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Von Christian Konrad Wilhelm von Dohm: »Über die bürgerliche Verbesserung der Juden« (1781)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 56 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Prooemium

1. Themen und Thesen

2. Hauptteil
2.1. Das Ziel jeder bürgerlichen Gesellschaft
2.1.1. Erste These
2.1.2. Zweite These
2.1.3. Schluß
2.2. Kausalität
2.3. Mit dem Geldwesen für Juden verbundene Probleme
2.4. Gleiche Behandlung der Juden
2.5. Weiterer Einwand wider der Juden ›Verbürgerlichung‹
2.6. Datensammlung, um die generalisierende Aussage zu stützen .
2.6.1. Die Thora
2.6.2. Geschichte und Funktion der Thora
2.7. Die Gesellschaft als vielfach Getrenntes
2.8. An die Regierung
2.9. Jüdische Historiographie in verschiedenen politischen Systemen .
2.10. Folgen des jüdischen Kreditwesens
2.11. Gewährung bürgerlicher Rechte den Juden in Europa
2.12. Weitere Gründe für Gewährung bürgerlicher Rechte
2.13. Verschiedene Berufe prägen den Charakter unterschiedlich . .
2.14. Vorschläge
2.14.1. Gleiche Rechte für die Juden
2.14.2. Alle Gewerbe für die Juden
2.14.3. Ackerbau
2.14.4. Handel
2.14.4.1. Jüdischer Betrug und Hintergehung?
2.14.4.2. Lösungsversuch
2.14.5. Kunst, Wissenschaft und Staatsdienst
2.14.6. Bildung
2.14.7. Staatliche Erziehung der Christen
2.14.8. Recht auf freie Religionsausübung
2.14.9. Jüdische Gesetzgebung
2.15. Zweigeteilter Abschluß des Hauptteiles
2.15.1. Wegfall von Steuereinnahmen
2.15.2. Futterneind
2.15.3. Wirtschaftliche Nachteile der Juden durch zwei Feiertage
2.15.4. Bürgerliche Pflicht der Staatsverteidigung

3. »Nachschrift«

4. Historische Bewertung
4.1. Hr. Ritter Michaelis’ Beurteilung
4.1.1. Widersprüche
4.1.2. Erster und zweiter Einwand
4.1.3. Dritter Einwand oder wider die Schwächung der Wehrkraft und Wehrhaftigkeit des deutschen Staates
4.1.4. Vierter Einwand oder Keine Experimente!
4.1.5. Fünfter Einwand: Wider die Öffnung der Handwerke, des Acker- baus, der Universitäten und des Staatsdienstes
4.1.5.1. Juden als Handwerker?
4.1.5.2. »In den Wissenschaften haben sie schon alles, was sie nur wünschen können«
4.1.5.3. Juden in öffentlichen Ämtern
4.1.6. Sechster Einwand oder Keine Abschaffung der jüdischen Sonder-steuern!
4.1.7. Zustimmung! oder von der Separation der jüdischen Rechtsprechung
4.1.8. Begräbnis
4.1.9. Epilog: Historische Anmerkungen und Fazit
4.2. Fazit: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
4.3. Zustimmung und konstruktive Kritik
4.3.1. H. F. Diez:Ueber Juden(1783)
4.3.2. Johann Christian Maier(?):Allgemeine Deutsche Bibliothek(1782)
4.3.3. Schwager:Minden’sches Intelligenzblatt
4.3.4. Ephemeriden der Menschheit(1782 / 1783)
4.3.5. Johann Christian Maier
4.3.6. Moses Mendelssohn

5. Epilog
5.1. Ziel der Publikation: »Verbürgerlichung der Juden«
5.2. Akzeptierte Kompromisse
5.3. Strategie
5.4. Adressat Dohms und sein Staatsverständnis
5.5. Dohms Stil und Präsentation
5.6. Kritik und Zustimmung
5.6.1. Kritiker, die hinter Dohm zurückfielen
5.6.2. Mendelssohns berechtigte Detailkritik
5.7. Fazit

A. Begriffe

B. Literaturverzeichnis

0. Prooemium

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Schrift Christian Konrad Wilhelm von Dohms, Über die bürgerliche Verbesserung der Juden von 1781, deren Exegese wir im ersten Teil unserer Arbeit ausführlich vorstellen und mit der Problematisierung einiger Vorschlä- ge Dohms beenden. Die Arbeit entstand als schriftliche Ausarbeitung eines Referates im Rahmen des oben genannten Seminars und leitete eine Diskussion zum Thema ein. Da wir Dohms Schrift nicht primär als literarischen Text, sondern historisches Zeugnis gelesen haben, geben wir in einem zweiten Teil eine historische Würdigung derselben anhand publizistischer Reaktionen seiner Zeitgenossen, die von vollkommener Ablehnung bis zu begeisterter Zustimmung reichten. Im Anhang haben wir u. a. Definitionen einiger zentraler Begriffe aufgeführt, welche in der Diskussion der Schrift Dohms im Seminar am 06. und 13. 12. 2001 wiederholt zur Beschreibung der Position Dohms verwandt wurden. Der Text des ersten Bandes1 ist in eine wörtlich so genannte »Vorerinnerung« als Einlei- tung, einen Hauptteil und einen als »Nachschrift« bezeichneten Abschluß gegliedert. Der Hauptteil von knapp 148 Seiten ist weder in Kapitel noch anders bezeichnete Abschnit- te unterteilt. Darum haben wir uns entschlossen, den Hauptteil inhaltlich selbständig zu gliedern. Die nachfolgende Nennung von Abschnitten bezieht sich also auf unsere Gliederung und ist im Original nicht enthalten. Im Zweifelsfall arbeiten wir immer mit Seitenangaben.

1. Themen und Thesen

Das Thema des ersten Bandes der Dohmschen Schrift von 1781 fassen wir wie folgt: Wie die Juden zu nützlichern Gliedern der bürgerlichen Gesellschaft gemacht werden können (Dohm I V). Als Nebenthema identifizieren wir: Wie ein beträchtlicher Teil des Menschengeschlechtes glücklicher gemacht werden kann (Dohm I V - VI).

Dohms zentrale Arbeitshypothese lautet: Die Juden sind deshalb als Menschen und Bürger verdorben, weil man ihnen Rechte beider versagt (Dohm I III).

Mit ihr begründet Dohm die zentrale Forderung seiner Schrift: Gebt Juden Menschenund Bürgerrechte um »einen [. . . ] beträchtlichen Teil des Menschengeschlechts [. . . ] für unsere Staaten brauchbarer zu machen« (Dohm I V - VI).

Das Ziel der Dohmschen Schrift beschreiben wir nach den bisher zitierten Äußerungen als ›Verbürgerlichung‹ der Juden. Wir verwenden in unserer Darstellung nachfolgend nur den Begriff der ›Verbürgerlichung‹ anstatt ›Emanzipation‹ oder ›Assimilation‹, um damit den originellen und genuinen Charakter der Dohmschen Schrift zu betonen:

Nie vorher waren in der deutschen Literatur zu diesem Thema die Forderungen so klar formuliert und so zielbewußt begründet worden.2

2. Hauptteil

2.1. Das Ziel jeder bürgerlichen Gesellschaft

Im ersten Abschnitt seines Hauptteiles beschreibt Dohm merkantilistisch Ziele und Funk- tionen des Staates (Möller 1979. 132). Aus dieser Beschreibung folgt für ihn die Frage, wie sich die gesetzliche Ausschließung der Juden respektive Versuche, deren Vermehrung nach Kräften zu hindern, erklären (Dohm I 7 f.) Dazu formuliert Dohm mehrere Thesen.

2.1.1. Erste These

Dohm stützte sich auf die merkantilistische Prämisse, wonach der primäre Zweck jeder bürgerlichen Gesellschaft im unaufhörlichen Wachstum ihrer Bevölkerung (Dohm I 3) bestehe, eingedenk der Tatsache, daß die ideale Bevölkerungszahl einer Nation in keinem Fall bereits erreicht sei (Dohm I 4 f.) Die immer zunehmende Bevölkerung sei der Schlüs- sel für größtmöglichen Reichtum aller Bewohner und sicherster Garant für die Erhaltung eines Staates (ebd.)3

2.1.2. Zweite These

Kein Staat habe diese Ziele des größtmöglichen Reichtums aller Bewohner und sicherster Garantie für seine Erhaltung bereits realisiert.

2.1.3. Schluß

Dohms Schluß lautet:

daß kein europäischer grosser Staat schon die Menge der Menschen hat, die er nach seinem Boden und Lage ernähren könnte, und welche die höchstmögliche Benutzung aller seiner natürlichen und politischen Vortheile beschäftigen könnte (Dohm I 6).

Daraus ergibt sich für Dohm die Frage, wie sich angesichts dieser Tatsachen die gesetzliche Ausschließung der Juden respektive Versuche, deren Vermehrung nach Kräften zu hindern, erklären (Dohm I 7 f.)

2.2. Kausalität

Im zweiten Abschnitt 4(Dohm I 9 - 12) konstatiert Dohm eine Kausalität: Weil die Juden in Erwerb und Besitz (Dohm I 9 f.) stark eingeschränkt seien und ihnen viele Arten des Handels überhaupt untersagt oder mit weiteren hohen Abgaben belegt (Dohm I 11 f.) seien, blieben ihnen zum Lebensunterhalt nur einige Arten des Handels und das christlicherseits lange Zeit verpönte Kreditwesen.5

2.3. Mit dem Geldwesen für Juden verbundene Probleme

Im dritten Abschnitt beschreibt 6Dohm die Probleme, die Juden aus ihrem Engage- ment im Kreditwesen häufig entstanden. Erstens waren die Gesetze meist parteiisch zu- gunsten des nicht-jüdischen Schuldners. Zum zweiten schwankten die Zinsen jüdischer Kreditgeber stark und wurden oft als übermäßig hoch empfunden und als »Wucher« bezeichnet. Diese hohen und stark schwankenden Zinsen wurden nach Dohm wesentlich dadurch verursacht, daß Juden bei Zahlungsunwilligkeit oder -unfähigkeit eines christli- chen Schuldners regelmäßig aller Forderungen für verlustig erklärt wurden, was aufgrund des erhöhten Risikos den Zinsfuß in die Höhe trieb. Darum waren jüdische Geldverleiher auch gezwungen, gesetzliche Regelungen des Zinsfußes, die dieses Risiko nicht berück- sichtigten, zu übertreten. Eine Lösung dieses Problems sieht Dohm in der gesetzlichen Festlegung eines bestimmten Zinsfußes, der diese Faktoren berücksichtigt; also entweder Rechtssicherheit den jüdischen Verleihern garantiert oder andererseits einen erhöhten Zinsfuß zuläßt.

2.4. Gleiche Behandlung der Juden

Im vierten Abschnitt greift Dohm nochmals seine eingangs formulierte Forderung auf, die er - nun bereits besser begründet - erneut stellt: Auch »alle[ Juden] durch die gleichförmigste Gerechtigkeit, durch Erleichterung des Erwerbs und größtmögliche Freiheit der Handlungen [zu bewegen,] zum Wohl des Ganzen beizutragen« (Dohm I 25 f.) Diese Forderung durchzieht den ersten Band wie ein roter Faden und wird darum bei ihrem weiteren Auftauchen nicht mehr gesondert erwähnt.

2.5. Weiterer Einwand wider der Juden ›Verbürgerlichung‹

Nach der Erklärung des »jüdischen 7Wuchers« als durch äußere Faktoren bedingt, beschreibt Dohm einen weiteren möglichen Grund, die Juden aus der bürgerlichen Gesellschaft auszuschließen:

Wenn die Abstammung und besondere Art der Juden, das höchste Wesen zu verehren, diese davon abhielte, ihre Pflichten gegen den Staat zu erfüllen (Dohm I 16), dann »würde sie [dieselbe] allerdings unfähig machen, gleiche Rechte mit anderen Bürgern des Staates zu genießen« (ebd.)

Darum müßte, um der Juden fortdauernden Ausschluß aus dem bürgerlichen Staat zu rechtfertigen, es »deutlich bewiesen werden, daß die Religion der Juden solche ungeselli- ge[n] Grundsätze enthalte, daß ihre göttliche[n] Gebote mit den Geboten der Gerechtig- keit und Menschenliebe im Widerspruch stehen« (Dohm I 16). Nach der gegenwärtigen Kenntnis der jüdischen Religion könne dieser Beweis, so Dohm nicht angetreten werden.8

2.6. Datensammlung, um die generalisierende Aussage zu stützen9

Im sechsten Abschnitt liefert Dohm viele Daten, um seine These zu stützen: »Soviel bis jtz von der jüdischen Religion bekannt geworden, enthält sie solche schädliche[n] Grundsätze nicht« (Dohm I 17).

2.6.1. Die Thora

Das Hauptbuch der Juden, »das GesetzMosis10 [Thora]11, wird auch von den Christen [. . . ] einem unmittelbar göttlichen Einfluß zugeschrieben« (Dohm I 17).

2.6.2. Geschichte und Funktion der Thora

Zweitens referiert Dohm ausführlich die Geschichte und Funktion des mosaischen Geset- zes (Dohm I 18 - 21), um zu zeigen, daß bestimmte, dem jüdischen Wesen zugeschriebene Eigenschaften aus diesem Prozeß der Nationenbildung resultieren. Diese Argumentation kann als exemplarisch für die Strategie der Aufklärer betrachtet werden, »Gewohnheits- ideen« durch eine zugleich sozialpsychologische und historische Argumentation zu be- gegnen (Möller 1979. 123).

Vor dem Hintergrund dieser argumentativen Strategie wird auch Dohms an dieser Stelle erstmals explizierte weitere aufgeklärte Prämisse verständlich, daß die Juden mit all den ihnen zugeschriebenen Eigenschaften wesentlich Produkt ihrer Umwelt seien, und darum auch durch dieselbe weitestgehend in andere Richtung beeinflußbar seien. Im Ergebnis seines Referates bezeichnet Dohm die äußere Abgrenzung der Juden innerhalb der von ihnen bewohnten Staaten und ihr nachdrückliches Festhalten an der von ihnen besonders geschätzten Religion als vollkommen erklärlich aus dem historischen Prozeß einerseits, und den gegenwärtigen Anfeindungen andererseits.

Hinzu kommt, daß sich die beiden Eigenschaften der äußeren Abgrenzung wie das nach- drückliche Festhalten an der eigenen Religion »bey allen Religionen ableiten [lassen], und [. . . ] auch wirklich abgeleitet« werden (Dohm I 23). Diese als negativ an den Juden kritisierten Eigenschaften stellen also kein Spezifikum der jüdischen Religion dar. Die- se Eigenschaften müssen bei der jüdischen ebenso wie anderen Religionsgemeinschaften im staatlichen Interesse soweit wie möglich neutralisiert werden. Im nächsten Schritt schließt Dohm zweierlei:

so kann es nicht für einen Grund gelten, deßhalb den Anhängern irgend eines Glaubens die Rechte der Bürger zu versagen (Dohm I 24).12

Erstens plädiert Dohm für eine auch den Juden gegenüber praktizierte positive Reli- gionsfreiheit. Die beiden anderen Möglichkeiten der negativen Religionsfreiheit oder der Zulassung nur einer einzigen Religion in einem Staat hält Dohm für gleichermaßen inakzeptabel (Dohm I 24). Eine auch den Juden gegenüber praktizierte positive Reli- gionsfreiheit ergibt sich nach Dohm aus dem Postulat des Besitzes natürlicher Rechte aller Menschen (ebd.), das eine weitere aufgeklärte Prämisse Dohms darstellt (Möller 1979. a. a. O.)

Auf Seite 86 f. unten plädiert Dohm nochmals ausdrücklich für die auch gegenüber den Juden zu gewährende positive Religionsfreiheit und begründet dies ausführlich mit vier Punkten:

1. Die verschiedenen Auffassungen über ein Glück im Jenseits hindern niemanden daran, seine Pflichten gegen den Staat zu erfüllen.13
2. Die Gewährung positiver Religionsfreiheit macht »den Bürgern den Staat, der [sie] gestattet, noch lieber, und
3. zugleich alle Pfeile der Schwärmerey stumpf« (Dohm I 86).
4. Die ausschließenden Grundsätze einer Religionsgemeinschaft wirkten sich immer dann am wenigstens aus, »wenn der Staat [die Vertreter aller Religionsgemein- schaften] alle mit gleich unpartheyischer Liebe umfaßt [und] sie der Vortheile der bürgerlichen Gesellschaft ganz genießen können« (Dohm I 87).

2.7. Die Gesellschaft als vielfach Getrenntes

Im siebten 14Abschnitt nimmt Dohm nochmals den Vorwurf auf, daß die Juden sich von der übrigen Gesellschaft bewußt separierten. Zunächst beschreibt Dohm einige weitere Gruppen, die sich innerhalb eines Staates deutlich von ihren Mitbürgern unterschieden (Dohm I 29 f.); z. B. Katholiken und Quäker. Diese seien trotz ihrer deutlichen Trennung von ihrer Umwelt gleichwohl gute Staatsbürger (ebd.) Der Quäker Charakterisierung als abgetrennte Gemeinschaft träfe partiell auch auf die Juden zu. Darum könne auch die jüdische Separation nicht die Verfolgung der Juden rechtfertigen (Dohm I 27). Vielmehr befestigen Verfolgung und Drangsalierung die Juden nach Dohm nur in ihrer ablehnenden Haltung gegen den Staat (Dohm I 27).

Zusammenfassend ist zur Beschreibung der Position Dohms festzuhalten, daß »auch der Jude durch seine Religion nicht abgehalten werden [wird], ein guter Bürger zu seyn, sobald ihm nur die Regierung die Rechte desselben« (Dohm I 31) einräumt.

2.8. An die Regierung

Im achten Abschnitt fordert 15 Dohm die Regierung auf, dafür zu sorgen, daß »sich [alle ausschließenden Gegensätze] in der grossen Harmonie des Staates auflösen« (Dohm I 26). Als äußeres Kennzeichen dieser Auflösung beschreibt Dohm den Zustand, in dem »der Edelmann, der Bauer, der Gelehrte, der Handwerker, der Christ und der Jude noch mehr als alles dieses, Bürger ist« (ebd.) Die ausschließenden Gegensätze in der jüdischen Religion und Tradition sind nach Dohm primär durch den »Genuß der bürger- lichen Glückseligkeit [. . . ] und der so lange versagten Freiheit, [zu] verscheuchen« (Dohm I 27 f.) Die Pflicht zur Gewährung der bürgerlichen Freiheiten den Juden durch den Staat ergibt sich also schließlich daraus, daß wir »[als ein christlich orientiertes Staatswesen] der Vergehungen schuldig [sind], deren wir [die Juden] anklagen« (Dohm I 39).

Daß diese Auflösung keine Illusion sei oder bleiben müsse, belegt Dohm mit Beispielen aus der gegenwärtigen und vergangenen Geschichte der Juden (Dohm I 39 - 60). Das Ziel dieser Aufzählung besteht darin, die Möglichkeit der Vereinigung aller Gruppen innerhalb eines Staates zu belegen. Diese Art staatlicher Vereinigung verschiedener Gruppen, durch die alle trennenden Gegensätze überwunden werden, rückt Dohms Versuch, die Juden zu nützlicheren Glieder der bürgerlichen Gesellschaft zu machen, u. E. terminologisch der ›Assimilation‹ wesentlich näher als der ›Emanzipation‹.16

2.9. Jüdische Historiographie in verschiedenen politischen Systemen

Im neunten17 Abschnitt belegt Dohm mit Beispielen aus der gegenwärtigen und vergan- genen Geschichte der Juden (Dohm I 39 - 60) seine These, daß alle ausschließenden Ge- gensätze in der grossen Harmonie des Staates aufgelöst werden könnten (Dohm I 26).18 Ausführlich beschreibt er dazu die ersten vier Jahrhunderte u. Z. zwischen der zweiten Tempelzerstörung 70 - 420 (Dohm I 39 - 45), als sich die rechtliche Stellung der Juden im weströmischen Reich einschneidend veränderte.19 Seine Schlußfolgerungen aus den historischen Daten lauten:

Der ungestörte Besitz dieser Freyheiten während eines Zeitraumes von mehr als vier Jahrhunderten, ist ein sicherer Beweis, [1.] daß sich die Juden derselben nicht unwürdig machten, und der ihnen verliehene unbeschränkte Genuß aller Rechte der Bürger läßt nicht zweifeln, [2.] daß sie auch alle Pflichten derselben erfüllen (Dohm I 44).

Nach 420 kam es zur völligen Aufhebung der bisherigen jüdischen Autonomie, der Abschaffung des jüdischen Patriarchats (Dohm I 46) und einem Missionierungsver- bot (Dohm I 48) innerhalb des weströmischen Reiches. Auch nach dem Untergang des weströmischen Reiches verbesserte sich die Stellung der Juden innerhalb der ver- schiedenen europäischen Völker nicht; ihre schlechte Behandlung durch die einzelnen europäischen Völker war wesentlich durch ihre schlechte rechtliche und religiöse Stel- lung bereits im römischen Kaiserreich geprägt (Dohm I 50). Zweitens übernahmen die meisten europäischen Völker bereitwillig die römische Religion und verfolgten alle An- dersgläubigen stark; beispielsweise Juden (Dohm I 50). Aus dem, aus den römischen Rechtssammlungen abgeleiteten Ausschluß der »Juden von allen Wegen, die zur bürger- lichen Ehre führen« (Dohm I 54), resultierte, daß die Juden umso eifriger die Straßen betraten, »welche zum Gewinn leiten« (Dohm I 55).

Dohm erklärt zusammenfassend die jüdische Konzentration im Kreditwesen als historisch bedingt20, um dem Vorurteil zu begegnen, Juden seien vornehmlich respektive ausschließlich auf Geld und materiellen Gewinn fixiert und stellt abschließend fest: »Die Geschichte bestätigt also hier das Urtheil [. . . ], daß die Juden eben so gut nützliche Glieder der menschlichen Gesellschaft sein können« (Dohm I 45).

2.10. Folgen des jüdischen Kreditwesens

Im zehnten Abschnitt 21 beschreibt Dohm, wie die erzwungene jüdische Konzentration im Kreditwesen dazu führte, daß Juden als Kreditgeber von staatlichen Stellen - Kaiser und Fürsten - zunehmend geschätzt und darum partiell geschützt wurden: »nur aus dieser Rücksicht wurden sie des Schutzes der Regenten gewürdigt, und von dem völligen Untergang gerettet« (Dohm I 65). »In ganz Deutschland gehörten sie allein dem Kaiser« (ebd.), der das Recht der »Judenhaltung« (Dohm I 66) temporär oder ständig an Fürsten und Städte verlieh oder verkaufte. Daraus erwuchs aber den Juden nirgendwo eine allgemeine bürgerliche Gleichstellung (Dohm I 67 f.) Dohm beschreibt das Geschäft der Juden als ein lohnendes Geschäft mit den Juden auf Kosten der Juden.

2.11. Gewährung bürgerlicher Rechte den Juden in Europa

Im elften Abschnitt 22 gibt Dohm nach dem historischen Referat einen Überblick über die gegenwärtige Situation der Juden unter der zentralen Fragestellung; wieweit ihnen bisher bürgerliche Rechte gewährt worden seien. Wir beschränken uns lediglich auf ei- nige repräsentative Beispiele aus Dohms Sammlung. Die Grenzen, die der jüdischen ›Verbürgerlichung‹ zu Dohms Zeiten (1781) gesetzt waren, werden an der erzwunge- nen Rücknahme der Naturalisationsfähigkeit (Einbürgerung) der Juden im Königreich Ihrer Majestät von Großbritannien und Nordirland 1754 deutlich. Diese war ihnen 1753 durch Parlamentsbeschluss zuerkannt worden und mußte auf starken öffentlichen Druck ein Jahr später zurückgenommen worden. Die Annahme eines solchen Beschlus- ses durchs Parlament ist andererseits natürlich auch Ausweis der Tatsache, wie weit sich die Stellung der Juden seit ihrer vollständigen Vertreibung 1290 aus England und ihrer Wiederzulassung seit 1650 verbessert hatte.23

Daß umgekehrt die Beschwerden über die Juden gerade in Polen so groß waren, erklärt Dohm zum ersten mit ihrer verstärkten Präsenz dort, zum zweiten aus ihrem wirt- schaftlichen Erfolg im sonst stark unterrepräsentierten Mittelstand Polens, weil beide, polnischer Adel und polnische Leibeigene, Handel und Gewerbe den Juden überließen.

Im europäischen Überblick über die Situation der Juden wird eine dritte wesentliche Prämisse des rationalen Aufklärers Dohm deutlich: Der Glaube an die Möglichkeit von Verbesserungen durch aufgeklärte, absolutistische Monarchen, wie er sich in Dohms Darstellung Ludwig XVI. wiederholt äußert (Dohm I. FN 79).24 Unter Ludwig XVI. sei einem elsässer Juden sogar sein besonderer Wert als Bürger und Untertan durch seine Bemühungen um den Königlichen Dienst und den Staat schriftlich bestätigt (Dohm I. FN 81) worden. Diese Beschreibung eines Juden als dem Staat nützlicher Bürger ist ein weiteres Beispiel dafür, warum die Gleichberechtigung der Juden primär eine dem Staat nützliche Unternehmung darstellt und stützt die These der »Vorerinnerung«, daß man durch die jüdische Gleichberechtigung die Juden zu »nützlichere[n] Glieder[n] der bürgerlichen Gesellschaft« machen könnte (»Vorerinnerung«). Dohm sieht in einem aufgeklärten absolutistischen Staat die Möglichkeiten zur jüdischen ›Verbürgerlichung‹ gegeben.

2.12. Weitere Gründe für Gewährung bürgerlicher Rechte

Im zwölften Abschnitt beschreibt Dohm 25die Einbürgerung und Integration anderer Grup- pen in einen Staat; Zigeuner und Kolonisten. Dohms Darstellung stellt formallogisch einen unvollständigen induktiven Beweis dar und kann zum zweiten unter rhetorischen Gesichtspunkten als Vergleich beschrieben werden. Zigeuner und Kolonisten zeichnen sich durch ihre gesellschaftliche Entfernung von den übrigen Bürgern des Staates aus; entweder sind sie als Zigeuner ähnlich den Juden gesellschaftlich geächtet oder sie kom- men wie die Kolonisten aus einem anderen Land. Die ausführliche Beschreibung staatli- cher Versuche zur Eingliederung und Ansiedlung von Zigeunern und Kolonisten in ver- schiedenen europäischen Staaten und deren Erfolgsaussichten stellt eine Prämisse des induktiven Beweises dar. Dohm wählt, rhetorisch geschickt, die Zigeuner aus, deren Ansiedlung er anhand eines Beispiels unter der österreichischen Krone im Banat Temes- var als besonders schwierig schildert (Dohm I 88), um durch das Mittel des Vergleiches einer geglückten bürgerlichen Eingliederung einer gesellschaftlichen Randgruppe mit der ›Verbürgerlichung‹ der Juden diese jüdische ›Verbürgerlichung‹ umso erfolgreicher er- scheinen zu lassen. Die zwei fehlenden Prämissen auf der logischen Ebene des induktiven Schlusses lauten, daß erstens die Chancen zur Integration aller gesellschaftlichen Rand- gruppen gleich groß seien und zweitens, daß der »moralische Charakter der Juden, [. . . ] wie der aller Menschen, der vollkommensten Ausbildung und der unglücklichsten Verwil- derung fähig« (Dohm I 92) ist. Dann kann Dohm schlußfolgern: »Gleiche Grundsätze und Behandlungen werden bey den Juden [rascher] Erfolg hervorbringen, als man bey den verwilderten Zigeunern [. . . ] erwarten kann.« (Dohm I 90). Anhand dieses Bei- spieles der Dohmschen Darstellung wird einmal mehr deutlich, daß Dohm immer auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig diskutiert; zum einen auf einer rational sachlichen, zum zweiten auf einer rhetorischen Ebene, um den Adressaten seiner Schrift zu überzeu- gen. Daraus erklärt sich auch die Redundanz bei der Darstellung einiger Gegenstände in Dohms Schrift. Trotz aller Rhetorik bleibt Dohm aber immer sachlich und bemüht sich um größtmögliche Transparenz seiner Darstellung.

2.13. Verschiedene Berufe prägen den Charakter unterschiedlich

Im dreizehnten 26 Abschnitt unterscheidet Dohm drei Berufsgruppen; Handwerker (Dohm I 98 - 101), Bauern (Dohm I 101 - 104) sowie Händler und Fabrikanten (Dohm I 104 - 106). Dies geschieht unter der vierten aufgeklärten Prämisse, daß »die guten als [auch] nach- theiligern Einwirkungen der Beschäftigung auf die Bildung des sittlichen Charakters [. . . ] auffallendern« (Dohm I 103) Einfluß haben.27 Kurz: Der Beruf prägt wesentlich den Charakter eines Menschen. Dies zu belegen, beschreibt er die drei Berufsgruppen Handwerker, Bauern sowie Händler und Fabrikanten.

Der Handwerker (Dohm I 98 - 101) genießt Dohms besondere Wertschätzung. Das wird aus seinem Urteil deutlich, daß »das Leben des geschickten Handwerkers vielleicht der reinste Genuß [ist], der sich in unsrer bürgerlichen Gesellschaft finden mag« (Dohm I 100). Das wesentliche Kriterium von Handwerkern und Bauern einerseits, Händlern und Fabrikanten andererseits, besteht nach Dohm darin, daß sich die Händler berufsbedingt daran gewöhnen, »bey den Verbindungen mit andern Menschen [. . . ] sie [. . . ] allmäh- lig [. . . ] als Nebenbuhler und Gegner zu betrachten« (Dohm I 105). Darum seien die »Händler [. . . ] weniger gestimmt[,] sich edelmüthig zu zeigen« (Dohm I 105), als andere Menschen.

Erst abschließend seiner Beschreibung der einzelnen Berufsgruppen durch die beruflichen Einflüsse koinzidiert Dohm aufgrund der oben beschriebenen, aufgeklärten Prämisse28, daß der von ihm beschriebene »Einfluß [. . . ] durch Temperament, Erziehung und übrige Verhältnisse unendlich modifiziert« (Dohm I. FN 106 f.) werde.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, daß Dohm meint: Handel verdirbt den Charakter und hat den Charakter der Juden stark, aber nicht irreversibel verdorben. Den jüdischen Charakter durch ›Verbürgerlichung‹ wieder zu verbessern, schlägt Dohm neun Punkte vor, die nachfolgend kurz vorgestellt und teilweise umfassender gewürdigt werden.

2.14. Vorschläge

2.14.1. Gleiche Rechte für die Juden

Erstens, so fordert Dohm, müssen29 den Juden die gleiche Rechte aller übrigen Untertanen eingeräumt werden. Grundsätzlich dürfe ihnen kein Erwerbszweig länger verschlossen bleiben und ihre bloße Existenz an einem Ort dürfe nicht länger mit einem Schutzgeld oder anderen Sonderabgaben belegt werden.

2.14.2. Alle Gewerbe für die Juden

Nach seinem allgemeinen Plädoyer für die Öffnung aller Gewerbe für Juden (Dohm I 111) erfolgen einige Einschränkungen. Diese ergeben sich aus Dohms Konzept der jüdischen ›Verbürgerlichung‹. Im Rahmen dieser ›Verbürgerlichung‹ schlägt er staatli- che Lenkungsmaßnahmen bezüglich der Berufswahl durch Juden vor, die partiell auch restriktiven Charakters sind. Im Interesse einer charakterlichen Verbesserung der Juden sollen staatliche Maßnahmen vorrangig darauf abzielen, Juden vom Handel in die Hand- werke zu bringen (Dohm I 111); beispielsweise könne dazu die Anzahl jüdischer Kaufleute an einem Ort durch staatliche Beschlüsse in ihrer Zahl begrenzt werden. Dohm schlägt außerdem die Bildung von Fonds vor, die aus dem Vermögen reicher jüdischer Händler gespeist würden, um damit neue jüdische Handwerker zu unterstützen.

2.14.3. Ackerbau

Auch der Ackerbau müsse den Juden offenstehen. Allerdings sei eingedenk der intendierten jüdischen ›Verbürgerlichung‹ Sorge zu tragen, daß Juden vorrangig »als [. . . ] eigentlich [. . . ] selbstarbeitende [. . . ] Bauern.« (Dohm I 115) tätig seien, und nicht als jüdische Güterbesitzer oder Pächter (Dohm I 115). Dadurch würde sich die Tätigkeit im Ackerbau am besten auf den moralischen Charakter der Juden auswirken.

Im dritten Vorschlag spricht sich Dohm außerdem gegen eine weitere Absonderung der Juden von der übriger Bevölkerung aus. Rein jüdische Bezirke in Städten oder Dörfern förderten die auf Trennung ausgelegten Eigenschaften der Juden und seien darum abzulehnen (Dohm I 115 f.) Stattdessen müßte den Juden überall gleiches und unbeschränktes Niederlassungsrecht gewährt werden.

2.14.4. Handel

Im ersten Teil (Dohm I 116 f.) des vierten Vorschlages wiederholt Dohm seine Forde- rung nach staatlicher Lenkung der Juden in bestimmte Gewerbe. Im zweiten Teil des vierten Punktes schlägt Dohm eine besondere staatliche Restriktion vor: Die Verpflich- tung der Juden, ihre Handelsbücher fortan nur noch in der jeweiligen Landessprache, statt wie bisher überwiegend in Hebräisch, zu führen. Dies erleichtere es, Vorwürfen gegen jüdische Geschäftsleute entgegenzutreten, weil das Beweismaterial durch die Un- tersuchungsbehörden leichter einzusehen sei. Einen wesentlichen Punkt übersieht Dohm dabei allerdings; die Einschränkung jüdischer Geschäftsleute im Verkehr untereinander über nationale Grenzen hinweg. Diese Folge ist u. E. aber vollkommen in Dohms In- teresse, denn Dohm arbeitet ja darauf hin, die Juden zu gleichen und möglichst wenig unterscheidbaren Bürgern einer jeweils einzelnen Nation zu machen.

[...]


1.Als Primärquelle verwenden wir das Reprint der Neuauflage Dohms Buchs: Christian Konrad Wil- helm von Dohm: Über die bürgerliche Verbesserung der Juden - 2 Teile in einem Band. Hildesheim / New York: Georg Olms Verlag. 1973. Der 1. Band original: Berlin / Stettin: Friedrich Nicolai. 1781, der 2. Band ebd. 1783. Dohms Buch, erstmals am 03. 08. 1781 veröffentlicht (Reuss 53. FN 1), war bereits 1783 in einer Neuauflage als erster Band (Dohm I) einer zweiteiligen Ausgabe bei Friedrich Nicolai erschienen. Der zweite Band (Dohm II) enthielt Rezensionen und Kommentare zu Dohms Buchs sowie Dohms Erwiderungen. Dem Reprint des Georg Olms Verlags ist als dritter Teil eine Dissertation zu Dohms Buch und dessen historischer Einordnung von Franz Reuss von 1891 beigefügt: Reuss, Franz: Inaugural-Dissertation zur Erlangung der philosophischen Doktorwürde an der k. Universität Leipzig - Christian Konrad Wilhelm Dohms Schrift»Über die bürgerliche Verbesserung der Juden und deren Einwirkung auf die gebildeten Stände Deutschlands. Kaisers- lautern. 1891. Alle nicht anders gekennzeichneten Zitate folgen dem Reprint des Georg Olms Verlags.

2.Horst Möller: Aufklärung. Judenemanzipation und Staat - Ursprung und Wirkung von Dohms Schriftüber die bürgerliche Verbesserung der Juden. In: [Hrsg.] : Walter Grab: Deutsche Aufklä-rung und Judenemanzipation. Internationales Symposium. Beiheft 3 zum Jahrbuch des Institutes für Deutsche Geschichte. Tel Aviv: Universität Tel Aviv. Fakultät für Geisteswissenschaften. 1979. 141.

3.Vgl. auch Möller 1979. 132.

4.Dohm I 9 - 12.

5.Zu den Begriffen »Geldjude« oder »Kornjude« siehe zum ersten den Artikel Der Jude in: Jo- hann Christoph Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung derübrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen. Bd. 2, 1443: »2) Figürlich und im verächtlichen Verstande, ein karger Wucherer, besonders in den Zusammen- setzungen Geldjude, Kornjude u. s. f.« und zweitens unter »Juden, Jüdeln«: »auf Jüdische Art wuchern, einen übermäßigen unerlaubten Gewinn zu bekommen suchen. Er judet (jüdelt) ärger als ein Jude.« (ebd.) Zitiert nach Johann Christoph Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung derübrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen. Digitale Bibliothek Band 40: 28736f. (vgl. Johann Christoph Adelung-GKW Bd. 2, 1443 f.)

6.Dohm I 12 - 15.

7.Dohm I 5 16f.

8.Die syntaktische Form bildet logisch tatsächlich kein Konditional ab, sondern der beschriebene Zu- sammenhang ist viel eher kausaler Natur. Die gewählte Form eines Konditionals ist u. E. wesentlich der rhetorischen Wirkung dieser Passage geschuldet. Dohms Argumentation an dieser Stelle ist zwar rhetorisch eindrucksvoll und überzeugend, aber nicht logisch schlüssig.

9.Dohm I 17 - 25.

10.Hervorhebung im Original M. D.

11.Zu den einzelnen Begriffen siehe einführend Martin Rösel: Bibelkunde des Alten Testaments. Neu- kirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag. 1996. 6 und 118. »Die Bezeichnung ›5 Bücher Mose‹ gibt nicht, dies gegen die jüdische und christliche Tradition, den Verfasser des Werks an [. . . ], son- dern bezeichnet eher die Hauptperson dieser Texte. Wichtig ist in jedem Fall die Perspektive der übergreifenden Einheit hinter den einzelnen Büchern« (Rösel 6).

12.Das syntaktische Konditional zwischen der Feststellung, daß »Wenn [. . . ] jede Religion mehr oder weniger die natürlichen Bande der Menschheit zerreißt«, dann »kann es nicht für einen Grund gelten, deßhalb den Anhängern irgend eines Glaubens die Rechte der Bürger zu versagen« (Dohm I 24), stellt formallogisch kein Konditional dar. Es handelt sich tatsächlich um eine weitere Kau- salbeziehung (siehe auch FN 4 zu Dohm I 16), die u. E. wieder wesentlich der rhetorischen Wirkung dieser Passage geschuldet ist.

13.»Die verschiedensten Grundsätze über die Glückseligkeit jenes Lebens hindern die Einheit der Gesinnungen über die Pflichten dieses gegen den Staat, und die Ausübung derselben nicht« (Dohm I 86).

14.Dohm I 25 - 39.

15.Dohm I 26 - 36.

16.Zu unserer Verwendung beider Begriffe siehe die Begriffsbestimmungen nach: Kluge, Friedrich: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Berlin / New York: de Gruyter.231999.

17.Dohm I 39 - 60.

18.Zu Dohms argumentativem Rückgriff auf sozialpsychologische und historische Fakten zur Stützung seiner These, daß die Juden mit all den ihnen zugeschriebenen Eigenschaften wesentlich Produkt ihrer Umwelt seien, und darum auch durch dieselbe weitestgehend in andere Richtung beeinflußbar seien siehe wieder oben unter 1. 2.6.2. Geschichte und Funktion der Thora und 2. Möller 1979. 123.

19.Zur zweiten Tempelzerstörung während des Jüdischen Krieges 67 - 73 siehe 1. den auch von Dohm wiederholt zitierten: Flavius Josephus: Über den Jüdischen Krieg. 6. Buch. Viertes Kapitel. 584ff. Wiesbaden: Fourier Verlag.111994; und 2. Carl Andresen / Adolf Martin Ritter: Geschichte des Christentums I/1 Altertum. Stuttgart: W. Kohlhammer Verlag. 1993. 1f. Zum endgültigen Verbot der Juden, das als »Aelia Capitolina« wieder aufgebaute Jerusalem nach dem Barkochba Aufstand 132 - 135 wieder zu betreten, siehe ebenfalls: Andresen / Ritter, Geschichte des Christentums I/1 Altertum.

20.Vgl. 1. 2.6.2. Geschichte und Funktion der Thora und 2. Möller 1979. 123.

21.Dohm I 64 - 67.

22.Dohm I 71 - 86.

23.Zu beiden Daten siehe: Hans Mayer: Außenseiter Frankf./M.: Suhrkamp. 1981. 316f.

24.Vgl. zu den übrigen Prämissen oben 1.2.1. Das Ziel jeder bürgerlichen Gesellschaft; 2. zum Postulat des Besitzes natürlicher Rechte aller Menschen unter 2.6.2. Geschichte und Funktion der Thora und dort auch, daß die Juden mit all den ihnen zugeschriebenen Eigenschaften wesentlich Produkt ihrer Umwelt seien; und 3. Möller 1979. 123.

25.Dohm I 86 - 91.

26. Dohm I 97 - 106.

27 ».Wenn Dohm eine ganze Anzahl äußerer Bedingungen aufzählte, die die jeweiligen ›Modifika- tionen‹ des menschlichen Geschlechts bewirken und außer historischen, sozialen und politischen Faktoren auch solche mehr äußerer Art - beispielsweise Klima und geographische Voraussetzungen - anführte, so befand er sich dabei in Übereinstimmung mit der Tradition aufgeklärten Denkens, daß die Verschiedenartigkeit der Völker exogen erklärte« (Möller 1979. 123).

28.Vgl. Möller 1979. 123.

29.Dohm I 110 - 127.

Details

Seiten
56
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783656277712
ISBN (Buch)
9783656278115
Dateigröße
601 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v201634
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Institut für Germanistik
Note
1,7
Schlagworte
christian konrad wilhelm dohm verbesserung juden«

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Titel: Von Christian Konrad Wilhelm von Dohm: »Über die bürgerliche Verbesserung der Juden« (1781)