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Der Balkan-Konflikt. Hintergründe, Zukunftsstrategien und -perspektiven des balkanischen Multikulturalismus

Ein Clash of Civilizations?

Masterarbeit 2009 172 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Südosteuropa, Balkan

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis

I. Einleitung
I. I Zentrale Fragestellung und Thesenformulierung
I. II Zentrale Forschungsfragen
I. III Hypothesen
I. IV Methode und Klassifizierung verwendbarer Quellen
I. V Aufbau der Arbeit

II. Realismus in der internationalen PolitikS
II. I Grundannahmen des neoklassischen Realismus
II. II Huntingtons realistische GrundannahmenS

III. Einleitung zum Gesellschaftswandel und zur Entwicklung der Kultur am Balkan
III. I Türkische Herrschaft am Balkan
III. II Das kommunistische Erbe des Balkan
III. III Postkommunismus und Transition
III. IV Elitenwechsel und Elitenwandel und die Entwicklung der Institutionen am Balkan
III. V Institutionen

IV. Die Rolle der nicht–staatlichen Organisationen und die Entwicklung der Zivilgesellschaft am Balkan

V. Die nationalistischen Hintergründe des Balkankonflikts

VI. Was sind die Gründe, die zum Krieg in Jugoslawien geführt haben?

VII. Die neue Bedeutung von Identität

VIII. Die Bedeutung des Nationalstaates im internationalen Weltgeschehen

IX. Multikulturalismus und seine Bedeutung am Balkan

X. Die Bedeutung der Religion am Balkan

XI Die EU-Perspektive des Balkans
XI. I Die Perspektiven im politischen Bereich
XI. II Die Perspektiven im Wirtschaftsbereich im Rahmen der Zusammenarbeit mit der EU

XII. Wie beschleunigt der Balkan seine Integration in die europäischen Strukturen?

XIII. Methoden, Wege

XIV. Fehler europäischer Politik am Balkan
XIV. I Kurzsichtigkeit der internationalen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina
XIV. II Das zweite Beispiel fehlerhafter EU-Politik am Balkan: Kosovo

XV. Weltzivilisationen
XV. I Kontakte zwischen den Kulturen
XV. II Konflikte zwischen Kulturen und Multipolarität im internationalen System
XV. III Was ist die Zukunft der Welt, ein „kultureller Relativismus“ oder ein „westlicher Universalismus“?

XVI. Conclusio
XVI. I Zum Konflikt in Jugoslawien
XVI. II Zur Rolle der Politik und zu ihrem Einfluss auf die Konflikte unter Berücksichtigung eigener Interesse
XVI. III Schlussfolgerungen und Perspektiven des Zusammenlebens am Balkan
XVI. IV Zu den Konflikten zwischen den Kulturen und zur Förderung des Multikulturalismus am Balkan

XVII.I Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

I. Einleitung

Eiserne Vorhänge und hohe graue Mauern sind gefallen und das Wort „Grenze“ hat seit langem seine strikte Bedeutung verloren. Die „geografische Mobilität“ hat den Menschen das ermöglicht, was noch bis vor ein paar Dekaden für unmöglich gehalten wurde: leben und arbeiten, wo es interessanter und schöner ist. Die Welt ist offener und multikultureller geworden und Kontakte zwischen den Kulturen sind im 20. und im 21. Jahrhundert keine Seltenheit mehr. Der Begriff „Nation“ richtet sich nach den konkreten sozialen und gesellschaftlichen Verhältnissen und der „Nationalstaat“ ist auf der Suche nach neuen Lösungen, um weiterhin heroisch über neue Konzepte zu triumphieren. Die nationalen Grenzziehungen üben nach wie vor ihren willkürlichen und bemerkenswerten Einfluss auf die Individuen und ihre Selbstdefinition aus. Einiges hat sich noch nicht geändert: die Identität jedes Menschen richtet sich nach seinem Geburtsrecht, nach seiner Sprache, nach seiner Kultur, nach seiner Religion, nach seinem Erbe …

Menschen, Länder, Nationen, Kulturkreise gehen nach dem Zweiten Weltkrieg und vor allem nach dem Ende des Kalten Krieges auf neue Identitätssuche, die vor allem von der einigenden und zugleich polarisierenden Kraft der Kultur bzw. der Kulturzugehörigkeit stark beeinflusst wird. In allen Zeiten war die menschliche Geschichte eine Geschichte von Kulturen und Kultur war die umfassendste Identifikation für die Menschheit. Nur welche Rolle spielen im 21. Jahrhundert die Kulturkreise und der intensivere Kontakt zwischen den Weltkulturen? Ist zu erwarten, dass das politische Gleichgewicht für die Welt dadurch positiv beeinflusst wird? Wird es aufgrund dieser Kontakte zwischen den verschiedenen Kulturkreisen der Welt zu einer universellen Weltkultur kommen oder wird sich jede Kultur bzw. jede Religion der Welt ihren bisherigen Platz bewahren können? Die große Illusion, dass das Ende des Kalten Krieges eine „neue Weltordnung“ sowie eine Welt ohne Konflikte und ohne Kriege schaffen würde, blieb nur eine solche. Die ethnischen Säuberungen in Ex-Jugoslawien, in Russland, in Somalia, Gaza und in anderen Ländern der Erde ließen den Traum einer friedlicheren Zeit zerplatzen. Der Genozid des ausgehenden 20. Jahrhunderts richtete sich gegen Menschen anderen Glaubens, anderer Kultur, anderer Sprache … Die Kriege des beginnenden 21. Jahrhunderts sind als Bruchlinienkriege zwischen „Westen“ und „Nichtwesten“ zu bezeichnen, was neue Grenzen schafft. Der Eindruck, dass Grenzen der Vergangenheit angehören, täuscht. Es existieren doch Grenzen aller Art, verfestigt in staatlichen und nichtstaatlichen rigiden Institutionen. Die Rede ist von nationalen und kulturellen Grenzziehungen, die sich nicht nur mit der Frage des Ein- bzw. des Ausschlusses von der Nutzung materieller Ressourcen beschäftigen. Die Öffnung der Grenzen für Waren und Kapitalverkehr geht Hand in Hand mit einer Schließung derselben für die Menschen. Es kann also keine Rede sein von einem Verschwinden der Grenzen und einem Zusammenwachsen zum „Global Village“. Dafür ist die Politik viel zu aufmerksam, und wenn es das politische Interesse gibt, könnten Unterschiede aller Art Grund genug für einen Krieg sein …

Früher oder später macht sich jeder im Laufe seines Lebens mit Themen wie „Multikulturalismus“, „Frieden oder Konflikte zwischen Zivilisationen“ etc. vertraut. Eigentlich aufgrund meiner albanischen Herkunft, bin ich mit Begriffen wie „Feind“ und „Konflikten“ zwischen „Sozialisten“ und „Kapitalisten“ aufgewachsen, aber „unsere Konflikte“ mit dem Rest der Welt waren ideologischer Natur und ein militärischer Angriff blieb uns allen erspart. Ich begann mir nach dem Ausbruch des Konflikts in Jugoslawien Gedanken darüber zu machen. Während des Studiums der Politikwissenschaften, mit dem Beginn des Irak-Krieges, bekam ich die Möglichkeit mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Mit dem Jugoslawien-Konflikt gewann das Thema Multikulturalismus wieder an Bedeutung und die klugen Köpfe der Sozialwissenschaft hatten genug Stoff für wissenschaftliche Auseinandersetzungen. Der Abschluss dieses Balkanlehrgangs bot mir wieder die Möglichkeit, mir Gedanken über den balkanischen Multikulturalismus zu machen, als jemand der vom Balkan kommt und sich ein friedliches Zusammenleben aller am Balkan lebenden Völker wünscht.

Wie aktuell dieses Thema für jeden von uns ist – da werden keine lange Kommentare gebraucht. Die Massaker in Banja Luka und im Kosovo und die fliehenden Menschen zeigten der Welt, wie grausam Nationalismus sein kann. Und die Bilder der ängstlich vor den Schüssen fliehenden Kinder und der verzweifelten Gesichter der wartenden Mütter in Russland sind unvergesslich. Eine ganze Welt im Würgegriff des Terrors: amerikanischer Angriff im Irak; israelischer Grenzzaun im Palästinensergebiet; Unterdrückung der Tschetschenen und der Kurden; selbstmörderische Terroraktionen, die die Welt erschüttern und Hunderte von Menschen in den Tod mitreißen. Das sind eigentlich die Bilder des letzten und beginnenden neuen Jahrhunderts. Das Ende des Kalten Krieges nach dem Fall der Berliner Mauer verzeichnete den Triumph des Liberalismus in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Der Zerfall der Sowjetunion und der Zerfall Jugoslawiens kennzeichnen den Beginn von Bürgerkriegen und ethnischen Konflikten. Die Entwicklungen nach den Jahren 1980-1990 in Osteuropa und am Balkan verkündeten eine neue Weltordnung, die bis nach dem Kosovo-Krieg nicht zu Optimismus verleiteten. Krieg in Bosnien, Kroatien, Kosovo: für ein Jahrzehnt befand sich der Balkan im Würgegriff nationalistischer Konflikte. Die Suche nach neuen Akteuren, die für Optimismus, Frieden und Perspektiven am Balkan sorgen, war mühsam und ist noch nicht zu Ende. Der Balkan ist auf dem Weg der Erholung von den vielen Konflikten und zum größten Teil für die EU-Perspektive bereit. Nur wie wird der Balkan die vielen sozialen Probleme und die Multikulturalismusfrage lösen? Der Weg der ethnischen Konflikte, des Hasses und Völkermordes hat sich als mittelalterlich erwiesen. Sind die Balkan-Länder, ihre Regierungen und vor allem die Zivilgesellschaften des Balkans ihrer Rolle zugunsten neuer Perspektiven und des friedlichen Miteinanders und Respekts gewachsen? Was braucht der Balkan, um zu „bestehen“, um zu „gewinnen“? Die innere Erneuerung? Wenn ja, in welchem Zusammenhang steht seine „innere Erneuerung“ zum Multikulturalismus und gegenseitigen Respekt seiner Völker?

Ich hoffe, diese Arbeit ist ein gelungener Versuch einer wissenschaftlichen Antwort auf die vielen Fragen, die das Thema betreffen.

I. I Zentrale Fragestellung und Thesenformulierung

Als Ausgangspunkt dieser Arbeit dient Huntingtons Werk „Der Kampf der Kulturen. The Clash of Civilizations. Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert“ und andere Bücher, sowie seine neorealistischen Ansätze in Bezug auf moderne Konflikte, wichtige Akteure des Weltgeschehens, die neue Bedeutung der (nationalen) Identität in der internationalen Politik, die anarchische Struktur des internationalen Systems etc. Diese Arbeit ist weder als eine tiefgreifende Analyse des Realismus und Neorealismus konzipiert worden, noch als eine Kritik am Realismus als Methode der Internationalen Politikforschung, sondern vielmehr als eine Analyse der modernen Konflikte nach Huntingtons neorealistischer Theorie, das Weltgeschehen im internationalen System, dessen Hintergründe und Perspektiven zu erklären. Daher lautet die zentrale These dieser Arbeit: Es wird versucht, mithilfe Huntingtons neorealistischer Ansätze das Geschehen im internationalen System zu erklären und die Konflikte nach dem Kalten Krieg, vor allem den Jugoslawien-Krieg, als Konflikt zwischen den Kulturen einzustufen.

I. II Zentrale Forschungsfragen

- Kann der Balkan-Konflikt als ein „Clash of Civilizations“ eingestuft werden?
- Sind die Hintergründe der Balkan-Konflikte kultureller und religiöser Natur oder war da Nationalismus im Spiel?
- Hat Multikulturalismus am Balkan eine Chance und ist er der Weg zu einem friedlichen Balkan?
- Bedeuten Zukunftsstrategien, die den Multikulturalismus fördern, Zukunftsperspektiven für den Balkan?
- Welche sind die Methoden und die Wege und Modelle, die dem multikulturalistischen Balkan ein friedliches Zusammenleben, ein Nebeneinander und ein Miteinander bringen würden?

Andere wichtige Fragestellungen

- Haben die Konflikte unserer Zeit bzw. werden die künftigen Konflikte kulturelle und religiöse Hintergründe haben?
- Ist es möglich, die kulturellen Grenzen zu überschreiten, um Trennungslinien zwischen Ländern und Völkern zu verhindern?
- Welche Rolle spielt die Bedeutung der Identität für die modernen Konflikte?
- Ist der Nationalstaat immer noch der wichtigste Akteur des Weltgeschehens?
- Könnte es zu einer universalen Zivilisation kommen?

I. III Hypothesen

- Das Ende des Kalten Krieges hat in der ganzen Welt, und auch am Balkan, zu Veränderungen und zu Konflikten geführt.
- Die globale Politik ist multipolar und multikulturell geworden und die Struktur des internationalen Systems ist anarchischer geworden.
- Die kulturellen Unterschiede am Balkan und überall auf der Welt führen nicht zu Konflikten, außer sie werden von der Politik instrumentalisiert.
- Es wird keine „universale Kultur“ entstehen, sondern verschiedene Kulturkreise, die sich nebeneinander entwickeln und miteinander friedlich umgehen. Das gilt auch für den Balkan.

I. IV Methode und Klassifizierung verwendbarer Quellen

Diese Arbeit beruht auf folgenden methodischen Ansätzen:

- In erster Linie eine Analyse des Buches „Kampf der Kulturen“ und eine Analyse von Huntingtons neorealistischen Ansätzen für die Bezeichnung der Konflikte des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts und besonders der Balkan-Konflikte als solche, die kulturelle und religiöse Hintergründe haben bzw. haben werden.
- Zweitens: Meine Analyse der Umbruchserfahrungen konzentriert sich vor allem auf die Identität des Individuums nach dem Kalten Krieg am Balkan und ist zugleich eine Kritik der Instrumentalisierung der kulturellen und religiösen Unterschiede zwischen den Menschen vonseiten der Politik.
- Eine Darstellung der Lösung der Südtirolfrage und des dänisch-deutschen Minderheitenmodells als Modelle für die Gestaltung der (Minderheiten-)Politik am Balkan.

Für diese Arbeit werden folgende Methoden bei der Forschungs- und der Recherchetätigkeit angewendet: Datenerhebung, Datenanalyse, Befragung und Beobachtung – als die wichtigsten Verfahren, um mehr Information zum Thema „Realismus und Konflikte im internationalen System“ zu gewinnen. Als Schwerpunkt dieser Arbeit kann die Methode der qualitativen Politikforschung bezeichnet werden. Die Methode der qualitativen Politikforschung hilft in dieser Arbeit nicht nur, Begriffe zu bestimmen und auch zu erklären, sondern diese Methode wird als angebracht angesehen, um Antworten auf die Fragen, die dieser Arbeit zu Grunde liegen, zu geben bzw. zu finden.

Der historisch-genetische Ansatz ermöglicht es, im Rahmen dieser Arbeit eine historisch-genetische Analyse der Konflikten am Balkan nach dem Kalten Krieg durchzuführen, diese Konflikte nicht als Konflikte zwischen Völkern verschiedener Kulturen zu behandeln, sondern als Konflikte zwischen Privatakteuren und Privatinteressen, bei denen die Politik und deren „Emotionalisierung“ Menschen in den Krieg ziehen lässt.

Auch der komparative Ansatz wird als angebracht angesehen, und zwar aus der Tatsache heraus, dass eine Analyse der modernen Konflikte und ein Vergleich mit dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, sowie mit den neuen Konflikten des jetzigen Jahrhunderts, zur besseren Darstellung der Konflikte und vor allem der Analyse deren Hintergründe, dient. Um das Phänomen der modernen Kriege zu analysieren, werden auch Kontextanalysen durchgeführt, da der Kontext als Phänomen zu berücksichtigen ist, und dessen Analyse für die Fragestellungen dieser Arbeit als hilfreich zu betrachten ist.

Da bei den methodischen Ansätzen dieser Arbeit der historisch-genetische als angebracht angesehen wird, und aus dem weiteren Grund, dass diese Arbeit eine langjährige Analyse der Konflikte des Balkans vor allem nach dem Kalten Krieg vorgenommen hat, ist diese Arbeit als eine Längsschnittstudie zu betrachten. Die Längsschnittstudie dient bei dieser Arbeit dazu, Konflikte über längere Zeit zu verfolgen und zu analysieren.

Diese Arbeit stützt sich in erster Linie auf Sekundärliteratur. Literatur in deutscher, englischer und auch albanischer Sprache, die ich in meiner Arbeit verwende, bietet dem Leser die Möglichkeit, die unterschiedlichsten Blickwinkel der Balkanforschung und Konfliktanalyse kennenzulernen.

Wichtige Forschungsergebnisse vieler AutorInnen, die über Kriege und Konflikte am Balkan, kulturelle Unterscheidungen zwischen Ländern und Völkern, über Realismus als Methode in der internationalen Politik etc. erarbeitet worden sind, dienen als

Ausgangspunkt, um zu eigenen Forschungsergebnissen und Antworten an die eigenen Forschungsfragen zu kommen.

Auch Primärliteratur wird in dieser Arbeit berücksichtigt, als wichtiges Element, Daten zu erheben und zu wichtigen Schlussfolgerungen zu gelangen.

Objekt der Kritik dieser Arbeit sind nicht die Kulturkreise, die verschieden sind, sondern die Politik, die besondere Kulturkreise bevorzugt und zu Konflikten zwischen verschiedenen Kulturkreisen aufhetzt. Die Arbeit ist schließlich als eine Kritik an Huntingtons Grundannahmen konzipiert worden. Das wäre auch einer der Gründe, die mich zur Auswahl dieses Themas bewogen hat. Themenbezogene Bücher, Zeitungsartikel und Vorträge von Autoren sowohl im deutschsprachigen als auch im englischsprachigen Raum und deren Analyse als sekundäre, zusätzliche Quellen, helfen dabei, über die Themenbereiche „Konflikte, moderne Konflikte, kulturelle Unterscheidungen, Realismus, weltliches Gleichgewicht, Kampf der Kulturen oder der privaten Akteure, Perspektive des Multikulturalismus am Balkan“ etc. mehr Information zu gewinnen und klare Antworten auf die Forschungsfragen zu geben.

I. V Aufbau der Arbeit

Huntingtons Theorie vom Kampf der Kulturen und seine in Bezug auf den Balkankonflikt vertretene These und Einstufung des Balkankonflikts als ein Kampf zwischen den unterschiedlichen Kulturen am Balkan, sind der Ausgangspunkt und der theoretische Rahmen dieser Arbeit. Florian Smutnys Theorie über Nationalismus und Vamik Volkans Analyse der historischen Wurzeln und der psychologischen Mechanismen ethnischer Konflikte und ihrer Bedeutung für die Zukunft, bieten einen anderen Blickwinkel für die Untersuchung des Balkankonflikts. In diesem zweiten Kapitel wird auf die engen Begriffdefinitionen eingegangen, die aufbauend meine These über die Balkankonflikte unterstützen. Dieses Kapitel erläutert den Realismus als Begriff und die neorealistischen Theoretikern, wie Kenneth Waltz, Richard Rosecrance, Robert Gilpin, Morton Kaplan um sich dann auf Huntington und seinen neoliberalistischen Ansätze zu konzentrieren.

Das dritte Kapitel untersucht und analysiert einige Gründe des Balkankonflikts, den Gesellschaftswandel und die neuen Entwicklungen nach dem Zusammenbruch des Kommunismus. Zivilgesellschaft, Eliten und Institutionen machen den Schwerpunkt dieses Kapitels aus. Es wird in diesem Kapitel auch die türkische Herrschaft am Balkan behandelt mit deren positiven und negativen Wirkungen sowie auch die kommunistische Zeit und deren Hinterlassenschaften in den Balkangesellschaften.

Im Zentrum der Untersuchung des 4. Kapitels steht die Rolle der nicht-staatlichen Organisationen und die Entwicklung der Zivilgesellschaft am Balkan. Konkret wird in diesem Kapitel die Entwicklung der Zivilgesellschaft in Albanien und in Serbien behandelt. Das 6. Kapitel befasst sich mit den nationalistischen Hintergründen des Balkankonflikts, mit den Aufständen der Völker Balkans unter der türkischen Herrschaft, für die Erlangung der Unabhängigkeit. Die Legitimation durch Mythen, Sprache, Traditionen, macht den Schwerpunkt dieses Kapitels aus. Das 7. Kapitel meiner Arbeit beschäftigt sich mit den nationalistischen Hintergründen des Balkankonflikts, mit Faktoren und Akteure, die den Konflikt beeinflusst haben. Es werden in diesem Kapitel auch die Gründe des Konflikts, wie Herkunfts- und Kontinuitätsfragen, Geschichte als Argument und als Waffe, Traditionell negative Bilder vom „Anderen“, etc. etc. behandelt.

Das 7. und das 8. Kapitel beschäftigen sich mit der Bedeutung der Identität am Balkan und mit der Bedeutung und die Rolle des Nationalstaates im internationalen Weltgeschehen.

Im 9. Kapitel wird auf die engen Begriffdefinitionen von Multikulturalismus eingegangen, wobei Multikulturalismus als Charakteristikum des Balkans sowohl Teil seiner Identität wie auch Teil seiner Problematik behandelt wird- eine Problematik, die die richtige Lösung braucht. Das 10. Kapitel, das sich mit der Bedeutung der Religion am Balkan beschäftigt, behandelt die Vorstellung von einer jahrhundertelangen islamisch-christlichen Konfrontation, von einem „Kampf der Kulturen“ im Balkanraum als ein Mythos.

Im Zentrum der Untersuchung des 11. 12. und 13. Kapitels steht die europäische Perspektive der Balkanländer und deren bis jetzt erreichten Fortschritte, sowie die Bedeutung der EU-Integration der Balkanländer im politischen, wirtschaftlichen Bereich, etc. Die Methoden und Wege wie die EU-Integration erfolgen soll, sind auch Teil der Untersuchungen. Das 14. Kapitel beschäftigt sich mit den Fehlern europäischer Politik am Balkan, unter Berücksichtigung Bosniens und Kosovos.

Das letzte Kapitel bietet eine Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse für die Themen die behandelt wurden, gibt eine Antwort an die gestellten Forschungsfragen und bietet auch konkrete Lösungen, wie Minderheiten am Balkan gefördert werden sollen und wie Multikulturalismus als eine Bereicherung Balkans erlebt und gefördert werden soll.

II. Realismus in der internationalen Politik

Als rationalistische Theorie geht der Realismus davon aus, dass soziale Akteure aus einem gegebenen Set von Handlungsmöglichkeiten diejenige Handlung wählen, mit der sie ihre Interessen am besten verwirklichen können. Die Akteure handeln nach ihren persönlichen Interessen bzw. Nutzen und, weil im internationalen System Chaos und Anarchie herrscht[1] , gibt es die Illusion des Friedens auf der Erde nicht. Der moderne Nationalstaat tritt als in sich geschlossener Akteur in der internationalen Politik auf.[2] Der nationale Machtkampf ist durch das staatliche Gewaltmonopol begrenzt. Die internationale Politik ist aber durch das Machtstreben aller Staaten gekennzeichnet und weil sie von Konflikten geprägt ist, gibt es stets die Möglichkeit der Gewaltanwendung. Das Gleichgewicht zwischen verschiedenen Mächten aufrecht zu erhalten ist der einzige Weg, um eventuelle Konflikte zu vermeiden. Der Realismus ist eine wichtige Theorie der internationalen Politik. Er geht von einem pessimistischen Weltbild aus, in dem der Mensch von Trieben gesteuert wird, nicht nur rational handelt und denkt und nicht immer lernfähig und lernwillig ist, Konflikte durch Kompromiss und Toleranz zu lösen. Habgier, Machtgier und Selbstbehauptung bestimmen das menschliche Wesen und sein Handeln. Das gilt auch für die Staaten als Akteure der internationalen Politik, weil die realistische Theorie nicht Gesellschaften, sondern Staaten als Akteure des Weltgeschehens mit ihrem Self-help-System sieht.[3] Weil Staaten als wichtige Akteure in der internationalen Politik zu sehen sind, geht der Realismus davon aus, dass die Beziehungen zwischen den Staaten von Anarchie geprägt sind.

II. I Grundannahmen des neoklassischen Realismus

Huntington ist ein Vertreter des Postrealismus oder neoklassischen Realismus der 90er Jahre. Beim neoklassischen Realismus wurden hauptsächlich die Prämissen des klassischen Realismus übernommen. Jedoch wird die anarchische Struktur des internationalen Systems wie auch das daraus resultierende Sicherheitsdilemma als Antrieb gesehen, dass Staaten vorrangig an Sicherheit interessiert sind und somit eine an Autonomie und Einflussmehrung orientierte Politik betreiben. Denn aufgrund der anarchischen Struktur des internationalen Systems ist jeder Staat aus Eigeninteresse angehalten, nicht nur darauf zu achten, dass ihm die internationale Kooperation absolute Gewinne einbringt, sondern auch sicherzustellen, dass er durch internationale Kooperation nicht, relativ zu anderen Staaten, weniger Gewinne als jene erzielt. Dem neoklassischen Realismus zufolge stützt sich die zwischenstaatliche Kooperation auf eine Hegemonialmacht. Die wichtigsten neorealistischen Ansätze sind:

- Der Staat ist der Hauptakteur in der internationalen Arena.
- Die Politik jedes Staates ist ein permanenter Überlebenskampf zur Verteidigung der staatlichen Souveränität.
- Das Streben jedes Staates nach Macht dient der Bewahrung seiner Existenz und Unabhängigkeit.
- Macht ist für den Staat ein Mittel zum Zweck und Selbstzweck.
- Die internationalen Beziehungen sind in erster Linie eine Arena für Konflikte und nicht für Toleranz und Kompromisse.
- Die Ursache der Konflikte ist die anarchische Struktur der Staatenwelt und nicht die menschliche Natur.[4]
- Die Politik ist laut dem neorealistischen Ansatz der Kultur, der Religion, der Wirtschaft und allem anderen übergeordnet.
- Sowohl politischer als auch gesellschaftlicher Wandel sowie andere Veränderungen werden im neoklassischen Realismus außer Acht gelassen.
- Realisten verfolgen keine aktive Friedenspolitik.
- Die neue Bedeutung der (nationalen) Identität in der internationalen Politik wird betont.
- Es treten neue, nicht-staatliche Akteure in der politischen Arena auf.

II. II Huntingtons realistische Grundannahmen

Huntingtons Werk und seine neorealistische Methode stellen ein neues Modell für die Struktur des internationalen Systems dar, in dem es um Folgendes geht:

- Die Kooperation und die Interdependenz zwischen den staatlichen Akteuren.
- Die Bedeutung von Identität vor allem nach dem Kalten Krieg.
- Die Gruppierung von kulturell verwandten Staaten in Zivilisationskreisen.
- Die weiterhin bedeutende Rolle des Nationalstaates in der internationalen Arena.
- Die kulturellen Wurzeln der künftigen Konflikte und die Rolle, die dabei Religion und Ethnizität spielen. Die Konflikte finden an den Grenzlinien zwischen Zivilisationen statt.
- Die Multipolarität der Welt und die Universalität der Kultur.
- Die Rolle der NGOs in der internationalen Politik.

Zu den neorealistischen Theoretikern zählen auch Kenneth Waltz, Richard Rosecrance, Robert Gilpin und Morton Kaplan. Wie bereits erwähnt, vertritt Samuel Huntington die neue realistische Strömung und er sieht, wie auch John Mearsheimer, mit dem Aufstieg Chinas und Indiens den Rückfall in die klassischen Großmachtkonflikte. Das Ende des Kalten Krieges und das Zeitalter der Globalisierung führen dazu, dass die Realismustheorie an Boden verliert, die realistische Position mit ihrer These, dass erstens Frieden durch hegemoniale Stabilität gesichert wird, zweitens Neoisolationismus die Folge des Wegschauens und Nichtintervenierens ist und dass es drittens angesichts der neuen Entwicklungen keinen realen Boden für eine Weltgemeinschaft und Weltgesellschaft gibt, bleibt dennoch erhalten.

Als Neorealist begründet Huntington das Streben nach Macht anders als die klassischen Realisten, die die These vertreten, dass das Streben nach Macht ein wesentlicher Teil der Natur des Menschen ist und daher der Grund für die Entwicklungen und die Konflikte im internationalen System ist. Hans Joachim Morgenthau ist einer der Vertreter des klassischen Realismus.[5]

Die Neorealisten (u. a. Huntington) gehen von der Annahme aus, dass der wesentliche Grund für das Sicherheitsdilemma der Staaten in der anarchischen Struktur des internationalen Systems zu finden sei. Laut Huntington und den Neorealisten versucht der Staat, um Unabhängigkeit und Sicherheit zu bewahren, seine Macht auszubauen und seinen Einfluss zu verbreiten. Der Unterschied zwischen dem klassischen Realismus und dem huntingtonschen Neorealismus besteht darin, dass die Neorealisten statt „Macht“ den Begriff „Sicherheit“ verwenden. Die gesellschaftlichen Entwicklungen im Allgemeinen und die politischen und innenpolitischen Veränderungen spielen für die Neorealisten keine allzu wichtige Rolle.

III. Einleitung zum Gesellschaftswandel und zur Entwicklung der Kultur am Balkan

Wie wirken sich die erweiterten Chancen für Individualisierung und soziale Vernetzung, die mit der postkommunistischen Transformation und der EU-Integration einhergehen, für die Individuen von verschiedenen Klassen, Ethnien und Geschlecht aus?

Der Wandel erfasst alle Bereiche des Lebens am Balkan und jeden. Individuum, Familie, Gesellschaft stehen nach 1989 im Umbruch. Die politischen und sozialen Entwicklungen nach diesem Jahr beeinflussen den gesamten Prozess der Transition. Vorstellungen, Normen, Verhaltensweisen, materielle Kultur, soziales Verhalten, Denkensweise, Lebensweise, Konzepte, Menschen, Identität und Identitäten durchlaufen den Umbruch aber mit unterschiedlichem Tempo. Seit dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes in Bulgarien werden neue Phänomene verzeichnet, die eigentlich nicht nur für Bulgarien, sondern für den ganzen Balkan typisch sind.[6]

Die Landflucht und die Urbanisierung führen zum starken Anwachsen der Städte, zur sozialen Differenzierung, zur Entstehung neuer Klassen bzw. Bevölkerungsschichten etc. Es ist durchaus schwierig, die Komplexität und die Dynamik der gesellschaftlichen Entwicklungen und das gesellschaftliche Verhältnis nach 1989 nur anhand einer primär ökonomisch-klassentheoretisch argumentierenden Ungleichheits- und Gesellschaftstheorie zu erklären und zu analysieren. Mit der Aufteilung in Klasse, Ethnizität und Rasse als Achsen der Ungleichheit sind die Voraussetzungen des unterschiedlichen Tempos der Entwicklung geschaffen. Statt kollektivistischem Gesellschaftsleben werden in den Studien zur Gesellschaft neue Phänomene wie z. B. zunehmende Pluralisierung und Individualisierung hervorgehoben. Geschlechtsspezifische Ungleichheiten prägen das Leben in der Transition. „ Die Herr ‘, das sind nicht nur die politischen Machthaber, sondern auch die Rollenfiguren – der Vater, der Bruder, der Geliebte, der Ehepartner – in ihrer Bedeutung für das Leben einer Frau.“[7]

Arbeitslosigkeit, Armut und fehlende Perspektiven beeinflussten die Mobilität. Darunter sind nicht nur Landflucht oder Migration ins Ausland zu verstehen, die das Alltagsleben vieler Länder charakterisieren, sondern eine allgemeine Tendenz zu reisen – beruflich, privat etc. –, die vor allem vom EU-Beitritt beeinflusst und begünstigt wird, da jetzt z. B. Bulgaren und Rumänen von ihren Rechten als EU-Bürger (Reisefreiheit, Recht der Ausübung des Berufs in jedem beliebigem EU-Land) Gebrauch machen können. Für die ältere Generation stehen die Chancen auf Mobilität eher schlecht. Das gilt auch für arme Bevölkerungsschichten, Roma und teilweise auch Türken. Türkische und Roma-Frauen sind, aufgrund ethnischer Differenzierungen, von Mobilität ausgeschlossen. Armut, keine oder schlechte Ausbildung, Verheiratung im jungen Alter, Familie und Kinder, um die sie sich zu sorgen haben, sind keine gute Voraussetzung für Mobilität. Die Bevölkerung in den Städten ist in diesem Sinne privilegiert, weil sie schon in der kommunistischen Ära eine gute Ausbildung genossen hat. Außerdem stehen der Bevölkerung in den Städten mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, sich anzupassen, flexibel zu werden, von den Situationen zu profitieren etc. Gut ausgebildete Frauen haben es geschafft, sich durchzusetzen und sowohl beruflich wie auch privat mobil zu sein. Diese Frauen gehören der Mittelschicht an und bedingt durch diesen sozialen Status „genießen“ sie die Vorteile der Transition und des EU-Beitritt des Landes.

Es gibt auch die Unterschicht, die am Rande der Gesellschaft lebt und von jedem Prozess und Vorteil ausgeschlossen ist. Die Männer dieser Bevölkerungsgruppe profitieren von der Mobilität nicht. Frauen aus der sozialen Unterschicht, überwiegend arbeitslose und Sozialhilfeempfängerinnen, werden oft Opfer des Menschenhandels („human trafficing“). In der Hoffnung, im Westen einen Job zu bekommen, werden sie meistens Opfer von leeren Versprechungen und enden als Prostituierte. Das sind die Perspektiven und Chancen der Klassen und Geschlechter “in this passage from ‘patriarchal state socialism’ to ‘patriarchal democracy’.”[8] Ethnische Bulgarinnen, Serbinnen, Mazedonierinnen und im Allgemeinen Frauen aus der Mittelschicht, in der Stadt oder am Land lebende Frauen, Romafrauen, Türkinnen, Armenierinnen, Jüdinnen, Pomakinnen etc. – es genügt so eine Aufteilung der Frauen in Klassen und Schichten, um zu zeigen, welcher Chancenungleichheit Menschen (und konkret Frauen), trotz kosmetischer Züge der Europäisierung, ausgesetzt sind.

Jugendliche sind vom Transformationsprozess am Balkan schwer betroffen. Die Chance auf eine gute Ausbildung, auf einen guten Job und auf eine Perspektive bleibt wenigen Buben und Mädchen aus dem Balkan erhalten. Armut, Perspektivenlosigkeit, keine Chance auf eine gute Ausbildung, daher keine Chance auf einen Job, Prostitution etc. sind unzählige Probleme der Transitionszeit, mit denen Jugendliche am Balkan zu kämpfen haben.

Im Rahmen meines Balkanlehrgangs habe ich zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen einen Film über „Tschalga“, eine neue Musikrichtung in Bulgarien gesehen.

Tschalga[9] ist eine „künstlerische Missgeburt“ des Kapitalismus bzw. dessen, was sich die meisten vom Kapitalismus versprachen: ein Geschäft, eine Firma zum Reichwerden und um Ansehen zu genießen einerseits, und andererseits ein leichtes oder sogar ein Traumleben in Luxus, mit allem was dazu gehört. „Payner Music Company“ und sein Geschäftsführer Mitko Dimitrov hat eine sehr gute Verdienstmöglichkeit gesehen und die Chance ergriffen – eine Goldgrube im wahrsten Sinne des Wortes. Tschalga ist das Erfolgsrezept von Payner Music und ein gutes Business für Mitko Dimitrov. Letztendlich veröffentlicht seine Firma jährlich unzählige Alben, DVDs und Compilations. Und als ob das nicht genug wäre, gehört der „Payner Music Company“ auch der Musiksender Planeta TV, der via Satellit für die Diskotheken-Kette Planeta Payner sendet. Dieses Firmenimperium ist Marktführer im Folkmusic-Business und hat es geschafft, die professionelle Produktion, den „kreativen Prozess“, die technologische Realisierung und die Lieferung in eigene Diskotheken, also bis zum Kunden, zu leisten. Die erwirtschafteten Gewinne sind enorm, was dem Publikum angeboten wird, ist unwichtig.

In Zusammenhang mit dem Phänomen „Tschalga“ möchte ich das zweite Problem ansprechen, und zwar die Frage, was sich die Menschen vom Tschalga versprechen und inwieweit Tschalga dem Traum und dem Wunsch jedes armen oder einfachen Menschen nach einem schönen und luxuriösen Leben entspricht. Tschalga ist der Ausdruck dessen, was sich die meisten vom Kapitalismus versprachen: ein einfaches Leben, in dem man alles im Handumdrehen ändern kann, ein Markenauto, Reichtum, Anerkennung, eine hohe Position, viel Geld. Damit manipulieren Firmen wie „Payner Music Company“ die Menschen und vor allem die jungen Buben und Mädchen, die aus ihrer perspektivlosen Situation heraus wollen und denken, dass ein bisschen künstlerisch und charismatisch zu sein gepaart mit viel Nacktheit der Weg zum Erfolg ist, das heißt zum Berühmt- und Reichwerden. Ich persönlich komme vom Westbalkan, ein Tschalga-Phänomen habe ich in meinem Land nicht erlebt. Deswegen ist es für mich nicht nachvollziehbar, da ich erst vor ein paar Jahren, im erwachsenen Alter, nach Österreich gekommen bin: wie leer muss das Leben dieser jungen Menschen gewesen sein und wie perspektivlos muss ihre Zukunft ausgesehen haben, dass man als Jugendlicher keine andere Wahl hat, als sich solchen Mediokritäten mit Leib und Seele zu widmen? Ein Casting für junge Talente ist der Event des Jahres. Diese Perspektivlosigkeit der jungen Generationen am Balkan ist das dritte Problem, das sich aus dieser Analyse herauskristallisieren lässt.

Die Perspektivlosigkeit spiegelt sich auch im Leben von Erwachsenen wider, Frauen und Männern, die bis vor kurzem einen Job zum Überleben gehabt haben und jetzt arbeitslos sind. Viele am Balkan (und in Osteuropa) versuchen mit der Gründung eines Geschäfts das Überleben zu sichern, denn etwas zu kaufen und verkaufen zu können ist eine der wenigen Möglichkeiten zum Überleben. Das Problem, das sich daraus ergibt, ist diese Kommerzialisierung des Lebens in allen Bereichen, die jedoch für verschiedene Menschen mit unterschiedlichem Tempo vorangeht, denn nicht alle besitzen den Geschäftssinn in gleichem Maß und in gleicher Weise, und nicht alle würden anderen eine Ware als schön und modern anbieten während sie selbst nichts davon halten, außer von den lukrativen Gewinnen, die das Geschäft bietet.

Das letzte Problem, das sich aus der Tschalga-Musik[10] und den leicht bekleideten Sängerinnen ergibt, ist der, Sexismus der im Fernsehen, im Radio und im Alltag in Bulgarien floriert. Der Sexismus floriert leider nicht nur in den Fernsehsendungen, sondern leider auch in den Geschichtsbüchern. Ist vielleicht die Vorliebe der heutigen 20-jährigen Mädchen in Bulgarien eine Negierung der Vorbilder der kommunistischen Zeit, wo die Frau „als ,das Andere‘, als ein fundamental vom Mann unterschiedliches Naturwesen dargestellt [wurde], das unveränderlich ist und zur Fortpflanzung, zur Erziehung der Kinder und zur Arbeit im Haus und auf dem Felde sein Leben fristet, sich um die kleinen Dinge des Alltags kümmert und von Aktivitäten in der öffentlichen Sphäre gehütet wird“?

Kann Tschalga der Ausdruck des Wunsches der heutigen Mädchen Bulgariens nach mehr Anerkennung ihrer Rolle der Frau durch den Mann, durch die Gesellschaft, durch die Geschichte, der Wunsch nach Öffentlichkeit, nach mehr Freiheit und nach mehr Vergnügen sein? Wäre das von einer banalen Musik und den dahinterstehenden profitgierigen „Managern“ und Kultfirmen zu erwarten?! Wenn ja, dann sollte, meiner Meinung nach, der Begriff „Emanzipation“ in allen Wörterbüchern umgeschrieben werden …

Denn mit „Tschalga“ hat der historische Kontext seine Widerspiegelung in der Kunst gefunden, und was für eine …

Ich versuche in Albanien durch ehrenamtliche Arbeit etwas zu bewegen, was Menschenrechte, Frauenrechte, Integration von Waisen, Jugendlichen am Arbeitsmarkt etc. angeht. Ich habe im vorigen Jahr ein Projekt von Amnesty International betreut, bei dem es darum geht, dass Waisenkinder in Albanien unter normalen Konditionen leben können, in die Gesellschaft integriert werden, die gleiche Chancen am Arbeitsmarkt erhalten und vor Drogen sowie vor der Prostitution beschützt werden. Ich war traurig darüber, wie hoffnungslos junge Mädchen und Buben dastanden, ohne Unterstützung, ohne Hoffnung. Ich war vor allem enttäuscht darüber, dass staatliche Institutionen, Ministerien und auch die Gemeinde Tirana über keine Statistiken verfügen. Wie kann man diesen Jugendlichen helfen, wenn man nicht weiß, wo sie leben, wovon sie leben, wie sie überhaupt heißen?

Ich möchte damit zum Ausdruck bringen, dass die armen Schichten vom ganzen Prozess der Transformation überhaupt nicht profitieren und Jugendliche in sehr armen Regionen von Reformen der Regierung oder auf europäischer Ebene überhaupt nichts mitbekommen, geschweige denn profitieren. Und es ist in Albanien so, in Serbien, in Kroatien, in Rumänien, Bulgarien und überall am Balkan. Die Regierungen des Balkans vernachlässigen die junge Generation und auch die EU erreicht mit den wenigen Reformen nur die Jugendlichen in den Hauptstädten und dort nur die Kinder der Ober- und Mittelschicht. Der Rest in den Peripherien der Großstädte oder in den ruralen Regionen ist und wird nie Bestandteil einer sich transformierenden Gesellschaft.

III. I Türkische Herrschaft am Balkan

Die Geschichte des Balkans fängt nicht mit der türkischen Herrschaft an. Aber die Entwicklungen am Balkan kann man ohne die Berücksichtigung dieser Periode nicht erklären und nicht nachvollziehen. Diese Herrschaft hat das Leben am Balkan in positiver, aber leider auch in negativer Weise beeinflusst.

Im kollektiven Gedächtnis aller Völker des Balkans ist die Türkenherrschaft ein Symbol für Rückständigkeit, Abgrenzung, Verwüstung und eine Trennlinie zum Westen. In vielen Balkanländern wird sie „türkisches Joch“ genannt.

Vom Jahr 1369 bis zum Jahr 1878, zum Teil sogar bis 1912, also 500 Jahre lang standen die Balkanstaaten unter türkischer Herrschaft. Nationale, ethnische und die damit verbundenen religiösen Diskurse kommen ins Spiel und es wird versucht, in einer komplexen Situation die Komplexität der balkanischen Identität zu vereinfachen, einen einfachen Weg zu finden, wenigstens die dunkle Zeit der türkischen Herrschaft und deren Einfluss auf die balkanische Identität aus dem Weg zu räumen. Bulgarische Bürger, die etwa während der türkischen Herrschaft durch Zwang moslemisiert wurden, werden Bulgaren mit „verdunkeltem Selbstbewusstsein“ genannt. In der kommunistischen Diktatur wurden türkische Bulgaren der Assimilierung ausgesetzt.

Die Probleme, die es auch nach sehr langer Zeit in Bezug auf die türkische Minderheit in Bulgarien gibt, sowohl was die politische Partizipation als auch andere Minderheitenrechte betrifft, zeigen, wie tief nationale und ethnische Identitätsdiskurse mit dem Thema Türken, türkische Herrschaft und allem, was mit den Türken in Zusammenhang steht, verbunden sind, und wie tief das Bild des Feindes im Bewusstsein eines Volkes verankert ist, und wie schwierig es ist, wissenschaftliche Klarheit und wissenschaftliche Logik in das Thema einzubringen. Eine negative Rolle spielt dabei die traditionelle, orthodoxe und autoritäre Denkensweise, die bis in die Pädagogik reicht und dafür sorgt, dass die heutigen Türken in Bulgarien immer noch anders behandelt werden.

Das „türkische Joch“ steht nicht nur im Volksmund für die dunkle Periode der türkischen Herrschaft in Bulgarien. Ob in Albanien, in Kroatien, in Serbien oder anderswo, symbolisiert sie den Rückstand, die Unterentwicklung, die Trennung von Europa und somit die Trennung von der Aufklärung, vom Humanismus uns von allem Positiven, das Europa in sich hat. „Europa begann dort, wo das türkische Reich einmal geendet hatte.“ Das „türkische Joch“ steht als Bezeichnung für die Isolation von der entwickelten Welt, als Bezeichnung für eine patriarchale Gesellschaft, wo Sitte, Verwandtschaft und Gewohnheitsrecht mehr als alles andere Bedeutung hatten. „Türkisches Joch“ ist die Bezeichnung für die unterentwickelte Verwaltungsstruktur der Osmanenherrschaft basierend auf dem osmanischen Verwaltungssystem Millet. Was für den Balkan „nach dem türkischen Joch“ kommt, ist die Rückkehr nach Europa, die Befreiung von der fünfhundertjährigen türkischen Herrschaft und die Bewahrung der kulturellen und ethnischen Identität jedes Balkanvolkes.

Mit dem negativen Türkenbild möchten die Balkangesellschaften sich von ihrer Vergangenheit und deren Konsequenzen abgrenzen. Aber die Türkenzeit ist die bequeme Ausrede dieser Völker für die alten und die neuen Probleme der Transitionszeit.

Natürlich hatte die Türkenzeit Auswirkungen auf die geschichtliche Entwicklung des Balkans. Tatsache ist aber, dass die türkische Herrschaft auch positive Aspekte in Bezug auf den Balkan hatte – als eine raumbeherrschende und friedenssichernde Ordnungsmacht, geprägt von der (relativen) religiösen Toleranz der muslimischen Herren und als eine Epoche, die das Zusammenleben der Völker und Volksgruppen des Balkans, der verschiedenen Ethnien und unterschiedlichen Sprachen und Glaubensgemeinschaften sehr positiv prägte und begünstigte.

„Schon die islamische Kernbotschaft war ein Aufruf zur Völkereinigung, aber auch Völkervermischung und -angleichung, nicht zur Differenzierung und Bewahrung des Andersartigen.“[11]

Im Osmanischen Reich wurden die Balkanvölker unter dem sogenannten Millet-System in Ruhe gelassen, solange man seinen Aufgaben (Kriege und Eroberungen für das Osmanische Reich) nachgehen konnte.

Die osmanische Herrschaft wählte am Balkan eine militaristische Regierungsform, die Verwaltung und die Ausübung des religiösen Bekenntnisses waren jedoch sehr autonom. Ein anderer Beweis dafür, dass es keine strikten Grenzen zwischen den Religionsbekenntnissen des Balkans gibt und dass die Vorfahren der heutigen Balkanvölker ihr religiöses Bekenntnis mehrmals geändert haben, ist die Tatsache, dass sich die Herrenschicht des Balkans zum Islam bekannte. Das war mit vielen Privilegien verbunden und sowohl Muslimen aber auch Christen, die zum Islam konvertierten, stand der Aufstieg in die höchsten Ämter des Osmanischen Reiches offen. Verschiedene Großwesirsfamilien vom Balkan selbst bestimmten die Staatsführung des Balkans. Ein Beispiel dafür ist die Großwesirsfamilie albanischer Abstammung Körpülü oder der serbische Großwesir Mehmet Sokollu. Die christliche Bevölkerung war nicht der Willkür der Landbesitzer ausgeliefert und ihr blieb die Leibeigenschaft als Steuer erspart. Die nicht-muslimische Bevölkerung hatte die Kopfsteuer, auf türkisch „haraç“, zu erbringen. Obwohl die Nicht-Muslime in einigen Bereichen diskriminiert waren, genossen sie was die religiösen Angelegenheiten angeht eine „großzügige“ Autonomie. Das Milletsystem erkannte den ökumenischen Patriarchen nicht nur als Sprecher des orthodoxen Millet an, sondern übertrug ihm die jurisdiktionelle Gesamtverantwortung für die Orthodoxen im gesamten Osmanischen Reich. (Das war die Zeit, in der aufgrund der Aufteilung der großen orthodoxen Kirche viele autonome Kirchen entstanden sind.) Zwar schaffte Großwesir Mehmet Sokollu die Restitution der serbischen Kirche unter dem Patriarchen von Peja/Peć/Ipek im Jahre 1557. Die christlichen Balkanvölker hatten sich mit der osmanischen Eroberung abgefunden und der Widerstand war nicht groß. Ab der griechischen Revolution von 1821 kann man von einer Aufhebung der griechischen Kirchenführung und einem Abwehrkampf der christlichen Bevölkerung sprechen. Beachtenswert war vorher der Aufstand der Serben im Paschalyk-Belgrad, der aber nicht gegen das Sultansregime gerichtet war, sondern gegen Korruption und die Machenschaften der lokalen Machthaber, die sich an öffentlichen Mitteln bereicherten.

Selbst die „türkische Revolution von 1804 war aber zunächst keine von Dichtern und Denkern getragene Bewegung. Sie entstand vielmehr aus dem Aufbegehren eines drangsalierten Bauernvolkes und aus Selbsthilfe gegen illegale Unterdrückung und überhandnehmende Unordnung in den Balkanprovinzen des Osmanischen Reichs. Aus anfänglichen Erfolgen ergab sich die Notwendigkeit einer Organisation, zuerst im militärischen, später auch im staatlichen Bereich.“[12]

Zu den „Hinterlassenschaften“ der osmanischen Herrschaft in Südosteuropa zählen:

- Die schwach entwickelte Agrarstruktur
- Eine schwach entwickelte Bourgeoisie
- Ein schwacher, korrupter Staatsapparat
- Die Distanz der Balkanbevölkerung zum bürokratischen Staatsapparat
- Keine bodenständige Aristokratie
- Die rückständige Balkangesellschaft
- Die schwache Infrastruktur
- Die paternalistischen Traditionen und die klientelistischen Verhaltensweisen
- Eine bis heute noch schwache Zivilgesellschaft
- Da die Scharia nicht nur religiöse Angelegenheiten, sondern alle menschlichen Lebensbereiche regelte, ließ sie keine indivuelle Privatsphäre zu. Insofern ist der Islam noch weit mehr als der Kommunismus ein totalitäres Herrschaftssystem. „Was stimmt, ist die deutliche Zurücksetzung der Frau dem Mann gegenüber im islamischen Religionsrecht, der so genannten „Scharia“,[13] was jahrhundertelang das Leben am Balkan geprägt hat und muslimischen Bevölkerungsgruppen und ihre Stellung zu der Rolle der Frau immer noch prägt.[14]

III. II Das kommunistische Erbe des Balkans

Wenn man die Geschichte der Balkanvölker näher betrachtet, vor allem die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, versteht man, wieso das Jahr 1989 das Jahr der Wende für ganz Europa ist. Für Osteuropa hat das Jahr 1989 eine ganz besondere Bedeutung in seiner Geschichte: das kommunistische System in Osteuropa ist nicht mehr in der Lage, politische, wirtschaftliche und soziale Probleme zu lösen und bricht zusammen. Es folgt in Osteuropa das Ende des Totalitarismus, im November 1989 in Bulgarien, im Dezember 1989 in Rumänien und Ende 1991, mit dem Zerfall der Sowjetunion, werden viele Länder der Sowjetunion unabhängige Staaten. 1990 bricht auch in Albanien das kommunistische System zusammen. Der eiserne Vorhang, der die kommunistischen Länder Osteuropas für 50 Jahre vom Rest der Welt getrennt hatte, ist gebrochen und die Diktaturen, die die Völker Osteuropas unterdrückt hatten, existieren nicht mehr, genausowenig diese Trennung der Welten durch Ideologien und westöstliche „Erfindungen“, die die Freiheit des Denkens in der Wiege erstickt haben.

Der Zusammenbruch des kommunistischen Systems stellte diese Länder vor zwei Alternativen: entweder Chaos und Zerstörung oder Demokratisierung und marktwirtschaftliche Orientierung. Anders als in anderen Staaten wie zum Beispiel Albanien, das eine totale Isolation vom Rest der Welt erlebten, was der neuen Orientierung Richtung Europa auch sehr geschadet hat, hatte der Ostbalkan (Bulgarien, Rumänien etc.) aufgrund der geografischen Nähe mehr Bezug zum Westeuropa gehabt. Aus diesem Grund präsentiert die Demokratisierung der Länder des Ostbalkans, die marktwirtschaftliche Orientierung der ex-kommunistischen Volkswirtschaften und die europäische Integration eine Herausforderung, die mit weniger Problemen verbunden ist als am Westbalkan. Die marktwirtschaftliche Orientierung war auch für die Länder Ex-Jugoslawiens sehr leicht, aufgrund der Tatsache, dass in Jugoslawien Selbstbestimmung[15] schon lange eine wirtschaftliche Realität war und die wirtschaftlichen Beziehungen Jugoslawiens zum europäischen Westen keine Seltenheit, sondern eine Realität und Erfahrung waren. Am schlimmsten traf die neue Situation Albanien, das seit 1944 eine Politik der Isolation und der Geschlossenheit verfolgte.

Welches Erbe haben die kommunistischen Regime im Hinblick auf gesellschaftliche Strukturen hinterlassen? Das ist die Frage, die sich im Zusammenhang mit den heutigen Entwicklungen des Balkans stellt. Denn genau wie die türkische Herrschaft hat auch diese Zeit ihre positiven, aber auch negativen Spuren hinterlassen. Dieter Segert analysiert das positive und das negative Erbe des Staatssozialismus und ist der Meinung, dass zum positiven Erbe des Kommunismus die hohe Alphabetisierungsrate der Bevölkerung gehört, die geringere Kindersterblichkeitsrate, die geringe Armut im Vergleich zum Süden und die große Investition des Sozialismus in Humankapital.[16] Ich bin der Meinung, dass diese Charakteristika auch für die Länder des Balkans gelten, denn nicht nur in Osteuropa (Polen, Tschechoslowakei etc.) sondern auch am Balkan (Bulgarien, Rumänien, Ex-Jugoslawien, Albanien etc.) war die Alphabetisierungsrate hoch und die medizinische Versorgung eine sehr gute und zwar auch in den entlegensten Regionen des Landes.

Die Gemeinsamkeit zwischen den Balkanländern ist das gemeinsame Erbe bezüglich gesellschaftlicher Strukturen, die die kommunistischen Regimes hinterlassen haben, da sich die Länder nach einer gleichen bzw. sehr ähnlichen „Formel“ entwickelt haben. Mittels einer Untersuchung „balkanischer“ Strukturmuster, Lebensverhältnisse und Mentalitäten, die den Balkan während des Kommunismus geprägt haben, kommen wir zu wichtigen Erkenntnissen über die gesellschaftlichen Strukturen.

Die vom Kommunismus geerbten gesellschaftlichen Strukturen der Balkanländer unterscheiden sich kaum voneinander. Die gesellschaftlichen Strukturen der Balkanländer während der kommunistischen Ära sind auf die Entwicklungen in Osteuropa während des Zweiten Weltkrieges zurückzuführen und werden von den politischen Entwicklungen nach dem Jahr 1944 bestimmt und konsolidiert. Die Ideologie und die politische Führung der Balkanländer haben die politischen, die gesellschaftlichen und die wirtschaftlichen Entwicklungen dieser Länder stark beeinflusst. Es folgte die Adaption des gesamten Lebens, wie Politik, Recht, Verwaltung, Wirtschaft, Kultur etc., nach sozialistisch-marxistischen Vorbildern.

Die Etablierung des Kommunismus in den Balkanländern und dessen „Objektiv“: Was ist das Erbe der sozialistischen Ära? Die Frage könnte beantwortet werden, wenn man die „Ziele“[17] der sozialistischen Politik näher betrachtet, und zwar:

- historisch gewachsene Ungerechtigkeiten zu beseitigen
- das „bürgerliche Kapital“ zu vernichten oder nicht entstehen zu lassen
- die Bildungsdefizite in der Gesellschaft zu beheben
- die Industrialisierung und die Urbanisierung in Gang zu setzen
- die nationalen Gegensätze zu überwinden
- dem Volk eine heilvolle Zukunft in Aussicht zu stellen
- die Sicherheit der „brüderlichen“ Sowjetunion zu gewährleisten
- den Einfluss „des imperialistischen Westens“ einzudämmen

In wirtschaftlicher Hinsicht erfolgt am Balkan, genau wie in Osteuropa insgesamt, der Prozess der Kollektivierung der Industrie und der Landwirtschaft. Dadurch wird:

- die gesellschaftliche Struktur stark beeinflusst;
- das kommunistische System macht es möglich, dass Schattenwirtschaft und Korruption blühen;
- aufgrund der gesellschaftlichen Strukturen in Albanien, Bulgarien, Rumänien, Mazedonien etc. konnte sich eine namhafte Dissidentenbewegung wie in der Sowjetunion, Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn nicht entfalten;
- etablierte Kräfte aus der Periode des Sozialismus behalten wesentliche Hebel der Macht in der Hand.

Die Homogenität der sozialen Lage in der kommunistischen Ära am Balkan und die Existenz der drei typischen „Klassen“ des Kommunismus:

1. die Arbeiterklasse
2. die bäuerliche Klasse
3. die während des Kommunismus entstandene „intellektuelle Schicht“,

beweisen die Herausbildung eines „Klassenbewusstseins“ und beeinflussen die Formierung von „Kollektivakteuren“, von kollektivem Bewusstsein und kollektivem Gedächtnis.

Die kommunistische Ideologie bietet die Chancen der Herausbildung „kollektiver“ Identitäten und Akteure. Es gab eine Institutionalisierung von Lebenslaufmustern im Sozialismus, aber keine oder sehr wenig abweichende Differenzierung von Verlaufsformen. Die Differenzierung von Berufsverläufen oder die Zuordnung zu einer anderen Klasse oder Schicht waren im Sozialismus möglich. Jemand dessen Eltern Arbeiter oder Bauer waren, könnte aber der intellektuellen Schicht angehören (durch ein abgeschlossenes Studium), und somit die Klassenidentität des Vaters bzw. der Familie „verlassen“.

Egal welcher Klasse oder Schicht man im Sozialismus angehört, man lebt und erlebt die „Institutionalisierung von Kontinuität“, von Kontinuitätserfahrungen, den lebensgeschichtlichen Erfahrungshintergrund und das kollektive Erleben. Die kollektive Arbeit, das kollektive Leben machen es möglich. Die Menschen leben nach dem Moto „Ich bin für jeden da, jeder ist für mich da“.

Mit dem Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa und am Balkan geht der Ostblockmarkt verloren und die Industrie und die kollektive Landwirtschaft sind größtenteils rückständig und reformbedürftig. Der Krieg in Jugoslawien trifft Bulgarien mit dem Wirtschaftsboykott schwer und der ganze Balkan leidet an die Konsequenzen des Krieges. Für einige Balkanländer ist die Situation noch schwieriger, weil sie nach einem Sonderstatus im europäischen Gefüge suchen.

Wenn man die Konsequenzen des Sozialismus zusammenfassen möchte, kommt man zu diesem Ergebnis:[18]

- Die Euphorie des Aufbaus einer neuen Welt verflüchtigte sich nach und nach.
- Der Schwung der Modernisierung ging in den 1970er Jahren verloren.
- Die heilvolle Zukunft wurde immer mehr eine hohle Phrase der kommunistischen Parteien.
- Die ideologische, wirtschaftliche und militärische Bindung an die Sowjetunion erwies sich in wachsendem Maß als Hemmung für den Fortschritt.
- Das System ließ Schattenwirtschaft und Korruption blühen.
- Der europäische Westen gewöhnte sich an diese Situation.
- Die Regime in Bulgarien und Rumänien griffen zur Ersatzhandlung namens „Nationalkommunismus“.

Nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Ära beginnt die Transitionsphase, die mehr oder weniger gleiche Charakteristika für alle Balkanländer aufweist.[19] Der Unterschied betrifft nur die Länder Ex-Jugoslawiens, die von 1990-2000 mitten im Krieg standen.

III. III Postkommunismus und Transition

Mladen Lazic[20] spricht, wenn er die strukturellen Veränderungen in Serbien, was die Transitionszeit anbelangt, analysiert, von

“Two periods and their characteristics:

1. The blocked transformation from 1989 till half of the 90s’ with the destabilization during 1980, economic crisis, struggle for power kept economic reforms frozen, power was kept from the regime that directly inherited former nomenklatura, increase of small entrepreneurs or professionals who climbed to the economic elite, civil wars, internal isolation and sanctions lead to a drop of the GDP, hyperinflation, increased differentiation between the top and the bottom of social hierarchy, the elite entrepreneurs came to the top positions, and

2. Delayed transformation from 2000 and on, with these characteristics:

The new economic elite tended to “normalize” the social system, the new economic elite withdraws its support for Milosevic, the change of the political regime hastened the transformation process, stabilization of the economy and acceleration of privatization, reduction of inflation, social polarization increased and weakening of ethnic homogenization.”

Mit dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes am Balkan (und in Osteuropa), erleben die Menschen dort Diskonuitätserfahrungen mit individualisierenden „Normalisierungs- bzw. Anormalisierungsstrategien“ bedingt durch die Institutionalisierung von Diskontinuität. An der Stelle des kollektiven Gedächtnisses tritt jetzt das individuelle Erleben.

Der Arbeiter, der Bauer, der Intellektuelle der kommunistischen Ära erlebt mit dem Zusammenbruch des Kommunismus und während der Transition die häufigere „Diskontinuität“ von Lebenslaufformen und der sozialen Struktur, das heißt die Zugehörigkeit zu einer der oben erwähnten Klassen und Schichten bietet jetzt eine Rekonstruktion der Identität, ein neues Chancenmuster, eine Individualisierungsform des Ganzen: Position, soziale Lage, Positionsmuster, Verlaufsformen, Sozialstrukturerfahrungen und Sozialstrukturzugehörigkeit sowie sozialer Status. Diesen Prozess kann man auch als Verlust wohlvertrauter Selbstverständlichkeiten und als Erleben von Brüchen und Statusinkonsistenzen sehen, was zu Orientierungsschwierigkeiten und Verunsicherungen, zu „Mobilitätsstress“ und Identitätskrisen führen kann, was auch für viele der durch den Umbruch am Ostbalkan (und in Osteuropa) erzwungenen Statuspassagen und Lebenslaufzäsuren gelten dürfte. Und auf kollektiver Ebene kann das erzwungene oder freiwillige Verlassen bekannter Umgebungen und Kontaktkreise, das fremdbestimmte oder selbstgewählte „Ausscheren“ aus gewohnten Lebensbahnen zu Vereinzelung und Anomie, also zu Desintegrationserscheinungen, beitragen. Mit dem Zusammenbruch des Kommunismus erlebt der Mensch die Diskontinuitätserfahrung und die Mehrdeutigkeit von Mobilitätsprozessen. Wegen diesen, aber auch anderen Erfahrungen, bleiben freilich die mit Differenzierungen von Lebenslaufmustern verknüpfbaren Individualisierungserscheinungen ebenfalls ambivalent.

Denn sie können nicht nur fortwährende oder sogar verschärfte Ungleichheiten, sondern zugleich intensivierte Statusunsicherheiten wie auch eine gesteigerte Erfahrungsvielfalt mit sich bringen. Genau dadurch gewinnt aber eine „subjektorientierte“ Perspektive an Bedeutung, welche die Gesellschaft von den Alltagsstrategien und Handlungsweisen der Individuen und Familien her zu denken versucht.

Die Sozialstruktur ändert sich mit dem Zusammenbruch des Kommunismus, weil wechselnde Strukturvorgaben als Restriktionen oder Optionen erlebt werden. Je nachdem, ist ist möglich (für andere aber auch unmöglich) die „von außen“ auferlegten Einschränkungen in die alltägliche Lebensführung einzubauen, ohne dass diese unter dem Druck der Umstände, unter dem Diktat von Abstimmungsproblemen, Synchronisierungsschwierigkeiten, Zeitknappheiten, und anderen Schwierigkeiten der Anpassung „zusammenbricht“. Es zeigen sich danach neue Möglichkeiten, Gleichheiten wie Ungleichheiten, die mit Unterschieden in den individuellen oder familiären Verarbeitungs- und Anpassungskompetenzen einhergehen und so den „Schnellen“ Vorteile gegenüber den „Langsamen“ verschaffen können. Dort zeichnen sich möglicherweise neue Formen der Integration oder Desintegration ab, die wenig mit der vorigen Zugehörigkeit zu dieser oder jener Klasse oder Schicht zu tun haben, gleichwohl aber mit alten wie mit neuen Erfahrungen und Ungleichheiten in Zusammenhang stehen.

Weil ein Umbruch und ein Wandel im politischen System Osteuropas stattgefunden haben, kann man auch von einem Wandel der gesellschaftlichen Struktur sprechen. Der Wandel von Gesellschaften wird meistens als Übergang zwischen sozialen Systemen unterschiedlichen Typus gesehen, und zwar entweder nach der Art der vorherrschenden Wirtschaftsordnung, der politischen Ordnung oder des kulturellen Wertesystems. In diesem Sinne spricht man von einem Übergang von einem totalitären und autoritären System zu einer demokratischen Gesellschaft und demokratischen Regierung. Es ist nicht zu vergessen, dass die wirtschaftliche Privatisierung die gesellschaftliche Struktur des Balkans und Osteuropas beeinflusst hat.

In der sozialistischen Ära war die Dynamik von Produktionskräften und Produktionsverhältnissen, materieller Basis und ideellem Überbau das prominenteste Beispiel. Dadurch wurde die gesellschaftliche Struktur beeinflusst. Mit dem Zusammenbruch des Kommunismus und mit dem Privatisierungswahn werden die Grundlagen für eine neue Form von Produktionsverhältnissen, von Materiellem und Ideellem geschaffen, die die gesellschaftliche Struktur dieser Länder beeinflussen. Die Transition am Balkan bedeutet eine Art Wandel in allen Aspekten. Sie ist eine Zeit von Widersprüchen zwischen Wirtschaftsordnung, politischer Ordnung und kultureller Ordnung. Die Widersprüche sind nicht nur der wesentliche Motor der gesellschaftlichen Entwicklung, sie zeigen auch die Verwirrung der Menschen, die den Umbruch erleben und sich anpassen müssen oder wollen. Der soziale, wirtschaftliche, politische und kulturelle Wandel am Balkan bedeutet unter anderem auch einen Wandel der bisherigen gesellschaftlichen Strukturen. Der Wandel an sich betrifft gesamtgesellschaftliche Institutionen und individuelle Akteure. Die Betrachtungsebene von Strukturen von Lebensläufen und deren Veränderungen in den Ländern am Balkan ist durch die Entstehung von kapitalistischen Verhältnissen, durch die Orientierung von östlichen Volkswirtschaften hin zur westlichen Marktwirtschaft und durch Veränderungen in der Mentalität und in der Lebensweise geprägt. Die Ziele des Sozialismus sind mit dessen Untergang „begraben“ und kapitalistische Ziele und neue Orientierung prägen das (politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle) Gesamtleben der Menschen. Die Ziele des Kapitalismus, wie sie nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa und am Balkan zu beobachten sind, sind:

- Rückgabe von nationalisiertem Eigentum
- Entkommunisierung
- Restitution des Agrarlandes
- Schätzung des Wertes für Unternehmen und dessen Privatisierung
- Wiedergutmachung des kommunistischen Unrechts
- Einführung des Kapitalismus

In den kommunistischen Systemen wurde die Bildungsphase als eine Vorbereitung auf die Erwerbs- und Berufsarbeit verstanden und der Ruhestand als Entlastung von der Arbeit. Die berufliche Ausbildung war eine Qualifizierung für einen ganz bestimmten Beruf mit einer Perspektive für das gesamte Arbeitsleben.

Mit der Entstehung des Kapitalismus und des privaten Eigentums entstehen große und kleine Betriebe und damit auch die kleinen und großen Kapitalisten. Wirtschaftliche Interessen gelten nach wie vor als der entscheidende Motor für die innere Dynamik von Entwicklungen der Gesellschaft insgesamt, aber auch für die Dynamik der Berufskarriere und die Dauer des Arbeitslebens des Individuums. Es ist das Interesse der Firmen, den technologischen Wandel mit jeweils auf dem neuesten Stand ausgebildeten Kräften zu bewältigen. Die Arbeitswelt einerseits und die Klassen- bzw. Schichtzugehörigkeit der Eltern andererseits beeinflussen die gesellschaftlichen Strukturen der Individuen. Neue Orientierung und Flexibilität sind gefragt, was nicht für alle möglich ist. So sind schon im Sozialismus die Prämissen dafür geschaffen worden, dass durch

1. nicht gebildete
2. kranke Menschen etc.

mit dem Umbruch des Sozialismus und der Transition eine neue Schicht der Armen entsteht. Trotz sozialer Politik des Staates in der kommunistischen Ära gab es selbst in dieser Zeit arme Menschen. Mit der Privatisierung und den kapitalistischen Entwicklungen wird diese Schicht immer größer.

Mit der „Einführung“ kapitalistischer Elemente, bedingt durch den Umbruch des Kommunismus und durch die Privatisierung, entstehen neuen Klassen bzw. bleiben in Osteuropa und am Balkan auch einige „alte“ Klassen bestehen. Die Basis künftiger Ungleichheiten wurde vor dessen Umbruch geschaffen und das Ungleichheitspotential findet in vielen Dimensionen und Strukturen statt. Das Erbe des Kommunismus lässt sich bezüglich gesellschaftlicher Strukturen folgendermaßen spezifizieren:

- die Arbeiter, die weiterhin in der Industriebranche, aber in anderen Unternehmen und Branchen beschäftigt sind,
- die bäuerliche Klasse (die Bauern), die genau wie in den 50 Jahren des Kommunismus die Arbeit auf den Feldern als Lebensgrundlage hat,
- die Intelligenz,
- der Schicht der Bürokraten und hohen Funktionäre der Diktatur, die nach dem Zusammenbruch des Kommunismus die politische und wirtschaftliche Führung des Landes wieder „übernimmt“, „bereichert“ durch neue „Elemente“, die das politische Leben betreffen. Aus dieser Schicht stammen meistens die großen Kapitalisten (Eigentümer großer Firmen und Konzerne).
- Die mittleren und kleinen Kapitalisten, Eigentümer von mittleren oder kleinen Unternehmen, die ein wichtiger Bestandteil der Mittelschicht sind.
- Die arme Schicht der Bevölkerung, ohne Lebensgrundlage, die unter der Armutsgrenze lebt.
Im Postsozialismus ist eine begründete Angst vor der Zukunft[21] entstanden, als ein langjähriger Begleiter der armen Schichten der Bevölkerung (aber auch der Mittelschicht wenn sie nicht richtig vom Staat gefördert wird).

III. IV Elitenwechsel und Elitenwandel und die Entwicklung der Institutionen am Balkan

Eliten machen Politik, Eliten regieren, Eliten konstruieren in wichtigen Schlüsselsituationen institutionelle Ordnungen. Die Geschichte der Menschheit würde diese These bestens illustrieren. Die Entwicklungen der letzten 20 Jahre in Osteuropa sind der beste Beweis für „Schlüsselsituationen“ und die Rolle der Eliten. Anhand von Beispielen der letzten 20 Jahre in Bulgarien, Rumänien, Albanien etc. lässt sich konkretisieren, wie institutionelle Ordnungen ihren Wandel bzw. ihre Konstruktion den Eliten zu verdanken haben. Elitenwandel und Elitenwechsel stehen in engem Zusammenhang mit Institutionen und Institutionenwandel. Ohne auf die Grundzügen der historischen Modernisierungsforschung mit Max Weber näher einzugehen und ohne eine detaillierte Institutionenanalyse, möchte ich dennoch zeigen, welche Rolle Eliten bei der Diffusion von Ideen und bei der Entwicklung von Institutionen im Rahmen intergesellschaftlicher Prozesse spielen.[22]

Dafür ist es aber wichtig, sich mit dem Begriff „Elite“ kurz auseinanderzusetzen, denn es kommt in den Modernisierungsprozessen nicht nur auf einzelne, mehr oder weniger leistungsfähige Institutionen, sondern auf die Architektur der „institutionellen Ordnung“ insgesamt an, auf die vorherrschenden „institutionellen Arrangements“ und die Durchsetzungschancen einzelner institutioneller Prinzipien, und es kommt auch auf die Rolle an, welche die Elite in einer Gesellschaft übernimmt.

„Unter „ Elite “ versteht man soziologisch Gruppen oder Schichten überdurchschnittlich qualifizierter Personen (Funktionseliten, Leistungseliten) oder die herrschenden bzw. einflussreichen Kreise (Machteliten) einer Gesellschaft wobei „Funktion“, „Leistung“ und „Macht“ hier oft in engem Zusammenhang stehen. Konkret bezieht sich der Begriff meist auf näher definierte Personenkreise, wie z. B. die Bildungselite. Als Gegenbegriff wird häufig Masse oder Durchschnitt („Normalbürger“) verwendet.“[23]

[...]


[1] Waltz, Kenneth N. (1979): Theory of International Politics. University of California, Berkeley. McGraw-Hill Publishing Company. S. 102-128.

[2] Waltz, Kenneth N. (1979): Theory of International Politics. University of California, Berkeley. McGraw-Hill Publishing Company. S. 114.

[3] Waltz, Kenneth N. (1979): Theory of International Politics. University of California, Berkeley. McGraw-Hill Publishing Company. S. 118.

[4] Waltz, Kenneth N. (1979): Theory of International Politics. University of California, Berkeley. McGraw-Hill Publishing Company. S. 100.

[5] Morgenthau, Hans Joachim (1985): Politics among nations: the struggle for power and peace / Hans J. Morgenthau; Kenneth W. Thompson. - 6. ed. New York, NY: Knopf. VI, 688 S. - 0-394-54101-4; S. 5-18.

[6] Stoilova, Rumiana/Slavova, K. (2006): Spatial Mobility and Gender Inequality, Sociological problems, Special Issue, Trajectories of Contemporary Sociology in Bulgaria, XVI ISA World Congress, S. 190-280.

[7] Stoilova, Rumiana/Slavova, K. (2006): Spatial Mobility and Gender Inequality, Sociological problems, Special Issue, Trajectories of Contemporary Sociology in Bulgaria, XVI ISA World Congress, S. 194.

[8] Stoilova, Rumiana/Slavova, K. (2006): Spatial Mobility and Gender Inequality, Sociological problems, Special Issue, Trajectories of Contemporary Sociology in Bulgaria, XVI ISA World Congress, S. 196.

[9] Tchalga ist orientalische Musik vermischt mit traditionellen bulgarischen Volkswaisen. Sommerbauer Jutta: Die alten und die neuen Pioniere, in: Jungle World, 1. März 2006 im Internet unter: http://www.jungle-world.com/seiten/2006/09/7287.php Siehe dazu auch: http://www.bnr.bg/RadioBulgaria/Emission_English/Theme_Folklore/Material/Babamarta.html

[10] Ähnliche „Popfolkmusik“ gibt es auch in Rumänien, wo sie Manele genannt wird.

[11] Gstrein, Heinz (2007): „Osmanisches Recht 1“. Siehe dazu Mitschriften „Osmanisches Recht 1-4“– gehalten an der Diplomatischen Akademie am 4.4., am 4.5. und am 15.12.2007 im Rahmen des Balkanlehrganges.

[12] Kind, Christian (1994): „Krieg auf dem Balkan. Geschichte, Hintergründe, Motive.“ Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich, ISBN 3-506-74449-6, S. 33.

[13] Gstrein, Heinz (2007): „Osmanisches Recht 1“. Siehe dazu Mitschriften „Osmanisches Recht 1-4“– Vorlesungen gehalten an der Diplomatischen Akademie im April/Mai 2007, im Rahmen des Balkanlehrganges.

[14] Damit sind vor allem muslimische Bevölkerungsgruppen in Bosnien und in Mazedonien gemeint, aber auch in Bulgarien und anderen Balkangebieten.

[15] Hasani, Enver (2003): Self-Determination, territorial Integrity and international Stability: The case of YUGOSLAWIA: Study GROUP Information: PfP Consortium study Group “REGIONAL stability in SOUTH East Europe”. Vienna and Pristina, February 2003. Publishers: National Defence Academy, Institute for Peace Support and Conflict Management, Vienna

Siehe dazu auch Mladen Lazic: “About Yugoslav socialism”, Mitschriften vom 17.01.2008. Prof. Lazic spricht unter anderem darüber, dass die Konfrontation mit der Sowjetunion dazu führte, dass in Jugoslawien ein liberales Model des Sozialismus entwickelt wurde mit den Schwerpunkten: 1. die Förderung der privaten Unternehmen, 2. eine partielle Dezentralisierung der Wirtschaft, 3. das System des “self-managements”, das die Arbeiter bei den Entscheidungen miteinbezieht und den Unternehmen eine gewisse Autonomie zugesteht. Seit 1960 begann man in Jugoslawien mit der Einführung von Elementen der freien Marktwirtschaft wie freier Warenverkehr, freier Austausch von Arbeitskräften etc.

[16] Segert, Dieter (2007) (Hg): Postsozialismus – Spätsozialismus – Staatssozialismus. In: Postsozialismus. Hinterlassenschaften des Staatssozialismus und neue Kapitalismen in Europa, Wilhelm Braumüller Verlag, Wien, S. 4-5.

[17] Heppner, Harald (2008): Mitschrift „Geschichte des Balkans, Mittelalter, Gegenwart.“, 29.11. und 30.11.2007, Vorlesung im Rahmen des Balkanlehrganges an der Diplomatischen Akademie.

[18] Heppner, Harald (2008): Mitschrift „Geschichte des Balkans, Mittelalter, Gegenwart.“, 29.11. und 30.11.2007, Vorlesung im Rahmen des Balkanlehrganges an der Diplomatischen Akademie.

[19] Mladen Lazic: The making of civil society during post-socialist transformation – the case of Serbia; 15.12.2007 Vorlesung im Rahmen des Balkanlehrganges an der Diplomatischen Akademie. “Blocked transformation in Serbia” between 1990 and 2000, nearly 2000 new NGOs: removal of command monopoly; narrowed vision of life => lead to egoistic individualism; collective identification was satisfied with nationalism (the West as enemies); civic movement against the attempt of Milosevic’s regime to falsify vote; students’ movements for independence from political parties; efforts to reduce protests’ carnivalization; rise of organisations in different social spheres to replace the old regime/organisations of new authorities (Otpor, AAEN, CESID, PALGO).

[20] Lazic, Mladen (2008): Structural changes in Serbian society: A case of blocked post-socialist transformation. Mitschrift bei der Vorlesung vom 19.01.2008, Balkanlehrgang.

[21] Dzihic, Vedran (2007): Spurensuche im Jugoslawischen Postsozialismus. In: Postsozialismus. Hinterlassenschaften des Staatssozialismus und neue Kapitalismen in Europa. Wilhelm Braumüller Verlag, S. 178.

[22] Sterbling, Anton: Probleme des Institutionenwandels in Ost- und Südosteuropa, in: Sterbling, Anton: Widersprüchliche Moderne und die Widerspenstigkeit der Traditionalität. Hamburg 1997 (S. 161-180). Siehe auch: Sterbling, Anton (2001): Intellektuelle, Eliten, Institutionenwandel. Untersuchungen zu Rumänien und Südosteuropa, Hamburg; Der gesellschaftliche Wandel in Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa in einer vergleichenden Perspektive. Zum Ansatz der historischen Modernisierungsforschung, in: Kollmorgen, Raj (Hg.) (2005): Transformation als Typ sozialen Wandels. Postsozialistische Lektionen, historische und interkulturelle Vergleiche, Münster-Hamburg-Berlin-Wien-London. S. 47-62.

[23] Siehe dazu auch die Mitschrift von: Sterbling „Theorien zum Gesellschaftswandel“ am 15.12.2007 im Rahmen des Balkanlehrganges.

Details

Seiten
172
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656296768
ISBN (Buch)
9783656296904
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v201644
Institution / Hochschule
Universität Wien – Universität Wien in Zusammenarbeit mit dem Institut für den Donauraum und Mitteleuropa
Note
2
Schlagworte
balkan-konflikt clash civilizations nationalistische hintergründe konflikts zukunftsstrategien zukunftsperspektiven multikulturalismus

Autor

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Titel: Der Balkan-Konflikt. Hintergründe, Zukunftsstrategien und -perspektiven des balkanischen Multikulturalismus