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Die aktuelle Diskussion zur zukünftigen inflationären Entwicklung und ihre Auswirkungen im Kontext der „Euro-Krise“

Hausarbeit 2012 38 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau

2.Theoretische Grundlagen zu den Themenfeldern „Inflation“ und „Euro-Krise“
2.1 Inflation
2.1.1 Begriffliche Einordnung
2.1.2 Messung des Preisniveaus
2.1.3 Ursachen der Inflation
2.1.3.1 Nachfragebedingte Inflation
2.1.3.2 Angebotsbedingte Inflation
2.1.3.3 Importierte Inflation
2.2 Die „Euro-Krise“
2.2.1 Begriffliche Einordnung der „Euro-Krise“
2.2.2 Ursachen und Hintergründe der hohen Staatsverschuldung in der Eurozone
2.2.2.1 Die Finanzkrise
2.2.2.2 Leistungsbilanzungleichgewichte im Euroraum
2.2.3 Die hohe Staatsverschuldung im Euroraum und ihre Folgen
2.2.3.1 Europäische Gemeinschaftswährung verliert an Wert
2.2.3.2 Hohe Arbeitslosenzahl in den Eurostaaten
2.2.3.3 Herabstufung der Kreditwürdigkeit
2.2.4 Lösungsansätze zur Bewältigung der „Euro-Krise“
2.2.4.1 Maßnahmen der europäischen Regierungen
2.2.4.1.1 „Euro-Rettungspakete“
2.2.4.1.2 Fiskalpakt
2.2.4.2 Maßnahmen der Europäischen Zentralbank
2.2.4.2.1 Aufkauf von Staatsanleihen
2.2.4.1.2 Vergabe von Krediten

3. Die zukünftige inflationäre Entwicklung in der Eurozone
3.1 Die Einschätzung der Wirtschafts- und Finanzexperten
3.1.1 Die optimistische Position zur zukünftigen inflationären Entwicklung im Euroraum
3.1.2 Die pessimistische Position zur zukünftigen inflationären Entwicklung im Euroraum
3.2 Auswirkungen einer Inflation
3.2.1 Schuldner
3.2.2 Sparer
3.2.3 Verbraucher
3.2.4 Unternehmen
3.2.5 Inflation und Europäische Währungsunion
3.2.5.1 Die Europäische Währungsunion
3.2.5.2 Auswirkungen einer inflationären Entwicklung auf die Europäische Währungsunion
3.3 Die Position des Verfassers zur zukünftigen inflationären Entwicklung im Kontext der „Euro-Krise“
3.3.1 Expansive Geldpolitik der EZB und Inflation
3.3.2 Schuldenabbau durch Inflation
3.3.3 Leistungsbilanzungleichgewichte und Inflation
3.3.4 Kritische Anmerkungen zur Entwicklung des Euro

4. Zusammenfassende Schlussbetrachtung und Ausblick

5. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Neuverschuldung und Gesamtverschuldung in der Europäischen Union

Abbildung 2: Vergleich der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit anhand des BIP der Länder Niederlande, Deutschland, Österreich, Irland, Portugal und Griechenland

Abbildung 3: Entwicklung des Euros seit 2008, Referenzkurs in Dollar

Abbildung 4: Die Entwicklung der Inflationsrate in Deutschland seit Ende des Zweiten Weltkrieges

Abbildung 5: Die Entwicklung der Inflationsrate in der Eurozone

Abbildung 6: Die (ursprüngliche) Phillipskurve

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Vermögensverluste durch den Zinseszins-Effekt der Inflation bei einer Anlage von 1.000 Euro

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Sei es die Sorge um den Arbeitsplatz oder die Angst vor Terrorismus. Die Deutschen fürchten sich vor vielen Dingen (vgl. Simon, 2011). Und das in einer Weise, die im internationalen Vergleich besonders stark ausgeprägt zu sein scheint. Allenthalben wird deshalb sogar von der „German-Angst“ gesprochen (Joffe, 2011).

Was viele Deutsche gegenwärtig (wieder) besonders beunruhigt ist die Sorge vor Inflation. Laut einer Studie des Meinungsforschungsinstituts TNS infratest, die im Auftrag der Allianz Bank durchgeführt wurde, teilen fast die Hälfte der Befragten die Furcht vor dem Wertverlust ihres Vermögens.[1] Wer allerdings glaubt, dass dieser Befund neu ist, der irrt.

Die Angst der Deutschen vor Inflation reicht weit in die Geschichte zurück und hat ihre Wurzeln insbesondere in der Hyperinflation von 1923. Während dieser Zeit kam es zu einer drastischen Geldentwertung, die besonders für Sparer sehr schmerzhaft war. Die hohe Inflation führte schließlich zu einem Einbruch der Wirtschaftsleistung und zu einem starken Anstieg der Arbeitslosenzahl.[2]

Gegenwärtig hat die Inflationsangst der Menschen in Deutschland aber auch in anderen Ländern der Eurozone insbesondere durch die „Euro-Krise“ und die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) neue Nahrung bekommen (Vgl. Kapitel 2.2).

Als Reaktion auf die hohe Staatsverschuldung im Euro-Raum senkte die EZB den Leitzins auf ein historisches Tief von derzeit 0,75 Prozent (Vgl. Ruhkamp, 2012). Als weitere Maßnahme hat die oberste Zentralbank in der Europäischen Union Staatsanleihen von hochverschuldeten Ländern im Euroraum (z.B. Griechenland) aufgekauft.[3] Die Befürworter dieser expansiven Geldpolitik sehen darin einen wichtigen Schritt zur Ankurbelung der Wirtschaft im Euroraum.[4] Die Gegner hingegen warnen vor einer inflationären Entwicklung im Euroraum und sehen die Stabilität und den Bestand der Europäischen Währungsunion im Zuge der „Euro-Krise“ in Gefahr (Vgl. Gerken, 2012). Als Indiz dafür wird nicht zuletzt die sinkende Kursentwicklung des Euro im Vergleich zum amerikanischen Dollar und anderen wichtigen Währungen gesehen (Vgl. Che Berberich, 2012).

1.2 Zielsetzung

Im Fokus dieser Ausarbeitung steht die aktuelle Diskussion zur zukünftigen inflationären Entwicklung im Rahmen der „Euro-Krise“ unter besonderer Berücksichtigung unterschiedlicher Auswirkungen inflationärer Entwicklungen. Die Zielsetzung der Arbeit besteht deshalb darin, das Themenfeld „Inflation“ nicht nur allgemein sondern im Zusammenhang mit der aktuellen „Euro-Krise“ kritisch zu beleuchten.

Dieser Schritt beinhaltet zwei Schwerpunkte: Zum einen soll gezeigt werden, wie die künftige inflationäre Entwicklung im Kontext der hohen Staatsverschuldung im Euroraum, der (expansiven) Geldpolitik der Europäischen Zentralbank[5] und dem niedrigen Eurokurs auf der Grundlage unterschiedlicher Argumentationslinien eingeschätzt und beurteilt werden kann. Dahinter verbirgt sich letztlich die Frage, ob die eingangs angesprochenen Sorgen und Ängste der Menschen vor einer Inflation im Zuge der „Euro-Krise“ berechtigt sind oder ob dahinter lediglich Panikmache („Inflationsalarm“) steht (Blome/Martens, 2012).

Zum anderen geht es in dieser Arbeit auch um eine Antwort auf die Frage, welche unterschiedlichen Auswirkungen inflationäre Entwicklungen haben können und wie diese Folgen im Kontext der „Euro-Krise“ eingeordnet und bewertet werden können. Mit dieser Darstellung[6] soll letztlich erreicht werden, dass der Leser einen noch schärferen Blick für die aktuelle Brisanz und gesamtgesellschaftliche Bedeutung des Themenbereichs dieser Arbeit bekommt.

In Anbetracht der „Euro-Krise“ fokussieren sich die Ausführungen zur künftigen inflationären Entwicklung auf das Gebiet der Europäischen Währungsunion (Eurozone).

1.3 Aufbau

Der übergeordneten Zielsetzung der Arbeit entsprechend gestaltet sich ihr Aufbau wie folgt:

Am Beginn der Ausführungen stehen die theoretischen Grundlagen dieser Arbeit, die den Einstieg in die Thematik und deren Verständnis erleichtern sollen. Die Ausführungen hierzu gliedern sich in zwei Teile. Im ersten Teil (Kapitel 2.1) wird der Begriff „Inflation“ definiert und unter verschiedenen Aspekten beschrieben. Im zweiten Teil wird die „Euro-Krise“ beschrieben und dargestellt (Kapitel 2.2). Ein inhaltlicher Bezug zur inflationären Entwicklung in der Eurozone wird hierbei hergestellt (z.B. Entwicklung des Eurokurses und seine Folgen).

Im darauffolgenden 3. Kapitel wird der Fokus auf die beiden Kernfragen dieser Arbeit gelegt (Vgl. Zielsetzung). Das Kapitel wird mit der Frage eingeleitet, wie die zukünftige inflationäre Entwicklung im Euroraum in der aktuellen Diskussion eingeschätzt wird. Aufgeführt werden dabei die Einschätzungen von einigen ausgewählten Wirtschafts- und Finanzexperten (Kapitel 3.1). Der Beitrag bildet einen (kleinen) Ausschnitt der kontrovers geführten Diskussion und ist als Anregung für eine weitere vertiefende und kritische Auseinandersetzung mit der Thematik gedacht.

Im Anschluss geht es um eine Antwort auf die Frage, welche unterschiedlichen Auswirkungen mit einer Inflation verbunden sein können (Kapitel 3.2). Den Bezugsrahmen hierfür bilden folgende vier zentrale Wirtschaftssubjekte: Schuldner, Sparer, Verbraucher und Unternehmen. Abgerundet wird dieser Beitrag durch eine kurze Betrachtung der Eurozone hinsichtlich der Folgen einer Inflation.

Anknüpfend an Kapitel 3.1 und 3.2 erfolgt die Positionierung des Verfassers (Kapitel 3.3). In begründeter Form stellt er seine Sicht zur zukünftigen inflationären Entwicklung im Rahmen der „Euro-Krise“ dar. Die in Kapitel 3.2 beschriebenen Folgen einer Inflation werden dabei aufgegriffen und im Kontext der „Euro-Krise“ weiter vertieft bzw. kritisch reflektiert.

Die Arbeit endet mit einer zusammenfassenden Betrachtung und einem Ausblick (Kapitel 4).

2.Theoretische Grundlagen zu den Themenfeldern „Inflation“ und „Euro-Krise“

2.1 Inflation

2.1.1 Begriffliche Einordnung

Der Begriff „Inflation“ bezeichnet einen anhaltenden Preisanstieg bei einer Vielzahl von Gütern. Preissteigerungen bei einzelnen Gütern bleiben deshalb unberücksichtigt (Krumnow et al., 2002, S. 703). Von Inflation wird auch dann gesprochen, wenn in einer Volkswirtschaft die Geldmenge stärker als die Gütermenge zunimmt (monetaristische Perspektive). Das Geld verliert auf diese Weise an Wert und somit seine Funktion als Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel (Vgl. Paraskewopoulos, 2004, S. 287).

In diesem Zusammenhang muss man allerdings darauf hinweisen, dass eine zunehmende Geldmenge allein nicht notwendigerweise in einer Inflation mündet. Berücksichtigt werden muss zudem die Geldumschlagshäufigkeit. Sinkt diese stärker als die Geldmenge steigt, kann dies sogar zu sinkenden Preisen führen (Vgl. Schott/Sand, 2012, S. 24).

Eine zentrale Rolle spielt die Umschlagshäufigkeit des Geldes in der sog. Quantitätstheorie. Die Theorie basiert auf der Annahme, dass die Höhe des Preisniveaus nur abhängig von der Höhe der umlaufenden Geldmenge ist. Demgegenüber stehen die keynesianischen Inflationstheorien, die der Geldmenge bei der Entstehung der Inflation praktisch keine Bedeutung zuschreiben. Die keynesianische Sichtweise betont vielmehr das Zusammenspiel von gesamtwirtschaftlicher Nachfrage und gesamtwirtschaftlichem Angebot bei der Erklärung eines anhaltenden Anstiegs des Preisniveaus.

Die formale Darstellung der Quantitätstheorie ist die Quantitätsgleichung:

M x V = Y x P

M bezeichnet die Geldmenge, V die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, Y die reale Produktion und P das Preisniveau. Beträgt die Geldmenge z.B. 20 Prozent des Nominalwertes der Produktion, dann ist die Umlaufgeschwindigkeit V=5. Das bedeutet, dass jede Geldeinheit zur finanziellen Abwicklung der Nominalproduktion fünfmal verwendet wird. Die Umlaufgeschwindigkeit charakterisiert also die Zahlungsgewohnheiten.

Das Pendant zur Inflation bildet die Deflation. Hierunter versteht man ein anhaltendes Absinken des Preisniveaus. Ursache für eine deflationäre Entwicklung sind vor allem Kürzungen der Staatsausgaben und pessimistische Zukunftserwartungen der Wirtschaftssubjekte, die z.B. durch Sparmaßnahmen des Staates ausgelöst werden können (Vgl. Seidel/Temmen, 2008, S. 284).

2.1.2 Messung des Preisniveaus

Die Grundlage für die Einschätzung der zukünftigen inflationären Entwicklung bildet die Messung des Preisniveaus. Die Bundesbank bedient sich hierzu dem sog. Preisindex für die Lebenshaltung und misst damit die Preisentwicklung für Deutschland.[7] Der vom Statistischen Bundesamt entwickelte Index drückt die Preisänderungen von mehr als 700 Waren und Dienstleistungen aus, die von den Verbrauchern häufig konsumiert werden.[8]

Die Inflationsrate im gesamten Euroraum wird mit Hilfe des harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) ermittelt (Vgl. Krumnow et al, 2002, S. 688). Der HVPI umfasst alle zuvor ermittelten nationalen Preisindizes in harmonisierter Form und dient damit als Grundlage für die Preisentwicklung in der gesamten Eurozone.

2.1.3 Ursachen der Inflation

Für eine inflationäre Entwicklung können verschiedene Faktoren verantwortlich sein. Neben einer steigenden Geldmenge (monetaristische Perspektive) kann auch ein Nachfrageüberhang oder Kostendruck (keynesianische Perspektive) zu einer Inflation führen.

2.1.3.1 Nachfragebedingte Inflation

Bei einer Nachfrageinflation geht der eigentliche Inflationsdruck von den Konsumenten aus. Die Nachfrage nach Gütern und Dienstleitungen kann nicht durch ein entsprechendes Angebot gedeckt werden. Die dafür notwendigen Produktionskapazitäten im Inland oder Importe aus dem Ausland reichen hierfür nicht aus (Vgl. Seidel/Temmen, 2008, S. 282).

Der Nachfrageüberhang kann bspw. dadurch entstehen, dass die privaten Haushalte weniger sparen und mehr Geld für Konsumgüter ausgeben. Ursache hierfür können z.B. höhere Löhne als Folge einer stärkeren Nachfrage nach dem Produktionsfaktor Arbeit sein (Vgl. Vry, 2006, S. 172).

2.1.3.2 Angebotsbedingte Inflation

Von Angebotsinflation spricht man dann, wenn die Preissteigerung nicht von den Konsumenten sondern von den Produzenten ausgeht (Vgl. Seidel/Temmen, 2008, S. 282). Die Angebotsinflation bildet also das Gegenstück zur Nachfrageinflation.

Zu einer angebotsinduzierten Inflation kommt es bspw. dann, wenn die Unternehmen die Preise für ihre Produkte bei unveränderten Kosten erhöhen, um ihre Gewinne auszuweiten (Vgl. Vrey, 2006, S. 272). Hintergrund für die höheren Preise, die die Unternehmen an die Verbraucher weitergeben, können aber auch die Schulden eines Staates sein. Dieser Zusammenhang ist indirekt zu sehen. Der Staat erhöht die Steuern, um seine Schulden abzubauen. Bei Unternehmen führen höhere Steuern zu steigenden Kosten, die über höhere Preise an den Endverbrauchern weitergegeben werden. Eigentlicher Preistreiber auf der Angebotsseite kann also indirekt auch der Staat sein (Vgl. Vrey, 2006, S. 272).

2.1.3.3 Importierte Inflation

Produziert ein Land (z.B. Deutschland) laufend Exportüberschüsse, hat dies zur Folge, dass sich der Bestand an ausländischen Zahlungsmitteln (Devisen) erhöht. Die Exporteure tauschen die ausländischen Zahlungsmittel in inländisches Geld um, so dass die Geldmenge im Inland stärker steigt als die importierte Gütermenge. Die durch Exportüberschüsse hervorgerufene Aufblähung der Geldmenge wird deshalb auch importierte Inflation genannt (Vgl. Seidel/Temmen, 2008. S. 282).

Als Risikofaktor für eine importierte Inflation im Euroraum wird derzeit der niedrige Außenwert der europäischen Gemeinschaftswährung (Euro) gesehen (Vgl. Kapitel 2.2).

2.2 Die „Euro-Krise“

2.2.1 Begriffliche Einordnung der „Euro-Krise“

Der Begriff „Euro-Krise“ hat im Grunde genommen zwei Facetten. Zum einen fällt darunter die derzeitige Problematik der hohen Staatsverschuldung in den Ländern der europäischen Gemeinschaftswährung (Euro). Häufig wird deshalb auch von der Euro-Staatsschuldenkrise gesprochen.[9] Im Kern handelt es sich dabei vor allem Dingen um die Länder Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien (abgekürzt PIIGS-Staaten).[10] Zum anderen wird unter den Begriff auch die aktuelle Diskussion um den vergleichsweise niedrigen Kurs des Euro subsumiert. Im Laufe dieser Arbeit wird gezeigt, dass beide Aspekte stark zusammenhängen.

Als Vergleichsgrundlage für die Verschuldung der Euro-Staaten[11] dienen die sog. Maastricht-Kriterien. Demnach darf die Gesamtverschuldung eines Staates bei höchstens 60 Prozent des BIP (Bruttoinlandsprodukt) liegen. Die höchste Schuldenquote im Euroraum weist Griechenland mit 165 Prozent des BIP auf. Zum Vergleich: Deutschland hat einen Schuldenstand von 81 Prozent.[12]

Das folgende Diagramm (Abb. 1) zeigt für die größeren EU-Staaten sowohl die Defizite (Ende 2011) als auch die Gesamtverschuldung (Ende 2011). Die Defizite sind horizontal eingetragen: Je weiter links ein Land steht, umso größer war das Defizit. Die Gesamtverschuldung ist vertikal zu erkennen: je weiter unten ein Land steht, umso größer ist die Gesamtverschuldung. Alle Zahlen sind in Prozent vom BIP. Die Länder der Euro-Währungsunion sind rot markiert. Der grüne Bereich ist die Maastricht-Zone (Neuverschuldung maximal 3 Prozent, Gesamtverschuldung maximal 60 Prozent).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Neuverschuldung und Gesamtverschuldung in der Europäischen Union[13]

2.2.2 Ursachen und Hintergründe der hohen Staatsverschuldung in der Eurozone

Die Ursachen für die hohe Staatsverschuldung im Euroraum sind vielfältig und sollen im Folgenden kurz aufgeführt werden.

2.2.2.1 Die Finanzkrise 2007

In engem Zusammenhang mit der hohen Staatsverschuldung im Euroraum wird die Finanzkrise von 2007 gesehen. Ausgelöst wurde die Krise an den internationalen Finanzmärkten durch den Zusammenbruch des amerikanischen Immobilienmarktes als Folge ständig steigender Preise für Immobilien (Vgl. Buchter, 2007). Diese durch Spekulationen bedingte Entwicklung führte schließlich dazu, dass die Kreditnehmer ihren Rückzahlungen nicht mehr nachkommen konnten. Einige große Banken (z.B. Lehmann Brothers) die mit dem Immobilienmarkt verbunden sind, gerieten hierdurch in große Zahlungsschwierigkeiten.[14] Zur Stabilisierung des Bankensystems und der wirtschaftlichen Lage stellte die Staatengemeinschaft den Banken finanzielle Mittel zur Verfügung (Vgl. Kapitel 2.2). Der Schuldenstand der Staaten nahm dadurch weiter zu. In der Eurozone gilt dies besonders für die Länder Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien (abgekürzt PIIGS-Staaten).[15]

2.2.2.2 Leistungsbilanzungleichgewichte im Euroraum

Seit Beginn der europäischen Währungsunion und der Einführung des Euro haben sich die Preise in den Ländern des Eurosystems unterschiedlich entwickelt (Vgl. Steinbach, 2011). Das Preisniveau lag in südeuropäischen Ländern wie Griechenland, Spanien oder Portugal vergleichsweise höher als in den mittel- und nordeuropäischen Ländern (z.B. Deutschland) der Eurozone. Ursache dafür war vor allem, dass die Löhne in den südeuropäischen Ländern stärker gestiegen sind als in den Ländern Nord- und Mitteleuropas (Vgl. Steinbach, 2011).[16]

Aufgrund der niedrigen Preise konnten Länder wie bspw. Deutschland oder die Niederlande hohe Exportüberschüsse erzielen. Demgegenüber verschlechterte sich die Wettbewerbsfähigkeit der südeuropäischen Länder, weil ihre Produkte teurer wurden und deshalb weniger Absatz im Ausland fanden (Vgl. Steinbach, 2011) (Abb. 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Vergleich der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit anhand des BIP der Länder Niederlande, Deutschland, Österreich, Irland, Portugal und Griechenland[17]

2.2.3 Die hohe Staatsverschuldung im Euroraum und ihre Folgen

2.2.3.1 Europäische Gemeinschaftswährung verliert an Wert

Die hohe Staatsverschuldung im Euroraum zeigt sich unter anderen daran, dass das Vertrauen in die gemeinsame europäische Währung Euro und damit ihren Außenwert gesunken ist (Vgl. Che Berberich, 2012). Vor allem die Griechenlandkrise hat dazu geführt, dass der Euro in den letzten Jahren an Wert eingebüßt hat (Abb. 3).

[...]


[1] Vgl. o.A. (2011): Fast jeder zweite Deutsche hat Angst vor Inflation, in: Spiegel online (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/umfrage-fast-jeder-zweite-deutsche-hat-angst-vor-inflation-a-802430.html, abgerufen am 14.06.2012)

[2] Vgl. o.A. (2012): Die Folgen von Inflation, In: Europäische Kommission online (http://ec.europa.eu/economy_finance/focuson/inflation/consequences_de.htm, abgerufen am 21.07.2012)

[3] Vgl. o.A. (2011): EZB kauft für mehr als 200 Milliarden Staatsanleihen, in: Welt online (http://www.welt.de/wirtschaft/article13739997/EZB-kauft-fuer-mehr-als-200-Milliarden-Staatsanleihen.html, abgerufen am 01.07.2012)

[4] Vgl. o.A. (2012): EZB flutet Märkte mit einer halben Billion Euro, In: Welt online (http://www.welt.de/finanzen/article13894609/EZB-flutet-Maerkte-mit-einer-halben-Billion-Euro.html, abgerufen am 01.07.2012)

[5] Der Fokus im Rahmen dieser Arbeit liegt auf der Zinspolitik (Leitzins) der EZB

[6] Die Darstellung beschränkt sich aus Kapazitätsgründen auf eine Auswahl von Folgen (z.B. Schuldenabbau durch Inflation, Kapitel 3.3)

[7] Vgl. o.A. (2012): Verbraucherpreisindizes, Warenkorb, Wägungsschema, in: Statistisches Bundesamt online (https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/Preise/Verbraucherpreisindizes/WarenkorbWaegungsschema/WarenkorbWaegungsschema.html, abgerufen am 01.07.2012)

[8] Ebd.

[9] Vgl. o.A. (2012): Staatsverschuldung, In: Staatsverschuldung online (http://www.staatsverschuldung.de/ausland.htm, abgerufen am 18.06.2012)

[10] Vgl. o.A. (2010): Die Sorgenkinder der Eurozone, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, online (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/piigs-die-sorgenkinder-der-eurozone-1943158.html, abgerufen am 2.07.2012

[11] Und allen anderen Staaten der Europäischen Union

[12] Vgl. o.A. (2012): Staatsverschuldung, In: Staatsverschuldung online (http://www.staatsverschuldung.de/ausland.htm, abgerufen am 18.06.2012)

[13] Vgl. Ebd.

[14] Vgl. o.A. (2008): Lehmann Brothers ist pleite, In: Focus online (http://www.focus.de/finanzen/boerse/finanzkrise/lehman-brothers-us-bank-ist-bankrott_aid_333333.html, abgerufen am 18.07.2012)

[15] Vgl. o.A. (2010): Die Sorgenkinder der Eurozone, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, online (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/piigs-die-sorgenkinder-der-eurozone-1943158.html, abgerufen am 2.07.2012

[16] Die Leistungsbilanz umfasst die Handelsbilanz, Dienstleistungsbilanz und Übertragungsbilanz und ist damit Teil der Zahlungsbilanz, vgl. o.A. (2012): Leistungsbilanz, In: http://www.cecu.de/lexikon/politik/1803-leistungsbilanz.htm, abgerufen am 30.06.2012)

[17] Vgl. o. A. (2010): Warum der Euro in die Krise rutschte, In: INSM (http://www.insm.de/insm/Publikationen/Dossiers/Steuern-und-Finanzen/INSM-Dossier-Euro-Krise/Warum-der-Euro-in-die-Krise-rutschte.html, abgerufen am 17.07.2012)

Details

Seiten
38
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656291350
ISBN (Buch)
9783656291886
Dateigröße
877 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202763
Institution / Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
1.7
Schlagworte
diskussion entwicklung kontext euro-krise berücksichtigung auswirkungen entwicklungen

Autor

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Titel: Die aktuelle Diskussion zur zukünftigen inflationären Entwicklung und ihre Auswirkungen im Kontext der „Euro-Krise“