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Gottfried von Straßburg: Tristan - Aussage und Funktion des huote-Exkurses in Bezug zur Handlungsebene

Hausarbeit 2010 13 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Exkurse in der Dichtung
1.1. Die Definition des Begriffs
1.2. Die Beziehung zwischen Handlung und Exkurs

2. Die Exkurse im „Tristan“

3. Einführung in den huote -Exkurs
3.1. Die huote in deutschen Texten des Mittelalters
3.2. Platzierung des huote- Exkurses im Gesamtwerk

4. Aussage des huote- Exkurses
4.1. Die Kritik an der huote
4.2. Der Entwurf von drei Frauentypen

5. Funktion des huote- Exkurses
5.1. Bezug zur Handlung
5.2. Die Absicht Gotffrieds
5.2.1. Der Entwurf einer Utopie
5.2.2. Die Verteidigung Isoldes

Nachwort

Literaturverzeichnis

Vorwort

Gegenstand der vorliegenden Hausarbeit ist der Roman „Tristan“, der im 12. Jahrhundert von Gottfried von Straßburg, nach der Vorlage des französischen Originals, ins Deutsche übertragen wurde.

Ich habe mich aus mehreren Gründen dafür entschieden, gerade den huote -Exkurs zu untersuchen.

Es gibt im „Tristan“ sowohl in der Vorgeschichte als auch im Hauptteil zahlreiche Exkurse, von kleinerem und größerem Umfang.

Ich möchte mich im Folgenden zunächst damit beschäftigen, welche Rolle diese Exkurse allgemein spielen und welche Beziehung zwischen ihnen und der Handlung besteht.

Anschließend möchte ich mich näher mit dem huote -Exkurs beschäftigen, da dieser besonders interessant ist, weil er nach Ausdehnung und Thematik eine Sonderstellung unter den Exkursen behauptet.

Es soll herausgearbeitet werden, warum Gottfried von Straßburg diesen Exkurs eingebaut hat. Die Fragen, die sich diese Arbeit dazu stellt, lauten: Bekommt dem Exkurs eine besondere Bedeutung im Zusammenhang mit dem Inhalt der Geschichte zu? Welche Haltung nimmt der Erzähler in dem Exkurs ein?

Zur Beantwortung dieser Fragen, möchte ich einige Forschungspositionen einbeziehen. Hauptsächlich möchte ich aber die Positionen von Tomas Tomasek und Werner Schröder vorstellen. Diese sind in dem Zusammenhang nämlich von besonderer Relevanz, da sie sich sehr unterscheiden.

1. Exkurse in der Dichtung

1.1. Die Definition des Begriffs

Es ist unumgänglich den Begriff des Exkurses zunächst zu fixieren, um die Funktion der Exkurse im „Tristan“ später näher bestimmen zu können.

Eine vorläufige Definition gibt Lore Pfeiffer: ,,Als Exkurs sollen solche Kommentare und Erzählbemerkungen gelten, die das epische Präteritum durchbrechen und die Erzählung nicht weiterführen." (Pfeiffer 1971: S. 10)

Ein Exkurs stellt also auf jeden Fall immer eine Unterbrechung in der Handlungsabfolge dar. Die Frage ist, was die Exkurse dabei für eine Funktion erfüllen?

Sie sind als Mitteilungsebenen zu verstehen, in denen der Erzähler seine eigene Meinung zu einem Thema darstellt, einzelne Passagen der Erzählung näher erläutert, Erklärungen abgibt oder gesellschaftliche Kritik übt. Ihnen kann daher ein ethisch und sittlich wertender Charakter zugesprochen werden.

Zudem sind Exkurse meist direkt an den Rezipienten gerichtet und beeinflussen dessen Interpretation des Erzählinhalts. Sie können somit verschiedene Auswirkungen auf die Rezeption haben.

Besonders wichtig ist hierbei, wo der Exkurs in dem Werk platziert ist, denn je nach Stellung kann er „[…] die Wichtigkeit des Erzählten betonen, sofern er mit einem Handlungsgipfel verbunden wird […], er kann [aber] auch die Erzählspannung regulieren, indem er von einer allgemeinen Partie zu einer konkreten Szene überleitet […].“ (Pfeiffer 1971: S. 132) Dem Erzähler bietet sich somit die Möglichkeit Höhepunkte und Wendepunkte der Erzählung durch Exkurse zusätzlich zu akzentuieren.

1.2. Die Beziehung zwischen Handlung und Exkurs

Die Beziehung zwischen Handlung und Exkurs ist in der Forschung sehr umstritten.

Und die Frage, ob dem Exkurs eine eigene Selbstständigkeit zugesprochen werden muss oder ob er als mit der Handlung vermengt angesehen werden muss, lässt sich nicht eindeutig klären.

Auf der einen Seite scheinen Exkurse im Allgemeinen nicht willkürlich platziert zu sein, da sie meistens thematisch im direkten Bezug zur Handlung stehen. Andererseits werden oftmals auch allgemeine Gedanken geäußert, so dass die Exkurse auch für sich stehen könnten.

Es ist also im Folgenden der Frage nachzugehen, ob der Exkurs „[…] zum Gesamtbau der Dichtung beiträgt, oder ob er nur trockene Theorie bzw. Abschweifung von der lebendigen eigentlichen Erzählung ist und also entbehrlich wäre.“ (Pfeiffer 1971: S. 9)

2. Die Exkurse im „Tristan“

Gottfried von Straßburg unterbricht die Handlung im Hauptteil drei Mal, um in

längeren Exkursen über die minne zu reflektieren.

„Nach der Minnetrankszene widmen sich die nicht selten in der Nähe von Abschnittsgrenzen platzierten Exkurse schwerpunktmäßig der Liebesthematik.“ (Tomasek 2007: S. 124) Zu diesen Minne-Exkursen gehören die Minnebußpredigt, die Grottenallegorese und der huote -Exkurs. Sie nehmen eine Sonderstellung unter den Exkursen ein, da sie sich thematisch und systematisch zu einer Einheit zusammenschließen.

3. Einführung in den huote -Exkurs

3.1. Die huote in deutschen Texten des Mittelalters

Im Mittelhochdeutschen Wörterbuch findet man den Begriff huote übersetzt als die „Obhut“, „Überwachung“ und „Aufsicht“.

Sie wird von der Gesellschaft ausgeübt und in deutschen Texten des Mittelalters hauptsächlich durch Burgwächter und höfisches Personal repräsentiert.

Von der Überwachung betroffen sind vordergründig Frauen. Sie sollen vor Männern geschützt werden, um ihre moralische und sexuelle Unversehrtheit zu garantieren. Die Überwachung basiert somit auf der gesellschaftlichen Normvorstellung, dass Liebe und Sexualität nur durch die Ehe legitimiert werden kann. Eine Sexualität außerhalb der Ehe ist in der mittelalterlichen Konzeption von Liebe und Ehe moralisch und rechtlich nicht akzeptiert. Durch die Überwachung der Frau soll daher auch die Jungfräulichkeit geschützt werden, da diese als hohes Gut gilt und bis zur Hochzeit gewahrt werden soll.

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656290995
ISBN (Buch)
9783656291626
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202750
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Germanistisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Gottfried von Straßburg Tristan huote-Exkurs

Autor

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