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Primäre Insomnie - Wie wird sie behandelt?

Ein Vergleich von pharmakologischen und psychotherapeutischen Interventionsmöglichkeiten

Hausarbeit 2011 16 Seiten

Psychologie - Biologische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zusammenfassung

2. Primäre Insomnie – Beschreibung des Störungsbildes

3. Diagnostische Verfahren

4. Störungsmodell der primären Insomnie

5. Behandlung der primären Insomnie
5.1 Pharmakologische Behandlung
5.2 Psychotherapeutische Behandlung

6. Pharmakologische und/oder psychotherapeutische Intervention?

7. Literaturverzeichnis

1. Zusammenfassung

Insomnien gehören neben Hypersomnien, Parasomnien und Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, zu dem großen Komplex der Schlafstörungen. Sie sind am weitesten verbreitet und können jeden Menschen zumindest vorübergehend einmal betreffen (Backhaus & Riemann, 1999). Da Insomnien sowohl als eigenständiges Störungsbild als auch in Zusammenhang mit einer psychischen Störung (z.B. Depression) oder aber infolge einer körperlichen Erkrankung auftreten können, ist ein ausführlicher und differenzierter diagnostischer Prozess unabdingbar (Riemann & Hajak, 2009). Des Weiteren werden aus der jeweiligen Diagnosestellung adäquate Interventionsmaßnahmen abgeleitet. Hierzu gehören pharmakologische sowie psychotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten.

Medikamentöse Therapien bedienen sich Pharmaka wie Benzodiazepinrezeptoragonisten, Antihistiminika, pflanzlichen Präparaten und zunehmend auch sedierenden Antidepressiva und Antipsychotika. Diese Substanzen bewirken eine schnelle Verbesserung der insomnischen Beschwerden, gehen allerdings mit erheblichen Nebenwirkungen einher. Langfristig positive Effekte können zur Zeit nur für kognitiv-verhaltenstherapeutische Maßnahmen belegt werden (Riemann & Hajak, 2009). In Zukunft müssen allerdings weitere Studien und Metaanalysen für beide Interventionsstrategien durchgeführt werden, um den Patienten mit einer primären Insomnie eine adäquate und effektive Behandlung zu ermöglichen.

2. Primäre Insomnie – Beschreibung des Störungsbildes

Im Folgenden möchte ich mich auf die Insomnieformen konzentrieren, die weder eine organische noch eine psychiatrische Ursache haben. Diese sind im ICD-10 als nichtorganische Insomnien (F51.0) klassifiziert und stellen als so genannte primäre Insomnien ein eigenständiges Störungsbild dar (Riemann & Hajak, 2009).

In den westlichen Industrienationen durchgeführte epidemiologische Studien fanden heraus, dass nach ICD-10-Kriterien etwa 10% der Bevölkerung an chronischen insomnischen Beschwerden leiden (Ohayon, 1996 & 2002, zit. n. Riemann & Hajak, 2009). Davon sind ungefähr 30% von einer primären Insomnie betroffen. In Deutschland weisen 4% der Bevölkerung chronische insomnische Symptome auf, die ihre Tagesbefindlichkeit nachhaltig negativ beeinflussen (Hajak, 2001, zit. n. Riemann & Hajak, 2009). Bisher konnte allerdings noch nicht abgeklärt werden, wie hoch der Prozentsatz an Betroffenen ist, bei denen die Insomnie krankheitswertig und damit auch behandlungsbedürftig ist. Diese Zahlen veranschaulichen deutlich, dass Beeinträchtigungen des Schlafes im Sinne einer Insomnie extrem häufig sind. Die diagnostischen Kriterien nach ICD-10 umfassen:

„A. Klagen über Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen oder eine schlechte Schlafqualität ohne erfrischende Wirkung.
B. Die Schlafstörungen treten mindestens dreimal pro Woche während mindestens eines Monats auf.
C. Die Schlafstörungen verursachen entweder einen deutlichen Leidensdruck oder wirken sich störend auf die alltägliche Funktionsfähigkeit aus.
D. Verursachende organische Faktoren fehlen, wie z.B. neurologische oder andere somatische Krankheitsbilder, Störungen durch Einnahme psychotroper Substanzen oder eine Medikation.“(Dilling, 2010, S. 211).

Epidemiologische Studien konnten zeigen, dass Insomnien häufig chronisch verlaufen. In mehreren Studien konnten Backhaus et al. (1999, zit. n. Backhaus & Riemann, 1999) nachweisen, dass 75% der Insomniepatienten bereits ein Jahr und länger unter ihrer Insomnie litten. Oft führen chronische Insomnien zu einer reduzierten Lebensqualität und zu Einschränkungen der psychosozialen Funktionsfähigkeit in privaten sowie beruflichen Lebensbereichen (National Institutes of health state of science conference statement, 2005, zit. n. Riemann & Hajak, 2009). Des Weiteren gehen sie mit erhöhter Tagesmüdigkeit, mit kognitiven Einschränkungen, Stimmungsschwankungen, diversen körperlichen Beschwerden und infolge dessen mit einer erhöhten Inanspruchnahme medizinischer Leistungen einher (Katz & McHorney, 2002; Lèger et al., 2002; Walsh & Engelhardt, 1999, zit. n. Riemann & Hajak, 2009). Weitere Befunde ergaben, dass das Vorliegen einer chonischen Insomnie ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen darstellt, insbesondere für Depressionen sowie Substanzmissbrauch und -abhängigkeit (Breslau et al., 1996; Riemann & Voderholzer, 2003, zit. n. Riemann & Hajak, 2009). So kann die rechtzeitige Behandlung von Insomnien bedeutend zur Prävention psychischer Erkrankungen beitragen (Ford & Kamerow, 1989, zit. n. Riemann & Hajak, 2009).

Die Insomnie kann auch als eines von vielen Symptomen bei einer psychischen Störung (z.B. bei Depressionen) oder einer körperlichen Erkrankung auftreten. In diesem Fall wird nur die Diagnose der zugrunde liegenden psychischen oder körperlichen Erkrankung gestellt. Kann sie jedoch als eigenständiges Zustandsbild aufgefasst werden, wird die nichtorganische Insomnie entweder alleine oder zusätzlich zur Hauptdiagnose kodiert (Riemann & Hajak, 2009).

Dieser Sachverhalt weist darauf hin, dass es für eine eindeutige Diagnosestellung einer ausführlichen, genauen und differenzierten Diagnostik bedarf. Denn je nachdem, ob die insomnischen Beschwerden als Symptom einer anderen Erkrankung oder als eigenständiges Störungsbild betrachtet werden, werden daraus verschiedene Ansätze für deren korrekte Behandlung abgeleitet. Tritt die Insomnie beispielsweise infolge einer depressiven Erkrankung auf, so wäre es sinnvoll die Behandlung auf die depressive Symptomatik zu fokussieren, da davon ausgegangen werden kann, dass in diesem Zuge auch die insomnischen Symptome abklingen. Umgekehrt erfordert die Diagnose einer primären Insomnie andere spezifische Therapieansätze für deren Behebung. Diese können dann, wie ich schon erläutert habe, das Risiko deutlich senken, im weiteren Verlauf an einer psychischen Störung zu erkranken (Riemann & Hajak, 2009).

3. Diagnostische Verfahren

Im Hinblick auf die Relevanz einer differenzierten Diagnose und auf meine Fragestellung ist die genaue Betrachtung der diagnostischen Verfahren in der Praxis von äußerster Wichtigkeit, denn diese stellen den ersten Schritt auf dem Weg zur adäquaten Behandlung des Krankheitsbildes dar. Deren Ergebnisse dienen dazu mögliche Ansatzpunkte für die Therapie der Insomnie abzuleiten, folglich ist es von Vorteil, wenn während des diagnostischen Prozesses möglichst breit gefächert Daten erhoben werden.

Die Patienten, die mit insomnischen Beschwerden die Hausarztpraxis aufsuchen, werden zunächst nach ihrer Schlafhygiene befragt. Dazu gehören Lärm, Licht, Temperatur, Liegekomfort sowie nicht mit dem Schlaf in Verbindung stehende Tätigkeiten und Gewohnheiten des Partners. Ebenso wichtig sind Informationen bezüglich des Zu-Bett-Gehens wie der Zeitpunkt, die Regelmäßigkeit, wiederkehrende Befindlichkeiten und vorausgehende Nickerchen. Anschließend wird auf den Nachtschlaf (subjektive Einschlafdauer, Häufigkeit und Dauer von Wachphasen, Verhalten während dieser Zeiten, etc.) sowie den Zeitpunkt und die Regelmäßigkeit des Aufwachens eingegangen. Des Weiteren wird nach der Tagesbefindlichkeit und nach allgemeinen Beschwerden gefragt, anhand derer der Hausarzt die Schlafprobleme vier Kategorien (Insomnie, Hypersomnie, Parasomnie und Schlaf-wach-Rhythmusstörungen) zuordnen kann. Es folgen eine allgemeinmedizinische Anamnese, in der frühere und noch bestehende Erkrankungen erhoben werden, und eine Auflistung von Medikamenten und Suchtmitteln, die den Schlaf beeinträchtigen können. Als besonders wichtig erachte ich auch die Frage nach der beruflichen und privaten Lebenssituation, in der mögliche Konfliktsituationen und Belastungsfaktoren identifiziert werden können. Deren negativer Einfluss auf den Schlaf wird von Patienten recht häufig erwähnt (Grözinger et al., 2008).

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Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656287155
ISBN (Buch)
9783656287353
Dateigröße
693 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202657
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
1,0
Schlagworte
primäre insomnie vergleich interventionsmöglichkeiten

Autor

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Titel: Primäre Insomnie - Wie wird sie behandelt?