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Rolf Dieter Brinkmann "Keiner weiß mehr": Die Schauplätze - Wie das Innenleben des Protagonisten mit seiner äußeren Umgebung zusammenhängt

Hausarbeit 2011 13 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Einführung in den Roman
1.1. Die Handlung
1.2. Biographische Parallelen zu dem Autor

2. Die Wohnung
2.1. Die Wohnsituation vor der Renovierung
2.2. Die Renovierung des Mittelzimmers
2.3. Die Wohnsituation nach der Renovierung
2.4. Die Unzufriedenheit in der Wohnung

3. Die Stadt
3.1. Die Unzufriedenheit in Köln
3.2. Die Fahrt nach Hannover

4. Abschließende Bewertung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Gegenstand der vorliegenden Hausarbeit ist der Roman Keiner weiß mehr von Rolf Dieter Brinkmann. Ich habe mich aus mehreren Gründen dafür entschieden, gerade diesen im Seminar besprochenen Text zu vertiefen. Die Diskussion im Seminar war sehr anregend und es kam die Fragestellung auf, ob und inwiefern den Schauplätzen eine aktive Bedeutung in dem Roman zugesprochen werden kann.

Ich möchte mich also näher mit den Hauptschauplätzen des Romans beschäftigen und untersuchen, inwiefern sie eine Rolle in der Handlung spielen.

Die Fragen, die sich diese Arbeit dazu stellt, lauten: Spiegelt sich in der äußeren Welt die innere Welt des Protagonisten wieder? Wie hängt das Innenleben des Protagonisten mit seiner Umgebung zusammen?

Um diese Fragen zu beantworten, werde ich mich näher mit der Wohnung des Protagonisten beschäftigen und herausarbeiten welche Strukturen darin zu finden sind, welche Rolle die Wohnung für den Protagonisten und sein Empfinden spielt.

Desweiteren möchte ich mich mit der Stadt, in welcher der Protagonist lebt, und mit seiner Fahrt nach Hannover beschäftigen. Den Aufenthalt in Hannover zu untersuchen ist wichtig, um herauszustellen, wie der Protagonist eine fremde Umgebung im Gegensatz zu seiner Heimat wahrnimmt und auf welche Weise diese unbekannte äußere Welt sein Innenleben beeinflusst.

Mit diesen Untersuchungen verbunden, soll dabei auch der Roman charakterisiert und seine inhaltliche und sprachliche Form mit den diesbezüglichen Besonderheiten dargestellt werden.

1. Einführung in den Roman

1.1. Die Handlung

Zunächst einmal soll ein Blick auf den inneren Aufbau von Rolf Dieter Brinkmanns Roman geworfen werden.

Die Figur im Mittelpunkt von Keiner weiß mehr ist ein junger Mann, dessen Namen der Leser nicht erfährt. Der Roman ist aus seinem Bewusstseinsstrom aufgebaut, so dass der Leser an seinen Gedanken und inneren Vorgängen teilnimmt, welche sich um seinen Alltag und die Beziehungen zu seiner Umwelt, seiner Frau, seinem Kind[1] und seinen Freunden drehen.

Die gedanklichen Einheiten sind dabei in loser Folge und nicht chronologisch aneinandergereiht, das heißt es gibt keinen linearen Handlungsstrang. Die Handlung umfasst wenige Ereignisse, das was äußerlich passiert kann damit zusammengefasst werden, dass die Frau mit dem Kind für zwei Wochen an die holländische Küste reist und der Mann eine Reise nach Hannover macht. Es handelt sich in dem Roman um eine vordergründig innere Handlung, das heißt die Handlung findet im Kopf des Protagonisten statt, in Form von Wahrnehmungen, Empfindungen und Befindlichkeiten, die gedanklich ausgefaltet werden. „[…] seine Impressionen und Reflexionen […] bilden die Substanz des [Romans].“[2]

Die Grundstimmung des Protagonisten ist dabei negativ, bedingt durch die Verwirrung und Unsicherheit, die er in allen Lebenslagen verspürt. Es wird deutlich, dass der Mann mit seiner Lebenssituation nicht zufrieden ist. Er empfindet Unklarheit und Ablehnung gegenüber seinem Freundeskreis und seiner Familie und „[…] verzweifelt an der Monotonie kleinbürgerlicher Alltäglichkeit.“[3]

1.2. Biographische Parallelen zu dem Autor

Die Texte Rolf Dieter Brinkmanns weisen oftmals starke autobiographische Züge auf, sie sind geradezu „[…] autobiographisch bis ins kleinste Detail […].“[4]

So ist es auch bei dem vorliegenden Roman, in dem die Angaben und die Lebenssituation des Protagonisten mit der von Brinkmann zusammenhängen, da er zum Beispiel ebenfalls ab dem Jahr 1962 in Köln lebte und wie der Protagonist zunächst Pädagogik studierte. Brinkmann wählt somit eine ihm gut bekannte und vertraute Stadt als Schauplatz aus und reflektiert in dem Roman „[…] seine Kölner Situation des Herbstes 1967.“[5] In dem Roman bringt er somit auch seine Haltung gegenüber der Stadt Köln zum Ausdruck, die vordergründig negativ ist, da er ein „[…] unermüdlicher Hasser seiner Stadt, wohl allgemein jeder Großstadt [war].“[6]

2. Die Wohnung

Der Hauptschauplatz des Romans ist die Wohnung des Mannes. Es handelt sich dabei um eine Altbauwohnung in der Engelbertstraße in Köln.[7]

Es gibt drei Schlafzimmer, die als Vorder-, Mittel- und Hinterzimmer bezeichnet werden. Zudem gibt es ein Bad, eine nach hinten rausgehende Küche und einen Balkon.

2.1. Die Wohnsituation vor der Renovierung

Als seine Frau mit dem Kind verreist, bewohnt der Mann die Wohnung zusammen mit ihnen und seinem Freund Rainer.

Die Wohnsituation weist somit bereits zu diesem Zeitpunkt einige Besonderheiten auf. Es scheint ungewöhnlich, dass sich ein verheiratetes Paar mit Kind eine Wohnung mit einem Freund teilt. Die Wohnsituation scheint somit ungeordnet und beengt zu sein. Der Mann ist unzufrieden und fühlt sich zugeschnürt von den Dingen in der Wohnung, die sich angesammelt haben. Vor allem Rainers Sachen stören ihn, er empfindet sie als bunt und fremd und Rainers Art da zu sein hält er für „übertrieben“[8].

Daran wird deutlich, dass die Verwirrung, die der Mann empfindet, damit zusammenhängt, dass ihn die Wohnsituation stört.

2.2. Die Renovierung des Mittelzimmers

Als die Frau mit dem Kind abgereist ist, beschließt der Mann die Wohnsituation zu verändern. Er bittet Rainer auszuziehen, damit er und seine Frau wieder mehr alleine sein können. Dann beschließt er das Zimmer für seine Frau zu streichen und neu einzurichten, „[…] damit sie sich in dem neu eingerichteten Zimmer wohl fühlte, wenn sie zurückkäme mit dem Kind aus den Ferien […].“ (S. 27)

[...]


[1] Das Kind wird im Roman nicht näher beschrieben, es bleibt geschlechtlos.

[2] Reich-Ranicki, Marcel: Rolf Dieter Brinkmann – Keiner weiss mehr. In: Carius, Karl-Eckhard (Hrsg.): Brinkmann. Schnitte im Atemschutz. München 2008. S. 62.

[3] Rauen, Christoph: Entwicklungsroman und Zwei-Drittel-Gesellschaft. Rolf Dieter Brinkmanns Keiner weiß mehr (1968) im Kontext ästhetischer und sozialer Normalisierung. In: Boyken, Thomas (Hrsg.): Rolf Dieter Brinkmann. Neue Perspektiven: Orte – Helden – Körper. München 2010. S. 92.

[4] Späth, Sibylle: Rolf Dieter Brinkmann. Stuttgart 1989. S. 91.

[5] Ebd., S.38.

[6] Brune, Bert: Ein Radikaler in Köln. In: Geduldig, Gunter; Sagurna, Marco (Hrsg.): Too much – das lange Leben des Rolf Dieter Brinkmann. Aachen 1994. S. 150.

[7] Bedenkt man die biographischen Parallelen zu dem Autor, ist es höchstwahrscheinlich, dass es sich um die Engelbertstraße handelt, da Brinkmann zu seiner Zeit in Köln in dieser gewohnt hat.

[8] vgl. Brinkmann, Rolf Dieter: Keiner weiß mehr. Reinbek bei Hamburg 2005. S. 8.

(Im Folgenden gebe ich die Seitenzahlen der Primärliteratur in Klammern im Fließtext an)

Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656290988
ISBN (Buch)
9783656291770
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202751
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Germanistisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Rolf Dieter Brinkmann Keiner weiß mehr Schauplätze

Autor

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Titel: Rolf Dieter Brinkmann "Keiner weiß mehr": Die Schauplätze - Wie das Innenleben des Protagonisten mit seiner äußeren Umgebung zusammenhängt