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Königinnen des Films 2

Biografien berühmter Schauspielerinnen von Anna Magnani bis zu Mae West

Fachbuch 2012 445 Seiten

Kunst - Fotografie und Film

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

Anna Magnani Die „Urmutter des italienischen Films“

Giulietta Masina Die italienische Charakterdarstellerin

Melina Mercouri Der Star aus „Sonntags ... nie!“

Inge Meysel Deutschlands „Fernsehmutter der Nation“

Marilyn Monroe Amerikas größter Filmstar

Jeanne Moreau Die „Inkarnation französischer Weiblichkeit“

Pola Negri Der Stummfilmstar aus Polen

Asta Nielsen Deutschlands erster Filmstar

Mary Pickford „Amerikas Sweetheart“

Leni Riefenstahl Die meisterhafte Regisseurin und Fotografin

Julia Roberts Das Sexsymbol der 1990-er Jahre

Ginger Rogers Der steppende Hollywood-Star

Jane Russell Das frühe Busen-Sexsymbol

Margaret Rutherford Die beste Komödiantin Englands der 1960-er Jahre

Adele Sandrock Die komische Alte des deutschen Kinos

Romy Schneider Sie wollte nicht ewig „Sissi“ sein

Hanna Schygulla Der deutsche Weltstar

Simone Signoret Frankreichs Sex symbol der 1950-er Jahre

Meryl Streep Ein Star auf der Bühne, der Leinwand und dem Bildschirm

Gloria Swanson Die Mondäne auf der Leinwand

Elizabeth („Liz“) Taylor Die „Königin von Hollywood“

Shirley Temple Der Kinderstar der 1930-er Jahre

Lana Turner Das erste „Glamour-Girl“

Liv Ullmann Die große norwegische Schauspielerin

Grethe Weiser Die volkstümliche Schauspielerin

Mae West Die Komödiantin der Spitzenklasse

Literatur

Bildquellen 429 Der Autor

Bücher von Ernst Probst

Romy Schneider (1938-1982)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorwort

Erstaunliches über berühmte Schauspielerinnen aus aller Welt erfährt man in zwei Taschenbüchern über „Königinnen des Films“ des Wiesbadener Autors Ernst Probst, in denen er insgesamt 53 berühmte Schau- spielerinnen in Wort und Bild vorstellt. Die Kurz- biografien reichen von Lucille Ball, dem „weiblichen Charlie Chaplin“, bis zu Mae West, der Komödiantin der Spitzenklasse. Geschildert werden nicht nur die Höhen, sondern auch die Tiefen in der künstlerischen Karriere sowie im Privatleben dieser Stars auf der Kinoleinwand.

Brigitte Bardot („B.B.“) etwa war beim Blick in den Spiegel wegen ihrer Brille und ihrer vorstehenden Zähne weinerlich zumute. Drew Barrymore trat im Alter von elf Monaten bereits in einem Werbespot für Hundefutter auf, mit neun betrank sie sich erstmals bei einer Geburtstagsparty, mit zehn rauchte sie ihren ersten Joint und mit zwölf griff sie zu Kokain. Bette Davis ging in ihrem Leben immer den dornigen Weg. Greta Garbo galt anfangs als zu fett und wurde als „Bauernmädchen mit den großen Füßen“ verspottet. Hildegard Knef machte nicht nur als Schauspielerin und Schriftstellerin, sondern auch als „beste Sängerin ohne Stimme“ Karriere. Sophia Loren strafte einen Freund Lügen, der meinte, sie habe eine zu lange Nase, einen zu großen Mund, viel zu breite Hüften und müsse sich „total umbauen lassen“, wenn sie eine ernsthafte Schauspielerin werden wolle.

Marilyn Monroe trat auf der Kinoleinwand stets strahlend auf, im Privatleben dagegen war sie innerlich zerstört und unsicher. Der Vater von Leni Riefenstahl hielt Tanz und Schauspielerei für halbseiden und erklärte, er werde ausspucken, wenn er jemals den Namen seiner Tochter an einer Litfasssäule lesen sollte, was diese aber nicht abschreckte. Romy Schneider besaß ein vulkanisches Temperament, stand ständig unter Hochdruck, traf chaotische Entschlüsse, und ihre Gefühle kochten immer wieder siedend auf. Elizabeth („Liz“) Taylor beunruhigte bereits ab 13 mit ihrer Wespentaille und ihrem Prachtbusen die Männerwelt. Mae West sagt selbstbewusst über sich. „Es wird nie wieder einen Star wie mich geben“.

Der erste Band „Königinnen des Films 1“ enthält 27 Kurzbiografien von Lucille Ball bis zu Sophia Loren“. Der zweite Band „Königinnen des Films 2“ präsentiert 26 Kurzbiografien von Anna Magnani bis zu Mae West. Biografien berühmter Frauen sind eine Spezialität von Ernst Probst. Viele seiner mehr als 200 Bücher, Taschenbücher, Broschüren und E-Books befassen sich mit „Superfrauen“.

Anna Magnani (1908-1973),

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zeichnung von Marc Heiko Ulrich, Kunstzeichner.de

Anna Magnani

Die „Urmutter des italienischen Films“

Eine der talentiertesten Schauspielerinnen der Welt war die Künstlerin Anna Magnani (1908-1973), die man als „Urmutter des italienischen Films“ bezeichnete. Auf der Kinoleinwand brachte die 1,60 Meter große Künstlerin mit ihrem scharf geschnittenen Gesicht und ihren großen finsteren Augen perfekt sowohl die Bitterkeit als auch den Humor der Nachkriegszeit in Italien zum Ausdruck. Oft spielte sie einfache Frauen aus dem Volk, die um ihre Liebe, ihr Glück oder ihre Kinder leidenschaftlich kämpften.

Anna Magnani wurde am 7. März 1908 unehelich in Rom geboren - und nicht in Ägypten, wie es in einigen Biografien heißt. Sie erhielt den Familienamen ihrer jungen Mutter Marina Magnani, die als Näherin arbeitete. Ihren aus Kalabrien stammenden Vater, dessen Namen sie nicht wusste, sah sie nie, weil er verschwand, als sie einen Monat alt war.

Die Mutter ging 1911 als 18-Jährige alleine nach Alexandria in Ägypten, um dort zu arbeiten und Geld zu verdienen. Zurück ließ sie ihre dreijährige Tochter, die fortan von ihrer Großmutter mütterlicherseits erzogen wurde und in ärmlichen Verhältnissen im römischen Arbeiterviertel Trastevere aufwuchs. Erst im Alter von neun Jahren sah Anna ihre Mutter wieder, die angeblich in Ägypten einen wohlhabenden Österreicher geheiratet hatte.

1915 kam die siebenjährige Anna Magnani in ein von katholischen Nonnen geleitetes Internat in Trinita bei Monti. Dort lernte sie die französische Sprache und Klavierspielen. Sie war sehr musikalisch, hatte eine tiefe Singstimme und beherrschte irgendwann auch die Gitarre. 1923 wechselte sie auf ein Gymnasium.

1925 begann die 17-jährige Anna Magnani eine Aus- bildung an der „Accademia d’Arte Drammatica Eleo- nora Duse“ („Akademie der Dramatischen Künste“) in Rom. Diese Ausbildung finanzierte sie mit Auftrit- ten in Nachtlokalen, wo sie als Sängerin gepfefferte dialektgefärbte römische Gassenhauer - so genannte „stornélli“ - zum Besten gab. Bereits nach Ablauf der halben Ausbildungszeit verließ sie die Akademie und schloss sich Wanderbühnen an, bei denen sie auftrat. Zu ihrem Repertoire gehörten bald Komödien, Sing- spiele sowie Tragödien von der Klassik bis in die Mo- derne. Eine Tournee führte sie sogar bis nach Ar- gentinien in Südamerika.

Erstmals kurz auf der Kinoleinwand sah man Anna Magnani in dem Stummfilm „Scampolo“ („Die Mädchen der Straße“, 1928) von Augusto Genina (1892- 1957). Allerdings wurde ihre kleine Rolle nicht im Abspann dieses Streifens erwähnt.

1933 lernte die 25-jährige Anna Magnani auf der römischen Experimentierbühne „Tetro Vallo“, wo sie Chansons sang, den Filmregisseur Goffredo Alessandrini (1904-1978) kennen. Er war ihre große Liebe und wurde 1933 ihr Ehemann.

Ihrem Gatten Alessandrini verdankte Anna Magnani den Kontakt zu dem Drehbuchautor Nunzio Mala- somma (1894-1974). Sie bekam in dessen Streifen „La cieca di Sorrento“ („Die Blinde von Sorrent“, 1934) eine kleine Rolle. Danach wirkte sie in „Tempo massimo“ (1934) und „Quei due“ (1935) mit. In letzterem Film erwähnte man sie wieder nicht im Abspann. Erneut unter der Regie von Malasomma spielte sie in „Cavalleria“ („Fanny“, 1935).

Mitte der 1930-er Jahre arbeitete Anna Magnani am „Eliseo-Theater“ in Rom. Dort wirkte sie an mehreren Revuen mit. Es folgten die Filme „Trenta secondi d’amore“ (1936), „Marietta, la cameria“ („Rivalin der Zarin“, auch bekannt als „La principessa Tarakanova“, 1936) und „La fuggitiva“ („Wanda Reni“, 1940).

Anna Magnani entsprach nicht dem Schönheitsideal der 1930-er Jahre wie andere große weibliche Filmstars jener Zeit. Doch ihr wirrer Haarwuchs, ihre feurigen und ausdrucksvollen Augen sowie ihr intensiver Blick machten sie zu einer Persönlichkeit, deren Zauber man sich nicht entziehen konnte.

1940 trennten sich Anna Magnani und Goffredo Alessandrini. Offiziell geschieden wurden beide aber erst 1950. In den Kriegsjahren von 1940 bis 1944 trat Anna zusammen mit dem bekannten neapolitanischen Komiker Totò (1898-1967) erfolgreich in Revuen auf.

In „Teresa Venerdi“ („Verliebte Unschuld“, 1941) unter der Regie von Vittorio de Sica (1901-1974) mimte Anna Magnani eine vulgäre Varietetänzerin. Dieser Film wurde auch außerhalb Italiens in den Kinos gezeigt. Allmählich erregte Anna die Aufmerksamkeit des Publikums und der Kritik.

Am 23. Oktober 1942 brachte Anna Magnani ihren unehelichen Sohn Luca zur Welt. Vater dieses Jungen war der Schauspieler Massimo Serato (1916-1989). Wegen Schwangerschaft und Geburt musste Anna auf die angebotene Hauptrolle in dem Regiedebüt „Os- sesione“ („Besessenheit“, 1943) von Luchino Visconti (1906-1976) verzichten. Ihren Sohn zog sie allein auf. Er erkrankte im Alter von zweieinhalb Jahren an Kin- derlähmung, wurde in einer Schweizer Klinik behandelt, konnte später mit Krücken gehen und benötigte einen Rollstuhl.

Über Anna Magnani heißt es, sie sei eine Hypochonderin gewesen. Angeblich hatte sie ständig ein Thermometer bei sich, um ihre Körpertemperatur zu messen. Ande- rerseits hatte sie keine Bedenken, oft Zigarren zu rauchen. Es wird ihr auch nachgesagt, sie sei aber- gläubisch gewesen und hätte gewisse hellseherische Fähigkeiten besessen.

1943 kehrte Anna Magnani zum Filmgeschäft zurück. Damals tobte noch immer der Zweite Weltkrieg (1939- 1945) und schränkte ihre Möglichkeiten stark ein. Der Krieg verhinderte, dass sie in internationalen Produktionen mitwirken konnte.

Die Filmografie von Anna Magnani erwähnt für 1943 ein halbes Dutzend Streifen von „L’avventura di Annabella“ bis zu „L’ultima carrozella“. Eine kleine Rolle spielte sie in „In fiore sotto gli occhi“ (1944). Über Nacht zum Star wurde Anna Magnani durch den Film „Roma, città aperta“ („Rom - offene Stadt, 1945), der den von Widerstand, Verrat und Folter geprägten Alltag von Römerinnen unter deutscher Besatzung schildert. Dieser Streifen entstand unter extrem schwie- rigen Bedingungen im vom Krieg gezeichneten Italien. Er wurde 1944 gedreht, als die letzten deutschen Be- satzer gerade Rom verließen. In jenem Film verkörperte Anna Magnani die schwangere Witwe Pina, die in eine Katastrophe getrieben wird. Der Streifen gilt als ein Meisterwerk des italienischen Neorealismus, den er mitbegründete, und wurde auch international ein großer Erfolg.

Regie bei „Rom - offene Stadt“ führte der italienische Filmregisseur Roberto Rossellini (1906-1977). Zwischen ihm und der 22 Monate jüngeren Anna Magnani kam es zu einer stürmischen Liebesaffäre. Beide stammten aus Rom und hatten bereits eine gescheiterte Ehe hinter sich. Rossellini war von 1936 bis 1942 mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Marcella De Marchis (1916-2009) verheiratet gewesen und hatte mit ihr zwei Söhne. Für den Streifen Rom - offene Stadt“ erhielt Anna Mag- nani den ersten „Nastro d’argento“, den italienischen „Oscar“. Nach ihrer brillanten schauspielerischen Lei- stung in diesem Film galt sie weltweit als Idealbesetzung für dramatische Rollen. Fortan arbeitete sie überwiegend nicht mehr für das Theater, sondern fast nur noch für den Film.

Für den italienischen Streifen „L’onorevole Angelina“ („Abgeordnete Angelina“, 1947) arbeitete Anna Magna- ni am Drehbuch mit. Bei den Filmfestspielen in Vene- dig zeichnete man sie für ihre Rolle in diesem Werk als beste Darstellerin aus. Ein weltweiter Kassenschlager wurde die Komödie „Molti sogni per le strada“ („Straßenträumereien“, 1948), in der die Magnani mitwirkte. In „Amore“ („Liebe“, 1948) stand sie erneut für ihren Lebensgefährten Rossellini vor der Kamera. Begeistert von seinen Filmen „Rom - offene Stadt“ (1945) und „Paisà“ (1946) bot die schwedische Schauspielerin Ingrid Bergman (1915-1982) dem Regisseur Roberto Rossellini brieflich ihre Mitarbeit an. Daraufhin gab Rossellini ihr die Hauptrolle für „Stromboli“ (1950), die er ursprünglich seiner Geliebten Anna Magnani versprochen hatte. Bei den Dreharbeiten verliebten sich Rossellini und die damals noch mit dem Zahnarzt Petter Lindström verheiratete Bergman. Die Bergman wurde schwanger und kehrte ihrem Ehemann und ihrer Tochter Pia den Rücken, um mit Rossellini zusammenleben zu können.

Tief verletzt stürzte sich die von Roberto Rossellini verlassene Anna Magnani in ihre Arbeit. Unter dem Namen „Ann Magnani“ glänzte sie in dem Film „Vulcano“ (1950) unter der Regie von William Dieterle (1893-1972). „Vulcano“ gilt als Konkurrenzstreifen für „Stromboli“. Die Bergman drehte auf der Vulkan- insel Stromboli, die Magnani auf der benachbarten Vulkaninsel Vulcano. Beide Filme handelten von der Isolation einer Außenseiterin in einer fest gefügten Gesellschaft.

Anna Magnani spielte damals die Prostituierte Mad- dalena, die von der Polizei auf ihre Heimatinsel Vul- cano zurückgebracht wurde, der sie vor 18 Jahren den Rücken gekehrt hatte. Diese Insel durfte sie nicht verlassen. Deren Bewohner standen ihr von Anfang an abweisend gegenüber. Nur ihre jüngere Schwester Maria freute sich über ihre Rückkehr, doch bald bekam auch sie die Ablehnung zu spüren. Nachdem man die beiden Schwestern von den auf der Insel üblichen Tätigkeiten ausschloss, arbeiteten sie auf dem Boot von Donato, der vorgab, ein Taucher zu sein. Maria verliebte sich in den attraktiven Donato, doch Maddalena misstraute ihm und befürchtete, dass Maria den gleichen Fehler begehen könnte wie sie einst.

Roberto Rossellini heiratete 1950 Ingrid Bergman und zeugte mit ihr drei Kinder. Er blieb aber auch ihr nicht treu und wurde 1958 nach einer Affäre mit der Inderin Sonali Dasgupta von der Bergman geschieden. In dem Film „Bellissima“ (1951) unter der Regie von Luchino Visconti glänzte Anna Magnani in der Rolle einer frustrierten Mutter aus dem Volk. Diese Frau hatte ihre Sehnsüchte und Träume auf ihre Tochter projeziert und versuchte, aus dieser einen Filmstar zu machen. Der französische Regisseur Jean Renoir (1894-1979) verpflichtete Anna Magnani für seine Komödie „La carrozza d’oro“ („Die goldene Karosse“, 1952) und war begeistert von ihr. Er bezeichnete sie später als beste Schauspielerin, mit der er je zusammengearbeitet habe. Der amerikanische Schriftsteller Tennessee Williams (1911-1983) kam persönlich mit seinem Agenten nach Rom, um Anna Magnani als seine Traumbesetzung für die Hauptrolle in dem Hollywood-Film „The Rose Tattoo“ („Tätowierte Rose“, 1955) zu gewinnen. Er hatte sein Theaterstück zu einem Filmdrehbuch umgearbeitet. Anna sagte zu und spielte an der Seite von Burt Lancaster (1913-1994). Für ihre überzeugende Rolle als italo- amerikanische Witwe Serafina Delle Rose erhielt sie 1956 als erste Italienerin einen „Oscar“ als beste Schauspielerin. Als ein Journalist sie aus dem Schlaf risse, um ihr die freudige Nachricht vom „Oscar“- Gewinn zu überbringen, wollte sie ihm nicht glauben und beschimpfte ihn als Lügner. Nachdem Bekannte den „Oscar“-Gewinn bestätigten, traten ihr Freu- dentränen in die Augen. Bis dahin war sie davon ausgegangen, nie diese prestigeträchtige Auszeichnung zu erhalten.

Bald galt Anna Magnani als eine der talentiertesten Schauspielerinnen der Welt. In „Wild is the wind“ („Wild ist der Wind“, 1957) unter der Regie von George Cu- kor (1899-1983) war Anthony Quinn (1915-2001) ihr Filmpartner. Hierfür erhielt sie bei den „Berliner Filmfestspielen“ den Preis als beste Schauspielerin. Für „Nelle cittá l’inferno“ („Die Hölle in der Stadt“ bzw. „Frauen hinter Gittern“, 1959) verlieh ihr Staatspräsident Giovanni Gronchi (1887-1978) den höchsten italienischen Filmpreis „David di Donatello“. Danach sah man sie und Marlon Brando (1924-2004) in „The Fugitive Kind“ („Der Mann in der Schlan- genhaut“, 1959) unter der Regie von Sidney Lumet (1924-2011). Als weiterer Meilenstein in ihrer Karriere gilt ihre unvergessene Darstellung in „Mamma Roma“ (1962) unter der Regie von Pier Paolo Pasolini (1922- 1975).

Erstmals seit einem Jahrzehnt hatte Anna Magnani 1965 in dem Theaterstück „La Lupa“ („Die Wölfin“) von Giovanni Verga (1840-1922) und in der Inszenierung von Franco Zeffirelli wieder einen Auftritt auf einer Bühne. Mit diesem erfolgreichen Stück gastierte sie in der Reihe „Theater in vier Sprachen“ des „Zürcher Schauspielhauses“ in Florenz, Zürich, Wien, Paris, Rom und seit 1966 auch am Broadway in New York City. Einen weiteren triumphalen Erfolg auf der Theater- bühne feierte sie in dem Stück „Medea“ von Jean Anuilh (1910-1987) unter der Regie von Gian Carlo Menotti (1911-2007).

1971 wirkte Anna Magnani in drei Folgen der ita- lienischen Fernsehserie „Tre donne“ mit. Einen letzten Auftritt im Film hatte sie in „Roma“ bzw. „Fellinis Roma“ (1972) unter der Regie von Federico Fellini (1920-1993). Dabei spielte sie am Schluss sich selbst. Von Anna Magnani sind auch witzige Zitate überliefert. Unter anderem sagte sie: „Die Fantasie der Männer reicht bei weitem nicht aus, um die Realität Frau zu begreifen“. „Die Männer wünschen sich eine Frau, mit der man Pferde stehlen kann. Frauen wünschen sich Männer, mit denen man ein Auto kaufen kann“. „Wenn Männer sich mit ihrem Kopf beschäftigen, nennt man das denken. Wenn Frauen das Gleiche tun, heißt das frisieren“. Ihre Spitznamen waren „La Magnanini“ und „Nannarella“ gewesen.

Anna Magnani hatte oft eine Menge Freunde um sich, sei es in ihrer Residenz in Rom oder in ihrem Som- merhaus am Meer. Eine große Liebe hegte sie für Hunde und Katzen. Im reiferen Alter glichen ihre Wohnungen regelrecht einem Hundeasyl. Ein Faible hatte sie auch für schnittige Autos.

In ihren letzten Lebensjahren versöhnte sich Anna Magnani mit dem Mann, der sie einst schmählich verlassen und schwer enttäuscht hatte: nämlich mit Roberto Rossellini. Als man ihre Krebserkrankung erkannte, war sie untröstlich. Rossellini wich in den letzten Wochen ihrer Krankheit nicht von ihrer Seite. Am 26. September 1973 starb Anna Magnani als 65- Jährige im Spital „Mater Dei“ in Rom an Bauch- speicheldrüsenkrebs. Viele Italiener trauerten um sie. Angeblich kamen mehr als 100.000 Menschen zu ihrem Begräbnis. Ihre letzte Ruhe fand sie im Familien- mausoleum von Roberto Rossellini im zwei Stunden Autofahrt von Rom entfernten Felice Circeo. In einer Biografie über sie heißt es, sie habe wie keine andere Schauspielerin die Seele und das Lebensgefühl Italiens verkörpert.

Giulietta Masina (1921-1994),

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zeichnung von Marc Heiko Ulrich, Kunstzeichner.de

Giulietta Masina

Die italienische Charakterdarstellerin

Zu den führenden Charakterdarstellerinnen Italiens zählte die Schauspielerin und Journalistin Giulietta Masina (1921-1994), geborene Giulia Anna Masina. Berühmt wurde sie vor allem durch Rollen in Filmen, bei denen ihr Ehemann Federico Fellini (1920-1993) die Regie führte. Die Hauptrolle ihres Lebens spielte sie in dem Streifen „La Strada“, in dem sie als tragi- komische Prostituierte Gelsonima die Zuschauer lachen und weinen ließ.

Giulia Anna Masina kam am 22. Februar 1921 in San Giorgio di Piano (Provinz Bologna) zur Welt. Ihr Vater Gaetano Masina spielte als junger Mann Geige in einem Tanzorchester und arbeitete später als Kassierer in einer Kunststofffabrik. Giulia war das vierte und jüngste Kind ihrer Eltern. Vor ihr wurden ihre Schwester Eugenia sowie die Zwillinge Mario und Maria geboren. Ihre Mutter Anna Flavia Pasqualin unterrichtete in ihrem Geburtsort als Lehrerin, wie es zuvor bereits die Großmutter getan hatte.

Aufgewachsen ist Giulia bei einer verwitweten Tante in Rom, die sie streng erzog. Im Lyzeum „Santa Angela Merici“ der Ursulinerinnen erhielt sie auch Gesangs- und Klavierunterricht. Weil ihre Hände für das Klavier zu klein waren, musste sie aber bald das Musizieren aufgeben. Nach dem Abitur studierte sie Philologie und christliche Archäologie an der Universität Rom und promovierte mit einer Arbeit über die Lazarus-Texte an römischen Katakomben-Wänden zum „Doktor der Philosophie“.

Während ihres Studiums interessierte sich Giulietta Masina auch für das Theater. Sie schloss sich einer studentischen Experimentierbühne an und sammelte erste schauspielerische Erfahrungen. An dieser Studentenbühne trat sie vier Jahre lang als Amateurschauspielerin in Komödien von Carlo Goldoni (1707- 1793) in Stücken antiker Klassiker auf.

1943 erhielt Giulietta Masina für eine Gage von 50 Lire, was damals etwa fünf Reichsmark entsprach, eine Sprechrolle in der Serie „Cico und Pallina“ des römi- schen Rundfunks. Diese Serie fußte auf Bilderge- schichten über die Abenteuer eines jungen Brautpaares. Autor jener Serie war der junge unbekannte Karikaturist Federico Fellini („Fefe“), der damals noch weit von seinem späteren Ruhm entfernt war. Fellini hatte in Florenz Rechtswissenschaft studiert und den Titel „Dr. jur.“ erworben, zog es aber vor, beim satirischen Wochenblatt „Marc Aurelio“ als Redakteur und Zeich- ner zu arbeiten.

Die Hörfolge „Cico und Pallina“ von Federico Fellini war 1943 so erfolgreich, dass ein Produzent sie verfilmen wollte. Fellini kannte die Sprecher seiner Serie bis dahin noch nicht persönlich. Zunächst traf er sich mit dem Radio-Bräutigam „Cico“, der ihn aber sehr enttäuschte, weil er kahlköpfig und sehr dick war. Nach diesem Negativerlebnis erwartete Fellini auch von einem Treffen mit der Radio-Braut „Pallina“ nicht mehr viel. Zu der Verabredung mit ihr erschien er mit großer Verspätung. Als der 1,80 Meter große Federico Fellini endlich ankam, traf er die 1,57 Meter kleine promovierte Geisteswis- senschaftlerin Dr. Giulietta Masina verschüchtert bei einer Tasse Espresso an und verliebte sich sofort in sie. Federico sah damals spindeldürr aus und wurde deswegen „Gandhi“ genannt. An Giulietta faszinierte Federico, dass sie so zierlich, lieb, unschuldig, gutherzig und vertrauensvoll war und seinen Schutz brauchte. Als Federico später nicht mehr so schlank war, gefielen ihm vollbusige Filmschauspielerinnen.

Der geplante Film über „Cico und Pallina“ wurde nie gedreht. Weil ein Kind unterwegs war, heirateten Giulietta Masina und Federico Fellini 1944. Die junge Ehefrau erlitt eine Fehlgeburt.

Vor der Hochzeit war Federico Fellini während eines Bummels durch das von deutschen Truppen besetzte Rom bei einer Razzia aufgegriffen worden. Dank seines komödiantischen Talents konnte er aber entkommen. Man hatte ihn bereits in eine deutsche Kaserne gebracht, wo Federico einem ihm fremden deutschen Offizier entgegenlief und so tat, als ob er dessen alter Bekannter sei. Die List glückte: Der Wachtposten ließ Fellini zusammen mit dem Offizier das Kasernentor passie- ren.

Nachdem 1944 die Amerikaner in Rom einrückten, betrieb Federico Fellini einen Andenkenhandel für die Besatzer. Er porträtierte und karikierte US-Soldaten so geschickt, dass er gemeinsam mit einem Kollegen fünf Souvernir-Läden eröffnen konnte.

1944 trat Giuilietta Masina wieder im Theater auf. Am 22. März 1945 brachte sie den Sohn Federico („Fede- richino“) zur Welt, der aber bereits einige Wochen später am 24. April 1945 starb. Danach erfuhr Giulietta, sie werde nie wieder Kinder bekommen. Als Fellini hörte, dass Giulietta und er keine gemeinsamen Kinder haben würden, erklärte er: „Meine Filme sind meine Kinder!“ Eines Tages erschien überraschenderweise der Re- gisseur Roberto Rosselini (1906-1977) in einem der Souvenir-Läden von Federico Fellini, um diesen um seine Hilfe zu bitten. Rosselini hatte von einer reichen älteren Dame mit Filmspleen den Auftrag erhalten, einen Dokumentarfilm über den römischen Priester Don Guiseppe Morosini (1913-1944 zu drehen, der von den Deutschen erschossen worden war. Er wollte die Rolle des Priesters dem berühmten Komödianten Aldo Fabrizi (1905-1990) anbieten und bat dessen Freund Fellini dabei um Vermittlung.

Fellini erfuhr von Rosselini auch, dass dessen Mäzenatin einen zweiten Kurzfilm über die Streiche junger römischer Mädchen gegenüber deutschen Soldaten finanzieren wollte. Daraufhin schlugen er und der Drehbuch-Autor Sergio Amidei (1904-1981) dem jun- gen Regisseur Rosselini vor, er solle statt eines Kurzfilms einen abendfüllenden Spielfilm drehen. Das war die Ge- burtsstunde für den Film „Rom - offene Stadt“ und für die neue Filmgattung des Neorealismus.

Unter schwierigen Bedingungen drehte Roberto Rosselini nach dem von Fellini und Amidei verfassten Drehbuch tatsächlich den Film „Rom - offene Stadt“ (1945). Die römische Filmstadt „Cinecittá“ stand damals nicht zur Verfügung. Statt dessen ging Rosselini auf die Straße und arbeitete dort ohne Studio und bei Tageslicht mit geliehenen alten Filmkameras und schlechtem Filmmaterial. Heraus kam ein Meisterwerk über den römischen Priester mit Männern, Frauen und Kindern als Darstellern/innen, die er in Cafés oder auf der Gasse fand und anwarb.

„Rom - offene Stadt“ galt als die erste europäische Auflehnung gegen den amerikanischen Film und wurde mit dem begehrten „Oscar“ ausgezeichnet. Der Erfolg dieses Werkes ermutigte Federico Fellini, das Drehbuch für den Streifen „Paisà“, 1946) zu schreiben. Dabei handelte es sich um eine Reportage über den Zu- sammenbruch des Faschismus und den Vormarsch der Alliierten in Italien. In diesem Film feierte Giulietta Masina ihr Debüt auf der Kinoleinwand. Dabei sah man sie allerdings nur kurz. „Paisà“ war der zweite Film einer Reihe von Roberto Rosselini, zu der neben „Rom – offene Stadt“ (1945) auch „Deutschland im Jahre null“ (1948) gehörte. Für „Rom - offene Stadt“ erhielt Federico Fellini den „Oscar“ für das beste Drehbuch des Jahres.

In dem Film „Senza pietà“ („Ohne Gnade“, 1948) unter der Regie von Alberto Lattuada (1914-2005) spielte Giulietta Masina bereits eine Hauptrolle. Das Drehbuch stammte von Federico Fellini. Für ihre Rolle in diesem Streifen erhielt Giulietta als beste Charakterdarstellerin das italienische Silberband.

Der erste Film, den Giulietta Masina zusammen mit ihrem Gatten Federico Fellini drehte, hieß „Luci del varietà“ („Lichter des Varieté“, 1951). Fellini führte dabei Co-Regie neben Alberto Lattuada. „Luci del varietà“ handelt von einer drittklassigen Theatergruppe. Hierfür bekam Giulietta erneut als beste Charakterdarstellerin das italienische Silberband.

In „Europa 51“ („Mutterschicksal“, 1952) trat Giulietta Masina wieder in einem Film unter der Regie von Ro- berto Rosselini auf. Dabei hatte sie aber nur eine kleine Rolle. In einer Szene ließ sie sich so nachhaltig mit Wasser überschütten, dass sie davon eine Lungenentzündung erlitt. Mit von der Partie war sie auch in „Lo sceicco bianco“ („Der weiße Scheich“, Alternativtitel „Die bittere Liebe“, 1952), der ersten Solo-Regie-Arbeit von Federico Fellini.

1953 lobte der Filmkritiker Giuseppe Marotta (1902- 1963) die Leistungen von Giulietta Masina mit folgenden Worten: „Sie ist eine große, für das Kino geborene Schauspielerin wie die Garbo, wie die Davis, wie (einmal das Geschlecht beiseite gelassen) Gary Cooper. Ein Ge- sicht und ein Können, die nicht im Filmgeschäft erwor- ben, sondern mit dem Kino natürlich verwandt sind“.

Lange planten Federico Fellini und seine Ehefrau Giulietta einen Film, von dem jeder abriet: „La Strada“ („Das Lied der Straße“, 1954). Hauptfigur war das einfältige und sensible Straßenmädchen Gelsonima (deutsch: „Jasminchen“) mit Rapunzelgesicht und watschelndem Entengang. Fellini skizzierte diese Figur immer wieder auf seinem Zeichenblock. Bei der Mimik ließ er sich von Kinderbildern seiner Ehefrau inspirieren, vor allem von deren Angewohnheit, mit geschlossenen Lippen zu lächeln.

Eine schweigsame Szene, die er zufällig in Capranicio (Latium) beobachtete, beeindruckte Federico Fellini so sehr, dass er beschloss, seinen geplanten Film im Zigeuermilieu anzusiedeln. Er sah ein Zigeunerpaar beim Essen. Die Frau hielt eine Suppenschüssel im Arm und teilte ihrem Mann die Suppe aus.

Filmproduzenten, denen Federico Fellini seine Er- zählung aus der zigeunernden Artistenwelt schmackhaft machen wollte, stuften diesen Stoff als erotische Dreiecksgeschichte ohne besonderen Reiz ein. Zwei Jahre lang ging Fellini mit seinem Manuskript hausieren, aber keiner der angesprochenen Produzenten erwärmte sich für das Projekt. Eines Tages geschah doch so etwas wie ein kleines Wunder: In einer heute noch uner- klärlichen Schwächeanwandlung erklärte sich der wagemutige Filmproduzent Dino De Laurentis (1919- 2010) dazu bereit, den Filmplan von Fellini zu finanzieren. Allerdings forderte er, die Hauptrolle mit einer Sexbombe zu besetzen. Als Fellini seine eigene Ehefrau Giulietta Masina als Hauptdarstellerin vor- schlug, soll De Laurentis regelrecht erschauert sein. Doch Fellini war fest davon überzeugt, nur seine Gattin könne die Gelsomina spielen. Er hatte den ganzen Film auf der Vorstellung einer vollkommenen Identität zwischen Gelsomina und Giulietta aufgebaut und bestand um jeden Preis auf ihrer Mitwirkung. Zudem wollte er eigene Erlebnisse verarbeiten, die er als Clown in einem Zirkus gemacht hatte, nachdem er mit 15 seinen Eltern weggelaufen war.

Dank seiner Beharrlichkeit gelang es Federico Fellini, den Produzenten Dino De Laurentis dafür zu gewinnen, einen Versuch mit Giulietta Masina als Hauptdarstellerin zu wagen. Fellini begann mit den Dreharbeiten und De Laurentis sah alle paar Tage die Rohaufnahmen an. Davon hing es ab, ob Fellini weiterdrehen durfte oder ob er die Masina durch eine Sexbombe ablösen musste. Am 31. Drehtag war De Laurentis endlich überzeugt. Giulietta Masina erhielt einen Vertrag, der ihr eine Gage von vier Millionen Lire (umgerechnet 26.800 Mark) zusicherte.

Giulietta Masina spielte in „La Strada“ überzeugend ein naives Bauernmädchen, das von seiner Familie für einen Teller Nudeln als Sklavin an den brutalen Reisenden Zampanó (Anthony Quinn) verkauft wird. Beide erleben in grauen, freudlosen Städten allerlei Abenteuer. Ein Clown (Richard Basehart) will dem Mädchen beistehen und wird von seinem Herrn getötet. In „La Strada“ sah man die zierliche Giulietta Masina mit einer Rettichkopf-Frisur, kindlich fragenden Augen und komisch verzogenem Mund. Der Regisseur hatte ihr eigenhändig die karottenblonden Haare mit einer Gartenschere gekürzt. Der im Film mitwirkende Schauspieler Richard Basehart (1914-1984) sagte zu ihr „Du siehst wie ein Rettich aus“ und fragte sie „Bist du eigentlich eine Frau?“

Bei „La Strada“ stürzte sich Giulietta Masina - wie immer - voller Temperament in die Dreharbeiten. Das gefährdete nicht selten ihre Gesundheit. In einer Szene von „La Strada“ verrenkte sie sich eine Schulter, als sie sich allzu realistisch in ein Loch fallen ließ. In einer Ohrfeigen-Szene verrenkte sie sich ihr Handgelenk. Das Drehbuch für „La Strada“ stammte von Federico Fellini, der auch als Regisseur wirkte. Zu seiner Arbeitsweise gehörte es, mitunter Szenen zu drehen, ohne die Dialoge vorher schriftlich festzulegen. Die Schauspieler sollten sagen, was sie gerade fühlten, was oft besser sei als ein konstruierter Dialog. Aus diesem Grund durfte seine Ehefrau Giulietta Masina vor Beginn der Dreharbeiten für „La Strada“ das Drehbuch nicht lesen. Sie sollte ihre Spontaneität bewahren. Auf der Biennale 1954 in Venedig zeichnete man den Film „La Strada“ mit der bis dahin unbekannten Hauptdarstellerin Giulietta Masina als einen der besten Filme der Weltproduktion aus. Er erhielt den zweiten Preis, den „Silbernen Löwen“.

Ungeachtet der Lobeshymen vieler Kritiker wollte zunächst kein Verleih den Film „La Strada“ in sein Programm aufnehmen. Erst nach hartnäckigen Verhandlungen glückte es dem Produzenten, diesen Steifen bei einem amerikanischen Verleih unterzu- bringen, der ihn in Rom startete. Dort setzte man ihn bald wieder ab und er lief nur noch in kleineren italienischen Städten, bis ihn die Produktionsfirma ohne Verleih und auf eigenes Risiko in Frankreich heraus- brachte. Anders als in Rom hatte „La Strada“ in Paris einen sensationellen Erfolg. In größeren Kinos zeigte man ihn ein halbes Jahr lang. Insgesamt spielte der Film in Frankreich umgerechnet 1,5 Millionen Mark ein. Danach boten englische Verleiher eine Einspielgarantie an. Durch das florierende Auslandsgeschäft wurde der Streifen verspätet schließlich auch in Italien ein Erfolg. Der für umgerechnet 615.000 Mark gedrohte Film „La Strada“ brachte mit einem Einspielergebnis von etwa 13,5 Millionen Mark das Zwanzigfache seiner Pro- duktionskosten ein. Er war damals einer der noch ganz seltenen internationalen Großerfolge.

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Details

Seiten
445
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656280514
ISBN (Buch)
9783656280767
Dateigröße
7.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v202026
Note
Schlagworte
Film Filmstars Filmschauspielerinnen Schauspielerinnen Frauenbiografien Biografien Kurzbiografien Ernst Probst

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Titel: Königinnen des Films 2