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Gründe von ausländischen Studierenden für ein medienwissenschaftliches Studium an der Universität Fribourg

Forschungsarbeit 2012 55 Seiten

Medien / Kommunikation - Forschung und Studien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Strukturationstheorie
2.2 Hochschulpolitische Konzepte der Internationalisierung
2.2.1 Hochschulen als Global Player - Zielwandel im Zeitalter der Globalisierung
2.2.2 Massnahmen zur Attraktivitätssteigerung von Hochschul(standorten)
2.3 Massnahmen zur Steigerung und Optimierung der Mobilität
2.3.1 Bologna- Reformprozess
2.3.2 ERASMUS

3. Situationsanalyse des Forschungsstandes

4. Hypothesen und Fragestellungen

5. Datenerhebung/ Operationalisierung
5.1 Fragebogenentwicklung
5.1.1 Die Programmfragen
5.1.2 Die Testfragen
5.1.3 Aufbau des Fragebogens und Reihenfolge der Fragen
5.2 Pretest des Fragebogens
5.3 Optimierung des Fragebogens
5.4 Stichprobenziehung – Durchführung der Befragung
5.5 Datenbereinigung/unbrauchbare Datensätze

6. Datenauswertung und Ergebnisse
6.1 Rücklaufquote
6.2 Analyse der Ergebnisse
6.2.1 Gründe für und Erwartungen an ein Auslandstudium
6.2.2 Argumente und Beweggründe für die Wahl der Universität Fribourg
6.2.3 Dauer des Aufenthaltes
6.2.4 Bewertung des Leistungsangebotes der Universität Fribourg
6.2.5 Bewertung des Fachbereiches Medien- und Kommunikationswissenschaften (MuKW)
6.2.6 Welche Bereicherung hat dir der Auslandaufenthalt gebracht?

7. Fazit

8. Kritische Würdigung

9. Literaturverzeichnis

10. Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Rekursivität von Struktur

Abb. 2 Kräftefeld der Steuerung der internationalen Mobilität im Hochschulwesen

Abb. 3 Nationalität der Studierenden

Abb. 4 Gründe für und Erwartungen an einen Auslandaufenthalt

Abb. 5 Wie bist du auf die Universität Fribourg aufmerksam geworden?

Abb. 6 Argumente und Beweggründe für die Wahl der Universität Fribourg

Abb. 7 Nutzung der Angebote zur Verbesserung der Sprachkenntnisse

Abb. 8 Geplante Semester an der Universität Fribourg

Abb. 9 Gründe für Wunsch nach Studienzeitverlängerung

Abb. 10 Beurteilung des Leistungsangebotes der Universität Fribourg

Abb. 11 Bewertung der Vorlesungen im Bereich MuKW

Abb. 12 Bewertung der Seminare und Wahlfächer im Bereich MuKW

Abb. 13 Welche Bereicherung hat dir der Auslandaufenthalt gebracht?

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Beweggründe für einen (universitären) Auslandaufenthalt gibt es unzählige, sie sind vielfältig und für jeden individuell unterschiedlich. Fachliche und persönliche Interessen spielen eine entscheidende Rolle bei dem Gang ins Ausland. Doch welche Erwartungen haben ausländische Studierende an einen universitären Auslandaufenthalt? Und aus welchen Gründen entscheiden sie sich für ihr medienwissenschaftliches Studium gerade für die Universität Fribourg?

Der vorliegende Forschungsarbeit liegt die Forschungsfrage zugrunde: „Weshalb und wie lange kommen ausländische Studierende für ein medienwissenschaftliches Studium an die Universität Freiburg?“ Die theoretischen Grundlagen werden ausführlich in Kap. 2 behandelt. Es wird deutlich, welche Wichtigkeit Auslanderfahrungen für die Karrierechancen der Studierenden zukommt im zunehmenden Globalisierungsprozess und in Zeiten des schnellen Wandels. Essentiell ist es auch für die mittlerweile als Global Player agierenden Hochschulen selbst, sich durch ein intelligentes Hochschulmarketing gut zu positionieren, um international konkurrenzfähig zu bleiben. Abgeleitet werden daraus Massnahmen zur Attraktivitätssteigerung der Universitäten. Die v.a. auf EU-politischer Ebene unternommenen Anstrengungen für eine Optimierung der studentischen Mobilität wird in Kap. 2.3 ausführlich behandelt. Beleuchtet werden in diesem Kontext die Fortschritte der Bologna-Strategie für eine Vereinheitlichung des Europäischen Hochschulraumes, sowie die Erfolgsgeschichte des Austauschprogrammes Erasmus.

In der in Kap. 3 thematisierten Situationsanalyse werden aufgrund zweier schriftlicher Arbeiten zu diesem Thema die Vorteile der Universität Fribourg aufgezeigt. Durch eigene Nachforschung werden die durch diverse Werbemittel der Universität propagierten Werbebotschaften und aufgezeigten Qualitätsmerkmale der Universität Fribourg auf die Bedürfniskonformität der ausländischen Studierenden überprüft.

Die zentralen Hypothesen und Fragestellungen werden in Kap. 4 vorgestellt, gefolgt vom empirischen Teil der Arbeit, dem eine Online-Befragung von ausländischen Medienstudierenden der Universität Fribourg (CH) zugrunde liegt. Der Beschrieb der Vorgehensweise zur Erstellung des Fragebogens und der Datenerhebung, resp. der Operationalisierung der Programmfragen in Testfragen wird in Kap. 5 erläutert. Erklärt werden ebenfalls der Aufbau des Fragebogens und die Reihenfolge der Fragen. Die Durchführung der Befragung, sowie die Datenbereinigung sind ebenso Bestandteile des 5. Kap. In nächsten Kap. werden die zentralen Untersuchungsergebnisse ausgewertet und bzgl. der Hypothese und Fragestellungen analysiert.

Abschliessend werden im Fazit die wichtigsten theoretischen Grundlagen und Analyseergebnisse nochmals kurz zusammengefasst. Einhergehend damit findet eine Reflexion über die Antworten auf die der Arbeit zugrunde liegenden Forschungsfrage statt, gefolgt von einer kritischen Würdigung der eigenen Leistung im Kap. 8.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Strukturationstheorie

Die Theorie der Strukturation vom Gesellschaftskritiker Anthony Gibbens stellt eine Metatheorie der Sozialwissenschaften dar. Giddens geht vom Grundgedanken aus, dass individuelles, menschliches Handeln weder vollkommen durch gesellschaftliche Strukturen determiniert und beherrscht wird, noch kann das Verhalten sozialer Individuen gänzlich frei von der Beeinflussung durch gesellschaftlichen Normen und Strukturen stattfinden (vgl. Jansen: 5). Daraus leitet Giddens seine handlungstheoretische Leitidee der Dualität der Struktur ab, die besagt, dass die Handelnden „in und durch ihre Handlungen […] die Bedingungen (Strukturen) reproduzieren, die ihr Handeln ermöglichen“ (Giddens 1988: 34). D.h., die sozialen Strukturen bieten die Grundlagen, aufgrund derer Individuen gesellschaftliches Handeln produzieren und reproduzieren, dessen Ergebnis wiederum Strukturen sind (vgl. Miebach: 378). Anders gesagt: Strukturen sind sowohl Grundlage als auch Ergebnis von sozialem Handeln und Interaktion, indem sie das Handeln einerseits einschränken, es aber gleichzeitig ermöglichen, woraus sich die erwähnte Dualität der Struktur ergibt (vgl. Miebach: 376). Es besteht also eine gegenseitige Wechselwirkung zwischen reflexiver Steuerung des Handelns durch Individuen und Struktur (vgl. Jansen: 6). Bezogen auf den Untersuchungsgegenstand kann hier also argumentiert werden, dass durch die zunehmende Anzahl Studierender, die einen Studienaufenthalt im Ausland absolvieren (= Handlung), die gesellschaftlichen, sozialen und ökonomischen Strukturen – wie bspw. Studienabkommen zwischen den Universitäten, bestehende Infrastrukturen an den Studienorten oder das Studien- und Sprachlernangebote an der Gastuniversität – gleichzeitig produziert und reproduziert werden. Diese bereits bestehenden Strukturen ermöglichen einen universitäre Auslandaufenthalte überhaupt erst, begrenzen aber gleichzeitig die Wahl, den Ablauf und die Art des Auslandaufenthaltes von Studierenden. Strukturen sind Verfestigungen organisierter, sozialer Regeln und Ressourcen, die die interaktive Beziehungen stabilisieren und daher zur Produktion und Reproduktion sozialen Handelns und der Aufrechterhaltung eines strukturierten sozialen Systems beitragen (vgl. Jansen: 11/13). Strukturen sind also kein stabiler Zustand, sondern ein Prozess, der ständig wieder modifiziert und verändert werden kann (vgl. Ingenhoff 2011: 8). Ebenso verändert sich u.a. das Bildungsangebot einzelner Universitäten wie auch die Zusammenarbeit zwischen den Universitäten verschiedener Länder aufgrund der zunehmenden Auslandstudierenden. In diesem Kontext erwähnenswert ist auch, dass erst durch die Bologna- Reform eine annähernde Vereinfachung und Vereinheitlichung des globalen akademischen Hochschulraumes eingesetzt hat. Daraus entstanden Strukturen, die für die Schaffung von Austauschprogrammen als Grundlage für die Studierendenmobilität entscheidend waren.

Abb. 1 Rekursivität von Struktur

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Ingenhoff 2011: 7)

Gemäss Giddens ist Handeln ein „rekursiver (sich selbst reproduzierender) Prozess (ist), mit dem Akteure soziale Strukturen und Motivkonstellationen gleichzeitig verwirklichen und gestalten“ (Miebach: 380). Infolgedessen kann daraus abgeleitet werden, dass Menschen als bewusst handelnde Individuen – in diesem Falle Studierende - durch intendierte und zweckbewusste Handlungen wie bspw. einem universitären Auslandaufenthalt, in den Verlauf ihres Lebens eingreifen können mit der Ziel, bestimmte Ergebnisse und Wirkungen bei sich selbst und ihren Mitmenschen zu erzielen, die ohne Handeln nicht eingetreten wären. Jede gewählte Handlungsalternative hat jedoch im sozialen Kontext neben den beabsichtigen Ergebnissen auch unbeabsichtigte Handlungsfolgen. Dies ist z.B. der Fall, wenn intentional ausgeführte, individuelle Aktivitäten im Aggregat zu einer unerwarteten sozialen Struktur führen (vgl. Miebach: 380-381). Im Kontext des Untersuchungsgegenstandes können hier als intendierte Ziele von Auslandstudierenden die Vermehrung der persönlichen Ressourcen, resp. Fähigkeiten sozialer Akteure angeführt werden. Dazu gehört u.a. die Erlangung sprachlicher, interkultureller, beruflicher und sozialer Kompetenzen. Die steigende Anzahl an Auslandaufenthalten zu Studienzwecken dient aber nicht nur individuellen Zwecken, sondern hat gleichzeitig – von den Studierenden unbeabsichtigt - zur Folge, dass an Schweizer Universitäten z.B. vermehrt Lehrveranstaltungen in englischer Sprache angeboten werden und sich die Hochschulen zunehmend auf die Bedürfnisse internationaler Studenten ausrichten, um somit auch die Attraktivität des eigenen Bildungsangebotes im Ländervergleich zu erhöhen. Dadurch ergeben sich im Umkehrschluss auch immer mehr Gründe für Studierende, im Ausland zu studieren.

Durch diese Dualität der Struktur hat sich seit einigen Jahren auch der Stellenwert der Mobilität verändert; es gibt immer mehr länderübergreifende Forschungsprojekte und multinationale Unternehmen. Studierende haben ausgezeichnete Möglichkeiten, sich auf diese vernetzte Arbeitswelt vorzubereiten, u.a. auch durch einen Studienaufenthalt in einem Land, dessen Universitäten für ihre hohe Bildungsqualität bekannt sind. Horizonterweiterung und Auslanderfahrungen werden daher in persönlicher wie auch beruflicher Hinsicht immer wichtiger, da sie für ein Anstellungsverhältnis nach Beendigung des Studiums zunehmend als Grundvoraussetzung angesehen werden. Im persönlichen Lebenslauf stellt eine (universitäre) Auslanderfahrung also ggf. einen Vorteil gegenüber der beruflichen Konkurrenz dar.

2.2 Hochschulpolitische Konzepte der Internationalisierung

Der Aspekt der Internationalisierung durchdringt heute das gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben. Auch das internationale Hochschulwesen wird im Zuge der Globalisierung und der weltweiten Vernetzung tiefgreifend von dieser Entwicklung erschlossen und nimmt an Bedeutung zu. Die Universitäten sind einerseits von den internationalen Rahmenbedingungen sehr betroffen, andererseits jedoch sind sie selbst ein wichtiger Antriebsfaktor für die Internationalisierung entscheidender Gesellschaftsbereiche (vgl. Isserstedt/Schnitzer 2005: 4).

„Kaum irgendwo sonst ist der Austausch über Grenzen hinweg so rege und so selbstverständlich wie in der Wissenschaft. Die „scientific community“ ist eine „global community“ (…)“ (Isserstedt/Schnitzer 2005: III) . Die Universitäten haben den Auftrag, in der modernen, hochtechnisierten Welt des 21. Jahrhunderts die globale „Informations- und Wissensgesellschaft“ mitzugestalten (vgl. Isserstedt/Schnitzer 2005: 4). Durch die Internationalisierung der Hochschullandschaft wird der wissenschaftliche Erkenntnis- und Meinungsaustausch in den Bereichen Studium, Lehre und Forschung gefördert (vgl. Huber 2003: 104). Dies geschieht sowohl in virtueller als auch in physischer Form. Ersteres zeichnet sich dadurch aus, dass die Wissensproduktion in der Wissenschaft erst durch einen globalen Austausch von Erkenntnissen von Hochschulforschern ermöglicht wird (vgl. Isserstedt/Schnitzer 2005: 4). Interdisziplinäre Kooperation über Fachgrenzen hinweg ist für die Qualität der Wissenschaft heutzutage unumgänglich (vgl. Huber 2003: 103). Diese läuft hauptsächlich über digitale Kommunikationswege wie das Internet ab. Dadurch sind Forschung und Lehre, Studium und Lehrprogramme internationalisiert und ermöglichen sowohl des Lehrkörpers als auch den Studierenden Einblicke in andere Wissenskonzepte und Denkweisen, ohne dass diejenigen sich physisch über Landesgrenzen hinwegbewegen müssen. Gute Fremdsprachenkenntnisse, v.a. in der global verwendeten Wissenschaftssprache Englisch, sind eine Voraussetzung im Forschungsprozess bei dieser Form der Internationalisierung (vgl. Isserstedt/Schnitzer 2005: 4). Auch in Fribourg ist der Gebrauch von Englisch im Wissenschaftsbereich zusätzlich zu den beiden Landessprachen eine Selbstverständlichkeit (vgl. Universität Fribourg (o.J.)a: 9).

Der physischen Internationalisierung unterliegt das Konzept der grenzüberschreitenden Mobilität, sowohl in Form des Auslandsstudiums (Einheimische Studierende im Ausland = Outgoing) als auch des Ausländerstudiums (Ausländische Studierende im entsprechenden Gastland = Incoming). Das Ziel dabei ist es, Studienerfahrungen im kulturellen und akademischen Umfeld des Gastlandes zu sammeln, den eigenen Horizont in persönlicher, sozialer und bildungstechnischer Hinsicht zu erweitern und sich in einer fremden Umgebung zurecht zu finden (vgl. Isserstedt/Schnitzer 2005: 4).

2.2.1 Hochschulen als Global Player - Zielwandel im Zeitalter der Globalisierung

Grenzüberschreitende Mobilität von Hochschulangehörigen gibt es seit den Anfängen der Universitäten. Allerdings hat sich durch die Globalisierung der „Stellenwert und Kontext der Internationalisierung der Hochschulen (…) im Laufe der Jahrhunderte einschneidend verändert“ (Isserstedt/Schnitzer 2005: 4).

Der kontinuierliche technische Fortschritt, u.a. im Bereich von global überspannenden Informations- und Kommunikationstechnologien, die zunehmend weltweite Vernetzung von Wirtschaft, Politik und Kultur, die politischen Entscheidungen zur Liberalisierung des Welthandels und die mobile und flexible Einsatzfähigkeit von Fachkräften sind Kennzeichen des globalen Handelns. Als GLOBAL PLAYERS und inzwischen moderne Dienstleistungszentren müssen sich Universitäten aufgrund des Zusammenrückens von Wissenschaft und Wirtschaft diesen Globalisierungstendenzen in struktureller Hinsicht anpassen. Auch akademische Auslandaufenthalte von Studierenden sind von diesem Prozess und dem raschen Wandel der Rahmenbedingungen betroffen (vgl. Isserstedt/Schnitzer 2005: 4). Während die Internationalisierung und Mobilitätsprogramme der Hochschulen früher angetrieben wurden durch den Gedanken an humanitäre Ziele wie des akademischen Wissensaustausches sowie der Universität als reine Bildungsinstitution (vgl. Huber 2003: 98), stehen heute andere Motive im Vordergrund. Die internationale, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Sicherung des jeweiligen Wissenschafts- und Forschungsstandortes – in diesem Falle der Schweiz und der Universität Fribourg – ist zum Kernpunkt des Interesses geworden.

Abb. 2 Kräftefeld der Steuerung der internationalen Mobilität im Hochschulwesen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Isserstedt/Schnitzer 2005: 5).

Dies soll anhand des abgewandelten KräfteDreiecks von Burton Clark veranschaulicht werden. Die drei Eckpunkte im Kräftefeld der Steuerung - akademische Freiheit, Nation und Markt – demonstrieren den „Zielwandel in der Internationalisierung der Hochschulen auf der Akteurs-, Strategie- und Zweckebene“ (Isserstedt/Schnitzer 2005: 5).

Die akademische Autonomie der Universitäten auf der Akteursebene wird zunehmend von den marktwirtschaftlichen Gesetzmässigkeiten des globalen Wettbewerbes beeinflusst. Die Internationalisierung der Hochschulen ist nicht mehr nur ein willkommener Nebeneffekt, sondern ist entscheidend für die Sicherung ihrer wirtschaftlichen Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit (vgl. Isserstedt/Schnitzer 2005: 5). Universitäten stehen heute unter starkem Druck, nicht nur das allgemeine Bildungsideal zu vertreten, sondern im Vergleich mit anderen Hochschulen ihren Beitrag zum Mehrwert von Forschung und Lehre hervorzuheben . Um sich erfolgreich voneinander abzugrenzen und sich auf den internationalen Märkten zu positionieren, müssen die einzelnen Universitäten ein differenziertes, klares Angebots- und Forschungsprofil entwickeln sowie transparente Strukturen schaffen. Dies wird durch die zunehmende Professionalisierung des Hochschulmarketings gewährleistet, um die Qualität und Attraktivität des Studienstandortes im harten Wettbewerb der Hochschulen untereinander um öffentliche und private Gelder sowie Studierende und anerkannte Wissenschaftler aus aller Welt hervorzuheben. (14) Damit einhergehend werden Strategien zur Verhinderung von „Brain Drain“ und Förderung von „Brain Gain“ (Abwanderung und Zuwanderung wissenschaftlichen Potentials ins Ausland bzw. ins Gastland) entwickelt (vgl. Reichert/Tauch 2003: 7-15).

Diese stärkere Notwendigkeit, sich als Universität gezielt auf den Märkten zu positionieren und gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile zu erzielen, zieht ebenfalls Veränderungen auf internationaler und nationaler politischer Ebene mit sich. Die Globalisierung hat auch Einfluss auf die Europäisierung der Hochschulen genommen. Ein Beispiel dafür ist die bereits erwähnte Veränderung der Ziele der Mobilitätsprogramme, die zu Beginn vom Grundgedanken des wissenschaftlichen Begegnung und Austausches zwischen Mitgliedsstaaten ausgingen. Heute stehen sie jedoch durch bilaterale Kooperationen und wirtschaftspolitischer Massnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen der studienbezogenen Mobilität ganz im Kontext der Globalisierung (vgl. Isserstedt/Schnitzer 2005: 5). Diese Massnahmen wurden infolge der 1999 in Kraft getretenen Lissabon-Konvention[1] beschlossen (vgl. Reichert/Tauch 2003: 9). Das damit verbundene anspruchsvolle Ziel war es, Europa bis 2010 „zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum“ (Keller 2004: 24) zu machen. Die verstärkte Dominanz der wirtschaftlichen Ausrichtung der Hochschulen Europas macht sich u.a. in der finanziellen Unterstützungshilfe für Studierende und Forscher wie auch in der Erweiterung der Mobilitätsprogramme bemerkbar (bspw. Erasmus Mundus[2] ).

2.2.2 Massnahmen zur Attraktivitätssteigerung von Hochschul(standorten)

Aus dem eben vorgestellten Modell können auch Massnahmen für die Steigerung der Anziehungskraft von Hochschulen im eben betrachteten Kontext abgeleitet werden:

- Marktorientierung, Modernität und Innovationsfähigkeit der Hochschulforschung, wie auch wissenschaftstechnologische Leistungsfähigkeit, um eine hohe Effizienz zu gewährleisten
- Erstklassige Qualität und Zukunftsorientierung des Ausbildungs- und Weiterbildungsangebotes des akademischen Nachwuchses durch die Kompetenz eines exzellenten Lehrkörpers (vgl. Huber 2003: 100-101). An der Universität Fribourg betont man die Qualität der Vorlesungen und die Beschäftigung von anerkannten Experten (vgl. Universität Freiburg (o.J.)c )
- Universitäten sind auf grenzüberschreitende Partnerschaften und Zusammenarbeit aus zwei Gründen angewiesen: Einerseits um das Angebot von gemeinsamen Austausch- und Mobilitätsprogrammen zur Förderung von akademischen Auslandaufenthalten auszubauen. Auch Fribourg hat sich diesen Anforderungen angepasst und über 150 Austauschprogramme und 40 Vereinbarungen in Forschung und Lehre mit Universitäten weltweit getroffen (vgl. Universität Freiburg (o.J.)a: 12)
- Angenehme Studienbedingungen und Vielfalt von Studienangeboten für unterschiedliche und individuelle Ausbildungsbedürfnisse von Studierenden
- Die Lebensumstände an Hochschulstandorten sind für ausländische Studierende von entscheidender Wichtigkeit und ausschlaggebende Kriterien für die Attraktivität eines Studienlandes. Daher sind der studienspezifische Ausbau von sozialen Infrastrukturen (bspw. Informations- und Servicedienststellen) und interkulturellen Rahmenbedingungen für ausländische Studierende ausschlaggebende Erfolgsfaktoren (vgl. Isserstedt/Schnitzer 2005: III/6).

Fribourg bietet Studienbetreuung in Form von Beratungen in diversen Bereichen an, wie auch Informationen auf www.unifr.ch oder bei Uni-Info, den Studienberatern und bei den Dienststellen für internationale Beziehung. Ebenfalls existiert eine breite Palette an Freizeitaktivitäten sowie Treffpunkten für Studierende. Dies sind u.a. das umfangreiche Sportangebot, das „Centre Fries“, sowie speziell für Auslandsstudierende das Erasmus Student Network (ESN) (vgl. Universität Freiburg (o.J) b).

„Die nachfragenden ausländischen Bewerber profitieren vom Wettbewerb und den Attraktivitätsbemühungen, indem sie gezielter qualitative Auswahl sowohl hinsichtlich der Studienangebote als auch hinsichtlich der Rahmenbedingungen treffen“ (Isserstedt/Schnitzer 2005: 6) können.

2.3 Massnahmen zur Steigerung und Optimierung der Mobilität

Der Ausbau und die Förderung der Mobilitätsmöglichkeiten für Studierende und der Beseitigung der wichtigsten Mobilitätshemmnisse kommt eine bedeutende Rolle auf politischer Ebene der EU zu (vgl. Europäische Kommission 2010: 7). Sie sind ein wichtiger Bestandteil der wirtschaftlichen Wachstumsstrategie „Europa 2020“, die das Ziel einer „intelligenten, nachhaltigen und integrativen Wirtschaft für Europa“ (Europäische Kommission (o.J.)b) verfolgt. Das Programm löst die Lissabon-Konvention (2000-2010) ab, obwohl beide Strategien ähnliche Zielsetzungen beinhalten. Nachfolgend werden drei strukturpolitische Leitinitiativen und Förderungsprogramme der EU vorgestellt, deren Kernziel die Optimierung und Steigerung der internationalen Mobilität und ihrer Rahmenbedingungen im Hochschulbereich ist.

2.3.1 Bologna- Reformprozess

Ein grosser Fortschritt im Internationalisierungs- und Europäisierungsprozess und zugleich Erneuerungen der Rahmenbedingungen des Auslandsstudiums ergaben sich durch die 1999 eingeführten Bologna-Erklärung, die von Ministern aus 29 europäischen Staaten – inkl. der Schweiz – unterzeichnet wurde. Dadurch wurde die Umsetzung des nationalen Bildungsraumes zu einem einheitlichen Europäischen Hochschulraum (bis 2010) eingeleitet (vgl. Isserstedt/Kandulla 2010: 7).

Das Ziel der Bologna-Deklaration sind die Strukturierung und Vereinfachung des globalen akademischen Universums, indem vergleichbare Studienstrukturen - und Abschlüsse eingeführt werden, in erster Linie die Mobilität von Studierenden zu fördern. Dies soll mit verschiedenen Massnahmen erreicht werden: Die Durchsetzung eines zweistufigen Studienzyklus mit Bachelor- und Masterstudiengängen (vgl. BFS o.J.) und eines Leistungspunktesystems – dem sog. European Credit Transfer System ECTS, welches zu einer einheitlichen Anrechnung von Studienleistungen an jeder Universität in ganz Europa (auch in der Schweiz) verhelfen soll (vgl. Science.orf.at o.J.). Mit diesem Konzept sollen die Arbeitsmarktfähigkeit der Studierenden erhöht werden und die teilweise noch bestehenden Probleme mit der Anerkennung von im Ausland erbrachten Leistungen behoben und ein darauf zurückzuführenden Zeitverlust im Studium verhindert werden. Dadurch würden Hemmnisse für ein Auslandsstudium bei Studierenden abgebaut und die Mobilität gefördert (vgl. Isserstedt/Kandulla 2010: 66). Die Universität Fribourg hat als eine der ersten Schweizer Hochschulen die Bologna-Reformen umgesetzt (vgl. Universität Freiburg (o.J.)e).

Obwohl noch nicht alle Absichten des Bologna-Prozesses vollumfänglich erreicht wurden und sich daraus diverse Kritikpunkte ergaben (vgl. Isserstedt/Schnitzer 2005: 6), hat durch die Förderungspolitik die internationale Mobilität und Arbeitsmarktfähigkeit von Studierenden enorm zugenommen und sich verbessert, verschiedene Austauschprogramme (wie bspw. Erasmus) wurden salonfähig und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Hochschulen nahm durch dieses Universitätsmodell zu (vgl. Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung o.J.). Zusammenfassend ist also festzustellen: „Die Bologna-Erklärung stellt die weitreichendste Grundlage zur Harmonisierung des europäischen Hochschulwesens und damit der Förderung des Auslandsstudiums dar“ (Isserstedt/Schnitzer 2005: 7).

2.3.2 ERASMUS

Das bekannteste und weltweit erfolgreichste Austauschprogramm für Studierende ist ERASMUS, welches seit nunmehr 25 Jahren als Motor der europäischen Mobilität fungiert. Seit seiner Gründung haben beinahe drei Millionen Studierende diese Organisationsform am häufigsten für einen studienbezogenen Auslandaufenthalt genutzt (vgl. Europäische Kommission 2012). Mit Erasmus können Studierende einen drei bis 12 Monate langen akademischen Auslandaufenthalt an einer Universität eines europäischen Teilnehmerlandes absolvieren (vgl. Europa-Communiqués de presse Rapid 2012). An dritter Stelle der Länder, die am meisten Outgoing Erasmus-Studierende im Jahr 2009/10 entsandten steht Deutschland mit einer Anzahl von 24‘029 (vgl. Education and Culture DG 2001: 12).

Durch die internationalen Austauschmöglichkeiten hat Erasmus zur Entwicklung von äusserst qualifizierten, flexiblen und international mobilen Studierenden beigetragen (vgl. Europäische Kommission 2011: 5). „Von Erasmus geförderte Mobilität hat auch die Internationalisierung des Europäischen Hochschulraumes vorangebracht, zur Modernisierung (…) Qualitätsverbesserung des Hochschulsystems beigetragen und letztlich den Weg für den Bologna-Reformprozess geebnet“ (Europäische Kommission 2011: 3).

Seit Januar 2011 ist die Schweiz das 33. Teilnehmerland am ERASMUS-Programm. Die Universität Fribourg verzeichnete im Studienjahr 2009/10 insgesamt 137 Incoming Erasmus-Austauschstudierende (vgl. Crus.ch (o.J.)).

3. Situationsanalyse des Forschungsstandes

Aus welchen Gründen entscheiden sich Studieninteressierte für ein Studium an der Universität Fribourg und wie informieren sie sich über das Studienangebot? Diese auch dieser Forschungsarbeit zugrunde liegenden Fragen dienten bereits 2007 Floriane Hentsch und 2010 Tamara Traxler u.a. als Grundlage eines Forschungsauftrages der akademischen Direktion der Universität Fribourg. F. Hentsch führte eine Marktanalyse über die Motivation angehender Studierender für ein Studium in Fribourg für die Dienststelle für Studieninformation der Universität durch, anhand deren Ergebnisse ein neuer Kommunikationsplan für die Universität erstellt werden sollte (vgl. Hentsch 2007). T. Traxler untersuchte diese Fragestellungen im Rahmen ihrer Forschungsarbeit mit dem Titel „Beweggründe für ein Studium an der Universität Freiburg“ im Fachbereich Medien- und Kommunikationswissenschaften. Obwohl ihre Forschungsfrage sich auf die Zielgruppe von MaturandInnen bezog und nicht wie in dieser Arbeit spezifisch auf ausländische Studierende, kann davon ausgegangen werden, dass die Auswahlkriterien und Beweggründe für ein Studium an der Universität Fribourg sich bei beiden Zielgruppen im selben Rahmen bewegen.

Die Datenerhebung erfolgte in beiden Fällen mit Hilfe eines am deutschsprachigen Informationstag ausgeteilten Fragebogens an die Studieninteressierten. T. Traxlers Auswertung der Untersuchungsergebnisse unterstützt und ergänzt die Aussagen über die am häufigsten genannten Vorteile von universitären Studien in Fribourg aus F. Hentsch’s Analyse. Es zeigte sich, dass die zukünftigen Studierenden auch nach einem Zeitraum von drei Jahren immer noch dieselben Qualitätsmerkmale der Universität Fribourg als Beweggründe für den Studienstandort Fribourg ansehen: 94% schätzen in erster Linie die Zweisprachigkeit, gefolgt von der übersichtlichen Grösse (88%) der Universität Fribourg, der Möglichkeit, ein zweisprachiges Studium zu absolvieren (67%), dem guten Ruf (62%) und der angenehmen Studienatmosphäre (66%) (vgl. Traxler 2010: 18/23). Nach T. Traxlers Analyse der Werbemittel der Universität (Internetseite, Broschüre und Imagefilm) und der von ihnen vermittelten Werbebotschaften stellte sich heraus, dass die von den Studieninteressierten am meisten geschätzten Vorteile auch mit den in den Werbebotschaften hervorgehobenen Merkmalen der Universität Fribourg übereinstimmen.

Als am häufigsten verwendetes Informationsmittel über die Universität Fribourg stellte sich die Internetseite www.unifr.ch heraus, gefolgt von den Broschüren und dem Gespräch mit Studierenden (vgl. Traxler 2010: 22-23).

Im Folgenden soll nun bezogen auf die Thematik dieser Arbeit überprüft werden, ob für ausländische Medienstudierenden dieselben Eigenschaften der Universität Fribourg und ergänzend der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät (SES) ebenfalls als Beweggründe für einen Entscheid für den Studienstandort Fribourg gelten. Dafür wurden die Werbemittel der Universität Fribourg und die mit den Werbebotschaften vermittelten und hervorgehobenen Qualitätsmerkmale der Universität nochmals genauer betrachtet. Folgende Stärken der Universität Fribourg wurden dabei auf der Internetseite und in der Broschüre über die Universität angepriesen:

[...]


[1] Die Lissabon-Erklärung ist ein völkerrechtliches Übereinkommen über die Anerkennung von Qualifikationen im europäischen Hochschulbereich und wurde gemeinsam vom Europarat und der UNESCO ausgearbeitet. Ihr Ziel ist die Erleichterung von ausländischen Abschlüssen. Bisher haben 52 Staaten die Konvention ratifiziert. Weitere Instrumente zur Unterstützung der Forderungen des Lissabon-Vertrages sind die ENIC und NARIC (vgl. Enic-naric.net o.J.).

[2] „Das Programm Erasmus Mundus zielt auf die qualitative Verbesserung der Hochschulbildung durch Stipendien und wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Europa und der übrigen Welt.“ (Europäische Kommission (o.J.) a).

Details

Seiten
55
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656284420
ISBN (Buch)
9783656287575
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202044
Institution / Hochschule
Université de Fribourg - Universität Freiburg (Schweiz) – Departement für Medien- und Kommunikationswissenschaft
Note
4.75 (Schweizer Notensystem)
Schlagworte
Universität Fribourg Studium Medienwissenschaften Auslandsstudium universitärer Auslandaufenthalt ausländische Studierende Strukturationstheorie Internationalisierung Bologna Hochschule Pretest Fragebogen Rücklaufquote Auslandstudium Erwartungen an Auslandstudium Leistungsangebot Universität Fribourg Programmfragen Testfragen

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