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Neuro Enhancement mit Medikamenten – Zukunftsvision oder Wirkung und Nutzung schon gängige Realität?

Hausarbeit 2011 18 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was ist Neuro Enhancement?
2.1 Grundsätzliche Risiken
2.2 Rechtliche Zulässigkeit und Beschaffung

3 Arten des Neuro Enhancement und dessen Wirkstoffe
3.1 Gruppe A: Kognitives Enhancement
3.1.1 Methylphenidat
3.1.2 Modafinil
3.1.3 Antidementiva: Donepezil
3.2 Gruppe B: Emotionales Enhancement

4 Steigern Psycho- und Neuropharmaka tatsächlich die Leistung?

5 Wie verbreitet ist Neuro Enhancement?

6 Ethische und moralische Fragestellungen des Neuro Enhancement

7 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 - Arten und Wirkstoffe des Neuro Enhancement

Abbildung 2 - Statistik zur Nutzung von Neuroenhancern

Abbildung 3 - Statistik zur Einnahme von Neuroenhancern ohne medizinische Notwendigkeit

1 Einleitung

Höher, schneller, weiter, perfekter. So könnte das Motto unserer heutigen Gesellschaft lauten. Unsere zunehmend leistungsorientierte Welt kennzeichnet sich durch ständige Erreichbarkeit, durch eine fast vollständige Vernetzung sowie einen immer stärker wachsenden Informationsüberfluss. Ob im Berufsleben, dem Studium oder bereits in der Schule - viele Menschen fühlen sich durch Reizüberflutung, steigenden gesellschaftlichen Leistungsdruck und daraus resultierenden eigenen Erfolgsdruck, schlicht weg überfordert. Vor allem in Bereichen in denen sowieso schon ein hohes Maß an Leistung, Konzentration und Durchhaltevermögen gefordert ist, äußert sich dieser Umstand in steigenden Burn-Out Raten.[1]

Um die körperlichen Symptome zu umgehen, die Leistung weiter steigern zu können und dem Gesellschaftlichen sowie eigenem Druck standzuhalten, hat anscheinend ein Trend des sogenannten Gehirndopings eingesetzt.[2] Der in der Fachsprache genutzte Begriff des „Neuro Enhancement“ bezeichnet dabei den Versuch der Verbesserung der Denkleistung, des Konzentrations- und des Durchhaltevermögens durch Medikamente. Entsprechende Präparate werden auch als IQ-Pillen, Wachmacher oder Glücksdrogen bezeichnet.[3]

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit den zurzeit verfügbaren Wirkstoffen, die zum Neuro Enhancement eingesetzt werden, deren Wirkung, Beschaffungswege, Verbreitung sowie ethische und moralische Eingliederung. Im Vordergrund stehen die Fragen nach Risiken, ob die genutzten Präparate tatsächlich eine steigernde Wirkung haben und wie Verbreitet die Nutzung wirklich ist. Die Hausarbeit soll weder eine Handlungsempfehlung, noch eine Beurteilung nach gut oder schlecht darstellen, sondern sich lediglich sachlich mit dem Thema des Neuro Enhancement auseinandersetzen.

2 Was ist Neuro Enhancement?

Neuro Enhancement bezeichnet in der Fachsprache den noch relativ jungen und umgangssprachlich genutzten Begriff des Gehirndopings durch Medikamente. Im folgenden eine Arbeitsdefinition für Neuro Enhancement:

„Verbesserungen der kognitiven Leistungsfähigkeit oder psychischen Befindlichkeit, mit denen keine therapeutischen oder präventiven Absichten verfolgt werden und die pharmazeutische oder neurotechnische Mittel nutzen.“[4]

Die genutzten Präparate werden als „Neuroenhancer“ bezeichnet. Entwickelt wurden die Medikamente ursprünglich für kranke Menschen die entweder an dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS), an Hyperaktivität, einer Demenz, der Schlafkrankheit oder Depressionen leiden.[5] In Deutschland fallen diese unter das Betäubungsmittelgesetz und sind demnach von einem Arzt verschreibungspflichtig.[6]

Grenzwertig ist die Frage, ob bereits der Genuss von Kaffe, Koffeintabletten, Energy-Drinks oder Nahrungsergänzungsmitteln als Neuro Enhancement bezeichnet werden kann. Bei den Nahrungsergänzungsmitteln handelt es sich um eine Kombination verschiedener natürlicher Wirkstoffe, die zum einen wie z.B. Kaffee beleben sollen und zum anderen das Gehirn optimal mit Nährstoffen, die es zur Konzentration braucht, versorgen sollen. Ein Beispiel ist da Nahrungsergänzungsmittel „BrainEffekt“. Weitere Informationen auf www.braineffekt.de. Diese Produkte sowie Energy-Drinks, Kaffee, etc. sind gesellschaftlich akzeptiert, nebenwirkungsfrei, werden schon lange genutzt und sind zudem frei zugänglich. Aus diesen Gründen beschäftigt sich die Hausarbeit im Folgenden mit pharmazeutischen und neurotechnischen Mitteln dessen legaler Zugang nur durch ein ärztliches Rezept möglich ist.

2.1 Grundsätzliche Risiken

Wie bei den meisten verschreibungspflichtigen Medikamenten herrscht auch bei den Braindoping-Mitteln das Risiko von Nebenwirkungen. Problematisch ist dabei der Umstand, dass diese Produkte ursprünglich für kranke Menschen entwickelt wurden und die Wirkungen auf gesunde Menschen weitestgehend unerforscht sind. Die Einnahme ohne eine genaue Dosierung unter Anleitung eines Arztes kann zu Überdosierung und Gefahren wie Langzeit- und Mischkonsum führen. Infolgedessen ist auch eine Medikamentenabhängigkeit möglich.[7]

2.2 Rechtliche Zulässigkeit und Beschaffung

Aufgrund der im vorherigen Abschnitt genannten Risiken unterliegen vermeintlich leistungssteigernde pharmazeutische Mittel in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz. Sie gehören in die Gruppe der psychoaktiv steuernden Medikamente, deren rezeptfreie Beschaffung oder dessen Verkauf demnach illegal ist und folglich einen Straftatbestand darstellt. Dieser kann mit dem Kauf oder Verkauf von Drogen verglichen werden.[8] Auch wenn die Beschaffung und der Verkauf illegal sind, ist eine rezeptfreie Besorgung in Deutschland bei weitem kein Problem mehr. Die Neuroenhancer können einfach im Internet über Onlineshops bestellt werden. Die Shops sind in deutscher Sprache verfügbar und werben ganz direkt mit rezept- und zollfreier Bestellung. Ein Beispiel ist der Onlineshop http://ritalin-kaufen-bestellen.com/.

Der überwiegende Teil der Nutzer bezieht die Präparate über den Schwarzmarkt. Weiterhin gibt es die Möglichkeit die Medikamente unerlaubt über Apotheken oder mit Hilfe von Ärzten auf Rezept zu bekommen.[9] Diese Art der Beschaffung wird von dem Ergebnis der DAK-Bevölkerungsumfrage 2008 gestützt, in der sich herausgestellt hat, dass 28,3% der Befragten, denen leistungssteigernde Mittel empfohlen wurden, diese Empfehlung von einem Arzt erhalten haben. Von Apotheken stammen 10,7% der Empfehlungen.[10]

3 Arten des Neuro Enhancement und dessen Wirkstoffe

Grundsätzlich kann Neuro Enhancement in zwei Arten untergliedert werden, die unterschiedliche Ziele verfolgen: Zum einem in „kognitives Enhancement“ (Gruppe A) und zum anderen in „emotionales Enhancement“ (Gruppe B). Dabei werden die genutzten Medikamente als „smart pills“ oder „happy pills“ bezeichnet[11] .

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 - Arten und Wirkstoffe des Neuro Enhancement
(Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Galert [2010], o.S.)

3.1 Gruppe A: Kognitives Enhancement

Die sich in der Gruppe A befindlichen Wirkstoffe beziehen sich auf kognitives Enhancement und zielen auf eine Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten ab. Im Folgenden eine Definition: „Wirkstoffe zur Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten wie Denken, Merkfähigkeit, Lernen, Aufmerksamkeit, Kreativität und geistige Anpassungsfähigkeit einerseits sowie Entscheiden, Planen und Probleme lösen andererseits.“[12] Wie in Abbildung 1 ersichtlich sind die bekanntesten Wirkstoffe dieser Kategorie Methylphenidat, Modafinil und Donepenziel. Diese werden im Folgenden einzeln erklärt.

[...]


[1] Vgl. Dettmer; Shafy; Tietz [2011], o. S.

[2] Vgl. Mundle [2010], o. S.

[3] Vgl. Snelinski [2010], S. 37.

[4] Galert [2010], o. S.

[5] Vgl. IGES Institut [2009], S. 45.

[6] Vgl. Tamke [2010], S. 6f.

[7] Vgl. IGES Institut [2009], S. 39.

[8] Vgl. Tamke [2010], S. 6f.

[9] Vgl. Galert; Bublitz; Heuser; Merkel; Repantis; Schöne-Seifert; Talbot [2009], S. 10.

[10] Vgl. IGES Institut [2009], S. 53.

[11] Vgl. Galert [2010], o. S.

[12] IGES Institut 2009 [2009], S. 44.

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656279877
ISBN (Buch)
9783656280361
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v201262
Institution / Hochschule
Hochschule Fresenius; Köln
Note
Schlagworte
Neuro Enhancement Medikamente Leistungssteigerung Ritalin Beta-Blocker Kognitives Enhancement Psycho- und Neuropharmaka Neuropharmaka Psychopharmaka Methylphenidat Modafinil Antidementiva: Donepezil Emotionales Enhancement Gehirndoping

Autor

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