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Hilfe als Hilfe zur Selbsthilfe

Das Subsidiaritätsprinzip und seine Bedeutung für die Soziale Arbeit

Hausarbeit 2011 20 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition “Subsidiarität”

3. Geschichte des Subsidiaritätsprinzips
3.1 Subdsidiäres Verständnis vor seiner Begrifflichen Bestimmung
3.2 Das Subsidiaritätsprinzip in den Sozialenzykliken
3.2.1 Rerum Novarum (1891)
3.2.2 Quadragesimo anno (1931)
3.2.3 Centesimus annus (1991)

4. Anwendungsbereiche des Subsidiaritätsprinzipes
4.1 Subsidiaritätsprinzip im Grundgesetz
4.2 Subsidiaritätsprinzip in den Sozialgesetzbüchern
4.3 Subsidiaritätsprinzip in derFamilie
4.4 Subsidiaritätsprinzip in den Wohlfahrtsverbänden

5. Bedeutung für die Soziale Arbeit
5.1 Aufgaben und Ziele der Sozialen Arbeit
5.2 Welche Rolle spielt das Subsidiaritätsprinzip in der Sozialen Arbeit?

6. Schlussgedanke

7.Literaturverzeichnis

8. Glossar

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit werde ich mich mit dem Thema „ Hilfe als Hilfe zur Selbsthilfe - Das Subsidiaritätsprinzip und seine Bedeutung für die Soziale Arbeit“ auseinandersetzen. Ich habe mich für dieses Thema entschieden, da das Subsidiaritätsprinzip in vielen Bereichen eine sehr große Bedeutung zugeschrieben wird.So ist dieses Ordnungsprinzip, wie sich noch zeigen wird, unter anderem für die katholische Soziallehre, für die Gesellschaft und vor allem auch für die Soziale Arbeit grundlegend. Im zweiten Abschnitt dieser Hausarbeit möchte ich zunächst in wenigen Worten darstellen, was der Begriff „Subsidiarität“ eigentlich bedeutet und in welcher Form das Subsidiaritätsprinzip angewandt wird. Danach werde ich kurz auf die Geschichte dieses Prinzips eingehen. Hierbei werde ich aufzeigen, inwieweit ein subsidiäres Denken vor seinem erstmaligem Erscheinen in den Sozialenzykliken vorhanden war. Anschließend stelle ich das Prinzip der Subsidiarität anhand von drei ausgewählten Enzykliken dar. Dabei werde ich mich auf die päpstlichen Lehrschreiben „Rerum novarum“, „Quadragesimo anno“ und „Centesimus annus“ beschränken. Im vierten Kapitel werde ich dann aufzeigen in welchen Bereichen das Subsdiaritätsprinzip zur Anwendung kommt. Da dieses Prinzip auf eine Vielzahl von Gebieten anwendbar ist, werde ich nur jene behandeln, die auch für die Soziale Arbeit von Bedeutung sind. Im letzten Teil der Hausarbeit werde ich schließlich darstellen, welche Gewichtigkeit es für die Soziale Arbeit hat. Dazu möchte ich zunächst kurz aufzeigen, was Soziale Arbeit ist und welche Ziele sie sich gesetzt hat. Im Anschluss werde ich dann beschreiben inwieweit es in der Sozialen Arbeit eine Rolle spielt.

2. Definition „Subsidiarität“

Der Begriff Subsidiarität lässt sich vom lateinischen Wort„ subsidium “ ableiten, was so viel bedeutet wie Hilfe, Hilfestellung, Beistand oder Unterstützung. Wörtlich kann man das Subsidiaritätsprinzip auch mit „ …ersatzweise, als Behelf, wenn es nicht anders geht, als Notbehelf nach dem man greift, wenn man nichts Besseres zur Verfügung hat“ übersetzen.[1] Das Prinzip der Subsidiarität bzw. die Idee die hinter diesem Prinzip steht, ist schon sehr alt und reicht weit in die Geschichte zurück. Der Begriff sowie die klassische Definition des Subsidiaritätsprinzip entstand jedoch erst viel später, nämlich in dem 1931 verfassten Rundschreiben von Papst Pius XI, der Enzyklika[2] „Quadragesimo anno“.[3] Was aber bedeutet dieses Prinzip eigentlich? Unter Subsidiarität versteht man im Allgemeinen, ein Gesellschaftsmodell, in welchem die Aufgaben jeweils von der kleinsten Einheit gelöst werden sollen, der dies noch möglich ist, ohne dass ihre Kräfte überstiegen werden. Erst wenn diese der Aufgabe nicht mehr gewachsen ist, soll die nächst größere Einheit eingreifen dürfen. Als kleinste Einheit ist immer das Individuum anzusehen, erst wenn dessen Handlungskompetenzen überschritten werden und er/ sie sich nicht mehr selbst helfen kann, sollte die Familie oder Nachbarschaft eingreifen um die Notlagen des einzelnen aufzufangen. Wenn auch diese nicht mehr in der Lage sind Hilfe zu leisten, greift die nächst größere Einheit, die caritative Einrichtung ein, sofern sie über ein entsprechendes sachgerechtes Angebot verfügt. Dieser wiederum hilft die Gemeinde, der Gemeinde hilft der Staat.[4] Die nächst höhere Einheit soll dementsprechend erst dann fördernd und unterstützend einschreiten, wenn die Kräfte der unteren Einheit nicht ausreichen um das Problem selbstständig zu lösen. Diese unterstützende Hilfe sollte jedoch nur so lange gewährt werden, wie es nötig ist, um Eigenständigkeit zu erhalten sowie Abhängigkeiten zu vermeiden. Es geht also nicht darum, eine vollständige Verantwortung für die untere Einheit zu übernehmen, sondern vielmehr darum Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.

3. Geschichte des Subsidiaritätsprinzips

In dem folgendem Abschnitt möchte ich mich mit der Geschichte des Subsidiaritätsprinzips beschäftigen. Hierbei werde ich zunächst darstellen, inwieweit ein subsidiäres Verständnis bereits vor seiner Erscheinung in den Sozialenzykliken vorhanden war. Grundlegend gelten hierbei die Theorien von Thomas von Aquin und Johannes Althusius. Aber auch schon vor dieser Zeit lassen sich Grundzüge eines subsidiären Denkens erkennen, so zum Beispiel bei Platon und seinem Schüler Aristoteles. Anschließend werde ich das Prinzip in Bezug auf drei ausgewählte Sozialenzykliken darstellen.

3.1 Subdsidiäres Verständnis vor seiner begrifflichen Bestimmung

Wie im zweiten Kapitel schon kurz dargelegt wurde entstand der Begriff des Subsidiaritätsprinzips erst in der 1931 verfassten Sozialenzyklika „Quadragesimo anno“ von Papst Pius XI. Doch schon viele Jahrhunderte zuvor lässt sich die Grundidee eines solchen subsidiären Gedankens in der Literatur wiederfinden. So stellte schon der griechische Philosoph Platon (427 v. Chr. – 347 v. Chr.), den Menschen als jemand dar, der nicht auf sich allein gestellt sein kann sondern seine Mitmenschen braucht und diesen ebenfalls zur Hilfe kommt, sollten sie diese benötigen.[5] Auch sein Schüler Aristoteles (384 v. Chr. - 322 v. Chr.) sieht den Menschen als ein Wesen das sich selbst nicht genug ist, sondern die Gesellschaft zum Leben benötigt.

„wenn eben jeder einzelne sich nicht sich selber genügend ist, so verhält er sich zum Staat geradeso wie die Teile eines anderen Ganzen zu diesem letzteren, wenn er aber andererseits überhaupt nicht an einer Gemeinschaft sich zu beteiligen vermag oder dessen durchaus nicht bedarf wegen seiner Selbstgenügsamkeit, so ist er freilich ein Teil des Staates, aber eben damit entweder ein Tier oder aber ein Gott.“[6]

Weiterhin sieht Aristoteles in seiner „Politik“ den Staat (bzw. die Polis) als eine von Natur aus existierende Sache (Entität), aus der heraus sich die kleinen Teile am besten entfalten können. Als Verpflichtung des Staates wird ausschließlich der Wert der Selbstständigkeit (Autarkie) verstanden. Dabei soll der Staat keine Eingriffsbefugnis besitzen. Auch wenn das Ordnungsprinzip hier noch nicht vollständig dargelegt wird, so sind die Grundstrukturen dennoch zu erkennen.[7] Innerhalb der katholischen Soziallehre lässt sich die Subsidiarität ideengeschichtlich auf den Theologen und Philosophen Thomas von Aquin (1225 -1274) zurückverfolgen. Als einer der wichtigsten Vertreter der scholastischen Naturrechtstheorie sieht er Gott als Urheber und Ziel des Seins. Die Aufgabe des Menschen besteht darin, den göttlichen Lenkungsplan zu vollziehen, das bedeutet, das Gesamtziel des Menschen ist einzig und allein die von Gott gewollten Handlungen auszuführen. Durch eine tugendhafte und gottgefällige Lebensführung soll so Glückseligkeit (beatitudo) erreicht werden. Damit wird Gott als oberster Gesetzgeber und das menschliche Gesetz (lex humana) als unterste Einheit der Gesetzeshierarchie dargestellt. Weiterhin wird dem um das Gemeinwohl bemühten Staates ein absoluter Vorrang vor jedem Einzelinteresse gewährt. Das Zusammenleben der Menschen wird durch das eherne Gesetz (lex aeterna) der Schöpfungsordnung betsimmt, diese nimmt zwar Rücksicht auf das natürliche Gesetz (lex naturalis), jedoch spricht sie dem Menschen keine wirkliche Autonomie zu, sondern gewährt ihm lediglich eine Teilhabe in der göttlichen Ordnung. Das bedeutet, dass er sich nur innerhalb der durch Gott gesetzten Zwecke entfalten kann.[8] Auch wenn hierbei,anders als beim Subsidiaritätsprinzip, den übergeordneten Einheiten (Gott,Staat) ein eindeutiger Vorrang gewährleistet wird, so lässt sich dennoch ein erster Schritt hin zur Subsidiarität, durch eine Ordnung der Gesellschaft, erkennen. Viel eindeutiger lässt sich das Prinzip der Subsidiarität in der Theorie des Rechtsphilosphen Johannes Althusius (1557 -1638) erkennen. Johannes Althusius leitete aus dem Naturrecht[9] einen gegliederten Aufbau der Gesellschaft ab. Seiner Theorie nach wird der Aufbau der Gesellschaft von unten nach oben gegliedert. Der Staat besteht aus öffentlichen (Gemeinde, Städte, Provinzen und Landschaften) und privaten ( Ehe, Familie und Verwandtschaft) Gemeinschaftsformen. Sie bilden gemeinsam eine umfassende politische Lebensgemeinschaft. Herrscher und Repräsentantenversammlung übernehmen Verwaltung und Leitung dieser Lebensgemeinschaft. Die Gemeinden behalten jedoch ihre jeweiligen Eigenrechte. Aufgaben werden hierbei so verteilt, dass sie in mehreren kleinen Einheiten vollzogen werden. Jeder Einheit werden also Teilrechte, je nach Kompetenzen, zugeschrieben. Diese Freiheitsrechte werden von ständischen Beauftragten, den so genannten Ephoren, verteidigt. Damit ist Althusius dem heutigen Verständnis des Subsidiaritätsprinzips schon sehr viel näher als Thomas von Aquin. Denn in seiner Theorie wird nicht den größeren Einheiten ein eindeutiger Vorrang gewährleistet, sondern den kleineren.[10]

3.2 Das Subsidiaritätsprinzip in den Sozialenzykliken

Anhand von drei ausgewählten Sozialenzykliken möchte ich im Folgenden wesentliche Entwicklungsschritte des Begriffs der Subsidiarität als christliches Sozialprinzip im Wandel der Zeit darstellen. Neben den hier folgenden Enzykliken wird das Thema der „Subsidiarität“ jedoch in sehr vielen weiteren aufgegriffen, angesprochen und im jeweiligen historischen Rahmen reflektiert. All diese darzustellen würde jedoch den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen. Daher werde ich mich auf eine Darstellung des Ordnungsprinzips im Bezug auf Rerum Novarum, Quadragesimo anno und Centesimus annus beschränken.

3.2.1 Rerum Novarum (1891)

Papst Leo XIII veröffentlichte 1891 die erste Sozialenzyklika „Rerum Novarum“. Zu dieser Zeit herrschte ein hohes Maß an sozialer Ungerechtigkeit. Menschenwürde und Grundrechte der Arbeiterklasse drohten durch die immer stärker einsetzende Industrialisierung verloren zu gehen. Dieses Übel förderte die Entstehung von Gewerkschaften und politischen Strömungen.

Der Konflikt zwischen Liberalismus und Sozialismus drohte seinen Höhepunkt in einer Revolution zu finden. Nicht nur die extremen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen machten der Gesellschaft stark zu schaffen, auch unter der Ordnung des gesellschaftlichen Aufbaus musste sie leiden. Denn all diese Neuerungen führten zu einer Spaltung der Gesellschaft in zwei Klassen: den Arbeitern und den Industriellen.[11] Dieser Wandel veranlasste Papst Leo XIII dazu, zu den neuen Verhältnissen und Entwicklungen Stellung zu beziehen. So forderte der Papst in seinem Lehrschreiben zum einen,ein Recht des Einzelnen auf Privatbesitz. Hiermit solle vor allem den Arbeitern und Familien eine Eigentumsbildung ermöglicht werden.

[...]


[1] O. von Nell-Breuning, den Kapitalismus umbiegen. Schriften zur Kirche, Wirtschaft und Gesellschaft. Ein Lesebuch, 1990, Patmos Verlag,

Düsseldorf 349 – 370, S. 350.

[2] Definition „Enzyklika“ siehe Anhang

[3] Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e.V., Subsidiaritätsprinzip.Neue Zugänge im Spiegel sozialpolitische Herausforderungen,

1998, Don Bosco Verlag, München, S. 7.

[4] A. Waschkuhn, Was ist Subsidiarität? Ein Sozialphilosophisches Ordnungsprinzip: Von Thomas von Aquin bis zur „Civil Society“, 1995,

Westdeutscher Verlag, Opladen, S. 13.

[5] Vgl. Platon, Der Staat, 2008, Reclam Verlag, Stuttgart, S. 139

[6] Aristoteles, Politik, 1994, Rowohlt Verlag, Hamburg, S. 47/48.

[7] Vgl. Westermeyer, Herausbildung des Subsidiaritätsverhältnisses zwischen Familie und Staat und seine heutige Bedeutung im Grundgesetz,

2010,Nomos Verlag, Baden-Baden , S. 23 ff.

[8] Vgl. Waschkuhn,A. Was ist Subsidiarität? Ein Sozialphilosophisches Ordnungsprinzip: Von Thomas von Aquin bis zur „Civil Society“, 1995, Westdeutscher Verlag, Opladen, S. 19 ff.

[9] Definition siehe Anhang

[10] Vgl. Waschkuhn, A. Was ist Subsidiarität? Ein Sozialphilosophisches Ordnungsprinzip: von Thomas von Aquin bis zur „Civil Society“, 1995,

Westdeutscher Verlag, Opladen, S. 22 ff.

[11] Vgl. Papst Johannes Paul II, Centesimus annus, 1991, Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn, S. 7 ff.

Details

Seiten
20
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656292456
ISBN (Buch)
9783656292777
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202558
Institution / Hochschule
Katholische Stiftungsfachhochschule München
Note
2,0
Schlagworte
Subsidiarität Selbsthilfe Soziale Arbeit Kirche Papst

Autor

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