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Faktische Medialität? Faktizität, Authentizität und der Wert der Wahrheit

Essay 2012 16 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Einleitung Authentizität: medial vs. personal
1.2 Einleitung Authentizität: Tugend?

2. Hauptteil
2.1 Williams Auffassung von Authentizität
2.2 Heideggers Auffassung von Authentizität
2.3 Der Wert der Wahrheit αλήθεια und αυθεντικός

3. Schlussteil
3.1 Zusammenfassung
3.2 Literatur

l.Einleitung - Authentizität: medial vs. personal

»Ich find' den recht authentisch!«

Haben Sie so eine Aussage schon einmal gehört? Fakt ist, dass man solche Aussagen öfters hört. Dabei wird das Attribut „authentisch“ einer Person zugeschrieben. Eine Person, die besonders „glaubhaft“ ist; natürlich „rüberkommt“: „ Authentizität ist stets von Dritten zugebilligt womit sich gerade der Begriff des Authentischen als widersprüchlich entlarvt: Was echt ist, liegt im Auge des Betrachters.“1

Aber was ist das für eine Person? Ist dies eine Person, die eine soziale, im faktischen Leben vorkommende Person ist oder ist es eine aus einer gerade angelaufenen, neuen Fernsehsendung? „Personale Authentizität“ ist die Verwendung, die man bei Williams findet. Eine zusammengesetzter Begriff, den man in der Psychologie, Soziologie, als auch Verhaltensforschung verwendet. Die Zuschreibung ist faktisch, aber eine Person an sich kann nicht authentisch sein. Dennoch ergibt es Sinn diese faktische Zuschreibung zu konstituieren. Authentizität ist ein moderner und erfundener Begriff - was auch Williams wichtig ist, hervorzuheben - der in der Literaturwissenschaft schon seit längerer Zeit immer wieder Debatten anfacht. 21 Grams2- ein hochgehandeltes Kunstwerk - von Alejandro González Iñárritu, ist da z.B. ein oft genanntes Werk, welches als besonders authentisch gilt. Was ist damit gemeint? Ist der Film an sich authentisch oder sind es vielmehr die Figuren, dir durch ihr Spiel und Zusammenspiel eine authentische, also besonders realistische Wirkung erzielen? Auch Originalität wird oft in dieser Debatte genannt. War das Drehbuch also originell im Vergleich zu anderen Verfilmungen? Eine Originalität, die in Extremen gehen kann, wie z.B. Le Neveu de Rameau (Rameaus Neffe), der als literarische Figur wichtig für Williams Auslegung ist. Die Diskussion ist also doch schon eine längere. Doch gerade die Kunst der 70er3diskutiert diesen Begriff besonders - was man wohl Heidegger und Adorno verdanken kann. Spätestens aber in den letzten Jahren, was das Format Fernsehsendung angeht, was man im Volksmund allgemein „Assi-Tv“4nennt, gilt der Leitsatz: «Ist das „geskriptet“ oder sind die wirklich so?» 1.2 Einleitung - Authentizität: Tugend „(...) Ein solcher Mensch [ein authentischer] wird für uns erkennbar, fühlbar und einschätzbar. Das gibt uns Sicherheit und sorgt für angenehme Gefühle.“5

Im Meer der Wahrheit tummeln sich viele Tugenden: Verlässlichkeit, Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit, Genauigkeit und Aufrichtigkeit sind da nur einige Beispiele. Letzteres ist dabei ein für unser Thema sehr wichtiges, da es seit der Erfindung des Bergriffes der Authentizität unabdingbar erscheint: „Denn Authentizität beruht auf der moralischen Klausel der Aufrichtigkeit. Der Schwerpunkt verlagert sich seither von der Schrift auf die Aussage, vom Text unmittelbar auf die Subjekte, die als authentisch erscheinen, sobald ihre Äußerungen für glaubhaft, echt und wahr gelten.“6

Williams plädiert für den intrinsischen Wert der Wahrheit, in seiner letzten Publikation Truth and Truhtfulness7. Dabei geht er auch auf den Wert der Aufrichtigkeit als Tugend der Wahrheiten ein. Doch hinzukommend und erschwerend ist der Kontext des Begriffes der Authentizität - sein genaueres Anwendungsgebiet. Originalität erfordert also aus einer anderen Perspektive ein Mindestmaß an Stetigkeit, Stärkung, Konsequenz und Kontinuierlichkeit, um im Miteinander Verlässlichkeit und Sicherheit zu suggerieren: „Dabei geht es wohl nicht so sehr um die Suche nach dem wirklich originalen Original, dem ursprünglichsten Ursprung oder dem Natürlichsten, noch dem wahrsten innersten Kern einer Person, sondern eher um eine Art der Verlässlichkeit, eine Resonanz von eigener Wahrnehmung mit der Reflexion darüber.“8Literarische Figuren können „authentisch“, also glaubhaft sein, was als Prädikat sehr wertvoll im Sinne von besonders „realistisch“ gilt, weil solche Protagonisten komplex und ambivalent sind und sie so auch komplexe Probleme, wie z.B. politische, religiöse und ethische (besser) Verkörpern können. Und selbst Williams veranschaulicht seine Argumentation an literarischen Beispielen. Doch sein Interessengebiet ist eigentlich die Ethik, und hier die spezielle Thematisierung von Werten in Zusammenhang zur Ethik und des Zusammenlebens (auch dem Politischen). „Tausend Wege fuhren zum Irrtum, ein einziger zur Wahrheit.“ Rousseau ist da eher anderer Meinung. Doch was Williams meint, ist, dass wohl viele Wege zur Wahrhaftigkeit führen: eine Annäherung an die Wahrheit - vielmehr ein nietzscheanisches Festhalten an dem intrinsischen Wert der Wahrheit (aus möglichst vielen Perspektiven). Allerdings geht es Williams um Ethik und so letztlich um die personale Authentizität. Schließlich gilt Williams als wichtigster Ethiker des 21. Jahrhunderts. Und auch der Zusammenhang zwischen Ethik und Ästhetik ist längst gegeben - spätestens seit der Ästhetischen Erziehung. Letztlich geht es Williams auch um die Rekonstruktionen von politischen Akteuren (und somit auch um Handlungen) und um eine möglichst große Transparenz. Daher ist es verständlich, warum Begriffe wie personale Authentizität, auch als Werkzeuge im faktischen Leben Anwendung finden; und auch Heidegger Überlegungen zur Eigentlichkeit, die man als personale Authentizität begreifen kann, sind Teil seiner Daseinsanalyse und sollen daher vergleichend dazu betrachtet werden.

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1 http://www.webosoph.de/2011/07/Q8/authentizitat-yoE2%80%93-alles-auser-authentisch-betrachtung-eines- buzzwords/ (Stand: 07.08.2012 [17 Uhr 16]).

2 Alejandro González Iñárritu, 21 Grams, Paramount, USA, 2003.

3 Christoph Zeller, Ästhetik des Authentischen, De Gruyter, New York, 2010.

4 Ebd., S. 292f.

5 http://suitel01.de/article/authentisch-sein-authentizitat-mut-zur-wahrheit-a48482 Stand: 07.08.2012 [17 Uhr 31]).

6 Christoph Zeller, Ästhetik des Authentischen, De Gruyter, New York, 2010, S.6.

7 Bernard Williams, Truth and Truthfulness:An Essay in Genealogy, Taschenbuch, Princeton Univ Pr., 2004.

8 http://www.theaterforschung.de/rezension.php4?ID=977 (Stand: 07.08.2012 [17 Uhr 01]).

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