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Beschäftigungspolitik in Frankreich

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 24 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Westeuropa

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1.) Makroökonomische Rahmenbedingungen
Arbeitsmarktpolitische Entwicklungen:

2.) Beschäftigungspolitische Maßnahmen seit 1975 – Zusammenschau wesentlicher Maßnahmen
1975-1981
1981-1983
Zwischenbilanz der Jahre 1981-1986
1986-1988
1988-1993
1993-1997
1997-2001
2001-2003

3.) Zur Beurteilung der französischen Arbeitsmarktpolitik

4.) Fazit

Literatur

Einleitung

Die französische Politik im Bereich von Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Beschäftigung ist für außenstehende Beobachter ein weites Feld, das sich dem ersten Blick nicht einfach erschließt. Im Folgen werden die wesentlichen Handlungsschwerpunkte dieser Politik zusammenhängend durchleuchtet.

Da sozialpolitische Entscheidungen immer unmittelbar in Wechselwirkung mit wirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Entscheidungen stehen, wird auf die systematische Trennung bei der Darstellung der verschiedenen Sphären weitestgehend verzichtet. In Bezug auf mögliche Analysen und Verstehensansätze ist diese Trennung allerdings unverzichtbar.

Die Arbeitsmarktsituation in Frankreich war von 1980 an bis Mitte der Achtziger Jahre sehr instabil und die politischen Reaktionen darauf waren sehr vielfältig und zum Teil sehr experimentell. Analog dazu verläuft auch die Wirtschaftspolitik sowie ihre Paradigmen unter den Regierungen verschiedener ideologischer Couleur. Daher erhält die Darstellung dieser Zeit bis Mitte der Achtziger Jahre im ersten Teil dieser Arbeit ein Zwischenfazit, das später im Fazit zur Arbeitsmarktpolitik wieder aufgegriffen wird.

Die wichtigste Arbeitshypothese liegt im Folgenden darin zu zeigen, dass weder rechte noch linke Regierungen im Bereich der französischen Beschäftigungspolitik überzeugende und nachhaltige Verbesserungskonzepte vorlegen konnten.

Die wesentlichen makroökonomischen Rahmenbedingungen in der Zeit von 1973 bis 2003 werden unter 1.) grob umrissen.

Die chronologische Darstellung der wichtigsten arbeitsmarktpolitischen Ereignisse und Handlungen unter 2.) kann keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Umso wichtiger ist die Verknüpfung der verschiedenen politischen Handlungsstränge und die Korrelierung ihrer leitenden Impulse.

Im vorletzten Teil (3.) der Arbeit wird die Entwicklung der französischen Arbeitsmarktpolitik vor dem Hintergrund verschiedener Theorie-Folien durchleuchtet, sodass dem Fazit unter 4.) eine plausible Fundierung zugrunde liegt.

1.) Makroökonomische Rahmenbedingungen

Arbeitsmarktpolitische Entwicklungen:

Die Ölkrise von 1973/74 hat auch in Frankreich, wie in allen anderen Ländern Kerneuropas[1], zur Verstärkung der Arbeitslosigkeit beigetragen. In Frankreich stieg die Arbeitslosigkeit von 1973, mit Ausnahme von 1988 und 1990, bis 1997 stetig an (1997: 12,4 Prozent). Von da an bis heute lassen sich leichte Rückläufe verzeichnen (Juni 2002: 9,0 Prozent[2]). Im gleichen Zeitraum (von 1973 bis 1997) stieg die Erwerbsbevölkerung um 4,2 Millionen Personen an. Die Zahl der tatsächlich Erwerbstätigen stieg in dieser Zeit gerade einmal um 0,981 Millionen, während die Zahl der Arbeitslosen von rund 593000 auf 3,2 Millionen, also um 2,626 Millionen anstieg. Daraus, ergibt sich, dass lediglich 593000 Personen im besagten Zeitraum vom Arbeitmarkt absorbiert worden sind[3]. Der Arbeitsmarkt musste strukturell in vielerlei Hinsicht den Erfordernissen angepasst werden, was den häufig wechselnden Regierungen auf unterschiedliche Weise mehr oder weniger erfolgreich gelungen ist.

2.) Beschäftigungspolitische Maßnahmen seit 1975 – Zusammenschau wesentlicher Maßnahmen

Die Zahl der beschäftigungspolitischen Instrumente in Frankreich hat sich seit 1974 stetig erhöht und fordert der übergreifenden Darstellung eine Reduktion auf elementare Maßnahmen und Programme ab, die einen erhellenden Blick auf die „verwirrende Vielzahl beschäftigungspolitischer Programme“[4] ermöglicht.

1975-1981

In der liberalkonservativen Ära von 1974 bis 1981 wurde in der Folge der Ölkrise von 1973 und der resultierenden Arbeitslosigkeit sowie Wachstums- und Strukturkrise unter Präsident Valery Giscard d´Estaing der Versuch einer marktwirtschaftlichen Neuorientierung unternommen. Das führte zu einer Politik der liberalen weltmarktorientierten Strukturanpassung, die einige ihrer Strategien der bundesdeutschen Wirtschaftspolitik entlehnte[5]. Dazu wurde ein antizyklisches Wachstumsprogramm beschlossen, das in seiner Zielsetzung die Liberalisierung der Wirtschaft und die Umstrukturierung der krisengeschüttelten Industrien vorsah.

Der siebente französische Wirtschaftsplan für die Zeit von 1975 bis 1981 enthielt fünfundzwanzig Programme zur Steuerung der staatlichen Ausgaben für soziale und wirtschaftliche Probleme[6]. Vorgesehen war die Rückkehr zur Vollbeschäftigung sowie Maßnahmen zur Deflation, die 1976 von Premierminister Raymond Barre vorgestellt wurden. Unter der Vorgabe einer stabilitätsorientierten Wirtschaftspolitik fiel die Priorität der geplanten Maßnahmen auf die notwendigen Strukturanpassungen, gegenüber denen die primäre Beschäftigungssicherung zurückstecken musste[7]. Abgesehen von Einzelmaßnahmen wie zum Beispiel der Fortzahlung von 90 Prozent des letzten Nettolohnes für ein Jahr an Arbeitnehmer, die aufgrund von wirtschaftlich notwendigen Umstrukturierungen entlassen werden mussten, sahen die beschlossenen Programme größtenteils Hilfestellungen für Unternehmen vor. Zur Entlastung des Arbeitsmarktes wurden erste Vorruhestandsregelungen getroffen sowie Eingliederungsmaßnahmen für Jugendliche.

1981-1983

Nach dem Machtwechsel 1981 setzte die sozialistisch-kommunistische Regierung unter François Mitterand und Premier Pierre Mauroy (Parti Socialiste (PS)) im Kampf gegen die Auswirkungen der zweiten Ölkrise ein linkskeynesianistisches und voluntaristisches[8] Wirtschaftsprogramm in Kraft, dessen Ziel - soziales Wachstum - durch Schaffung neuer öffentlicher Arbeitsplätze parallel zu einem Konjunkturprogramm realisiert werden sollte. Ziel war die Generierung von bis zu 500.000 neuen Arbeitsplätzen im öffentlichen Sektor binnen zweier Jahre[9] sowie die Herbeiführung eines Konsumschubs[10]. Zur Entlastung des Arbeitsmarktes wurde das Rentenalter auf sechzig Jahre festgelegt; außerdem wurden berufsbildende Maßnahmen für Jugendliche erlassen. Die Umstrukturierungen in der Industriepolitik wurden gestoppt und die so freigesetzten Kräfte in eine Politik der Industrie-Entwicklung investiert.

Die „erste Phase“[11] sozialen Wachstums[12] zielte besonders auf die rasche Verbesserung der Kaufkraft für einkommensschwache Bevölkerungsgruppen. Zur Steigerung der Nachfrage wurde daher der staatlich garantierte branchenübergreifende Mindestlohn (SMIC) erhöht[13]. Noch stärker allerdings wurde die Nachfrage durch die Erhöhung und Verbesserung zahlreicher Sozialleistungen angekurbelt. Die Sozialeinkommen[14] stiegen dadurch innerhalb von zwei Jahren um 11,8 Prozent, die Mindestaltersrente (minimum vieillesse) sogar um beachtliche 40 Prozent[15]. Im gleichen Zeitraum wurden die Familienbeihilfen für Familien mit zwei und mehr Kindern verdoppelt. Zu den wohl kostspieligsten beschäftigungspolitischen Maßnahmen zählte die (später teilweise zurückgenommene) Ausweitung der Arbeitsplätze im Bereich des öffentlichen Dienstes, mit der zwischen 1981 und 1983 insgesamt 180.000 neue Stellen geschaffen[16] wurden. Der gleichzeitige Einstieg in eine Politik der Arbeitszeitverkürzung von 40 auf 39 Wochenstunden war der erste Schritte in einer langen Reihe von Maßnahmen in diesem Bereich, deren Umsetzung sich bis heute hinzieht[17]. Die steuerpolitischen Umverteilungsakzente wurden eindeutig zugunsten der Niedrigeinkommen reguliert, wobei andererseits neue Einkommensquellen zur Finanzierung der umfangreichen Maßnahmen in anderen Bereichen gefunden wurden, deren Umfang auf etwa 21 Milliarden France[18] geschätzt wird. Doch der eingeleitete Kurs überforderte den französischen Haushalt und führte so letztlich Ende 1982 zu einer kumulierten Auslandsschuld von 300 Milliarden France.

[...]


[1] vgl. Neugart, 2000, 15

[2] Wirtschaftswoche, Nr. 35, 22.08.2002

[3] Vgl. Uterwedde, 99/00, 90

[4] Vgl. Uterwedde, 99/00, 94

[5] Vgl. Uterwedde, 1988, 17

[6] Vgl. Hall, 1986, 145

[7] Vgl. Uterwedde, 99/00, 96

[8] Vgl. Uterwedde, 99/00, 97

[9] Vgl. Hall, 1986, 145

[10] Uterwedde, 1988, 167

[11] Uterwedde, 1988, 138

[12] Mai/Juni 1981 bis Juni 1982

[13] Von Juni 1981 bis März 1983 wurde der gesetzliche Mindestlohn insgesamt neun mal erhöht, was zu einem Anstieg der realen Löhne – und somit der Kaufkraft - um insgesamt 9,8 Prozent führte. 940.000 Personen waren von dieser Maßnahme betroffen. Vgl. Uterwedde, 1988, 139

[14] (Renten, verschiedene Beihilfen)

[15] betroffen waren hiervon immerhin 1,7 Millionen Personen. Die Steigerung wurde in zwei Etappen gestaffelt: Juni 1981 und Januar 1982

[16] Vgl. Uterwedde, 1988, 139

[17] Vgl. u.a. Bundesarbeitsblatt 4/1999, 24

[18] für 1981 Und 1982

Details

Seiten
24
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638241755
ISBN (Buch)
9783638646628
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v20240
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Sozialpolitik, Uni Göttingen
Note
1,5
Schlagworte
Beschäftigungspolitik Frankreich Europa

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Titel: Beschäftigungspolitik in Frankreich