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Die Lage der Christen im Osmanischen Reich in der Zeit von Fatih Sultan Mehmed

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 17 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Lage der Christen kurz vor der Eroberung Konstantinopels

3. Die Plünderung Konstantinopels nach deutscher Literatur

4. Die Plünderung Konstantinopels nach türkischer Literatur

5. Der Status der Nichtmuslime im Osmanischen Reich

6. Die Lage der Christen in der Zeit von Fatih Sultan Mehmed nach deutscher Literatur

7. Die Lage der Christen in der Zeit von Fatih Sultan Mehmed nach türkischer Literatur

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis
9.1 Deutsche Literatur
9.2 Türkische Literatur

1. Einleitung

Die Eroberung von Konstantinopel durch Fatih Sultan Mehmed II. zählt zu jenen historischen Ereignissen, die das Mittelalter von der Neuzeit trennen. Durch die Eroberung der Stadt ging das tausendjährige byzantinische Kaiserreich endgültig zugrunde. Damit veränderte sich die Lage der christlichen Bevölkerung grundlegend. Von nun an lebten die Christen nicht mehr unter der Herrschaft eines christlichen Kaisers, sondern unter einem muslimischen Sultan.

Im Osmanischen Reich lebten nicht nur Christen mit Muslimen zusammen, auch Angehörige verschiedener Religionsgemeinschaften lebten überwiegend friedlich zusammen. Die jeweiligen Religionsgemeinschaften wurden traditionell in „Millets“, d.h. autonomen ethnokonfessionellen Gemeinschaften gruppiert.[1]

In dieser Arbeit soll die Lage der Christen nach der Eroberung von Konstantinopel in der Zeit von Sultan Mehmed II. wiedergegeben werden. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt im Vergleich der Wiedergabe der historischen Ereignisse in deutscher und türkischer Literatur.

Als erstes möchte ich die Lage der Christen vor dem Einfall der Osmanen in Konstantinopel darstellen. Anschließend werde ich vergleichen, wie die Plünderung von Konstantinopel in der deutschen und türkischen Literatur wiedergegeben wird. Danach werde ich kurz skizzieren, wie der Status der nicht Muslime im Osmanischen Reich geregelt ist. Zum Schluss wird anhand deutschen und türkischen Literatur wieder verglichen, wie die Lage der Christen in der Zeit von Fatih Sultan Mehmed II. ist.

2. Die Lage der Christen kurz vor der Eroberung Konstantinopels

Im vierzehnten Jahrhundert hatte das große Kaiserreich mehrere politische Misserfolge erlebt. Die Kriege gegen das große serbische Königreich kosteten Byzanz sehr viel Kraft, dazu kamen noch die Aufstände der Söldnerheere in der katalanischen Kompanie. Die Frage mit der Wiedervereinigung der Katholischen Kirche verärgerte die Mehrzahl der Bevölkerung und es herrschte Unruhe. Bürgerkriege und der Schwarze Tod kostete ein Drittel der Bevölkerung Byzanz. Auch wurde Kaiser Johannes V. nicht weniger als dreimal abgesetzt. Die Türken machten dies zu Nutzen und eroberten die Herrschaftsgebiete des Kaiserreiches, bis sie Ende des vierzehnten Jahrhunderts die Donau erreichten.[2]

Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts war klar zu beobachten, dass das große Byzantinische Kaiserreich am Ende seiner Macht war. Die Herrschaftsgebiete Byzanz waren Konstantinopel, das halb in Trümmern lag und deren Bevölkerung schrumpfte, einige Städte an der Thrazischen- und Marmara Küste, sowie die Inseln Tenedos und Imbros, Trapezunt und eine wenige Städte auf dem Festland. Die Osmanen dagegen hatten die Gebiete von der Donau bis zum Taurus-Gebirge fest in der Hand.[3]

Als der Sultan Mehmed II. Konstantinopel belagerte, fanden die Byzantiner keine andere Lösung als sich mit der Katholischen Kirche zu vereinigen, denn im orthodoxen Osten fanden die Byzantiner keine Hilfe. Doch die Anhänger der Kirchenvereinigung fanden sich nur unter den Intellektuellen und Politikern. Die Mehrheit der Bevölkerung, Mönche, Gelehrte und Theologen waren gegen eine Vereinigung.[4]

Die Bevölkerung Byzanz war so vehement gegen eine Kirchenvereinigung, dass sie lieber den Türken ausgeliefert sind als den Katholiken. Der Rangälteste Minister, dem Großadmiral und Großunternehmer Lukas Notaras, sagte sogar vor seiner Enthauptung: „Lieber den türkischen Turban in der Stadt, als die römische Mitra“[5]

Dazu kam noch, dass es keinen Patriarchen gab. Der letzte Patriarch war nach Italien geflohen. Freie Bischofssitze blieben unbesetzt, weil keine die Kirchenvereinigung unterstützte. Georg Scholarios, bekannt als Mönch Gennadios, war ein erbitterter Feind der Union und prophezeite der Bevölkerung, dass die Zeit des Antichrist und des Weltuntergangs nahe ist. Westliche Verbündete gab es nur wenige, venezianische und genuesische Kaufleute, ein paar hochmutige Abenteurer und einige Geistliche kämpften Seite an Seite der Byzantiner.[6]

Am 29 Mai 1453 ging das Tausendjährige Kaiserreich zu Ende. Der junge Sultan eroberte die Kaiserstadt Konstantinopel und wurde Erbe und Besitzer des alten Römischen Reiches.

3. Die Plünderung Konstantinopels nach deutscher Literatur

Nach islamischem Recht darf eine Stadt oder ein Bezirk nur dann geplündert werden, wenn sie bzw. es mit Gewalt erobert wurde. Alle Gebäude und Besitztümer der Einwohner können geplündert werden und die Bevölkerung versklavt aber nicht getötet werden. Islamisch gesehen darf nur jemand umgebracht werden, wenn er am Krieg aktiv beteiligt ist. Eine Stadt, die gewaltfrei erobert wird darf nicht geplündert und versklavt werden, es wird ihnen nur eine Buße auferlegt, die gezahlt werden muss.[7]

Fatih Sultan Mehmed versprach seinen Soldaten, drei Tage lang die Stadt (frei) zu plündern, nur die Gebäude sollten sie nicht zerstören, da er dies für sich beanspruchte. Bei der Plünderung wurden wehrlose Einwohner getötet und versklavt. Bibliotheken wurden zerstört und Gebäude niedergebrannt, was ausdrücklich verboten wurde.[8] Steven Runciman beschreibt die Tötung der Einwohner mit folgenden Sätzen:

„Doch sobald sie sich in der Innenstadt befanden, schlossen sie sich samt und sonders der wilden Jagd nach Beutegut an. Anfangs konnten sie noch nicht recht glauben, dass der Widerstand wirklich zu Ende war. Sie machten Jedermann, den sie in den Straßen antrafen, Männer, Frauen und Kinder, unterschiedlos nieder. Das Blut floß in Strömen die steilen Straßen von der Anhöhe von Petra zum Goldenen Horn hinab. Aber die Lust am Gemetzel war bald gestillt. Die Soldaten begriffen, dass Gefangene und kostbare Wertgegenstände ihnen größeren Gewinn einbrachten.”[9]

Die Volksmenge flüchtete vor den Plünderen der Eroberer in die Kirche Hagia Sophia, ein Mythos besagt, dass von dort ein Engel komme und mit seiner Hilfe die Türken fortgetrieben werden. In Wirklichkeit brachen die Türken in die Kirche ein und versklavten die Bewohner, Wertsachen und Reliquien wurden beraubt, Heiligen Bilder zerstört und die Kirche entehrt.[10]

In der Plünderung sollen viele Frauen vergewaltigt und etwa 3000 Einwohner, davon meist Kinder, erschlagen worden sein. Viele wichtige Bücher, Gemälde und Mosaiken sollen entweder zerstört oder verkauft worden sein. Heiligen Gewänder wurden entehrt, indem sie die Pferde damit bekleideten.[11]

Auch Gefangene wurden durch den Befehl vom Sultan hingerichtet¸ wie alle Gefangenen aus Italien und Katalanien, der Rangälteste Minister Lukas Notaras und seine zwei Söhne, sowie einige hohe griechische Beamte und andere Honoratioren.[12]

Nach Wolfgang Gust kaufte der Sultan von seinen Soldaten einige Gefangen ab und brach sie in seinen Harem:

„So dann gab er Order, unter den Gefangenen alle Noblen für 1000 Silberlinge seiner Soldaten abzukaufen. Die hübschesten Mädchen und Jungen beorderte der bisexuelle Herrscher in seinen Harem, während er älteren Damen der Byzantinischen Gesellschaft die Freiheit schenkte und ihnen sogar Geld gab, um weitere Verwandte auszulösen.“[13]

Ich vermute, dass Wolfgang Gust den Sultan als Bisexual nur bezeichnet, da er auch junge männliche Sklaven in seinen Harem beordern ließ. Denn es ist ein weit verbreitetes Stereotyp, den Harem des Sultans als ein Lustort zu sehen.[14]

Nicht die ganze Bevölkerung wurde Gefangen genommen und versklavt, es gab auch Einwohner, die mit Schiffen entkamen.[15] Auch wurden in gewissen Stadtvierteln die Bewohner und deren Gebäude und Wertsachen verschont, die während der Eroberung die Stadttore öffneten.[16]

Bemerkenswert ist jedoch, dass in schriftlichen Quellen nur von vier geplünderten Kirchen berichtet wurde. Einer der Kirchen war die Hagia Sophia, die gleich am ersten Tag von Sultan Persönlich besucht und in eine Moschee ungewandelt wurde, von St. Johannes in Petra, der Chorakirche und St. Theodosia. In Archäologischen Belegen werden überdies noch drei weitere Kirchen genannt.[17]

Nach dreitägigen Plünderungen betrug die Anzahl der Gefangenen um die 60 000, Gold, Silber, Gewänder, Stoffe, Edelsteine und andere Wertsachen waren die Hauptbeute. Als die Flotte den Befehl bekam, die Beute wegzubringen, versanken beinahe die Schiffe an der Last der Beute. Sprichwörtlich wurde zu jemanden gesagt, der schnell reich wurde: „Er habe an der Plünderung Konstantinopels teilgenommen.”[18]

[...]


[1] Vgl. Adanır, Fikret: Beziehung von Christen und Muslimen im Osmanischen Reich. In: Thede Kahl, Cay Lienau (Hg.): Christen und Muslime. Religions- und Kulturgeschichte in Ostmittel- und Südosteuropa, Band 11. Wien/Berlin: LIT Verlag, 2009, S. 59

[2] Vgl. Runciman, Steven: Die Eroberung von Konstantinopel 1453, München: dtv, 1977, S. 4

[3] Vgl. Runciman, Steven: Das Patriarchat von Konstantinopel, München: Verlag C.H. Beck, 1970, S. 157

[4] Vgl. Runciman: Die Eroberung von Konstantinopel 1453, S. 9

[5] Vgl. Babinger, Franz: Mehmed der Eroberer und seine Zeit, München: F. Bruckmann KG, 1959, S. 101ff

[6] Vgl. Runciman: Das Patriarchat von Konstantinopel, S. 158

[7] Vgl. İmam Serahsî: İslam Devletler Hukuku, Şerhu’s-Siyeri’l-Kebir[Gesetze des Islamischen Staates], Istanbul: Eğitaş Yayınları, 2001, S. 133ff

[8] Vgl. Werner, Ernst: Sultan Mehmed der Eroberer und die Epochenwende im 15. Jahrhundert. In: Sitzungsberichte der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Philologisch-Historische Klasse, Band 123, Heft 2. Berlin: Akademie Verlag, 1982, S. 17

[9] Runciman: Die Eroberung von Konstantinopel 1453, S. 151f

[10] Vgl. Babinger, Franz: Mehmed der Eroberer und seine Zeit, S. 101

[11] Vgl. Gust, Wolfgang: Das Imperium der Sultane, München/Wien: Carl Hanser Verlag, 1995, S. 56

[12] Vgl. Gust: Das Imperium der Sultane, S. 56

[13] Ebd., S. 57

[14] Vgl. Lanwerd, Susanne: Religionswissenschaft und Geschlechterforschung zu Bildern Bildern religiöser Differenz. In: Richard Faber, Susanne Lanwerd (Hg.): Aspekte der Religionswissenschaft. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2009, S. 26

[15] Vgl. Kranse, Johann-Heinrich: Die Eroberung Constantinopel im dreizehnten und fünfzehnten Jahrhundert, Osnabrück: Zeller Verlag, 1987, S. 180

[16] Vgl. Runciman: Die Eroberung von Konstantinopel 1453, S. 159

[17] Vgl. Runciman: Die Eroberung von Konstantinopel 1453, S. 207

[18] Vgl. Babinger: Mehmed der Eroberer und seine Zeit, S. 105

Details

Seiten
17
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656286301
ISBN (Buch)
9783656287537
Dateigröße
593 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202450
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth
Note
2,3
Schlagworte
Osmanisches Reich Millet Millet System Fatih Sultan Mehmed Fatih der Eroberer Konstantinopel Istanbul Sultan Mehmed der II Hagia Sophia Das Partriachar Das Patriarchat von Konstantinopel Christen im Islam

Autor

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