Lade Inhalt...

Die ersten Bauern in Deutschland

Die Linienbandkeramische Kultur (5500 bis 4900 v. Chr.)

Fachbuch 2012 106 Seiten

Archäologie

Leseprobe

Friedrich Klopfleisch (1831-1898)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es begann vor 7.500 Jahren

Der Beginn der Jungsteinzeit mit Ackerbau, Viehzucht, Töpferei und Sesshaftigkeit wird in Deutschland durch das Auftreten der Linienbandkeramischen Kultur (etwa 5500 bis 4900 v. Chr.) markiert. Ihre Angehörigen gelten in vielen Teilen Mitteleuropas als die ersten Acker- bauern und Viehzüchter. Die Linienbandkeramische Kultur war von der Ukraine bis Frankreich (Pariser Becken) und von Ungarn - mit Ausnahme der Küste - bis Norddeutschland verbreitet.

Funde dieser Kultur kennt man aus Baden-Württemberg, Bayern, dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen, dem südlichen Niedersachsen, aus Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg und aus dem unteren Odergebiet. Allein in Ost- deutschland befinden sich schätzungsweise etwa 1000 Fundstellen der Linienbandkeramischen Kultur.

Der Begriff Bandkeramik wurde 1884 durch den Kunst- historiker Friedrich Klopfleisch (1831-1898) aus Jena eingeführt. Von Linearkeramik sprach 1902 als erster der Stadtarzt und Urgeschichtsforscher Alfred Schliz (1849-1915) aus Heilbronn. Der daraus abgeleitete Na- me Linienbandkeramische Kultur basiert auf der bän- derartigen Verzierung der Tongefäße dieser Kultur. Ihre Herkunft ist umstritten. Der australisch-britische Prähistoriker Vere Gordon Childe (1892-1957 vertrat 1929 die Hypothese einer ausschließlich südöstlichen Herkunft. Dabei berief er sich auf die Einflüsse des

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Alfred Schliz (1849-1915)

Balkans im Kult und in verschiedenen Bereichen der materiellen Kultur. Childe und andere Wissenschaftler gingen davon aus, dass die explosionsartige Zunahme der Bevölkerung die frühen Bauern gezwungen habe, neues Acker- und Weideland zu erschließen und zu diesem Zweck begrenzte Wanderungen zu unter- nehmen. Die einheimische jägerische Bervölkerung habe dann jeweils nach einer gewissen Zeit die neuen Errungenschaften übernommen.

Dagegen ließ der Wiener Prähistoriker Richard Pittioni (1906-1985) die ersten Bauern der Linienbandke- ramischen Kultur aus einheimischen Jägern der späten Mittelsteinzeit hervorgehen und führte 1954 das Auf- kommen von Ackerbau uund Viehzucht in Mitteleu- ropa auf das günstige Klima der Nacheiszeit zurück. Eine Einwanderung aus dem Südosten Europas habe es nicht gegeben.

Ähnlich argumentierte der Berliner Prähistoriker Hans Quitta. Er nimmt an, eine noch unbekannte jägerische Bevölkerungsgruppe Mitteleuropas habe nach dem Kontakt mit früheren Bauern aus Südosteuropa Ackerbau und Viehzucht von ihnen übernommen. Ich selbst schließe mich der alten Auffassung von einer Einwanderung der ersten Bauern aus Südosteuropa an. Die Hausbauweise, der Keramikstil, der Schmuck, der Kunststil, die Bestattungsweise und die Religion der Linienbandkeramischen Kultur unterscheiden sich auffällig von den Errungenschaften der vorhergehenden mittelsteinzeitlichen Jäger, Fischer und Sammler. Der Linienbandkeramiker schufen eine völlig neue Welt, in der eine neue Wirtschafts- und Lebensweise, aber auch

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Jäger der Mittelsteinzeit,

Ölgemälde von Fritz Wendler (1941-1995)

für das Buch„Deutschland in der Steinzeit“(1991)von Ernst Probst

neue Werte und Glaubensvorstellungen alles ver- drängten, was über Jahrtausende gewachsen war. Die linienbandkeramischen Pioniere drangen von ihrem ursprünglichen Siedlungsgebiet auf dem Balkan entlang der Donau nach Bayern und Südwestdeutschland vor, wo einige von ihnen den Rhein erreichten und überschritten. Eine andere Einwanderungsroute führte die March aufwärts nach Nordmähren und Böhmen, dann entlang der Elbe nach Mitteldeutschland und von hier aus nach Hessen und ins südliche Niedersachsen. Die linienbandkeramischen Einwanderer besiedelten bevorzugt die fruchtbaren Lößlandschaften, deren nährstoffreiche Böden sich besonders gut für den Ackerbau eigneten. Zunächst ließen sie sich auf den flachen Hängen entlang der Gewässer nieder und lichteten dort die Eichenmischwälder in der näheren Umgebung durch Fällen von Bäumen mit Steinbeilen oder durch Brandrodung mit Feuer. So gewannen sie Holz für den Bau von Häusern und freie Flächen für Äcker und das Vieh. Ihre Siedlungen lagen wie kleine Inseln im Waldmeer. Im Laufe der Zeit breiteten sie sich infolge des starken Bevölkerungszuwachses immer mehr aus. Bald wurde eine Bevölkerungsdichte von etwa 17 Einwohnern pro Quadratkilometer erreicht, die damit mindestens halb so hoch war wie die des 15. Jahrhunderts in Deutschland.

Die frühen bäuerlichen Kolonisatoren hatten in Deutschland ein relativ dünn von mittelsteinzeitlichen Jägern, Fischern und Sammlern sowie von La-Hoguette- Leuten besiedeltes Gebiet angetroffen. Der Begriff La- Hoguette-Gruppe wurde 1983 von dem französischen

Zeichnung auf Seite 13:

Einwandernde Ackerbauern und Viehzüchter

der Linienbandkeramischen Kultur (etwa 5500 bis 4900 v. Chr.)mit Rindern und anderem Hab und Gut.

Zeichnung des Kunstmalers Fritz Wendler (1941-1995) für das Buch„Deutschland in der Steinzeit“(1991) von Ernst Probst

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Roden eines Siedlungsplatzes im Wald mit Schuhleistenkeil zur Zeit der Linienbandkeramischen Kultur. Zeichnung von Fritz Wendler

für das Buch„Deutschland in der Steinzeit“(1991)von Ernst Probst

Prähistoriker Christian Jeunesse aus Straßburg geprägt. Er erkannte die Ähnlichkeit von Keramikfunden aus dem Elsaß und der burgundischen Pforte (Bavans, Département Doubs) mit dem Material von La Hoguette im französischen Département Calvados in der Nor- mandie. Dass die La-Hoguette-Leute auch in Deutsch- land verbreitet waren, haben 1989 die Prähistoriker Jens Lüning und Ulrich Kloos aus Frankfurt am Main sowie Siegfried Albert aus Tübingen bekanntgemacht. In ihrem Aufsatz in der Zeitschrift „Germania“ erwähnten sie 19 Fundorte von La-Hoguette-Keramik. Die meisten davon, nämlich 9, liegen in Baden-Württemberg, weitere in Rheinland-Pfalz (3), Bayern (2), Hessen (3) und Nordrhein-Westfalen (2). Im Online-Lexikon „Wiki- pedia“ heißt es, die La-Hoguette-Gruppe habe sich etwa um 6.500 v. Chr. von der Mündung der Rhône aus nach Norden verbreitet und etwa 300 Jahre vor der Li- nearbandkeramik den Rhein und seine Nebenflüsse erreicht. Im Fundgut der La-Hoguette-Gruppe ist der Anteil der Haustierknochen merklich größer als bei den Linienbandkeramikern, die wiederum mehr Ackerbau betrieben

Es ist nicht auszuschließen, dass es bei der Landnahme der Linienbandkeramiker vereinzelt zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit der einheimischen Bevölke- rung kam. Zumeist dürften sich die Jäger, Fischer und Sammler in unwegsamere Gebiete zurückgezogen und dort das Leben von „Hinterwäldlern“ geführt haben. Allmählich mehrten sich aber die Kontakte mit den Einwanderern, und die Jäger, Fischer und Sammler übernahmen deren neue Errungenschaften.

Die Entstehung der Linienbandkeramischen Kultur fiel in das Atlantikum (etwa 5800 bis 3800 v. Chr.). In diesem Abschnitt förderten hohe und gleichmäßige Durchschnittstemperaturen die Ausbreitung eines dichten Eichenmischwaldes mit Eichen, Linden, Ulmen und Haselnusssträuchern. Nach den Ergebnissen der Pollenanalyse veränderte sich im nördlichen Mitteleu- ropa jedoch seit dem Auftreten der Linienband- keramischen Kultur der Anteil der verschiedenen Gehölzarten. Die Pollen von Eichen und Linden gingen merklich zurück, gleichzeitig nahmen diejenigen von Birke, Haselnuß und Esche deutlich zu. Dieser Wandel im Vegetationsbild war offensichtlich eine Folge der Rodungen in den Eichenmischwäldern. Die frühen Bauern fällten zahlreiche Eichen, um ihr Holz zur Errichtung der großen Wohnhäuser und für Palisaden zu gewinnen. Die Linden mußten häufig bei der Anlage von Siedlungs- oder Ackerflächen weichen.

In einer Siedlung bei Singen am Hohentwiel (Kreis Konstanz) in Baden-Württemberg fand man die Überreste von Barben, Forellen, Hechten, Rotaugen, Rotfedern und Schleien. An Gewässern lebten unter anderem Schwäne, Wildgänse und Enten. Nach den Funden von Straubing-Lerchenhaid in Niederbayern zu schließen, lebten in dieser Gegend Sumpfschildkröten, Gänse, Kraniche, Auerhühner und Biber. Außerdem fand man dort die Überreste von Auerochsen, Elchen, Rothirschen, Rehen, Wild- schweinen, Braunbären und Füchsen.

Die Menschen der Linienkeramischen Kultur - auch Linienbandkeramiker oder Bandkeramiker genannt - waren kleiner als die heutige Bevölkerung in Deutsch- land. Auf dem Gräberfeld von Butzbach (Wetteraukreis) in Hessen erreichten die Männer eine Körpergröße bis zu 1,71 Meter, die Frauen bis zu 1,57 Meter. An den Skelettresten ließen sich manchmal auch Krankheiten nachweisen. So stellten 1982 und 1983 der Tübinger Anthropologe Alfred Czarnetzki und sein Schüler Matthias Seitz fest, dass von den etwa 80 Be- statteten auf dem Gräberfeld vom Viesenhäuser Hof1 bei Stuttgart-Mühlhausen ungefähr jeder Fünfte an einem bösartigen Tumor (Krebs) litt. Möglicherweise handelte es sich bei diesen Gräbern um eine Art von Seuchenfriedhof, in dem fast ausschließlich die Opfer von schweren Krankheiten beerdigt wurden. Das Durchschnittsalter der dort Bestatteten liegt unter 30 Jahren. Ein männliches Skelett vom Viesenhäuser Hof hielt im Grab das Beil ausnahmsweise in der linken Hand. Sein rechter Arm war von Metastasen befallen, wie ein Sieb durchlöchert und deswegen gebrochen. Im Grab 38 vom Viesenhäuser Hof lag der Schädel eines Mannes, dessen linke Gesichts- und Stirnpartie auffällig deformiert ist. Die Verletzung könnte durch einen Sturz oder Schlag entstanden sein. Vermutlich wurde sie medezinisch versorgt, wobei man die Knochensplitter entfernte. Dank dieser Fürsorge ist die Fraktur verheilt. Ein Fund aus dem Gräberfeld von Hönheim-Suffelweyersheim im Elsaß (Frankreich) lässt auch das Vorkommen von Schädeloperationen (Tre- panationen) erkennen.

Auf medizinische Versorgung deutet auch ein im Grab 57 vom Viesenhäuser Hof beobachteter Bruch des

Anthropologe Alfred Czarnetzki

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

linken Unterarmes eines Mannes hin, der gut verheilt ist. Offenbar hatte man diesen Arm eingerichtet und ruhiggestellt. Dagegen ist der gebrochene Unterarm eines Linienbandkeramikers aus Westeregeln südöstlich von Magdeburg in Sachsen-Anhalt schief zusammengewachsen.

Die Zähne der Linenbandkeramiker sind mitunter durch starke Beanspruchung beim Beißen harter Nahrung stark abgekaut worden. So waren die oberen Schneidezähne eines Erwachsenen aus Bischleben bei Erfurt in Thüringen fast bis zur Schmelzgrenze abgerieben. Aus Roßleben in Thüringen kennt man sogar Milchzähne mit deutlichen Abnutzungsspuren und aus Son- dershausen in Thüringen bis zur Zahnhöhle abge- schliffene Zähne, bei denen das Gefäß- und Nerven- geflecht freilag.

Zahnfäule (Karies) kam dagegen selten vor, weil durch den Abschliff kleine Herde überwiegend schon vor der Ausbreitung beseitigt wurden. So wies in Sondershausen von insgesamt 185 Zähnen des Dauergebisses im Unterkiefer kein einziger Anzeichen von Karies auf. Von 207 untersuchten Zähnen des Dauergebisses im Oberkiefer sowie 19 Milchzähnen stellte man nur bei 2,45 Prozent Karies fest. Vereinzelt gab es auch Zahnstein, wie Funde aus Sondershausen und das Gebiss eines etwa achtjährigen Kindes aus Zauschwitz in Sachsen zeigen.

Eine auffällige Erscheinung ist die gehäuft bei mit- teldeutschen Linienbandkeramikern auftretende erbliche Lückenbildung zwischen den mittleren oberen Schnei- dezähnen, das so genannte obere Diastema. Diese Lücke misst bei einigen der in Sondershausen Bestatteten drei bis sechs Millimeter Breite.

Dass es im Leben der Linienbandkeramiker keineswegs immer friedlich zuging, veranschaulicht das Massengrab von Talheim2 (Kreis Heilbronn) in Baden-Württemberg. Die dort gefundenen Skelette zeigen deutlich Hieb- spuren von Steinbeilklingen. Vielleicht handelt es sich auch bei dem Schädel mit einer starken, offenbar zum Tode führenden Verletzung aus einem Hockergrab in Frankfurt-Praunheim um ein Opfer von Gewalt. In diesem Fall hatte man ein verziertes Tongefäß mit der Mündung über die Verletzung gestülpt.

Natürlich ereigneten sich damals auch Unglücksfälle. So dürfte ein im Ortsteil Zauschwitz von Weideroda (Kreis Borna) in Sachsen unter einer zusammen- gebrochenen Hüttenwand entdecktes Kind verschüttet worden und dabei erstickt sein. Möglicherweise waren auch die erwähnten Armbrüche vom Viesenhäuser Hof und Westeregeln auf Unglücksfälle zurückzuführen. Die Linienbandkeramiker wohnten teilweise in Einzel- gehöften, die nur einer einzigen Familie Platz boten, aber auch in Dörfern mit bis zu einem Dutzend großen, aber auch kleineren Häusern. In einem solchen Dorf lebten dann etwa 50 bis 80 Personen. Nach Berechnungen des Frankfurter Prähistorikers Jens Lüning dürfte die Bevölkerungszahl zur Zeit der Linienbandkeramischen Kultur auf dem Gebiet Westdeutschlands maximal 360.000 Personen betragen haben, auf dem Gebiet Ostdeutschlands lebten etwa 210.000 Menschen. Insgesamt existierten damit im Gebiet von Deutschland mehr als eine halbe Million

Menschen. Die Bevölkerungsdichte war damit merklich höher als in der Mittelsteinzeit.

Natürliche Höhlen dienten den frühen Bauern nur noch in Ausnahmefällen als Unterschlupf. Beispielsweise als Versteck bei feindlichen Angriffen oder als Rastplatz bei Expeditionen, etwas zur Beschaffung von Feuerstein oder anderen für die Geräteherstellung benötigten Steinarten. So wurden unter anderem die Weinberg- höhlen von Mauern (Kreis Neuburg-Schrobenhausen) in Bayern von Linienbandkeramikern aufgesucht, wie Tonscherben in den Höhlen 1 und 3 zeigen.

Ansonsten wohnten die Linienbandkeramiker in ihren auffällig großen, teilweise bis zu 40 Meter langen und über 6 Meter breiten Holzhäusern. Diese Langhäuser hatten ein tragendes Gerüst aus drei Reihen in be- stimmten Abständen tief in den Lößboden einge- grabenen dicken Innenpfosten. Auf ihnen lag die mit Schilf oder Stroh gedeckte Dachkonstruktion. Die Wände wurden durch locker gestellte dünnere Pfosten an den Aussenseiten gebildet, deren Zwischenräume man mit Flechtwerk aus Ruten füllte. Anschließend verputzte man das Flechtwerk und die Holzwände mit Lehm. Funde aus Herkheim und Nähermemmingen bei Nördlingen in Bayern zeigen, dass man den Hüttenlehm mit Kalk weiß getüncht hat.

Der zum Verputzen verwendete Lehm wurde in der Nachbarschaft der Baustelle aus dem Lößboden entnommen. Dabei entstanden große Gruben, in die man später Speiseabfälle, unbrauchbar gewordene Tongefäße oder Geräte warf. Solche Gruben liefern daher vielfach bei archäologischen Ausgrabungen

Bild auf Seite 23:

Bau eines Langhauses in einer Waldlichtung zur Zeit der Linienbandkeramischen Kultur.Zeichnung von Fritz Wendler

für das Buch„Deutschland in der Steinzeit“(1991)von Ernst Probst

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Foto auf Seite 25:

Im„Tiergarten Straubing“

ist die 36 Meter lange und sechs Meter breite Rekonstruktioneines Langhauses aus der Jungsteinzeit zu sehen. Die Firsthöhe des Gebäudes beträgt 5,25 Meter. Für das Grundgerüst

hat man 123 Eichenrundhölzer verwendet.

Das Dach wurde 1998 von einem Schilfdachdeckermeistermit 25 Tonnen Schilf

vom Neusiedler-See gedeckt.

Die Wände bestehen aus dünnen Haselnussstangensowie einem Gemisch aus Lehm, Stroh und Sand.Solche Häuser haben zur Zeit

der Linienbandkeramischen Kultur

in Straubing-Lerchenhaid gestanden.

Im Inneren des rekonstruierten Langhausesinformiert eine Ausstellung

über steinzeitliche Handwerkstechnikenund die Entstehung der Haustierrassen.Besuchergruppen können unter Anleitungeines Experimentalarchäologen

steinzeitliche Handwerkstechniken

wie das Feuermachen oder die Bearbeitungvon Feuerstein ausprobieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Rekonstruktion eines Haues der Linienbandkeramischen Kultur im privatwirtschaftlichen archäologischen Themenpark „Archaeon“in Alphen aan den Rijn in den Niederlanden. Im„Archaeon“kann man Nachbauten von Gebäuden sehen,die in den Niederlanden stehen bzw. von denenÜberreste gefunden worden sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Baumfällversuch mit rekonstruierten Schuhleistenkeilen

nach Funden aus der Zeit der Linienbandkeramischen Kultur.Ziel des Experiments war die Analyse von Abnutzungsspurenan den Beilklingen sowie der Bearbeitungsspuren an den Fällkerbendes Baumes und den Holzwerkstücken im Vergleich zu entsprechenden archäologischen Funden.

wertvolle Hinweise auf das Leben der damaligen Menschen.

Auf derartige Gruben war man erstmals gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Baden-Württemberg, Rhein- hessen und im Elsaß gestoßen. Ihre Entdeckung - vor allem die Ausgrabungen von Eberstadt3 in der Wetterau (Hessen), bei denen sehr große und komplizierte Gruben freigelegt wurden - führte zu der irrigen Vorstellung, es handelte sich dabei um Wohngruppen. Später entdeckte Grundrisse von Rechteckhäusern schrieb man dagegen Scheunen oder Wirtschafts-gebäuden der frühen Bauern zu. Erst die scharfsinnigen Überlegungen des Prä- historikers Oskar Paret (1889-1972) aus Stuttgart in den Jahren 1942 und 1946 zeigten, dass das Gegenteil der Fall war.

Manchmal lassen die durch Pfostenlöcher markierten Grundrisse erkennen, dass die Langhäuser drei Räume besaßen. Vermutlich handelte es sich hierbei um einen Wohnraum für die Bauernfamilie, um einen Speicher und um einen Stall, in dem in Schlechtwetterzeiten das Vieh untergestellt wurde. Der Lößboden war mit den Füßen festgestampft und wahrscheinlich zumindest im Schlafbereich mit Tierfellen oder anderem Material gepolstert. Zum Inventar eines Langhauses gehörte vermutlich ein aus Lehm errichteter Backofen.

Die stabilste und schmalste Seite der Langhäuser orientierte sich meist in der Hauptwetterrichtung nach Nordwesten, um Wind und Regen möglichst wenig Angriffsflächen zu bieten und die begrenzte Haltbarkeit der Behausungen zu erhöhen.

[...]

Details

Seiten
106
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656289708
ISBN (Buch)
9783656290308
Dateigröße
7.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202821
Note
Schlagworte
Linienbandkeramische Kultur Bandkeramische Kultur Bandkeramiker Linenbandkeramiker Jungsteinzeit Steinzeitbauern Archäologie Neolithische Revolution

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die ersten Bauern in Deutschland