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Die Einsatzgebiete römischer Sklaven

Seminararbeit 2011 16 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Der Übergang von der republikanischen Staatsordnung Roms zum Kaisertum bedeutete nicht nur in verfassungsrechtlich-politischer Hinsicht eine Zäsur innerhalb der langen und wechselhaften Geschichte des römischen Staatsgebilde, sondern wirkte sich mit Beginn des augusteischen Zeitalters neben vielerlei Reformen und Transformationen im Verwaltungswesen, der Kultur sowie der sozialen Verhaltens- und Umgangsformen letztlich auch spürbar im Bezug auf die Praxis der Sklaverei aus. Zweifelsohne kam es nicht zu grundlegenden Veränderungen in Bezug auf die Einrichtung jener allgegenwärtigen Institution an sich; nichtsdestotrotz festigte sich mit Fortschreiten des kaiserlichen Zeitalters jedoch insbesondere auf der italienischen Halbinsel die stetig anwachsende und nahezu allumfassende Prävalenz der Sklaverei in der römischen Gesellschaft, welche sich neben einer nachwievor häufigen Anstellung von unfreien Arbeitern in der Landwirtschaft insbesondere durch einen merklichen Anstieg von Sklavenarbeit im handwerklichen Gewerbe ausdrückte.[1] Insbesondere im Zuge römischer Expansion bedurfte es in zunehmendem Maße der mannigfaltigen Tätigkeiten und Einsatzgebiete von Sklaven zu einem reibungslosen und konsequenten Funktionieren sowohl des administrativen Staats- und Regierungsapparates in all seinen Formen und Wirkungsbereichen sowie nicht zuletzt auch der Verrichtung nahezu sämtlicher zum Überleben notwendiger Aufgaben und Erfordernisse individueller, familiärer und kommunaler Art.[2]

Sklavenarbeit nahm freilich auch in der Kaiserzeit weiterhin vielfältige Formen und Varianten an, sodass unfreie Arbeiter und Arbeiterinnen nachwievor in einer ganzen Fülle verschiedener, im Hinblick auf Körpereinsatz, Intensität, intellektuelle Befähigung sowie die allgemeinen Arbeits- und Lebensbedingungen betreffend sich z.T. drastisch unterscheidender Gebiete zum Einsatz kamen. Generell lässt sich dabei zwischen vier hauptsächlichen Bereichen – und Verwendungsmöglichkeiten von Sklavenarbeit unterschieden: dem Produktions – und Landwirtschaftssektor; dem verarbeitenden Herstellungs- und Baugewerbe; dem privaten Haushalt; sowie dem öffentlichen und administrativen Dienst. In allen jenen Bereichen war der Rückgriff auf Sklaven zur Verrichtung vielfältigster Arbeiten und Dienstleistungen nicht nur eine gängige und allseits verbreitete Praxis, sondern stellte darüber hinaus oftmals auch das zentrale und eigentliche Fundament jener unterschiedlichen Sektoren und Arbeitsgebiete dar.

Der Wohlstand des römischen Staates fußte zweifelsohne in erheblichem Maße auf der landwirtschaftlichen Bestellung und Ernte großer und kleinerer Agrarflächen. Als fester Bestandteil der ländlichen familia rustica waren Sklaven in der Regel in den Anbauten des Gutshofes untergebracht und wurden tagsüber sowie auch unter widrigen Witterungsverhältnissen zur Verrichtung sämtlicher für die Feldwirtschaft erforderlichen Arbeiten und Tätigkeiten (Pflügen, Säen, Ernten, usw.) eingesponnen. War diese Art der Arbeit an sich schon aufwendig und kräftezehrend, so litten in der Landwirtschaft eingesetzte Sklaven insbesondere auch unter den stets wachsamen Augen ihrer Aufseher (vilicus), deren Aufgabe es war dafür zu sorgen dass die unfreien Arbeiter ihre Pflichten stets widerspruchslos erfüllten. Zur Gewährleistung der selbigen bedienten sie sich auch verschiedenster Strafinstrumente, da man wohl nur durch die permanente Androhung bzw. Vollstreckung etwaiger Strafen ein geeignetes Mittel sah die Produktivität des landwirtschaftlichen Betriebes konstant auf einem hohen und profitablen Niveau zu halten. In der Tat bedeutete ein untätiger oder widerspenstiger Sklave nicht nur eine Profitminderung des Betriebes, sondern konnte aufgrund der Kosten für seine Unterbringung und Verpflegung auch zu einer finanziellen Last seines Herrn werden. Für die Sklaven selbst bedeutete dies neben der alltäglichen Schufterei natürlich zusätzliche physische und psychologische Qualen, sodass die Arbeit auf dem Felde sicherlich als eine der schlimmeren und schmerzhafteren Formen antiker römischer Sklaverei bezeichnet werden kann.[3]

Schätzungen zu Folge mußten um 100 n. Chr herum bis zu drei Millionen Feldsklaven jenes undankbare Schicksal über sich ergehen lassen[4] , wobei der hohe Bedarf an unfreien Arbeitern in der Landwirtschaft wohl allgemein auf den vergleichsweise hohen Wohlstand der römischen Gesellschaft zurück zu führen ist. Entscheidend in diesem Zusammenhang war neben der stets hohen Nachfrage nach agrarischen Erzeugnissen und Produkten zur Versorgung der breiten und wachsenden Volksmasse letztlich wohl allen voran auch die Tatsache, dass insbesondere die römischen Eliten zur Vergrößerung bzw. Erhaltung ihres Reichtums sowie ihrer sozialen Stellung zunehmend auf die Inanspruchnahme massiver Sklavenarbeit auf ihren Gutshöfen und ländlichen villae angewiesen waren. Folglich wundert es kaum dass diese sich dann auch ausgiebig mit der Frage der optimalen Nutzung und Bewirtschaftung ihrer ländlichen Güter befassten, wozu neben allgemeinen Richtlinien zur saisonalen Feldarbeit sowie ausführlichen Inventarlisten auch, wie etwabei Cato[5] , teils genaue Vorgaben an das angestellte Personal zählten. Diese beschäftigen sich neben Lebensmittelrationen an die Sklaven auch ausgiebig mit Fragen der Produktivität und Einsatzmöglichkeiten, insbesondere in Anbetracht der Tatsache dass ein untätiger Sklave – z.B. wie bei Cato vermerkt im Falle schlechten Wetters – auch einen Kostenpunkt für den Betrieb darstellte. Folglich war es ein großes Anliegen der besitzenden Klassen ihre Angestellten stets mit irgendeiner Art von Arbeit zu vertrauen, sei dies nun auf dem Feld, im Obst- und Gemüsegarten, im Mahlwerk oder auch in der villa, um dort verschiedene Hausarbeiten zu verrichten. Prinzipiell galt es Unproduktiviät und Zeitverlust von vornherein auszuschließen, um dadurch Verluste der häuslichen Einnahmen nach Möglichkeit zu minimieren.

Im landwirtschaftlichen Betrieb kamen Sklaven auf Anwesen aller Arten und Größen zum Einsatz: Auf den kleinbäuerlichen Ländereien im Norden und außerhalb Italiens, die hauptsächlich auf Subsistenzwirtschaft ausgerichtet waren; auf den süditaliennischen und sizilischen Latifundien, d.h. großen Landgütern mit ausgedehnter Weidewirtschaft; sowie allen voran auf den zahlreichen Ländereien im Besitz eines einzigen Großgrundbesitzers. Insbesondere letztere nutzen den massiven Einsatz von unfreien Mitarbeitern nicht mehr ausschließlich zur Selbstversorgung, sondern bedienten sich einer straffen Arbeitsorganisation – und Teilung insbesondere auch zur Kultivierung umfassend bewirtschafteter Felder, deren Erzeugnisse dann in der Regel auf nahen und fernen Märkten angeboten wurden[6] . Allein diese Tatsache weist nicht nur auf die zentrale Rolle der Sklavenarbeit für das Funktionieren des bäuerlichen Betriebes selbst hin, sondern verdeutlicht gleichzeitig auch ihre herausragende Bedeutung im Rahmen von Vermarktung und Versorgung der römischen Volksmassen. Mit dem Wachsen des römischen Imperiums stieg nämlich auch die Nachfrage nach Grundnahrungsmitteln wie Weizen, Oliven und Fleisch rapide an, und so war es folglich insbesondere der Anbau und Verkauf jener Produkte in großen Mengen sowie unter tatkräftiger Mitarbeit unfreier Angestellter aus dem die römischen Eliten letzten Endes einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens und Wohlstandes beziehen konnten.[7]

Im Hinblick auf die konkreten Lebens – und Arbeitsbedingungen von Sklaven ergaben sich die wohl mit Abstand schlimmsten Verhältnisse jedoch für jene unfreien Menschen, die fernab in Steinbrüchen sowie in unterirdischen Minen und Bergwerken zur Arbeit gezwungen wurden. Vor allem körperlich stellte jene Form der Ausbeutung wohl die mit am unmenschlichste Art von Sklaverei dar, da die Männer hier täglich unter äußert rauen Bedingungen verbunden mit extremen physischen Anstrengungen und Belastungen ihren Dienst verrichten mussten[8] . Auch in der Kaiserzeit wurden insbesondere Kriegsgefangene und Verbrecher zunächst weiterhin zum Strafdienst in die Minen beordert, wobei jene zuvor gängige Praxis dann allerdings allmählich durch den Einsatz freier Minenarbeiter abgelöst wurde[9] .

Der Einsatz von Sklaven im produzierenden Gewerbe, d.h. vor allem in Manufakturen zur Herstellung verschiedenster künstlich verarbeiteter Endprodukte sowie in den unterschiedlichen Bereichen des öffentlichen Bauwesens, gestaltete sich hingegen gleich in mehrfacher Hinsicht anders: In Töpfereien und anderen Keramikwerkstätten gehörte das eingesetzte Arbeitspersonal bspw. in der Regel nicht zum festen Bestandteil des Betriebes, sondern wurde im Rahmen eines auf eine bestimmte Zeit festgelegten Pachtvertrages von einem reichen Privatmann gegen ein entsprechendes Entgelt an die Werkstatt „verliehen“[10] . Innerhalb jenes Zeitraumes mussten die bereitgestellten Sklaven dann Aufgaben wie z.B. die Gewinnung der Töpfererde aus Bodengruben, ihren Transport oder das Verbrennen von Holzkohle übernehmen. Desweiteren betätigten sie sich auch an der anschließenden Herstellung von Töpfen, Gefäßen und Amphoren, ihrer Verzierung und Politur sowie zuweilen auch am Vertrieb und Verkauf auf öffentlichen Märkten.[11] Nach dem Ende der vorgesehenen Arbeitsfrist wurden dann zuweilen ganze Fabrikmannschaften schlichtweg im Rahmen eines weiteren Pachtvertrages an einen anderen Betrieb „weiter verliehen“, sodass ein und derselbe Sklave zeit seines Lebens letztlich in gleich mehreren Werkstätten bei der Herstellung verschiedener Waren beteiligt gewesen sein konnte[12] .

[...]


[1] Westermann, William Linn, The slave systems of Greek and Roman Antiquity, S. 90.

[2] Hopkins, Keith. Conquerors and Slaves: Sociological Studies in Roman History, S 4-5.

[3] Vgl. Schumacher, Leonhard, Sklaverei in der Antike, S. 96-116; Thébert, Yvon, Der Sklave. In: Giardina, Andrea (Hrg.), Der Mensch der römischen Antike, S. 166-168.

[4] Hopkins, Keith. Conquerors and Slaves: Sociological Studies in Roman History, S 4-5.

[5] Cato, agr., 10f. In: Des Marcus Cato Belehrung über die Landwirtschaft.

[6] Thébert, Yvon, Der Sklave. In: Giardina, Andrea (Hrg.), Der Mensch der römischen Antike, S. 167f.

[7] Hopkins, Keith, Conquerors and Slaves, Cambridge 1978, p. 3-6

[8] Plinius, Naturalis historiae 33, herausgegeben und übersetzt von König R., München1984, S. 67-75, 98.

[9] Neben unfreien Arbeitssklaven waren jedoch auch durchaus spezialisierte und technisch ausgebildete Fachkräfte in den Minen anzutreffen. Westermann, William Linn, The slave systems of Greek and Roman Antiquity, S. 94.

[10] Auskunft über die genauen Einsatzbedingungen geben mehrere überlieferte Pachtverträge, wie bspw. das Dokument REA 76, 1974, 266, Nr. 25B.

[11] Schumacher, Sklaverei in der Antike, S. 122-124.

[12] Westermann, William Linn, The slave systems of Greek and Roman Antiquity, S. 92.

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656272519
ISBN (Buch)
9783656272854
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v201255
Institution / Hochschule
Université du Luxembourg
Note
2,0
Schlagworte
Sklaverei Sklaven Rom Antike

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