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Der mediale Feldzug des Augustus

Wie machte Octavian aus dem bellum civile einen bellum iustum?

Hausarbeit 2011 23 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Die Notwendigkeit der Diffamierungskampagne

3) Der Medienfeldzug gegen Marcus Antonius
3.1) Zum Propagandabegriff in der Antike
3.2) Münzen, Reden und die Inschrift - Octavians effektivste Waffen

4) Das Bild des Marcus Antonius vor Actium
4.1) Apollo v Dionysos
4.2) Vom beliebten Feldherren zu Kleopatras Sklaven
4.3) Octavia v Kleopatra

5) Das Bild der Kleopatra nach Actium
5.1) Properz' Elegie 3,11 im Spiegel der Propaganda

6) Fazit

7) Literaturverzeichnis

8) Quellenverzeichnis

1) Einleitung

In seiner res gestae und zahlreichen anderen zeitgenössischen Medien stellt sich Octavian, der sich später den Name Augustus geben sollte, gerne als milder und gerechter Herrscher dar, der sowohl mit göttlichen Attributen ausgestattet ist als auch mit seinem Principat einer göttlichen Vorsehung folgt. Doch schon für den Historiker Tacitus ist klar, dass skrupelloser Verrat, kalkulierte Täuschun- gen der politischen Gegner und Brutalität ebenfalls zu den Tugenden des jungen Herrschers gehören und dieser seinen Aufstieg zumprincepsnicht nur einer göttlichen Vorsehung zu verdanken hat. Da- mit identifiziert Tacitus einen wesentlichen Charakterzug der nichtmilitärischen Beseitigung von politischen Gegnern Octavians.

Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang der mediale Feldzug des Augustus gegen M. Antonius, der in Folge der Verträge von Brundisum (40 v. Chr.) mit Kleopatra in Alexandrien lebte und die Herrschaft über den gesamten Osten des Reiches inne hatte. Octavian strebte nach der allei- nigen Herrschaft über das Imperium. Der Weg dahin führte jedoch nur über einen erneuten Bürger- krieg. Da Augustus diese allerdings nach dem Sieg gegen Sextus Pompeius 36 v. Chr. für beendet erklärt hatte, musste Antonius zum Staatsfeind deklariert werden. Mit Münzen, Reden und Inschrif- ten feuerte Octavian seine propagandistischen Pfeile Richtung Ägypten und schuf ganz bewusst ein künstliches Bild vom Staatsfeind Antonius welches sich im Laufe der Zeit immer mehr auf dessen Verbündete Kleopatra fokussierte, um insbesondere in der Zeit nach Actium den Charakter des Bür- gerkriegs zu verschleiern. Dabei wird sich zeigen, dass der Propagandabegriff im antiken Kontext eher problematisch ist. „Zum einen besteht die Gefahr, verschiedene epochenspezifische Erkennt- nisse auf andere Gesellschaften unkritisch zu übertragen und die Thematik als Einheit innerhalb der Antike zu begreifen; zum anderen werden allzu selbstverständlich Vorstellungen aus der Moderne oder aus anderen Kulturen auf die Antike übertragen, ohne dass die jeweiligen Besonderheiten und Abweichungen hinreichend verdeutlicht werden.“1Unmittelbar nach Octavians Sieg verschwindet M. Antonius mehr oder weniger aus den poetischen Darstellungen des Krieges und die ägyptische Herrscherin rückt in den Vordergrund, wenn es darum geht, die treibenden Kräfte hinter dem vermeintlichen bellum iustum zu suchen.

Die vorliegende Arbeit bietet zunächst einen knappen Überblick über die politische Situation vor der Schlacht von Actium, um zu verdeutlichen, weshalb es notwendig war, die Auseinandersetzung mit Antonius dem eigenen Volk nicht als Bürgerkrieg zu verkaufen. Im Anschluss werden dann der Propagandabegriff sowie die von Augustus eingesetzten Medien zur Sympathielenkung des Volkes gegen Antonius etwas genauer beleuchtet. Von dieser theoretischen Grundlage ausgehend wird das Bild des Antonius, welches Augustus mithilfe der Medien im Rom bewusst kreierte, nachgezeichnet und Anhand prägnanter Beispiele herausgearbeitet. Im Kontrast dazu legt die Arbeit dann ihren Fo- kus auf die Untersuchung der Properzschen Elegie 3,11 im Spiegel des medialen Feldzugs. Die dar- aus resultierenden Erkenntnisse sollen deutlich machen, wie es Augustus gelingen konnte, den Bür- gerkrieg - der es immer war und blieb - vor dem Senat zu einem bellum iustum zu machen und letztlich das gesamte Volk politisch und ideologisch hinter sich zu vereinen. Eine bemerkenswerte Leistung, wenn man bedenkt, dass M. Antonius zu Beginn der Auseinandersetzungen der mächtigere und beliebtere Politiker war.

2) Die Notwendigkeit des medialen Feldzugs

Eine entscheidende Etappe auf dem Weg von der Senatsherrschaft zur Verwaltung des Reiches nach dem einheitlichen Willen eines Mannes ist sicherlich die Schlacht von Actium. Octavian war im Vorfeld dieses Kampfes noch längst nicht der erste Mann in Rom, sondern musste um seine Macht kämpfen und die Voraussetzungen für die Rolle schaffen, die er gerne spielen wollte. Den, nach der Teilung des römischen Reichs im Osten herrschenden, Antonius zu besiegen, war in diesem Zusam- menhang die letzte große und entscheidende Hürde für Octavian auf seinem Weg zum Principat. Doch wie kam es zum offenen Bürgerkrieg 32 v. Ch. zwischen den beiden römischen Herrschern, nachdem Octavian, Lepidus und Antonius erst im September 37 v. Ch. ihr Triumvirat um weitere fünf Jahre erneuerten? Bereits 36 v. Chr. gelang es dem späteren Augustus sich erst des Sextus Pom- peius - der als selbsternannter Herrscher des Meeres Italien bedrohte und die Getreidezufuhr behin- derte - und anschließend auch des Lepidus zu entledigen. Zu dieser Zeit verfügte Antonius nach wie vor über zahlreiche Anhänger in Italien und nicht zuletzt im Senat. Octavian strebte nach der Allein- herrschaft über das gesamte Römische Imperium, was ihm Antonius Herrschaft im Ostreich aller- dings aus mehreren Gründen erschwerte. Als ferner Machthaber wurde Antonius vom Volk weniger für die Härte des politischen Lebens in Rom verantwortlich gemacht. „Die öffentliche Szene in Rom wurde weitgehend durch den jungen Caesar bestimmt; so traf ihn auch am leichtesten die ge- heime Wut oder Frustration, die man trotz aller Versuche von seiner Seite, zum regelhaften politi schen Geschäft zurückzukehren, empfand.“2

Militärische Niederlagen des Antonius im Partherfeldzug bei gleichzeitigen Triumphen Octavians gegen Sextus Pompeius in Italien bedeuteten dann aber einen erheblichen Prestigegewinn für den Herrscher des westlichen Reiches. Gegenseitige Provokationen waren die Folge und hatten den Vor- teil, dass sich die Fronten im Kontext der angestrebten Alleinherrschaft klärten. „Die Bereitschaft, eine endgültige Entscheidung herbeizuführen wuchs.“3Doch Antonius Anhängerschaft in Italien und im Senat blieb trotz zahlreicher Verunglimpfungen bezüglich seiner Dionysos-Identifikation stabil. „Sie priesen sein luxuriöses Leben und seine Üppigkeit, seine Exzesse und seine Selbstver- herrlichung als Heiterkeit und Menschlichkeit erklärten sie als glanzvolle Darstellung von Macht und Glück.“4Auf dem Weg zum Principat wäre ein erneuter Bürgerkrieg, nachdem Octavian diese für beendet erklärt hatte5, mit zu hohen Risiken verbunden gewesen. Um das römische Volk allein zu beherrschen zu können, musste dies Octavian als Befreier und einzig würdigen Herrscher erken- nen und nicht als Kriegstreiber gegen das eigene Volk. In dem engen Bündnis zwischen Antonius und der ägyptischen Königin Kleopatra sah Octavian seine große Chance, das Volk vollständig und endgültig hinter sich zu bringen. Denn dieses Bündnis war keineswegs nur politischer Natur, son- dern brachte auch Kinder hervor. Da Octavian bis dato nicht als Verteidiger des Römertums gegen- über dem dem Hellenismus verfallenen Antonius empfunden wurde, musste er den Gegensatz zu- nächst künstlich erschaffen. „Die factio, von deren Gewaltherrschaft, dominatio, Octavian den Staat befreit haben will, war ja bekanntlich keine andere als die des rechtmäßigen Konsuls und nachmali- gen ordentlichen Statthalters Antonius, dessen Name im Rechenschaftsbericht konsequent unter- drückt wird.“6

3) Der Medienfeldzug gegen Marcus Antonius

In den frühen Jahren der Auseinandersetzung zwischen Octavian und Antonius hatte sich die beider- seitige Propaganda im wesentlichen gegen die persönlichen Eigenschaften des jeweiligen Gegen- über gerichtet.

und somit dieauctoritasdes potentiellen Herrschers in Frage zu stellen, hatte großes Gewicht auf dem Weg zur Macht. Octavian war von Antonius niedere Abkunft, Feigheit und unmoralischer Le- benswandel vorgeworfen worden. Demgegenüber ließ Octavian kaum eine Gelegenheit aus, auf An- tonius unmoralischer Doppelehe und Alkoholsucht hinzuweisen. Doch um einen Feldzug gegen den Osten des römischen Reiches zu rechtfertigen, reichten persönliche Schmähungen nicht aus. „In den Jahren, wo sich der Konflikt zwischen den Triumvirn stärker zuspitzte, bringt besonders Octavian mehr prinzipielle Momente in die politische Propaganda hinein.“7Um seine Vorwürfe gegen Anto- nius dauerhaft im Volk zu verankern, bemühte Octavian eine umfangreiche Medienmaschinerie mit enormer Tragweite. „Alles dies wurde in offenen Briefen und Botschaften verbreitet. Die wirkungs- trächtigste Tribüne der Propagandaschlacht waren indessen Senat und Volk in Rom. Hier beherrsch- te Octavian die Szene und wurde nicht müde, die Empörung über Antonius und Kleopatra zu schü- ren.“8

3.1) Zum Propagandabegriff in der Antike

Der in dieser Arbeit zum Gegenstand gemachte Begriff der 'Propaganda' findet in der Wissenschaft immer dann Anwendung, „wenn diejenigen gewaltlosen Mechanismen untersucht wurden, mit de- ren Hilfe Alleinherrscher - griechische Tyrannen, hellenistische Könige und römische Kaiser - ihre Alleinherrschaft behaupteten, sie absicherten oder erst einmal erwarben“.9Dazu werden generell alle Äußerungen zusammengefasst, die in Wort, Bild oder Geste eine Botschaft übermittelten, die für den Herrscher oder wider seinen Gegnern sprachen. Dies geschah in der augusteischen Zeit ins- besondere mithilfe von Reden, Münzen, Inschriften, Festen und Spielen, Portraits oder errichteten Bauwerken. Für das Ergebnis dieser Arbeit sind allerdings nur die drei erstgenannten Medien von Bedeutung. Sicherlich zählten in der augusteischen Zeit gerade die Architektur und entsprechende Inschriften zu wirkungsvollen Mitteln der gelenkten Selbstdarstellung, doch im Kontext dieser Ar- beit spielen sie eine untergeordnete Rolle.

[...]


1 Weber, G. / Zimmermann, M.: Propaganda, Selbstdarstellung und Repräsentation. Die Leitbegriffe des Kolloquiums in der Forschung zur frühen Kaiserzeit. In: Weber, Gregor / Zimmermann, Martin (Hg.): Propaganda - Selbstdarstellung - Repräsentation im römischen Kaiserreich des 1. Jhs. n. Chr. Stuttgart 2003, S.14.

2 Eck, W.: Augustus und seine Zeit. (2., durchges. Aufl.) München 2000, S.29.

3 Ebda, S.31.

4 Plut., Mor. I 56 E.

5 Eck, W.: Augustus und seine Zeit. (2., durchges. Aufl.) München 2000, S.35.

6 Niquet, H.: Inschriften als Medium von „Propaganda“ und Selbstdarstellung im 1. Jh. n. Chr. In: Weber, Gregor / Zimmermann, Martin (Hg.): Propaganda - Selbstdarstellung - Repräsentation im römischen Kaiserreich des 1. Jhs. n.Chr. Stuttgart 2003, S.152.

7 Glauning, A.-E.: Die Anhängerschaft des Antonius und des Octavian. Leipzig 1936, S.41.

8 Bringmann, K.: Augustus. Darmstadt 2007, S.94.

9 Ritter, H.-W.: Zur Beurteilung der Caesarischen und Augusteischen Münz-Propaganda. In: Christ, K. / Gabba, E. (Hg.): Römische Geschichte und Zeitgeschichte in der deutschen und italienischen Altertumswissenschaft während des 19. u. 20. Jahrhunderts I, Como 1989, S.168.

Details

Seiten
23
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656277798
ISBN (Buch)
9783656279525
Dateigröße
658 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v201812
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Historisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Augustus Principat Propaganda Kleopatra Cleopatra Octavian Marcus Antonius Antike Properz Elegie Actium Medien Feldzug Triumvirat Reden Münzen Inschriften

Autor

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