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Betrachtung der Zusammenhänge von Arbeitslosigkeit, Vorurteilen und Krankheit

von Nancy Pullasch (Autor)

Hausarbeit 2012 15 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition von Arbeit

3. Arbeit in der Arbeitsgesellschaft

4. Funktionen von Arbeit für das Individuum

5. Definition von Arbeitslosigkeit

6. Arbeitslosigkeit und Vorurteile
6.1 Vorurteile gegen Arbeitslose
6.2 Vorurteile nach soziodemographischen Merkmalen
6.3 Ursachen der Vorurteile

7. Arbeitslosigkeit und Gesundheit
7.1 Gesundheitliche Folgen von Arbeitslosigkeit
7.2 Ursachen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen

8. Schlussbetrachtung

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

,,In einer um Arbeit, Leistung und Geld zentrierten Gesellschaft stellt Berufstätigkeit eine der wichtigsten Verknüpfungen mit der Realität dar, sie ermöglicht den selbstständigen Lebensunterhalt. Obwohl Arbeitslosengeld eine Versicherungsleistung ist, erleben die Empfänger die Abhängigkeit von den Ämtern als besonders belastend und beschämend“ (von Ekesparre 2000:62). Arbeitslose gehen keiner Erwerbs­arbeit nach, sie erbringen in dem Sinne keine gesellschaftliche Leistung und sie verdienen kaum eigenes Geld. Stattdessen sind sie von staatlicher Unterstützung abhängig und nehmen in der heutigen Realität eine Außenseiterposition ein, da sie nicht in vollem Umfang an der Arbeits-, Leistungs- und Konsumgesellschaft teilnehmen. Was an sich schon eine starke Be­lastung darstellen müsste, wird von Außen gerne als selbstgewählte Faulenzerei bewertet und selbst deutsche Politiker warnen mit Hinblick auf das Arbeitslosengeld vor spätrömischer De­kadenz. So werden Arbeitslose zusätzlich zu ihrer problematischen Lage mit Vorurteilen ih­nen gegenüber konfrontiert. Jahoda, ,,die international wohl renommierteste Arbeitslosenforscherin“ (Wacker 2001: 52) bewertet dies folgendermaßen: ,,Die Würde des Menschen, seine Individualität und Persönlichkeit sollten unabhängig davon, ob er Arbeit hat oder nicht, gewahrt sein. Realität ist aber, daß [sic!] Menschen ohne Arbeit geächtet sind und oft verachtet werden (Jahoda 1986: IX).

Mir stellt sich dabei die Frage: Was sind die Ursachen für die Vorurteile gegen Arbeitslose und wirken sie sich zusätzlich zum Verlust der Arbeit auf die Gesundheit der Betroffenen aus?

Da mittlerweile immer mehr davon ausgegangen wird, dass körperliche und seelische Ge­sundheit eng miteinander verbunden sind und negative Emotionen und Belastungen beides be­einflussen können, vermute ich, dass nicht nur die Arbeitslosigkeit an sich, sondern vor allem auch die, darauf basierende negative Bewertung der Gesellschaft, Einfluss auf den gesundheitlichen Zustand der Betroffenen ausübt.

Darum soll vor allem die Frage geklärt werden, in wie fern die Gesellschaft durch Stigmatisierung Einfluss auf die Gesundheit von Arbeitslosen nimmt.

Zum besseren Verständnis beginnt die Hausarbeit mit einer Definition des Begriffs Arbeit. Darauf folgt die Beleuchtung der Bedeutung von Arbeit in der modernen Arbeitsgesellschaft, um im späteren Verlauf sowohl die Vorurteile gegen Arbeitslose, als auch die Tragweite des Verlusts von Arbeit für das Individuum besser verstehen zu können. Anschließend werden die Funktionen von Arbeit, die sie für das Individuum erfüllen, vorgestellt, so dass ersichtlich wird, wie einschneidend der Arbeitsplatzverlust erlebt werden kann. Im nächsten Schritt wird der Begriff der Arbeitslosigkeit definiert. Folgend werden die Vorurteile gegen Arbeitslose er­läutert, die soziodemographischen Merkmale, die die Zustimmung zu den Vorurteilen beein­flussen aufgezeigt und deren Ursachen geklärt. Im Anschluss werden die gesundheitlichen Folgen von Arbeitslosigkeit vorgestellt, so dass dann die Voraussetzungen erfüllt sind, die Ursachen der Erkrankungen, mit besonderen Hinblick auf den Einfluss der gesellschaftlichen Abwertung Arbeitsloser, zu betrachten. Die Hausarbeit endet mit der Schlussbetrachtung, in der eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse erfolgt, ein Fazit gezogen wird und eine Idee für weitere Forschungsansätze vorgestellt wird.

2. Definition von Arbeit

Soziologisch wird Arbeit als eine von Menschen zweckgerichtet und bewusst ausgeübte Tätigkeit definiert, für die physische Kraft aufgewendet und psychophysische Fähigkeiten angewendet werden müssen (Voß 2010: 26).

In dieser Hausarbeit soll Arbeit jedoch als Erwerbsarbeit verstanden werden, welche jene Arbeit ist, die zur Güterherstellung oder Leistungserbringung dem Markt zur Verfügung ge­stellt wird, um ein Einkommen zu erzielen (Mehlich 2005: 39). Dabei lässt sich Erwerbsarbeit weiter in abhängige Lohnarbeit und in selbständige oder freiberufliche Arbeit unterteilen (Voß 2010: 27).

Spezifisch für Erwerbsarbeit ist außerdem, dass sie auch bei individueller Verrichtung in so­ziale und arbeitsteilige Kontexte, durch beispielsweise Betriebe, Kooperationen und Organisa­tionen, eingebunden und durch diese geprägt ist (Voß 2010: 26). Besonders bedeutsam auf dem modernen Arbeitsmarkt sind dabei Arbeitsverträge, die die Grundlage der institutionali­sierten Arbeitsbeziehungen in der heutigen Arbeitsgesellschaft bilden (Mikl- Horke 2007: 14f.).

3. Arbeit in der Arbeitsgesellschaft

Erwerbsarbeit kann als die gesellschaftliche Schlüsselkategorie der Moderne, an welcher In­klusion und Exklusion der Gesellschaft deutlich werden, verstanden werden (Mehlich 2005: 53). Die durch Erwerbsarbeit mögliche umfangreiche Güter- und Dienstleistungsproduktion, deren Zielsetzung die Erwirtschaftung von Profit ist, bildet den Motor des kapitalistischen Systems (Jahoda 1983:70f.). Die funktional differenzierte Arbeitsteilung, die die Spezialisierung von Berufen in der modernen Gesellschaft hervorbringt, (Schimank 2010: 48) formt die menschliche Gesellschaft und verbindet durch Interdependenz, trennt aber auch durch Differenzierung (Hindrichs 2010: 125).

So ist das Selbstverständnis der Individuen in einer Arbeitsgesellschaft maßgeblich durch ihre Arbeit und ihre entsprechende (Vor-) Bildung geprägt. Während sozialer Aufstieg in früheren Gesellschaftsordnungen kaum möglich war, basiert der Status eines Menschen in der Moderne auf seiner beruflichen Position und liegt somit in seiner eigenen Verantwortung. Durch Bil­dung, Berufswahl und mehr oder weniger harte Arbeit wird die gesellschaftliche Stellung per­sönlich bestimmt (Mehlich 2005: 53f.). Mikl- Horke fasst die Bedeutsamkeit dieser grund­legenden Veränderung der Gesellschaftsordnung wie folgt treffend zusammen: ,,Die Gesellschaftsstruktur verändert sich […] in der Weise, dass die Teilnahme am wirtschaftlichen Leben auch die politische Stellung und den sozialen Stand bestimmt“ (Mikl- Horke 2007: 14). Entsprechend des Ansehens, der Macht und des Einkommens ihrer Berufe ist die soziale Stel­lung der Berufsgruppen vertikal strukturiert (ebd.: 2007: 13).

Ferner orientiert sich die Zeitstruktur in der Arbeitsgesellschaft maßgeblich an der Erwerbsar­beit, sie unterteilt die Zeit in Arbeits- und Freizeit.

Ein weiteres Kennzeichen der Arbeitsgesellschaft ist zudem die Einführung sozialer Sicherun­gen für den Fall, dass durch Unfall, Krankheit und Alter keiner Erwerbsarbeit mehr nachge­gangen werden kann (Mehlich 2005: 53f.). Da sowohl die Identität eines Individuums ,,seine staatsbürgerliche Partizipation und die Teilnahme am Wohlfahrtsstaat […] über die Arbeit vermittelt“ werden (ebd.: 54f.), muss sich, wer in der Arbeitsgesellschaft nicht arbeitet ,,im Hinblick auf seine gesellschaftliche Nützlichkeit rechtfertigen“ (Mehlich 2005: 54.). Da die Arbeit in der Arbeitsgesellschaft, wie im Zitat von Mehlich beschrieben, einen immens hohen Stellenwert besitzt, ist das Wegfallen dieser um so dramatischer: ,,Wo Arbeit in der Versteinerungsform von Berufsarbeit eine Kulturbedeutsamkeit angenommen hat, die weit über den Zustand der materiellen Sicherung hinausgeht, hat Arbeitslosigkeit zwangsläufig zerstörerische Folgen für die einzelnen Individuen“ (Negt 1984: 47).

4. Funktionen von Arbeit für das Individuum

Jahoda unterscheidet nach ihrer Deprivationstheorie die Funktionen von Arbeit in manifeste und latente Funktionen (Hartley und Mohr 1997: 123).

Das Verdienen eines sicheren Einkommens, welches für die meisten Menschen die Grundlage ihres Lebensunterhalts bildet, ist die manifeste Funktion von Erwerbsarbeit auf der Indivi­dualebene (Jahoda 1983: 136). Der erworbene Verdienst ermöglicht dem Individuum die Teil­habe am vielfältigen Güter- und Dienstleistungsmarkt (Mehlich 2005: 49).

Die wichtigste latente Funktion von Arbeit stellt für Jahoda die Vorgabe einer sinnvollen Zeit­struktur, an Hand derer erwerbstätige Menschen ihren Alltag organisieren, dar (ebd.: 45ff.). Den Punkt Struktur ergänzt von Ekesparre noch um den Aspekt der Stabilität, die durch Arbeit geschaffen wird (von Ekesparre 2000: 59). Zudem bietet Arbeit den Berufstätigen regelmäßige soziale Kontakte außerhalb ihrer Familien, die ihren sozialen Horizont erweitern. Auch das Zugehörigkeitsgefühl zu einem Kollektiv und die Partizipationsmöglichkeit an dessen Zielen, sind latente Funktionen von Erwerbsarbeit und geben dem Individuum das Gefühl gebraucht zu werden. Zusätzlich erhält der Einzelne durch Arbeit, basierend auf seinem ausgeübten Beruf, einen sozialen Status zugewiesen, was eine identitätsstiftende Wirkung hat (Jahoda 1983: 48ff.). Mikl- Horke schreibt diesbezüglich: ,,Arbeiten ist 'moralisches Handeln', wird als sinnvoller Beitrag zur Gesellschaft und damit als Anrecht auf eine bestimmte Stellung in dieser, auf Achtung und Anerkennung verstanden“ (Mikl- Horke 2007: 350). Außerdem erfüllt Arbeit die latente Funktion den Menschen zu regelmäßiger Aktivität anzutreiben (Jahoda ebd.: 136).

Diese latenten Funktionen erfüllen nach Jahoda menschliche Bedürfnisse, die durch kaum et­was anderes so umfassend befriedigt werden können, wie dies durch die Erwerbsarbeit mög­lich ist (Jahoda 1983: 70f.).

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Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656283058
ISBN (Buch)
9783656283300
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202142
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
1,7
Schlagworte
arbeitslosigkeit vorurteile krankheit betrachtung zusammenhänge

Autor

  • Nancy Pullasch (Autor)

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