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Definition des Begriffs 'Antiautoritäre Erziehung' anhand der Erziehungspraxis von Alexander Sutherland Neill und seiner Schule Summerhill

Hausarbeit 2012 15 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. ANNÄHERUNG AN DEN BEGRIFF DER ANTIAUTORITÄREN E RZIEHUNG
2.1 PROBLEMATIKEN DER ANWENDUNG DES BEGRIFFS A NTIAUTORI- TÄT AUF ERZIEHUNGSWISSENSCHAFTLICHE KONZEPTIONEN
2.2. IST ANTIAUTORITÄRE E RZIEHUNG EINE EINHEITLICHE GESAMTERSCHEINUNG?
2.3 ZWEI HAUPTRICHTUNGEN DER ANTIAUTORITÄREN E RZIEHUNG

3. A. S. NEILL UND SEINE SCHULE SUMMERHILL
3.1 KURZBIOGRAFIE A. S. NEILLS (1883-1973)
3.2. ZIELE UND PRAKTIKEN SUMMERHILLS

4. FAZIT UND DEFINTION DES BEGRIFFS ANTIAUTORITÄRE E RZIEHUNG ANHAND DER ERZIEHUNGSPRAXIS ALEXANDER SUTHERLAND NEILLS UND SEINER SCHULE SUMMERHILL

5. LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dieses Zitat von Kahil Gibtan könnte zu großen Teilen auch von Alexander Sutherland Neill stammen und gibt einen Vorausblick darauf, auf welcher pädagogische Strömung Neills pädagogische Praxis treibt. Ich werde versuchen in der vorliegenden Hausarbeit anhand der Erziehungspraxis von Alexander Sutherland Neill eine Definition des Begriffs antiautoritäre Erziehung erstellen.

Meine Themenwahl lässt sich darauf zurückführen, dass im Seminar mein Interesse für Neill und seine pädagogischen Ideen, die in seiner selbstbegründeten Schule Summerhill praktiziert werden, besonders geweckt wurde. Bei der Suche nach einer geeigneten Fragestellung habe ich, um das Thema aufzufrischen und mich für eine Fragestellung zu inspirieren, zuerst Neills Werk „Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung – das Beispiel Summerhill“ betrachtet. Dabei ist mir der Titel aufgefallen. Ich habe mich gefragt, was eigentlich antiautoritäre Erziehung bedeutet. Meine Recherchen haben letztlich ergeben, dass keine klare Definition vom Begriff antiautoritäre Erziehung existiert, sondern viele gegensätzliche Positionen mit dem Terminus bezeichnet werden. Auf diesem Wege habe ich mich dafür entschieden eine Definition von antiautoritärer Erziehung auf der Basis der Erziehungspraxis Neills zu erstellen.

Ich werde meine Darstellung mit einem einleitenden Kapitel beginnen, in dem der Kontext und die Voraussetzungen dargestellt werden, die nötig sind, um eine Definition von antiautoritärer Erziehung zu erstellen. In diesem Teil wird vorerst der Begriff Autorität an sich erläutert. Im Folgenden werden die Probleme, die die Verwendung des Begriffs im Allgemeinen und bezogen auf ein Erziehungskonzept mit sich bringen, erläutert. Im Anschluss wird eine Übersicht darüber gegeben, wie sich der Begriff antiautoritäre Erziehung in der erziehungswissenschaftlichen Diskussion verhält und eine Systematisierung vorgestellt mit deren Hilfe antiautoritäre Erziehungskonzepte in zwei Haupttendenzen geordnet werden können, sodass eine Einordnung von Neills Erziehungspraxis in dieses Schema möglich ist. Da mir aufgefallen ist, dass Neills Konzeption keine Theorie an sich darstellt, sondern lediglich eine Art Erfahrungstagebuch darstellt, in dem Neill seine Erfahrungen niedergeschrieben und daraus Ratschläge für eine gute Erziehung geschlussfolgert hat, werde ich in einem weiteren Schritt eine kure Biografie Neills sowie Ziele und Praktiken seiner Erziehungskonzeption anführen. Anhand der zugrunde liegenden Informationen werde ich letztlich eine Definition von antiautoritärer Erziehung hauptsächlich auf der Basis von Neills Erziehungskonzeption erstellen.

2. Annäherung an den Begriff der antiautoritären Erziehung

Im Folgenden einleitenden Kapitel wird nun die Thematik der antiautoritären Erziehung, wie bereits erwähnt, initiiert.

2.1 Problematiken der Anwendung des Begriffs Antiautorität auf erziehungswissenschaftliche Konzeptionen

Der Gebrauch des Wortbildungselements anti verursacht in deutschen Wortverbindungen eine feindlich-aggressive sowie kämpferisch-angreifende Wirkung. Denn Anti-Haltungen lassen keine Kompromisse mit abweichenden Positionen zu. Zum einen besteht nicht die Möglichkeit mit divergierenden Positionen in Dialog zu treten, weswegen eine kritische Prüfung der Gegenposition nicht möglich ist. Zum anderen stellt lediglich die eigene Position die einzig richtige dar und gibt keine Perspektive frei die eigene Haltung in Frage zu stellen (vgl. Masthoff, 1981, S. 31f.). Darüber hinaus werden mit dem Begriff Autorität sämtliche auf Zwang, Macht und Herrschaft beruhende soziale Bezugs- und Führungsverhältnisse impliziert. Der Terminus Autorität wird somit antithetisch gegen Freiheit gestellt (vgl. ebd., S .25) und weist darauf hin, dem Zwecke der Unterwerfung sowie der Disziplinierung zu dienen. Ein solches Verständnis von Autorität, dass in ihrer Realisierung zum Selbstzweck wird und damit autoritär ist, begünstigt die Inversion der Autorität dort wo sie zu einer zwangsausübenden Verhaltensweise führt bzw. dort, wo Überlegenheit durch Herrschaft ausgedrückt wird. Der Begriff Autorität kam letztlich erst auf diesem Wege, durch die Gleichsetzung mit Autoritätsmissbrauch sowie der Verletzung autoritativer Berechtigungen, in Verruf (vgl. ebd., S.31f.).

Überdies wird fälschlicher Weise der Terminus Autorität (engl. authority) im Deutschen vielfach für das dem Adjektiv autoritär (engl. authoritarian) zugehörige Substantiv gehalten. Aufgrund dessen, das in der Umgangssprache ein Mangel an substantivischen und adjektivischen Gegenstücken besteht, vollzieht sich eine terminologische Vermengung. Das zum Substantiv Autorität passende Adjektiv ist autoritativ (engl. authoritative) und das zum Adjektiv passende Substantiv ebenfalls Autoritarismus (engl. authoritarianism). Autoritarismus beschreibt zwar die Gesamtheit des Autoritären, entspricht jedoch nicht dem singulären autoritär. Die nicht-Existenz einer präzisen Analogie bedingt anscheinend die beschriebene fälschliche Parität (vgl. Ludwig, 1997, S. 108).

Die sozialistische Bewegung[1] konnte den Begriff der Autorität demzufolge erst dadurch für ihre Zwecke und damit ebenso für die Benennung eines Erziehungsansatzes bzw. mehrerer Erziehungsansätze nutzen, weil einerseits der Begriff Autorität durch die Gleichsetzung mit Autoritätsmissbrauch sowie der Verletzung autoritativer Berechtigung in Verruf gekommen ist bzw. der Terminus verfälscht wurde dadurch, dass in deutschen Wortverbindungen ein Mangel an präzisen Analogien herrscht, sodass es zur beschriebenen fälschlichen Parität und zu einer Vermengung gekommen ist .

2.2 Ist antiautoritäre Erziehung eine einheitliche Gesamterscheinung?

Der Begriff der antiautoritären Erziehung beschreibt keine einheitliche Gesamterscheinung (vgl. Masthoff, 1981, S. 30). Denn es existieren synonym zum Leitbegriff genutzte Bezeichnungen, wie repressionsfreie-, angstfreie-, Laissez-faire-, proletarische- sowie antikapitalistische Erziehung.

So lassen sich in der erziehungswissenschaftlichen Diskussion exemplarisch folgende Begriffsbestimmungen der antiautoritären Erziehung aufzeigen, um das Vielfältige Verständnis des Begriffs aufzuzeigen: K.-I. Flessau, ein Anhänger der liberal-privatistischen Ausrichtung[2] , versteht bspw. unter antiautoritärer Erziehung eine Erziehung ohne Autorität (vgl. ebd., S. 31f.). D. h. „eine Erziehung gegen jede tatsächliche oder vorgebliche, überkommene oder neubegründete Autorität“ (s. ebd., S. 33). Gleichermaßen erklärt K. Erlinghagen, der ebenfalls ein Vertreter der liberal-privatistischen Ausrichtung ist, dass die antiautoritäre Erziehung strikt frei von autoritären Verhaltensweisen im Erziehungsprozess sein muss und verurteilt traditionelle Erziehungsformen als autoritär. Ebenso unternimmt W. Gottschlach den Versuch antiautoritäre Erziehung zu definieren. Er beschreibt, dass Autorität dort vorhanden ist, wo Autorität das Kind behindert, also geistig-seelische Verfügungsmacht über es vollzogen wird. Genauer

[...]


[1] Angestoßen wurde die Entwicklung des antiautoritären Erziehungsansatzes durch die sozialistische Studentenbewe-

gung der sechziger Jahre (vgl. Masthoff, 1981, S. 30). Die Offensive kritisierte oberflächlich betrachtet autoritäre Herrschaftsbeziehungen. Diese wurden als irrational, als ungerechtfertigt, als unbegründbar sowie illegitim angesehen und sollten deshalb abgeschafft werden. Die Studentenbewegung richtete sich demnach gegen eine durch Machtmittel regulierte Gesellschaft (vgl. ebd., S. 25). Die Studentenbewegung drang in jegliche von der Gesellschaft bezogenen Bereiche ein und somit ebenfalls in die Erziehungswissenschaft. Hinter diesem Hintergrund lässt sich antiautoritäre Erziehung zumal als Ablösung von der im traditionellen Sinne verstandenen Erziehung betrachten. Antiautoritäre Erziehung kann jedoch nicht als Gegenentwurf zur autoritären verstanden werden, da sie lediglich etwas darüber aussagt, was sie nicht ist und nichts darüber was sie ist (vgl. ebd., S. 30f.).

[2] Wird in Punk 2.3 meiner Arbeit erläutert

Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656282822
ISBN (Buch)
9783656283164
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v201753
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Erziehungswissenschaft
Note
1.0
Schlagworte
Antiautoritäre Erziehung Definition Schule Summerhill Alexander Sutherland Neill Erziehungspraxis Erziehung Reformpädagogik

Autor

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