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Visualisierung im Geschichtsunterricht

von Julius Ledge (Autor)

Hausarbeit 2011 12 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

1. Vorbemerkung / Begriffsklärung Visualisierung

Nicht selten fällt es Schülern im Geschichtsunterricht schwer, die behandelten Sachverhalte zu verstehen und als Teil in ein Ganzes einzuordnen. Lange und umfangreiche Sachtexte im Geschichtsbuch oder reine Vorträge durch die Lehrperson wirken oft eher kontraproduktiv, wenn es darum geht, bei den Schülern Interesse und Verständnis für Geschichte zu wecken. Um die behandelten Themengebiete anschaulicher zu gestalten und damit einen höheren Lernerfolg bei den Schülern zu erreichen, setzt die moderne Geschichtsdidaktik auf Visualisierung im Unterricht.

Visualisierungen sind Veranschaulichungen, die dazu dienen, größere Datenzusammenhänge in eine graphisch vereinfachte Form zu bringen, sodass diese leichter erfasst werden können. Im Schulunterricht und speziell im Geschichtsunterricht sind Sachverhalte oft sehr umfassend und abstrakt dargestellt. Für die Schüler ist es daher oftmals schwierig, einen Zugang zu dem Sinn des Dargestellten zu erhalten oder diesen sprachlich und logisch zu formulieren. Um ihnen einen leichteren und verständlichen Zugang zu ermöglichen, können mithilfe optischer Elemente, verschiedene Sachlagen für die Schüler veranschaulicht werden. Eine didaktische Absicht steht demzufolge immer im Hintergrund. Die Visualisierung ist also ein logisches Bild, dass dabei in der Wahrnehmung des Schülers entsteht1. Visualisieren meint daher, „einen bislang im Zeichensystem der Wortsprache ausgedrückten Inhalt entweder durch bildsprachliche Zeichen zu ergänzen, oder aber ihn gar ganz in die Bildsprache zu übersetzen“2.

Anhand der vereinfachten Darstellung ergeben sich dabei folgende Eigenschaften von Visualisierungen. Durch Visualisierung wird ein komplexes Thema, durch die Beschränkung auf wesentliche Elemente reduziert und damit vereinfacht. Der Grad der Verallgemeinerung ist daher sehr hoch. Für die Zielperson ist diese Visualisierung dadurch überschaubar und leichter zu begreifen. Trotzdem muss die Veranschaulichung fachlich richtig und dem Wissenstand der Zielperson angepasst sein.

Die Gestaltung veranschaulichender Elemente weist zudem immer eine Arbeit mit Symbolen auf. So ist die Benutzung von Linien, Pfeilen oder Strahlen wichtig für die visuelle Umsetzung und die Betonung einzelner Zusammenhänge. Eine solche Veranschaulichung ist jedoch nicht eine „historische Wahrheit“, sondern eine Deutung, beziehungsweise eine Interpretation der erfassten Ausgangsdaten. Denn die Beschäftigung mit Geschichte im Allgemeinen bedeutet nicht, das Herausfinden einer Wahrheit, sondern lediglich die Deutung und Interpretation einzelner Ereignisse, in dem Bewusstsein, dass diese Auslegung nur vorläufig sein und eventuell ergänzt oder sogar revidiert werden könnte3. Durch die Interpretation von Geschichte wird das veranschaulichte Element folglich zu einem historischen Narrativ in visueller Form.

Zum Umgang mit diesen Eigenschaften sind verschiedene Fähigkeiten vonnöten. Dies betrifft zum einen, die Fähigkeit, „Bilder zu verstehen und zu verwenden“ und zum anderen die Fähigkeit, „sich in bildhaften Begriffen auszudrücken, bildlich zu denken und mit Bilder zu lernen“4

Als Lehrkraft im Geschichtsunterricht kann man auf diese Fähigkeiten bei den Schülern zurückgreifen, muss diese aber auch gleichzeitig weiterentwickeln. Spricht man von Visualisierung im Unterricht, so muss dies aus zwei Gesichtspunkten erläutert werden. Hier gibt es zum einen die

Visualisierungsmedien, die dazu dienen, die Unterrichtsinhalte des

Geschichtsunterrichtes anschaulich und verständlich darzustellen. Zum anderen sind damit die Anwendungsmöglichkeiten, das heißt die verschiedenen, bildlichen Darstellungsweisen gemeint5.

2. Visualisierungsmedien

2.1. Tafel / Flipchart

Schon seit der Antike nutzen die Menschen Tafeln, um Informationen zu verdeutlichen und festzuhalten. Waren diese damals noch aus Stein, Ton oder Schiefer, haben sie sich bis heute zu Großtafeln aus Holz, Metall oder Kunststoff entwickelt, die mit Tafelkreide beschreibbar und in fast jedem Klassenraum in Schulen vorzufinden sind. Daher ist die Schultafel das am meisten benutzte Medium im Unterricht. Sie hat überwiegend eine zentrale Stellung im Klassenraum und befindet sich deshalb für gewöhnlich in Blickrichtung aller Schüler. Dadurch wird gewährleistet, dass möglichst alle dem Unterricht und dem damit verbundenen Tafelanschrieb folgen können. Anders als bei der individuellen Arbeitsweise, beispielsweise bei Arbeitsblättern, steht durch die Tafelarbeit die einheitliche Konzentration der Schüler auf den gleichen Sachverhalt im Vordergrund. Die Tafelarbeit ist oftmals eine Dokumentation des Unterrichtsverlaufes.

Im Gegensatz zu Vordrucken auf Arbeitsblättern oder Darstellungen in Geschichtsbüchern, ist der Tafelanschrieb nicht statisch, sondern kann individuell gestaltet werden. So können zum Beispiel auch spontane Erkenntnisse der Schüler oder außerplanmäßige Änderungen in das Tafelbild einfließen. Trotzdem veranschaulichen Tafelbilder doch eher einfach strukturierte und übersichtliche Entwicklungen und Zusammenhänge, in Form von einfachen Tabellen, Begriffsgrafiken, Mindmaps und Schemenzeichnungen6.

Das Tafelbild dient dazu, dass die Schüler die erlangten Erkenntnisse des Unterrichtes speichern. Durch einen übersichtlichen Tafelanschrieb sollen sie die erlernten Ergebnisse möglichst lange nachvollziehen können. Umfang und Inhalte müssen dabei an das Niveau des Schülers angepasst sein. Da jedoch nicht der gesamte Inhalt der Unterrichtsstunde an die Tafel gebracht werden kann, ist ein Tafelbild immer eine starke Verallgemeinerung beziehungsweise eine starke Reduzierung, für deren Umsetzung es unterschiedliche Möglichkeiten gibt.

So kann beispielsweise ein Sinngehalt durch Symbole visualisiert werden. Eine Krone kann dabei für den König oder die Monarchie stehen, Fahnen für Länder und Umrisse von Gebäuden für Institutionen oder Bevölkerungsschichten (Kirche,

[...]


1 Hinrichs, Carsten: Visualisieren. In: Günther-Arndt, Hilke (Hrsg.): Geschichtsmethodik. Handbuch für die Sekundarstufe I und II. Berlin 2010. S. 236.

2 Stary, Joachim: Visualisieren. Ein Studien- und Praxisbuch. Berlin 1997. S. 12.

3 Dörr, Margarete: Tafel- und Folienarbeit. In: Schneider, Gerhard (Hrsg.): Handbuch. Medien im Geschichtsunterricht. 6. Auflage, Schwalbach 2011. S. 102.

4 Hinrichs, Carsten. S. 236.

5 Hinrichs, Carsten. S. 236 ff.

6 Hinrichs, Carsten. S. 137.

Details

Seiten
12
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656289937
ISBN (Buch)
9783656290278
Dateigröße
386 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202695
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Hstorisches Institut
Note
1,6
Schlagworte
Visualisierung im Unterricht Visualisierung Geschichtsdidaktik Didaktik Medien Medien im Unterricht

Autor

  • Julius Ledge (Autor)

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Titel: Visualisierung im Geschichtsunterricht