verschiedenen Formen des Gebrauchs und die derzeitige Kodifizierung der Regeln einzugehen sein wird.

2. Formale Aspekte 2.1 Wortherkunft

Apostroph ist im 16. Jahrhundert aus dem gleichbedeutenden spätlateinischem apostrophus entlehnt und kann als ‘Auslassungszeichen’ übersetzt werden. Das Lateinische hat seinen Ur­sprung im griechischen apostrophos, einem substantivierten Adjektiv, das in etwa weg-, ent­fallend bedeutet (Kluge 2011:51). Im Deutschen ist der Apostroph ein stark dekliniertes, mas­kulines Substantiv und die Unsicherheiten im Umgang mit ihm entstehen nicht erst in seinem schriftlichen Gebrauch, sondern bereits in seiner lautlichen Nennung. Viele Sprecher sind sich über die Genuszugehörigkeit des Nomens im Unklaren, so kommt es, dass neben der korrek­ten Form der Apostroph oftmals auch das Apostroph vorkommt.1

2.2 Einordnung des Apostrophs in das Interpunktionssystem

Der Apostroph ist im engeren Sinn nicht als Satzzeichen zu begreifen. Satzzeichen definieren sich durch die syntaktische Gliederung von Sätzen, der Apostroph hingegen strukturiert ein­zelne Wörter (einz'ge) bzw. Wortgruppen (stimmt's), weshalb er oft mit dem Bindestrich, dem Abkürzungspunkt u.a. zu den sogenannten Wortzeichen gezählt wird (vgl. Mentrup 1983, Engel 1996). Der Begriff istjedoch umstritten, weil er als Synonym bzw. Verdeutschung von Logogramm verstanden werden kann. Um Missverständnissen beim Gebrauch bzw. Verständ­nis beider Termini entgegenzuwirken, empfiehlt sich die Verwendung des Terminus Syngra- phem. „Syngrapheme sind diskrete graphische Einheiten, deren Funktion das Segmentieren und/oder Klassifizieren ist“ (Gallmann 1996:1456) bzw. „Grapheme in der Funktion von Grenzsignalen“ (Gallmann 1989:93). Unter diesen Begriff fallen allerdings auch die „ge­wöhnlichen“ Satzzeichen, da ein etablierter Terminus fürjene Untergruppe der Syngrapheme, die keine Satzzeichen darstellen, noch immer aussteht. Auch das amtliche Regelwerk unter­scheidet in seinem Kapitel zur Zeichensetzung lediglich zwischen Satzzeichen und sogenann­ten bestimmten Zeichen daneben.

2.3 Form

Auch hinsichtlich seiner Form sehen sich einige Schreiber mit Unklarheiten beim Apostroph­gebrauch konfrontiert. Neben dem typographisch korrekten Apostroph <’>, werden oftmals fälschlicherweise der Accent grave <'> oder der Accent aigu <'>, das Fuß- oder Minutenzei­chen <’> oder auch das einfache Anführungszeichen <‘> an seiner Stelle verwendet. Der Apo­stroph ähnelt also dem Komma bzw. gleicht diesem im Aussehen und unterscheidet sich le­diglich durch seine Positionierung auf der Oberlinie, weshalb er von einigen Grammatikern auch als Oberstrich(lein) bezeichnet wurde (vgl. etwa Bellin, Braun, Gottsched).

Aufgrund seiner Ähnlichkeit in Form und Position zu den vorangegangenen Zeichen gehört der Apostroph zu den wahrscheinlich am häufigsten typographisch falsch dargestellten Zeichen. Allerdings ist zu bemerken, dass der falsche Gebrauch anderweitiger Zeichen anstel­le des Apostrophs fast ausschließlich bei computergeschriebenen Texten vorkommt. Dies mag zum einem daran liegen, dass unterschiedliche Schriftarten, sogenannte Fonts, auf einjeweils unterschiedliches Zeichenrepertoire zurückgreifen. Zum anderen aberjedoch vor allem daran, dass der typographisch korrekte Apostroph auf deutschen Tastaturen keine direkte Entspre­chung hat und nur durch die Tastenkombination [AĽTJ+0146 oder als Sonderzeichen einge­fügt werden kann. Da beide Möglichkeiten einem schnellen Schreibfluss hinderlich sind, scheint neben der Unkenntnis des korrekten Apostrophgebrauchs auch die Umständlichkeit dessen einen falschen Gebrauch zu begünstigen.

3. Formen des Apostrophgebrauchs in der Gegenwartssprache des Deutschen 3.1. Der Elisionsapostroph

Im amtlichen Regelwerk (DR2006) der 1996 beschlossenen Rechtschreibreform wird der Ge­brauch des Elisionsapostroph in § 96, 97 geregelt. Der Apostroph ist demzufolge zur Markie­rung des Genitivs bei Eigennamen zu setzen, die auf einen s-Ľaut (schriftlich also -s, -ss, -ß, -tz, -z, -x, -ce) enden (§ 96,1, vgl. 1a), sowie zur Markierung schwer lesbarer oder missver­ständlicher Auslassungen (§ 96,2, vgl. 1b), als auch bei Wörtern mit Auslassungen im Wortin­neren (§ 96,3, vgl. 1c). Fakultativ ist die Setzung des Apostrophs hingegen, „wenn Wörter ge­sprochener Sprache mit Auslassungen bei schriftlicher Wiedergabe undurchsichtig sind“ (§97,

[...]


1 Eine Google-Suche vom 10.07.2012 mit dem Suchbegriff „der Apostroph“ ergab ca. 26500 Webseiten. Die inkorrekte Verbindung mit dem neutralen Artikel „das Apostroph“ lieferte mit ca. 21300 Treffern ein ähnlich hohes Ergebnis. Allerdings sind innerhalb dieser auch zahlreiche Suchergebnisse mit inbegriffen, die lediglich die falsche Verwendung korrigieren. Dennoch mag eventuell gerade jener Umstand die Gegenwärtigkeit dieser Problematik aufzeigen.

Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656292357
ISBN (Buch)
9783656294191
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202889
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,3
Schlagworte
Apostroph Gegenwartssprache Form Funktion Interpunktion

Autor

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