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Wie hat sich die Frauenbeschäftigung im deutschen öffentlichen Dienst seit 1990 entwickelt, und kann man heute von einer Gleichstellung der Geschlechter sprechen?

Hausarbeit 2009 19 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorüberlegungen und gesellschaftlicher Kontext

3. Die Entwicklung der Frauenbeschäftigung im dt. öffentlichen Dienst seit 1990 - Differenzierung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden

4. Differenzierung hinsichtlich der Statusgruppen - Beamtinnen, Angestellte und Arbeiterinnen im deutschen öffentlichen Dienst

5. Unterschiede bezüglich der Karrieregruppen

6. Teilzeitbeschäftigung von Frauen im öffentlichen Dienst

7. Problemanalyse
7.1 Das Beamtentum
7.2 Konzentration auf bestimmte Beschäftigungsfelder
7.3 Diskriminierungen, die nicht unmittelbar mit dem öffentlichen Dienst in Verbindung stehen

8. Maßnahmen zur Gleichbehandlung und Frauenförderung

9. Abschließende Betrachtung

1. Einleitung

Das Thema der Geschlechtergleichheit bzw. -Ungleichheit im Berufsleben ist gerade in Deutschland nach wie vor höchst aktuell. Dabei steht nicht nur die von der Europäischen Union vorgegebene Entgeltgleichheit von Frauen und Männern im Blickpunkt, die faktisch in vielen Bereichen noch nicht erreicht ist, sondern auch, in welchen Berufen Frauen tätig sind, sprich wie hoch der Anteil der Frauenbeschäftigung in verschiedenen Sektoren ist. Der Fokus dieser Ausarbeitung soll dabei auf dem öffentlichen Dienst in Deutschland liegen. In diesem Zusammenhang gilt es zu untersuchen, welche Entwicklungen dort hinsichtlich der Erwerbstätigkeit von Frauen in den letzten 20 Jahren erkennbar sind. Dabei soll auf der einen Seite analysiert werden, wie das Verhältnis von männlichen und weiblichen Arbeitnehmern bei Beamten, Angestellten und Arbeitern ist, um dann eine Aussage darüber treffen zu können, in welchen Berufsfeldern des öffentlichen Dienstes Frauen vermehrt tätig sind und in welchen nicht. Auf der anderen Seite soll jedoch auch begutachtet werden, worin die Unterschiede im Bereich der Frauenbeschäftigung beim Bund, bei den Ländern und den Kommunen bestehen. Zudem wird es darum gehen, verschiedene Maßnahmen und Regelungen vorzustellen, deren Ziel es war, die Situation die Frauen im öffentlichen Dienst zu verbessern und deren Anteil an der Gesamtbeschäftigung zu erhöhen. Dem gegenüber müssen aber auch solche Veränderungen aufgezeigt werden, die, wenn vielleicht auch ungewollt, einen negativen Einfluss auf die Frauenerwerbstätigkeit haben. Alles in allem soll also der Frage nachgegangen werden, welche Rolle der öffentliche Dienst in Deutschland im Kontext der Gleichbehandlung von Frauen und Männern hinsichtlich der Beschäftigung spielt und ob er in diesem Bereich sogar eine Vorreiterrolle einnimmt und als Positivbeispiel für die Privatwirtschaft fungieren kann.

2. Vorüberlegungen und gesellschaftlicher Kontext

Bevor im weiteren Verlauf auf die Frauenerwerbstätigkeit im öffentlichen Dienst eingegangen wird, soll an dieser Stelle auf den gesellschaftlichen Kontext eingegangen werden, denn um das Geschlechterverhältnis und die Position der Arbeitnehmerinnen im öffentlichen Sektor einordnen und bewerten zu können, muss auch deren allgemeine Situation innerhalb des deutschen Arbeitsmarktes begutachtet werden. So gilt es als unbestritten, dass lange Zeit ein allgemein gültig geltendes Merkmal des deutschen Wohlfahrtsstaates darin bestand, dass den Männern die Rolle des „Familienernährers“ zukam und dass die Vorstellung dass „ die Familienarbeit die Hauptaufgabe der Frau ist, hinter der ihre Berufsrolle zurückzutreten hätte “ in der Öffentlichkeit weit verbreitet war (Langkau-Herrmann u.a., S. 13). Dieser Umstand lässt sich auch daran ablesen, dass z.B. im Zuge der gesetzlichen Krankenversicherung Frauen (und Kinder) männlicher Arbeitnehmer auch heute noch automatisch mitversichert sind.

Langkau-Herrmann u.a. machen in diesem Zusammenhang deutlich, dass in der wissenschaftlichen Diskussion bezüglich des Arbeitsmarktes in Deutschland Frauen zu Beginn der 90er Jahre als „Problemgruppe“ und „Opfer“ beschrieben werden und dass zu diesem Zeitpunkt das Recht auf Arbeit für sie auf keinen Fall uneingeschränkt galt (vgl. ebd.). Im Jahr 1990 waren beispielsweise lediglich 58,5% der Frauen in den alten Bundesländern erwerbstätig, wobei die Quote bis 2006 auf 68,4% in gesamt Deutschland anstieg (vgl. Anhang, Tabelle 1). Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass auch der Anteil der Frauen, die in Teilzeitbeschäftigung arbeiten, in dem gleichen Maße kontinuierlich zugenommen hat und 2004 bei fast schon 50% lag (vgl. Anhang, Tabelle 2). Dies macht deutlich, dass sich die gesamtgesellschaftliche Frauenerwerbsquote zwar stetig erhöht hat, es sich dabei aber zu einem großen Teil um Teilzeittätigkeiten handelt. Zudem heben Langkau-Herrmann u.a. hervor, dass Frauen Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre „ mehrheitlich in den unteren Rängen der betrieblichen Hierarchie “ tätig waren (vgl. Langkau-Herrmann u.a., S. 15). Im weiteren Verlauf dieser Ausarbeitung soll daher geklärt werden, ob sich die Frauenbeschäftigung im öffentlichen Dienst ähnlich entwickelt hat, oder ob sich dort andere Tendenzen abzeichnen lassen. In diesem Zusammenhang soll dann auch detailliert untersucht werden, welche Tätigkeiten von Frauen ausgeübt werden und inwiefern sich die These aufrecht erhalten lässt, dass es sich dabei in erster Linie um solche mit niedrigen Qualifizierungsanforderungen, Verantwortungsbereichen und Entlohungen handelt.

3. Die Entwicklung der Frauenbeschäftigung im dt. öffentlichen Dienst seit 1990 - Differenzierung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden

In diesem Teil soll es darum gehen, die Veränderung hinsichtlich des Anteils der Frauen an der Gesamtbeschäftigung innerhalb des öffentlichen Dienstes aufzuzeigen. Dabei werden in einem ersten Schritt zunächst die verschiedenen Ebenen betrachtet, sprich Bund, Ländern und Kommunen, um dann im weiteren Verlauf die Unterschiede im Bezug auf die Statusgruppen, also Beamte, Angestellte und Arbeiter deutlich zu machen.

Bevor die Entwicklung der Frauenerwerbstätigkeit bei Bund, Ländern und Gemeinden dargestellt wird, soll der Fokus auf deren absoluten Anteil an der Gesamtbeschäftigung des öffentlichen Dienstes in Deutschland liegen. Dieser lag im Jahr 1990 bei vergleichsweise geringen 42,3%, stieg dann aber 1991 um fast 6% auf dann 48% (vgl. Derlien u.a., S. 61). In diesem Kontext muss jedoch auch berücksichtigt werden, dass der öffentliche Sektor in Deutschland im Zuge der Wiedervereinigung entsprechend wuchs, nämlich von 4,412 Mio. Arbeitnehmern im Jahr 1990 auf 6,155 Mio. im darauf folgenden (vgl. ebd.). Nichts desto trotz macht es den Eindruck, dass es gerade die Frauen waren, die von dieser Expansion profitieren konnten. Dieser Eindruck scheint sich auch dadurch zu verfestigen, dass zwischen 1991 und 2002 der Anteil der beschäftigten Frau im öffentlichen Dienst stetig, wenn auch in geringem Maße, zunahm (von 48% auf 52,2%), obwohl dem gegenüber die Anzahl der Arbeitnehmer insgesamt, in erster Linie aufgrund von Privatisierungen, kontinuierlich und erheblich zurückging (von 6,155 Mio. 1991 auf nur noch 4,035 Mio. 2002). Betrachtet man also nur diese Zahlen für sich genommen, lässt sich eine prozentuale Ausweitung der Frauenbeschäftigung im öffentlichen Dienst konstatieren, so dass seit dem Jahr 1995 sogar mehr Frauen als Männer in diesem Bereich beschäftig sind (vgl. ebd.). Geht man jedoch etwas weiter ins Detail und differenziert zwischen den Ebenen Bund, Länder und Gemeinden, so ergibt sich ein etwas anderes Bild. Denn gerade beim Bund als Arbeitgeber spielen Frauen eine vergleichsweise geringe Rolle. Ihr Anteil ist zwar zwischen 1990 und 2002 (inklusive eines drastischen Rückgangs von 1994 auf 1995) von 27,3% auf 33,8% gestiegen, vergleicht man diesen aber mit den Beschäftigungszahlen insgesamt, so sind weibliche Beschäftigte auf dieser Ebene deutlich unterrepräsentiert (vgl. ebd.). Der Bund beschäftigt also gerade einmal zu einem Drittel Arbeitnehmerinnen, dem entsprechend kann man auf dieser Ebene im Gegensatz zur Gesamtbeschäftigung im öffentlichen Sektor nicht von einer Gleichstellung der Geschlechter sprechen. Die Ursachen für dieses Ungleichverhältnis werden zu einem späteren Zeitpunkt noch genauer ergründet.

Zunächst sollen die Zahlen für Länder und Kommunen vorgestellt werden. Der Anteil der Arbeitnehmerinnen bei den Ländern hat sich nahezu identisch wie die Gesamtzahl der weiblichen Beschäftigten im öffentlichen Dienst entwickelt. Er ist von 43,7% im Jahr 1990 auf 51,1% 2002 angestiegen (vgl. ebd.). Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die absoluten Zahlen, denn von den insgesamt 4,035 Mio. erwerbstätigen Frauen im öffentlichen Sektor arbeiteten 2002 2,156 Mio. bei den Bundesländern, aber nur 305100 beim Bund. Ein Haupterklärungsgrund dafür dürfte darin liegen, dass die Bildung im Aufgabenbereich der Länder angesiedelt ist und dort besonders viele Frauen beschäftigt sind.

Die Zahlen der Kommunen geben wiederum ein anderes Bild ab. Denn dort waren bereits 1990 52,5% der Beschäftigten Frauen (vgl. ebd.). Auch auf dieser Ebene fand in Folge dessen der große Sprung hin zum Jahr 1991 statt (um 7,3% auf dann 59,8%) und der Anteil pendelte sich daraufhin auf einem ziemlich konstanten Niveau von ca. 59% ein. Das bedeutet also, dass die Frauenerwerbstätigkeit bei den Gemeinden, gerade im Vergleich zu den anderen Ebenen, relativ hoch ist. Ob es dort besondere Maßnahmen zur Frauenförderung gab oder andere Ursachen ausschlaggebend für diesen hohen Anteil sind, soll im weiteren Verlauf noch genauer analysiert werden. Für die verschiedenen Ebenen von Bund, Ländern und Gemeinden lässt sich nun insgesamt festhalten, dass es zwischen diesen zum Teil gravierende Unterschiede hinsichtlich der Frauenbeschäftigung gibt und dass diese gerade beim Bund besonders gering ist.

4. Differenzierung hinsichtlich der Statusgruppen - Beamtinnen, Angestellte und Arbeiterinnen im deutschen öffentlichen Dienst

Nachdem zuvor die Unterschiede hinsichtlich der verschiedenen Ebenen des deutschen öffentlichen Dienstes aufgezeigt wurden, soll nun in einem nächsten Schritt untersucht werden, wie hoch der Anteil der Frauenbeschäftigung in den drei Statusgruppen des Beamtentums, der Angestellten und der Arbeiter ist.

Im Jahr 1990 waren gerade einmal 28,3% der Beamten in Deutschland weiblich (vgl. Derlien u.a., S. 63). Dieser doch sehr geringe Anteil erhöhte sich jedoch stetig und kletterte bis 2002 auf 39,8%. Nichts desto trotz war die Zahl der Beamtinnen zu diesem Zeitpunkt noch deutlich unter der 50%-Grenze. Warum Frauen innerhalb des Beamtentums unterrepräsentiert sind, wird im Zuge der Erklärungsansätze noch erörtert. Bei den Angestellten des öffentlichen Dienstes stellt sich die Situation wiederum entgegengesetzt dar. Dort sind seit 1963 weibliche Beschäftigte in der Mehrzahl. Ihr Anteil betrug 1990 schon 62,7% und pendelte sich dann ab 1994 bei immer knapp über 68% ein, das heißt auch 2002 waren knapp mehr als zwei Drittel der Angestellten im deutschen öffentlichen Dienst Frauen (vgl. ebd.).

Bei der dritten Gruppe, den Arbeiterinnen, zeichnet sich ein anderes Bild ab. Waren noch 1990 35,7% aller Beschäftigten im Bereich der Arbeiter Frauen, so stieg dieser Wert bis 1994 auf seinen Höchststand von 41,9%, ehe er bis 2002 kontinuierlich auf dann nur noch 35,3% sank (vgl. ebd.). Der Anteil der Frauen innerhalb der Statusgruppe der Arbeiter war also trotz des bereits geringen Niveaus weiter rückläufig.

Im Bezug auf die Differenzierung der Frauenbeschäftigung hinsichtlich des Status der Beamtinnen, Angestellten und Arbeiterinnen lässt sich abschließend festhalten, dass es große Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen gibt und dass Frauen weniger häufig verbeamtet werden als Männern, während der Großteil der Angestellten im öffentlichen Sektor weiblich ist.

5. Unterschiede bezüglich der Karrieregruppen

Ein Aspekt, der eng mit den Differenzen hinsichtlich der Frauenbeschäftigung auf den drei Ebenen Bund, Länder und Gemeinden und den Statusgruppen zusammenhängt, ist der der verschiedenen Karrieregruppen, sprich gehobener Dienst, mittlerer Dienst und einfacher Dienst. In dieser Kategorie sieht es so aus, dass Frauen auf der gehobenen Stufe mit 36,5% im Jahr 2002 nur unzureichend vertreten sind und ihr Anteil beim mittleren und einfachen Dienst dem gegenüber zum selben Zeitpunkt mit 64,7% sehr hoch ist (vgl. Derlien u.a., S. 65). Es lässt sich also eine klare Ungleichverteilung zwischen den Karrieregruppen festmachen, wobei gerade auf der höchsten Stufe ein Mangel an weiblichen Arbeitskräften herrscht. Positiv bewerten muss man jedoch, dass die Frauenbeschäftigung im gehobenen Dienst seit 1990 um über 11% gestiegen ist (vgl. ebd.). Trotzdem deckt sich dieser Befund mit der Beobachtung, dass Frauen auch innerhalb der Beamtenlaufbahn unterrepräsentiert sind. Ihnen sind also größtenteils Beschäftigungsverhältnisse im mittleren und einfachen Dienst vorbehalten.

6. Teilzeitbeschäftigung von Frauen im öffentlichen Dienst

In diesem Abschnitt soll untersucht werden, wie hoch der Anteil der Frauen ist, die in Teilzeit tätig sind.

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Details

Seiten
19
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656282136
ISBN (Buch)
9783656282181
Dateigröße
583 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202102
Institution / Hochschule
Universität Bremen – Zentrum für Sozialpolitik
Note
Schlagworte
Öffentliche Beschäftigung Frauenbeschäftigung Geschlechtergleichheit

Autor

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