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Miteinander Reden. Das Kommunikationsmodell nach Friedemann Schulz von Thun

Wie Metakommunikation gelingt

Hausarbeit 2012 21 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhalt

1. Friedemann Schulz von Thun

2. Modelltheoretische Grundlagen
2.1 Merkmale eines Modells
2.2 Charakteristika des Modells von Thun

3. Modellziel Kommunikationsverbesserung

4. Kommunikationsmodell nach Schulz von Thun
4.1 Auf der Seite des Senders
4.1.1 Anatomie der Nachricht
4.1.2 Qualifizierung/Qualifikation
4.1.3 Praktische Anwendung des Nachrichtenmodells
4.2 Auf der Seite des Empfängers
4.2.1 Die vier Ohren
4.2.2 Empfangsvorgang

5. Häufige Probleme der Kommunikation auf der Ebene von Individuen
5.1 Probleme der Selbstoffenbarung
5.2 Probleme auf der Sachseite
5.3 Probleme auf der Beziehungsseite
5.4 Probleme der Appellseite

6. Systemischer Ansatz der Kommunikationsverbesserung

7. Anwendbarkeit des Modells auf die interkulturelle Kommunikation

Abbildungen

Literaturverzeichnis

1. Friedemann Schulz von Thun

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Friedemann Schulz von Thun erblickte am 06.August 1944 das Licht der Welt (Wikipedia, Schulz von Thun). Damals wusste noch keiner, dass hier ein Buchautor geboren worden war, dessen Bücher Millionenauflagen erreichen würden und in allerlei Sprachen übersetzt werden sollten, unter anderem ins Kroatische und Chinesische (Schäfer, 2005, S. 42-47). Sich selbst bezeichnete Schulz von Thun 2005 in einem Porträt, das in der „Psychologie heute“ erschien, als Kommunikationsmuffel (Schäfer, 2005). „Ich konnte gut argumentieren und gelehrt reden, immer mit vielen lateinischen und altgriechischen Brocken durchsetzt. Doch wie es mir ums Herz war und was ich im Umgang mit anderen fühlte, all diese Fragen des Inner- und Zwischenmenschlichen waren mir damals peinlich und verpönt.“ (Schäfer, 2005, S. 44). So richtig wohl fühlte er sich vor allem auf dem Schachfeld. Vielleicht kommt auch daher die Affinität zu Quadraten in seinen Modellen. Das Schachspielen also – sein Jugendhobby. Als es dann nach Abitur und Bundeswehr an der Zeit war die beruflichen Weichen zu stellen, entschied er sich für ein Studium der Psychologie an der Universität Hamburg. Von Selbstzweifeln geplagt und unter den ebenfalls kritischen Augen seines Vaters, machte er sich daran, sein Hobby zum Forschungsgegenstand zu machen: „Er wollte Denkvorgänge und Denkfehler von Schachspielern erforschen.“ (Schäfer, 2005, S.44). Dazu nutzte er die Technik des Lauten Denkens. Er ließ die Schachspieler ihre Gedanken während des Spielens laut aussprechen und zeichnete diese dann auf Tonbändern auf. Seine Diplomarbeit zum Thema Schach wurde aber schließlich wegen mangelnder Relevanz abgelehnt. Schulz von Thun musste sich umorientieren. Damals, in den 70ern, war das gesellschaftliche Thema „mehr Demokratie wagen“ hochaktuell. Der Experte für Erziehungspsychologie an der Universität Hamburg, Reinhard Tausch, der der künftige Doktorvater von Friedemann Schulz von Thun werden sollte, erforschte hierzu in Schulen und Kindergärten die demokratische Erziehung. Sein Urteil – vernichtend: Es gab viel Nachholbedarf. Autoritäre Erziehung war weit verbreitet und Herabsetzung von Schutzbefohlenen an der Tagesordnung (Schäfer, 2005, S. 45).

Doch die Stimmung damals: Bessere Kommunikation kann man lernen! „Hier sah ich meine Chance – und ich griff zu.“ (Schäfer, 2005, S. 45). Er wurde Diplomand und später Doktorand bei Reinhard Tausch. Sein Spezialgebiet: Die Verständlichkeit von Texten. Bald führten er und seine zwei Assistenten Verhaltenstrainings für Lehrer durch mit damals neuen Methoden wie Rollenspielen und Videofeedback. So zogen die drei durch die Republik. Inghard Langer kommentierte diese Zeit mit den Worten: „Wie drei Musketiere, [Schulz von Thun und seine Assistenten Inghard Langer und Bernd Fittkau] die auszogen, die Welt zu verbessern, haben wir uns damals gefühlt.“ (Schäfer, 2005, S. 45). Bekanntgeworden durch diese Tätigkeit fragte schließlich der Ölkonzern BP an und wollte Trainings für seine Mitarbeiter. Damals ein Novum. Durfte sich die Wissenschaft in die Dienste von Konzernen stellen? Schließlich führte Schulz von Thun über 50 Seminare für BP durch währenddessen er seine Modelle bis zur Buchreife entwickelte. Mit 32 Jahren wurde er 1976 Professor an der Universität Hamburg.

In den Anfängen war Kommunikationsforschung geprägt von „richtiger“ und „falscher“ Kommunikation. Die „falsche“ Kommunikation musste einfach umgelernt werden. Ein Stil durch einen anderen ersetzt werden. Das Äußerungen der „falschen“ Kommunikation nicht in gleicher Bedeutung „richtig“ übersetzt werden können musste erst mühsam erarbeitet werden. In der Nachricht „Hören Sie auf so einen Bullshit zu verzapfen!“, schwingt eine authentische Wut mit, die mit der „richtigen“ Nachricht „Ich kann ihnen da nicht ganz zustimmen.“ nicht angemessen übersetzt werden kann. Eine seelische Realität wird versteckt aus taktischen Gründen (von Schulz Thun, 2009, S. 16-19). Bei der Beseitigung dieser Schwächen dürfte die Bekanntschaft zu Ruth Cohn, einer deutsch-jüdischen Psychoanalytikerin eine große Rolle gespielt haben, deren Kurse Schulz von Thun für intensiver befand als seine eigenen. Hier begann die Erforschung seines Innenlebens. So konnte die Selbsterfahrung Teil seiner Modelle werden (Schäfer, 2005, S. 45ff).

Trotz seiner Popularität kam er in der Wissenschaft zu keinem besonderen Ansehen. Zu wenig empirisch arbeitete er. Zu wenig war er um des großen Ganzen Willens geneigt dazu, in kleinen Schritten und Hypothesen empirische Puzzleteile näher zu betrachten. So war die Wissenschaftskarriere das Opfer für ein sich weitverbreitendes populäres Modell, und Kommunikationswissen für Jedermann. Reinhard Tausch hierzu: „Er hat sich nicht ablenken lassen durch nebensächliche Forschung, um Erfolg in der scientific community zu haben, sondern hat sich um die Entwicklung und Vermittlung seiner Erkenntnisse bei vielen Personen in der Bevölkerung bemüht.“ (Schäfer, 2005, S. 47).

2007 gründete Schulz von Thun das „Schulz-von-Thun-Institut für Kommunikation“. 2009 ging er in die Emeritierung (Wikipedia, Schulz von Thun).

2. Modelltheoretische Grundlagen

2.1 Merkmale eines Modells

Ein Modell ist notgedrungen immer ein „Modell von Etwas“, da es das definitorische Wesen eines Modelles ist, eine Abbildung zu sein: Eine Abbildung der Realität, oder eines Originales. Wie diese Abbildung abläuft hängt von zwei Faktoren ab: Dem Pragmatismus und der daraus resultierenden spezifischen Verkürzung, die zu einer bestimmten Abbildung der Realität oder des Originales führt (Wikipedia, Modell). Der Pragmatismus als Merkmal setzt sich seinerseits aus drei Komponenten zusammen: Er bezeichnet den Zweck eines Modelles (Wozu?), den Anwender des Modelles, für den es gedacht ist (Für wen?), und den Zeitraum in dem das Modell genutzt werden kann (Wann?). Das Merkmal des Pragmatismus eines Modells bestimmt wie die Verkürzung auszusehen hat, um dem Pragmatismus gerecht zu werden, und stellt damit eine spezifische Abbildung her (Wikipedia, Modell). Als Beispiel soll ein Spielzeugtraktormodell herhalten: Es sei gedacht für ein Kind ab drei Jahren. Wozu? Zum Spielen. Und wann? Dann wenn das Kind Lust hat zum Spielen, also möglichst immer. Damit haben wir den Pragmatismus bestimmt. Dies führt zu Unterschieden und Abweichungen des Modells vom Original durch Verkürzungen: Das Modell sollte zumindest eine deutliche visuelle Übereinstimmung mit einem echten Traktor haben, damit das Kind sich als Traktorfahrer sehen kann. Es sollte auf jeden Fall rollen können und damit eine wichtige Funktion von Traktoren abbilden. Einen Motor braucht es nicht, weil das Kind den Traktoren antreibt. Die Materialien können billig sein, denn der Traktor ist nicht wirklich im Straßenverkehr unterwegs. So müssen die Materialien keine Sicherheit im Straßenverkehr gewährleisten, sondern im Umgang mit einem Kind. Zum Beispiel könnte auf Kleinteile, die verschluckt werden könnten, verzichtet werden. Fahrzeugpapiere im Handschuhfach sind überflüssig und zu detailreich. Materialien müssen leicht sein, dabei aber auch so stabil, dass normale Abnutzungserscheinungen ausgehalten werden.

All die pragmatischen Überlegungen haben also einen Einfluss wie wir quasi den Traktor in eine passende Form „übersetzen“ und zur Abbildung machen, zum Modell. Würden wir einen Traktor für noch kleinere Kinder bauen, so müssten wir auch die Materialien ändern: Jetzt würde sich beispielsweise Holz eignen, da Kleinkinder dazu neigen, zu übersehen, dass das Objekt zum vor sich Her rollen gedacht war und nicht zum Schmeißen und Verschlucken. Würden wir dagegen ein Modelltraktor für einen Sammler bauen, so müsste unser Modell von hochwertigen Materialien geprägt sein. Hier wäre der symbolische Fahrzeugschein im Handschuhfach gar nicht mehr so abwegig.

2.2 Charakteristika des Modells von Thun

Thun möchte die verschiedenen Kommunikationsansätze der Psychologie (Carl Rogers, Alfred Adler, Ruth Cohn, Fritz Perls, Paul Watzlawick) für die Praxis nutzbar machen, sodass Kommunikationsprobleme gelöst werden können (von Schulz Thun, 2009, S. 13). Die vorherigen Überlegungen (siehe dazu 2.1) angewendet auf das Modell von Schulz von Thun können das Modell nun charakterisieren. Abgebildet wird die menschliche Kommunikation für Sprecher und Hörer während oder nach stattgefundener Kommunikation zur Verbesserung der zwischenmenschlichen Kommunikation.

3. Modellziel Kommunikationsverbesserung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Ansatzpunkte zur Verbesserung der Kommunikation. Gestaltet nach Schulz von Thun (2009, S. 19-21)."

Das ausgewiesene Ziel des Kommunikationsmodells von Thun ist die Kommunikationsverbesserung, hierfür gibt es laut Schulz von Thun drei Ansatzpunkte, die durch links zu sehende „Abbildung 2“ visualisiert werden:

(1) Ansatz am Individuum: Ich verändere meine Kommunikation und trainiere andere. Nachteil: Eingeschränkte Sichtweise, weil Kommunikationsprobleme nur auf das Individuum geschoben werden
(2) Ansatz an der Art des Miteinanders: Systemischer Blickwinkel. Kommunikationsstörung als Symptom des Systems, das sich am Individuum zeigt
(3) Ansatz an den institutionellen /gesellschaftlichen Bedingungen: Rahmen in dem Kommunikation stattfindet

Ansätze, die von Schulz von Thun angewendet werden, sind vor allem Ansatz (1) und (2). Sein Kommunikationsmodell greift zunächst direkt am Individuum an und soll zur Metakommunikation als Lösung von Kommunikationsproblemen führen, also zu einer Kommunikation über die eigene Kommunikation, einem Reden übers Reden (von Schulz Thun, 2009, S. 19-21).

4. Kommunikationsmodell nach Schulz von Thun

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 Sender-Empfänger-Modell. Gestaltet nach Schulz von Thun (2009, S. 25).

Das Modell von Schulz von Thun baut auf das geläufige Sender-Empfänger-Modell auf. Damit setzen wir an einzelnen Individuen an, die für sich betrachtet werden (siehe hierzu 3.). In Abbildung drei sind Sender und Empfänger abgebildet. Die gestrichelte Linie zwischen Sender und Empfänger verweist auf die zwei zu isolierenden Prozesse bei der Kommunikation: Das Senden und das Empfangen. Dies kann auch visuell durch zwei Seiten dargestellt werden. Der Prozess des Sendens als die Seite des Senders gesehen, und der Prozess des Empfangens als die Seite des Empfängers. Im Folgenden betrachten wir die Seite des Senders, der eine Nachricht an den Empfänger sendet. Später kommen wir auf die Seite des Empfängers zu sprechen (von Schulz Thun, 2009, S. 25-26).

Details

Seiten
21
Jahr
2012
ISBN (Buch)
9783656284314
Dateigröße
894 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v201933
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,3
Schlagworte
miteinander reden metakommunikation kommunikationsmodell friedemann schulz thun grundzügen

Autor

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Titel: Miteinander Reden. Das Kommunikationsmodell nach Friedemann Schulz von Thun