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Zusammenhang zwischen Mediennutzung und schulischen Leistungen

Untersuchung im Hinblick auf Auswirkungen auf die betriebliche Ausbildung

von Luis Beimann (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 50 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Fragestellung

1 Einleitung, Begründung der Fragestellung

2 Erläuterung der Vorgehensweise

3 Schulische Leistungen und Berufsausbildung
3.1 Bewertungsmaßstäbe für schulische Leistungen und deren Vergleichbarkeit (PISA)
3.1.1 Lesekompetenz
3.1.2 Mathematische Kompetenz
3.1.3 Naturwissenschaftliche Kompetenz
3.1.4 Lesemotivation und Lernstrategien
3.1.5 PISA sonstiges
3.2 Statistisches Bundesamt: Bildungsstand der Bevölkerung
3.3 Bundesinstitut für Berufsbildung: Daten zur Berufsausbildung
3.4 Zusammenfassung

4 Entwicklungen in der Medienlandschaft
4.1 Überblick über die technische Entwicklung einzelner Medien
4.2 Mediennutzung bei den Jugendlichen
4.2.1 Entwicklung des Medienkonsums der Jugendlichen ab den 1980´er Jahren
4.2.1.1 Medium Fernsehen
4.2.1.2 Medium Computer- und Videospiele
4.2.2 Aktueller Stand des Medienkonsums der Jugendlichen für
4.2.2.1 Medienausstattung
4.2.2.2 Mediennutzung allgemein
4.2.2.3 Mediennutzung speziell: Comupter- und Konsolenspiele
4.2.2.4 Mediennutzung speziell: Online-Communities
4.2.2.5 Mediennutzung speziell: Fernsehen
4.2.2.6 Mediennutzung speziell: Handys und Smartphones
4.3 Zusammenfassung

5 Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Leistungsentwickung und den Entwicklungen im Multimedia-Bereich?
5.1 Bedeutung und Folgen des Medienkonsums
5.1.1 Jugendmedienstudie 1994: Medium Fernsehen
5.1.2 Zusammenhang zwischen familiärer Situation und Mediennutzung: Fernsehen und Videospiele bei 12- bis 14-jährigen
5.1.3 Die Auswirkungen des Medienkonsums bei Jugendlichen: iBrain
5.2 Zusammenhang zwischen Medienkonsum und schulischen Leistungen: Gefährden Bildschirmmedien den Schulerfolg?.
5.3 Zusammenfassung

6 Welche Konsequenzen ergeben sich daraus?
6.1 Mögliche gesellschaftliche Folgen: Ausbildungsplatzlosigkeit
6.2 Mögliche betriebswirtschaftliche Folgen
6.3 Mögliche Folgen für die betriebliche Ausbildung
6.4 Zusammenfassung

7 Zusammenfassung und Ausblick

Anhang: Übersicht, Tabellen und Grafiken

Literaturverzeichnis

1 Einleitung, Begründung der Fragestellung

„Azubis gesucht: Tausende Lehrstellen unbesetzt“ – Hamburger Abendblatt vom 08.05.2012[1]

Schlagzeilen wie diese häufen sich in den vergangenen Jahren zusehends. Die Diskussion um die angeblich mangelnde Eignung vieler Schulabgänger ist in den Medien nahezu allgegenwärtig. Doch, wie ist es tatsächlich um die Qualifizierung der Auszubildenden bestellt? Gibt es gesicherte Daten auf Grund derer solche Aussagen kritisch überprüft werden können, oder handelt es sich lediglich um ein Wahrnehmungsproblem, das von den Medien regelmäßig, vor allem im berühmten „Sommerloch“, also unmittelbar vor Beginn der meisten Ausbildungen zum 1. September eines jeden Jahres wieder aufgegriffen wird?

Ein weiteres Phänomen, das häufig in den Medien anzutreffen ist, ist die Klage über die problematische Mediennutzung der Jugendlichen. So wird behauptet, dass sie zu viel Zeit vor ihren Computern und Spielkonsolen verbrächten und dadurch ihre Leistungen in der Schule nach ließen. Tatsächlich kann allerorts in Deutschland und vermutlich in allen Industrienationen der Welt die gleiche Beobachtung gemacht werden: Die Jugendlichen sind ständig mit ihren Mobiltelefonen, ihren Handys und Smartphones beschäftigt. Im Internet kennen sie sich bestens aus und ebenso sind sie hinsichtlich des aktuellen Fernsehprogramms offenbar auch stets auf dem Laufenden. Ferner wird beklagt, dass sich die Jugend von heute zu wenig bewege und im Schnitt übergewichtig sei.

In der folgenden Arbeit soll diesen Behauptungen auf den Grund gegangen werden. Es soll versucht werden, heraus zu finden, ob die Jugendlichen aktuell schlechtere schulische Leistungen erbringen als in früheren Zeiten. Außerdem soll der Medienkonsum der Jugendlichen überprüft werden, um schließlich fest stellen zu können, ob es zwischen beiden Faktoren einen Zusammenhang gibt. Falls das der Fall sein sollte, sollen die eventuellen Folgen daraus in gesellschaftlicher und betriebswirtschaftlicher Sicht, aber auch im Hinblick auf die Berufsausbildung untersucht werden, was im direkten Zusammenhang mit dem Seminarthema der Handlungsfelder in der Betrieblichen Berufsausbildung steht.

2 Erläuterung der Vorgehensweise

Hypothese: „Überhöhter Medienkonsum führt zu dauerhaft schlechteren schulischen Leistungen und somit schlechteren Chancen auf dem Ausbildungsmarkt.“

Diese Arbeitshypothese soll im Folgenden für den geographischen Raum der Bundesrepublik Deutschland untersucht werden. Dabei soll überprüft werden, ob sie zu verifizieren oder zu falsifizieren ist.

Die vorliegende Arbeit gliedert sich dazu in verschiedene Abschnitte: Im ersten Abschnitt soll untersucht werden, inwiefern sich die schulischen Leistungen der Schüler in den vergangenen Jahren verändert haben. Dies soll an Hand von gesichertem Zahlenmaterial statistisch überprüft werden.

Im zweiten Abschnitt sollen die Entwicklungen im medialen Bereich und der Medienkonsum der Jugendlichen über einen Zeitraum von knapp 30 Jahren betrachtet werden, um eventuelle Tendenzen im Hinblick auf die Mediennutzung fest stellen zu können. Für diesen und den vorherigen Abschnitt ist eine soziologische Betrachtungsweise auf der Makro-Ebene vorgesehen, also aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive.

Im dritten Abschnitt sollen die Folgen des Medienkonsums für Jugendliche untersucht werden und ein eventueller Zusammenhang zwischen diesem und ihren schulischen Leistungen ermittelt werden. Hierbei wird ebenfalls die soziologische Betrachtungsweise auf der Makro-Ebene, aber auch Aspekte auf der Mikro-Ebene, der individuellen Perspektive der Betroffenen gewählt. Dabei werden auch psychologische Aspekte hinzugezogen.

Im letzten Abschnitt sollen die sich eventuell ergebenen Folgen für die Gesellschaft (= Makro-Ebene), für die betriebswirtschaftlichen Gegebenheiten (=Meso-Ebene) und für die berufliche Ausbildung untersucht werden und ggf. Lösungsansätze für Probleme gegeben werden, die bei der vorliegenden Untersuchung ermittelt wurden. Für letzteres ist eine Betrachtung unter didaktischen Gesichtspunkten vorgesehen.

Am Ende sollen die Ergebnisse zusammengefasst und ein Ausblick gegeben werden.

3 Schulische Leistungen und Berufsausbildung

Zunächst soll im ersten Abschnitt dieser Arbeit die Frage beantwortet werden, ob die schulischen Leistungen der Bewerber für Ausbildungsplätze tatsächlich im Laufe der Jahre nach gelassen haben, wie oben erwähnt und häufig von Anbietern der Ausbildungsplätze beklagt wird. Dazu soll kurz fest gestellt werden, was unter schulischen Leistungen zu verstehen ist, um im Anschluss daran an Hand der PISA-Studie zu untersuchen, wie sich diese Leistungen im Zeitraum von 2000 bis 2009 entwickelt haben. Danach soll weiter an Hand der Daten des Statistischen Bundesamts überprüft werden, wie sich das Bildungsniveau in Deutschland tendenziell entwickelt hat. Dabei soll der Zeitraum von 1996 bis 2010 betrachtet werden, um eventuelle langfristige Trends erkennen zu können. Um weiterhin herausfinden zu können, wie sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt tatsächlich aktuell darstellt, bzw. welche Entwicklungen es im Laufe der vergangenen Jahre gegeben hat, sollen anschließend die aktuellen Daten des Bundesinstituts für Berufsbildung für den Zeitraum von 2001 bis 2011 ausgewertet werden, bevor die gewonnenen Erkenntnisse schließlich zusammen gefasst werden.

3.1 Bewertungsmaßstäbe für schulische Leistungen und deren Vergleichbarkeit (PISA)

Im Jahre 2000 hat Deutschland zum ersten Mal an der PISA-Studie (= Programme for International Student Assessment) teil genommen. 2009 erfolgte die vierte Teilnahme. Ziel der PISA-Studie ist es, die grundlegenden Kompetenzen der Schüler im Alter von 15 Jahren, dem weltweit durchschnittlichen Alter gegen Ende der Pflichtschulzeit, international vergleichen zu können. Initiator dieser Studie ist die OECD[2] . In Deutschland erfolgte die Teilnahme im Dreijahres-Zyklus aus den Beschlüssen der KMK[3] .

Untersucht werden dabei die drei als grundlegend betrachteten Kompetenzen Lesekompetenz, mathematische Kompetenz und die naturwissenschaftliche Kompetenz. Die Ergebnisse der international normierten Test werden dabei nicht nur im internationalen Vergleich betrachtet, sondern es können auch Entwicklungen innerhalb der einzelnen Länder über den insgesamt untersuchten Zeitraum miteinander verglichen werden.[4]

Um die unterschiedlichen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler in den drei Kompetenzbereichen messen und vergleichen zu können, werden jeweils Kompetenzstufen gebildet, die von unter Ib, der untersten Stufe, bis zur Kompetenzstufe VI, der höchsten Stufe skaliert sind. Es gibt somit insgesamt acht Stufen.[5]

Welche Ergebnisse wurden nun in den bisher durchgeführten Studien in den einzelnen Kompetenzbereichen für Deutschland fest gestellt?

3.1.1 Lesekompetenz

Die Lesekompetenz der Schülerinnen und Schülern wurde nach folgenden Teilbereichen bewertet[6] : Die Fähigkeit, Textinformationen zu suchen und zu extrahieren, Textinformationen zu kombinieren und zu interpretieren, sowie Textinformationen zu reflektieren und zu bewerten. Außerdem kann die Fähigkeit zum Textverständnis verschiedener Formate ebenfalls gemessen werden. Hierbei wird zwischen kontinuierlichen und nicht kontinuierlichen Texten unterschieden. Die Ergebnisse für Deutschland lagen dabei im Bereich des Reflektierens und Bewertens bei 491 Punkten (OECD-Durschnitt: 494 Punkte), im Bereich des Suchens und Extrahierens bei 501 Punkte (OECD-Durchschnitt: 495 Punkte), beim Kombinieren und Interpretieren ebenfalls 501 Punkte (OECD-Durchschnitt: 493Punkte). Die Ergebnisse zum Textverständnis bei kontinuierlichen Texten lagen 2009 bei 496 Punkten (OECD-Durchschnitt: 494 Punkte) und bei nicht kontinuierlichen Texten bei 497 Punkten (OECD-Durchschnitt: 493 Punkte). Insgesamt lag Deutschland 2009 damit im guten OECD Mittelfeld. Insgesamt hat sich jedoch eine signifikante Verbesserung von 2000 zu 2009 im Bereich der Lesekompetenz ergeben, genauer: von 484 Punkten auf 497 Punkte. Der Zuwachs besteht dabei für Jungen und Mädchen gleichermaßen.[7]

3.1.2 Mathematische Kompetenz

Die mathematische Kompetenz gilt in vielen Berufs- und Wirtschaftsbereichen als eine Voraussetzung für erfolgreiches individuelles Handeln.[8] Somit wurde sie erstmals in der PISA-Studie 2003 untersucht. 2009 lag die durchschnittliche mathematische Kompetenz in der OECD bei 496 Punkten. Die deutschen Schüler erreichten dabei einen Wert von 503 Punkten im Jahr 2003. Sechs Jahre später lag dieser Wert bereits bei 513 Punkten, wobei der Anstieg bei den Jungen mit 13 Punkten höher lag als derjenige der Mädchen mit 6 Punkten. Die mathematische Kompetenz der Jungen liegt in Deutschland ebenfalls insgesamt signifikant über derjenigen der Mädchen. Ferner wurden in Deutschland auch zwischen den einzelnen Schulformen unterschieden. So lag die mathematische Kompetenz bei den Hauptschülern bei 424 Punkten, Schülern der integrierten Gesamtschule bei 480 Punkten, bei den Realschülern bei 512 Punkten und bei den Gymnasiasten schließlich bei 595 Punkten. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass in den vergangenen sechs Jahren der PISA-Erhebung die mathematische Kompetenz in Deutschland zugenommen hat.

3.1.3 Naturwissenschaftliche Kompetenz

„Die naturwissenschaftliche Kompetenz ist eine Voraussetzung, um an einer von Naturwissenschaften und Technik geprägten Welt teilhaben zu können. Aus diesem Grund untersucht PISA regelmäßig die naturwissenschaftliche Grundbildung von fünfzehnjährigen Jugendlichen in den OECD-Staaten…“[9] In den zugehörigen Tests sollen die Schüler als Teilkompetenzen naturwissenschaftliche Fragstellungen erkennen, naturwissenschaftliche Phänomene erklären und naturwissenschaftliche Evidenz nutzen können. Das naturwissenschaftliche Wissen soll sich auf physikalische Systeme beziehen, ebenso auf lebende Systeme, Erd- und Weltraumsysteme sollen sie kennen, genauso wie technologische Systeme. Dieser Schwerpunkt wurde 2006 für Deutschland erstmals gesetzt. Der OECD-Durchschnitt lag 2009 bei 501 Punkten und Deutschland erreichte 520 Punkte. Die Verteilung nach Schulformen sah dabei aus wie folgt: Hauptschüler erreichten 431 Punkte, Schüler der Integrierten Gesamtschule 500 Punkte, Realschüler 521 und Gymnasiasten 602 Punkte. Im Vergleich zu 2006 konnte Deutschland insgesamt eine Steigerung von 5 Punkten, von 515 auf 520 Punkte erreichen. Die naturwissenschaftliche Grundausbildung in Deutschland liegt somit im internationalen Vergleich deutlich über dem Durchschnitt[10] .

3.1.4 Lesemotivation und Lernstrategien

In der PISA-Studie wurde u. a. auch untersucht, ob und in welchem Maße die Schüler über lernfördernde Einstellungen verfügen[11] . Dies ist besonders wichtig, da am Ende ihrer regulären Schulzeit das Lernen weiterhin sehr notwendig ist. Es sollte also heraus gefunden werden, wie stark die Lese- und Lernmotivation ausgeprägt ist. Da die meisten Informationen zum Lernen über das Lesen aufgenommen werden, wurde dieser Bereich entsprechend untersucht, indem der Indikator Lesefreude gebildet wurde. Es wurde also gefragt, ob, wie häufig und gern die Schüler lesen. Ferner, ob sie über effektive Lern- und Lesestrategien verfügen. In Deutschland gaben 41 Prozent der Schüler an, nicht zum Vergnügen zu lesen, der OECD-Durchschnitt lag hier bei 37 Prozent. Sowohl in Deutschland als auch in den meisten anderen OECD-Ländern gaben die Mädchen häufiger an, zum Vergnügen zu lesen, als die Jungen. In Deutschland ist der Anteil von Jugendlichen, die zum Vergnügen lesen von 58 Prozent im Jahre 2000 auf 59 Prozent im Jahre 2009 somit kaum gestiegen. Vergleichswerte für die Lernstrategien liegen noch nicht vor, da sie 2009 erstmals abgefragt wurden.

3.1.5 PISA sonstiges

Es konnte in allen Kompetenzbereichen ein Zuwachs fest gestellt werden. Besonders wichtig ist dies vor dem Hintergrund der Chancengleichheit auch für Schüler mit Migrationshintergrund. Gerade im Bereich der Lesekompetenz konnten hier große Fortschritte erzielt werden. Im vergangenen Jahrzehnt konnte hier ein Zuwachs von 13 PISA-Punkten erzielt werden. Die Streuung der Ergebnisse konnte verringert werden und ebenso eine Verbesserung im unteren Leistungsbereich, „in dem überproportional viele Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund vertreten sind“.[12] So betrug der Anstieg für Schülerinnen ohne Migrationshintergrund nur 4 Punkte, für diejenigen mit hingegen 27 Punkte. Der demographische Wandel macht sich allerdings auch hier bemerkbar, da die Zahl der Jugendlichen unter 18 Jahren um etwa 10 Prozent von 15 Millionen auf 13,5 Millionen zurück ging.

3.2 Statistisches Bundesamt: Bildungsstand der Bevölkerung

Wie hat sich im Verlauf der vergangenen Jahre der Bildungsstand der Bevölkerung in Deutschland verändert? Lassen sich hier zuverlässige Daten ermitteln, welche Aufschluss darüber geben können, ob das Bildungsniveau der Jugendlichen in den letzten Jahren tatsächlich gesunken ist?

Zunächst soll betrachtet werden, wie sich die Zahlen im Hinblick auf einen Schulabschluss in den Jahren 1996 bis 2010 verändert haben. Um langfristige Entwicklungen erkennen zu können, sollen daher die jeweiligen Zahlen für die beiden Jahre einander gegenüber gestellt werden, auch weil für 1996 erstmals vollständige Angaben zu allen Schulabschlüssen vorlagen.

Die Vergleichszahlen zwischen 1996 und 2010 beziehen sich jeweils auf die Gesamtbevölkerung Deutschlands. Es ist hier zu berücksichtigen, dass es sich um Gesamtzahlen handelt, also wie hoch der Anteil der jeweiligen Schulabschlüsse auf die Gesamtbevölkerung verteilt ist. Entsprechende demographische Veränderungen müssten bei genauerer Analyse heraus gerechnet werden. Hier soll es genügen, eventuelle größere Trends heraus lesen zu können.

Anschließend soll die aktuelle Situation im Hinblick auf den Schulabschluss der heute (Zahlen von 2010) 15 bis 20-jährigen betrachtet werden im Vergleich zu den Zahlen aus 2007, um aktuelle Trends erkennen zu können.

Grundzahlen zur allgemeinen Schulbildung für die Gesamtbevölkerung (Vgl. Tabelle 7)[13]

Abgesehen von der Zunahme der Personen mit Angaben zum Schulabschluss um ca. 5,5 Mio. fällt auf, dass die Zahl der in der schulischen Ausbildung befindlichen Personen um 316.000 abgenommen hat. Dies könnte ein Hinweis auf die allgemeine demographische Entwicklung sein. Andere Ursachen, wie beispielsweise der Eintritt in ein Übergangssystem zur beruflichen Bildung könnten ebenfalls in Frage kommen. Dies müsste an geeigneter Stelle entsprechend untersucht werden. Besonders auffällig ist jedoch die Zunahme derjenigen ohne allgemeinen Schulabschluss. Die Zahl hat sich von 1.680.000 auf 2.926.000 beinahe verdoppelt. Demgegenüber steht jedoch die enorme Zunahme von Realschulabschlüssen um fast 50 Prozent von 10.624.000 auf 15.404.000 und eine noch größere Zunahme an Fachhochschul- oder Hochschulreife von 11.145.000 in 1996 auf 18.329.000 in 2010. Ebenfalls auffällig ist die Abnahme der Hauptschulabschlüsse um ca. 6,5 Mio von 1996 zu 2010. Wie sieht nun die aktuellere Entwicklung in diesen Bereichen aus?

Grundzahlen zur allgemeinen Schulausbildung für die Altersgruppe 15 bis 20 Jahre (Vgl. Tabelle 7)

Im Vergleich der Jahre 2007 und 2010 hat Anzahl der Personen ohne Angaben zum Schulabschluss um ca. eine halbe Millionen abgenommen, was genauere Angaben im Hinblick auf die einzelnen Schulabschlüsse ermöglicht. Aktuell fällt die sehr deutliche Abnahme der Zahl der Personen, die sich noch in schulischer Ausbildung befinden gravierend ins Auge. Sie hat um 639.000 abgenommen, was ungefähr 20 Prozent entspricht. Auch dies kann als neueres Indiz für den demographischen Wandel gedeutet werden. Andererseits kann es aber auch bedeuten, dass sich nun mehr Personen in nachschulischen Maßnahmen befinden. Dies müsste an geeigneter Stelle genauer untersucht werden. Ebenfalls abgenommen hat die Zahl derjenigen, die einen Hauptschulabschluss erlangten, genauer: um 98.000 von 642.000 in 2007 auf 544.000 in 2010. Hingegen hat die Zahl derjenigen, die einen Realschul- oder gleichwertigen Abschluss erlangten insgesamt von 833.000 um 25.000 auf 858.000 zugenommen. Gleiches gilt für die Personen, die eine Fachhochschul- oder Hochschulreife erlangten. Hier ist eine Zunahme von 169.000 in 2007 um 65.000 auf 234.000 in 2010 fest zu stellen. Bedenklich ist allerdings die gravierende Zunahme derjenigen, die ohne einen allgemeinen Schulabschluss ihre Schullaufbahn beendeten. Die Zahl hat von 122.000 in 2007 um 102.000 auf 224.000 in 2010 sehr stark zugenommen, was in etwa einer Zunahme von 83 Prozent entspricht, sich also nahezu verdoppelt hat!

3.3 Bundesinstitut für Berufsbildung: Daten zur Berufsausbildung

Um einen Hinweis darauf zu erhalten, inwiefern es den Betrieben im langjährigen Vergleich möglich ist, geeignete Bewerber zu finden, sollen im Folgenden die Daten zu abgeschlossenen Berufsausbildungsverträgen an Hand der Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB) aus dem aktuellen Datenreport zum Berufsausbildungsbericht 2012 untersucht[14] werden. Dabei sollen, um eventuelle Trends erkennen zu können, die Daten aus 2011 mit denen von 2001 verglichen werden.

Im Jahr 2011 (Stand: September) wurden insgesamt laut Erhebung des BiBB 570.140 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen[15] . Diese Zahl lag im Jahr 2001 noch bei 614.238. In der Verknüpfung der Erhebungsdaten des BiBB mit denen der Bundesagentur für Arbeit standen dafür ursprünglich 581.690 Bewerber („gemäß der alten, traditionellen Definition“[16] , welche hier verwendet werden soll, um die aktuellen Daten mit denen aus 2001 vergleichen zu können) einem Ausbildungsplatzangebot von 599.829 gegenüber. Das entspricht einem Angebotsüberhang von 18.139 in 2011. Im Jahre 2001 gab es ein Ausbildungsplatzangebot von 638.773 gegenüber einer Ausbildungsplatznachfrage von 634.700, was einem Angebotsüberhang von nur 4.073 entspricht. Somit hat zwar sowohl die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze und der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge gemäß dieser Definitionen abgenommen, aber auch die Zahl der Ausbildungsplatznachfrager. Die Zahl des Angebotsüberhangs hat sich allerdings wesentlich deutlicher erhöht.

Die neuere Entwicklung seit Mitte der 2000´er Jahre zeigt eine ähnliche Tendenz: So entfielen im Jahre 2011 auf 100 Bewerber im Schnitt etwa 103,1 Angebote, während es im Jahre 2006 nur 94,6 Angebote waren. Dies kann gemeinhin als Auswirkung der demographischen Entwicklung gedeutet werden, wodurch sich der Ausbildungsmarkt für Jugendliche aktuell also so günstig wie nie zuvor darstellt.[17] Auch ist die Zahl derjenigen Jugendlichen, die weiterhin einen Ausbildungsplatz suchen weiterhin rückläufig.

3.4 Zusammenfassung

Wie ist es nun also um die Leistungsfähigkeit der Jugendlichen im Hinblick auf ihre schulischen Leistungen, ihren allgemeinen Bildungsstand und ihren Erfolg bei der Ausbildungsplatzsuche bestellt? Aus der PISA-Studie geht hervor, dass in den drei jeweils geprüften Kompetenzbereichen durchweg eine leichte bis deutliche Steigerung erkennbar ist. Das bedeutet, dass die Schüler im Vergleich zu der Situation ab dem Jahre 2000 nahezu durchweg (im Allgemeinen betrachtet!) bessere Leistungen erbringen. Dieser Tendenz entspricht die deutliche Zunahme der Realschul- oder gleichwertiger Abschlüsse bzw. auch der Allgemeinen Hochschul- bzw. Fachhochschulreife seit 1996 gemäß der Zahlen des Statistischen Bundesamts. Bedenklich ist allerdings in diesem Zusammenhang, dass vor allem die Zahl derjenigen, die ohne einen Abschluss ihre Schullaufbahn beenden beträchtlich zugenommen hat. Auch sind die Leistungsangaben aus der PISA-Studie hinsichtlich der Hauptschüler im allgemeinen Durchschnitt relativ schlecht. Anlass zur Hoffnung auf Besserung geben kann aber bspw. die Zunahme der Lesekompetenz bei Schülern mit Migrationshintergrund, da dies als Indikator für eine eventuell zunehmende Bildungsbereitschaft gedeutet werden kann, die, wie die PISA-Studie gezeigt hat, in Deutschland im internationalen Vergleich derzeit nicht all zu hoch angesiedelt ist. Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt stellt sich so dar, dass einer sinkenden Bewerberzahl eine größere Zahl an Ausbildungsstellen gegenübersteht. Die derzeit recht hohe Zahl an offenen Ausbildungsstellen kann somit zwei Ursachen haben: Zum einen eine sehr hohe Zahl an Jugendlichen ohne geeigneten Schulabschluss, zum anderen jedoch auch die demographische Entwicklung mit einer sinkenden Zahl an Ausbildungsplatzsuchenden, oder aber auch der zunehmenden Zahl derjenigen, die einen Hochschul- bzw. Fachhochschulabschluss anstreben, was aus der Zahl derjenigen hervorgeht, die einen entsprechenden Schulabschluss erworben haben. Einen generellen Rückgang der Bildungsbemühungen der Jugendlichen, oder auch ein generelles Sinken des allgemeinen Leistungsniveaus im Hinblick auf schulische Leistungen kann an Hand der vorliegenden Quellen nicht konstatiert werden. Die angeblich nachlassende Qualifizierung der Jugendlichen für die angestrebten oder auch angebotenen Ausbildungsplätze (aus Sicht der Ausbildungsplatzanbieter) müsste in entsprechenden Untersuchungen über einen längeren Zeitraum genau dokumentiert werden. Derartige Untersuchungen wurden dem Autor trotz mehrfacher Nachfrage aus verschiedenen Gründen bedauerlicherweise nicht zur Verfügung gestellt.[18]

[...]


[1] Hamburger Abendblatt online: http://www.abendblatt.de/hamburg/article2269418/Azubis-gesucht-Tausende-Lehrstellen-unbesetzt.html, Stand: 11.08.2012

[2] Vgl. OECD, PISA: http://www.oecd.org/pisa/, Stand: 08.08.2012

[3] Vgl. KMK, PISA: http://www.kmk.org/bildung-schule/qualitaetssicherung-in-schulen/bildungsmonitoring/internationale-schulleistungsvergleiche/pisa.html, Stand: 08.08.2012

[4] Vgl. Klime, Eckhard u. a. (Hrsg.), 2010, S. 11 ff.

[5] Vgl. Klime, Eckhard u. a. (Hrsg.), 2010, S. 26 ff.

[6] Vgl. Klieme, Eckhard u. a., (Hrsg.), 2010, S. 39 ff.

[7] Vgl. Klieme, Eckhard u. a., (Hrsg.), 2010, S. 59

[8] Vgl. Klieme, Eckhard u. a., (Hrsg.), 2010, S. 154 ff.

[9] Klieme, Eckhard u. a., (Hrsg.), 2010, S. 177

[10] Klieme, Eckhard u. a., (Hrsg.), 2010, S. 177 ff.

[11] Vgl. Klieme, Eckhard u. a., (Hrsg.), 2010, S. 73 ff.

[12] Klieme, Eckhard u. a. (Hrsg.), 2010, S. 281

[13] Statistisches Bundesamt, Bildungsstand der Bevölkerung 2011, S. 10

[14] Vgl. Bundesinstitut für Berufsbildung: Datenreport zum Berufsausbildungsbericht 2012

[15] Vgl. Bundesinstitut für Berufsbildung: Datenreport zum Berufsausbildungsbericht 2012, S. 16

[16] Bundesinstitut für Berufsbildung: Datenreport zum Berufsausbildungsbericht 2012, S. 16, Spalte 18

[17] Vgl. Bundesinstitut für Berufsbildung: Datenreport zum Berufsausbildungsbericht 2012, S. 16

[18] Angefragt wurde u. a. bei der Daimler AG, der Deutschen Bahn, der Deutschen Bank, der Commerzbank. Derartige Untersuchungen, so hieß es, seien nicht durchgeführt worden, und falls doch, könnten sie leider Unternehmens-externen Personen, auch in anonymisierter Form nicht zur Verfügung gestellt werden. Einzig von der Daimler AG erhielt der Autor den Hinweis, dass Claus Hitschler, Leiter der kaufmännischen Ausbildung bei BASF u. U. eine derartige Untersuchung durch geführt habe. Die Anfrage bei ihm blieb bislang leider ohne Erfolg. Sollte es eine derartige Untersuchung tatsächlich geben, so könnte sie in erheblichem Maße Auskunft über die Kompetenzentwicklung der Ausbildungsplatzsuchenden an Hand fester Kriterien, wie bspw. Rechtschreibkenntnisse o. ä. geben: Vgl. eventuell: Hitschler, Claus an der Fachhochschule Ludwigshafen am Rhein, Fachhochschule für Wirtschaft: http://www.fh-ludwigshafen.de/bip/de/meinungen/partner.php, Stand: 10.08.2012

Details

Seiten
50
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656286851
ISBN (Buch)
9783656287650
Dateigröße
1012 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202564
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin – Fachbereich 2
Note
1,7
Schlagworte
zusammenhang mediennutzung leistungen untersuchung hinblick auswirkungen ausbildung

Autor

  • Luis Beimann (Autor)

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