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Das Verhältnis von Religion und Politik in den Schriften von Karl Marx und Max Weber mit einem Ausblick in die gegenwärtige Zeit

Ausarbeitung 2011 19 Seiten

Politik - Grundlagen und Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Karl Marx
2.1. Der Traum von Klassenlosigkeit
2.2. Das Verhältnis von Basis und Überbau nach Marx
2.3. Entfremdung durch Arbeit und Religion

3. Max Weber
3.1. Religion als Wirtschaftskraft
3.2. Die protestantische Ethik
3.3. Immanente Rationalität der Religion

4. Die heutige Gegenwart
4.1. Säkularisierungstheorie
4.2. Individualisierungsthese
4.3. Marktmodell der Religion

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der folgenden Arbeit soll das Verhältnis von Religion und Politik in den Schriften von zwei bedeutenden soziologischen Denkern, nämlich Karl Marx und Max Weber, umrissen werden. Es wird der Frage nachgegangen inwiefern die Religion ihren Stellenwert in der geschichtlichen Entwicklung verloren hat. Ist Gott tatsächlich tot so wie Friedrich Nietzsche es in einer provokanten Aussage aussprach? Kann man den Niedergang von Religion und Glauben bestätigen? Oder gibt es andere Tendenzen?

Der Schluss der Arbeit soll einen Ausblick in die heutige Gesellschaft geben. Haben sich Theorien und Thesen der Denker von zu jener Zeit bestätigt? Gibt es Parallelen oder Widersprüche? Hat der Glaube an Gott in der heutigen Gesellschaft seine Zentralität verloren? Inwiefern haben finden sich die Thesen von Marx und Weber in der heutigen Position von Religion wieder?

2. Karl Marx

Karl Marx, ein berühmter Gesellschaftstheoretiker, Wirtschaftshistoriker und Revolutionär lebte von 1818 bis 1883 und entstammte einer ursprünglichen jüdischen Familie.[1] Seine Kritik an Recht, Religion und ungerechten gesellschaftlichen Verhältnissen untermauerte er mit philosophischen Argumenten.[2] Die Theorie von Marx schließt an die Überlegung von dem Philosophen Ludwig Feuerbach, der die Religion als das „Verhalten des Menschen zu sich selbst“[3] bezeichnete. Nach Feuerbach ist die Religion eine „Bewusstseinsprojektion“[4] in diese die Selbstreflexion über das eigene Leben mit einfließt. „So kommt es in der Religion zu einer Vergegenständlichung der eigenen Existenz im Sinne der Veräußerlichung des Blickes auf sich und der Fragen nach der eigenen Existenz.“[5] Das bedeutet der Mensch schuf Gott und nicht umgekehrt. Der Ansatz von Marx verschärft diese Theorie durch die Verknüpfung von gesellschaftlichen und politischen (Herrschafts-) Verhältnissen und Religion. In seiner ökonomischen Theorievorstellung, die auf der Makroebene angesiedelt ist, formuliert er Aussagen über Klassen, Arbeit, soziale Ungleichheit und ähnliches. Dabei gelten die ökonomischen Verhältnisse als die bestimmende Determinante des gesellschaftlichen Lebens. So sagt er, dass über die bestimmenden Herrschaftsverhältnisse die jeweilige Religion entsteht. Beide entwickeln sich in Relation zueinander. Aus dieser Koexistenz schließt er die Schlussfolgerung, dass Religion vom Menschen gemacht worden ist, da diese aus der Geschichte vom Menschen abzuleiten ist, welche von jenem konstruiert wurde.

2.1 Der Traum von Klassenlosigkeit

Die ideale Gesellschaft von Marx bestand aus der völligen Auflösung von Klassen. Diese wurden jedoch erst durch die Gesellschaft geschaffen. Die Urgesellschaft sah Marx als klassenlos an, das heißt alle Menschen waren gleich wohlhabend und übten die gleichen Tätigkeiten aus. Erst mit der Fähigkeit zur materiellen Mehrproduktion entstanden „gesellschaftliche Verkehrsformen [sowie] Herrschaftsverhältnisse, die wieder auf die Produktion, die Wahrnehmungsweisen und das Denken zurückwirken.“[6] Aus diesen Bedingungen heraus entwickeln sich zwei verschiedene Klassen, nämlich die der Produktionsmittelbesitzer, die sog. Bourgeoisie und die der Arbeiter, das Proletariat. Marx träumte, dass am Ende der Geschichte, eine klassenlose Gesellschaft entsteht. Dazu notwendig wäre die Abfolge von Produktionsweisen (der dialektischen Beziehung von Produktionskräften und Produktionsverhältnisse), d. h. von der Urgesellschaft zur Sklavengesellschaft zum Feudalismus und schließlich zum Kapitalismus.[7] All diese Gesellschaftsverhältnisse sind ein notwendiges Durchgangsstudium zu einer neuen Gesellschaft. Diese Fiktion sollte nach Marx jedoch nicht auf lokale Gebiete beschränkt sein, sondern sich auf die global existierende Gesellschaft ausweiten. Er sah eine Aufhebung von nationalen Grenzen und eine Weltgesellschaft. Er formulierte in diesem Zusammenhang die bekannte Theorie, dass die Gesellschaft eine Geschichte der Klassenkämpfe sei.[8] So würden die Klassenkämpfe zu einer Diktatur des Proletariats führen, da „die Gedanken der herrschenden Klasse in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d. h. die Klasse, welche die herrschende Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht.“[9] Ziel der kämpfenden Arbeiterschaft sei die Abschaffung des Privateigentums. Mit diesem Grundübel der Klassengesellschaft sei auch der Staat überflüssig, „dessen Funktion vor allem darin besteht, die Herrschaft einer Klasse sicherzustellen.“[10] Neben der Aufhebung der Existenz des Privateigentums sei auch die Aufhebung der sog. Entfremdung ein wichtiger Bestandteil der Klassenlosigkeit.

2.2 Entfremdung durch Arbeit und Religion

Um das Verhältnis von Arbeitern zu sich selbst, zu ihren Mitmenschen und zum Produktions(end)produkt zu beschreiben verwendet Marx den Begriff der Entfremdung. Hierbei differenziert Marx eine Entfremdung zum einen durch Arbeit und zum anderen durch Religion. In der Entfremdung durch Arbeit sieht Marx ein Konfliktpotenzial bei den Lohnarbeitern. Marx bewertet die Arbeit grundsätzlich positiv. Sie garantiert den Menschen eine Grundlage zum Leben und verhilft zur Selbstverwirklichung des Menschen. Jedoch sei wegen den kapitalistischen Strukturen die Realität eher negativ. Fließbandarbeit, harte Arbeitsumstände und -bedingungen und ein geringer Verdienst verursachen eine Entfremdung zu der Arbeit, seinen Mitmenschen sowie von sich selbst, da er sich den Arbeitsverhältnissen anpassen muss. Aber auch durch das ungleiche Tauschverhältnis (Eigentum gegen Arbeitskraft) erfolgt eine Enteignung des Arbeiters von den angefertigten Objekten. Durch diesen Entfremdungsprozess und die „Versachlichung“[11] der Menschen sowie den Verlust über die Selbstbestimmung über die Produktion und die soziale Ungleichheit der Lebensverhältnisse wird die Basis der Menschen, besonders die der unteren Klassen, betroffen.

Die Religion ist eine weitere Quelle der Entfremdung vom Menschen zu sich selbst. Marx verurteilt die Religion, da diese ein lethargisch wirkendes Mittel sei, um die Arbeiterschaft dazu zu bringen, keine Rebellion gegen die bestehenden (ökonomischen) Verhältnisse zu entfachen. Da die herrschende Klasse daran interessiert ist, dass die vorliegenden gesellschaftlichen Verhältnisse stabil sind und erhalten bleiben, brauchen sie einen Kooperationspartner der ihnen diesen Zustand ermöglichen kann. Die Antwort nach Marx: Religion. Sie unterdrückt die Bevölkerung mit dem Verweis auf die Ewigkeit nach dem Tod und hält somit Hierarchien aufrecht, die die Menschen an die bestehende Ordnung binden und einen Systemumsturz verhindern. Revolutionäre Strömungen werden abgebremst und die bestehende Produktions- und Gesellschaftsverhältnisse legitimiert. Sie tröstet die Arbeiterschaft über die elenden Verhältnisse im Diesseits hinweg, indem sie auf das Paradies im Jenseits pochen wo sie für ihre schwere Arbeit und Mühe entlohnt würden. So bietet sie eine „Kompensation für das ertragene weltliche Leid [und] stellt nichts als ein Ablenkungsmanöver der Herrschenden dar.“[12] Die institutionelle Religion genießt durch die Kooperation ein „religiöses Deutungsmonopol und Privilegien in der Gesellschaft.“[13] Die kapitalistischen Machthaber und der Staat agieren zusammen um so die Ethik und die Religion für ihre Zwecke zu missbrauchen. So formuliert Marx:

“Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elends und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. [..] Sie ist das Opium des Volkes.” und weiter: “Die Kritik der Religion [verwandelt sich damit] in die Kritik des Rechts, die Kritik der Theologie in die Kritik der Politik.”[14]

Diese Aufrechterhaltung von Hierarchien verhindert eine Auflösung der Klassen.

[...]


[1] Brakelmann, Günter: I. Stationen auf dem Wege zur Emanzipaition. 1. Familie und Religion. In: Karl Marx über Religion und Emanzipation. Hrsg. von Brakelmann, Peters. Gütersloh: Mohn Verlag 1975. S. 9.

[2] Berger, Michael: Karl Marx. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag 2008. S. 13.

[3] Feuerbach, Ludwig: Das Wesen des Christentums. Leipzig: Reclam 1904. S. 51.

[4] Pickel, Gerd: Religionssoziologie. Eine Einführung in zentrale Themenbereiche. Wiesbaden: Springer Fachmedien 2011. S. 66.

[5] Ebd.

[6] Ebd. S. 15.

[7] Ebd.

[8] Marx, K., Engels, F.: Das kommunistische Manifest. Mit Vorreden von Karl Marx und Friedrich Engels. Berlin-Wilmersdorf: Verl. d. Wochenschrift "Die Aktion" 1919.S. 6

[9] Berger, Michael: Karl Marx. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag 2008. S. 15.

[10] Ebd. S. 16.

[11] Pickel, Gerd: Religionssoziologie. Eine Einführung in zentrale Themenbereiche. Wiesbaden: Springer Fachmedien 2011. S. 67.

[12] Pickel, Gerd: Religionssoziologie. Eine Einführung in zentrale Themenbereiche. Wiesbaden: Springer Fachmedien 2011. S. 68.

[13] Ebd. S. 69.

[14] Marx, K., Engels, F.: Hegelsche Rechtsphilosophie. S. 378/ 379 (abgerufen unter: http://www.mlwerke.de/me/me01/me01_378.htm am 22.07.11).

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656275459
ISBN (Buch)
9783656276258
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v201491
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,3
Schlagworte
verhältnis religion politik schriften karl marx weber ausblick zeit

Autor

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Titel: Das Verhältnis von Religion und Politik in den Schriften von Karl Marx und Max Weber mit einem Ausblick in die gegenwärtige Zeit