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Strategien erfolgreicher Lehrer

Hausarbeit 2003 29 Seiten

Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtliche Entwicklung des Lehrerberufes

3. Veränderte Kindheit

4. Belastungen im Lehrerberuf

5. Das Burnout-Syndrom

6. Entspannungsmethoden
6.1 Atemübungen
6.2 Entspannungsübungen für Kinder
6.2.1 Ruheübungen
6.2.2 Phantasie- und Entspannungsgeschichten
6.2.3 Anmerkung
6.3 Weitere Entspannungsmethoden
6.3.1 Progressive Muskelentspannung
6.3.2 Autogenes Training

7. Sich in der Schule wohlfühlen

8. Methodentraining für die praktische Unterrichtsarbeit

9. Kooperation mit

9.1 ... Kindern

9.2 ... Eltern

9.3 ... Kollegen

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Was ist ein Lehrer? Ein geliebter, verhasster oder verachteter Pauker, ein Sadist oder Gerechtigkeitsfanatiker? Ein verhinderter Wissenschaftler oder zu Höherem berufener Künstler? Ein Zyniker oder Idealist, Pädagoge und Freund der Jugend oder knochentrockener Besserwisser, der seine Schüler zwiebelt? Eine echte Autorität oder eine nur verliehene? Einer zum Gernhaben oder zum Fürchten?“[1]

Diese und andere Meinungen erhält man, wenn man Leute zum Thema Lehrer befragt. Der Kontrast zwischen den einzelnen Vorstellungen ist deutlich erkennbar. Jeder hat in irgendeiner Form mit Lehrern Erfahrungen gesammelt und somit hat auch jeder positive oder negative Erinnerungen, die denjenigen prägen und begleiten. Es ist schwer, bestimmte Meinungen zu widerlegen, bzw. das Gegenteil zu beweisen. Dazu bedarf es großer Geduld, Kreativität, Eigeninitiative und Mut.

Die Frage ist nun, wie man möglichst positive Eindrücke bei den Kindern, Eltern und dem Kollegium hervorruft und hinterlässt und wie man nicht zuletzt selbst dabei zufrieden und ausgeglichen bleibt.

Sicherlich ist es wohl nie möglich, einen perfekten Lehrer auszubilden, jedoch kann jeder versuchen, mit Strategien und Methoden sich das Lehrerdasein zu erleichtern und gegenüber den Kindern und Eltern einen „guten Lehrer“ abzugeben.

Im Folgenden werde ich unter anderem auf die Situation des Lehrers, der Schüler und auf hilfreiche Methoden zur Verbesserung des Lehrerdaseins eingehen und diese näher erläutern.

2. Geschichtliche Entwicklung des Lehrerberufes

„Die Bezeichnung „Lehrer“ hat für alle Lehrenden bis heute ihre Gültigkeit behalten und sich behauptet, obwohl sich seit den frühesten Anfängen Name und Rang infolge unterschiedlicher Aufgaben und getrennter Ausbildungswege oftmals geändert haben.“[2]

„Die Wirklichkeit seiner Lebensumstände ist eingebunden in das historische, gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Gefüge seiner Zeit und wird beeinflusst von unterschiedlichen, sich wandelnden Denk- und Wertvorstellungen, Normen und Verhaltensweisen.“[3]

Im frühen Mittelalter unterrichteten Mönche in Klosterschulen den Klerikernachwuchs. „Als der deutsche Bürger Lesen und Schreiben als nützliche Kenntnisse entdeckt[e]“[4], stand der Schreibmeister zur Verfügung. Dieser unterrichtete kommende Kaufleute, Händler oder Ratsherren, war jedoch nicht ausgebildet und Laie auf seinem Gebiet. Er erfuhr eine schlechte und unregelmäßige Entlohnung und war sozial benachteiligt, was „den Lehrer mehr traf, als alles andere.“[5] Auf der untersten Stufe der Hierarchie stehend, konnte er auf keine Anerkennung hoffen. Diejenigen Leute, die auch gerne unterrichten wollten, denen jedoch keine Konzession erteilt wurde, arbeiteten illegal in heimlichen Schulen, den sogenannten „Winkelschulen“[6].

„In der Reformationszeit bemühten sich die protestantischen Länder redlich um einen Ausbau des Schul- und Kirchenwesens.“[7] Luther sorgte dafür, dass neue Schulen errichtet und mehr Lehrer angestellt wurden. Die Pfarrer jedoch waren mit der zusätzlichen Lehraufgabe überfordert, und deshalb wurde diese Aufgabe an Küster und Mesner übergeben. „So wurden Küster und Mesner zu Schulmeistern, ein Amt, das beide jahrhundertelang innehaben sollten“[8]. Beide blieben weiterhin als Diener der Kirche tätig, was auch als wichtiger angesehen wurde, denn „ein besonderes Lehrergeschick wurde ohnehin nicht verlangt.“[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Dorfschullehrer kämpft gegen Verständnislosigkeit und Spott sittsamer Bürger und steht allein.

Im 17. Jahrhundert zur Zeit des Barock, vor allem zur Zeit des politischen und wirtschaftlichen Tiefstandes (1618-1648), war die Situation des Lehrers sehr schlecht. Die Existenzen der Lehrer waren und blieben stets unsicher. Die Kassen in den Gemeinden waren leer und keiner wollte diese weiter belasten wegen eines Schullehrergehaltes. Man gab ihnen damals zu verstehen, dass „ihm als frommen Diener des Herrn Gottes Lohn sicher sei und diese Gewißheit höher zu bewerten sei als aller

Wohlstand auf dieser Erde.“[10] Die Braunschweigische Schulordnung (1651) stellte zum Beispiel fest, „daß derjenige, der sich entschlossen hat, die Jugend zu erziehen, kaum andere Erwartungen haben dürfe, als daß er bei seiner schweren Mühe und Arbeit ein entsagungsvolles Leben führen müsse und außerdem von jedermann verachtet und gedemütigt würde. Dabei werde es ihm am Notwendigsten fehlen, und er müsse oft Hunger leiden.“[11] Die Schulmeisterei wurde als Schinderei mit wenig Brot gesehen. Deshalb mussten sich die Lehrer Nebenbeschäftigungen suchen, um einigermaßen leben zu können.

Bis ins 18. Jahrhundert waren Zuchtmeister von großer Bedeutung. In den damaligen Schulordnungen fand man „die bis ins Detail gehenden Gebote und Verbote“[12] „Der Gebrauch der Rute wurde von keiner Institution verboten.“[13]

„Der Lehrer des 18. und noch des beginnenden 19. Jahrhunderts war zweifellos unterprivilegiert, obwohl sich damals schon Stimmen mehrten, die nicht nur eine gerechtere Besoldung, sondern auch eine gesellschaftliche Anerkennung des Lehrers forderten.“[14]

Im 19. Jahrhundert kam die Emanzipation auf. Es sollten Versuche zur ökonomischen und sozialen Verbesserung des Lehrerstandes unternommen werden. Durch die Revolution von 1848 wurde das Selbstbewusstsein der Lehrer gestärkt und sie wurden ermutigt, für ihre Interessen zu kämpfen. In der Mitte des Jahrhunderts wurden die ersten Lehrervereinigungen ins Leben gerufen, was zur Folge hatte, dass die Probleme der Lehrer immer mehr in die Öffentlichkeit gerückt wurden. „Inzwischen war auch die Lehrerin deutlicher hervorgetreten“[15]. Am Ende des Jahrhunderts, zur Zeit des materiellen Aufschwungs, konnte die Gesellschaft all ihre Wünsche befriedigen und dem Lehrer wurde spätestens jetzt bewusst, „wie dürftig seine Lebensverhältnisse demgegenüber waren.“[16]

Im ersten Weltkrieg fungierte der Lehrer als Soldat und wurde in den Rang des Reserveoffiziers erhoben. Daraus entwickelte sich ein „kurzfristiger Prestigegewinn“[17] bis zum Ende des Krieges.

Zur Zeit des nationalistischen Regimes wollte man junge Lehrer für die Partei gewinnen. Ohne diese Eingliederung hatte kein Lehrer eine Chance auf Berufsausübung. Am Ende des 2. Weltkrieges waren viele Lehrer gefallen und die Schulen dienten als Notunterkünfte. Lange Wege und kleine Dienstwohnungen mussten die damaligen Flüchtlingslehrer in Kauf nehmen. Der Schulunterricht begann wieder im Jahre 1945. Der Unterricht war stark behelfsmäßig , denn es fehlte an allen Ecken und Enden an Material.

Zu Anfang der 60er Jahre fand eine Expansion im Bildungssystem statt. Studenten wurden aufgefordert, Lehrer zu werden. „Bei älteren Lehrern, die Arbeitslosigkeit und und Einstellungsschwierigkeiten noch in Erinnerung hatten, entstand Verwirrung.“[18] Ende der 70er Jahre nahm die Arbeitslosigkeit wegen der „Lehrerschwemme“ wieder zu.

Lehrer sind und bleiben immer mit der Dauerbelastung der Arbeitslosigkeit konfrontiert und mit der Tatsache, dass sie sich weniger darauf vorbereiten können, als Arbeiter und Angestellte.

3. Veränderte Kindheit

Die Kindheit hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte stark verändert, nicht zuletzt wegen der rasanten Entwicklung in den Bereichen Technik, Medizin und Medien. Der Begriff „Zeit“ wird immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Man muss schnell reagieren und agieren, um dem Druck standhalten zu können.

Leider geht diese Entwicklung an den Kindern nicht spurlos vorbei. Auch diese lernen früh genug, sich durchzusetzen, schnell und effektiv zu arbeiten und den Fortschritt, z. B. in den Medien, zu nutzen. Dies hat zur Folge, dass „immer mehr Kinder [..] mit einem Mangel an Umwelterfahrungen und mit Sinnes- und Bewegungsschwächen“[19] aufwachsen, da sie sich die meiste Zeit in Wohnungen aufhalten, anstatt nach draußen zu gehen.

Ihnen fehlen Erfahrungen mit Umweltmaterialien, wie Holz, Stein, Lehm, Ton, usw. Auch das Wahrnehmen typischer Merkmale der Jahreszeiten hat stark abgenommen. Ließ man früher Drachen steigen, baute Schneemänner, sammelte Blumen, erblickte erfreut einen Regenbogen, so werden die Kinder heute immer weniger mit solchen Naturereignissen vertraut gemacht.

Wegen des hohen Fernseh- und Computerkonsums, sind die Kinder „permanent durch die Bildschirmerfahrungen überfordert“[20]. Der Hör- und Sehsinn wird dadurch stark geschwächt, so dass die Kinder in der Schule auf eine Wort–Bild–Kombination angewiesen sind. „Während Auge und Ohr des Kindes permanent überfordert sind, sind die übrigen Sinne, vor allem der Haut- und Tastsinn, völlig unterfordert.“[21] Sie weisen Defizite an Dingen, wie Schmusen, in den Arm nehmen, Streicheln, usw. auf.

Die großen Bewegungsschwächen bei Kindern äußern sich in der Art und Weise, dass sie „Defizite im Balancieren, Klettern, Schaukeln und Rutschen [aufweisen], so dass ihr Gleichgewichtssinn und ihr Koordinationsvermögen nicht richtig funktionieren. In der Folge können sie nicht mehr leicht Fahrrad fahren lernen, nicht mehr rückwärts gehen und auch nicht mehr rückwärts zählen. Die rapide Zunahme der Rechenschwäche in der Grundschule, deren Bedeutung mittlerweile die Lese- und Rechtschreibschwäche schon überholt hat, ist direkt auf den Mangel

an Erfahrungen mit Zahligkeiten und den handelnden Umgang mit Gegenständen sowie auf den Bewegungsmangel zurückzuführen.“[22]

Ein weiteres großes Problem ist die Tatsache, dass man als Lehrer davon ausgehen muss, dass nicht jeder Schüler aus einer intakten Familie kommt. Die vor Jahren existierende Großfamilie, in der die Kinder behütet und mit anderen Kindern aufgewachsen sind, wurde nach und nach von der Kleinfamilie abgelöst. Viele neue Lebensformen haben sich mittlerweile durchgesetzt, wie z. b. alleinerziehende Elternteile, neu verheiratete Paare, berufstätige Eltern oder gleichgeschlechtliche Gemeinschaften. Die Kinder müssen oft mit „neuen“ Elternteilen und Halbgeschwistern auskommen, wegen der beruflichen Eingebundenheit der Eltern sich alleine zurechtfinden, der alleinerziehenden Mutter unter die Arme greifen und auf vieles verzichten oder wegen ungewohnter Lebensgemeinschaften sich vor anderen Kindern rechtfertigen. Diese Belastungen gehen an Kindern nicht ohne Folgen vorbei und äußern sich oftmals in der Grundschule durch Verhaltensauffälligkeiten, Lernschwächen, Konzentrationsprobleme oder soziale Probleme.

Hinzu kommt, dass in einer Familie durchschnittlich nur noch ein bis zwei Kinder aufwachsen, was eine hohe Anzahl von Einzelkindern zur Folge hat. Diese werden verwöhnt und vertätschelt und haben Probleme bei der Eingliederung in die Klassengemeinschaft. Sie müssen sich plötzlich unterordnen, sind nicht mehr der Mittelpunkt und bekommen nicht mehr alles, was sie sich wünschen.

Es liegt nun am Lehrer, diese unterschiedlichen Ausgangspunkte zu erkennen und aufzugreifen. Dafür muss der Lehrer das Soziale Lernen mit einem größeren Anteil wie bisher in seine Arbeit eingliedern, denn nur so kann er eine erfolgreiche Klassengemeinschaft aufbauen. Der Lehrer tangiert immer mehr zum Sozialpädagogen, „der mit seinen Schülern ein Stück ihres Weges zusammenlebt“[23]. „Dazu muss er einiges über Entwicklungspsychologie, über Ausländerpädagogik, über Spielpädagogik, über außerschulisches Jugendleben, [..] über Ernährungslehre, Kriminologie, Präventions- und Lernbehindertenpädagogik sowie über Familienerziehung wissen.“[24]

[...]


[1] Gutte, R. (1994). Lehrer- ein Beruf auf dem Prüfstand. S. 7.

[2] Walz, U. (1988). Eselsarbeit für Zeisigfutter – Die Geschichte des Lehrers. S. 11.

[3] Walz, U. (1988). Eselsarbeit für Zeisigfutter – Die Geschichte des Lehrers. S. 11.

[4] Walz, U. (1988). Eselsarbeit für Zeisigfutter – Die Geschichte des Lehrers. S. 12.

[5] Walz, U. (1988). Eselsarbeit für Zeisigfutter – Die Geschichte des Lehrers. S. 13.

[6] Walz, U. (1988). Eselsarbeit für Zeisigfutter – Die Geschichte des Lehrers. S. 29.

[7] Walz, U. (1988). Eselsarbeit für Zeisigfutter – Die Geschichte des Lehrers. S. 31.

[8] Walz, U. (1988). Eselsarbeit für Zeisigfutter – Die Geschichte des Lehrers. S. 31.

[9] Walz, U. (1988). Eselsarbeit für Zeisigfutter – Die Geschichte des Lehrers. S. 31.

[10] Walz, U. (1988). Eselsarbeit für Zeisigfutter – Die Geschichte des Lehrers. S. 38.

[11] Walz, U. (1988). Eselsarbeit für Zeisigfutter – Die Geschichte des Lehrers. S 39.

[12] Walz, U. (1988). Eselsarbeit für Zeisigfutter – Die Geschichte des Lehrers. S. 33.

[13] Walz, U. (1988). Eselsarbeit für Zeisigfutter – Die Geschichte des Lehrers. S. 34.

[14] Walz, U. (1988). Eselsarbeit für Zeisigfutter – Die Geschichte des Lehrers. S 13.

[15] Walz, U. (1988). Eselsarbeit für Zeisigfutter – Die Geschichte des Lehrers. S 14.

[16] Walz, U. (1988). Eselsarbeit für Zeisigfutter – Die Geschichte des Lehrers. S 15.

[17] Walz, U. (1988). Eselsarbeit für Zeisigfutter – Die Geschichte des Lehrers. S 15.

[18] Walz, U. (1988). Eselsarbeit für Zeisigfutter – Die Geschichte des Lehrers. S 207.

[19] Struck, P. (1994). Neue Lehrer braucht das Land – Ein Plädoyer für eine zeitgemäße Schule. S. 53.

[20] Struck, P. (1994). Neue Lehrer braucht das Land – Ein Plädoyer für eine zeitgemäße Schule. S. 54.

[21] Struck, P. (1994). Neue Lehrer braucht das Land – Ein Plädoyer für eine zeitgemäße Schule. S. 55.

[22] Struck, P. (1994). Neue Lehrer braucht das Land – Ein Plädoyer für eine zeitgemäße Schule. S. 54.

[23] Struck, P. (1994). Neue Lehrer braucht das Land – Ein Plädoyer für eine zeitgemäße Schule. S. 56.

[24] Struck, P. (1994). Neue Lehrer braucht das Land – Ein Plädoyer für eine zeitgemäße Schule. S. 56.

Details

Seiten
29
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638242059
Dateigröße
1003 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v20274
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Grundschulpädagogik
Note
1,7
Schlagworte
Strategien Lehrer Berufsprofil Grunschullehrerin

Autor

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