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Flexibilisierung des Arbeitsmarktes

Aus (kultur- und gesellschafts-) wissenschaftlicher Perspektive

Hausarbeit 2012 15 Seiten

Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konsequenzen von Globalisierung und (Finanzmarkt-) Kapitalismus aus unterschiedlichen gesellschaftstheoretischen Perspektiven

3. Flexibilität und Prekarität

4. Die Debatte um Flexibilisierung

5. Liberalisierung und Flexibilisierung in Deutschland

6. Ausblick

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Richard Sennett (2000) beschreibt in dem Buch „Der flexible Mensch - Die Kultur des neuen Kapitalismus“ eingehend die Formen der Flexibilisierung von Unternehmen in den Vereinigten Staaten, welche sich insbesondere vor dem Hintergrund der Internationalisierung der Märkte, des globalen Finanzmarktkapitalismussowie dem verstärkten Konkurrenzdruck herausgebildet haben. Die Unternehmen können sich mit flexiblen Strukturen eher nachfrage orientiert an die Bedürfnisse der Kunden anpassen, schneller und leichter auf Markterfordernisse reagieren und ihre Strukturen kurzfristig umorganisieren, um besser im (globalen) Wettbewerb mithalten zu können.

Für die Beschäftigten haben sich damit viele flexible Beschäftigungsverhältnisse herausgebildet, so sind sie beispielsweise in befristeten Arbeitsverhältnissen angestellt, als Leiharbeitnehmer an wechselnden Orten tätig oder arbeiten in zeitlich begrenzten Projekten mit stetig neuen Arbeitskollegen, etc. Die Flexibilisierung der Märkte wirkt bis hinein in die persönliche Lebensführung und die soziale Lebenswelt der einzelnen Menschen, Reorganisierungsprozesse in den Unternehmen führen zu (Neu-) Orientierungsprozessen bei den Beschäftigten. Sennett hat für die USA exemplarisch aufgezeigt wie die erhöhte Flexibilität und Mobilität nicht nur zu arbeitsbezogenen Veränderungen, sondern darüber hinaus auch zu psychischen Verunsicherungen bei den Individuen führen kann. Mit dieser Hausarbeit möchte ich ansatzweise der Frage nachgehen inwiefern sich die Bundesrepublik mit dem Modell desRheinländischen Kapitalismussowie der Sozialen Marktwirtschaftund den sozialstaatlich geregelten Lohnarbeitsverhältnissen von der Arbeitsmarktpolitik in den Vereinigten Staaten und ihrem anglo-amerikanischenModell unterscheidet. Wie weit entfernt ist Deutschland von der amerikanischen Arbeitsmarktpolitik? Welchen Einfluss haben Finanzmarktkapitalismus und die Öffnung der Märkte auf die Beschäftigungsformen innerhalb der Bundesrepublik?

Hierfür werde ich zunächst das Thema der „flexiblen Gesellschaft“ in einen größeren Kontext einbetten und einen groben Bezug zu anderen Gesellschaftstheorien herstellen. Im Anschluss daran werden die für diese Arbeit relevanten Begriffe Flexibilitätund Prekaritätkurz erläutert, um dann einen Einblick in die Debatte um Flexibilisierung zu geben. Danach werde ich den Einfluss des Finanzmarktkapitalismus auf die Wirtschaftspolitik in Deutschland umreißen und einen kleinen Ausblick in eine mögliche, weiterführende kulturwissenschaftliche Auseinandersetzung geben.

2. Konsequenzen von Globalisierung und (Finanzmarkt-) Kapitalismus

aus unterschiedlichen gesellschaftstheoretischen Perspektiven Das Zusammenwachsen der Welt durch Prozesse der Globalisierung ist kein neues Phänomen; neu sind dahingegen die Strukturen und Risiken sowie das Tempo und die Schnelligkeit mit denen sie sich rasant weiter entwickeln. Viele Autoren haben diesbezüglich in den letzten Jahren unterschiedliche Schriften zu den Umbrüchen, Wandlungen und Gefahren moderner Gesellschaften veröffentlicht. Viele von ihnen nehmen sich der Thematik der Globalisierung und ihrer Konsequenzen aus unterschiedlichen Perspektiven an.

So konstatiert Schulze (1992) die moderne Erlebnisgesellschaft, welche die existentielle und materielle Not überwunden und nun das „schöne“ Leben mit all seinen Möglichkeiten, Optionen, und Erlebnissen auskosten möchte.1 Der gesellschaftliche Wandel manifestiert sich, so Schulze, insbesondere in dem allgemeinen Anstieg des Lebensstandards, der Freizeit, den expandierenden Bildungsmöglichkeiten, dem technischen Fortschritt sowie der zunehmenden Pluralisierung von Lebensformen.2Trotz der modernen Vielfalt innerhalb der Gesellschaft habe sich eine gemeinsame, kollektive „Lebensauffassung“ herausgebildet, in Form der „Gestaltungsidee eines schönen, interessanten, subjektiv als lohnend empfundenen Lebens.“3So streben die Individuen allesamt nach einer inneren Befriedigung durch äußere Erlebnisse; und auch wenn sie unterschiedliche Orientierungen und Bedürfnisse haben, so bilden sie doch in ihrem gemeinsamen Bestreben nach der „Erlebnisorientierung“ ein Kollektiv.

Dieser gesellschaftliche 'Genuss' von Freizeit, Erleben und erweiterten Handlungsmöglichkeiten ist jedoch vor allem Resultat eines von der Industrie produzierten materiellen Wohlstandes, welcher auch eine Vielzahl an ökologischen und ökonomischen Krisen hervorbringt.4 Der Konsum, die (Genuss-) Freiheit und der materielle Überfluss haben ihren Preis. Ullrich Beck (1998) spricht in diesem Zusammenhang von der Risikogesellschaftund bezieht sich damit auf die von den Menschen selbst produzierten Gefahren durch die industrielle Ausbeutung der Ressourcen, etc. Diese negativen „Nebeneffekte“ bezeichnet er als „zivilisatorische Selbstgefährdungspotenziale“5, welche weit über nationale Grenzen hinausgehen und globale Gefahren darstellen. Nach Beck wächst deshalb die Bedeutung internationaler Abkommen, welche insbesondere eine stärkere Regulierung und Kontrolle der Wirtschaft zum Ziel haben muss, um größere ökologische und ökonomische Katastrophen zumindest annähernd einzudämmen.6

Da diese staatliche Regulierung jedoch noch unzureichend gegeben ist, kommt es auf dem ökonomischen Sektor 'schon' gegenwärtig zu beobachtbaren, fatalen Konsequenzen. So verweist Richard Sennett (2000) mit seiner Analyse zurKultur des neuen Kapitalismus auf die Auswirkungen des finanzmarktgetriebenen Kapitalismus und des globalen Wettbewerbs von (international agierenden) Unternehmen in den Vereinigten Staaten. Der starke Konkurrenzdruck bringt zum Teil schwerwiegende Veränderungen in den Praxen der Unternehmensführung mit sich. Um im wirtschaftlichen Wettbewerb mitzuhalten bieten viele Unternehmen flexible und unsichere Beschäftigungen für die Arbeitnehmer an oder nehmen Restrukturierungsmaßnahmen in Kauf, die zu Entlassungen unzähliger Angestellter führen.7Richard Sennett zeichnet eingehend nach, welche sozialen und psychischen Auswirkungen die Flexibilisierung von Unternehmen für das Individuum haben können.8

Die wirtschaftlichen Entwicklungen und intendierten Maßnahmen sind in ihren Formen sehr unterschiedlich und haben ebenso heterogene Auswirkungen auf die einzelnen Subjekte. Während Sennett die ökonomischen Konsequenzen vor allem als Fremdzwänge auf das Individuum einwirken sieht, werden aus der Perspektive Byung- Chul Hans (2005) - der seinen Text zur Müdigkeitsgesellschaft veröffentlichte - vor allem die Selbstzwänge der modernen Individuen thematisiert.

[...]


1 Gerhard Schulze: Die Erlebnisgesellschaft. Kultursoziologie der Gegenwart. Frankfurt/ Main - New York 1992, S.39

2 Ebd., S. 34

3 Ebd., S.37

4 Vgl. Ulrich Beck: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt am Main 1998. S. 25

5 Vgl. Ulrich, wie Anm. 4, S. 29

6 Ebd., S. 30

7 Richard Sennett: Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus. Berlin 2000, S.60 f.

8 Ebd., S.20 f.

Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656288602
ISBN (Buch)
9783656290674
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202829
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie
Note
1,0
Schlagworte
Flexibilisierung Richard Sennett Finanzmarktkapitalismus Prekarität Deregulierung

Autor

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Titel: Flexibilisierung des Arbeitsmarktes