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Pädagogische Fallarbeit zum Experimental-Seminar

Seminararbeit 2012 20 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Kurze Erläuterung: Ziel der Fallarbeit

2 Kompetenzbereich „Unterrichten“
2.1 Fallbearbeitung
2.1.1 Fallidentifikation
2.1.2 Fallinterpretation
2.1.3 Handlungs- und Möglichkeitsräume

3 Kompetenzbereich „Erziehen“
3.1 Fallbearbeitung
3.1.1 Fallidentifikation
3.1.2 Fallinterpretation
3.1.3 Handlungs- und Möglichkeitsräume

4 Forschungsliteratur

5 Anhang 1: Schriftliches Interview zur Fallarbeit - Jerry

6 Anhang 2: Schriftliches Interview zur Fallarbeit

Ein besonderer Dank gilt meinen Freunden, Jerry und Domenico.

Ich möchte mich an dieser Stelle für eure Offenheit und euer Vertrauen herzlichst bedanken!

Es gibt eine schöne Offenheit, die sich öffnet wie eine Blume,

Nur um zu duften.

Nur in seiner Suche findet der Geist des Menschen das Geheimnis,

welches er sucht.

Friedrich Schlegel 1772-1829, Dichter und Philosoph

1 Kurze Erläuterung: Ziel der Fallarbeit

Die Fallarbeit im erziehungswissenschaftlichem Studium hat zum Ziel, theoretisches Wissen möglichst praxisnah einzusetzen. Zu diesem Zwecke wird einschlägige Lite­ratur bereitgestellt, die verschiedene Situationen aus dem Schulalltag darstellen. Die Darstellung erfolgt aus Sicht des Lehrers, sodass Lehramtsstudierende die Möglich­keit haben, sich bereits vor dem Referendariat mit dem Schulalltag als Lehrkraft aus­einanderzusetzen.

In der vorliegenden Fallarbeit möchte ich sowohl einen ausgewählten Fall aus dem Kompetenzbereich „Unterrichten“ als auch aus dem Bereich des „Erziehens“ behan­deln. Mein Anliegen war es bei der vorliegenden Arbeit beide Spektren der Kompe­tenzbereiche abzudecken, um einen Einblick in beide Bereiche zu erhalten.

Für das Tätigkeitsfeld „Unterrichten“ habe ich den Fall 3 „Unterschiedliche Leis­tungsniveaus in einer Klasse“ entschieden, da dies eine Situation ist, die oftmals auf­tritt.

Um den Fachbereich „Erziehen“ abzudecken, wählte ich Fall 17 „Dreckige Schwuchtel“, da mich bei dem vorliegenden Fall der Prozess der Identitätsbil­dung von Jugendlichen und Erwachsenen durchaus interessiert.

2 Kompetenzbereich „Unterrichten“

2.1 Fallbearbeitung

Wie eingangs erwähnt, bearbeite ich den Fall 3 „Unterschiedliche Leistungsniveaus in einer Klasse“.[1]

Um den vorliegenden Fall möglichst umfassend zu analysieren, veranschauliche ich den Fall zunächst in einer kurzen Identifikation, um anschließend mit der Interpretation zu beginnen. In einem folgenden Schritt werde ich fernerhin auf potenzielle Lösungs- und Handlungsspielräume eingehen.

2.1.1 Fallidentifikation

Die Lehrkraft erkennt die unterschiedlichen Leistungsniveaus der Schüler innerhalb der Klasse. Die Schüler sind in der 5. Klasse und kamen aus verschiedenen Grund­schulen. Im Hinblick auf die Vorkenntnisse ihrer Klasse sagt die Lehrkraft, dass die verschiedenen Leistungsniveaus auf die vorherigen Grundschullehrer zurückzufüh­ren seien.

Zu ihrer Unterrichtsgestaltung führt sie an, dass sie diesen so gestallten müsse, dass keiner der Schüler sich langweile.

2.1.2 Fallinterpretation

Die Lehrkraft bezeichnet die vorliegende Situation als problematisch, da sie nicht weiß, wie sie die Leistung der Schüler auf ein gemeinsames Niveau bringen kann, und zeitgleich dem Anspruch der Individualisierung im Unterricht gerecht zu wer­den.

So befürchtet sie ein Ungleichgewicht in der Klasse hervorzurufen, wenn leistungs­schwächere Schüler intensiver gefördert werden, während die Leistungsstärken „sich selbst überlassen“ sind.

Die Zusatzaufgaben werden von den leistungsstärkeren Schülern nicht als Förderung wahrgenommen, sondern vielmehr als eine Strafe. Die Schüler werden sich berech­tigterweise die Frage stellen, warum sie anstelle einer Belohnung für gute Leistungen und die aktive Teilnahme am Unterricht, eine Strafe bekommen. Bei dem Schüler entsteht der Eindruck einer positiven Bestrafung[2] durch das Hinzufügen von etwas Negativem.

Diese Methode der Zusatzaufgaben halte ich für äußerst fragwürdig, da die Gefahr besteht, dass die Schüler sich zukünftig nicht mehr oder nur noch bedingt an dem Unter­richtsgeschehen beteiligen könnten, um die „Zusatzarbeiten für bessere Schüler“ zu vermeiden. Somit wäre ein massiver Motivationsverlust die Folge, der womöglich auch mit einem drastischen Leistungsabfall einhergeht.

Als kontraproduktiv empfinde ich, dass die hereinrufenden Schüler offensichtlich keine Konsequenzen erfahren. Aufgrund der Tatsache, dass die leistungsschwäche­ren Schüler gerade durch diese Interaktion „auf der Strecke bleiben“[3]. Wie die Lehr­kraft ausführt, fühlen sich die Leistungsschwachen der Klasse eingeschüchtert und ziehen sich zurück.

Mangels einer Sanktion gegen das Hereinrufen wird dieses Verhalten als akzeptabel gewertet. Meiner Meinung nach führt das zu einem ernstzunehmenden Konkurrenz­druck, der die leistungsschwächeren Schüler in einen Zustand der Resignation ver­fallen lässt.

Selbstverständlich ist es bei Schülern, die zuvor verschiedene Grundschulen besucht haben, äußerst wahrscheinlich, dass diese nach dem Übertritt in die 5. Klasse – und trotz der Aufteilung der Schüler in verschiedene Schularten – unter keinen Umstän­den eine homogene Klasse bilden können. Dies als kausal relevant bezeichnen, halte ich für eine fast schon überflüssige subjektive Erklärungshypothese[4], da diese nicht zu einer Lösung des Problems führen wird.

Darüber hinaus wird eine Lehrkraft jahrgangstufenunabhängig niemals einer homo­genen Klasse gegenüberstehen. Die Lehrkraft sieht sich stets mit verschiedenen Leistungsniveaus – allein aufgrund der individuellen Begabung, der eigenen Interes­sen und der persönlichen Motivation des Schülers – konfrontiert.

Diese Haltung zeigt sehr deutlich eine sog. Fremdattribuierung der Lehrkraft: Anstatt das eigene Handeln zu reflektieren und ggf. in Frage zu stellen, wird die Verantwor­tung Dritten zugewiesen.

Des Weiteren halte ich das Ziel der Homogenität innerhalb einer Klasse für wenig erstrebenswert. Erstens ist es nicht umsetzbar und somit absolut utopisch, und zwei­tens halte ich die Heterogenität für überaus wichtig im Bezug auf den Sozialisations­kontext der Schüler. Die Schüler lernen ihre eigenen Stärken und Schwächen kennen, sie eignen sich Fähigkeiten und Fertigkeiten eines gesellschaftsfähigen Agens an, da die Schüler lernen anderen zu helfen und auch Hilfe von anderen anzunehmen. Bereits in diesem Kontext lernen Schüler, die wichtigsten Prinzipien einer Gesellschaft, und es wird infolgedessen das soziale Verantwortungsbewusstsein der Heranwach­senden gefördert. Unterschiede können starkmachen – dies sollte man sich als Lehr­kraft stets vor Augen führen – völlig gleich ob im Zusammenhang mit dem Migrati­onshintergrund, der sozialen Herkunft der Schüler, oder auch im Kontext unter­schiedlicher Leistungsniveaus innerhalb einer Klasse.

2.1.3 Handlungs- und Möglichkeitsräume

Klassenunterricht nach dem linearen Prinzip halte ich für unangebracht, da man mit einem solchen Model nur jene Schüler erreicht, die sich leistungsmäßig im Durch­schnitt befinden. Somit entstünde gezwungenermaßen die im Fall dargelegte Aus­gangssituation, nämlich jene, dass einige Schüler sich langweilen und andere sich wiederum überfordert fühlen.

[...]


[1] Vgl. Kiel, Ewald: Herausfordernde Situationen in der Schule. Ein fallbasiertes Arbeitsbuch. Klinkhardt. Bad Heilbrunn. 2011. S. 57ff.

[2] Vgl. Verstärkerarten der Operanten Konditionierung

[3] Kiel, Ewald: Herausfordernde Situationen in der Schule. Ein fallbasiertes Arbeitsbuch. Klinkhardt. Bad Heilbrunn. 2011. S. 57.

[4] König, Eckhard; Zedler, Peter: Theorien der Erziehungswissenschaft. 2. überarb. Aufl. UTB. 2002.

S. 158

Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656295150
ISBN (Buch)
9783656295273
Dateigröße
580 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202870
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Fakultät für Psychologie und Pädagogik
Note
3,0
Schlagworte
schulpädagogik leistungsniveau identitätsbildung homosexualität sozialisation fallarbeit ews

Autor

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Titel: Pädagogische Fallarbeit zum Experimental-Seminar