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Die Inhaltsanalyse am Beispiel der Risikokommunikation von Mobilfunkstrahlung in den Medien

von Marie Luedtkes (Autor)

Hausarbeit 2008 16 Seiten

Soziologie - Methodologie und Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Risikokommunikation und -wahrnehmung
2.1 Der psychometrische Ansatz
2.2 Die Rolle der Massenmedien

3. Die Inhaltsanalyse
3.1 Definition
3.2 Bewertung der Methode
3.3 Untersuchungsablauf der Inhaltsanalyse

4. Untersuchungsablauf des Projekts
4.1 Forschungsfragen
4.2 Auswahl des Untersuchungsmaterial
4.3 Kategorisierung
4.4 Pretests

5. Problemanalyse
5.1 Operationalisierung
5.2 Auswahl der Medien

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Seminarbeit stellt den Einsatz der Inhaltsanalsye als Datenerhebungstechnik im Projekt „Risikokommunikation von Mobilfunkstrahlung in den Medien“ vor, und soll die Methode der Inhaltsanalyse generell, als auch vor dem Hintergrund des Projekts erklären, um gleichzeitig kritisch auf Problematiken hinzuweisen.

Forschungsfragen, die anhand der Studie beantwortet werden sollten, waren unter anderem, ob ein Zusammenhang zwischen der Häufigkeit einer bestimmten Risikokommunikation und einer adäquaten Berichterstattung besteht, und welche Risiken adäquat kommuniziert werden bzw. welche nicht.

Wie sich am Ende des Projekts zeigte bzw. bereits während der Pretests abzeichnete, konnten diese und andere Forschungsfragen anhand des Datensatzes nicht beantwort werden. Von 17.060 kodierten Seiten gab es nur auf insgesamt acht Seiten relevante Artikel, was nur 0,05 Prozent entspricht. Auf diesen acht Seiten wurden insgesamt 22 Artikel gefunden, wobei wiederum nur ein Artikel aus der Frankfurter Rundschau eine inadäquate Berichterstattung aufwies und lediglich 0,25 Seiten umfasste. Somit sind in den gefundenen Artikeln nur 3 Prozent inadäquate Informationen gegeben wurden. Eine Auswertung des Artikels war nicht möglich, da die enthaltenen Informationen alle nur in der Kategorie „Sonstiges“ aus dem Kategorienschema kodiert werden konnten.

Vor diesem Hintergrund soll nun das gesamte Projekt methodenkritisch interpretiert werden. Dies umfasst die Auswahlproblematik, sprich die Definition der Grundgesamtheit und der Stichprobenziehung bei standardisierten Inhaltsanalysen. Sowie die Operationalisierung der Fragestellungen, die Entwicklung des Kodierschemas, und letztendlich die Pretests bei Inhaltsanalysen.

Zunächst wird in der vorliegenden Arbeit jedoch ein Exkurs in die Theorie der Risikokommunikation und -wahrnehmung stattfinden, um eine Einführung in die Thematik dessen zu bieten, und das Projekt in einen theoretischen Kontext einzubetten. Im weiteren Verlauf wird die Inhaltsanalyse als sozialwissenschaftliche Methode dargestellt, um darauf folgend das Projekt „Risikokommunikation von Mobilfunkstrahlung in den Medien“ zu erläutern, und einige methodische Schwachstellen des Projekts näher zu beleuchten.

Anschließend werden im Fazit einige weitere Überlegungen dazu angestellt, warum das Projekt „ergebnislos“ geblieben ist. Diese Überlegungen richten sich in Abgrenzung zu der methodenkritischen Analyse auf den theoretischen Hintergrund der Risikokommunikation und -wahrnehmung.

2. Risikokommunikation und -wahrnehmung

Um das Projekt in einen theoretischen Kontext einzubetten, soll an dieser Stelle ein kurzer Exkurs über die Risikokommunikationsforschung stattfinden. Risikokommunikation beinhaltet jegliche Kommunikation, die dem Erkennen, der Beurteilung und dem Management von Risiken dient. Als eigenständiges Forschungsfeld soll die Risikokommunikation zum Verständnis und zur Erklärung von gesellschaftlicher Kommunikation über Risiken beitragen (vgl. Wiedemann/Schütz 2006).

Welche Risikothemen in der Gesellschaft auf Resonanz stoßen und welche nicht, kann kaum prognostiziert werden. Das Risikothema Strahlung von Mobilfunkwellen fand in der Öffentlichkeit z.B. große Resonanz, wohingegen andere nicht minder ernstzunehmen- de Themen im öffentlichen Diskurs gar nicht auftauchten (Kreienbock et al., 2001). Be- deutsam ist in diesem Zusammenhang, dass Risiken erst durch den öffentlichen Diskurs geschaffen werden. Dass heißt, Risiken werden in der Gesellschaft nur im Zusammenhang ihrer Rezeption, Evaluation und Kommunikation gebildet. Ob ein Thema zu einem öffent- lichen Diskurs führt, wie dieser verläuft, und wie das Ergebnis aussieht, hängt von diversen Faktoren ab und ist wie oben erwähnt kaum vorhersagbar. Faktoren können z.B. die Bezie- hung der Bevölkerung zu Umwelt und Gesundheit, kulturelle Normen und Werte sowie deren regionale und nationale Charakteristika, die Haltung der Gesellschaft gegenüber In- novationen und die kollektive Beurteilung von Nutzen und Risiko, sein (vgl. Büllingen et al. 2002, 31ff).

In der sozialpsychologischen Risikoforschung gibt es eine Theorie, die sich damit beschäftigt wie Personen das Risiko einer konkreten Handlungsweise bzw. eines konkreten Sachverhalts unter bestimmten Bedingungen einschätzen. In der Forschung kann dieser Ansatz zum Zweck der deduktiven Kategorienbildung herangezogen werden und soll im Folgenden kurz vorgestellt werden, da die Theorie am Ende der Arbeit wichtige Hinweise zur Problemanalyse des Kategoriensystems liefern kann.

2.1 Der psychometrische Ansatz

Die psychologische Risikoanalyse erforscht wie Personen das Risiko einer konkreten Handlungsweise bzw. eines konkreten Sachverhalts unter bestimmten Bedingungen einschätzen. Dabei trug die Forschung des psychometrischen Ansatzes folgende Ergebnis zutage (vgl. Jungermann/Slovic 1993, 89ff und Slovic 1999, 689ff):

(1) Personen akzeptieren fakultativ eingegangene Risiken mehr, als solche die sie ohne Wahlfreiheit eingehen (müssen)
(2) Die Akzeptanz eines Risikos erhöht sich mit der Kontrolle über die Gefahrenquelle, anders gesagt: je weniger Kontrolle gegeben ist, desto weniger wird das Risiko akzeptiert
(3) Räumliche Nähe zur Gefahrenquelle wirkt sich negativ auf die Risikoakzeptanz aus
(4) Neue Technologien werden als riskanter eingeschätzt, als alte Technologien
(5) Die Risikoakzeptanz hängt von der Möglichkeit des „Rückgängigsmachen“ der Folgen ab
(6) Die Möglichkeit eines Unfalls mit vielen zeitgleichen Todesfällen erhöht die Risikowahrnehmung einer Technik, wohingegen das Risiko niedriger eingeschätzt wird, wenn die Todesfälle zeitlich zerstreut und vereinzelt auftreten
(7) Eine Technik wird als risikoreicher bewertet, wenn die Konsequenzen die eigene Person betreffen, als wenn es Dritte betrifft
(8) Von Menschen ausgelöste Risiken werden höher beurteilt als Natürliche, die eher als unumgänglich akzeptiert werden

Kritiker dieses Ansatzes beklagen die niedrige Erklärungskraft, die es nicht vermark indi- viduelle Risikobewertungen hinreichend zu erläutern, sowie die fehlende Verbindung zu einer psychologischen Theorie (vgl. Sjöberg 2002, 665ff). Allerdings ist der psychometri- sche Ansatz immer noch, der am weitesten verbreitete Vorgang in der psychologischen Risikoforschung und soll hier als Erklärungsansatz trotz kritischer Stimmen genügen und dienlich sein.

2.2 Die Rolle der Massenmedien

Der grundlegende Kanal über den Risikokommunikation transportiert wird sind die Massen- medien. Die Medienberichterstattung spiegelt und prägt zugleich die öffentliche Meinung einer Gesellschaft zu einem Thema. In Folge dessen kommt den Medien bei der Berichter- stattung über neue Technologien und deren Chancen und Risiken eine Art Dolmetscher- funktion zu. Dem breiten Publikum mangelt es bei wissenschaftlichen und technischen Themen oft an Fachwissen, sodass von den Medien eine auch für den Laien verständliche Aufbereitung solcher Themen erwartet wird. Dadurch sind die Medien speziell als Vermitt- ler wissenschaftlicher und technischer Themenbereiche ein entscheidender Einflussfaktor auf die öffentliche Meinungsbildung und den gesamten Verlauf des Risikodiskurses. Auf diese Weise verstärken und bündeln Medien die öffentliche Rezeption und Kommunika- tion technischer Risiken. Dabei berichten Medien nicht immer neutral und objektiv, son- dern übertreiben im Kampf um das Publikum gelegentlich Gefahren (vgl. Büllingen et al. 2002, 34ff). Die grundsätzliche Relevanz der Medien für die Präsentation und den Verlauf eines Risikodiskurses wirft die Frage nach ihrer Rolle und Einflussnahme über das Risiko- thema Mobilfunkstrahlung auf. Aus diesem Grund basiert das Projekt „Darstellung der Ri- siken von Handystrahlung in den Medien“ auf einer standardisierten Inhaltsanalyse von Medienbeiträgen zu dem Thema.

3. Die Inhaltsanalyse

Merten (1995, 59): „ Inhaltsanalyse ist eine Methode zur Erhebung sozialer Wirklichkeit, bei der von Merkmalen eines manifesten Textes auf Merkmale eines nichtmanifesten Kontextes geschlos- sen wird. “

Fr ü h (2004, 25): „ Die Inhaltsanalyse ist eine empirische Methode zur systematischen, intersubjektiv nachvollziehbaren Beschreibung inhaltlicher und formaler Merkmale von Mitteilungen. “

3.1 Definition

Die Inhaltsanalyse ist ein empirisches Verfahren zur methodischen Darstellung inhaltlicher Charakteristika von Mitteilungen. Grundsätzlich klassifiziert und strukturiert sie alltägliche Angelegenheit, wie das Lesen und Deuten von Zeitungsartikeln. Angelpunkt der Methode ist ein Kategorienschema anhand dessen die Informationen des Senders — wie z.B. des Journalisten — an den Empfänger — wie z.B. den Zeitungsleser — kodiert bzw. dekodiert werden. Die Leistung des Dekodieren aus Sicht des Empfängers stellt ein Grundproblem der Inhaltsanalyse dar, weil immer eine „Deutungs“-Leistung stattfindet, wenn man an den inhaltlichen Aspekten interessiert ist. Bei Dokumenten aus unbekannten sozialen Milieus müssen daher zunächst die Zeichen (auch im Sinne von Worten) und deren Bedeutung expliziert und angeeignet werden (Diekmann 2003, 481).

Die Intention ist dabei nicht die lückenlose Wiedergabe des Sinngehalts von einigen we- nigen Mitteilungen bzw. Informationen, sondern die Systematisierung wesentlicher inter- subjektiv nachvollziehbarer Charakteristika von Inhalten aus einer größeren Menge von Textmaterial, Tönen oder Bildern. Die systematische Inhaltsanalyse kann dabei sowohl auf den Inhalt, als auch auf den Sender und dessen Intention, wie auch den Empfänger und seine Interpretation, zielen (vgl. Friedrichs 1990, 314ff). Die Inhaltsanalyse kann dabei ent- weder Dokumente betreffen, die unabhängig von der Analyse erstellt worden sind wie z.B. Zeitungsartikel, oder solche die ausschließlich für den Zweck der Untersuchung erhoben wurden wie z.B. Interviewprotokolle (Gläser 1999, 5). Bei der Verwendung von Massen- kommunikationsmitteln muss man darüber hinaus differenzieren, ob diese Forschungs- material oder Forschungsgegenstand sind. Medien als reines Forschungsmaterial betreffen nur die Frage „Was“ kommuniziert wird. Wohingegen Medien als Forschungsgegenstand die Fragen nach dem „Was“ und dem „Wie“ beinhalten. Allerdings muss man zu bedenken geben, dass das „Wie“ nie gänzlich beseitigt werden kann (Silbermann 1974, 287).

Hinzukommt, dass die Inhaltsanalyse nicht nur inhaltliche Merkmale analysiert, sondern auch formale Aspekte wie z.B. die Länge von Sätzen, der Gebrauch von Konjunktiven, etc. miteinbezieht (Diekmann 2003, 481).

Die Inferenzen der Inhalsanalyse können in drei Ansätze unterschieden werden: den formal- deskriptiven, den diagnostischen und den prognostischen Ansatz.

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Details

Seiten
16
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656272168
ISBN (Buch)
9783656272861
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v201227
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Soziologie
Note
1,3
Schlagworte
inhaltsanalyse beispiel risikokommunikation mobilfunkstrahlung medien

Autor

  • Marie Luedtkes (Autor)

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Titel: Die Inhaltsanalyse am Beispiel der Risikokommunikation von Mobilfunkstrahlung in den Medien