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Crowdinvesting als Marketing-Instrument für deutsche Startups

Mehrwerte einer Finanzierung durch Crowdinvesting

Bachelorarbeit 2012 102 Seiten

BWL - Offline-Marketing und Online-Marketing

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einführung in das Thema
1.1 Aufgabenstellung
1.2 Zusammenfassung
1.3 Vorgehensweise
1.4 Aufbau

2. Crowdfunding
2.1 Crowdinvesting als Ausprägung des Crowdfundings
2.2 Überblick
2.2.1 Entstehung
2.2.2 Entwicklung
2.2.3 gegenwärtiger Stand
2.2.4 Prognose
2.3 Die Plattformen im Überblick
2.3.1 seedmatch
2.3.2 innovestment
2.3.3 bestBC
2.3.4 gründerplus

3. Vergleich mit anderen Möglichkeiten der Startup-Finanzierung
3.1 Finanzierungsformen
3.1.1 Family, Friends and Fools
3.1.2 Business Angels
3.1.3 Private Equity/Venture Capital
3.1.4 Förderungen/Zuschüsse/Wettbewerbe
3.1.5 Kredite/Darlehen
3.2 Schließung der Frühphasenfinanzierungslücke durch Crowdinvesting

4. Chancen und Risiken für ein Startup
4.1 Chancen
4.2 Risiken

5. Vorstellung der snipdocs GmbH

6. Crowdinvesting-Prozess
6.1 Vor der Finanzierungsphase
6.1.1 Welche Startups für Crowdinvesting geeignet sind
6.1.2 Kontaktaufnahme
6.1.3 Vorbereitung
6.1.4 Unternehmensbewertung
6.2 Während der Finanzierungsphase
6.2.1 Rolle des Startups
6.2.2 Auktionsmechanismus
6.3 Nach der Finanzierungsphase
6.3.1 Struktur der Beteiligungen
6.3.2 Einbeziehung der Investoren
6.3.3 Risikoanlage
6.3.4 Auflösung der Beteiligung / EXIT

7. Untersuchung
7.1 Online-Umfrage an bestehende und potentielle Investoren
7.1.1 Vorgehensweise und Aufbau
7.1.2 Auswertung der Umfrage
7.2 Erfahrungen der bereits finanzierten Startups
7.3 Bewertung des Effektes

8. Fazit und Ausblick
8.1 Fazit
8.2 Ausblick

9. Anhang
9.1 Quellenverzeichnis:
9.2 Abbildungsverzeichnis
9.3 Tabellenverzeichnis
9.4 Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Suchanfragen nach Crowdfunding in der Suchmaschine Google

Abbildung 2: Durch Crowdfunding finanzierte Uhr

Abbildung 3: Anzahl an Crowdfunding-Plattformen nach Regionen

Abbildung 4: Summe eingesammeltes Kapital in Deutschland (2011)

Abbildung 5: Summe eingesammeltes Kapital in Deutschland (bis Q2 2012)

Abbildung 6: Einordnung von Private Equity

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Deutsche Crowdinvesting-Plattformen im Überblick

Tabelle 2: Übersicht der Plattform seedmatch

Tabelle 3: Übersicht der Plattform innovestment

Tabelle 4: Übersicht der Plattform bestBC

Tabelle 5: Übersicht der Plattform gründerplus

Tabelle 6: Übersicht der Chancen und Risiken

Tabelle 7: Auswertung der Umfrage „Was ist dir bei einem Startup besonders wichtig?“

Tabelle 8: Auswertung der Umfrage „Welche Plattformen kennst du?“

Tabelle 9: Auswertung der Umfrage „Bekanntheit finanzierter Startups"

1. Einführung in das Thema

1.1 Aufgabenstellung

In Deutschland ist Crowdinvesting, als Ausprägung des Crowdfundings, stark im Kommen und erfreut sich immer größerer Beliebtheit, da nun auch private Anleger durch geringen Kapitaleinsatz in Startup-Unternehmen investieren können. Die Anzahl der Plattformen in Deutschland ist zurzeit noch gering und das Thema der breiten Masse noch unbekannt, im Gegensatz zu den U.S.A., wo diese Finanzierungsform schon etabliert ist, wie tausende erfolgreich finanzierte Startups beweisen.

Für ein Startup-Unternehmen bietet eine Finanzierung durch Crowdinvesting mehrere Vorteile. Zum einen wird frisches, notwendiges Kapital beschafft, zum anderen wird eine interessante und vielschichtige Investorengruppe mit wirtschaftlichem Interesse am Unternehmenserfolg generiert.

Es entsteht aktuell eine enorme Außenwirkung bei einer erfolgreichen Finanzierung. Ein kostenfreier Werbeeffekt entsteht, da die Investoren über ihr Investment berichten, verschiedenste Blog und themenbezogene Internetseiten darüber schreiben und das finanzierte Unternehmen relativ häufig als Beispiel herangezogen wird, da die Branche noch recht klein ist. Schlagzeilen wie „Unternehmen XYZ hat innerhalb weniger Stunden 100.000 € Kapital eingesammelt“ entstehen. Dies schafft Aufmerksamkeit und Vertrauen bei weiteren potentiellen Investoren und Kunden.

In dieser Bachelorarbeit wird ein Überblick über die Crowdinvesting-Szene in Deutschland gegeben. Welcher Nutzen für Startup-Unternehmen entsteht und welche Schritte der Prozess einer Finanzierung über eine Crowdinvesting-Plattform mit sich bringt. Ferner werden die Chancen für die deutsche Startup-Szene im Hinblick darauf charakterisiert.

Anhand von Umfragen und Befragungen sollen Daten und Informationen, aus erster Hand generiert werden um aktuelle Aussagen treffen zu können. In diesem dynamischen und innovativen Umfeld ist dies unerlässlich.

Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt auf der Nutzung von Crowdinvesting als neu entstandenes Marketinginstrument zur Bekanntmachung des eigenen Unternehmens und der eigenen Produkte. Dieser Effekt soll gemessen werden und mit bestehenden, kostenpflichtigen Marketing-Maßnahmen verglichen werden. Dafür wird die Verbreitung und die erzielbare Reichweite analysiert, um diesen vermuteten Effekt monetär, im Verhältnis messbar zu machen. So können fundierte Aussagen über Werbewirksamkeit und Auswirkungen einer Finanzierung durch Crowdinvesting getroffen werden.

Begleitet wird diese Arbeit von der snipdocs GmbH, die eine Finanzierung über Crowd-investing anstrebt. Vor Ort werde ich diese Bachelorarbeit erstellen sowie diesen Prozess aktiv unterstützen und mitverfolgen.

1.2 Zusammenfassung

Das Crowdinvesting, also die Finanzierung eines Startups durch eine breite Investorenbasis, ist in Deutschland stark im Kommen. Private Anleger können sich nun schon für wenig Kapital direkt an einer Unternehmung beteiligen, was in dieser Form vorher nicht möglich gewesen ist. Insbesondere sollten die Mehrwerte, die zusätzlich zum Kapital, entstehen analysiert werden. Das Hauptaugenmerk der Analyse und Überprüfung lag dabei auf der Nutzung als neu entstandenes Marketing-Instrument zur Erhöhung der Bekanntheit und der Reichweite. Wie hoch die geschaffene Aufmerksamkeit ist, in welcher Form und wie hoch die Mehrwerte im Vergleich zu anderen Finanzierungsmöglichkeiten sind galt es zu beantworten.

Das Thema als solches ist sehr neu und extrem dynamisch, mit großen Teilen dieser Arbeit wurde komplettes Neuland betreten. Dieser Zustand machte einen großen Reiz aus, da so neu-es Wissen geschaffen wurde, denn die vorhandenen Informationen sind noch nicht sehr ausgeprägt.

Um sich den Fragenstellungen zu nähren, wird in dieser Bachelorarbeit im ersten Schritt die Entstehung, die Entwicklung, der gegenwärtige Stand sowie eine Zukunftsprognose darge-stellt. Daraufhin wird Crowdinvesting in die bereits vorhandenen Finanzierungsformen einge-ordnet. Dabei wird vor allem die Wichtigkeit von neuen Frühphasenfinanzierungs-Instrumenten für deutsche Unternehmen deutlich. Weiterhin werden die Chancen und Risiken die entstehen können erörtert. Im nächsten Schritt wird der komplette Prozess, von der ersten Kontaktaufnahme bis hin zum möglichen Ende der Beteiligungen in der Zukunft, anhand eines praktischen Beispiels, der snipdocs GmbH, erklärt. Diese Schritte sind nötig um im letzten und maßgeblichen Teil dieser Arbeit mit Untersuchungen und Analysen fundierte Aussagen über die vermuteten Effekte treffen zu können.

Für die Auswertung wurden Daten aus erster Hand erhoben, durch direkten Kontakt mit den vorhandenen Plattformen, den bereits finanzierten Startups, bestehenden Investoren und durch eigene Recherche. Die Effekte wurden mit den generierten Daten analysiert und bewertet, so konnte bewiesen werden, dass Crowdinvesting eine hohe Aufmerksamkeit schafft und beste-hendes Marketing positiv unterstützt.

Die Entwicklung dieser Finanzierungsform steht noch am Anfang, die Vorzeichen für eine dauerhafte Etablierung als Finanzierungsalternative stehen jedoch äußerst positiv. Besonders die Mehrwerte durch erhöhte Aufmerksamkeit und eine breite Investorenbasis spielen dabei eine große Rolle.

1.3 Vorgehensweise

Für diese Arbeit und auch für die Prüfung und Bewertung meiner Grundthese „Crowdinvesting als Marketing-Instrument zu nutzen“ wurde eine Vielzahl von Unternehmungen durchgeführt. Das Thema Crowdinvesting ist sehr neu und extrem dynamisch, deswegen kann es dazu noch keinen großen Fundus an seriösen oder wissenschaftlichen Arbeiten geben. Der Großteil der vorhandenen Informationen ist im Internet in Form von Artikeln und Beiträgen in Blogs und Newsseiten zu finden. Diese Informationsquellen sind teils jedoch nur mit wenig Substanz und mit geringem Tiefgang. Gute und aussagekräftige Quellen sind jedoch auch vorhanden, wenn auch nur in geringem Ausmaß. Im Laufe meiner Recherche konnte ich hingegen auch beobachten wie dem Thema allmählich immer größere Aufmerksamkeit entgegengebracht wird und nach und nach Studien, Abschlussarbeiten und Presseartikel entstehen oder angekündigt werden. Hauptsächlich sind allgemeine Informationen zu finden, die bei Benutzung auf mein genaues Thema übertragen werden mussten. Mit der Grundthese „Crowdinvesting als Marketing-Instrument zu nutzen“ wurde absolutes Neuland betreten, speziell darüber sind kaum Informationen existent. Dies brachte aber auch einen großen Reiz, denn mit dieser Arbeit wird ein komplett neues Gebiet erschlossen und neues Wissen geschaffen. So war es von vornerein klar, dass viele Informationen selbst recherchiert werden mussten und in großen Teilen auch selbst erhoben werden mussten.

Hier wird ein Überblick über die Maßnahmen zur Informationsgewinnung und –erhebung gegeben:

- Direkten Kontakt mit den Plattformen aufgebaut und mit einem Fragenkatalog Informationen erhoben.
- Direkten Kontakt zu den bereits finanzierten Startups aufgebaut. Dort mit einem offenen Fragenkatalog Informationen und Erfahrungen aus erster Hand generiert.
- Eine Online-Umfrage, die sich an bestehende Investoren und potentielle Investoren richtet, erstellt und mit Unterstützung der Plattformen bei Twitter, bei Facebook, bei XING und in deren News und Blogs verbreitet.
- Täglich die aktuellen Auktionen angeschaut und den jeweiligen Verlauf verfolgt.
- Besuch des Gründertreffs der Handelskammer Hamburg zum Thema „Startup Finanzierung“
- Einen Twitter Account zum Thema Crowdinvesting erstellt um Leute zu informieren, selbst informiert zu werden und zu bleiben.
- Den Prozess um eine Finanzierung durch Crowdinvesting zu erhalten hautnah bei der snipdocs GmbH begleitet. Von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Erstellung der Inhalte für die Veröffentlichung der Finanzierung.
- Unzählige Artikel, Einträge, Blogs und News gelesen.
- Interview mit einer der führenden Social Media Agenturen in Deutschland geführt.
- Studien und wissenschaftliche Arbeiten mit Themenbezug durchgearbeitet und relevante Informationen gesucht.
- Ständiger persönlicher Austausch mit Personen, die mit dem Thema vertraut sind.
- Jeden Tag über die aktuellen Geschehnisse informiert.

Mit diesen Maßnahmen war es möglich sehr tief in dieses Gebiet einzudringen und einen weitreichenden Einblick zu gewinnen. Nur so war es möglich, insbesondere durch die Erhebung von neuen Daten direkt an der Quelle, diese Arbeit zu erstellen.

1.4 Aufbau

Diese Arbeit ist insgesamt in acht Hauptkapitel untergliedert, jeweils mit Unterkapiteln. Im Groben wird sich von einer allgemeineren Einführung in das Thema immer weiter zur gegebenen Zielsetzung, Crowdinvesting als Marketing-Instrument zu nutzen, genähert. Im ersten Kapitel wurde die Aufgabenstellung und die dazu nötige Vorgehensweise vorgestellt.

Im zweiten Kapitel werden im ersten Schritt die verschiedenen Begrifflichkeiten definiert und voneinander abgegrenzt, um eine klare Trennung der Teilbereiche zu erreichen. Dies gibt einen guten Überblick und schafft, durch die Definitionen, einen leichten Einsprung in das Thema. Im zweiten Schritt wird die Entstehung, die Entwicklung, der gegenwärtige Stand sowie eine Zukunftsprognose dargestellt. Hierbei wird ein stetiger Bezug zu Deutschland verfolgt, deshalb werden zusätzlich noch die deutschen Plattformen vorgestellt.

Das dritte Kapitel ordnet Crowdinvesting in die vorhandenen Methoden zur Startup-Finanzierung ein und macht die Wichtigkeit von neuen Finanzierungsformen deutlich.

Im vierten Kapitel wird erläutert, welche Chancen und Risiken für Startups, die eine derartige Finanzierung anstreben, entstehen können.

Die snipdocs GmbH, das praktische Beispiel dieser Arbeit, wird im fünften Kapitel vorgestellt.

Das sechste Kapitel stellt den kompletten Crowdinvesting-Prozess dar. Von der jeweiligen Eignung über die erste Kontaktaufnahme bis hin zum möglichen Ende der Beteiligung in ferner Zukunft.

Im siebten Kapitel erfolgt die Untersuchung der vermuteten Effekte, einhergehend mit der Auswertung der vollzogenen Interviews und Umfragen. Speziell ausgerichtet auf die Überprüfung, inwieweit Crowdinvesting Aufmerksamkeit und zusätzlichen Mehrwert zum Kapital generiert. Diese gewonnenen Informationen werden bewertet und eingeordnet.

Der letzte Teil, das achte Kapitel, bildet den inhaltlichen Abschluss dieser Arbeit. Die gesammelten Informationen werden noch einmal zusammengefasst um am Ende ein Fazit zu ziehen. Den Abschluss bildet ein Ausblick in die Zukunft mit den Möglichkeiten zur dauerhaften Etablierung als Finanzierungsalternative und als zusätzliches Marketinginstrument.

2. Crowdfunding

Crowdfunding ist die Finanzierung einer Sache durch eine Vielzahl von Spendern oder Investoren, im deutschen wird es häufig mit dem Wort „Schwarmfinanzierung“ umschrieben.

Das Wort „Crowd“ beschreibt eine große Menschenmenge und das Wort „funding“ beschreibt die Finanzierung. Aus dieser Zusammensetzung der englischen Wortbestandteile lässt sich der Zweck grob herleiten.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung beschreibt Crowdfunding folgendermaßen:

„Crowdfunding ist eine Finanzierungsform, die im Wesentlichen über einen öffentlichen Aufruf im Web 2.0 erfolgt und zum Ziel hat, finanzielle Ressourcen für ein Vorhaben entweder ohne Gegenleistung oder gegen irgendeine Art von Gegenleistung (finanzielle/materielle Vergütung, immaterielle, ideelle Leistungen und/oder Rechte, z.B. Stimmrechte) zu erhalten und damit einen bestimmten Zweck zu erreichen“ [1]

Zum klassischen Crowdfunding zählt vor allem die Unterstützung aus nicht gewinnorientiertem Antrieb. Die Spender sind nicht auf einen Zins oder eine Rendite aus, sie erhalten viel mehr eine Gegenleistung für ihr Geld, indem sie das Projekt vorfinanzieren. Diese Gegenleistung ist vorher definiert und variiert mit Höhe der Unterstützung. Zum Beispiel wird so ein Album einer Band vorfinanziert, bei Fertigstellung erhalten die Spender dann ein Exemplar oder bei einer höheren Spende noch bestimmte Zugaben wie Autogrammkarten. Der Initiator erhält zum einen die für sein Projekt benötigten finanziellen Mittel und zum anderen profitiert er durch die generierte Aufmerksamkeit und die Unterstützung der Geldgeber.

Eine jüngere Entwicklung und Ausprägung des Crowdfunding ist das Crowdinvesting. Es beschreibt die Schwarmfinanzierung von Unternehmen. Das hauptsächliche Ziel der Investoren liegt hier auf der Rendite, dem monetären Aspekt. Privatinvestoren haben nun die Chance am möglichen Erfolg eines Unternehmens zu partizipieren. Für einen bestimmten Betrag werden Anteile an der Firma über eine Crowdinvesting-Plattform vergeben. Jeder kann teilhaben und investieren. Zusätzlich zum Kapital entstehen weitere positive Effekte, die in dieser Arbeit analysiert werden.

Um einen Überblick möglich zu machen werden kurz die verschiedenen Formen erklärt um eine bessere Abgrenzung vornehmen zu können.

In der Praxis sind vier Formen vertreten:

- Crowddonating: Durch die Crowd werden Spenden gesammelt, die Spender erhalten keine Gegenleistung.
- Crowdfunding: Durch die Crowd werden Projektgelder eingesammelt, festgelegte Rückflüsse, wie bereits erklärt.
- Crowdsponsoring: Unternehmen beteiligen sich am Prozess und erhalten dafür Werbung, treten als Sponsor auf.
- Crowdinvesting: Durch die Crowd wird Kapital für ein Unternehmen generiert, die Investoren erhalten Anteile und sind auf die Rendite aus.

Zusammengefasst können diese verschiedenen Ausprägungen unter dem Begriff Crowdsourcing, durch die Crowd wird Geld für etwas eingesammelt.[2]

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird die Entwicklung des Crowdfundings bis zum aktuellen Stand beschrieben, außerdem wird eine Prognose für die zukünftige Entwicklung gestellt. Die Begrifflichkeiten Crowdfunding und Crowdinvesting werden näher gebracht um eine klare Differenzierung vorzunehmen. Der Hauptaugenmerkt liegt hier immer auf der Entwicklung in Deutschland, Beispiele aus anderen Ländern sind aber zwingend notwendig, da dieser Bereich in Deutschland noch nicht so stark ausgeprägt ist wie z.Bsp. in den U.S.A. oder in Teilen Europas.

2.1 Crowdinvesting als Ausprägung des Crowdfundings

Beim Crowdinvesting ist es privaten Anlegern möglich Anteile an einem Unternehmen, überwiegend Startups, zu erwerben. Dies ist bereits ab geringen Beträgen möglich. Von Plattform zu Plattform zwar unterschiedlich, jedoch im Bereich einer Mindestinvestitionssumme von 5 € bis 1000 €.

Das Crowdinvesting ist eine Ausprägung, die in der Entwicklung vom Crowdfunding entstanden ist.

Für Startups ist es am Anfang der Geschäftstätigkeit häufig schwierig Kapital einzusammeln, man spricht hier von einer „Early-Stage-Gap“, der Frühphasen-Finanzierungslücke.[3] In dieser Phase gibt es wenig geeignete Geldgeber, da eine Investition mit hohen Risiken behaftet ist, jedoch auch mit hohen Ertragsmöglichkeiten. Vor allem technische, marktliche und qualifikatorische Risiken sind häufig vorhanden und halten viele potentielle Geldgeber von einer Investition ab.3 Auf die verschiedenen Finanzierungsformen und jeweiligen Eignungen wird in Kapitel 3, Vergleich mit anderen Möglichkeiten der Startup-Finanzierung näher eingegangen. Durch Crowdinvesting kann diese Lücke geschlossen werden. Ein Startup hat die Möglichkeit sich mit überschaubarem Aufwand einer breiten Masse zu zeigen und so Kapital und Aufmerksamkeit zu generieren. Zusätzlich behalten die Gründer die volle Entscheidungsgewalt, denn an die Investoren des Crowdinvesting werden zumeist nur stille Beteiligungen ausgegeben und durch eine Begrenzung von maximal 10 000€ pro Investor ist eine Übernahme des Unternehmens auch nicht möglich.

Oliver Schmidt von Gründerheld meint: „ Es ist eine Entwicklung, die zu einer Demokratisierung der Investitionslandschaft führt. Zukünftig könnte jedes Projekt oder Unternehmen die Chance erhalten, seine Finanzierung über viele kleine Geldgeber im Netz, die sogenannte „Crowd“, zu erzielen[4] .

Es ist eine neue, gemeinschaftliche Form der Unternehmensfinanzierung und gibt jeder Person die Chance an einem Startup teilzuhaben. Nach und nach werden in dieser Arbeit immer weitere Vorteile und Potentiale des Crowdinvestings identifiziert und beschrieben, denn es gibt neben dem Kapital noch weitere, überzeugende Vorzüge gegenüber anderen Finanzierungsformen für Startups. Nicht zu Letzt setzt auch die Aussage dieser Arbeit, dass „Crowdinvesting kostenloses Marketing bringt“ hier an.

Diese Arbeit beschäftigt sich ausschließlich mit dem Crowdinvesting. Um die Entwicklung deutlich zu machen, werden jedoch auch Teile des Crowdfundings aufgegriffen, erläutert und wiedergegeben. Im Internet, auf den Newsseiten gehen die Begriffe „Crowdfunding“ und „Crowdinvesting“ häufig einher und werden nicht voneinander unterschieden. Es ist nicht falsch den Begriff Crowdfunding für die Schwarmfinanzierung von Unternehmen zu verwenden, jedoch ist der Begriff Crowdinvesting treffender und beschreibt die Sache genauer. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werden die beiden Begriffe abgegrenzt voneinander benutzt und ausschließlich der Begriff „Crowdinvesting“ für die Finanzierung von Unternehmen verwendet.

2.2 Überblick

Im folgenden Teil werden die ersten Formen, die Entwicklung, die gegenwärtige Situation und die potentielle Zukunft abgebildet. Da die Entwicklung von Crowdfunding und Crowdinvesting ineinander hergeht werden beide Formen behandelt, dabei wird der Fokus jedoch auf die Entstehung und den Trend des Crowdinvesting gelegt.

2.2.1 Entstehung

Das Prinzip der Finanzierung eines Projektes durch eine große Zahl von Unterstützern mit jeweils kleinen Geldbeträgen hat schon eine lange Tradition und ist historisch kein neues Phänomen. Der Begriff Crowdfunding entstand jedoch erst 2006. In der Geschichte gibt es viele Beispiele für eine derartige Finanzierung. Bereits 1885 wurde der Sockel der amerikanischen Freiheitsstatue durch die Einwohner vorfinanziert. Eine Zeitung versprach jeden Spender namentlich zu nennen, unabhängig von der zur Verfügung gestellten Summe. Durch diese Unterstützung konnten 80% der benötigten Summe eingesammelt werden.[5] Auch der Reclam Verlag nutzte die Vorfinanzierung schon im 18. Jahrhundert und vergab einen Gedichtband an alle Spender, unabhängig von der Höhe.[6]

Crowdfunding im heutigen Sinne wurde erstmals 1997 von der britischen Rock Band Marillion vollzogen. Über das Internet sammelten sie Geld ein um ihre anstehende Amerika Tour zu finanzieren. Für die Unterstützer gab es verschiedenste Anreize von Tickets, über CD’s bis hin zu T-Shirts.[7]

Die erste Internetplattform entstand im Jahr 2003 – ArtishtShare.com – dort ist es Musikern möglich Geld für die Produktion eines Albums zu erhalten, bevor es veröffentlicht wird.[8] Von dem Zeitpunkt an, nahm die Entwicklung langsam seinen heutigen Lauf.

Die Beteiligung an Startups, das Crowdinvesting, spielte zu dieser Zeit noch keine Rolle.

2.2.2 Entwicklung

Die Entwicklung des Crowdfundings startete mit der Finanzierung von Musik bis es dann allmählich auch für andere Projekte wie Bücher, Filme, Spiele, Produkte und Internetseiten entdeckt und weiterentwickelt wurde. Angefangen mit SellaBand im Jahr 2006, wo Künstler Geld für die Finanzierung ihrer Alben einsammeln. Zum jetzigen Stand wurden über diese Plattform 94 Künstler erfolgreich finanziert.[9] Die Künstler erhalten Geld für die Umsetzung und die Unterstützer erhalten das fertige Produkt, eine Situation in der beide Parteien profitieren.

Das Crowdfunding nach der heutigen Definition und Bedeutung, also ein über das Internet an die breite Öffentlichkeit gerichteter Aufruf, ein unternehmerisches, soziales oder kulturelles Projekt zu unterstützen, wurde erst im Jahre 2006 geprägt. Die Amerikaner Jeff Howe und Mark Robinson prägten in diesem Jahr den Begriff Crowdsourcing, wovon Crowdfunding als direkte Abwandlung entstanden ist.[10] Ein weiterer Beleg für die Entwicklung und Etablierung dieses Begriffs sind die Suchanfragen zum Begriff „Crowdfunding“ bei Google zu findenden Seiten im Zeitverlauf, die den Begriff Crowdfunding enthalten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Suchanfragen nach Crowdfunding in der Suchmaschine Google[11]

Gut zu erkennen ist, dass der Begriff ab 2006 von Jahr zu Jahr häufiger gesucht wird und die Entwicklung stark steigend ist. Das Thema wird populärer und immer mehr Menschen sind damit vertraut.

Das Crowdfunding etablierte sich immer mehr, es entstanden haufenweise neue Plattformen. Die finanzierten Projekte kamen nun aus allen nur denkbaren Bereichen. Es beschränkte sich nicht mehr nur auf Musik, aus allen Bereichen wurden Projekte finanziert. Von neuen Produktideen, über neue Videospiele, neue Filme oder Bücher. Für viele Bereiche entstand eine völlig neue Form der Finanzierung, da zusätzlich zum Kapital auch Unterstützer und Supporter der Idee gefunden werden konnten.

Der Vorreiter ist die Crowdfunding Plattform Kickstarter aus den U.S.A.. Der Betrieb wurde Anfang 2010 aufgenommen, ab diesem Zeitpunkt entwickelte sie sich zur größten und bekanntesten Plattform. In dieser Zeit wurden bereits ca. 65 000 Projekte eingestellt, von denen ca. 26 500 finanziert wurden. Mit einer Erfolgsrate von 44,03% wurden so insgesamt schon ca. 241 Millionen $ für die Projekte erhoben.[12] Das erste, größere Projekt war die „ TikTok+LunaTik Multi-Touch Watch Kits“, ein Projekt für die Umsetzung einer Design- und Produktidee. Die Implementierung eines Apple IPod Nano in ein Armband, um diesen als Uhr zu nutzen. Dieses Projekt fand 13 512 Unterstützer, die insgesamt 942 578 $ für die Umsetzung bereitstellten. Für ihre Unterstützung erhielten sie das Produkt nach Fertigstellung.[13]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Durch Crowdfunding finanzierte Uhr[14]

Bei einem Blick auf die weltweite Entwicklung wird deutlich welches Ausmaß die Entwicklung in den letzten Jahren genommen hat. Die untere Grafik zeigt das Wachstum der Anzahl an Crowdfunding Plattformen weltweit:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Anzahl an Crowdfunding-Plattformen nach Regionen[15]

Zum einen ist die deutliche Steigerung der Anzahl an Plattformen interessant und zum anderen ist die Entwicklung der europäischen Plattformen im Verhältnis zu der restlichen Welt spannend. Europa hat enorm aufgeholt und weißt die höchste Steigerungsrate in den letzten Jahren auf. Beachtet werden muss noch, dass in der Grafik alle Arten von Crowdfunding berücksichtigt werden. Die hier beschriebenen Methoden Crowdfunding und Crowdinvesting haben dabei einen ungefähren Anteil von 35 %. Essentiell für diese Entwicklung ist das Internet als Medium, durch die verschiedensten Social Media Kanäle lassen sich die Projekte schneller und zielgerichteter als vorher verbreiten.

Im Jahr 2010 legte das Magazin „Entrepreneur.“ die fünf Finanzierungstrends für 2011 fest. Crowdfunding befand sich in deren Prognose auf dem ersten Rang.[16]

Diese Arbeit beschäftigt sich hauptsächlich mit der Situation und Entwicklung in Deutschland. Die weltweiten Zahlen und die Statistiken von Kickstarter sollen das Potential aufzeigen, welches in Deutschland noch nicht in diesem Ausmaß erreicht wurde. Die Entwicklung in Deutschland ist jedoch sehr positiv zu sehen, wie die folgenden Fakten zeigen.

In Deutschland starteten die ersten Plattformen erst Anfang 2011. Ab diesem Zeitpunkt wurden direkt erste Projekte erfolgreich finanziert und realisiert. Die Plattformen sind noch an zwei Händen abzuzählen, dabei sind die bekanntesten und umsatzstärksten Startnext und mySherpas. Die Umsatzzahlen sind momentan in keiner Weise mit den beeindruckenden Zahlen aus Amerika zu vergleichen. Wie bereits erwähnt, ist die Entwicklung jedoch äußerst positiv. Das Jahr 2011 kann zusätzlich auch als Startjahr des Crowdfundings in Deutschland betrachtet werden, denn in 2010 gab es nur zwei erfolgreich finanzierte Projekte. 2011 hingegen bereits ca. 170.[17]

Bei Betrachtung der vermittelten Volumina der größten Crowdfunding Plattformen wird deutlich, dass Mitte des Jahres die höchsten Summen vermittelt wurden, im vierten Quartal schwächten sich die Zahlen merklich ab. Dies führte zu einem Gesamtvolumen von 458 000 € im Gesamtjahr 2011. In der folgenden Abbildung 4 ist dies zu sehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Summe eingesammeltes Kapital in Deutschland (2011)[18]

Die größte mediale Aufmerksamkeit brachte die Teilfinanzierung des Stromberg Kinofilms nach dem Crowdfunding-Prinzip. Über eine Internetseite wurde 1 Millionen € eingesammelt, die Unterstützer erhalten für ihre Beteiligung Kinokarten und Gewinnbeteiligung. Innerhalb einer Woche waren alle möglichen Anteile vergeben, mit diesem enormen Ansturm hatte niemand gerechnet.[19] Der Produzent Ralf Husmann sagte: „Das ist auch eine Art Marktforschung: Wir sehen, wie hoch das Interesse am Film wirklich ist“.[20] Das Interesse war offensichtlich sehr hoch, die hohe mediale Wirkung war ein guter Nebeneffekt für die Filmemacher. (In der Abbildung 4 werden nur die, durch die Plattformen vermittelten Summen berücksichtigt. In diesem Fall wurde das Crowdfunding selbst organisiert.)

Neben dem Crowdfunding entwickelte sich allmählich auch das Crowdinvesting. Im Gegensatz zum Crowdfunding, wo den Kapitalgebern eine feste Gegenleistung für ihre finanzielle Unterstützung entgegengebracht wird, erwirbt der Kapitalgeber beim Crowdinvesting einen Anteil am Unternehmen. Dieser Anteil kann nach einer bestimmten Frist für den momentanen Wert veräußert werden. Im Idealfall steigert sich der Unternehmenswert im Zeitablauf vom Kauf des Anteils bis zur möglichen Veräußerung. In Deutschland entstanden 2011 die ersten Plattformen. Mit Seedmatch, siehe Kapitel 2.3.1, und Innovestment, siehe Kapitel 2.3.2, nahmen direkt zwei Unternehmen den Betrieb auf und vermittelten in 2011 insgesamt 519 250 €.

Die außerdeutsche Startup- und Crowdinvesting Szene hat momentan zusätzlich noch einen erheblichen Vorteil, denn in Deutschland ist die Höhe einer einzelnen Finanzierung pro Jahr auf eine Summe von 100 000 € begrenzt. Schuld daran ist das Verkaufsprospektgesetz. Für die Erstellung und Prüfung des Verkaufsprospekts werden mind. 18 000 € fällig. In Aufwand und Kosten für die meisten Fälle völlig unverhältnismäßig und deswegen nicht mehr lohnenswert.[21] In Amerika wurden diese Hürden durch den „JOBS Act“, Jumpstart Our Business Startups Act, gelockert. Dort sind nun höhere Finanzierungen durch Crowdinvesting möglich.[22] Diese Regularien müssen in Deutschland schnellstmöglich überprüft und überarbeitet werden, um die Startup Szene zu unterstützen und konkurrenzfähig zu machen.

Der Startschuss war gegeben, während das Crowdfunding schon sehr etabliert war, kam das Crowdinvesting gerade erst in Gange. Wie beschrieben, spielte das Medium Internet mit der blitzschnellen Verbreitung von Informationen eine essentielle Bedeutung in der Entwicklung. Insbesondere für Startups entstand eine neue, bisher nicht vorhandene, Möglichkeit der Kapitalbeschaffung, die zusätzlich zum Kapital eine Reihe von positiven Begleiterscheinungen mit sich bringt.

2.2.3 gegenwärtiger Stand

Nachdem nun die Entwicklung bis zum Ende des Jahres 2011 vorgestellt wurde, wird nun der Status Quo wiedergegeben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Summe eingesammeltes Kapital in Deutschland (bis Q2 2012)[23]

Bereits im ersten Halbjahr 2012 konnte auf den Crowdfunding-Plattformen insgesamt 637 042 € für Projekte eingesammelt werden, damit bereits erheblich mehr als im kompletten Jahr 2011. Weltweilt wurden ca. 165 Millionen $ umgesetzt.[24] Der positive Trend wird deutlich untermauert.

In Amerika wurde eine neue Grenze durchbrochen, im April kamen mehr als 10 Millionen $ für ein einziges Projekt zusammen. Wieder eine Uhr, diesmal die Pebble Armbanduhr. Auf dem Display werden neben der Uhrzeit Infos und Neuigkeiten direkt vom gekoppelten Smartphone angezeigt.[25] Dieses Beispiel soll noch einmal das Potential aufzuzeigen, welches auch in Deutschland zum Zuge kommen könnte.

Im, für diese Arbeit, interessanteren Bereich, dem Crowdinvesting in Deutschland übertrifft das Jahr 2012 bisher alle Erwartungen. Zum Stand der Informationsaufnahme waren verlässliche Zahlen bis zur Mitte des Jahres 2012 verfügbar. In diesem halben Jahr wurden bereits 896 981 € über die 4 bis dato aktiven Plattformen erhoben. Noch einmal zum Vergleich, im kompletten Jahr 2011 wurde insgesamt weniger als die bisherige Hälfte eingesammelt, nämlich 449 228 €.[26]

Andere europäische Länder sind in der Entwicklung jedoch schon einen großen Schritt weiter. Die Plattform CrowdCube, eine Crowdinvesting-Plattform in England, konnte bis Ende Mai 2012 insgesamt bereits 4,75 Millionen € vermitteln. Auch die Crowdinvesting-Plattform WiSeed aus Frankreich sammelte bis Mai 2012 bereits 2,5 Millionen € für die dort angebotenen Startups.[27]

Seit Beginn des Crowdinvestings in Deutschland wurden zum jetzigen Zeitpunkt (20.07.2012) insgesamt 25 Finanzierungen auf den verschiedenen Plattformen durchgeführt. Bis jetzt hat jedes Startup mindestens die benötigte Summe eingesammelt. Somit kann momentan eine 100%ige Erfolgsquote ausgewiesen werden.[28]

In Branchenkreisen, einschlägigen Medien aber auch in Massenmedien (z.Bsp. bei spiegel.de: „Krautfunder warten auf den Kickstarter-Effekt“[29] und bild.de: „So geht Startup heute“[30] ) wird mittlerweile vom Crowdfunding und vom Crowdinvesting berichtet. Das Thema wird populärer und so langsam wird die breite Masse angesprochen. Eine äußerst positive Entwicklung, die zum jetzigen Stand keine Zeichen auf Milderung aufweist.

2.2.4 Prognose

„Crowdinvesting wird Mainstream!“[31] , meint Guido Sandler von der Plattform Bergfürst. So bescheinigt er dem Crowdinvesting in Deutschland ein enormes Potential, eine Größenordnung von bis zu 50 Milliarden Euro sei möglich. Diese Zahl lässt sich aus dem Investitionsvolumina von Finanzprodukten mit vergleichbarem Chancen-Risiko-Profil herleiten. Im Gegensatz zu schwer durchschaubaren Finanzprodukten ist die Investition beim Crowdinvesting viel besser nachzuvollziehen. Es wird in ein Geschäftsmodell in der Realwirtschaft investiert, dies ist für den Anleger gut greifbar und leicht verständlich.[32]

Diese Summen sind zwar Zukunftsmusik und der Markt ist von solchen Volumen momentan noch weit entfernt, doch gibt es eine Vorstellungskraft, was in dieser Branche möglich ist. Auch wenn es am Ende nur 5 bis 10 % der genannten Summe sind. Für das Jahr 2012 wird in Deutschland ein Gesamtvolumen von 4 bis 5 Millionen € bis zum Jahresende für das Crowdinvestig-Segment prognostiziert.[33]

Wie die jüngsten Beispiele zeigten wird auch der Crowdfunding Sektor weiter wachsen, zum jetzigen Zeitpunkt werden dort bereits erhebliche Summen umgesetzt. Arie Abecassis, Investor und Gründer, prognostiziert ebenfalls eine erfolgsversprechende Zukunft. Er gibt außerdem Ausblick in welcher Form sich die Branche weiterentwickeln wird. Zum einen werden mehr und mehr Nischen-Plattformen entstehen und somit ihre Daseinsberechtigung finden. Beste Beispiele dafür sind z.Bsp. AppStori für mobile Apps, Indie Backer für Filme und Emphasis für Photojournalismus. Weiterhin müssen die Plattformen ihren Community Ansatz weiter ausbauen. Es ist sehr wichtig für den Initiator und seine Unterstützer in Kontakt zu bleiben.[34]

Die Anzahl der Crowdinvesting-Plattformen in Deutschland lässt einiges ableiten, zwar gibt es zum jetzigen Zeitpunkt erst 4 Plattformen die mind. eine Auktion durchgeführt haben (seedmatch, Gründerplus, innovestment und MashUp-Finance), doch es stehen eine Reihe neuer Unternehmen in den Startlöchern. In den nächsten Monaten werden mind. 7 neue Crowdinvesting-Plattformen an den Markt gehen.[35] In Kapitel 2.3. Die Plattformen im Überblick wird darauf näher eingegangen. Dies zeigt auf der einen Seite welch großes unternehmerisches Interesse in der Branche liegt und zum anderen wird es den Markt ordentlich ankurbeln. Es entsteht mehr Wettbewerb, jede Plattform muss neue Finanzierungen anbieten, dadurch steigt die Anzahl der gefundeten Startups und das Volumen des Marktes. Inwieweit alle Plattformen in der Zukunft eine Daseinsberechtigung haben lässt sich momentan nicht beantworten. Mehrere Faktoren von der Differenzierung bis zum Umgang mit der Gesetzeslage in Deutschland werden entscheidend sein. Denn in Deutschland sind momentan, wie bereits erwähnt, ohne Verkaufsprospekt Finanzierungen nur bis zu einer Höhe von 100 000 € möglich. Änderungen an diesem Zustand werden auch ausschlaggebend werden. Robert MacKenzie, von der Plattform innovestment meint zur wachsenden Anzahl der Plattformen: „Sicherlich wird sich dort in den nächsten Monaten eine Konsolidierung und Ausdifferenzierung stattfinden, so dass nun eine strategisch spannende Phase ansteht“.[36]

In dieser Arbeit werden die positiven Begleiterscheinungen durch erhöhte Publicity, neue Kontakte und der Mehrwert durch eine breite Investorenbasis analysiert und beschrieben. Auch wegen diesen Vorzügen gegenüber anderen Finanzierungsmodellen kann eine positive Prognose getroffen werden. Klar ist, der Markt und die Branche befinden sich noch am Anfang des Möglichen. Besonders für Startups etabliert sich eine zusätzliche, vielversprechende Finanzierungsalternative. Viele, angesprochene, Faktoren deuten jedoch auf eine massive Ausweitung und Vergrößerung dieses Marktes hin.

2.3 Die Plattformen im Überblick

Der gegenwärtige Stand (Kapitel 2.2. 3) und die Entwicklung in Deutschland wurden bereits näher beschrieben. Im Folgenden wird nun eine genauere Betrachtung der vorhandenen Plattformen und deren Projekte stattfinden. Aufgrund der Aktualität und Dynamik der Branche sind keine ausreichenden Informationen vorhanden, manche Plattformen sind noch nicht einmal gestartet. Um Informationen zu generieren wurden die jeweiligen Plattformen persönlich, mit einem Fragenkatalog, angesprochen. Die vollständigen Fragen sind im Anhang 3: Fragen an die erfolgreich finanzierten Startups zu finden.

Zum Stand der Informationserhebung waren in Deutschland insgesamt 11 Crowdinvesting-Plattformen vorhanden die entweder in nächster Zeit aktiv werden oder bereits abgeschlossene Finanzierungen vorweisen konnten. Der Fragenkatalog wurde von 7 der 11 Plattformen beantwortet.

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Tabelle 1: Deutsche Crowdinvesting-Plattformen im Überblick[37]

Als wirklich aktiv sind nur zwei Plattformen zu bewerten, seedmatch und innovestment. Diese haben jeweils mehrere erfolgreich abgeschlossene Finanzierungen und somit den hauptsächlichen Anteil am bisher umgesetzten Kapital in Deutschland. Die Plattformen devexo und Companisto sind vor kurzer Zeit gestartet und haben noch keine Auktion abgeschlossen, es laufen jedoch jeweils 2. Mashup Finance hat bereits eine Auktion erfolgreich abgeschlossen, jedoch momentan keine aktiven Projekte. Mashup Finance ist auf der Suche nach neuen Projekten. Die Plattform gründerplus hat sich selbst über Crowdinvesting finanziert, nach deren Aussage werden ab Anfang August 2012 die ersten richtigen Auktionen starten.

Die Entwicklung ist spannend, denn eine steigende Anzahl an Anbietern wird den Markt ordentlich beleben. Jede Plattform muss mit Auktionen gefüllt werden, dafür werden reichlich geeignete Startups benötigt. Die steigende Anzahl an Anbietern zeigt außerdem, welches Potential diesem Markt bzw. dieser Finanzierungsform von Unternehmern attestiert wird. Es wird sich zeigen, ob alle Plattformen koexistieren können und sich ausreichend voneinander unterscheiden oder ob nach kurzer Zeit bereits erste Plattformen geschlossen werden müssen. Eine automatische Marktbereinigung im Zeitverlauf ist, wie erwähnt, wahrscheinlich.

Im weiteren Verlauf werden einzelne Plattformen unter Verwendung des Fragenkataloges und anderen verfügbaren Informationen näher beschrieben.

2.3.1 seedmatch

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Tabelle 2: Übersicht der Plattform seedmatch[38]

Die Plattform seedmatch ist der Vorreiter in Deutschland. Sie war als erstes aktiv und hat zum jetzigen Zeitpunkt mit Abstand die meisten Startups erfolgreich finanziert. Zusätzlich kann sie eine Erfolgsquote von 100% ausweisen, d.h. jedes eingestellte Startup konnte mindestens die Minimalsumme einsammeln. Dies kommt auch durch die hohen Qualitätsanforderungen zustande, jedes Startup muss einen Bewerbungsprozess durchlaufen bevor die Finanzierung überhaupt angeboten wird. Diese Plattform bietet zugleich die höchste Reichweite und somit auch die höchste Bekanntheit. Bis Mitte 2012 waren bereits 7200 potentielle Investoren registriert von denen bisher 1130 tatsächlich investiert haben. Pro Startup kommt es so zu einer durchschnittlichen Investorenanzahl von 163, dies wird auch durch die niedrige Mindestinvestitionshöhe von 250 € beeinflusst. Alle „Rekorde“ im Vergleich zu anderen deutschen Plattformen liegen momentan bei dieser Plattform wie z.Bsp. die schnellste Finanzierung. Das Startup BLOOMY DAYS überschritt nach nur 19 Minuten die Minimalsumme und nach 93 Minuten war es bereits vollfinanziert. Diese beeindruckenden Zahlen und Beispiele konnten durch Berichterstattungen in verschiedensten Formaten hohe Aufmerksamkeit schaffen.[39] seedmatch legt viel Wert auf die Kommunikation zwischen Startup und Investoren, auch nach der eigentlichen Finanzierung. Dafür wird ein spezieller Bereich zur Kommunikation auf der eigenen Internetseite angeboten, um den Austausch so effizient wie möglich zu gestalten. Dort stellt das Startup wichtige Unterlagen wie Jahresabschlüsse und Quartalsberichte ein und kann über aktuelle Entwicklungen informieren. Die Investoren haben hier auch die Möglichkeit selber Fragen zu stellen oder Anregungen zu geben.[40] Wie eine Unternehmensbewertung zustande kommt und welche Art der Beteiligungen die Investoren erhalten wird in den Kapiteln 6.1.4 Unternehmensbewertung und 6.3.1 Struktur der Beteiligung näher erklärt.

seedmatch punktet vor allem durch die hohe Bekanntheit und die schnellen Finanzierungen.

2.3.2 innovestment

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Tabelle 3: Übersicht der Plattform innovestment[41]

Die Plattform innovestment verfolgt einen anderen Ansatz als seedmatch. Der wesentliche Unterschied ist die Mindestinvestitionssumme, die bei innovestment bei 1000 € liegt, also deutlich höher. So sollen andere Investorenkreise angesprochen werden. Dies sind „private Anleger, die im eigenen Portfolio Direktbeteiligungen an Startups aufnehmen möchten. In der Regel vermögende Personen aus dem Wirtschaftsleben, die einen Business Case einschätzen können: Geschäftsführer, Unternehmensberater usw.“[42] So entsteht eine qualitativ hochwertige Investorenbasis für die finanzierten Startups. Die Investoren können so eine fundierte Unterstützung für die Geschäftsentwicklung bieten. Dies wird auch in der durchschnittlichen Investitionssumme pro Investor pro Startup deutlich, bei innovestment ca. 4002 € im Gegensatz zu seedmatch mit 592 €. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Auktionsmechanismus, so kann der Wert eines Unternehmens und der Preis pro Anteil im Zeitverlauf bei großer Nachfrage steigen. Näheres dazu im Kapitel 6.1.4 Unternehmensbewertung.

Die Aufmerksamkeit und Bekanntheit von innovestment ist gering, dafür wird eine überschaubare, wertvolle und kapitalstarke Investorenbasis geboten die durch das entstandene Netzwerk einen entscheidenden Mehrwert bieten kann.

2.3.3 bestBC

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Tabelle 4: Übersicht der Plattform bestBC[43]

Die Plattform bestBC verfolgt einen sehr interessanten Ansatz. Startups die dort eine Finanzierung anstreben erhalten eine Reihe an zusätzlichen Leistungen. Zum einen werden den Startups über das Mentorenprogramm erfahrene Unternehmer als Experten beratend zur Seite gestellt und zum anderen sind eine Reihe von Experten vorhanden, die über das jeweils eigene Netzwerk Reichweite für die Startups schaffen. Darüber hinaus werden noch Persönlichkeitstests der Gründer erhoben. Diese zusätzlichen Leistungen unterstützen die Unternehmer und schaffen durch die Beratung und Unterstützer einen Mehrwert zum Kapital. Neben dem profitieren vor allem die potentiellen Investoren von der Rundumbetreuung, denn durch die zusätzlich geschaffene Sicherheit ist die Gefahr von einer negativen Entwicklung der jeweiligen Unternehmen erheblich gemildert.[44]

Durch diese Mehrwerte wird die Entwicklung dieser Plattform sehr spannend werden.

2.3.4 gründerplus

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Tabelle 5: Übersicht der Plattform gründerplus[45]

Die Plattform gründerplus konzentriert sich auf Gründungen im E-Commerce und bietet Beteiligungen schon ab einer Höhe von 50 € an. Jedes Startup, welches einen Bezug zum E-Commerce aufweist, kann dort eine Finanzierung anstreben. Erfolg oder Misserfolg hängt dann letztendlich von der Nachfrage auf Investorenseite ab. gründerplus hat bisher nur die Selbstfinanzierung vollzogen und somit die eigene Plattform über Crowdinvesting finanziert. Diese Plattform wird ca. ab August 2012 aktiv werden und die ersten Finanzierungen anbieten.

[...]


[1] Hemer, Schneider, Dornbusch u.a. (2011): Crowdfunding und andere Formen informeller Mikrofinanzierung in der Projekt- und Innovationsfinanzierung, S. 3

[2] Vgl.: Bartelt (2011): Hotel Desire – hat irgendwas mit Crowdfunding zu tun?

[3] Vgl.: Hemer, Schneider, Dornbusch u.a. (2011): Crowdfunding und andere Formen informeller Mikrofinanzierung in der Projekt- und Innovationsfinanzierung, S. 30f.

[4] Schmidt (2012): Crowdinvesting – der Markt und seine Anbieter

[5] Vgl.: Bell, Adams (k.D.): In Search of Liberty, S.40f.

[6] Vgl.: Wenzlaff (2012): Mit dem Sockel der Freiheitsstatue hat es angefangen

[7] Vgl.: iPledg (2012): Crowd Funding – Practical Applications – Artistic Endeavours

[8] Vgl.: artistShare (k.D.): About us

[9] Vgl.: Sellaband (k.D.): Database

[10] Vgl.: Kamphuis (2011): Crowdfunding: ein neuer Finanzierungsweg – auch im sozialen Bereich?

[11] Bielemeyer (2010): Querys via Google for the word Crowdfunding

[12] Vgl.: Kickstarter (2012): Kickstarter Stats

[13] Vgl.: Kickstarter (2010): TikTok+LunaTik Multi-Touch Watch Kits

[14] Wilson (2010): TikTok+LunaTik Multi-Touch Watch Kits

[15] Crowdsourcing.org (2012): Crowdfunding Industry Report, S. 27

[16] Vgl.: Gunn für Entrepreneur (2010): Five Financing Trends for 2011

[17] Vgl.: Für-Günder (2011): Crowd funding in Deutschland – Entwicklungen und Trends

[18] Für-Gründer (2011): Crowd funding in Deutschland – Entwicklungen und Trends

[19] Vgl.: Financial Times Deutschland (2011): „Stromberg“ zettelt Revolution bei Filmfinanzierung an

[20] Husmann in Financial Times Deutschland (2011): „Stromberg“ zettelt Revolution bei Filmfinanzierung an

[21] Vgl.: Hoffmann (2012): Crowdfunding: Revolution der Startup-Finanzierung?

[22] Vgl.: Wikipedia (2012): Jumpstart Our Business Act

[23] Für-Gründer (2012): Crowd funding in Deutschland – Entwicklungen und Trends

[24] Vgl.: Crowdsourcing.org (2012): Crowdfunding Industry Report, S. 23

[25] Vgl.: Kickstarter (2012): Pebble: E-Paper Watch for iPhone and Android

[26] Vgl.: Für-Günder (2012): Crowd funding in Deutschland – Entwicklungen und Trends, S. 24

[27] Vgl.: Collins/Pierrakis (2012): Crowdfunding equity investment into business

[28] Vgl.: Anhang 7: Eigene Recherche der Plattformen und bereits finanzierten Startups

[29] Vgl.: Reißmann (2012): Krautfunder warten auf den Kickstarter-Effekt

[30] Vgl.: Bild.de (2012): So geht Startup heute!

[31] Sandler (2012): Crowdinvesting wird Mainstream!

[32] Vgl.: Sandler (2012): Crowdinvesting wird Mainstream!

[33] Vgl.: Für-Günder (2012): Crowd funding in Deutschland – Entwicklungen und Trends

[34] Vgl.: Abecassis (2012): Crowdfunding: the next generation — four changes that will shake up the model

[35] Vgl.: Anhang 7: Eigene Recherche der Plattformen und bereits finanzierten Startups

[36] MacKenzie (2012): Crowdinvesting: Interview mit Innovestment zu Chancen+Risiken

[37] eigene Darstellung (2012): Datenquelle: Anhang 7, Stand 25.07.2012

[38] eigene Darstellung (2012): Datenquelle: Anhang 2

[39] Vgl.: Schmiedgen (2012): Seedmatch in Zahlen: Crowdfunding für Startups Q2/2012

[40] Vgl.: Anhang 2: Fragebogen an die Plattformen

[41] eigene Darstellung (2012): Datenquelle: Anhang 2

[42] MacKenzie (2012): Crowdinvesting: Interview mit Innovestment zu Chancen+Risiken

[43] eigene Darstellung (2012): Datenquelle: Anhang 2

[44] Vgl.: Anhang 2: Fragebogen an die Plattformen

[45] eigene Darstellung (2012): Datenquelle: Anhang 2

Details

Seiten
102
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656321477
ISBN (Buch)
9783656322399
Dateigröße
3.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202240
Institution / Hochschule
Fachhochschule Lübeck
Note
1,70
Schlagworte
Crowdinvesting Startup Crowdfunding Startup Finanzierung Finanzierung Seedmatch Innovestment Gründerplus Kickstarter Frühphasenfinanzierung Frühphasenfinanzierungslücke

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Titel: Crowdinvesting als Marketing-Instrument für deutsche Startups