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Amisos bis zur römischen Eroberung 71 v. Chr.

Samsun in alter Zeit

Magisterarbeit 2005 75 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Teil: Die archaische Zeit im Südpontos
I 1 Die Völker an der pontischen Südküste
I 1. 1 Die Eneter, ursprüngliche Bewohner von Amisos?
I 2 Die griechische Besiedlung Kleinasiens

II. Teil: Griechische Expansion auf die anatolische Schwarzmeerküste
II 1 Über das Problem des Gründungsdatums der Sinope
II 2 Die politische Situation Kleinasiens während der griechischen Expansion
II 3 Die Feststellung der milesischen Gründungen

III. Teil: Die Gründung von Amisos
III 1 Athenische Expedition
III 2 Milet oder Phokäa, welche ist die Mutterstadt?
III 3 Amisos als Mutterstadt

IV. Teil: Die Achaimeniden in Nordkleinasien
IV 1 Die Eroberung von Datames und die Befreiung von Alexander dem Großen
IV 2 Der Anschluss Amisos’ an die Mithridatiden
IV 3 Das 1. Jhr. v. Chr. in Amisos
IV 4 Die Einnahme Amisos’ von Lucullus im Verlauf der Mithridatischen Kriege 71 v. Chr
IV 4. 1 Amisenische Münzen
IV 5 Die Lokalisation der Stadt
IV 6 Der Name der Stadt

V. Teil: Antike Landschaften in Nordkleinasien
V 1 Die Landschaften um Amisos in Pontos
V 1. 1 Gazelonitis und ihre Stadt Gazelon im Westen
V 1. 1a Die Grenzen der Gazelonitis
V 1. 1b Die unmittelbare Bedeutung der Gazelonitis für Amisos
V 1. 2 Die Saramene, Amisos’ eigene Landschaft
V 1. 3 Themiskyra und ihre gleichnamige Stadt im Osten
V 1. 3a Eine weitere Existenzgundlage für Amisos
V 1. 4 Die Sidene

VI. Teil: Wirtschaftliche Quellen Amisos’
VI 1 Die Kornkammern an den größeren Flussläufen im Innern von Pontos

VII. Teil: Die Hafenanlagen und Hinterlandsverbindungen am Nordrand des Anatoliens
VII 1 Der Hafen und die Hinterlandsverbindung von Amisos
VII 2 Der Hafen von Sinope und das Hinterland
VII 3 Die Hafenlage von Trapezus und das Hinterland
VII 4 Der Hafen von Herakleia und die Verbindung mit dem Süden

VIII. Teil: Straßenverbindungen

Münzen

Beikarten

Namen im Altertum und Heute

Quellennachweis

Abkürzungsverzeichnis der zitierten Literatur

Einleitung

„Nach Gazelon folgt Saramene und Amisos, eine beträchtliche Stadt, von Sinope gegen neunhundert Stadien entfernt.“[1]

Strabon, der griechische Geograph und Historiker aus Amaseia (64 v. Chr.-23 n. Chr.) benutzt das Attribut „beträchtlich“ nicht nur für Amisos in der Südküste des Schwarzen Meeres[2] . Ist „Beträchtlichsein“ ein Hinweis für die besondere Stellung, die eine Stadt bei Strabon genießt? „Nachher folgt ein Busen, in welchem Kerasus und Hermonassa liegen, zwei unbedeutende Wohnorte.“[3] Er schreibt ruhig und emotionsarm, wenn die Orte nicht besonders aufregend sind. Für ihn, wohlgemerkt. Unbedeutend ist Amisos ganz und gar nicht, Strabon, der nahezu ganz Kleinasien aus eigener Anschauung kannte[4] , gibt uns Mut für den Versuch, Amisos als Thema in vorliegender Untersuchung bis zur Belagerung durch den römischen Feldherrn Lucullus[5] im Verlauf der Mithradatischen Kriege 71 v. Chr. zu behandeln.

Historische Notizen über Amisos sind spärlich. Das schränkt den Stoff für die geschichtliche Rekonstruktion ein. Es ist nicht einfach, die zeitlichen Anhaltspunkte exakt zu bestimmen. Die günstigste Verbindung zum Hinterland an der pontischen Südküste, die umliegenden fruchtbaren Landschaften und die Lage am Ausgangspunkt der wichtigsten antiken Nord-Süd-Überlandstraße ermöglichten es der Stadt dennoch, durch die Feder der Altertumshistoriker und –geographen ihren gebührenen Platz in den Papyrusblättern einzunehmen.

Die fragmentarischen Schriftquellen zu bewerten trägt die Behandlung der angrenzenden Landschaften mit ihren Städten eine unverzichtbare Bedeutung, dabei ist unser wichtigster Führer zweifellos das geographisch-historische Werk Strabons.

I. Teil: Die archaische Zeit im Südpontos

Die Küsten des Schwarzen Meeres bleiben in archäologischer Hinsicht noch fast unerforscht. Da Ausgrabungen kaum erfolgen, müssen sich die Historiker mit der derzeitigen Kenntnis begnügen, die sich auf Felstunnel, -treppen, -gräber, architektonische Reste und Zufallsfunde stützen[6] . In Nord-Kleinasien sind Herakleia und Sinope die einzigen Städte, in denen systematische archäologische Untersuchungen vorgenommen wurden[7] . Amisos gilt, die politischen, wirtschaftlichen und administrativen Aspekte betreffend, als das am besten erforschte Siedlungsgebiet in Pontos[8] .

Soweit wir heute wissen, versuchte als älteste vorhandene Großmacht das hethitische Reich sich den nordkleinasiatischen Raum zu unterwerfen[9] . Im Dorf Kapıkaya des Kreises Kolay von Bafra[10] wurden türförmig ausgehöhlte Felsen entdeckt, die auf hethitische Ansiedlung vor etwa 4000 Jahren deuten[11] . Über ihre genaue Verbreitung geben aber auch die Tafeln von Boğazköy, ungefähr 150 km östlich von Ankara, und vereinzelte Bodenfunde kein genaues Bild[12] .

Nach dem Zusammenbruch des hethitischen Großreiches um 1170 v. Chr. löste sich der Staat, soweit er nicht unter phrygische Herrschaft kam, in einzelne Fürstentümer auf[13] . Eine Reihe von Namen dieser Kleinstaaten und einzelne Herrscher erwähnen die assyrischen Quellen. Diese Angaben werden durch die urartäischen und seit der Entzifferung der Hieroglyphen hethitischen Nachrichten ergänzt[14] . Die assyrischen Quellen, welche allerdings fast nur über die Kämpfe um Anatolien berichten, lassen den Schluss zu, dass die wichtigsten hethitischen Fürstentümer in der zweiten Hälfte des 8. Jhr. v. Chr. zu Assyrien tributpflichtigen Vasallenstaaten herabsanken. Gegen Ende des Jahr­hunderts wur­­den die meisten dieser Staaten assyrische Provinzen[15] .

I 1 Die Völker an der pontischen Südküste

Welche Völker sind entlang der pontischen Südküste in frühesten Zeiten historisch nachweisbar? Von Westen nach Osten[16] gesehen siedelten die als Thraker nach Asien eingewanderten Bithyner[17] , die Mariandyner und Paphlagonen. Nach einer Nachricht Strabons lässt sich vermuten, dass die beiden letztgenannten dem großen phrygischen Stamm angehören[18] .

Die Mariandyner bewohnten die Schwarzmeerküste zwischen den heutigen türkischen Häfen Ereğli (Herakleia) und İnebolu (Abonu­teichos)[19] . Von dem Hafen İnebolu bis zur Mündung des Kızılırmak (Halys) waren die Paphlagoner sesshaft. Östlich von ihnen zwischen der Mündung des Kızılırmak und dem Hafen Ordu (Kotyora), etwa in der Nähe von Samsun, lebte das von den griechischen Siedlern Syrer oder Leukosyrer, d. h. weiße Syrer[20] , genannte Volk. Bis dahin war für dieses bereits seit den Persern dort ansässige Volk der Name Kappadoker gebräuclich[21] . Weiter östlich lagen schon in vorassyrischer Zeit die Wohnsitze der Tibarener, an deren Stelle später Kappadoker und Kataoner traten und dann die Chalyber, die in den antiken Quellen auch im nördlichen Syrien erwähnt werden, wo das heutige Aleppo nach diesem Volk Chalybiotis genannt wurde[22] .

Die ausgewanderten Chalyber, die schon Homer kennt, waren zu großen Teilen Schmiede, welche sich wegen der ertragreichen Erzlager in dem Gebirgszug an der Küste des Schwarzen Meeres festgesetzt hatten. Sie wurden auch hier noch nach dem Land ihrer Herkunft als Syrer bezeichnet[23] . So stellt sich heraus, dass die von den Griechen Syrer oder Leukosyrer genannten Kappadoker ursprünglich Chalyber waren, die sich weiter westlich der Küste verbreitet hatten. Die tiefgreifenden Umwälzungen bedingt durch die Eroberung von fremden Völkern hatten wenigstens für die südlicheren Stämme mehr oder minder Bedeutung. Daher könnte es kommen, dass die Völkerschaft der Chalyber versprengt wurde und durcheinandergerüttelt an verschiedenen Wohnsitzen anzu­treffen ist[24] .

„Die Ligyer, die Matiener, die Mariandyner und Syrier waren ebenso gerüstet wie die Paphlagoner.“[25] Bei diesem Bericht Herodots werden wegen ihrer ähnlichen Gefechtsordnung und Ausrüstung verschiedene Völker zu einer Militäreinheit zusammengefasst[26] , das heißt aber nicht, dass diese Stämme verwandt mit den Paphlagonern und in Paphlagonien ansässig waren. Die Matiener beispielsweise wohnten westlich des Urmiasees in der Nähe der heutigen iranisch-türkischen Grenze[27] und die Ligyer nördlich von der Stadt Massalia in den Bergen[28] , also in räumlich weit voneinander entfernten Gegenden.

Landeinwärts lebte der wohl zusammengehörige große Stamm der Bewohner Armeniens, der Alarodier (=Urartu), an deren Stelle zur Perserzeit die indogermanischen Armenier traten[29] . An der pontischen Ostküste, am Unterlauf des Rion im heutigen Transkaukasien, wohnten wohl seit sehr alter Zeit Kolcher[30] .

Die antiken Historiker wie Herodot und Xenophon führen noch eine Menge Völkerschaften an der pontischen Südküste auf, die größtenteils Unterabteilungen der genannten Stämme waren[31] .

I 1. 1 Die Eneter, ursprüngliche Bewohner von Amisos?

Strabon kommentiert das Thema „Ob einige Völker aus der östlichen Seite des Halys am Troischen Krieg teilgenommen haben?“ wie folgt: „Maiandrios zum Beispiel sagt, die Eneter seien aus der Leukosyrer Lande ausgezogen, als sie den Troern Hilfe brachten, von Troia aber mit den Thraken weggeschifft, und nachher um den Winkel des Adrias angesiedelt; die jenigen Eneter aber, die am Heerzuge nicht Anteil nahmen, seien Kappadoken geworden.“[32] Strabon dokumentiert weiter, nachdem er diese Behauptung mit dem Öftervorkommen der paphlagonischen Namen in der neben Paphlagonia sich erstreckender Kappadokia, nämlich in der westlichen Grenze der Kappadokia, belegt hat: „Enete aber, sagt er (Apollodoros), nehme Hekataios der Milesier für Amisos. Amisos aber gehört, wie gesagt ist, den Leukosyrern, und liegt jenseits des Halys.“ Die Eneter scheinen ursprüngliche Bewohner der Umgebung von Amisos jenseits des Halys zu sein, später verschmolzen die daheim gebliebenen Eneter zuerst mit den benachbarten Kappadoken, später siedelten Chalyber, die dort ihren neuen Namen Syrer und dann Leukosyrer annahmen.

I 2 Die griechische Besiedlung Kleinasiens

Die griechische Historie in Kleinasien[33] beginnt als eine Expansion. Das verhältnismäßig kleine griechische Festland mutierte mehr und mehr zum Mutterland, welches jenseits der Ägäis anfangs Niederlassungen errichtete, aus denen sich später Städte entwickelten[34] . Die Griechen verbreiteten sich auf diese Weise nach und nach über den gesamten Mittelmeerraum von der Iberischen Halbinsel über Sizilien und Unteritalien bis zur nordafrikanischen Küste und in das Gebiet des Schwarzen Meeres[35] .

Die Besiedlung der kleinasiatischen Westküste setzte erst nach dem Untergang des großhethitischen Reiches um 1170 v. Chr. ein[36] . Herodot erwähnt einen Teil der griechischen Stämme, die sich an der Westküste Kleinasiens festgesetzt hatten: „Kroisos war der erste der Barbaren, von dem wir wissen, dass er Hellenen zinsbar machte und mit anderen Hellenen Verträge schloß. Zinsbar machte er die Ioner, Aioler und Dorier in Kleinasien, und Freundschaft schloß er mit den Lakedaimoniern.“[37] Im 11. Jhr. v. Chr. erreichten die Ionier unter ihrem legendären Anführer Neleus den auf der Halbinsel günstig gelegenen Platz von Miletos[38] , welcher an der Mündung des Großen Mäander in den Latmischen Golf hineinragte[39] . Spätestens seit dem 8. Jhr. v. Chr., seit der Anfangsphase der so genannten großen Kolonisation[40] , nahm Milet, die dem Ionischen Zwölfstädtebund angehörte, mit ihren vier Hafenanlagen einen rapiden Aufstieg[41] und gründete eine beträchtliche Zahl von Tochterstädten vor allem im Gebiet der Propontis und des Pontos Euxeinos[42] . Sie expandierte bis zu der aus der Argonautensage bekannten goldreichen Kolchis im heutigen Georgien[43] . Die Stadt gab außer ihrem Namen und ihren Schiffen unter gewöhnlichen Umständen wohl nur eine beschränkte Anzahl seiner Bürger ab, die den Kern der Unternehmung bildeten. Die übrigen Teilnehmer waren Leute aus anderen Städten, denen es in ihrer Heimat zu eng geworden war, Arme, Unglückliche, Verfolgte, wohl auch Abenteurer, eventuell Sklaven[44] .

II.Teil: Griechische Expansion auf die anatolische Schwarzmeerküste

Die Daten, welche alte Historiker und Geographen über die Besiede­lungstätigkeit der Griechen an den Pontosküsten aufzählen, sind nicht exakt genug, dass man ein genaues Bild hierrüber gewinnen könnte[45] . Die Etappen chronologisch festzustellen ist nicht möglich, bei vielen griechischen Ansiedelungen wird gar keine Epoche der Gründung überliefert, so stehen für viele Städte bis jetzt weder das Gründungs­datum noch die Mutterstadt fest[46] .

Die meisten Städte an der nördlichen Küste Kleinasiens sind milesische Gründungen, wie Pseudo-Skymnos (730-735) auch bestätigt: „Milesier entsandten nämlich die meisten Kolonien aus Ionien ins Gebiet des Schwarzen Meeres und brachten es dahin, dass dieses, das zuerst aufgrund der Barbarenüberfälle das Ungastliche geheißen hatte, die Bezeichnung das Gastliche erhielt.“ Strabon XIV 1, 6 rechnet sogar alle Städte Milet zu: „Zahlreich sind die Werke dieser Stadt; das größte aber ist ihrer Pflanzstädte Menge. Denn der ganze Pontos Euxeinos, die Propontis und mehrere andere Gegenden wurden durch sie angesiedelt.“ Milet selbst betont dies in seinem kaiserzeitlichen Stadttitel und nannte sich „Die erstbesiedelte Stadt Ioniens und Metropolis vieler und großer Städte im Schwarzmeergebiet und in Ägypten und anderswo auf dem Erdkreis, die Stadt der Milesier.“[47]

In zwei aufeinanderfolgenden Phasen, um 700 v. Chr. an den Rändern der Propontis und um die Mitte des 7. Jh. v. Chr. an den Küsten des Schwarzen Meeres, innerhalb des Zeitraumes der Großen Kolonisation, hatten sich griechische Oikisten, d. h. Kolonisationsgruppen, in Nord­klein­asien niedergelassen, wo sie besonders günstige Bedingungen antrafen[48] . Nun betrachten wir diesen Zeitraum genauer und versuchen uns den Gründern und ihren Daten anzunähern.

II 1 Über das Problem des Gründungsdatums der Sinope

Die Besiedlungsgeschichte des Ortes im Archaikum wird in der schriftlichen Überlieferung uneinheitlich dargestellt. Von einer griechischen Gründung vor der Zerstörung durch die Kimmerier berichtet nur das Zeugnis Pseudo-Skymnos[49] . Herodot sagt von einer vor­kimmerischen griechischen Siedlung nichts. Während er bei der Textstelle IV 12 den Überfall der Kimmerier bezeugt, berichtet er: „Wie man weiß, besiedelten die vor den Skythen nach Asien flüchtenden Kimmerier die Halbinsel, auf der jetzt (d. h. zu seiner Zeit) die hellenische Stadt Sinope liegt.“ Da eine griechische Besiedlung Sinopes vor dem Kimmeriersturm im 7. Jhr. v. Chr.[50] sich bisher nicht nachweisen lässt[51] , kann man aus dieser Stelle unmittelbar schließen, dass Sinope zur Zeit des Einfalls als hellenische Stadt noch nicht existierte. Wie sollen wir dann die Überfälle auf die griechischen Städte an der Südküste des Schwarzen Meeres und der Propontis von den Kimmeriern um 700 v. Chr.[52] verstehen, wenn nicht einmal die älteste milesische Anlage an der pontischen Südküste gegründet war[53] und die Welle der großen Kolonisation?

Eusebios gibt die Gründungsdaten in seiner Chronik für Sinope und Trapezus widersprüchlich an: Für Sinope ergibt sich bei ihm das Jahr 630 v. Chr., dagegen bei einer zuverlässigen Stelle für Trapezus 756/55[54] . Trapezus aber war fraglos eine Tochterstadt von Sinope, wie der griechische Geschichtsschreiber bzw. Philosoph Xenophon (etwa 426-354 v. Chr.) bestätigt[55] . Er überliefert bei der Anabasis weiter, dass Sinope auch um 630 durch Milesier gegründet wurde[56] und dieses Gründungsdatum wird auch dadurch belegt, dass sich unter den ältesten Zeugnissen in der Stadt ein korinthischer Aryballos (um 610 v. Chr.) und spätphrygische Gefäße (um 570 v. Chr.) befinden[57] .

Strabon widerlegt die Behauptung von Apollodoros, der im 8. Jhr. v. Chr. lebende Dichter Homer hätte die Küste Paphlagoniens wie die übrige Pontische Küste wenig gekannt, da er sie nirgends erwähnt. Strabon vertritt die Meinung, dass Homer die gesamte Küste bereiste und schreibt weiter: „Wenn er aber Herakleia[58] und Amastris[59] und Sinope nicht nennt, die noch nicht erbauet waren, so kann uns das nicht wundern.“[60] Die Chronologie von Eusebios mit der Unterstützung der Stelle IV 12 Herodots und XII 3, 26 Strabons bestreitet nicht, dass die Sinope während des kimmerischen Einfalls um 700 v. Chr. existierte, aber eben nicht als hellenistisch[61] . Die Vorstellung, dass milesische Siedler in Sinope wegen der Bedrohung durch die Kimmerier ihre Stadt verlassen haben, erscheint auch nicht logisch, da die bisherigen Funde in der neuzeitlich überbauten Stadt keine Bestätigung der von Herodot erwähnten Besiedlung durch Kimmerier ergeben haben[62] . Schließlich sollen sie den Ort nicht lange Zeit in Besitz gehabt haben, sondern nur ausgeplündert und anschließend entlang der Pontosgestade weiter Richtung Westen abgezogen sein[63] .

Wenn Sinope nach der Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr., also nach dem Abzug der Kimmerier, abermals eine milesische Gruppe aufgenommen hat, wie nach der Bestätigung der Chronologen[64] , so sind die Gründe dafür an den Erfordernissen des Seehandels der Stadt zu suchen. Eine Reihe von Sekundärgründungen wurde gegen den Widerstand der einheimischen Völker an der Südostküste des Schwarzen Meeres durchgeführt[65] . Die größten dieser Tochterstädte der Sinopier waren Kotyora (heute Ordu), Kerasus (h. Giresun)[66] und Trapezus (h. Trabzon), kleinere z. B. Armene, Pteria und ein zweites Kerasus sowie in der Umgebung von Trapezus Hermonassa[67] . Es hat den Anschein, als schickte die neue Mutterstadt Sinope Siedlungen aus und bekam selbst als die Tochterstadt von Milet weitere Bevölkerungsteile.

Bei der Erbauung von Sinope durch die Milesier sind sich die anderen antiken Historiker bzw. Geographen wie der in Pontus einheimische Strabon und Diodoros einig, die jedoch über den Zeitpunkt schweigen aber dafür ihre geographische Lage loben[68] .

Eusebios kennt für die milesische Kolonie an der Südküste der Propontis Kyzikos auch das Gründungsjahr 756/55, aber er gibt noch ein weiteres Gründungsdatum für sie an, das auf 675 v. Chr. führt[69] . Es ist anzunehmen, dass die Städte im Altertum mehrmals gegründet wurden, besser gesagt, ihre Besitzer gewechselt haben. Kam eine neue Kolonie in die Stadt, so fing eine weitere Gründung an, um zu einer neuen Kolonie zu werden[70] . Wechselten die Städte durch Eroberungen die Besitzer, waren sie logischerweise schon gegründet[71] . Schlussfolgern wir, Sinope soll Trapezus als eine Tochterstadt nicht neu gegründet sondern neu besiedelt bzw. besetzt haben.

II 2 Die politische Situation Kleinasiens während der griechischen Expansion

Die mächtigsten Dynastien in Anatolien waren um die Zeit der Großen Kolonisation Urartu, Gordion und Sardeis.

Das urartäische Königreich entstand Mitte des 9. Jahrhunderts v. Chr. am Ararat um den Van-See. Sein Einfluss reichte unter den Königen Menuas (828-785 v. Chr.) und Argistis (785-753 v. Chr.) bis ans Schwarze Meer, dem Bereich um Kolchis im Norden und ans Mittelmeer (Nordsyrien) im Süden[72] . Rund vier Generationen nach der Gründung des Königreiches der Urartäer, Mitte des 8. Jahrhunderts hatte sich um die Festung Gordion am Sangarios die Kernzelle des Phrygerreichs gebildet[73] .

Um 700 v. Chr., kurz vor den ersten milesischen Gründungen an der pontischen Südküste, wurden die Kimmerier an der Nordküste des Pontos von den Skythen[74] vertrieben, die beide iranische Stämme waren[75] , und drangen aus dem Kaukasus nach Nordkleinasien vor [76] . Trotz des seit dem Ende des 8. Jhr. v. Chr. immer stärker werdenden Druckes der aus Südrussland vorstoßenden Kimmerier schwächte diese Welle das Reich der Urartäer nur vorübergehend, da sie nach ihrem Sieg über Argistis II. im Jahre 707 v. Chr. westwärts weiterzogen. Herodot hat darauf hingewiesen, dass die Kimmerier die Siedlungen ausplündernd immer weiter westlich zogen[77] . Schließlich waren es zum einen die den Kimmeriern im 7. Jhr. v. Chr. nachstoßenden Skythen zum anderen die Meder unter Kyaxares (625-585 v. Chr.), die den Untergang Urartus herbeiführten[78] .

Der Kimmerier-Zug, der Urartu nicht im Kern traf, erschütterte dafür Gordion entscheidend und brachte es in Abhängigkeit zum Lyderreich[79] . Die kleinasiatischen Lyder hatten soeben in den Auseinandersetzungen mit den Kimmeriern, die vereint mit thrakischen Stämmen Einfälle in Kleinasien durchführten, unter der Mermnaden-Dynastie ihre staatliche Einheit gefunden, deren Geltung sich von Sardeis bis an Ägäis und Propontis nach Westen ausweitete; sie ist im Kampf gegen den Achaimeniden Kyros II. 547 v. Chr. im Persereich aufgegangen[80] . Für die Assyrer im Osten war Urartu immer ein gefährlicher Gegner. Auch Gordion haben die Urartäer über das Tauros-Gebirge nach Westen abgedrängt[81] .

Urartu und Gordion orientierten sich in ihren politischen Aktivitäten grundsätzlich nach Osten auf das Reich der Assyrer hin; ganz im Gegensatz zu diesen beiden inneranatolischen Reichen haben die Lyderkönige – ihre Residenzstadt Sardeis lag in der Tat auch der Ägäis am nächsten – ihre Politik im wesentlichen nach Westen ausgerichtet[82] . Sie intensivierten damit politisch unerhebliche Anfänge, die bereits Midas von Gordion[83] angelegt hatte.

Die Griechen, fast ausschließlich die Milesier, trafen durch die dargestellte Situation günstige Bedingungen an den pontischen Südgestaden an, die sie vorzugsweise wegen ihrer guten Lage auswählten, und begannen zahlreiche Tochterstädte zu pflanzen.

II 3 Die Feststellung der milesischen Gründungen

Welche Ortschaften fanden die Milesier vorteilhaft zur Ansiedlung?

Die Einbuchtungen der Südküste an den Enden und in der Mitte ihres Bogens wurden von mehr oder minder blühenden Ansiedlungen der Milesier besetzt. Die Sättel von Landzungen bzw. Meerbusen oder Halbinsellage trugen ebenfalls Niederlassungen, wie das aufstrebende Sinope[84] .

Amisos war nicht auf einer Halbinsel, sondern an einer Meeresbucht angelegt[85] . Da milesische Gründungen stets am Meer lagen, kann bei einer unklaren Überlieferungslage grob entschieden werden, ob ein Ort milesischen Ursprungs ist[86] . Wenn eine Stadt im Binnenland angelegt ist, kann sie demzufolge ursprünglich keine milesische Kolonie sein. Zweifelhaft sind die Städte an schiffbaren Flüssen im Binnenland; im Falle von Miletopolis und Apollonia am Rhyndakos mag milesische Sekundärgründung am ehesten in Frage kommen[87] . Innerhalb der als milesisch klassifizierten Gründungen ist es auch nicht immer möglich, zu entscheiden, ob es sich um eine direkte Gründung von Milet aus (Primärgründung) oder von einer oder mehrerer milesischen Tochterstädte aus (Sekundärgründung) handelt[88] .

III. Teil: Die Gründung von Amisos

„Eine von den griechischen Kolonisten gegründete Hafenstadt“[89] : Mit diesem Ausdruck können wir über die Stifter von Amisos keinen Fehler machen und sie problemlos gelten lassen. Wollen wir in die Stadthistorie tief eingehen, müssen wir mit irritierenden Schriftquellen rechnen, die noch dazu wenig und fragmentarisch sind[90] . Weder die Inschriften noch die Münzen von Amisos lassen über Gründer und Gründungsdatum eine eindeutige Entscheidung zu[91] . Die Autoren, die sich mit Amisos indirekt befasst haben, fühlen sich durch die Unsicherheit gezwungen, die Wörter wie „vermutlich“, „möglicherweise“, „oder“, „auch“ etc. zu benutzen[92] . Eine Gesamtdarstellung zur Historie von Amisos fehlt noch[93] . Dank ihrer Lage an einer tiefen Meeresbucht[94] zwischen zwei seit archaischer Zeit berühmten Städten, im Westen Sinope und im Osten Trapezus, findet sie in den altertümlichen Schriften trotz der fragmentarischen Form immerhin einen Platz.

Herodot schweigt von Amisos. „Denn die einst groß gewesen sind, sind zum großen Teil klein geworden, und die zu meinen Lebzeiten groß waren, sind früher klein gewesen“[95] . War Amisos zu seinen Lebzeiten eine kleine Stadt, die er übersehen oder ignorieren konnte, obwohl er eine Fahrt entlang der kleinasiatischen Küste bis Kolchis unternommen haben dürfte[96] ? Die Nachbarstadt Themiskyra auf einer Halbinsellage, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu Amisos liegt, findet beim Werk des Historikers als ein Orientierungspunkt Platz[97] , zwei Flüsse der Umgebung, Thermodon und Halys, nennt er reichlich, Sinope erwähnt er öfters[98] aber er lässt kein Kerzenlicht über Amisos brennen. Nicht nur Amisos, sondern auch das namhafte Trapezus nennt er nicht[99] . So dann erhält die Frage ihre Antwort automatisch: Wenn Herodot von Amisos nichts sagt, heißt es nicht, dass Amisos nicht existierte oder eine unbedeutende Stadt zu seiner Zeit war.

Strabon XII 3, 14: „Theopompos sagt, sie sei zuerst von Milesiern, dann von …[100] dem Fürsten[101] der Kappadoken angebaut, drittens aber, durch Athenokles und Athenische Ansiedler erweitert, Peiraieus umgenannt. Auch diese Stadt besaßen die Pontischen Könige; Eupator schmückte sie mit Tempeln und baute noch einen Teil hinzu. Auch sie belagerte Lukullus, und nachher der vom Bosporos herübergekommene Pharnakes; die von Cäsar dem Göttlichen befreite Stadt übergab Antonius wieder Königen. Darauf wurde sie übel misshandelt von Zwangherrn Straton; aber nach den Attischen Begebenheiten wieder von Cäsar Augustus befreit, besteht sie jetzt in Wohlsein.“

So fasst Strabon die jahrhundertelange Geschichte Amisos’ nach den Ausführungen von Theopompos mit einigen Sätzen geringfügig zusammen. Unter den Schriftquellen zur Lage und Gründung von Amisos hat die größte Bedeutung zweifellos sein geographisches Werk. Er kannte nahezu ganz Kleinasien aus eigener Anschauung und hatte außerdem reichlichen Zugang zu den einheimischen Darstellungen seiner Zeitgenossen, die er möglichst sachlich auswertete[102] .

[...]


[1] Strabon XII 3, 14.

[2] z. B. Herakleia wird bei der Textstelle XII 3, 6 auch mit „Beträchtlichkeit“ beschrieben.

[3] Strabon XII 3, 17.

[4] Hoben, Einleitungsseite 3.

[5] Lucullus hatte schon vor Pompeius den entscheidenden Sieg über Mithridates von Pontos errungen, Leschhorn S. 319.

[6] Bossert S. 85.

[7] Marek S. 16 mit Anm. 134.

[8] Weimert S. 114 u. 115.

[9] Marek S. 14; Belke S. 57.

[10] Bafra liegt ungefähr 50 km nordwestlich von der Provinzhauptstadt Samsun. Der Ort hieß in der Antike Gazelon (siehe S. 44ff.) und im Mittelalter Pulveral, Belke S. 86.

[11] Köksal S. 101 u. 102; Der gleiche Autor schreibt ebenfalls, dass die Reste der ersten Siedlungen und paleolitischen Werkzeuge auch um Samsun gefunden wurden.

[12] Marek S. 14; Im Dorf Boğazköy wurden die Ruinen von Hattusas, der Hauptstadt des hethitischen Reiches, gefunden. Boğazköy wurde 1937 in Boğazkale umgenannt, Zgusta S. 24.

[13] Bossert S. 67; Nach ihren Inschriften waren die Phryger ein indogermanisches Volk. Sie scheinen mit den um 1200 v. Chr. einsetzenden Völkerwanderungen aus Thrakien nach Anatolien eingedrungen zu sein. Ob sie beim Untergang des hethitischen Reiches teilhatten, steht nicht fest, Bossert S. 80.

[14] Bossert S. 67.

[15] Bossert S. 68.

[16] Höchstwahrscheinlich waren die westliche Völkerstämme der pontischen Südküste, ehe sie an dem Orte sesshaft sich niederließen, wo wir sie in sehr alten Zeiten finden, weiter östlich ansässig gewesen und durch nachrückende Volksmassen nach Westen gedrängt worden, Bürchner S. 24.

[17] Herodot VII 75.

[18] Bürchner S. 24; Strabon (VIII 3, 17) vermutet, dass die Kaukonen aus Paphlagonia waren und argumentiert: „Denn dort nennt man gewisse Kaukoniaten, Nachbarn der Mariandyner, welche gleichfalls Paphlagonen sind.“ Aus diesem Bericht erfährt man, dass die Paphlagonen sich aus verschiedenen Völkergruppen erreigneten; Herodot berichtet bei VII 73 von der Auswanderung der Phryger. Bevor sie nach Asien ausgewandert waren, hießen sie Briger.

[19] Haussig, Anm. 103 zu Herodot VII 72, S. 730; Abonuteichos, das heutige İnebolu, lag etwa auf halber Strecke zwischen Sesamos und Sinope, Marek S. 19.

[20] Strabon XII 3, 9.

[21] Herodot I 72; VII 72; Strabon XII 3, 5; XII 3, 9 (wo Herodot als Quelle angedeutet wird); XVI 1, 1; Haussig, Anm. 103 zu Herodot VII 72, S. 730.

[22] Bürchner S. 25; Der Volksstamm der Chalyber, über die und ihre Nachfolger Chaldaier mit ihrem Ort Pharnakia Strabon XII 3, 19-20 ausführlich berichtet, wird bei Herodot (I 28) als ein Volk diesseits des Halys angegeben. Bei Olshausen-Biller (S. 156) wird Pharnakeia mit Kerasous (heute Giresun) lokalisiert. Wenn Pharnakia mit Pharnakeia identisch ist, liegt dieser Ort jenseits des Halys. Haussig interpretiert diese Situation mit der Ausdehnung des lydischen Reiches unter seinem Herrscher Kroisos über den Halys und gibt den Wohnort der Chalyber in der Nähe des Hafens von Samsun (In der Antike Amisos) an, Anm. 28 zu Herodot I 28, S. 636.

[23] Haussig, Anm. 9 zu Herodot I 6, S. 634.

[24] Bürchner S. 26.

[25] Herodot VII 72.

[26] Haussig, Anm, 103 zu Herodot VII 72, S. 730.

[27] Haussig, Anm. 28 zu Herodot I 28, S. 636 und Anm. 102 u. 103 zu Herodot VII 72, S. 730.

[28] Herodot V 9; Nach der Interpretation von Haussig meint Herodot mit den Ligyern die Ligurer, die vorindogermanische, von den Kelten aus Oberitalien und Südfrankreich verdrängte Urbevölkerung. Bei den nördlich von der griechischen Kolonie Massalia wohnenden ligurischen Stämmen handelt es sich um die Salyer oder Salluvier, Anm. 15 zu V 9, S. 701.

[29] Bürchner S. 25 u. 26; Die Armenier waren ursprünglich in Phrygien ansässig, Bossert S. 93; Die Alarodier, die Urartu der akkadischen (assyrischen) Inschriften, wohnten in dem Dreieck, das durch Van-, Urmia- und Gökçe (Sevan)-See gebildet wird, Haussig, Anm. 91 zu Herodot III 94, S. 678 und Anm. 120 zu Herodot VII 79, S. 732.

[30] Bürchner S. 26; Haussig, Anm. 119 zu Herodot VII 79.

[31] Bürchner S. 27.

[32] Strabon XII 3, 25.

[33] Kleinasien als Asia minor war für die alten Römer das verkleinerte Abbild eines ganzen Kontinents, Lerch S. 6.

[34] Lerch S. 8.

[35] Ebenda; Bei Lerch S. 254 wird die griechische Expansion ins Schwarze Meer ab 630 v. Chr. angegeben; Unteritalien, Sizilien sowie das ursprüngliche Siedlungsgebiet der Griechen wird als Großgriechenland bezeichnet.

[36] Haussig, Anm. 10 zu Herodot I 6, S. 634; Lerch S. 23 gibt die griechische Besiedlung der kleinasiatischen Küste ab 1100 v. Chr. an.

[37] Herodot I 6; Die ältere im 14. Jahrhundert v. Chr. erfolgte griechische Besiedlung Pamphyliens an der Südküste Kleinasiens, die um die gleiche Zeit wie die Eroberung Kretas und eines Teils von Zypern erfolgte, ist Herodot nicht bekannt gewesen, Haussig, Anm. 10 zu Herodot I 6, S. 634.

[38] Strabon XIV I, 6; Bereits um 1600 v. Chr. besiedelten minoische Kreter die damalige Halbinsel. Im 13. Jhr. v. Chr. existierte bereits hier eine Handelsniederlassung der Achäer, auf die karische Zuwanderer folgten, Lerch S. 254; Bürchner S. 39.

[39] Lerch S. 254.

[40] Unter große Kolonisation wird die Welle von griechischen Kolonisationsgründungen verstanden, die von ca. 750 bis 550 v. Chr. andauerte und große Teile des Mittelmeerraumes betraf, Ehrhardt, Anmerkungen, Anm. 1, S. 266.

[41] Strabon XIV 1, 6; Lerch S. 254.

[42] Der griechische Begriff für Tochterstadt „Apoikie“ kann zur Kennzeichnung einer Untergruppe verwendet werden, Ehrhardt, Anmerkungen, Anm. 4, S. 266.

[43] Nach Willeitner (S. 254) expandierten die Milesier ab 630 v. Chr. in die Südküste des Schwarzen Meeres und gründeten dabei mehr als 80 Stützpunkte, unter denen Kyzikos, Byzantion, Sinope, Olbia, Istros und Odessos die bedeutendsten waren.

[44] Bürchner S. 49.

[45] Bürchner S. 41; Ehrhardt, Anmerkungen, Anm. 11, S. 267.

[46] Bürchner S. 40; Nolle S. 157.

[47] Nolle S. 161-162.

[48] Olshausen, Einführung, S. 175 u. 177; Marek S. 15.

[49] Xenephon, An. VI 1, 15 und spätere Autoren sprechen nur von einer milesischen Gründung, Marek S. 18.

[50] Als Epoche wird die Regierungszeit des Königs Ardys angegeben, Bürchner S. 61.

[51] Pfisterer S. 13.

[52] Olshausen, Einführung, S. 175.

[53] Bei Müller (S. 218) wurde die früheste Kolonie der Milesier am Schwarzen Meer eingeschrieben. An dieser Stelle ist nicht deutlich ausgedrückt, ob Sinope am ganzen Schwarzen Meer oder nur an der Südküste die älteste Kolonie der Milesier war? Nach Pfisterer (S. 13) war Sinope einer der ersten von den Griechen regelmäßig angelaufenen Punkte der Region. Also nicht der erste, sondern einer der ersten!

[54] Euseb. Chron. Arm. p. 80, Bürchner S. 61 mit Anm. 7.

[55] Xenephon An. IV 8, 22: „Von da marschierten sie in zwei Tagen 7 Parasangen weit und kamen ans Meer in das Gebiet der am Schwarzen Meer gelegenen griechischen Stadt Trapezunt, einer Kolonie von Sinope im Land der Kolcher.“; Olshausen, Einführung, S. 175.

[56] Xenephon An. VI 1, 15; Korenjak S. 114.

[57] Pfisterer S. 13.

[58] Herakleia Pontike an der Südküste des Pontos Euxeinos, heute Ereğli, tritt die westlichste und in der Geschichte der Region bis hinab in den hellenistischen Zeitalter die mächtigste griechische Apoikie als einzige aus dem sonst geschlossenen Verbund der Milesier heraus. An ihrer Gründung haben Boioter und Megarer Anteil, Bittner S. 7; Marek S. 16; Pseudo-Scymnos 975 ff. datiert sich die Gründung Herakleias nach der Einnahme Mediens durch Kyros d. Gr. um 560 v. Chr.; Xenephon (an. VI 2, 2) spricht bei der Gründung von einem Anteil der Boioter nicht, nach seinem Bericht ist sie eine Kolonie der Megarer und liegt im Lande der Mariandyner. Er gibt als Information auch an (an. VI 4, 4), dass sich von Herakleia bis Byzans keine griechische Stadt befindet.

[59] Über die Stadt Amastris (heute Amasra), ursprüngliche Sesamos, schreibt Pseudo-Skymnos F 29: „In späteren Zeiten aber kam aus Ionien eine milesische Flotte und gründete diese Städte, die wiederum später Amastris zu Amastris vereinigte, indem sie in der Gegend eine Stadt gründete, die ihren eigenen Namen trug.“ Die Nichte Dareios’ III. Amastris war die Herrscherin von Herakleia im 4. Jhr. v. Chr.; Korenjak S. 114; Saprykin S. 87; Diodoros 20, 109.

[60] Strabon XII 3, 26.

[61] Müller (S. 219) schreibt, dass Sinope wahrscheinlich an der Stelle einer hethitischen Vorgängersiedlung (Sinova?) gegründet wurde.

[62] Müller S. 219.

[63] Herodot I 6: „Denn der Zug der Kimmerier, der einst bis Ionien vordrang, noch vor den Zeiten des Kroisos, unterjochte die Städte nicht, sondern plünderte sie nur im Vorüberziehen aus.“ Herodot IV 12: „Die Kimmerier nämlich zogen immer am Ufer des Pontos entlang, während die Skythen sich links vom Kaukasos hielten, bis sie nach Medien kamen.“

[64] Bürchner S. 63.

[65] Marek S. 19.

[66] Pharnakia, die Stiftung Pharnakes’ I., wurde an der Stelle von Kerasus gegründet und aus Kotyoran angesiedelt.

[67] Im Westen gehörte vielleicht Abonuteichos dazu, Marek S. 19; Über das zweite Kerasus und Hermonassa schreibt Strabon XII 3, 17 zwei unbedeutende Wohnorte.

[68] Strabon XII 3, 11: „Dann Sinope selbst, fünfzig Stadien von Armene, die beträchtlichste der dortigen Städte, von Milesiern erbaut.“ Strabon XII 3, 11: „Späterhin haben die Milesier, als sie die günstige Lage und die Schwäche der Bewohner erkannten, den Ort sich angeeignet und Ansiedler hingesandt.“ Diodoros XIV 31, 2: „Sinope war eine Kolonie der Milesier und besaß dank seiner Lage in Paphlagonien das höchste Ansehen unter den Städten dieser Gegenden.“

[69] Olshausen, Einführung, S. 175.

[70] Korenjak S. 114; Bean S. 21.

[71] Bean S. 21.

[72] Olshausen, Einführung, S. 175; Der Staat Urartu entstand gegen Ende des 2. Jahrt. v. Chr. aus einer Zahl von Kleinstaaten, die die Assyrer Nairi-Länder nannten, Bossert S. 87.

[73] Olshausen, Einführung, S. 176.

[74] Was die Einwanderung der Skythen an die Pontosküsten veranlasst hatte, überliefert Aristeas in einem epischen Gedicht, Herodot IV 13ff.; Aristeas aus Prokonnesos (eine Insel im Marmara Meer, heute Marmara Adası) ist der Autor der Arimaspeia, eines bis auf einige Fragmente nicht mehr erhaltenen Gedichtes. In der Arimaspeia wird die skythische Wandersage wiedergegeben, Haussig, Anm. 14 zu Herodot IV 13, S. 685.

[75] Herodot I 6, I 15 und IV 11; Strabon XI 2, 5; Die Angaben Herodots werden durch die akkadischen Keilschrifturkunden, die den Namen der Kimmerier in der Form Gimirrai überliefern, bestätigt; Haussig, Anm. 11 zu Herodot I 6, S. 634; Über die Herkunft der Skythen zu lesen Haussig, Anm. 10 zu Herodot IV 11, S. 684; Bürchner S. 26.

[76] Herodot IV 13: „Zuerst seien von den Arimaspen die Issedonen aus ihrem Lande vertrieben worden, dann von den Issedonen die Skythen, dann, von Skythen gedrängt, hätten die Kimmerier ihr Land am Südmeer verlassen müssen.“

[77] Olshausen, Einführung, S. 175 u. 176; Bossert S. 87 u. S. 93; Herodot I 6 u. IV 12.

[78] Olshausen, Einführung, S. 175 u. 176; Bossert S. 87.

[79] Olshausen, Einführung, S. 176.

[80] Olshausen, Einführung, S. 176

[81] Olshausen, Einführung, S. 176

[82] Herodot I 14, I 15 und I 17.

[83] Herodot I 14.

[84] Bürchner S. 11; Kerasus-Pharnakeia (heute Giresun) war nicht ähnlich angelegt, wie Bürchner angibt, die Lage ist höchstens an einer Meeresbucht.

[85] Ehrhardt (S. 58) verfasst irrtümlicherweise, dass Amisos wie viele andere Gründungen ebenfalls auf einer Halbinsel angelegt war.

[86] Ehrhardt, Text, S. 96.

[87] Ehrhardt, Text, S. 96.

[88] Ehrhardt, Text, S. 12.

[89] Summerer S. 22.

[90] Summerer S. 22; Nolle S. 157.

[91] Ehrhardt S. 59.

[92] z. B. Weimert S. 115: „Amisos wurde vermutlich um die Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. von Phokaia oder Milet gegründet.“

[93] Summerer S. 22 mit Anm. 58.

[94] Plinius nat. hist. VI II 7; Wo die kürzeste Vebindung zu Kilikien im Südkleinasien ist, Strabon XIV 4, 11 u. XIV 4, 22.

[95] Herodot I 5.

[96] Müller S. 201.

[97] Herodot IV 86: „Und vom Gebiet der Sinder bis nach Themiskyra am Flusse Thermodon – das ist die größte Breitenausdehnung des Pontos – fährt man drei Tage und zwei Nächte.“

[98] Herodot I 76: „Pteria ist der stärkste Platz dieses Landstrichs und liegt gegen die Stadt Sinope hin, die zum großen Teil in den Pontos Euxeinos hineingebaut ist.“ Herodot II 34: „Ägypten aber liegt dem kilikischen Gebirge ungefähr gerade gegenüber; und von da kann ein rüstiger Wanderer auf geradem Wege in fünf Tagen nach Sinope am Pontos Euxeinos gelangen. Sinope aber liegt der Istrosmündung gegenüber.“

[99] Herodot erwähnt zwar eine Stadt mit dem Namen Trapezus, aber eben diejenige, die im Südteil Arkadiens in der Nähe des Oberlaufs des Alpheios bei dem heutigen Kloster St. Anastasio zu finden ist, Haussig, Anm. 181 zu Herodot VI 127, S. 720.

[100] An dieser Stelle fällt der Name des Königs, Groskurd, Anm. 2 zu Strabon XII 3, 14, S. 471; Die Lücke in diesem Text, nach der die kappadokische Herrschaft folgt, wird bei der modernen Literatur vermutungsweise mit der zweiten Gründung gefüllt, Nolle S. 158.

[101] Summerer (S. 22 mit Anm. 66) und Nolle (S. 158) übersetzen nicht als „dem“ sondern „den“.

[102] Hoben, Einleitungsseite 3.

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Titel: Amisos bis zur römischen Eroberung 71 v. Chr.