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Was ist Konstruktivismus?

Seminararbeit 2012 20 Seiten

Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Wurzeln des Konstruktivismus

3. Was ist nun Konstruktivismus?

4. Kurze Skizze der Varianten des Konstruktivismus

5. Fazit

Literatur

Voranmerkung

In der vorliegenden Arbeit wird die Zitierweise nach der Zeitschrift Publizistik angewendet und einheitlich gehalten. Diese wird in den Sozial- und Verhaltenswissenschaften, vor allem in der Kommunikationswissenschaft, gängig eingesetzt.

1. Einleitung

"Fragen Sie einen Menschen, ob die folgenden Begriffe Entdeckungen oder Erfindungen sind: Ordnung, Zahlen, Formeln, Symmetrien, Naturgesetze, Gegenstände, Taxonomien, usw. Neigt er dazu, diese Begriffe als Erfindungen zu bezeichnen, so haben Sie es mit einem Konstruktivisten zu tun." (Foerster 1998: 45)

Die Konstruktivisten bezweifeln die Existenz einer objektiven Wirklichkeit und sind von der Kreativität der Individuen, eigene Welten zu bauen, überzeugt. Der Konstruktivismus postuliert, dass Wissen nicht das Ergebnis eines Abbildes im Sinne des Entdeckens einer objektiv vorliegenden Wirklichkeit ist. Es ist vielmehr das Ergebnis eines Erfindens der Wirklichkeit. Individuen werden zu Künstlern ihrer eigenen Wirklichkeitskonstruktion.

Das Ziel dieser Arbeit ist das am 30. Mai 2012 gehaltene Referat im Medienethik-Seminar zu verschriftlichen. Das Referat war ein eigenständiger Beitrag und in Laufe dessen wurden die Grundlagen des Konstruktivismus vorgestellt. Das Referat ging nicht in die Tiefe, da der zweite Referent in seinem eigenständigen Beitrag die hier genannten theoretischen Inhalte vertiefte.

Im laufe dieser Arbeit sollen Antworten auf folgende relevante Fragestellungen gefunden werden:

- Was ist unter Konstruktivismus zu verstehen?
- Gibt es die objektive Wirklichkeit?
- Wie können Medien und Konstruktivismus in Verbindung gebracht werden?

Die Vorgehensweise dieser Arbeit ist hermeneutisch, die herangezogenen Befunde werden argumentativ untermauert und können auf einer sehr abstrakten und theoretischen Ebene angesiedelt werden.

Es wird deutlich, dass Konstruktivismus ein sehr breiter Begriff ist, in welchen diverse interdisziplinäre Strömungen einfließen. Anzumerken ist jedoch, dass diese auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden können. Dieser wird in laufe der Arbeit erarbeitet.

Um entsprechend in das Thema einzuleiten, beginnt der Beitrag mit den Wurzeln des Konstruktivismus (2. Kapitel). Im nächsten Kapitel werden die Annahmen der Denkweise charakterisiert. Im drauffolgenden Abschnitt (4. Kapitel) wird eine kurze Skizze der Varianten des Konstruktivismus vorgestellt. Somit kann die Breite dieser Strömung verdeutlich werden. Zudem wird ein expliziter Bezug auf Medien vorgenommen.

2. Wurzeln des Konstruktivismus

Konstruktivistisches Denken ist keine Erfindung heutiger Tage. Die gesamte abendländische philosophische Tradition beschäftigte die Frage, ob die Außenwelt bereits unabhängig von Individuen gegeben ist oder ob sie vielmehr erst durch die Sinneswahrnehmung der Individuen erzeugt wird (Vgl. Weber 2003: 180). Konstruktivismus steht im Kontrast zu Realismus, Materialismus und Essentialismus. Also im Kontrast zu traditionell ontologischen Positionen, die eine real existierende und materielle Außenwelt behaupten (Vgl. Westmeyer/ Weber 2011: 82).

Die kopernikanische Wende im 18. Jh. schuf die Basis für das Theoriegebäude der Konstruktivisten. Kant kritisierte in seinem Hauptwerk "Kritik der reinen Vernunft“ (1781) die damals herrschende Philosophie des Rationalismus und der Empirie. Anzumerken ist, dass bei Kant der Verstand als ein sehr relevantes Element der Wirklichkeitswahrnehmung und Wirklichkeitskonstruktion fungiert. Der Verstand konstruiert die empirische Welt. Er hat jedoch keinen Zugang zur Substanz der wahren objektiven Welt. Der Verstand ist der Ursprung der Welt und beinhaltet Kategorien, mit welchen Individuen die Welt beobachten (Vgl. Schwanitz 1999).

Nach Durkheim besteht Wissen aus "Vorstellungen von Wirklichkeit(en) und Handlungen, die als Wirklichkeitskonstrukte verstanden werden können" (Hejl 1994: 48). Diese Konstrukte haben einerseits einen emotionalen Ursprung, andererseits stammen diese aus dem Wissen über die Welt. Hinzufügen ist, dass sie vor allem von Wissen stammen wie ein Individuum erfolgreich handeln kann. Durch die Autonomisierung verselbstständigen sich Konzepte und Kategorien, die von der Gesellschaft konstruiert werden. Somit entfernen sie sich von ihrem Entstehungszusammenhang. Dabei treten horizontale und vertikale Wechselwirkungen auf: Verschiedene Vorstellungen können sich gegenseitig beeinflussen und die autonomisierte Konstrukte können wieder zurück auf die Gesellschaft wirken.

In seinem Hauptwerk "De la division du travail social" (1893) verweist Durkheim darauf, dass in der idealtypischen Gemeinschaft (nach Tönnies) alle Mitglieder die gleiche Vorstellung von Wirklichkeit hatten. Mit der Entwicklung der Gesellschaft, vor allem mit der Arbeitsteilung, entstanden aber immer mehr verschiedene Vorstellungen. Wenn man diesen Gedanken Durkheims aufgreift, dann kann behauptet werden, dass Durkheim genau von individuellen, subjektiven und damit unterschiedlichen Wirklichkeitskonstruktionen der Individuen gesprochen hat. In dieser Aussage wurzelt der Konstruktivismus, da wie bereits zu Beginn dieses Beitrages verdeutlicht wurde, Konstruktivismus nimmt Abschied von der absoluten Wahrheit zu Gunsten des Subjektiven und der subjektiven Konstruktion der Wirklichkeit (Vgl. Klein/ Krötner 2011: 3; Vgl. Pörksen 2011: 23f.).

Zuzüglich ist anzumerken, dass noch ein Dokument viel Aufmerksamkeit erzeugt hat. Zugrunde liegt eine Art Gründungsdokument des Konstruktivismus: Ein Manifest das viele Motive des konstruktivistischen Denkens bereits in kompakter Form enthält. Zu nennen ist „Biology of Cognition“ (1970) von einem chilenischen Neurobiologen Humberto R. Maturana. Maturana schlägt in seinem Aufsatz vor, den Prozess des Erkennens aus einer biologischen Perspektive zu betrachten. So nimmt er den Philosophen gewissermaßen die Erkenntnisfrage ab und stellt sie auf dem Terrain der Neurobiologie. Auf dieser Basis beantwortet er diese auch. Ziel ist es, den Erkennenden, den Beobachter, selbst ins Zentrum des Forschens zu rücken. Diesen als Quelle allen Wissens sichtbar zu machen (Vgl. Pörksen 2011: 13).

3. Was ist nun Konstruktivismus?

Da im vorherigen Teil der Arbeit die Wurzeln des Konstruktivismus vorgestellt wurden, folgt an dieser Stelle die Erläuterung der Annahmen des Konstruktivismus. Das Ziel des Kapitels ist es Verständnis und Transparenz für dieses breitflächige Phänomen zu verschaffen.

Konstruktivismus ist eine Erkenntnistheorie. Es wird die Frage ergründet: Wie kommt ein Individuum zur Erkenntnissen beziehungsweise zu Wissen? Somit postuliert der Konstruktivismus, dass Wissen nicht das Ergebnis eines Abbildes im Sinne eines Entdeckens der objektiv vorliegenden Wirklichkeit ist, sondern das Ergebnis eines Erfindens der Wirklichkeit (Vgl. Weber 2003: 181; 185). Ein Satz aus der Amerikanischen Deklaration der Kybernetischen Gesellschaft beschreibt auf den Punkt die Vorgehensweise der konstruktivistischen Denkweise:

„Cybernetics is away of thinking,not a collection of facts“.

Somit kann die Grundthese des Konstruktivismus festgehalten werden:

Der Mensch hat keinen unmittelbaren Zugriff auf die objektive Realität. Wahr ist, was (als) wahrgenommen wird (Vgl. Weber 2003: 185; Vgl. Brand 2012: 131; 136f.).

An dieser Stelle der Arbeit folgt der erste Bezug zur Kommunikationswissenschaft und Medien.

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Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656568001
ISBN (Buch)
9783656567981
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v201560
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
Schlagworte
konstruktivismus

Autor

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Titel: Was ist Konstruktivismus?