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Eine Diskursanalyse zur Anglizismendebatte einer deutschen und spanischen Tageszeitung im Vergleich

Hausarbeit 2012 21 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorgehensweise bei der Datensammlung

3. Zur Theorie der Diskursanalyse

4. Eine Topoi - Analyse der Artikel der Süddeutschen Zeitung
4.1. Der Topos der Unverständlichkeit
4.2. Der Topos der Bedrohung
4.3. Der Topos des Verlusts (der Bereicherung)
4.4. Der Topos der Modernität
4.5. Der Topos der Überflüssigkeit
4.6. Der Topos der Unschicklichkeit

5. Eine Topoi - Analyse der Artikel von El País
5.1. Der Topos der Unverständlichkeit
5.2. Der Topos der Bedrohung
5.3. Der Topos des Verlusts
5.4. Der Topos der Bereicherung
5.5. Der Topos der Modernität
5.6. Der Topos der Überflüssigkeit
5.8. Der Topos der Eroberung

6. Vergleich des dargestellten Diskurses anhand der Topoi

7. Schlusswort

Bibliographie

Erklärung über das selbstständige Verfassen der Seminararbeit

1. Einleitung

Die hier vorliegende Hausarbeit mit dem Titel ÄEine Diskursanalyse zur Anglizismendebatte einer deutschen und spanischen Tageszeitung im Vergleich“ will anhand ausgewählter Artikel aus der spanischsprachigen Tageszeitung El País und der deutschen Tageszeitung Süddeutsche Zeitung eine Annäherung an den Diskurs der jeweiligen Länder bezüglich der Anglizismen sichtbar machen. Ich erhoffe mir gerade von dem Vergleich zweier verschiedener Zeitungen aus unterschiedlichen Ländern Divergenzen im Diskurs in beiden Nationen herausfinden zu können. In meinen Augen erscheint mir das besonders sinnvoll, da so ein erweiterter Rahmen gegeben werden kann, da die zu vergleichenden Objekte inhaltlich weiter auseinander liegen, als es beispielsweise bei einem Vergleich zweier Zeitungen desselben Landes der Punkt wäre.

Der Arbeit soll zunächst jedoch eine theoretische Grundlage gegeben werden, anhand derer die Analyse getätigt werden soll. Dazu dienen die Schriften von Ruth Wodak, Norman Fairclough, James Paul Gee und Martin Wengeler.

Die theoretischen Hintergründe sollen auf jeweils 13 ausgewählte Artikel der Tageszeitungen angewandt werden, die unter dem Stichwort ÄAnglizismus“ (Äanglicismo“) gefunden und im Zeitraum vom 1.1.2010 bis 1.2.2012 veröffentlicht wurden. Dabei wurden ausschließlich Artikel verwendet, die alleinig der (Online-) Zeitung selbst und nicht etwaigen angehörenden Magazinen (Bsp.: Süddeutsche Zeitung Magazin) oder dergleichen entstammen. Eine derartige Eingrenzung erschien mir sinnvoll, da sie durch diesen engen Rahmen eine präzisere Vergleichsmöglichkeit bietet.

Die in den Artikeln auftretenden Topoi und verborgenen Diskurse werden untersucht, wobei zunächst die deutsche, hernach die spanische Tageszeitung behandelt werden soll. Den Schluss bildet ein Vergleich der gewonnenen Einsichten in den Diskurs beider Zeitungen und Länder bezüglich der Anglizismendebatte.

2. Vorgehensweise bei der Datensammlung

Um den Diskurs innerhalb von zwei verschiedenen Zeitungen vergleichen zu können, bedarf es vergleichbarer Zeitungen an sich. Die Tageszeitung Süddeutsche hatte in der den Samstag beinhaltenden Ausgabe eine Auflage von etwa 544.3401 und eine Verbreitung von ca. 434.6502 Exemplaren im Zeitraum vom Juli 2010 - Juni 2011. Die Auflage der spanischen Tageszeitung El País betrug im selben Zeitraum 473.9053 Exemplare und die Verbreitung wurde mit 369.7074 Exemplaren berechnet.

Dabei wurde nur die Druckauflage beachtet und nicht die Online - Version, sodass es Schwierigkeiten gibt, beide Tageszeitungen auf dieser Ebene zu vergleichen, da sämtliche untersuchte Artikel aus der Internetausgabe kommen. Doch soll versucht werden, einen Referenzrahmen anhand der Durckversion zu schaffen: Nimmt man die Bevölkerungszahlen der jeweiligen Länder zu den genannten Auflagen- und Verbreitungswerten hinzu, resultiere daraus ein etwaiger Wert der Verbreitung pro Kopf. Bei der Zeitung El País (369.707 bei 47.190.4935 Einwohnern) ergibt sich ein Wert von etwa 0,00783 Zeitungen pro Kopf. Bei der Süddeutschen (434.650 bei 81.752.0006 Einwohnern) ist es ein Wert von 0,00537.

Ich halte durch diese Werte beide Zeitungen für vergleichbar, trotz der Tatsache, dass El País Spaniens Tageszeitung mit der höchsten Auflage und Verbreitung ist, was in Deutschland eher der BILD - Zeitung und nicht der Süddeutschen entsprechen würde. Die Artikel innerhalb der Online - Version der jeweiligen Tageszeitung, wurde, wie schon erwähnt zunächst unter dem Schlagwort ÄAnglizismus“ (anglicismo) gesucht. Dabei kam es bei El País zu Schwierigkeiten, da nicht nur der linguistische Begriff als Treffer angeführt wurde, sondern auch Artikel zur Iglesia anglicana, der anglikanischen Kirche, erschienen. Dabei wurden alle 30 Artikel im Zeitraum vom 1.1.2010 -1.2.2012 ausgewählt, die eine Sprachbetrachtung im engeren oder auch weiteren Sinne zum thematischen Inhalt haben. Daneben wurden willkürlich solche Artikel gewählt, die nur entfernt eine eigentliche Sprachbetrachtung beinhalten, sondern den Begriff ÄAnglizismus“ in irgendeinem gegebenen Kontext nennen. Beide Pole sind schwierig voneinander abzugrenzen und überschneiden sich bisweilen.

Ich habe versucht eine Klassifizierung zu treffen, wobei (++) die Sprachbetrachtung im engeren Sinne meint und (-) die einfache Nennung des Begriffes ÄAnglizismus“ in unterschiedlichem Kontext meint. Dazwischen liegt die Kategorie (+), die Artikel beinhaltet, die sich nicht ausschließlich mit der Sprache beschäftigen, sondern meist politischen oder ökonomischen Kontext haben. Der Einfachheit halber hat jeder betrachtete Artikel ein Kürzel. Dabei bedeuten die Buchstaben die jeweilige Zeitung (Bsp.: EP für El País) und die Zahl die Position in der alphabetischen Reihenfolge der Autoren. Als Illustration für den inhaltlichen Unterschiede beider Pole können auch schon die Titel der Artikel SZ1 (-) (Daysailer - Das Nachmittagsangebot) und SZ7 (++) (Deutsche Sprache - Babel ist uns einerlei) dienen. Aber zur Veranschaulichung der inhaltlichen Divergenz seien hier zwei Exempel herausgegriffen:

SZ1 (-): ÄHeute, da das Lifestyle - Thema Segeln ohne Anglizismen nicht mehr auskommt, heißt es natürlich Daysailer.“

SZ7 (++): Ä[...] Die Mehrsprachigkeit, die aufgrund der spezifischen kognitiven Potentiale der einzelnen Sprachen, aber auch aufgrund der Diversität der damit verbundenen Forschungstraditionen die Wissenschaft belebt und bereichert, also eine maßgebliche Ressource ihrer Entwicklung darstellt, ist massiv bedroht durch den grassierenden, vielfach schon verordneten Gebrauch eines auf die Grundfunktion reduzierten Englisch (das mit der gleichnamigen Kultursprache wenig zu tun hat), nicht nur bei der internationalen Verständigung, sondern auch innerhalb der forschenden und forschungsfördernden Institutionen, auf nationalen Konferenzen, bei Publikationen und im Lehrbetrieb.“

Versucht man eine Kategorisierung nach genanntem Muster, ergibt sich die folgende Tabelle:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es fällt bei der Betrachtung auf, dass die Artikel sowohl der Süddeutschen Zeitung als auch der El País in ihrer Verteilung ähnlich sind.

3. Zur Theorie der Diskursanalyse

Im Folgenden möchte ich einen kurzen Abstrakt der Theorie zur kritischen Diskursanalyse darstellen, den ich für die Analyse der Zeitungsartikel anwenden möchte.

Eine Diskursanalyse zielt darauf ab, die in einer bzw. mehreren Kommunikationshandlungen nicht offenbarten gedanklichen Hintergründe sichtbar zu machen. Diese gedanklichen Hintergründe wie Äbeliefs, values, ideologies“ (Fairclough 2010: 46) sind menschliche Konstrukte und entstehen im Diskurs. Fairclough führt aus, dass das als allgemein gesichert geltende Hintergrundwissen (Ätaken-for-granted background knowledge“) zu einem Thema, welches in Kommunikationshandlungen zur Argumentation angewandt wird, Rückschlüsse auf den eigentlichen Diskurs innerhalb der Gesellschaft bietet (Fairclough 2010: 31). Daher soll das Ziel meiner Arbeit auch jene Offenbarmachung von verborgenen Denkstrukturen sein.

Für den Begriff des Diskurses möchte ich hier die Definition von Wodak anbringen, die den Diskurs Äas acomplexe bundle of simul-taneous ans sequential interrelated linguistic acts, which may manifest them-selves within and across the social fields of action as thematically interrelated semiotic, oral or written tokens [...]“ (Wodak 2001: 66) erklärt. Aufgrund dieser Komplexität wird es mir in dieser Hausarbeit nicht möglich sein, den ganzen Diskurs über das Thema des Anglizismus zu erfassen, was ohnehin unmöglich ist, da Diskurse immer offene Systeme sind (Wodak 2001: 66). Es kann nur zu einem groben Überblick des Diskurses kommen, was auch schon durch meine nur begrenzte Auswahl an exemplarischen Texten möglich ist. Ich werde, um den Diskurs zu beschreiben im Folgenden eine Analyse der verschiedenen Topoi machen und sie in ihre Schlussverfahrensprozesse zergliedern, um verborgene Argumente oder Schlussregeln herauszufinden (nach Wengeler 2003: 179). Ich hoffe gerade hier, den verborgenen Diskurs aufdecken zu können. Allerdings, auch aufgrund der Tatsache, dass Diskurse immer offen sind und sich untereinander bedingen, kann es zu Redundanzen oder Überschneidungen kommen. Die Topoi lassen sich nicht immer eindeutig voneinander abgrenzen. Beispielsweise ist der in der Analyse der Süddeutschen Zeitung aufgeführte Topos des Verlusts eng mit dem der Bedrohung verquickt. Bei der Analyse von El País geschieht dies ebenfalls, doch kommt noch der Topos der Eroberung hinzu.

Ich habe keine Klassifizierung getroffen, welcher Topos von welchem abhängt, da ich der Überzeugung bin, dass dies weder möglich noch anzustreben ist. Eine Analyse eines ohnehin schon offenen Diskurses kann nur anhand einer Beschreibung stattfinden, da es immer Abnormitäten gibt, die nicht einer prototypischen Diskursbetrachtung gerecht werden.

4. Eine Topoi - Analyse der Artikel der Süddeutschen Zeitung

4.1. Der Topos der Unverständlichkeit

Dieser Topos ist einer der größten im Diskurs um den Anglizismus. Als Beispiel seien hier einige Auszüge aus den Artikeln der Süddeutschen genannt:

Beispiel 1:

ÄNetting oder Cash-Pooling: Wer soll das bitte verstehen? Viele Firmen werfen mit Anglizismen um sich und reden damit systematisch an ihren Kunden vorbei.“ (SZ15)

Beispiel 2:

ÄKey Accounter und Billing Manager: Was sich hinter englischen Berufsbezeichnungen verbirgt, ist nicht immer offensichtlich. Für Bewerber ist das ein Problem.“ (SZ10)

[...]


1 Angabe der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V., unter: http://daten.ivw.eu/index.php?menuid=1&u=&p= [Stichwort: Süddeutsche, gesehen: 20.3.2012]

2 ebd.

3 Angabe der La Oficina de Justificación de la difusión (OJD), unter:

http://www.ojd.es/OJD/Portal/diarios_ojd/_4DOSpuiQo1Y_FOivPcLIIA [gesehen: 20.3.2012]

4 ebd.

5 Angabe des Instituto Nacional de Estadística (Nationales statistisches Institut) in Bezug auf die spanische Bevölkerung am 1.1.2011, unter: http://www.ine.es/jaxi/menu.do?type=pcaxis&path=%2Ft20%2Fe260%2Fa2011%2F&file=pcaxis&N=&L= 0 [Unterpunkt: 1.1 Población por provincias y sexo, gesehen: 20.3.2012]

6 Geschätzte Angabe des Statistischen Bundesamtes in Bezug auf die Bevölkerung am 31.12.2010, unter: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/Bevoelkerun gsstand.html [gesehen: 20.3.2012]

Details

Seiten
21
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656286462
ISBN (Buch)
9783656287889
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202526
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,7
Schlagworte
Anglizismen Anglizismus Diskursanalyse Debatte Zeitung Kritische Diskursanalyse Topoi Logik Argumentation Argument

Autor

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Titel: Eine Diskursanalyse zur Anglizismendebatte einer deutschen und spanischen Tageszeitung im Vergleich