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Die Terroranschläge vom 11. September 2001 als Herausforderung nationaler und internationaler Politik

Referat (Ausarbeitung) 2012 16 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Islamismus und der Hass auf die USA und "westlich" geprägte Industrienationen
2 .1 Islamismus: Ambivalenz des Begriffs
2.2 Der Begriff des Dschihad
2.3 Historische Auslöser
2.4 Das al- Q aida-Netzwerk

3 Vorgeschichte islamistischer Anschläge auf die USA oder deren Einrichtungen
3 .1 World Trade Center (1993)
3.2 US-Botschaften in Kenia und Tansania (1998)
3.3 Zerstörer "USS Cole" (2000)

4 Chronik des 11. September 2001
4 .1 Überblick
4.2 Flüge AA 11undUA 175
4.3 Flug AA 77
4.4 Flug UA 93
4.5 Die Attentäter

5 Reaktionen und Folgen
5 .1 Abfangjäger, Flugverbot und Evakuierung
5.2 Reaktionen der US-Regierung
5.3 Weltweite Reaktionen
5.4 Die "9/11 Commission"

6 Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Die vorliegende Ausarbeitung meines Referats vom 27.10.2011 verfolgt den Zweck, die Ereignisse zu skizzieren, die gemeinhin als "Terroranschläge des 11. September 2001" oder mit dem Datumskürzel "9/11" bezeichnet werden. Hierzu werde ich zunächst einige Grundlagen erarbeiten und hinreichende Vorkenntnisse darstellen, bevor ich auf den 11.09.2001 und seine unmittelbaren wie mittelbaren Folgen eingehe.

Im ersten Teil werde ich die mögliche Motivation der Attentäter zu den Anschlägen erarbeiten. Da deren Weltanschauung gemeinhin mit dem Begriff "Islamismus" umschrieben wird, erachte ich es für notwendig, diesen zunächst zu untersuchen. Im folgenden stelle ich etwaige religiöse, kulturelle und historische Auslöser für die Anschläge vor und gehe auf einen bedeutenden Teil ihrer Protagonisten, das al-Qaida- Netzwerk, ein; ebenso werden exemplarisch einige Anschläge aus der Zeit vor 2001 skizziert.

Im Hauptteil werde ich eine Chronologie der Ereignisse des 11. September 2001 liefern und den Hintergrund der 19 unmittelbaren Attentäter darstellen. Anschließend beschreibe ich die unmittelbaren Reaktionen der Administration der USA und die Rezeption der Anschläge in einigen ausgewählten Teilen der Welt. Im letzten Teil schließlich gehe ich auf die Aufarbeitung der Anschläge durch die entsprechende Untersuchungskommission ein und skizziere kurz deren politisch-administrative Konsequenzen. Wie auch meinem Vortrag liegt dieser Ausarbeitung somit eine eher deskriptive denn analytische Herangehensweise zu Grunde.

2. Islamismus und der Hass auf die USA und "westlich" geprägte Industrienationen

2.1 Islamismus: Ambivalenz des Begriffs

Mit Islamismus wird in politischer Rhetorik und medialer Berichterstattung (in der so genannten westlichen Welt) häufig eine politische Haltung bezeichnet, die aus einem islamischen Verständnis heraus radikale politische Positionen einnimmt. Als solcher ist der Begriff in diesen Zusammenhängen stets negativ konnotiert und repräsentiert eine Geisteshaltung, die mit einem westlichen Verständnis von Freiheit und Menschenrechten nicht vereinbar ist. Häufig wird Islamismus mit der Bereitschaft zu kriegerischen oder terroristischen Akten gleichgesetzt.

Der Begriff des Islamismus resultiert ursprünglich aus einer Selbstbezeichnung von politischen Gruppen in Ländern mit vornehmlich islamischer Bevölkerung und bezeichnet eine Politik, die sich an den Werten des Islam und der islamischen Rechtsordnung, der Scharia, orientiert und als Ziel die Etablierung einer theokratischen Rechts- und Gesellschaftsordnung formuliert (vgl. Tibi 1992: 51, Grützmacher 2008: 26ff.). Islamismus ist daher als politischer Begriff zu sehen; in der islamischen Theologie ist er nicht zu finden, wissenschaftliche Definitionen existieren zu ihm (wie zu eigentlich allen Phänomenen des so genannten politischen Extremismus) nicht. Ebenso ist Islamismus nicht mit religionstheoretischen Begriffen wie Traditionalismus oder Orthodoxie gleichzusetzen.

Innerhalb des Islamismus gibt es verschiedene Strömungen und Ausprägungen, die sich zumeist am Verhältnis zu Menschen anderen oder keines Glaubens oder am Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne unterscheiden lassen. So bezeichnet sich auch die Regierungspartei der Türkei, AKP, selbst als islamistische Organisation, bekennt sich aber ebenso zum Status der Türkei als säkularisierte Republik und sucht den Anschluss an die mehrheitlich nicht islamische Europäische Union.

Der Begriff des Islamismus, der «im einzelnen eine Vielzahl höchst unterschiedlicher Gruppierungen und Programme [subsumiert]» (Freitag 2003: 140) ist also ungeeignet, um pauschal eine politische Haltung zu beschreiben, an deren Spitze unweigerlich eine Bereitschaft zu terroristischen Akten steht. Unbestritten ist jedoch, dass sich die Motivation für Anschläge wie den des 11. September 2001 aus einer radikal-religiösen Position heraus ableitet. Diese soll in den folgenden Unterkapiteln eingehender untersucht werden.

2.2 Der Begriff des Dschihad

Der Schlüsselbegriff zur Beschreibung von Kampfhandlungen aus einer islamischen Perspektive heraus ist der des Dschihad. Der arabische Begriff steht für "Anstrengung zum Sieg" oder "Krafteinsatz" und bezeichnet in der islamischen Lehre Tätigkeiten zur Verteidigung oder Verbreitung des Islam. Insofern ist die geläufige Übersetzung "heiliger Krieg" unzureichend. Die heiligen Schriften des Islam (Koran und Sunna) schließen als Mittel des Dschihad ausdrücklich den militärischen Kampf ein (vgl. Daniel 1997: 146f.); jedoch wird in diesen nicht eindeutig geäußert, ob dieser Kampf nur als reine Verteidigungshandlung gestattet ist oder ob er einen Angriff auf Nicht- oder Andersgläubige ebenso abdeckt.

2.3 Historische Auslöser

Der Hass radikaler Islamisten speziell auf die USA ist ein verhältnismäßig junges Phänomen, zu dem neben den grundsätzlichen islamistischen Prinzipien (siehe 2.2) auch bestimmte Ereignisse beitrugen. Grundlegend sei die Rolle im israelisch-arabischen Konflikt genannt, in dessen Zusammenhang den USA und der gesamten "westlichen Welt" aus islamischer oder propalästinensischer Perspektive seit der Gründung des Staates Israel (1948) vorgeworfen wird, einseitig die Position der israelischen Regierung im Umgang mit der muslimischen Minderheit des Landes im Gaza-Streifen oder Westjordanland zu übernehmen (vgl. Hudson 1977: 304f.). Die Rolle der USA im Umgang mit den Mudschaheddin, die sie für den sowjetisch-afghanischen Krieg ausbildeten und anschließend im zerstörten Afghanistan sich selbst überließen, führte zum Ende des zweckmäßigen Schulterschlusses zwischen den USA und dem al-Qaida-Netzwerk (siehe 2.4). Als weiterer Affront wurde die Tatsache angesehen, dass die USA während des Zweiten Golfkrieges (1990/91) und danach Truppen in Saudi-Arabien stationierten und sich somit bewaffnete «nichtmuslimische Truppen auf der arabischen Halbinsel, dem Ort der Offenbarung und ersten Ausbreitung des Korans» (Schröm 2003: 87) aufhielten.

2.4 Das al-Qaida-Netzwerk

Das Netzwerk al-Qaida (arab. "die Basis" oder "das Fundament"), das allgemein für die Terroranschläge vom 11. September 2001 verantwortlich gemacht wird, kooperierte in seinen ersten Jahren noch mit den USA im Rahmen des afghanischen Widerstands gegen die eigene sozialistische Regierung und deren sowjetische Verbündete. Die Organisation wurde 1984 von dem palästinensischen Scheich Abdallah Azzam (1941-89) und dem saudi-arabischen (später staatenlosen) Unternehmer Osama bin Laden (1957/58-2011() gegründet mit dem Zweck des Dschihads in Afghanistan. Hierzu wurden mit Unterstützung der USA in den arabischen Staaten gläubige Männer angeworben und zu Mudschaheddin (arab. "der, der den heiligen Kampf ausübt", vgl. Durán/Pohly 2001: 18f.) ausgebildet, um die Soldaten der Sowjetunion, die in Afghanistan die Herrschaft der ihnen wohlgesonnenen Regierung sichern sollten, zu vertreiben.

Mit dem Rückzug der Sowjetsoldaten aus Afghanistan endete auch die Kooperation zwischen al- Q aida und den USA. Fortan suchten sich die Mudschaheddin neue Einsatzorte zur Verteidigung und Verbreitung des Islam, vorrangig auf bosnischer Seite im Balkankrieg zu Beginn der 1990er-Jahre. Nach dem Zweiten Golfkrieg und der Stationierung US-amerikanischer Soldaten in Saudi-Arabien begann ebenso der Kampf gegen die USA; so wird bereits der Anschlag auf das World Trade Center im Jahre 1993 (siehe 3.1) al- Q aida zugeschrieben, spätestens mit den Bombenanschlägen auf US- Botschaften in afrikanischen Ländern (1998, siehe 3.2) bekannte sich al-Qaida zu terroristischen Aktionen. Es folgten weitere Anschläge, der verheerendste davon der auf das World Trade Center und das Pentagon am 11. September 2001 (siehe 4).

3.Vorgeschichte islamistischer Anschläge auf die USA oder deren Einrichtungen

3.1 World Trade Center (1993)

Der erste islamistisch motivierte Anschlag auf US-amerikanischem Boden ereignete sich am 26. Februar 1993 im Gebäudekomplex World Trade Center in New York City. In einer Tiefgarage wurden 700 kg Harnstoffnitrat zur Explosion gebracht und sorgten für starke Schäden auf den unteren Etagen des nördlichen der beiden Türme (WTC 1) und des Vista Hotels (WTC 3). Bei dem Anschlag starben sechs Personen, etwa 1.000 wurden verletzt. Laut der Aussage eines der Attentäter sollte der Nordturm eigentlich zum Einsturz gebracht werden, sodass er auf den Südturm stürzen und diesen mitreißen konnte. Für dieses Vorhaben konnten die Attentäter jedoch keine ausreichende Menge an Sprengstoff besorgen (vgl. Schröm 2003: 40ff.). Als Verantwortliche wurden zehn Personen um den

[...]


1 Bin Ladens genaues Geburtsdatum ist unbekannt; es gilt nur als gesichert, dass er im islamischen Jahr 1377 (Juli 1957 - Juli 1958) zur Welt kam.

Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656274971
ISBN (Buch)
9783656276678
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v201482
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal – Fachbereich Geistes- und Kulturwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Terrorismus USA Bush al-Qaida World Trade Center Pentagon Dschihad

Autor

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